Reisejahr I  -  “Nix wie weg !!”

Test

 

Besucher seit dem 30.01.2003

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30.01.2003

Die Wohnung leert sich, der Papierkram wächst. Was bleibt hier - was muss mit ??

12.02.2003

Reisepass, internationaler Führerschein u.s.w. muss beantragt werden, da die Behörden in der Regel 4 bis 6 Wochen für die Ausstellung benötigen.

28.02.2003

Der Möbelverkauf hat begonnen.

18.03.2003

Die Papiere (Pass etc.) sind endlich eingetroffen und das Wetter wird frühlingshaft. Hoffentlich hält das an, denn an den Fahrzeugen ist noch viel zu tun.

30.03.2003

Glück mit dem Wetter gehabt, konnten viel an den Fahrzeugen machen. Noch 2 bis 3 solche Wochenenden und das Equipment steht!

09.04.2003

Trotz der selbst für April ungewöhnlich schlechten Wetterprognosen, der Termin der Abreise steht fest, es ist der 03.05.2003 !

Nur noch wenige Tage. Die Wohnung ist aufgelöst. Wir leben bereits auf nun noch ca. 10 qm Wohnfläche in unserer Wohnkabine. Fast alles ist gepackt aber es gibt natürlich noch ausreichend Stress. Am 02.05.2003 steigt unsere Abschiedsparty.

Das Schwein rotiert über dem Feuer, Bier, Wein und Flaschen mit "hochprozentigen" Inhalt, auch die aus der ehemaligen Hausbar, die nie aufgemacht wurden ( der russische Wodka von 1989 ), stehen bereit, und nach und nach trudeln Freunde und Verwandte ein. Die Abschiedsparty steigt, mit Planspielen für die Zukunft ("wir sehn uns in fünf Jahren am Baikalsee"), mit Rückblicken auf gemeinsame Unternehmungen und da und dort auch mit einigen Tränen. 2.30 Uhr ist auch der "harte Kern" auf eine Liege gefallen - eigentlich wollten wir Punkt 8.00 Uhr los, aber daraus wird wohl nichts.

Die Verspätung hält sich in Grenzen. 8.45 Uhr "scharfer Start" mit einem sicherlich völlig überladenem Fahrzeug. Aber der "Landy" rollt und nach der üblichen Gewöhnungsphase, schaukel, schaukel, knall - Auflaufbremse rein, ruck - Auflaufbremse raus, kommen wir allmählich in die "Gänge". Demonstrativ "5 Minuten vor 12" verlassen wir deutschen Boden und passieren ohne Verzögerung die Grenze nach Tschechien. Kurz vor Plzen macht sich der wenige Schlaf doch bemerkbar. An einem kleinen See und einem ehrwürdigen Kloster machen wir halt und nach reichlich "gehackten" von Gestern und einem kurzen Spaziergang gibt es etwas Schlaf.

Weiter geht´s in Richtung "Schnürschuh". Die Strecke ist sehr bergig, aber mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 45 Km/h wird´s schon. Im "Nationalpark Kalkalpen" wollen wir einen CP suchen. Während der Vorbereitung hatte ich einige CP im Netz gefunden. Den Kleinsten davon steuern wir nun an. Leider macht der Weg dorthin den Kalkalpen alle Ehre. Angekommen stellen wir fest, dass er wirklich sehr klein ist (4 Stellplätze ) und diese sind nur über eine steile Zufahrt mit zwei Spitzkehren zu erreichen. Die Besitzerin ist skeptisch, ob wir das mit unserem "Zug" schaffen, aber ich nehme den Mund voll -"wird schon". Cordula rät noch eindringlich "mach die Untersetzung rein" und dann passiert´s. Da die Untersetzung vorsorglich schon eingelegt war, verhasple ich mich total und lege die Differenzialsperre-Strasse ein. Nach wenigen Metern Steigung stirbt der Motor im 1. Gang zu meiner Überraschung ab. Die Aufregung wächst und ich lege nun statt der Untersetzung -Strasse auch noch Strasse-Normal ein. Natürlich stirbt der Motor wieder ab und ich bemerke meinen Irrtum nicht einmal. Der Gedanke an die "Überlast" macht´s halt möglich. Also auf halben Weg wenden, was mir logischerweise (im Strassengang) die Kupplung leicht übel nimmt. Mit hängenden Ohren machen wir uns vom Platz. Als wir wieder die Strasse erreichen, will ich die Untersetzung heraus nehmen und bemerke nun endlich meinen Irrtum. Blödmann !!
Nach kurzer Suche finden wir einen sehr schön gelegenen CP an einem kleinen Ausläufer der Enns in Grossraming. Da es zu diesem Platz etwas steil hinunter geht, befürchtet Cordula nun wir kommen nicht wieder auf die Strasse. Na ja, am Sonntag werden wir es ja sehen.

Nach einer sehr ruhigen Nacht stehen wir für unsere Verhältnisse sehr zeitig gegen 7.00 Uhr auf und lassen den Tag ruhig angehen. Die nächsten 3 Tage wollen wir mit den Motorrädern etwas die Gegend erkunden. Das bedeutet, die Bikes vom Hänger nehmen, Zelt und Motorradklamotten zusammen suchen, GPS programmieren etc. Also ein ganz ruhiger Tag bei viel Sonnenschein.

06.- 08.05.2003

Drei Tage zur Abwechslung mal nicht Nord-Süd, sondern Ost-West durch Österreich. Jetzt merkt man erstmal das dieses Land doch über eine gewisse Ausdehnung verfügt. Mit den Bikes die Pässe rauf und runter macht natürlich unheimlich spass. Unser "Zuhause" haben wir auf dem CP in Grossraming stehen und übernachten in unserem "Notfallzelt". Dieses nützliche Teil haben wir uns auf unserer Australienreise zugelegt, da nur mit den Motorrädern unterwegs schnell mal was passieren oder die nächste Unterkunft im Hellen nicht erreichbar sein kann.  Aus Platzgründen besteht das Ganze aus einem Einmannzelt, einem Schlafsack und zwei Matten. Doch für uns beide ist diese Variante, zumal nur für wenige Nächte durchaus ausreichend. Nach rund 1.500 Km ausschließlich Pass- und Nebenstrassen haben wir genug und erreichen wieder unseren CP.

09.05.2003

Zwei Aufgaben stehen Heute an. Die Alpentour hat "Gummi" gekostet und viel Profil war eh nicht mehr drauf, also Reifenwechsel an beiden Bikes. Automatisch ist dies mit den ersten "Gewichtsverlusten" verbunden und wirkt sich somit positiv aus. Die zweite Aufgabe war weit schwieriger - einen Internetanschluss, in Form einer Schnittstelle und nicht als Terminal, in einer "Großstadt" wie Steyer suchen. Der Reifendienst war schnell gefunden und mit 18,- € für vier Reifen auch sehr preiswert. Zwar mussten wir am Nachmittag noch mal hin, weil der Vorderreifen an Cordulas Maschine Luft verlor, der "Übeltäter" (ein kleiner "Gummistachel" hatte sich zwischen Felge und Mantel verirrt) war schnell gefunden und auf Kulanz der Reifen neu aufgezogen. Die Suche nach der Internetschnittstelle brachte viele neue Erfahrungen, von welchen mein alter Herr immer behauptete das sie einen Klug aber nicht reicher machten und ich glaube er hatte recht. Die reichlich vorhandenen Internet- Café´s wollen ihre PC´s bzw. Terminals vermieten und das Personal hat meist keine Ahnung ob mit ISDN, Modem oder Netzwerk gearbeitet wird. Der Jugendclub hätte uns gerne geholfen, aber der Server wollte schon seit zwei Tagen nicht so recht. Also fragten wir nun schon etwas genervt im Hotel "Mader" ob hier nicht wenigstens ein Telefonanschluss zu mieten sei. Und prompt hatten wir Erfolg. Allerdings kostete uns dieser Anschluss für 1 Stunde und 57 Minuten die stolze Summe von 137,17 €. Diese Methode können wir also künftig ausschließen. Da ist ja SkyDSL über Satellit preiswerter.
Nach einem weiteren sehr heißen Tag hatten wir nun am Abend das erste Gewitter, aber der große Regen war es auch nicht. Der "Hundertjährige" wird wohl schon recht behalten - ein heißer und trockener Sommer.

10.05.2003

Wieder ein ruhiger Tag. Einpacken war angesagt. Bei dieser Gelegenheit konnte ich durch einige Gewichtsverlagerungen die Stützlast auf die Anhängerkupplung spürbar verringern. Es fährt sich angenehmer. Eine gewisse Routine lässt so einen "Packtag" auch stressfreier werden, was sich wiederum auf die Stimmung positiv auswirkt. Also wirklich ein ruhiger Tag.

Zeitig haben wir den CP ohne Probleme - also diesmal mit der richtigen Untersetzung - verlassen. Nach anfänglicher Bewölkung, verspricht es wieder ein schöner Tag zu werden. Der Tauern-Pass zwingt zur Untersetzung, aber im 3. Gang untersetzt läuft der "Landy" zwar langsam aber kontinuierlich. Leider macht sich meine zusätzliche Kühlerlüftung durch ständige Arbeitsverweigerung negativ bemerkbar - da müssen wir mal nachschauen - aber nach kurzer Pause auf halber Strecke ist die Temperatur wieder normal und es kann weiter gehen. So im Selbstbewusstsein aufgebaut, wollen wir nun auch den Loibl-Pass bezwingen. Aber ein Schild mit Fahrverbot für Hänger über 1 Tonne, setzt unseren Träumen ein jähes Ende. Also kleiner Umweg und ab geht es durch den 7,8 Km langen Karawanken-Tunnel. Kostet zwar 6,50 € Maut, schont aber die Maschine erheblich. An der Grenze nach Slowenien gibt es statt einer ausgiebigen Kontrolle, einen angenehmen Plausch mit dem Zöllner über Ausrüstung, GPS, PS des Landy usw., also einer der auch was davon versteht. Auf der kurvenreichen Strecke sind viele Biker unterwegs was unsere bisherigen Erfahrungen vom bikerfreundlichen Slowenien bestätigt. Den CP in Bled (http://www.camping.bled.si) hatten wir uns schon in einem ADAC-Führer ausgeguckt und er ist wirklich empfehlenswert. Direkt am See gelegen, sehr sauber, ruhig und mit freundlichen, deutsch sprechenden  Personal. Folgerichtig schnurrt mir Cordula einen Ruhetag in dieser schönen Umgebung ab und ich kann ihr ja einfach nichts abschlagen. Leider "bestraft" sie mein Entgegenkommen und besteht für Morgen auf eine ausgedehnte Wandertour um den ganzen See. Naja, so sind die Frauen, da kann "Mann" nichts machen.

12.05.2003

Es war ein sehr schöner Trip rund um den See. Zum Wandern ist die nördliche Seite angenehmer, da man hier nicht auf die Strasse angewiesen ist. Der Ort Bled (http://www.bled.si) ist ausgesprochen touristisch Angelegt, aber trotzdem, zumindest in der Vorsaison, sehr schön ruhig. Wir haben Post erledigt und ein paar Einkäufe gemacht. Slowenien hat sich bereits sehr westeuropäischen Standards angenähert, ist aber bei der Preisgestaltung noch ausgesprochen moderat. Im Gegensatz zu Österreich ist hier alles um 25 - 50% günstiger. Das Wetter spielt weiter mit und bei ca. 30°C lässt es sich aushalten.

Weiter zieht die Karawane Richtung Süden. Slowenien ist ein kleines Land, so ist die nächste Grenze schnell erreicht. Die Slowenische Zöllnerin muss ihre Wichtigkeit unter Beweis stellen und sucht - wir wissen nicht was zwischen unseren Sitzen. Trotzdem geht auch dieser Grenzübertritt unproblematisch und schnell. Die schmale Küstenstrasse entlang der Adria ist landschaftlich sehr schön, aber leider sehr stark befahren. Nach rund 240 Km haben wir die Nase voll und bleiben auf einem kleinen CP direkt gegenüber der Insel Krk für eine Nacht stehen. Das Wetter ist nach wie vor herrlich und das Wasser dürfte auch schon um 18°C warm sein.

14.05.2003

4.30 Uhr kommt heftiger, ablandiger Wind auf, der sogenannte "Bora". Wir sammeln alles ein was wegfliegen könnte und stellen den Wecker ab, da das befahren der teilweise sehr kurvigen und steilen Küstenstrasse bei diesen Böen bestimmt keinen Spass macht. Nach dem späten Frühstück ist die Wetterlage unverändert, Sonnenschein und sehr böiger Wind. Wir beschließen doch aufzubrechen. So zuckeln wir immer entlang der Adria bis Prizna. Von hier geht es weiter mit der Fähre auf die Insel Pag. Dort wollen wir versuchen einen schönen Stellplatz in der freien Natur zu finden. Dazu haben wir uns die Gegend von Lun, also die Spitze der Insel, ausgesucht. Bereits der Weg dorthin lässt die Aussicht einen solchen zu finden, gering erscheinen. Rechts und links der schmalen Strasse abschüssiges, gerölliges Gelände, was auch noch durch Feldsteinmauern als Privatbesitz kenntlich gemacht ist. In Lun, einem winzigen Nest, teilt sich die Strasse in zwei entgegengesetzte Einbahnstrassen mit jeweils 20% Gefälle bzw. Steigung. So halten wir an der letzten Wendemöglichkeit und erkunden den Rest des Weges zu Fuß. Bis Tovarnele sind es ca. 1 Km. Also sprinten wir die 20% Gefälle förmlich hinunter um unten festzustellen, dass auch hier für uns kein Stellplatz ist und schnaufen dann die Steigung wieder rauf. Das macht durstig. Also ab in die nächste Lokalität um diesen zu löschen. Der Wirt spricht deutsch und hat es nicht sonderlich schwer uns zu einer Brotzeit zu überreden. Leckerer Schinken, eingelegte Sardinen, Käse, Oliven und frische Brot stillen schnell unseren Appetit. Der Wirt verweist uns auf einen CP nahe von Novalja (http://www.Novalja.hr). Also beschließen wir dort zu übernachten und am nächsten Tag mit den Motorrädern einen geeigneten Platz für die nächsten Tage zu suchen. Der CP (http://www.turistdd.hr) ist schnell gefunden und noch völlig in der Vorbereitungsphase auf die kommende Saison. Also ausgesprochen ruhig.  

Nach ausgiebigen Frühstück nehmen wir die Bikes runter und machen uns auf die Suche. Aber entweder ist die Piste zu geröllig oder zu steil, oder es gibt keine Möglichkeit mit unserem "Zug" zu wenden. Der einzige in Frage kommende Platz ist so dicht an einer Ortschaft, dass "wildes Camping" möglicherweise Ärger einbringen könnte. Schließlich sind wir ja noch im "zivilisierten" Europa. Wir werden die nächsten Tage also auf dem CP in Novalja bleiben. Da es das Wetter auch weiter gut mit uns meint, macht diese Erkundungstour mit den Bikes viel Spass und wir können einige Kilometer Schotterpiste entlang der Küste fahren. Auf dem Rückweg kaufen wir noch ein. Die Öffnungszeiten spiegeln den Lebensrythmus der Insulaner wieder - 8.00 - 12.00 und 17.00 - 20.00 Uhr. Ach ja, es wurde angebadet!!

16.05.2003

Ein sehr ruhiger Tag mit viel Sonnenschein, aber kühlem Wind. Wir versuchen über SkyDSL ins Internet zu kommen. Also Satellitenschüssel einrichten und Trägersignal suchen. Wir finden alles mögliche, nur kein Trägersignal von SkyDSL. Woran das liegt, können wir im Moment nicht klären. Aber wir arbeiten daran.

17.05.2003

Die Wetterlage ist nahezu unverändert. Unsere Versuche mit SkyDSL haben wir vorerst aufgegeben und gehen über FranceTelecom ins Netz. D.h. wir holen erst einmal e-Mails ab und aktualisieren unsere Seiten.

18.05.2003

Durch Zufall haben wir in den Unterlagen des CP von einem Internet-Café in Novalja gelesen und uns gleich aufgemacht, um dieses zu besuchen. Leider Fehlanzeige - entweder weil die Saison noch nicht eröffnet ist oder die Nachfrage zu gering. Dafür war der Markt am Sonntag voll in Betrieb. Also einkaufen. Viel Obst und Gemüse und den für die Insel typischen Käse. Am Nachmittag war Angeln angesagt. Das war ein "voller Erfolg" - im nahe gelegenen Restaurant gab es glücklicherweise eine wunderbare Fischplatte. Na vieleicht beim nächsten Mal.

19.05.2003

Wir packen früh unsere Sachen zusammen (und "vergessen" bereitwillig die ersten schweren Teile aus unserem Anhänger - ob es schon etwas helfen wird ???) und verlassen den CP in Richtung Zadar. Von unserer Motorradtour im Oktober 2001 ist uns der Krka Nationalpark in guter Erinnerung. Kurz vor Sibenik bemerke ich, dass der Hänger sehr stark auf und nieder schwingt. Als wir den Parkplatz in Skradin, am Eingang des NP erreichen, gehe ich der Sache auf den Grund. Somit stehen nun drei Teile von uns hier, der Landy, der Anhänger und eine Anhängerzugvorrichtung. Zwei Schrauben der AZV sind einfach weggebrochen, was die Demontage, da sich die Reste entsprechend verkeilt haben, auch nicht gerade erleichtert. Um die Sache abzurunden, handelt es sich auch noch um Imbusschrauben mit Teilgewinde, welche natürlich nicht in meiner Ersatzteilkiste zu finden sind.  Der Platzwart kennt aber einen Mechaniker und nimmt sich unserem Problem bereitwillig an. Als wir am Abend von einem Spaziergang durch Skradin zurück kommen, liegt eine Tüte mit entsprechenden Schrauben vor unserer Tür.

Mit ruhigem Gewissen, da die Ersatzteile gesichert, besuchen wir heute erst einmal den NP. Die Wasserfälle sind immer wieder ein sehr schönes Schauspiel der Natur. Die Sonne prasselt mit ca. 30°C auf uns nieder und so suchen wir Schutz unter dem dichten Blätterdach des Waldes. Wie wir später erfahren, hat es in der Region seit 5 Monaten nicht geregnet und so wird uns verständlich, warum kaum Blüten zu sehen sind. Diese waren bei unserem letzten Besuch so zahlreich, dass wir diesmal fast ein bisschen enttäuscht sind. Am Nachmittag beginne ich mit der Reparatur. Der gewindelose Teil der Schrauben ist etwas zu lang. Zum Glück habe ich ein entsprechendes Schneideisen dabei und kann das Problem durch einige Millimeter mehr Gewinde ausgleichen. Um die Schwingungen etwas abzufangen, spanne ich ein Drahtseil zwischen der AZV-Verlängerung und dem Rahmen am Defender. Mal sehen, ob das was bringt, gedanklich habe ich mich schon darauf eingerichtet, früher oder später auf eine abnehmbare AZV zu verzichten und die Verlängerung anschweißen zu lassen. (Und wir müssen wohl noch ein paar Teile "vergessen" und weiter Gewicht reduzieren!)

21.05.2003

Gegen 10.00 Uhr verlassen wir den Parkplatz in Skradin und schaukeln weiter Richtung Süden. Der Hänger liegt relativ ruhig auf der Strasse und so werden die Abstände der kontrollierenden Blicke in den Rückspiegel immer länger. In Omis entdecken wir, einen  von der Küstenstrasse gut zu erreichenden CP (http://www.galeb.hr) und beschließen spontan hier zu bleiben. Omis, eine alte Piratensiedlung, liegt direkt an der Mündung des Cetina, der hierher durch einen imposanten Canyon fließt. Am Nachmittag beschließen wir uns Omis an zu schauen. Vom Zentrum der Stadt sieht man die Reste alter Piratenanlagen auf dem direkt hinter der Stadt aufsteigenden Bergen. Wir wollen die Nächstgelegene besuchen und steigen eine schmale, steile Strasse hinauf, als wir von einem Einheimischen auf einen schmalen Weg, welcher direkt in die Berge führt, aufmerksam gemacht werden. Glücklicherweise ist er sehr gut ausgezeichnet (die Farbe ist noch nicht trocken!), denn nach wenigen Metern befinden wir uns auf einem Pfad, der steil und voller Geröll, in Serpentinen den Berg hinauf führt. Einmal begonnen, wollen wir trotzdem, auf eine solche Kraxelei nicht eingerichtet, nicht aufgeben und erreichen schwitzend und durstig die Reste des Gemäuers, welche zwar eine wunderschöne Aussicht (leider hatten wir die Kamera zum dem "Stadtbummel" nicht mitgenommen) aber über keinerlei Versorgung verfügt. Also ging’s durstig wieder steil hinab nach Omis, wo im ersten Strassencafe Cola und ein freundliches Helles vom Fass uns wieder aufrichtete. Eine Strasse, die sich durch den Canyon entlang des Cetina schlängelt, verspricht Fahrspass, also entschließen wir uns ein paar Tage zu bleiben und Bikes abzuladen.

Bei unserem Spaziergang durch Omis am Vortag hatten wir auch einen  Internet-Club gefunden. Auf Nachfrage wurde die Möglichkeit sich im LAN einzuklinken positiv beantwortet. Um immer schön "online" zu bleiben, haben wir heute gleich die Probe auf Exempel gemacht und es hat auch wirklich gut geklappt. Für rund 4,00 € waren wir zwei Stunden im Netz und konnten eine Menge erledigen. Das Personal hatte Ahnung und die IP- bzw. Gateway-Adresse sofort parat. Wenn das nur immer so klappen würde!
Das Wetter ist unbeständig und kann sich nicht zwischen heißer Sonne und kaltem Wind entscheiden. Diese Situation bringt unerwartet stürmische Windböen mit sich, was uns unsere Markise sehr übelgenommen hat. Nach einem kurzen Ausflug über das Dach unseres Wohnaufbaus hinweg, durften wir sie zwischen den Bäumen wieder einsammeln. Und nicht das jemand auf die Idee kommt, wir hätten die Markise nicht gesichert. Vorschriftsmäßig waren beide Stützen mit Erdhaken befestigt, aber die Nieten, mit welchen die Stützen an der Markise befestigt sind, haben einfach nachgegeben. Nach erstem Eindruck hält sich der Schaden in Grenzen und wird wohl morgen behoben werden. So gibt es auf jeden Fall täglich genügend zu tun.

23.05.2003

Der Eindruck war richtig, gegen Mittag konnten wir die Markise mit Hilfe eines freundlichen Platznachbarn wieder einhängen. Anschließend haben wir die Bikes runtergenommen und den Tag sehr ruhig verbracht. Morgen wollen wir mit den Motorrädern durch den Canyon fahren, hoffentlich spielt das Wetter mit und wir bekommen ein paar schöne Aufnahmen.

Gegen 10.00 Uhr beginnen wir bei sehr schönem Wetter unsere kleine Tour. Die Strasse schlängelt sich in herrlichen Serpentinen entlang des Flusses, sodass man mal auf gleicher Höhe und nach wenigen Kilometern weit über ihm ist. Die Landschaft ist geprägt vom schroffen Gestein und kleinen angelegten Terrassen,  in welchen Wein, Gemüse und Obst, augenscheinlich der Haupterwerb der Region, gedeihen. Man lädt uns auch gleich zur Feldarbeit ein, was wir aber angesichts unserer schweißtreibenden Motorradklamotten dankend ablehnen. Nach einem kleinen Imbiss im Tal kehren wir auf unseren CP zurück.

Ein Sonntag wie er seinem Name Ehre macht. Die Sonne lacht, das Meer lädt zum baden ein. Wir sind fast ganz faul. Während ich meine Angelausrüstung durchsehe und einige Wurftechniken mit mäßigem Erfolg ausprobiere, bäckt Cordula unser erstes Brot. Leider habe ich das Thermometer unserer Backhaube noch nicht wiedergefunden, so dass die Temperaturregelung einige Probleme bereitete (sehr "dunkle" Unterseite), aber die Tatsache, dass ein halbes Brot noch warm zum Abendessen verspeist wurde, spricht für sich. Morgen wollen wir uns erstmal um das offensichtlich doch notwendige Visa für "Ex-Jugoslawien" - richtig Serbien / Montenegro - kümmern und dem Internet-Club noch mal einen Besuch abstatten.

26.05.2003

Die Auskunft der Polizei in Sachen Visa war positiv. Nach telefonischer Rücksprache wurde uns mitgeteilt, dass ein Visa für Serbien / Montenegro nicht erforderlich sei. Da das Auswärtige Amt nach wie vor von einer Visumpflicht für Transitreisende ausgeht, werden wir uns vorsichtshalber noch ein mal bei einer anderen Polizeistation in der Nähe von Dubrovnik rückversichern. Eine Zurückweisung an der Grenze möchten wir schließlich nicht erst provozieren.

27.05.2003

Da die "Jagd" noch nicht den gewünschten Erfolg hat, sind wir zeitig aufgestanden und haben den Markt, speziell den Fischmarkt, aufgesucht. Die Auswahl war riesig, wir haben uns für Blaufisch und Scampis entschieden. Den Rest des Tages verbringen wir in aller Ruhe mit einpacken, denn Morgen soll es erst ein mal weiter gehen.

28.05.2003

Um 10.00 Uhr machen wir uns auf den Weg in Richtung Dubrovnik. Auch auf dieser Strecke gibt es eine Grenze, d.h. eigentlich zwei. Bosnien/Herzegowina hat hier, ca. 60 Km vor Dubrovnik in der Nähe der Neretva, einen rund 10 Km breiten Zugang zur Adria. Glücklicherweise ist an beiden Grenzübergängen eine Fahrspur für den Transitverkehr eingerichtet und wir werden freundlich durch gewinkt. Wenn nur alle Grenzübertritte so einfach wären. In Ston, einem kleinen Ort auf der Halbinsel Peljesac, finden wir den CP "Prapratno". Er ist über eine schmale, kleine, abschüssige Strasse, mit einer 180° Spitzkehre zu erreichen und liegt in einer schönen kleinen Bucht. Wir beschließen einige Tage zu bleiben und nehmen die Bikes runter, denn die Umgebung und die Nähe zur Insel Korcula scheinen uns für Motorradtouren sehr geeignet. Wie es aussieht, sind auch ein paar Pisten zu befahren. Auch ein Besuch in Mostar, von mir schon lange gewünscht, steht zur Diskussion. Naja, wir werden sehen. Vielleicht haben wir auch Glück und finden diesmal einen geeigneten Stellplatz in der freien Natur. 

29.05.2003

Nach einem spätem Frühstück machen wir uns auf, um die nähere Umgebung zu erkunden. Der kleine Ort Ston wird geprägt durch eine alte Festungsanlage mit ca. 24 erhaltenen Wehrtürmen und durch die Salzgewinnung. Die Festung schützte den Zugang zur Halbinsel Peljesac und steht im engen Zusammenhang mit der Entwicklung Dubrovniks. Leider ist es schon ziemlich heiß, so dass wir uns schnell entschließen die Motorradklamotten mit den Badesachen zu tauschen und den Rest des Tages am Strand zu verbringen.

Wir stehen schon um 6.00 Uhr auf, um die Frische des Morgens zu nutzen und fahren mit den Bikes auf die Insel Korcula. Die Fähre legt in der gleichnamigen Stadt an und wir fahren durch herrliche Kurven, die Berge rauf und runter bis an die Spitze der Insel, die leider von der Armee "besetztgehalten" wird. Die gesamte Küste ist steil und steinig und von vielen kleinen Buchten gesäumt. Es wird neben Oliven in der Hauptsache Wein angebaut. Leider ist die Saison noch nicht eröffnet, so dass wir kein Restaurant finden, um vom Wein und den anderen heimischen Produkten zu probieren. So vermessen wir die Insel regelrecht auf den Motorrädern und bringen es auf stolze 270 Km, bei denen auch ein bisschen Piste und eine landschaftlich wunderschöne alte Küstenstrasse (keinerlei Verkehr, dafür Loch an Loch und mehr Piste als Strasse) dabei sind.

31.05.2003

Ein Ruhetag, mit baden, waschen, fernsehen und kochen.

Wir gehen zeitig auf Tour nach Mostar. Es ist sehr spannend zu sehen, was sich zehn Jahre nach dem Krieg in dieser Region tut. Wir fahren also ein Stück zurück, um auf der anderen Seite der Neretva eine kleine Strasse in Richtung Mostar zu befahren. Der Grenzübertritt ist unproblematisch, obwohl ich vergessen habe, die grüne Versicherungskarte einzustecken. Nach kurzer, freundlicher Diskussion, lässt uns der Zöllner passieren. Rechts und links der Strasse ausgebrannte und neugebaute Häuser, wobei die Letzteren überwiegen. Auch viele neue Gewerbebetriebe sind entstanden oder werden errichtet. Mostar selbst, vor allem die Altstadt, ist auf Tourismus eingerichtet und einige, wenn auch wenige "Busladungen" sind unterwegs. Es ist schön zu sehen, dass bereits vieles wieder aufgebaut wurde oder im Entstehen ist. Auch an der historischen Brücke wird selbst am Sonntag gearbeitet und der Wiederaufbau schreitet vorrann. Die 1566 errichtete Brücke stand symbolisch für die Verbindung von Morgen- und  Abendland und diese Symbolik hat nichts an Aktualität eingebüßt. Nach einem ausgiebigen Mittagessen wollen wir die Rückfahrt antreten. Erschreckt muss ich feststellen, dass mein Sturzhelm nicht mehr an meinem Motorrad hängt, ich hatte ihn an meinen Koffergriff befestigt, da er in meine Alukoffer nicht reinpasst. So bekommt der Besuch in Mostar leider einen bitteren Beigeschmack, aber letztlich ist es meine eigene Schuld, ich hätte es besser Wissen und ihn mitnehmen müssen.  Glücklicherweise gibt es mit der zahlreich am Strassenrand vertretenen Polizei keinen Ärger, als ich ohne Helm zurück fahre. Ob in Kroatien Helmpflicht besteht, oder nicht, habe ich nicht eindeutig klären können.

02.- 07.06.2003

Wir genießen die Ruhe, das Wasser und das Wetter.

08.06.2003

Da sich der Platz doch langsam füllt und wir ab 13.06. Freunde in Dubrovnik treffen wollen, ziehen wir Heute weiter. Die Entfernung hält sich deutlich in Grenzen, trotzdem fahren wir zeitig los. Einerseits wegen der früh einsetzenden Hitze, andererseits um den Gegenverkehr zum CP, welcher erfahrungsgemäß schon ab 9.00 Uhr einsetzt, zu entgehen. Den bereits ins Auge gefasste Platz in Cavtat gibt es nicht mehr, bzw. wird nicht betrieben. So fahren wir weiter und landen schließlich auf einem sehr kleinen und ruhigen CP in Molunat, direkt am Meer, ca. 40 Km hinter Dubrovnik. Eine Nacht müssen wir direkt am Eingang stehen, da erst Morgen ein geeigneter Stellplatz frei wird - der Platz ist wirklich sehr klein. So verbringen wir den Rest des Tages mit dem was wir schon die Tage vorher getan haben, baden und schwitzen oder umgekehrt.

09.06.2003

Nachdem wir unseren endgültigen Platz nun eingenommen haben, nehmen wir die Motorräder runter und richten uns für die nächsten Tage häuslich ein. Eine erste Erkundungstour nach Cavtat und Umgebung verschieben wir auf den nächsten Tag.

10.06.2003

Die rund 27 Km nach Cavtat führen direkt an der Küste entlang, über einige kleine Berge. Cavtat selbst ist durch den nahen Flugplatz von Dubrovnik, sehr touristisch. Der angesprochene CP musste augenscheinlich einem Hotelkomplex weichen. Der kleine Hafen wird von vielen Seglern angelaufen und bietet viel Abwechslung. Ein Internet-Cafe gibt es leider nicht und da wir Morgen ohnehin nach Dubrovnik wollen, verzichten wir auf einen weiteren Versuch in einem der Hotels. Wir nutzen die Gelegenheit, um unsere Vorräte aufzufüllen. Auf einen Bummel durch die kleinen Café´s im Hafen müssen wir deshalb verzichten, da sich bei Temperaturen von mehr als 30° C unsere Motorradkoffer nicht als Lebensmittellager eignen und die Geschäfte und der Markt von 14 - 17 Uhr geschlossen haben. Also fahren wir kurz entschlossen auf unseren CP zurück und verschieben den Bummel auf einen der nächsten Abende.

Dubrovnik ist eine sehenswerte Stadt, besonders die Altstadt. Wir sind wegen der rasch steigenden Temperaturen zeitig los gefahren. Die Schäden durch den Krieg sind augenscheinlich weitgehend beseitigt. Wir finden fast auf Anhieb einen neuen Motorradhelm für mich und ein Internet-Café. Nachdem wir fast alles hochgeladen haben, gibt es ein Serverproblem. Danach kann ich mich nicht mehr im Netz anmelden. Schade, aber eventuell klappt es beim nächsten Mal. Nach einem angenehmen Mittagessen bummeln wir durch die Altstadt, leider sind die Temperaturen nicht dafür geeignet. Schwitzend brechen wir unseren Bummel ab und fahren zurück auf unseren CP und nehmen noch ein ausgedehntes Bad im Meer.

Unser Ausflug auf den Bikes beginnt schon gegen 07.15 Uhr und das ist gut so, denn es werden Temparaturen um 38° C erwartet. Wir fahren ca. 5 Km zur Grenze nach Montenegro. Dort nutzen wir die Gelegenheit und verifizieren die bisherigen Aussagen bezüglich der Frage Transitvisa. Und wir lernen, beide Aussagen sind richtig. Die des Auswärtigen Amtes, man braucht ein Transitvisa, wenn der Transit einreisend über Montenegro und ausreisend über Serbien bzw. umgekehrt geht und die der Polizei in Omis, man braucht kein Transitvisa, wenn Ein- und Ausreise nur über Montenegro erfolgen. Da Letzteres bei uns der Fall ist, wird es also keine Probleme geben. Wir folgen der Fernverkehrsstrasse 2 zum NP Lovcen, an dessen Grenzen wir eine wunderschöne Rundfahrt durch das bis zu 1800 m hohe Gebirge machen. Viele Serpentinen führen durch kleine Dörfer, in denen hauptsächlich von der Landwirtschaft und vom Verkauf von Schinken und Käse gelebt wird. In Kotor bleiben wir über Mittag und bummeln trotz der Hitze durch die schmalen Gassen der weitgehend sehr schön renovierten Altstadt. I.Ü. ist der Euro in Montenegro offizielles Zahlungsmittel, das Preisniveau ist jedoch noch moderat - der Liter Super kostet 80 Cent.

13.06.2003

Wir faulenzen.

14.06.2003

Freunde haben eine Flugreise nach Dubrovnik gebucht und wir treffen uns heute Abend. Wir schlendern gemeinsam durch die schöne Altstadt und bekommen unser erstes Essen von einer echten deutschen Meisterin gesponsert. Das Besondere an diesem Abend ist die gleichzeitig in Deutschland stattfindende Geburtstagsparty eines sehr guten gemeinsamen Freundes, dem wir natürlich telefonisch das Beste zum 40. von hier aus wünschen. Neben schwarzem Brot und Knoblauchwurst bekommen wir bei dieser Gelegenheit noch die Dinge, die entweder zu spät eingetroffen oder von uns vergessen wurden, zugestellt. Prima!

15.- 17.06.2003

Faulenzen ist bei 40° C "echt geil".

Wir verabschieden uns von unsren Freunden und fahren über die Grenze nach Montenegro. Problemlos. Bis ca. 3 Km nach der Grenze, dann ist in der Strasse ein Absatz und es gibt einen nicht zu überhörenden Knall. Das waren die 4 Schrauben unserer AZV-Verlängerung! Also an die Seite, Werkzeug raus und los geht´s. Aber die inzwischen auf Vorrat eingekauften Schrauben haben einen zu langen Kopf. Bleibt nur eine Werkstatt. Und wir haben das sprichwörtliche "Glück im Unglück", gleich wenige Meter in einer Seitenstrasse befindet sich eine solche. Zwar steht da mehr Schrott als Verwertbares, aber die beiden Betreiber haben ein Schweißgerät und damit sind alle unsere Probleme gelöst. Die AZV wird neu verschraubt und anschließend verschweißt - ringsum und an allen Seiten!!!  Da ich den Erbauer dieser technischen Meisterleistung in nächster Zeit nicht meine Meinung sagen kann, lasse ich diese halt in Schweißnähte umsetzen, in der Hoffnung, dass wir damit nun keine Probleme mehr haben werden. Diese Reparatur kostet uns zwei Stunden und 40 €. Dann geht es weiter Richtung Albanien immer an der Küste entlang, welche hier nicht mehr ausschließlich Steilküste, sondern mehr und mehr ausgedehnter Sandstrand ist. In Ulzinj finden wir über einen Touristagent einen sicheren und preiswerten privaten Stellplatz mit Dusche. Gespräche und Augenschein bestätigen den Eindruck, dass hier vor dem Krieg der Tourismus in voller Blüte stand. Davon ist jetzt kaum noch etwas zu spüren. Da sicher ein Großteil der Landwirtschaft dem Tourismus durchaus erfolgreich geopfert wurde, ist das nach dem Krieg entstandene Loch nicht so leicht zu schließen. Aber die Menschen hier geben die Hoffnung auf steigende Besucherzahlen nicht auf und geben sich mit den wenigen Touris alle Mühe.

Es war eine glückliche Fügung, dass die AZV gestern ihren Geist aufgegeben hat, denn den heutigen Tag hätte sie garantiert nicht überlebt. Aber der Reihe nach. Die restlichen ca. 15 Km zur Grenze nach Albanien waren trotz schmaler Strasse und Regen schnell erledigt. Der Grenzübertritt, an dem erst vor einem Jahr geöffneten Übergang, war mehr spaßig als stressig. Vor dem eigens abgestellten Veterinär mussten wir für 2,00 € durch die Seuchenwanne fahren. Dieser Prozedur mussten sich aber ausschließlich weitergereiste Ausländer, keinesfalls Reisende aus Montenegro oder wiedereinreisende Albaner unterziehen. Das muss irgendwie etwas mit den 2,00 € zu tun haben. Alle Fahrzeuge wurden einzeln registriert und mit Einreisebescheinigung versehen. Auch unser Anhänger, für welchen ich, genau wie für die anderen Fahrzeuge, den Kilometerstand angeben musste. Als ich das nicht konnte, schätzte der Zollbeamte diesen gewissenhaft und trug 10.458 Km in seine Unterlagen ein. Das stempeln unserer Pässe kostete dann noch mal je 10,00 €, natürlich ohne Quittung. Nach zwei Stunden Bürokratie und einer sehr oberflächlichen Kontrolle, durften wir in Albanien einreisen. War die Anfahrt zur Grenze schon nicht die Beste, so gab es ab jetzt eigentlich gar keine Strasse mehr. Für die anschließenden 15 Km bis zur nächsten "Hauptstrasse" benötigten wir rund zwei Stunden, da jedes Rad, und wir haben davon schließlich acht, ständig in einem anderen, mit Wasser gefüllten Loch, unbestimmter Tiefe, unterwegs war. Windstärke Acht auf See bringt auch nicht mehr in Bewegung (war da in der Abschiedsrede unserer Freunde nicht auch die Rede von einem Schiff ?) !  Die "Hauptstrasse" konnte dann schon mit 30 Km/h befahren werden. Es gab auch wunderschöne Brücken aus Holz zu befahren. Über ausgiebige unbefestigte Baustellen kamen wir dann auf Teilstrecken die den Namen Strasse auch verdient hatten, aber man weis nie, wie lange diese Freude anhält, da sie so unvermittelt, wie sie beginnen, auch aufhören. Ab Lac in Richtung Tirana ist die Strasse gut ausgebaut. Als wir endlich Durres erreicht haben, sind wir froh, dass uns die Polizei auf Nachfrage zum Zollhof schickt, da dies ihrer Meinung nach ein sicherer Platz für die Nacht ist. So landen wir auf einem abgeschlossenen Hof zwischen vielen Brummis. Bevor wir es uns in unsrem Wohnaufbau gemütlich machen, schauen wir uns noch den Strand von Durres an. Welchen Konzept die Bautätigkeit folgt, ist nicht zu erkennen, aber scheinbar wird sie von kurzzeitigen Geldströmen gesteuert. Neben Bauruinen entstehen neue Hotels. Dazwischen fehlt es an Infrastruktur, dafür hat die EU ein Stück Strasse, mit aufwendigen Überführungen und Auffahrten einschließlich Kreisverkehr, mit zwei gegenüberliegenden Ausfahrten, finanziert. Wir sind auch froh, dass es erst geregnet hat, sonst würden wir vor Staub nicht atmen können. Wo Licht ist, ist halt auch Schatten, doch wir hoffen für die Albaner, dass das Licht bald überwiegt.

Der Tag auf einem Zollhof beginnt zeitig, also sind auch wir gegen 7.00 Uhr wieder auf der "Piste" und allgegenwärtig die Frage, wie wird der Strassenzustand auf den nächsten Kilometern sein. Einen Albaner zu fragen ist sinnlos, da das was er als "sehr gut" einstuft kaum mehr als 30 Km/h zulässt. Aber wir haben insgesamt Glück. Nach Durres bleibt die Strasse noch etwa 45 Km bis Lushnje gut zu befahren, ab da geht es aber über Fier, Ballsh, Tepelene bis Gjirokaster mehr schlecht als recht auf einer schmalen, kurvenreichen und bisweilen sehr steilen Strasse mit 40 Km/h im Mittel weiter. Das Kartenmaterial was uns zur Verfügung stand ist, was den Strassenverlauf angeht, nicht sehr genau, denn wir hatten diese Strecke gewählt, da sie recht gerade und ohne Steigungen eingezeichnet ist. Jetzt fragen wir uns natürlich, wie die sehr kurvenreiche und bergig gezeichnete Küstenstrasse zu befahren ist. Für die letzten ca. 35 Km zur griechischen Grenze hatten wir ab Gjirokaster eine gute Stunde eingeplant. Dieses Teilstück wurde jedoch offensichtlich von den Griechen gebaut und wir staunten nicht schlecht, als wir bereits nach 20 Minuten an der Grenze standen. Durch die sonst schlechten Strassen verliert man völlig das Gefühl für Weg und Zeit. Der Grenzübertritt auf albanischer Seite ging schnell und reibungslos. Stempel und Ausreisebescheinigung für die Fahrzeuge gegen 8 € und schon war alles erledigt. Die Griechen waren da etwas gründlicher, obwohl wir ja Angehörige der EU sind, kommen wir aber aus einem Nicht-EU-Land. Hinzu kommt unser umfangreiches Gepäck, was auf Unverständnis stößt. Erst nach ausführlichen Erklärungen zu unserem Reiseziel und der Dauer unserer Reise lassen sie von unseren Koffern ab. Nach einer Stunde sind wir dann auch schon wieder unterwegs. Wir fahren noch bis Ioannina und bleiben dort auf einem Parkplatz über Nacht stehen.

Wir fahren eine gut ausgebaute Strasse über den Katara - Pass. Die in der Karte für 2002/03 avisierte neue Strasse mit vielen Brücken und Tunnel existiert noch nicht einmal im Ansatz. Der 1690 Meter hohe Pass wird von zwei nur wenig niedrigeren Bergen eingeschlossen, sodass eigentlich drei Pässe auf 150 Km zu überwinden sind. Weiter geht es vorbei an den Meteora-Felsen mit den wie Adlernester am Fels klebenden Klöstern. In Nea Porroi bleiben wir direkt neben der Strandpromenade für eine Nacht stehen. Da es erst gegen 14.00 Uhr ist, können wir noch ausgiebig baden, allerdings ist das Wasser bereits recht warm und voller Algen.

Weiter geht die Reise auf der Schnellstrasse, Richtung Thessaloniki. Auf der Halbinsel Athos mit dem gleichnamigen Berg, suchen wir einen CP. Der Platz in Uranopolis, der Letzte per Strasse zu erreichende Ort vor dem Mönchsstaat Athos,  ist, da Wochenende, mit Dauercampern überbelegt. So fahren wir zurück bis Ierissos, wo wir den CP "Delphin", zwar nicht direkt am Wasser, aber dafür sehr ruhig und angenehm schattig, finden.

23.- 27.06.2003

Wir lassen "alle Fünfe gerade sein" und genießen das Wetter, den Strand und die Ruhe an den Wochentagen, denn die "armen" Griechen müssen da arbeiten und so ist der CP eigentlich leer. Zwischendurch nutzen wir einen kleinen Ausflug auf den Bikes, um in Stravros ein Internet-Café zu besuchen. Mühevoll mit einer 64k Leitung für 10 Arbeitsplätze, laden wir in fünf Stunden alles hoch und runter. Der Preis ist mit 15,00 € inkl. Erfrischungen angemessen.
Der Betreiber des CP ist sehr freundlich und lädt uns zum Abendessen ein. Da er etwas deutsch spricht, können wir die aktuelle Lage - politisch, wirtschaftlich und touristisch - erörtern und verstehen nun die Situation der Griechen nach Einführung des Euro etwas besser. Mit dem griechischen Wein wird es ein langer Abend und wir werden noch mit Wein für die nächsten Tage versorgt.

Wie geplant machen wir Heute unsere Motorradtour. Wir haben uns dazu, die mittlere der drei, wie Zitzen an einem Euter, an der Halbinsel Chalkidik hängenden, Landzungen ausgesucht. Da es bis vor wenigen Jahren auf der Landzunge Athos noch keine Strassen gab ist dort auch der Tourismus nicht so weit vorrangeschritten. Nicht so auf Sithonia, hier ist ein CP am Anderen und die Strände werden von Hotels gesäumt. Von hieraus ist der Berg Athos sehr gut zu sehen und wird Heute wie ein Vulkan von einem Wolkenring gekrönt - oder ist es ein Heiligenschein? Die Strassen sind gut ausgebaut und es geht Bergauf und -ab durch herrlich viele Kurven. Am Eingang des Ortes Kufos, ungefähr auf halber Strecke, finden wir eine versteckte Bucht und können drei Stunden die Sonne und das klare Wasser genießen. Nach einem ausgedehnten Mittagessen unter schattigen Bäumen einer kleinen echten griechischen Taverne fahren wir weiter und erreichen gegen Abend unseren CP.

29.06.2003

Wir packen langsam wieder zusammen, da es Morgen weiter Richtung türkischer Grenze gehen soll. Bei dieser Gelegenheit beginnen wir, da nun doch schon ein Stück des Weges zurückgelegt ist, auf unserer Landkarte am Hänger die gefahrene Strecke einzuzeichnen. Naja, viel ist es noch nicht, aber immerhin.

30.06.2003

Wir kommen sehr gut vorwärts und erreichen Alexandroupolis gegen 14.00 Uhr, zumal sich entgegen unserer veralteten Karte die Trassenführung verändert hat und die Verbindung jetzt direkter ist.  Lidel ist mit dem großen Parkplatz eine gute Gelegenheit zu parken, einzukaufen und einen geeigneten Übernachtungsplatz zu suchen. Der von uns ins Auge gefasste Platz am Strand erweist sich als zu laut und zu "vermüllt". Ein Anderer hat keine geeignete Zufahrt. Durch Zufall entdecken wir einige hundert Meter weiter einen kleinen CP am Strand, also "opfern" 13,00 € und nehmen die Möglichkeit noch mal eine heiße Dusche zu nehmen wahr, wer weiß wann die nächste Möglichkeit dazu kommt.

01.07.2003

Durch Zufall hat Cordula in einem alten Stadtplan von Istanbul, welcher noch nicht entsorgt wurde (Gewichtsreduzierung!), die Anschriften der Konsulate unsrer nächsten Reiseziele gefunden. So landen wir schneller als gedacht wieder auf einem CP. Es ist absolut der "ruhigste" Platz den ich bisher kennen gelernt habe - er liegt direkt vor der Landebahn des Flugplatz Atatürk, 20 Km vor Istanbul. Diesen CP habe ich ebend aus diesem Grund vor 7 Jahren bewußt gemieden und bin bis Sile, ca. 80 Km hinter Istanbul ausgewichen, aber für unser Vorhaben, die notwendigen Visa einzuholen, wäre diese Entfernung nicht sinnvoll. Die Frequenz der Starts und Landungen ist enorm, aber wir gewöhnen uns schnell an den Lärm, zumal es des Nachts doch recht ruhig zugeht. Die Anlage selbst ist zwar mit 17,00 € pro Nacht, für uns im Vergleich recht teuer, aber verfügt über einen sehr schönen Pool und die sanitären Einrichtungen, sowie die gesamte Gestaltung, sind doch sehr ansprechend.  Bis zum Abend haben wir uns häuslich eingerichtet. Beim Abhängen des Hänger musste ich leider feststellen, dass es an unserer AZV noch Schwachstellen in Form von Schraubverbindungen zum Rahmen gibt. Da diese sich bereits gelockert haben, bleibt auch in diesem Fall nur das Schweißgerät, um endgültige Abhilfe zu schaffen. Damit dürfte das Programm für die nächsten Tage komplett sein - drei Konsulate, eine Werkstatt und ein Internet-Café aufsuchen. Für uns schon fast Stress.

02.07.2003

Wir schlafen aus, so weit das auf diesem Platz möglich ist, und nach dem Frühstück versuchen wir die uns vorliegenden Adressen der Konsulate zu verifizieren, schließlich ist der Stadtplan schon 8 Jahre alt und Istanbul eine Stadt mit beachtlicher Ausdehnung. An der Rezeption finden wir einen hilfsbereiten Türken, der unser schlechtes Englisch versteht und genauso "gut" spricht und somit verstehen wir uns "prächtig". Immerhin bekommen wir raus, dass das pakistanische Konsulat an den Stadtrand umgezogen ist, das iranische und indische, immer noch im Zentrum Istanbuls residieren. Nach diesen wichtigen Informationen nutzen wir die Gelegenheit und schlendern über den reichhaltigen Markt, welcher direkt neben dem CP abgehalten wird. Trotz unsrer reichlichen Vorräte kaufen wir noch Dies und Das ein, einfach weil es so frisch und appetitlich angeboten wird. (Der Kurs des türkischen Lira z.Zt. 1€ = 1.610.000,00) Danach kommt der weniger angenehme Teil für Cordula - sie braucht Passfotos für das iranische Visa, und zwar mit Kopftuch. Also suchen wir ein entsprechendes Fotostudio im nahe gelegenen Stadtteil. Der Fotograph lächelt (genau wie ich) still in sich rein und macht die notwendigen Aufnahmen, welche mir unter Androhung von "unmenschlichen Strafen" (zbsp. Liebesentzug etc.), verboten wurden hier zu veröffentlichen. Wir hoffen sie erfüllen ihren Zweck, eine lustige Erinnerung geben sie allemal ab. Morgen werden wir uns "ordentlich" Anziehen und den Konsulaten mit den Bikes einen Besuch abstatten, mit der Hoffnung, nicht allzu lange auf die Erteilung der Visa warten zu müssen.

03.07.2003

Schon das erste Konsulat, welches wir besuchen, macht diese Hoffnung zunichte. Erster Eindruck des pakistanischen Konsulates - ein vom Militär regiertes Land präsentiert sich und Touristen sind ein unerwünschtes "Übel". Kurz und knapp wird uns klar gemacht, ohne ein Empfehlungsschreiben der deutschen Botschaft geht gar nichts. Also zurück in das Zentrum Istanbuls zum deutschen Konsulat und das bei 35° C und einem hektischen, wenig geordneten Verkehr auf den Strassen. Vor dem Konsulat lange Schlangen wartender Türken. Glücklicherweise gibt es einen separaten Eingang für andere Besucher. Das Empfehlungsschreiben gibt es für 20,00 € das Stück und es beinhaltet neben den persönlichen Daten nichts weiter, als die Bitte ein Visum auszustellen. Zurück im pakistanischen Konsulat werden wir auf die Geschäftszeiten verwiesen. Montags bis Freitags von 10.00 - 12.00 Uhr. Es ist 5 Minuten vor 12.00 Uhr und so bitten wir, doch noch unsere Anträge zu bearbeiten. Mürrisch werden sie uns abgenommen. Nach langer Begutachtung unserer Unterlagen und murmelnden Berechnungen werden rund 60,00 € verlangt und ich erhalte ein Papierschnipsel mit unseren Passnummern, einem Datum und der Quittung über 102.000.000,00 TL zurück. Auf meine Frage, wie es nun weiterginge, erhalte ich die erschöpfende Antwort : " Then minits". Nach guten zwei Stunden Wartens, die Eingangstür war vom gleichen Mitarbeiter Punkt 12.00 Uhr verschlossen worden, wird der Pförtner vorgeschickt, um uns zu erklären, wir müssten am 07.07.03 16.00 Uhr wiederkommen, um unsre Visa abzuholen. Da dieses Datum bereits auf meiner "Quittung" steht, wird klar, die zwei Stunden waren eine kleine Rache für unsere Drängelei, fünf vor Zwölf noch abgefertigt zu werden.
Um weiteren Überraschungen zu entgehen, machen wir uns trotz der Hitze auf, und suchen noch nach dem indischen  Konsulat. Diese Idee war gut, denn auch hier gab es kürzlich einen Umzug, zwar nicht sehr weit, aber das neue Schild ist ca. 3 Meter hoch angebracht und misst höchstens 5 x 20 cm. Selbst die unmittelbare Nachbarschaft hat davon noch nicht Kenntnis genommen und so werden wir die Strasse rauf und runter geschickt, ein ausgesprochenes Vergnügen bei den Temperaturen. Das Personal des indischen Konsulates ist, nachdem wir dieses endlich gefunden haben , erfrischend freundlich. Wir erhalten die Anträge und erfahren den Ablauf. Sobald wir unsre Pässe wieder haben, können wir die Anträge stellen und erhalten für die Bearbeitungszeit, ca. 5 Tage, unsere Reisepässe wieder, so dass wir dann auch die Anträge im iranischen Konsulat stellen können. Gegen 18.00 Uhr erreichen wir wieder unsren CP, lassen alles stehen und liegen wie es uns aus den Händen fällt und springen in den Pool - es zischt vernehmlich !
Fazit: Es bleibt uns in den nächsten Tagen ausreichend Zeit um die AZV zu reparieren, im Internet-Café zu surfen und Istanbul diesmal richtig kennen zu lernen.

04.07.2003

Wir ruhen uns aus vom Stress des gestrigen Tages

05.07.2003

Vier Stunden Internet-Café und wir sind wieder auf dem Laufenden. Am Abend gibt es ein ordentliches Donnerwetter, die leichte Abkühlung tut gut.

Der Himmel ist noch leicht bedeckt und wir nutzen diese Wetterlage, um nachzuholen was vor sieben Jahren nicht so recht geklappt hat. Wir schauen uns in Ruhe die Blaue Moschee, die Hagia Sophia und andere Sehenswürdigkeiten Istanbuls an. Am Topkapi Palast Museum kapitulieren wir in Anbetracht der noch wenigen Zeit bis zur Schließung und des Eintrittspreises und verschieben den Besuch auf einen der nächsten Tage.

07.07.2003

Heute um 16.00 Uhr OZ können wir unser pakistanisches Visa abholen. Etwas aufgeregt und gespannt sind wir natürlich, ob alles klappt oder ob eventuell sogar eine Ablehnung erfolgt - nach den Erfahrungen vom 03.07. sind solche Befürchtungen nicht irreal. Schon eine Stunde vor Termin stehen wir am Schalter und sind sehr glücklich, als wir kurz darauf unsere Visa in den Händen halten. Nun können wir morgen das indische Konsulat aufsuchen.

08.07.2003

Überpünktlich stehen wir vor dem indischen Konsulat und müssen dann natürlich warten, da hier der Arbeitstag erst um 9.30 Uhr beginnt. Die Anträge hatten wir schon ausgefüllt, so müssen nur noch Kopien angefertigt werden. Da dies nicht im Konsulat gemacht werden kann, noch mal kurz runter auf die Strasse und einen Kopie-Shop suchen, dann wieder in den 7. Stock zurück, der 100 $ Schein kann nicht gewechselt werden, wir brauchen 20 $ für die Anzahlung, wieder runter auf die Strasse zu einer Wechselstube und wieder rauf. So, am Freitag müssen wir anrufen und nachfragen ob die Visa erteilt werden, wenn ja, dürfen wir unsere Pässe hinbringen, noch mal 80 $ abdrücken, und können am Montag die Visa abholen. Na mal sehen.
Im Anschluss geht es zum iranischen Konsulat. Cordula mit Kopftuch und strenger Taschenkontrolle am Eingang. Die Dame hinter dem Schalter ist sehr freundlich, dennoch werden unsere aus dem Internet geladenen Anträge nicht akzeptiert. Es nützt nichts, das Ganze muss auf neuen Formularen ausgefüllt werden. Dann auch hier Kopien anfertigen gehen. Die 60 $ Gebühr muss auf der Bank eingezahlt werden. Wieder raus aus dem Konsulat, zur Bank und zurück. Dann die Überraschung, wenn alles klar geht, bekommen wir bereits morgen um 11.00 Uhr, unsere Visa. Einzige Einschränkung, nur für einen Transit innerhalb 5-7 Tage, aber damit hatten wir schon gerechnet. Wir müssen halt im Iran versuchen, das Visa verlängern zu lassen - für den Fall, dass es Cordula länger als sieben Tage unter ihrem Kopftuch aushält. 
Da wir in der Nähe sind, besuchen wir den großen Basar von Istanbul. Da wir nun schon viele Basare und Kaspas gesehen haben, stellt sich das sprachlose Staunen nicht mehr ein, aber imposant ist so ein Besuch immer wieder. Auch haben wir auf unseren vergangenen Reisen gelernt, mit den Angeboten der Strassenküchen umzugehen, so dass es uns viel Spass macht überall zu kosten und zu probieren.

Es klappt tatsächlich, wir bekommen unser Visum ohne Probleme, allerdings müssen wir bis 01.08.03 einreisen und haben dann 7 Tage für den Transit. Aber eine Verlängerung im Iran sollte möglich sein - wir werden sehen. Den Rest des Tages nutzen wir, um unseren Besuch im Topkapi Palast zu machen. Das Areal des Museums erstreckt sich über 80.000 qm. Gegen 14.00 Uhr übernimmt unser Magen die Befehlsgewalt über unsere müden Füße und lenkt uns zum Mittagessen in ein schönes Restaurant. Da wir in Anbetracht der Visa für den Iran einen Grund zum Feiern haben, speisen wir Alacart und nicht in der Abteilung "Schnellimbis" für eilige Touristen. Das gute Essen sorgt für noch mehr Müdigkeit, so dass wir ein paar Tausend qm einfach überspringen und gegen 17.00 Uhr wieder auf unserem CP eintrudeln.

10.07.2003

Wir bemühen uns, eine Werkstatt für unser "Schweißproblem" zu finden. An der Rezeption des CP, wo wir nach einer Adresse fragen, wird kurz telefoniert und 20 Minuten später erscheint ein Service-Wagen. Nach kurzer Begutachtung des Problems wird uns versprochen, am Abend mit einem Schweißgerät die Reparatur zu erledigen. Am Abend kommt der freundliche Mann von der Rezeption und erklärt uns, das die Reparatur erst morgen um 9.00 Uhr erfolgen kann.

11.07.2003

Da wir heute beim indischen Konsulat nach unserem Visa nachfragen, bzw. wenn alles kappt, unsere Pässe bis 12.00 Uhr hinbringen müssen, kommen wir mit dem neuen Reparatutermin etwas unter Druck. Pünktlich um 9.00 Uhr kommt ein Arbeiter mit Schweißgerät und macht sich an die Arbeit. Wie wohl fast alle Türken war er einmal in Deutschland (1964-68) und spricht etwas Deutsch, so kommen wir ganz gut klar und er zieht ein paar ordentliche Nähte, so dass es nun keine lösbaren Verbindungen zwischen Rahmen und AZV mehr gibt. Da diese Arbeiten doch einige Zeit in Anspruch nehmen, muss Cordula alleine zum Konsulat unsere Pässe abgeben, nachdem uns telefonisch die Erteilung der Visa bestätigt wurde. Sie nimmt ein Taxi (die Fahrt auf dem Motorrad ist ihr bei dem Verkehr und der türkischen Fahrweise zu stressig) und macht sich auf den Weg. Kurz nach dem 30,00 € den Besitzer gewechselt haben und sich das Schweißgerät wieder Richtung Heimat aufgemacht hat, kommt Cordula auch wieder zurück. Für weitere 80,00 $ können wir am Montag um 15.00 Uhr unsere Visa abholen. Da nun fast alle Aufgaben erledigt sind, werden wir ein "faules" Wochenende genießen.

12.07.2003

Wir planen ein bisschen unsere Tour durch die Türkei, welche ja nun etwas kürzer, als vorgesehen wird, da wir spätestens am 01.08. die iranische Grenze erreichen müssen. Aber 16 Tage sind, wie wir feststellen auch nicht schlecht. Dann wird noch "grosse  Wäsche" gewaschen und erste Vorbereitungen für die Weiterreise getroffen.

13.07.2003

Nach einem späten Frühstück, machen wir einen ausgiebigen Spaziergang entlang der Küste.

14.07.2003

Pünktlich 10.15 Uhr erscheinen wir im Internet-Café und erledigen unsere "Aufgaben". Am Nachmittag holen wir unsere Visa vom indischen Konsulat ab. Das Visa wurde freundlicherweise für die maximale Dauer von 180 Tagen ausgestellt und entspricht so voll und ganz unseren Wünschen. (Aber Achtung: Die sechs Monate Gültigkeit werden vom Austellungsdatum an gerechnet !!)

15.07.2003

Endlich können wir unsere Reise fortsetzen. Gegen 7.30 Uhr verlassen wir unseren CP in Richtung Izmir. Wir fahren auf relativ gut ausgebauten Strassen und verzichten auf die Fähre. So sehen wir mehr vom Land und seinen Bewohnern. Wir haben vor in der Nähe von Bursa zu übernachten, finden dort jedoch nichts geeignetes. So fahren wir weiter bis Bandirma. Dort finden wir einen Plätzchen direkt am Strand vor einem Olivenhain, in welchen die Grillen ein ausgiebiges Konzert abhalten. Heute Abend werden wir noch einmal die Karte zu Rate ziehen und entscheiden, ob wir Troja einen Besuch abstatten.

16.07.2003

Nach eingehender Diskussion entscheiden wir uns anders. Troja und Pergamon sind uns aus verschiedenen Medien gut bekannt, aber keiner von uns beiden kennt Pamukkale. Da wir schon gut voran gekommen sind, können wir dort einen Besichtigungstag einlegen. Was mir zu gute kommt, da ich mir so etwas wie eine Grippe eigefangen habe - im Sommer besonders unangenehm. Nach rund 400 Km erreichen wir unser Ziel. Pamukkale selbst ist ein kleiner Ort, der über reichlich CP und kleine Pensionen verfügt. Wir werden auch gleich von mehreren "Schleppern" angesprochen. Das hat den Vorteil, dass die CP-Preise mit jedem neuen Versuch, uns zu ködern, sinken. Für umgerechnet 4,50 € landen wir auf einem sehr kleinen, aber feinen CP mit Pool. Das Wasser im Pool stammt aus der Thermalquelle, welche dem Ort seine Attraktion gibt. (www.pamukkale.gov.tr)

Diese Quelle ist sehr kalkhaltig, so dass sich riesige Terrassen gebildet haben, welche weithin weiß leuchten. Da es diese Quelle bereits vor rund 2000 Jahren gab, ist es nicht verwunderlich, das sich gleich nebenan Reste byzantinischer Baukunst finden lassen. Die Römer wussten halt, was gut ist. Da die Therme allerlei weitere Mineralien und Gase enthält, die natürlich alle erdenklichen Krankheiten heilen, ist sie auch Heute noch gut besucht. Pro Person rund 10,00 € für´s Bad ist auch nicht schlecht. Dafür nehmen die Touris vier Stunden Busfahrt (eine Strecke von Antalia) in Kauf, um dann rund eine Stunde zu baden und durch die Ausgrabungen zu hetzen (so sehen die meisten auch aus!), oder ob die gar nicht gefragt werden ?
Wir hetzen nicht, sondern bleiben bei 40° C ganz ruhig unter dem Sonnenschirm liegen und beobachten das Treiben in der Therme. Dabei versuche ich mich auszukurieren, was mir mit den einfachen Hausmitteln nicht recht gelingen will.

18.07.2003

Deshalb geben wir noch einen Tag zu und ich greife zu den "harten Drogen" in Form von Antibiotika.

19.07.2003

Doxam wirkt halt sofort, ich bin "fit wie meine alten Turnschuhe", die halten übrigens immer noch und ich hoffe, sie nun dort "zu Grabe zu tragen", wo ich sie einst in Australien erstanden habe. Aber bis dahin müssen sich die Räder an unserer Fuhre noch einige Male drehen. Heute geht es erstmal weiter nach Egridir. Der Ort liegt an einem See und soll über einen CP verfügen. Für Cordula beginnt der Tag auch unangenehm, sie hat Probleme im Magen- und Darmbereich. Ihr Zustand verschlechtert sich im Laufe des Tages und als wir Egridir erreichen, geht es ihr richtig schlecht. Der CP erweist sich als reiner Zeltplatz, für uns ungeeignet. Die Stadt selbst ist geprägt durch viel Militär aus umliegenden Kasernen und Sperrgebieten. Wir beschließen weiter in Richtung Konya zu fahren und die erstbeste Gelegenheit zur Übernachtung zu nutzen. Ca. 25 Km hinter Egridir finden wir eine solche direkt am See. Neben der Strasse geht es einige Meter hinab auf eine etwa Fußballplatz große Fläche, welche von wenigen Bäumen bestanden wird. Im Schatten dieser Bäume sitzen viele Einheimische, ob es sich dabei mehr um "Zigeuner" handelt, ist nicht eindeutig zu klären, denn es ist Samstag und wie jedes Wochenende sind alle Türken zum Picknick im Grünen unterwegs. Cordula hat Fieber und in meinen Därmen rumort es auch, deshalb bekommt sie nun gleich Doxam verordnet, eventuell wirkt sich der Erreger zu Beginn der Erkrankung unterschiedlich aus. Da wir diesen Platz schon zeitig erreicht haben, hat sie nun viel Zeit zum schlafen und das soll ja die beste Medizin sein. Am Abend trollt sich das Volk nach und nach und es wird sehr ruhig rings um uns. Die für einen See ungewöhnlich starke Brandung, begleitet uns durch die Nacht.

20.07.2003

Es geht uns beiden so gut, dass wir weiter fahren können. Als Etappenziel haben wir Konya gewählt, dort soll es einen CP geben. Die reichlich 230 Km dorthin sind kein Problem, die Stadt erweist sich als sehr gross und es wird schwierig, diesen CP zu finden. Nach einem vergeblichen Versuch wollen wir keinen weiteren Stress und entschließen uns, weiter zu fahren. Insgeheim hatte ich onehin damit geliebäugelt, gleich bis Nevsehir, dem nächsten Ziel zu fahren, um so einen weiteren Tag, zum auskurieren, zu gewinnen. Nach weiteren 200 Km erreichen wir den NP von Göreme. Hier wollten wir planmäßig einige Tage bleiben. Wir finden einen CP an einer Hotelanlage angeschlossen mit Pool. Da wir die einzigen Camper sind, können wir fast direkt neben dem Pool stehen. Die Temperaturen hier im Hochland, durch das wir nun schon seit Tagen in ca. 1000 MN fahren, sind angenehm. Die Sonne brennt zwar genauso unbarmherzig, aber es geht immer ein kühlender Wind und in der Nacht geht die Temperatur bis 15° C zurück. Wir packen aus und es gibt ein leichtverdauliches Abendbrot.

Wir fühlen uns beide besser und beschließen nach dem Frühstück in Göreme uns etwas um zu sehen. Die Jahrmillionen haben mit der Kraft des Wassers aus dem leichten Vulkangestein, bizarre Landschaften entstehen lassen, welche zum Teil bis Heute als Wohnungen dienen. Wir werden in den nächsten Tagen mit den Motorrädern die Umgebung weiter erkunden.

22.-23.07.2003

Wir besuchen Fam. Feuerstein und Barni Geröllheimer und haben zwei schöne Tage auf den Bikes bei mäßigen Temperaturen und teilweise bedecktem Himmel.

24.07.2003

Nach dem obligatorischen Besuch eines Internet - Café, welches diesmal leider keine "schnelle Leitung" hatte (6 Stunden), packen wir zusammen, denn Morgen geht es weiter Richtung Osten.

Wir brechen gegen 10.00 Uhr auf und es geht über Kayseri, Sarkisla nach Sivas unserem Etappenziel. Sivas ist eine große Stadt und liegt ca. 1200 MN hoch in mitten des Hochlandes. Ringsherum wird die Besiedlung nun doch spärlicher und wir hatten deshalb geplant, in Sivas noch mal richtig einzukaufen. Um mit unserem Zug nicht in die engen Strassen des Zentrums zu müssen, erledigen wir den Einkauf gleich in einem Vorort. Wie in den südlichen Ländern üblich, sind die Handelsprodukte auf verschiedene Strassenzüge aufgeteilt. Wir haben zufällig den Stadtteil für Kfz.-Ersatzteile und Werkzeuge erwischt. So bekomme ich Ersatz für meinen abgebrochenen Gewindeschneider und den üblichen CAY müssen wir auch noch trinken. Natürlich bezieht sich diese Aufteilung nicht auf Lebensmittel, die bekommt man überall. Wir haben Glück und kaufen in einer Art Großhandel sehr günstig ein. Da wir uns auf der Suche etwas weit von unserem Fahrzeug entfernt haben, bitte ich darum, den Einkaufswagen ausleihen zu dürfen (u.a. 24 1,5 L Wasserflaschen tragen sich schlecht). Aber hier wird Service noch gelebt, wir werden samt unseres Einkaufs zu unserem Fahrzeug zurück gefahren - kostenlos! Nachdem wir alles verstaut haben, wollen wir einen Platz für die Nacht außerhalb der Stadt suchen.
So fahren wir weiter Richtung Erzincan, unserem nächsten Ziel. Da es noch zeitig am Tag ist, lassen wir uns Zeit, um einen schönen Platz zu finden, schließlich fahren wir ja in die richtige Richtung. Hinter Hafig treffen wir auf einen schweren Unfall, ein Bus ist mit einem PKW kollidiert, jetzt verstehen wir auch, warum so viele Krankentransporter unterwegs sind. Der Verkehr in der Unfallstelle wird von Armee (Gendarmerie) geregelt. Mitten in der Unfallstelle gibt es ein unnatürliches Geräusch und der Landy hat keinen Antrieb mehr. Ich rolle, zum Ärger der Regler, die einen besonders Neugierigen vermuten, an die Seite und "rühre" alle Gänge durch - ohne Erfolg. Dann versuche ich es mit der Differenzialsperre und habe Glück, wir kommen erst einmal aus dem Unfallbereich heraus. Bei der ersten Gelegenheit die sich ergibt, halten wir an, um die Ursache zu erforschen. Es bleibt dabei, ohne Sperre kein Antrieb, aber ein unschönes Geräusch im Bereich der Hinterachse. Der Versuch, wenigstens den Hänger abzustellen, schlägt auch fehl, denn auch mit Sperre geht rückwärts nichts. Also lassen wir alles stehen und machen uns auf, um Hilfe zu holen. Da die Unfallstelle nicht weit zurück liegt und wir dort früher oder später mit Sicherheit auf Abschleppdienste treffen werden, machen wir uns dorthin auf den Weg. Als erstes sehen wir einen Landrover. Dieser gehört offensichtlich zu der Gendarmerie und wir sprechen einen der Soldaten an. Trotz Verständigungsproblemen, kommandiert einer, der es scheinbar darf, den Fahrer ab, uns zu helfen. Der Mann kennt sich verständlicherweise mit Landy´s aus und erkennt das Problem. Er meint (mit "Händen und Füssen") in ca. 5 Km wäre eine geeignete Werkstatt. Da die genaue Ursache nicht klar ist, wäre Abschleppen sicher sinnvoll, aber ohne Befehl geht natürlich nichts. Er fährt zurück und wir warten. Nach einiger Zeit kommt er mit der "halben Armee" zurück und es werden schnell noch mehr. Denn, da niemand ausreichend englisch spricht, halten sie jedes Fahrzeug an, bis sie einen deutsch sprechenden Türken finden. Der übersetzt uns dann, was wir schon einigermaßen verstanden hatten. Sie wollen uns abschleppen, müssen aber noch die Unfallstelle sichern, aber in ca. 15 Minuten kann es losgehen. Und so geschieht es dann auch, der Armee-Landy wird vorgespannt, mit einem halben Dtz. Soldaten beladen und schon geht die Fuhre los. Der Landy schnauft ganz schön und die Offiziere sichern den "Konvoi" hinten mit einem PKW ab. Wir landen nach ca. 5 Km tatsächlich in einer Werkstatt. Es sieht für geborene Ostdeutsche aus, wie eine "MTS", ist aber in Wirklichkeit eine große Gewerbeanlage mit vielen verschieden Gewerken - vom Bäcker bis zur Schmiede. Öz Ünal der Chef der Autowerkstatt scheint sein Fach zu verstehen, kaum haben wir uns von der hilfsbereiten Gendarmerie verabschiedet, sind die hinteren Radaufhängungen freigelegt und die Steckachsen ausgebaut. Schnell ist klar, dass die Verzahnung der Antriebe verschlissen ist. Auf der einen Seite sehr, auf der Anderen etwas. Bei dem obligatorischen Tee wird mir klargemacht, dass die Steckachsen aus Istanbul kommen und in zwei Tagen alles erledigt ist. Ein inzwischen herbei geholter deutsch sprechender Türke betätigt uns dies. Die Räder werden wieder montiert und wir bekommen einen Stellplatz direkt neben dem Bäcker zugewiesen. Mit der Sperre und ohne hintere Steckachsen, fährt sich der Landy fast ganz wie normal!
So verbringen wir die Nacht zwischen Autowerkstatt und Bäckerei, mit der Aussicht auf frisches Brot zum Frühstück. Mit dem Vorurteil vom "faulen Türken" müssen wir allerdings ein für alle mal aufräumen, in der Werkstatt verstummt der Lärm erst, als der Bäcker bereits das Holz hackt, um seinen Ofen zu feuern!

26.07.2003

Zwangspause - wir beobachten das Treiben am Samstag im Gewerbegebiet. Hier scheint es ein Tag wie jeder Andere. Für unser Frühstück will ich in der Backstube frisches Brot kaufen, aber auf meine Nachfrage bekomme ich einfach zwei ofenwarme Weißbrote geschenkt.
Um uns etwas Bewegung zu verschaffen, bummeln wir in das Zentrum von Zara. Hier kaufen wir einen sehr leckeren Schinken, welcher uns schon vom Betreiber des CP "Delphin" in Griechenland empfohlen wurde. Wir vermuten eine geräucherte Rindslende in einem Gewürzmantel. Sehr, sehr lecker.

Wir stehen pünktlich um 9.00 Uhr neben unserem Fahrzeug und harren der Dinge. 9.30 Uhr kommt Öz Ünal mit zwei Paketen. In einem das Frühstück, im Anderen unsere Steckachsen. Aber erstmal gibt es Tee für alle und Fladenbrot mit Käse und Oliven. Dann umziehen und los geht´s. Ich hatte richtig vermutet, die eigentliche Ursache für den Verschleiss war eine lockere Radaufhängung. Beide Radaufhängungen werden neu montiert, die Steckachsen eingesetzt und fertig. Das Ganze kostet uns 250,00 € und gegen 12.00 Uhr verabschieden wir uns vom freundlichen Werkstattteam und rollen wieder Richtung Erzincan.
Gegen 17.00 Uhr sind wir ca. 50 Km hinter Erzincan und finden an einer geeigneten Tankstelle einen Stellplatz zum Übernachten.

Ausgeschlafen rollen wir gegen 10.00 Uhr weiter Richtung Iran. Das Hochland wird landschaftlich immer reizvoller. Im Schnitt fahren wir jetzt auf ca. 1600 MN. Da sind auch die Teparaturen sehr erträglich. Tagesziel ist Dogubayazit, ca. 40 Km vor der Grenze. Der Ort ist nicht sehr schön, wir finden aber an einer Tankstelle am Ortsausgang einen Stellplatz für die Nacht, mit direktem Blick auf den Berg Arat (leider etwas wolkenverhangen aber eventuell Morgen?) und bekommen für 8,00 € ein gutes Abendessen im angeschlossenen Restaurant. Für die restlichen TL haben wir unterwegs eingekauft, u.a. endlich eine "Waschmaschine" (30 L Gurkenfass aus Plaste mit Schraubdeckel). Da drin wird während der Fahrt, auf dem Hänger, die Wäsche in der Seifenlauge ordentlich durchgeschüttelt. Am Stellplatz spülen und aufhängen - fertig (die Idee hat Malcam Douglas geliefert). In den Bergen beobachten wir schon seit Tagen viele aufgestellte Bienenkästen und Cordula liebäugelt offensichtlich mit einem Einkauf. Ständig säuselt sie von leckerem Honig. In einem engen Tal steht dann überraschend ein Zelt neben vielen Bienenkästen direkt an der Strasse. Ein Schild weist deutlich auf Verkaufsabsichten hin. Es bleibt also nichts anderes als anhalten und die Verhandlungen aufzunehmen. Natürlich bei Tee und einer leckeren Kostprobe aus Honig mit Pollen garniert und frischen Weißbrot. Nach einer halben Stunde bin ich 15.000.000,00 TL ärmer und Cordula hält glücklich 1Kg süssen Honig im Arm (im Glas versteht sich). Auch der Diesel ist fast aufgebraucht, der rußfreie aus den in Deutschland gefüllten Kanistern auch. Laut Auskunft der Brummifahrer ist der Diesel im Iran spottbillig - 100 L für 2 Dollar. Also legen wir uns bei Zeiten schlafen und sehen einem aufregenden Grenzübertritt entgegen.

Wir stehen zwischen LKW´s, eingezäunten Asservaten (Auto´s aller Marken und Baujahre) und werden von der Polizei bewacht. Der Reihe nach. Unser Tag beginnt gegen 8.00 Uhr mit etwas Kribbeln  im Magen. Schließlich ist heute der erste wirklich aufregende Grenzübertritt. Cordula hat sich schon entsprechend "verkleidet", lange Hose, weite Bluse und Kopftuch. Die 35 Km bis zur Grenze gehen schnell. Und dann - Ruhe! Einerseits weil es seit Stunden keinen Strom gab, Andererseits streiken nun die Computer. Einen ersichtlichen Ablauf der Abfertigung gibt es nicht, man fragt sich durch oder nimmt Hilfe in Anspruch. Diese wird teuer (40 US$) angeboten. Das System ist undurchschaubar, aber für uns nicht neu. In vielen südlichen, vor allem arabisch geprägten Ländern gibt es die offizielle Abfertigung und eine nicht unbeträchtliche Menge an "Hilfswilligen", welche ihre Dienste antragen und von den Offiziellen auch akzeptiert werden. Meine Vermutung ist, dass es eine finanzielle Zusammenarbeit beider Seiten gibt - irgendwann fließt Geld, aber es sieht keiner. Ich bin von Natur ein sparsamer Mensch und habe zu "Bakschisch" ein gestörtes Verhältnis, deshalb mache ich mich alleine auf den Weg meine Stempel zu ergattern. Anfangs geht das auch ganz gut. Nach ca. 2 Stunden glaube ich alle Formalitäten erfüllt zu haben. Und das, obwohl die sich abspielenden Szenen unbeschreiblich sind. Busweise werden hunderte vornehmlich Kurden an der Grenze "ausgeschüttet", natürlich mit all ihren Einkäufen - in Säcken und Kartons. Die zwei einzigen Schalter der Polizei werden wie Bienenstöcke belagert. Für den Fall, ich müsste da drin arbeiten, hätte ich so oder so längst zur Dienstwaffe gegriffen. Noch dazu wenn regelmäßig nach fünf bearbeiteten Pässen der PC abstürzt und neu hochgefahren werden muß. Kurz und gut, irgendwann stehen wir mit unserer Fuhre in der ersten Reihe vor dem 2 m hohen Rollgitter, welches beide Länder trennt. Das Tor geht auf - und mir fehlt ein Stempel, um hindurch zu kommen! Wie aus dem Nichts steht da plötzlich ein "HiWi" und hat unsere Pässe in der Hand. Was bleibt mir also Anderes, als mich ihm auszuliefern. Die folgende Scharade hätte ich ohnehin nicht verstanden. Da auf Cordula ein Teil der Fahrzeuge eingetragen ist, auf den von der Polizei erstellten Ausreisedokumenten aber nur mein Name auftaucht, beginnt die ganze Prozedur von vorn. Letztlich weine ich den jetzt fälligen 5 US$ für den "HiWi" keine Träne nach und bin froh, nach einer weiteren halben Stunden nun mit wirklich allen Unterlagen wieder vor dem Rolltor zu stehen. Nach insgesamt 6 Stunden geht das Tor dann auch für uns auf und wir rollen in den Iran. Hier beginnt wie erwartet der zweite Teil des Dramas, denn wir haben ja kein Carnet de Passage, da wir ja nicht beabsichtigen, nach Deutschland zurück zukehren und weit länger als ein Jahr (Gültigkeitsdauer) unterwegs sein werden. Zwischenzeitlich haben wir einen gebürtigen Iraner, englischer Staatsbürgerschaft, kennen gelernt, welcher nun schon im fünften Jahr ohne Carnet einreist. Ihm sind die Gebühren in England schlicht zu teuer. Aufbauend auf den Erfahrungen von Mr. Motamedian begeben wir uns erneut in den Dschungel der hier allerdings sehr freundlichen Bürokratie. Da ein Stempel, dort ein Formular und ehe wir uns versehen, hat uns wieder ein "HiWi" am Haken. Da er unsere Papiere von offizieller Seite zugespielt bekommt, ergeben wir uns halt der Situation. Und selbstverständlich ist er auch der Einzige, der die zuständige Versicherung vertritt, welche uns zwar erst Morgen, aber dann gleich "clock eight", die an Stelle des Carnet notwendige Versicherung verkauft. Bis dahin, natürlich nicht ohne Kontrolle unserer Habseligkeiten, dürfen wir an o.g. Stelle übernachten. Allein für die Bewachung durch die Polizei kassiert unser "HiWi" wieder 10 US$ und dabei hat er schon 20 US$ allein für die Formulare bekommen.
So sind wir gespannt, was uns der morgige Tag kosten wird und ob Mr. Motamedian recht behält und wir trotzdem noch Geld sparen.

30.07.2003

Mr. M. soll Recht behalten, aber alles ist ganz anders. Wir sind rechtzeitig aufgestanden und warten um 8.00 Uhr auf "HiWi" Nr. 1 von Gestern. Es wird 8.30, 9.00 Uhr und keiner kommt. Unseren Beobachtungen nach, ist unweit von uns eine Halle, in der reges Treiben herrscht. Auch die vielen Nobelkarossen mit deutschen Kennzeichen auf Zeit, welche durch den Iran nach Turkmenistan sollen, stehen dort und natürlich auch Mr. M.. Da unsere Pässe aber bei der Polizei liegen sollen, trauen wir uns nicht vom zugewiesenen Standort weg. Cordula macht sich dann zu Fuß auf, um in besagter Halle nach unserem "HiWi" zu fahnden. Von ihm ist weit und breit nichts zu sehen, dafür entdeckt sie aber unsere Pässe in den Händen eines anderen "HiWi´s", den sie sofort anspricht und der bestätigt, dass wir nun vor die Halle fahren dürfen. Die gesamte Prozedur hier wiederzugeben wäre so umfangreich, wie die Zahl der Beteiligten. I.Ü. ist die Tatsache, dass zig Leute, zumeist "HiWi´s" an einem Vorgang arbeiten, dass zeitraubende Übel. Jeder weiß etwas, aber nichts genaues, trotzdem aber besser und so geht vieles schief. In aller Kürze. Nach viel warten und hin und her, werde ich in ein 500 m entferntes Büro geführt. Dort wird mir eröffnet, dass das Permit für den Transit durch den Iran 174 US$ kostet. Hinzu kämen 150 US$ für den Chef des Büros, den ich nur von hinten sehe. Zum Beweis der Forderung wird mir eine Art Quittung mit arabischen Schriftzeichen gezeigt, auf der irgendwo die griechische Zahl 172 steht. Für die 150 US$ gibt es natürlich keinen Beleg. Ich halte die Forderung schlicht für unverschämt, zumal dies nicht die Einzige bleiben wird - Versicherung etc. Also lehne ich dankend ab und sage, dass ich dann lieber zurück in die Türkei fahre und mein Glück über die ehemaligen GUS-Staaten versuchen will. Daraufhin geht es im Sturmschritt zurück in die Halle. Dort wechseln meine Papiere wieder einmal den Besitzer und dieser bringt seine Kleidung in Ordnung, was für mich bedeutet, es geht jetzt zu einem echten Chef. Und tatsächlich klopft mein Begleiter an eine Tür mit der Aufschrift "Technischer Assistent". Dort sitzen drei Herren, einer ein Turbanträger. Mein Begleiter grüsst sehr höflich (ich natürlich auch - versuche es zu mindest), dann ein kurzes Palaver dem ein Telefongespräch folgt. Und kurz darauf sind wir auch schon wieder draußen. Die Papiere wechseln wieder den Träger und zurück geht es in das etwas abgelegene Büro. Dort wieder Palaver und dann erscheint ein Herr, der mir ohne Umschweife im besten Englisch erklärt, ich sei Tourist und brauche überhaupt nichts zu bezahlen. Daraufhin eine lautstarke Zurechtweisung meiner beiden Begleiter, ich bekomme meinen Pass (Cordula hatte ihren zwischenzeitlich schon zurück) und retour geht es in die Halle. Dann wieder warten, erneut Auskünfte geben für neue Formulare und wieder warten. Dann erscheint eine ganze Abordnung der "HiWi´s" mit einem an der Spitze, der einigermaßen englisch spricht und bisher am umgänglichsten war. Er eröffnet uns, wir könnten in Kürze unsere Dokumente bekommen, aber sein Chef und die Anderen hätten doch soviel Arbeit und Wege gehabt, dafür müssen sie doch entschädigt werden. Auf die Frage nach der Höhe der "Entschädigung" reden alle durcheinander, so kann ich mir den niedrigsten Betrag aussuchen. Dieser beläuft sich auf 100 US$. Da dieser Betrag weit unter den Kosten eines Carnet liegt, bin ich bereit zu zahlen, um endlich in den Iran einreisen zu können. Und wirklich, nach Einholen diverser Stempel erhalten wir ein "yellow paper" für die Ausgangskontrolle und einen Stapel Dokumente für uns. Nach etwas mehr als 28 Stunden verlassen wir glücklich den Zollhof und reisen in den Iran ein.
Übrigens hat sich Mr. Motamedian bereits gegen Mittag entschlossen sein Fahrzeug für einen Monat im Zollhof stehen zu lassen und mit dem Taxi seine Reise nach Teheran fortzusetzen.
Auf der Fahrt Richtung Tabriz entspannen wir uns regelrecht. Die Strassenverhältnisse sind gut, die Kontrollen der Polizei hinter jeder Stadt eher lustig. Wir müssen schlussendlich selbst darauf achten, unseren Stempel auf dem Permit zu bekommen, da die Herren vor Neugier ganz ihre Aufgaben vergessen. Ca. 15 Km vor Tabriz entdeckt Cordula einen TIR - Parkplatz (Zollhof) auf dem wir problemlos einen Platz für die Nacht zu gewiesen bekommen.

Da wir die Zeitzonen wieder einmal außer Acht gelassen haben, kommen wir erst 10.30 Uhr wieder auf die Räder. Der Zollhof kostet uns nicht einen Rial, dafür lassen wir unsere alten Strassenkarten (bis Türkei) dort, eventuell hat ein Brummifahrer Bedarf. Die Strasse ist weiterhin gut, nur die Fahrweise der Iranis ist katastrophal. In der Stadt, wo drei Spuren eingezeichnet sind, fahren fünf Fahrzeuge nebeneinander und der Sechste drängelt sich auch noch zwischen Landy und Anhänger, so dass ich ständig in den Rückspiegel schauen muss, um keinen "aufzureißen" mit unserem breiteren Hänger. Auf den Landstrassen ist es ratsam genau zu schauen, wie viele Fahrzeuge mir aus einer Kurve entgegen kommen. Sind es mehr als drei, bleibt nur die Notbremse und die Flucht nach Rechts, soweit wie möglich. Heute haben es vier nicht mehr geschafft, zu Mindest die wir gesehen haben. Zum Teil wirklich böse Unfälle. Im Koran soll stehen, als Gott die Zeit geschaffen hat, schuf er reichlich davon. Dies ist im arabischen Raum auch überall spürbar. Nur auf der Strasse gilt dieser Spruch überhaupt nicht. Es fahren nur kleine "Schumis", selbst im ältesten überladenen LKW.
Cordula hat eine neue Statistik eingeführt. Sie überwacht das Verhältnis von täglichen Polizeikontrollen und Unfällen - Heute stand es 6 : 4 für die Polizei.
Was im Iran wirklich Freude bereitet ist das Tanken. Für 66 Liter Diesel habe ich umgerechnet 1,17 € bezahlt! Da sollte sich der deutsche Fiskus mal ein Beispiel nehmen.
Unseren Stellplatz für die Nacht haben wir hinter Takistan im Hof eines Hotels gefunden. Kostenlos. Dafür sind wir gern in das Restaurant zum Abendessen gegangen. Für 11,11 € haben wir gut und reichlich gegessen, leider sehr europäisch. Da wir nun unsere Uhren umgestellt haben, soll es Morgen zeitig los gehen, um die Kühle des Morgens zu nutzen, denn trotz immer noch durchschnittlich 1500 MN, haben wir z.Zt. ca. 40° C.

Diesmal geht es auch wirklich zeitig los. Es werden immerhin 630 Km in zwei Etappen. Bis zum Mittag schaffen wir 250 Km. Dann erstmal Pause, um der ärgsten Hitze zu entgehen. Am Abend erreichen wir dann Esfahan. Eine große, sehr belebte Stadt, vor allem am Freitag (Vorabend eines der vielen muslimischen Feiertage). Der Verkehr, besonders im Dunklen ist atemberaubend. Es läuft wie am Vortag beschrieben, nur ist nun ein Teil der Fahrzeuge, vor allem Mopeds mit bis zu fünf Personen, nicht beleuchtet. Es kostet Nerven mit dem "Zug" durch das Zentrum von Esfahan zu fahren und so etwas wie einen Stellplatz zu suchen. Wir werden zu einem Hotel geschickt, doch dies hat keinen eigenen Parkplatz, also weiter durch das Chaos. Gegen 21.30 Uhr haben wir endlich an einen Einkaufscenter eine Möglichkeit gefunden und den "Segen" des Wachhabenden, dort zu übernachten. Aber an Schlaf ist nicht zu denken. Die Temperaturen in der Stadt, liegen auch um diese Zeit, bei knapp unter 50° C. Also bummeln wir noch etwas in der Umgebung und finden so eine nette Pizzeria. Hatten wir lange nicht, also nichts wie rein. Man ist sehr bemüht uns zufrieden zu stellen, aber mehr noch an unserem Urteil interessiert, da sehr selten Europäer hier her finden, geschweige denn Essen gehen. Es schmeckt wirklich gut und wir loben sehr. Umgerechnet für etwas weniger als 3,00 € satt und zufrieden, wo bekommt man das noch in Europa?
Das wir mit unserem "Zirkuswagen" auffallen und beguckt werden ist klar und verständlich, dass wir zu Fuß das gleiche erleben, hätten wir allerdings nicht erwartet. Aber die Menschen sind sehr freundlich und haben sich eine erfrischende Neugier bewahrt. Oft werden wir angesprochen und in kleine oder größere Gespräche verwickelt, je nach englischen Sprachkenntnissen, sehr selten auch mal auf deutsch.

Leider ist heute ein Feiertag und so können wir wenig erledigen. Es gelingt uns aber wenigstens herraus zu bekommen, wo wir wegen unserer Visaverlängerung hin müssen - hoffen wir. Morgen werden wir es sehen. Wir nutzen den heißen Tag und schauen uns Esfahan näher an. Als eine der bedeutendsten Städte Persiens verfügt sie auch Heute noch über ein eindrucksvolles Flair. Der Nahverkehr (Bus und Taxi) ist spottbillig und schont das Nervenkostüm erheblich. Nach der zweiten Bushaltestelle wissen wir nun auch, dass Frauen hinten in den Bus einsteigen müssen und dort auch zu sitzen haben und die Männer selbstverständlich vorn. Cordula sitzt natürlich neben mir in der ersten Reihe! und wird auf ihrem Sitz von Haltestelle zu Haltestelle kleiner. Aber ihr falsches Verhalten wird von allen toleriert und zeigt einmal mehr, dass sich der Iran in einer Umwandlungsphase zu mehr Demokratie befindet. In der Hitze schaffen wir leider nur einige der Sehenswürdigkeiten, haben aber wieder viele interessante Gespräche mit Iranern, die sich wirklich darüber freuen, das Touristen ihr Land besuchen.

03.08.2003

Ausgehend von den niedrigen Tarifen der Taxi´s, haben wir beschlossen, um die Sucherei in dem Verkehr zu vermeiden, Cordula fährt mit einem Taxi voraus und ich hänge mich mit unserer Fuhre dran. Die Adresse haben wir uns auf arabisch aufschreiben lassen, der Taxifahrer weiß also wo er hin muss. Das geht auch alles ganz gut, bis in einem Kreisverkehr, davon gibt es hier reichlich, ein im Innenkreis fahrendes Auto nach rechts raus will, ich hupe zwar, aber er meint hinter dem Landy sei er dran, übersieht aber den Hänger und schon hat es geknallt. Der Schaden am Hänger ist unerheblich, das Auto des Gegners ziehren ein paar neue Beulen, die über seine Fahrkünste Auskunft geben. Da plötzlich auch Polizei da ist, verschwindet unser Taxifahrer ohne Kasse zu machen, da es viele "Schwarze Taxen" gibt, will er sicher mit der Polizei keinen Ärger. Da ich auf alle Ansprüche verzichte, kann es nach kurzem Hin und Her weiter gehen. Mit der nächsten Taxe kommen wir bis zu einer Polizeikontrolle. Als diese natürlich mich anhält und das übliche "woher - wohin" abfragt, fällt einem  in Zivil gekleideten Polizisten ein, er müsse auch zu der Polizeistation und könne mir den Weg zeigen. Also wird das Taxi bezahlt und wir fahren zu Dritt im Landy weiter. Es ist nicht mehr weit, nach ein paar Kreuzungen haben wir es geschafft. Wir finden auch sehr schnell die zuständige Beamtin, werden aber leider sehr enttäuscht. Auch der Vorgesetzte bei dem wir noch um eine Verlängerung unserer Visa nachfragen, kann nur wiederholen, eine Verlängerung eines Transitvisa ist nur in Teheran möglich, bei einem Touristenvisa hätte es keine Probleme gegeben. Da uns nun nur noch zwei Tage bleiben, ist es zu riskant nach Teheran zurück zu fahren, denn wird unser Anliegen abgelehnt, kommen wir nicht mehr rechtzeitig zur Grenze. Es bleibt also nur die 1400 Km schnur stracks in Angriff zu nehmen. Fazit: Wir sind mit dem Transitvisa zwar ohne Carnet durch den Iran gekommen, bekommen aber keine Visaverlängerung.
Auf der Hälfte des Weges liegt Kerman, was umgehend zum heutigen Etappenziel erklärt wird. Nachdem wir uns aus Esfahan gequält haben, kommen wir auf guten Strassen schnell vorran. Gegen 20.00 Uhr erreichen wir einen TIR- Platz in Kerman. Zwar kommen wir hier um etwas "Bakschisch" nicht drumrum, aber wir haben alles, was wir für die Nacht brauchen und stehen zwischen den Brummis sicher. Der eine oder andere Fahrer hat uns schon auf der Fernstrasse gesehen und so gibt es noch ein paar kurze Gespräche, bevor wir schlafen gehen.

8.30 Uhr sind wir wieder auf dem Weg zur Grenze. Wir kommen gut vorwärts, nur die Landschaft wird zusehens öder, nichts als "nothing". Da wir nicht wissen, welche Versorgungsmöglichkeiten wir in Pakistan antreffen und wie lange wir an der Grenze brauchen werden, kaufen wir in einer der wenigen Städte auf dem Weg noch mal richtig ein. Um 19.30 Uhr erreichen wir die Grenze und stehen vor einem verschlossenen Tor. Ein Soldat macht uns klar, dass erst am nächsten Morgen ab 8.00 Uhr wieder abgefertigt wird, und wir sollen im nahe gelegenen Mirjaveh übernachten. Damit sind wir aber gar nicht einverstanden, da wir morgen mit einem abgelaufenen Visa an die Grenze kämen. Nach weiteren Verhandlungen gelingt es mit hupen und rufen, einen Beamten an das Tor zu bekommen. Wir haben Glück, denn es ist der Zuständige für die Einfahrtsprozedur. Er versteht unser Problem sofort und lässt das Tor doch noch ein mal öffnen. Unsere Pässe bleiben bei ihm und wir bekommen einen Platz vor dem "Restaurant" zugewiesen. Das Restaurant entpuppt sich als Kantine, bietet aber kühle Getränke und "Chicken  auf Reis".

05.08.2003

Kurz vor 8.00 Uhr stehen wir wieder am Eingangstor und erhalten kurz darauf unsere Registrierung. Da wir als Erste abgefertigt werden, kommen wir auch noch als Letzte unter das gestrige Datum. Nun noch zum Zoll. Das dauert natürlich bis alle Formulare gestempelt und unterschrieben sind - vom kleinen und vom großen Chef. Zum Schluß der Ausreisestempel und wir rollen auf den pakistanischen Zollhof.
Dort wird die Einreise registriert und unsere Pässe gestempelt. Erste Fragen nach dem Carnet biegen wir ab. Auf dem Weg zum "Customer House" (Zollabfertigung) werden wir bereits von einem Guard begleitet. Über unbefestigte Pisten kommen wir an einer "Bank" vorbei und ich kann die überschüssigen Rials in Rupees tauschen - nicht direkt bei der Bank, sondern mehr privat, denn offiziell tauscht die Bank nur Dollar. Im "Customer House" treffen wir in einer sehr einfachen großen Halle auf etwa 6 Beamte, die in einer Hierarchie von rechts nach links an einer langen Tafel sitzen. Auf beiden Seiten neben der "Tafel" sitzen Schreiber an Tischen. Sollte sich in Deutschland jemand über Bürokratie ärgern, soll er einfach mal Pakistan besuchen und er bekommt von Bürokratie eine ganz neue Vorstellung. Um ein Stück Papier vom rechten Teil der Tafel zum Linken zu schicken, werden weitere Bedienstete in Anspruch genommen. Jedes Papier wandert so durch alle anwesenden Hände und jede Hand muss vermerken und unterschreiben und natürlich ausgiebig kommentieren. Für uns, die wir ja Zeit haben, ist das Prozedere lustig an zu schauen. Der Spass vergeht uns allerdings auch bald, als wir an der Reihe sind. Die Frage nach dem Carnet wird wieder gestellt und wir kommen nicht umhin zu erklären, dass wir kein Carnet haben. Das Palaver wird groß und zum Schluss zeichnen sich nur zwei Möglichkeiten ab, entweder unter Bewachung (Guard) in zwei Tagen an die indische Grenze oder auch mit Guard in das 610 Km entfernte "Customer House" in Quetta weiterfahren und dort auf das Carnet aus Deutschland warten. Wir tendieren zu letzterer Variante und beginnen mit langen Telefongesprächen nach Deutschland, um mit Hilfe guter Freunde die Carnets zu beantragen und nach Quetta schicken zu lassen. Wir sind nun sehr froh in teure Elektronik investiert zu haben, denn so ist die Verbindung schnell hergestellt und wir können unsere Unterlagen scannen und verschicken. Am späten Nachmittag ist klar , wir nehmen Variante 2 (ist auch preiswerter - 40 statt 100 Dollar) und fahren bis Quetta. Unser Optimismus früh los zu kommen, wird umgehend gebremst. Dienstbeginn ist 9.00 Uhr, vorher geht nichts. Also beginnt in Staub und Hitze unsere zweite Nacht auf dem Zollhof, diesmal auf pakistanischer Seite.

06.08.2003

Es wird 9.30 Uhr bevor überhaupt etwas passiert. Wir hatten angenommen, dass der Guard unsere Papiere bekommt und auf geht´s. Weit gefehlt. Erst einmal werden die "Hauptbücher" Zeile um Zeile gefüllt. Es ist zwar nicht immer korrekt was da aufgeschrieben wird - es wird schon mal der Vorname zum Wohnort gemacht, besonders bei den Fahrzeugen ist es sehr schwierig - aber es muss sein und dauert. Dann wird aus dem Hauptbuch alles noch einmal auf Formulare übernommen. Aber damit nicht genug,  jetzt muss das Ganze noch mit Schreibmaschine abgetippt werden. So vergehen Stunden. Wir bekommen zwischenzeitlich immer freundlich Platz und Tee angeboten. Die fertigen Formulare müssen von mindestens 8 Personen und uns unterschrieben werden, bevor unser Guard sie samt unseren Pässen und Fahrzeugpapieren in eine Plastiktüte verpackt und an sich nimmt. Kurz vor 14.00 Uhr gibt es dann noch eine Auseinandersetzung mit unserem Guard. Da wir an Stelle der hinteren Sitzbank Gepäck transportieren, haben wir umgeräumt, um ihm Platz zu schaffen. Einen Sitz haben wir natürlich nicht, so bieten wir ihm Decken und Kissen an, was allerdings strickt abgelehnt wird. Er will vorn sitzen und Cordula soll sich in der Wohnkabine durchschaukeln lassen. Das lehne ich jedoch energisch ab, ich brauche Cordula zum navigieren. Besonders bei dem hier herrschenden Linksverkehr brauche ich jemanden der zuverlässig beim Überholen den Gegenverkehr beobachtet und nicht noch Verständigungsprobleme. Erst als sein Chef ein Machtwort spricht steigt er doch hinten ein und es kann los gehen. Er dirigiert uns erst ein mal ins nächste Dorf, wo er nach einem provisorischen Sitz erfolglos fahndet. Dann geht es weiter bis Dalbandin. Dort lässt er uns mitten im dicksten Verkehr, aus Radfahrern, Eselskarren, LKW , Bussen und Transportern anhalten. In seinem Kauderwelsch - Englisch versucht er uns klar zu machen, das er hier bei seinen Verwandten bleibt und wir ca. 500 Meter zurück fahren sollen, zu dem "Customer House". Bevor er verschwinden kann, machen wir ihm klar, dass wir mit ihm zurück gehen und die Gegebenheiten klären, schließlich fahre ich keine einspurige Gasse hinein, ohne zu wissen, wie ich da wieder rauskomme. Die Gasse mündet in einem weiträumigen Platz, an welchen auch besagtes Haus steht. Da es offensichtlich mehr privat genutzt wird und der Hof sehr klein ist, bleiben wir davor stehen und haben eine ungestörte Nacht. Im Ort wird gegen 20.00 Uhr (bei Einbruch der Dunkelheit und nach dem letzten Gebet) sowieso täglich der Strom offiziell abgeschalten.

07.08.2003

Obwohl 7.00 Uhr ausgemacht war, klopft unser Guard kurz vor 6.00 Uhr. Er hat keine Uhr und schließlich ging die Sonne gerade auf - was soll´s. Wir machen uns schnell frisch und genehmigen uns einen Morgenkaffee. Dann geht es wieder los. So wie sich die Strecke gestern von Piste bis Zweispurig verbesserte, geht es nun wieder andersrum, mitten durch die Wüste und den entsprechenden Sandverwehungen und "kleinen Dünen" auch auf der Strasse. An einer sehr sandigen Stelle muss ich, wegen eines entgegenkommenden LKW vom einspurigen Teerstreifen runter, denn hier gilt "das Gesetz des Stärkeren". Als ich wieder auffahren will, gibt es ein leider schon bekanntes Geräusch und der Landy ist antriebslos. Der Augenschein bestätigt den Verdacht, es ist wieder die linke Steckachse. Aber es ist nicht der richtige Zeitpunkt, um mit dem Schicksal zu hadern. Wir stehen im Nichts in der prallen Sonne. Rechts und links des Teerstreifens nur tiefer Sand, also keine sichere Möglichkeit, ohne Rückwärtsgang und nur mit gelegentlichen Antrieb zu wenden, um zurück zu fahren. Während wir noch überlegen, eventuell die Steckachsen raus zu nehmen oder die Gelenkwelle nach hinten zu unterbrechen, um mit der Vorderachse langsam weiter zu fahren, halten zwei LKW`s, deren Fahrer wir schon unterwegs getroffen haben. Nach ausgiebiger Diskussion der Sachlage, hauptsächlich untereinander, schlagen sie vor uns abzuschleppen bis in den nächsten ca. 10 Km entfernten Ort, wo ein Hotel sei. Das klingt erstmal gut, denn an einem Hotel könnten wir stehen und uns um Hilfe bemühen. Die 10 Km hinter einem überladenen 5 Tonner, ohne Sicht nach vorn, wird eine unangenehme Sache. Aber es sind ja nur 10 Km. Der Ort entpuppt sich als Ansammlung von drei oder vier Lehmhütten, eine davon bietet unter einer Überdachung auf einem Teppich im Sand, Tee und Kekse an und war das angebliche Hotel. Aber nicht alles was Essen und Trinken anbietet ist ein Hotel. Die LKW konnten uns nicht weiter schleppen, da sie ausgeladen waren. Wir konnten uns später selbst von den bevorstehenden Steigungen überzeugen. Es wurde also nach einem leeren LKW bestmöglichst mit Abschleppstange Ausschau gehalten. Das alles gibt es natürlich nicht ohne Menschenauflauf und ausgiebiges Palaver. Während dessen fährt ein großer silbermetallic Toyota Landcruiser vorbei. Cordula winkt spontan und hat dabei mehr an einen englisch sprechenden Reisenden, der dolmetschen kann,  als an´s Abschleppen gedacht. Der Fahrer hält tatsächlich an und kommt zurück gefahren. Der Beifahrer erklärt im besten englisch, er hätte uns schon am Vortag gesehen und ist ohne Umschweife bereit uns bis Quetta abzuschleppen, was einerseits für uns das Beste, da wir dort alles was wir brauchen finden, andererseits eine Tortour von ca. 260 Km am Abschleppseil wird. Wir nehmen das Angebot an, ohne zu wissen, was auf uns zu kommt. Die Strasse wird zunehmend schlechter und der Fahrer des Landcruiser vergisst ab und zu, was er hinter sich her schleppt. Bei jeder Ortsdurchfahrt, jedem Bahnübergang und die kreuzt oft, jeder Polizeikontrolle, sind mehrere Speed-Breaker über die Strasse installiert. Selbst große Trucks kommen da nur mit Schrittgeschwindigkeit drüber. Unseren "Abschleppdienst" muss ich aber immer durch kräftiges bremsen auf eine für uns angemessene Geschwindigkeit drosseln. Bloß gut, dass wir ein  Stahlseil zwischen uns haben.
Bei den Polizeikontrollen fällt uns schnell auf, das wir nicht mehr angehalten, sondern mit der Hand an der Mütze durchgewunken werden. Schon nach ca. 60 Km haben wir ein neues Problem, Hänger vorne rechts verliert Luft. Wir stoppen und ich versuche den Reifen mit dem Kompressor auf zu pumpen, aber schnell ist klar, da ist ein Loch. Wir haben aber Glück, denn in der Ferne ist an der Piste eine Ansammlung von Lehmhütten zu sehen und bei diesen Strassenverhältnissen gibt es dort immer einen "Reifenservice". Wir bitten unseren Helfer, uns bis dorthin noch zu schleppen, bevor er seine Fahrt fortsetzt und wir uns um unseren Reifen kümmern. Er meint jedoch das sei kein Problem, er habe Zeit und könne warten bis der Reifen repariert sei, um uns dann weiter bis Quetta mit zu nehmen. Wir sind natürlich froh über dieses Angebot und während ich mit dem Fahrer dem Reifen zu Leibe rücke, bewirtet Cordula den Beifahrer mit kühlen Getränken aus unserem Kühlschrank, Obst und Keksen. Bei dieser Gelegenheit werden natürlich allerlei Höflichkeiten ausgetauscht und so erfährt Cordula, dass unser Helfer Zarak Zehri heißt, Kaufmann in Quetta und Parlamentsmitglied ist. Nun wird auch das Verhalten der Polizei klar. Wir haben wirklich ausgesprochenes Glück gehabt
Er veranlasst sogar, ungeachtet unseres Protestes seinen Fahrer die Reparatur zu bezahlen. So kann ich nicht berichten, was die Montage eines neuen Schlauchs unter freiem Himmel kostet. Die ganze Werkstatt besteht aus einer Ausdrückvorrichtung, einer Kiste mit Ersatzteilen und einem Dieselkompressor.
Aber uns ist geholfen und es kann weiter gehen. Durch kilometerlange Baustellen, über Pässe bis zu 1900 Meter hoch, natürlich einspurig und zum Teil auf Schotter. Allein der Gedanke hinter einem ausgeladenen altersschwachen LKW hier hoch geschleppt zu werden, lässt uns das Blut in den Adern gefrieren. Auch der Landcruiser hat seine Probleme, er muss Luft ablassen und Sperre und Untersetzung wählen, um uns mit da hinauf zu nehmen, aber es klappt und bei der Nobelkarosse ist das mit dem Reifendruck kein Problem, dass geht von Armaturenbrett aus zu regeln. Die Pässe runter habe ich ihn dann allerdings am Seil, was meine Bremsen auch zu spüren bekommen, die Nerven natürlich auch, denn es geht ja steht’s darum, das Seil straff zu halten. Gegen 18.30 Uhr erreichen wir Quetta. Bei einem Halt in dem irren Verkehr, gibt es einen lauten Knall, das rechte Heckfenster des Landy ist zu Krümeln zerfallen. Warum ist nicht zu ergründen, die meisten Splitter liegen innen. Das Pech musste Heute also dreimal zu schlagen. Zum Leidwesen unseres Guards werden wir nicht im "Customer House", sondern auf dem Parkplatz des Quetta Serena Hotels, die beste Adresse in der Stadt, abgestellt. Der Abgeordnete veranlasst, dass wir ein Zimmer zum halben Preis bekommen, um uns von den Strapazen der letzten Tage zu erholen. Unser Guard versucht zu protestieren, findet aber kein Gehör. Er will, dass wir mit unserer defekten Fuhre morgen um 8.00 Uhr zum "C H" fahren, wir wollen aber erst unseren Landy reparieren lassen und auf das Carnet warten. Um unserer Variante Nachdruck zu verleihen, satteln wir, nach dem der Guard seinen Schlafplatz suchen gegangen ist, ab und schaffen so vollendete Tatsachen. Dann nichts wie in unser schönes Zimmer und ausgiebig unter die Dusche. Anschließend lassen wir uns zum Abendessen mal wieder richtig verwöhnen.

08.08.2003

Gegen 8.00 Uhr steht unser Guard schon wieder auf der Matte. Mit Hilfe des Hotelpersonals machen wir ihm klar, dass wir per Taxi zum "C H" fahren, um dort mit dem zuständigen Inspektor den weiteren Ablauf zu klären. Es dauert bis er das "gefressen" hat, aber dann geht es los. (Im Innersten verstehe ich ja den Mann, er musste unterschriftlich bürgen, dass wir, so wie in Taftan eingereist, im Zollhof Quetta ankommen und er ist ein einfacher, kleiner Soldat - aber eben auch sehr unbeweglich im Denken.) Wir sind viel zu zeitig dran, vor 10.00 Uhr wiehert der Amtsschimmel hier nicht. Nach Zehn geht es dann los. Unser Guard jammert jedem die Ohren voll, dass wir nicht vollständig hier ankommen. Als sich der Dritte oder Vierte in der Hierarchie - der Vize- Inspektor - der Sache annimmt, kommt langsam Bewegung in die Angelegenheit. Er vertritt die vernünftige Auffassung, dass wir erst wieder im "C H" erscheinen brauchen, wenn unser Landy repariert und unser Carnet eingetroffen ist. Bis dahin will er unsere Pässe und Papiere im Tresor einschließen. Aber unser Guard ist ein einmaliger Sturkopf, er gibt die Unterlagen nicht aus der Hand bis wir komplett im "C H" sind. Fazit: er bleibt uns auch weiterhin erhalten und drängelt, weil er nach Hause will, muss sich aber gedulden, bis der Landy wieder läuft. Sein Pech ist, dass Freitag ist und keine Werkstatt geöffnet hat. So haben wir Zeit uns um zusehen. Das Problem Pakistans ist eine unzureichende Infrastruktur und die schlechten hygienischen Verhältnisse. Den Unterschied zwischen Arm und Reich findet man in vielen Ländern, dass ist nicht das entscheidende Problem. Die Menschen sind überwiegend sehr freundlich, hilfsbereit und sprechen ab einer gewissen Bildung auch englisch. Aber selbst Gebildete benutzen an Stelle eines Taschentuches zwei Finger, dazu wird kräftig und oft gespuckt, die Finger werden an der erstbesten Gelegenheit abgestreift und das kann Alles sein. Dies hält aber Niemanden ab, unter Männern und unter Frauen ausgiebig und bei jeder Gelegenheit die Hände zu schütteln. (Unter nicht Gleichgeschlechtlichen nicht üblich!) Hände waschen bei jeder sich bietenden Gelegenheit ist also unverzichtbar, aber beseitigt das Problem nicht. Aus den Abgasen des Verkehrs, der Hitze und den kurzen Windböen, entsteht ein dichter "Nebel", welcher alles einhüllt und die Sicht mindert. Diesen Staub wird man nicht mehr los, er ist Überall. Alles was man anfasst ist mehr oder minder staubig. Und dieser Staub kommt von den Wegen, Strassen und Plätzen........
Im Hotel treffen wir zufällig unseren Abgeordneten wieder. Um uns zu bedanken, landen wir ihn und seine Gattin zum Dinner für den nächsten Abend ein. Das Serena Hotel hat guten europäischen Standart und tut, was die Klimaanlage angeht, fast zu viel des Guten. Verlässt mann die Lobby nach draußen, gibt es regelrecht den "Schlag vor den Kopf". Am Abend lässt die Hitze (40° C) nach und bei angenehmen 30° C lassen wir uns ein BBQ zum Abendbrot unter Apfelbäumen schmecken. (Es fehlt nur der gute Wein - das Alkoholverbot trübt den Genuss)

09.08.2003

Nach dem Frühstück, treffen wir einen neuen Freund - Ashir John Francis. Er arbeitet bei "Rent a car" (gibt´s nur mit Fahrer für rund 3,00 € die Stunde) und kennt laut Hotelmanager die besten Monteure der Stadt. Unser Guard ist natürlich auch wieder da und stört pausenlos. Per Mietwagen werden die Monteure auch heran geholt und Palaver, Palaver das Problem analysiert. Kurzum diesmal ist es nicht die Steckachse selbst, sonder die Achswellenbefestigung zum Rad hin. Bei Öz Unal wurde zwar auf beiden Seiten Achswelle und Befestigung erneuert, aber schon bei der Montage gab es ein Problem, weil die Bohrungen der Befestigung zu klein waren. Auch war mir aufgefallen, dass sich die Befestigungen nicht glichen, eine war offensichtlich nachgefertigt. Aber das Verständigungsproblem.......
Schlimmer ist allerdings, dass wir die noch guten Teile nicht mitgenommen hatten im  Angesicht unseres Gewichtsproblems, jetzt hätten sie uns gute Dienste leisten können. Um so mehr als nach stundenlanger Besorgungsfahrt unsere Monteure, nur mit gebrauchter Achswellenbefestigung eines alten Landrovers wieder kamen. Die Bremsklötze haben auch erheblich gelitten und müssen erneuert werden. Noch eine Mietwagen fahrt. Zum Schluss machen wir die Probefahrt zum Glaser, weil aus der versprochenen originalen Heckscheibe nun eine Plexiglasscheibe wird. Aber egal, Hauptsache zu. Beim vierten Anlauf klappt es auch eine solche zu finden. Der Verkehr in den schmalen Gassen ist irre, ich bin froh, dass der Landy so robust ist. Ach ja, als wir losgefahren sind, bin ich das erste mal ausgerastet. Unser Guard wollte wieder einmal unbedingt mit und dafür sollte der einzige englisch Sprechende da bleiben, denn die Ladefläche war dem Guard nicht fein genug. Cordula konnte dann das Schlimmste verhindern, indem sie ihm klar gemacht hat, dass sie und der Rest unserer Ausrüstung da bleibt.
Gegen 19.00 Uhr waren alle Reparaturen erledigt - ich hoffe auch gut - und wir konnten duschen und etwas entspannen. Wir warten bis 21.00 Uhr auf unsere Verabredung mit dem Abgeordneten. Ich habe einen Bärenhunger und kann Cordula überzeugen nicht länger zu warten. Das BBQ war gut und reichlich und die Atmosphäre hatte auch gestimmt, also Grund genug es zu wiederholen. Ich esse reichlich und mit guten Appetit, als zum Ende der Mahlzeit überraschend eine Dame auftaucht, in der wir folgerichtig die Ehefrau des verhinderten Abgeordneten vermuten. Ihr Englisch ist so leidlich wie unseres, aber wir können uns verständigen. Sie ist Fördermitglied einer privaten Augenklinik und lädt uns zu einem Besuch ein. Nach den typischen Fragen nach Kindern, Familie und Reiseziel, lädt sie uns noch für den nächsten Nachmittag zum Lunch zu sich nach Hause ein.

10.08.2003

Zum Leidwesen unseres Guards ist heute Sonntag und er kommt wieder nicht zum Zug. Wir satteln wieder auf und verstauen unsere Habseligkeiten. Mir geht es nicht besonders gut, ich schiebe das Unwohlsein auf die reichliche Mahlzeit am Vorabend. Am Nachmittag bekomme ich Fieber und die typischen Anzeichen einer Magen-/Darminfektion. Die üblichen Mittel, Imudium und Gastronerton schlagen nicht an, das Fieber zeugt von Ernsterem. Wir beschließen das Zimmer noch zu behalten - eigentlich wollten wir zu Gunsten unserer Reisekasse in unsere Wohnkabine umziehen - und ich greife zu Bactoreduct-Forte. Ich habe Glück, zum Abend lässt das Fieber nach, aber ich bin schlapp und fühle mich elend. Da Cordula nichts weiter für mich tun kann, geht sie zu der gestern getroffenen Verabredung. Im Anschluss ihr Bericht. In der Nacht gehe ich wandern - immer zwischen Toilette und Bett und manchmal blicke ich dabei "tief in die Schüssel".

Weibliche Neugier hat gesiegt!
Obwohl es mir nicht ganz leicht fällt, ohne Jochen zur Verabredung zu gehen, will ich mir die Chance einmal hinter die "Häuserfront" zu schauen nicht entgehen lassen und bin neugierig und gespannt, was mich erwarten wird. Natürlich fahre ich nicht ohne ein paar Gastgeschenke und pünktlich 14.00 Uhr holt mich das bestellte Fahrzeug vor dem Hotel ab. Wir fahren nicht lange und in einer  kleinen, schmalen Gasse steige ich vor einem grossen weißen Tor aus, um von ebenso grossen, neugierigen Kinderaugen in Empfang genommen zu werden. Ich werde in ein kühles Wohnzimmer geführt mit Sofa, Anrichte und kleinem Glastischchen (alles schlicht und nicht so überladen, wie in Deutschland) und bekomme natürlich erst einmal Tee. Forsyia, meine Gastgeberin begrüßt mich herzlich, entschuldigt sich für ihr Aussehen, da sie in der Küche das Essen zubereitet und stellt mir in Windeseile sämtliche Familienmitglieder vor. Ich werde noch Stunden brauchen alle Kinder und Pärchen zueinander zuzuordnen und alle werden sich darüber köstlich amüsieren, wenn ich wieder mal danebenliege . Gut eine Stunde später sitzen wir alle gemeinsam zum Lunch im daneben gelegenen Zimmer - natürlich auf dem Fußboden! Der "Tisch" wird gedeckt, indem ein weißes Baumwolltuch oder auch Tischdecke auf den teppichausgelegten Fußboden ausgebreitet wird und dann die Speiseschüsseln darauf verteilt werden.  Hier gibt es auch Teller, Besteck und Gläser, es ist eine besser gestellte Familie. Natürlich erhalte ich den Ehrenplatz am "oberen Tischende", aber es dauert eine Weile, bis ich meine Beine so verrenkt und verschränkt habe, dass es einigermaßen angenehm ist. Das gibt wieder viel Spaß für alle Beteiligten. Als Gast muss ich als Erster  von allen Speisen nehmen, es gibt Hühnchen in einer Art Sahnesoße mit Reis, Hühnchen scharf in Chilisoße mit Fladenbrot , Salatplatte und Cola zum Trinken. Es schmeckt alles vorzüglich und zum Schluss wird mir auch noch beigebracht, wie man ohne Besteck richtig ist. Das Abräumen geht sehr schnell, Geschirrteile herunter und Tischtuch zusammengerollt, fertig ist wieder die grosse Empfangshalle. Schon während des Essen wurde die Gesprächsatmosphäre immer lockerer und lustiger, ich fühlte mich wie unter guten Freunden richtig wohl und wir lachten viel  gemeinsam. Selbst die bis dahin noch etwas düster und skeptisch drein blickenden Männer tauten auf und mussten grinsen. Nach dem Lunch gab es natürlich ein Verdauungstee und ich hatte vorsorglich Fotos von unseren letzten Reisen mitgebracht, die nun ausgiebig bestaunt und kommentiert wurden. Die Frauen der Familie waren vor meinem Gehen noch der Meinung, dem ganzen Spaß noch eins drauf zusetzen, und suchten in ihren Kleiderschränken ein für mich passendes typisch pakistanisches Kleidungsstück, welches ich dann auch umgehend anziehen und anbehalten mußte!  Dazu wurde ich noch - natürlich pakistanisch - geschminkt und die gesamte Familie, welche sich nun in einem der großen Schlafzimmer eingefunden und niedergelassen hatte, war mit dem Ergebnis meiner Verwandlung sehr zufrieden und voller Freude. In völlig neuem Outfit wurde ich gegen 18.00 Uhr wieder ins Hotel gebracht und konnte von meinem Liebsten die erlösenden Worte hören: "Aber hübsch siehst du aus."

11.08.2003

Das Antibiotikum hat sehr gut angeschlagen. Ich bin zwar nach wie vor kaputt, habe aber die wesentlichen Körperöffnungen wieder unter Kontrolle. Mein Frühstück fällt sehr bescheiden aus und wir machen uns samt Guard, nachdem wir ausgecheckt haben, auf den Weg ins "C H", nun mit unserer ganzen Fuhre. Da unser Carnet noch nicht da ist, müssen wir die nächsten Tage auf dem Zollhof bleiben. So groß und gut ausgestattet wie er uns in Taftan beschrieben wurde, ist er in Wirklichkeit nicht. Es ist ein großes Gebäude, welches von einer Ringstrasse umgeben ist, hinter der wiederum eine Mauer steht. Die Breite der Strasse wird durch abgestellte, auf ihre Auslösung wartende Fahrzeuge, stark reduziert. Hinzu kommt, dass zwischen der Front des Gebäudes und der hinteren Mauer ein Höhenunterschied von mindestens 12 Metern besteht und der Belag mehr einer Piste als einer Strasse gleicht. Wohin mit unserer Fuhre? Den besten Teil des Weges vor dem Gebäude hat "Cheffe" sich als Parkplatz ausgesucht, es bleibt nur das Stück vor dem zweiten Tor. Ich könnte problemlos rückwärts hinnein mit dem Hänger, auch wenn die kurze Zufahrt von der Strasse nicht sehr gut ist. Aber wo ist der Schlüssel zu diesem Tor?? Er bleibt verschwunden. Es wird ein ganz in der "Nähe" befindlicher Platz vorgeschlagen, welcher groß genug für uns sein soll. Zu viert, unser Guard musste natürlich wieder mit, der leidtragende war der Ortskundige auf dessen Schoß er saß, ging es los. Ca. 2,5 Km entfernt am Stadtrand befindet sich ein Hof, auf dem offensichtlich die nicht ausgelösten Fahrzeuge landen. Kein Strom, kein Wasser und abgeschnitten von Allem. Wie sollen wir hier zu unserem Carnet kommen und Kontakt zum Hotel halten, wo es ja eigentlich ankommen soll? Cordula rastet aus. Ich weigere mich überhaupt den Landy zu verlassen und mehrere klare "No" veranlassen unsere Begleiter in gleicher ungemütlicher Haltung, nun aber um so wütender, mit uns zurück zu fahren. Ich stelle mich direkt in die Einfahrt des "C H", um so Bewegung in die Sache zu bringen. Es nützt nicht viel. Zum Schluss müssen wir uns doch durch die ganze Runde des Ringweges quälen. Nach viel rangieren gelingt es uns auch die schwierige Stelle - links 2 m tieferes Gelände, rechts abgestellte Transporter und das alles in einer rechtwinkligen Kurve, zu nehmen. Das erste linke Rad des Hänger schwebt zwar zeitweilig frei über dem Abgrund und Cordula wird kreidebleich, aber Augen zu und durch. Dann stehen wir endlich vor dem zweiten Tor, in der Hoffnung bis wir hier raus können, findet sich der Schlüssel doch noch ein. (An mir soll´s nicht liegen, ich habe eine Stahlsäge dabei!!) Es beginnt ein nerviges warten auf das Carnet. Viele Gespräche per Satellitentelefon bis wir über gute Freunde die Tracking-Nummer der DHL Sendung haben und selbst im Internet verfolgen können, wo sie liegt. Der Weg ist lang, über Brüssel, London und Karatschi nach Quetta.
Strom bekommen wir hier auch nicht, sie haben Angst um ihre Sicherungen. Die Toiletten sind unbenutzbar, welch Glück das wir eine dabei haben!!

12.08.2003

Wir frühstücken in unserem "Haus auf Rädern", danach werden wir vom CID-Chef des Serena Hotel abgeholt. Nicht weil wir gegen die Sicherheitsbestimmungen verstoßen haben, sondern weil er ein schlechtes Gewissen hat. Er hat uns vor Tagen schon immer erklärt, im "C H" würde es alles ganz schnell erledigt sein und wir könnten fahren wohin wir wollen. Er hat das Problem mit dem Carnet offensichtlich lange nicht verstanden. Da wir ihm von unserer Verabredung in der Augenklinik erzählt haben, lässt er es sich nicht nehmen, uns persönlich in seinem Auto dorthin zu bringen. Mit von der Partie ist der Bruder von Ashir, der offenbar keine Arbeit, aber gute englische Kenntnisse hat. Ashir hat ihn uns regelrecht abgestellt, weil er ja arbeiten muß. Also geht es zu viert in der kleinen Kiste durch das Verkehrsgewühl. Alle Fenster offen, aber keine Kühlung, dafür kannst du den Staub (und vieles mehr) schmecken. Auf Nachfrage wurde uns immer gesagt, es gäbe nur eine Augenklinik in Quetta. Dem zu Folge landen wir natürlich in der Falschen, der kommunalen Klinik. Und das ist gut so. So können wir am Schluss vergleichen. Da wir nach Miss Dr. Forcia Kahn fragen, wird nicht nur dieses Missverständnis aufgelöst. Dr. Kahn ist auch nicht die Gattin des Abgeordneten Mr. Zarak Zehri, sondern hat nur durch ihn von unserer Anwesenheit gehört.
Wir fahren also weiter, nun in das richtige Objekt. Es ist eine Einrichtung des LRBT - Free Eye Care. Auch hier verpassen wir Dr. Kahn, werden aber sehr freundlich von einer Vertretung geführt. Wie in der kommunalen Klinik werden auch hier die Patienten kostenlos behandelt, aber es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Dort das blanke Chaos, keiner weis wohin, alles wartet stundenlang auf den einzigen Arzt. Hier vom Eingang bis zum Ausgang, durchdachte Abläufe. Vier Ärzte behandeln täglich 250 bis 300 Patienten, davon werden ca. 10% am gleichen Tag operiert. Die Augenklinik verfügt über ca. 60 Betten für Vor- und Nachbeträuung der operierten Patienten. Die gesamte Ausstattung ist sehr gut und macht einen sehr gepflegten Eindruck. Das in Pakistan, auch unter Kindern und Jugendlichen, sehr verbreitete Problem der Netzhautablösung sowie der Linsentrübung, ist vorallem auf Mangel- bzw. einseitige Ernährung zurück zu führen. Beide Erkrankungen werden mit dem Laser therapiert. Die Netzhaut, soweit möglich, mit dem Laser punktiert - also wenn man so will Punktgeschweißt - die Linse mit dem Laser "gehobelt" um wenige µm versteht sich. Diese Einrichtung verhilft somit vielen Pakistani, vorallem auch jungen Menschen, wieder zu ihrem Augenlicht. Wenn ich bedenke, das ich in Deutschland 1995 für die nahezu identische Operation (abtragen der Linse von -6 zu 0,5 Dioptrien) rund 3.000,00 DM bezahlt habe und hier eine vergleichbare OP 3.000,00 Rupees, umgerechnet 50,00 € kostet, glauben wir, dass es sich hier wirklich um ein Projekt handelt, wo eine Spende gut aufgehoben ist. Deshalb für alle Interessierten hier die Kontaktadresse: in Pakistan - www.lrbt.org.pk  in England - www.glt.org.uk .
Auf dem Rundgang ist zu merken, dass es Cordula nicht so gut geht. Nachdem wir einen Abstecher ins Serena Hotel und zur DHL Station gemacht haben, ohne unser Carnet vorzufinden, und wieder im "C H" angekommen sind, macht sie sich auch gleich "lang". Fiebermessen ist angesagt und tatsächlich hat sie Temperatur. Schnell steigt das Fieber bis 39,5 C mit entsprechendem Schüttelfrost. Da sie auch über Magenbeschwerden klagt, ist schnell klar, sie hat die gleiche Infektion. Ohne Umschweife verabreiche ich ihr Bactoreduct-Forte. Nur das Fieber macht große Sorgen. Fiebrex erzeugt gar keine Wirkung. Als erstes kalte Wickel. Gut und schön, nur wo nehme ich kaltes Wasser her. Glücklicherweise liegen im Gefrierfach unseres Kühlschranks Kalt-Warm-Kompressen. Damit und einem feuchten Tuch lassen sich hervorragende kalte Wadenwickel machen. Zwischenzeitlich ein tiefer Blick in unsere Bordapotheke. Bei diesen Außentemperaturen, die sich natürlich auch in unserer Kabine niederschlagen,  ist die Geschwindigkeit mit der das Fieber steigt enorm. Also müssen schwere Geschütze aufgefahren werden. Das Beste, was wir dabei haben, ist Paracetamol 500 mg. Zwei davon bekommt Cordula umgehend. Ihre Haut ist so heiß, dass ich beginne, mir wirklich Sorgen zu machen. Da wir keinen Stromanschluß haben, kann auch die Klimaanlage nicht laufen. Als letzte Möglichkeit erwäge ich, sie in den Landy zu legen und den Motor und so die dortige Klimaanlage laufen zu lassen. Dann habe ich eine andere Idee. Ich lasse den Landy laufen, erzeuge zusätzlich zur Solaranlage soviel Strom, dass ich über den Wandler den Lüfter der Klimaanlage betreiben kann. Die so erzeugte Luftbewegung reicht aus, um die Kühlung, welche bei der Verdunstung von Feuchtigkeit entsteht, zu verstärken. So benetze ich ständig Cordulas Haut mit einem nassen Tuch und lasse den Luftzug die Arbeit tun. Es funktioniert wirklich. Die Haut kühlt spürbar ab und die Tabletten entfalten ihre Wirkung. Nach drei Stunden ist sie endlich bei 37,5 C angekommen. Es ist schön zu sehen, wie die Lebensgeister wieder Einzug halten. Dafür beginnt nun die Wanderschaft zwischen Bett und Klo. Na ja, das hatten wir ja schon.

13.08.2003

Der Tag vergeht mit warten. Cordula hütet das Bett, aber sie ist auf dem Weg der Besserung. Wir telefonieren nach unserer DHL-Sendung. Laut Internet liegt sie noch immer in Karatschi. Zwischenzeitlich besucht uns der eine oder andere unserer pakistanischen Freunde und bietet seine Hilfe an. Doch es bleibt nur warten. Gegen 17.00 Uhr rufen wir noch mal in der DHL Station an und haben Glück, unsere Sendung ist eingetroffen. Umgehend machen wir uns (Cordula etwas wackelig) auf den Weg, per Motorrickshaws und holen unsere Carnet´s ab. Da bei uns beiden so etwas wie Appetit wieder zurück kommt, kaufen wir auch etwas Brot und frisches Obst ein. Am Abend dann eine vorsichtige Mahlzeit aus Reis und Frikassee (aus dem Vorratskoffer). Die bekommt uns auch recht gut, denn wir haben eine ruhige Nacht.

14.08.2003

Unsere Hoffnung, nun bald hier alles erledigt zu haben, schwindet mit dem Blick aus dem Fenster. Es ist 9.30 Uhr und kein Auto auf dem Hof, kein Moped kommt angeknattert und all die vielen Fahrräder sind auch nicht da! Pakistan Independenceday. Wir sind vom Pech verfolgt. Das warten geht weiter und wir nutzen die Zeit, um unser Reisetagebuch auf den neuesten Stand zu bringen. Ein Internet-Café haben wir schon gesichtet. Wir hoffen in den nächsten Tagen mal wieder online zu sein.

Da sich bekannter Weise vor 10.00 Uhr hier nichts tut, frühstücken wir in Ruhe, aber leider noch ohne den richtigen Appetit. Mit unseren Carnet´s bewaffnet stehen wir pünktlich vor dem Schreibtisch des zuständigen Inspektors, noch bevor er es sich bequem gemacht hat. Trotzdem wird es 14.00 Uhr, bevor alle Formalitäten erledigt und alle Unterschriften eingeholt sind. Dann sind wir frei. Aber der Schlüssel zum zweiten Tor bleibt verschwunden. Ich habe die Nase voll und nachdem unser "Zug" startklar ist, kommt meine Bohrmaschine zum Einsatz. Das Schloss hält meinen Angriffen nicht lange stand und fünf Minuten später rollen wir Richtung "Lourdes Hotel". Während der Wartezeit hat Cordula einen interessanten Hinweis auf dieses Hotel in einer Reisebeschreibung gefunden. Daraufhin haben wir uns entschlossen noch einige Tage in Quetta zu bleiben, um uns etwas zu erholen und in Ruhe das Eine oder Andere zu erledigen. Ashir´s Bruder, der natürlich selten von unserer Seite weicht, ist auch wieder da und kann uns den Weg zeigen. Der Besitzer des Hotels hat erweitert und ist offensichtlich an Campern nicht interessiert. Kurz und knapp erklärt er es ginge nicht wegen Sicherheitsproblemen. Wir könnten aber ein Zimmer bekommen und unseren "Zug" davor abstellen. Wie es dann mit der Sicherheit aussieht bleibt unbeantwortet - der Mann ist halt sehr geschäftstüchtig. Bevor wir zusagen, versuchen wir es in einem anderen Hotel, sind aber schnell wieder da, denn es gibt keine Alternative. So pendeln wir zwischen Zimmer und Wohnkabine, haben dafür aber eine sehr schöne ruhige und schattige Umgebung, nahe am Golfplatz gelegen. Im Hotel treffen wir einen sehr netten jungen Holländer mit seiner Freundin. Er arbeitet bei der UN und kommt mit einer BMW 80 GS gerade von Kathmandu, wo er die letzte Zeit gearbeitet hat, um Urlaub in Europa zu machen. Natürlich gibt es viel Fragen, ein paar mehr auf unserer Seite, da er jahrelange Indienerfahrung hat. Darüber wird es schnell Abend und wir haben nach langersehnter ausgiebiger Dusche, eine ruhige Nacht.

16.08.2003

Putz und Flick ist angesagt. Wir lassen es aber ruhig angehen.

17.08.2003

Auf dem sehr schön angelegten englischen Rasen unsres Hotel lässt es sich wunderbar im Schatten sitzen und an unseren Internetseiten arbeiten. Es ist einiges zu tun - fast drei Wochen sind aufzuarbeiten und morgen wollen wir endlich online gehen. Bei schlechter Netzversorgung wollen wir künftig Bild und Text beim upload trennen. D.h. Tagebuchaktualisierung via Satellitenverbindung und die Bilder werden bei nächster Möglichkeit eines Besuches im  Internet-Café nachgereicht. Damit die Pausen nicht so lang werden. Auch unser Betreuer Asif lässt sich wieder sehen und wir haben Gelegenheit unsre Neugier bezüglich des Lebens in Pakistan zu stillen. So erfahren wir von den 60 % Arbeitslosen, den Problemen der jungen Menschen und das es in Pakistan doch kein grundsätzliches Alkoholverbot gibt. Letzteres wird durch die Konfession geregelt. Nicht Muslime können ein Permit erhalten, mit welchen sie zum Bezug von alkoholischen Getränken in lizensierten Einrichtungen berechtig werden. Auf der Rückseite des Permits wird eine monatliche Statistik über die Menge des eingekauften Alkohols geführt. Allerdings machen wir von Asif´s Angebot uns Wein und Bier zu besorgen keinen Gebrauch, da sich die Preise ungefähr auf dem Level von First Clas Hotel´s bewegen.  

18.08.2003

Wir schaffen es tatsächlich und sitzen ab 12.00 Uhr in einem Internet-Café mit einem 56k Modem und vielen Surfern auf der einen Leitung. Nach dreieinhalb Stunden - blackout, aber das bringt hier, anders als in den Staaten, niemanden aus der Ruhe. Der Vorteil für uns, der Lap läuft auf Akku weiter und während die Anderen, als der Strom wieder da ist, mühsam ihre abgestürzten PC´s wieder zum Leben erwecken müssen, haben wir die Leitung fast für uns alleine. Trotzdem werden es wieder sechs Stunden bis alles erledigt ist. Am Abend bereiten wir unsere Weiterreise für den morgigen Tag vor. Es soll weiter Richtung Süden, weg von der Grenze zu Afghanistan und dem Distrikt Baluchistan, in die Region um Sukkur gehen. Quetta ist nur ca. 150 Km von Qandarhar entfernt und das ist durchaus spürbar. Ob wir die rund 400 Km bis Sukkur morgen schaffen, wird sich zeigen.

Schaffen wir natürlich nicht. Wenn man mit einem größeren Fahrzeug, dazu noch mit Anhänger in Pakistan unterwegs ist, sollte man nicht mehr als 200 Km pro Tag einplanen. Wir kommen heute mit ach und krach auf 362 Km und bleiben somit rund 40 Km von unserem Ziel entfernt. Um 6.00 Uhr war zwar die Nacht für uns zu Ende, aber bis die Rechnung bezahlt ist und wir uns aus Quetta gequält haben, ist es 9.00 Uhr. Dann geht es für hiesige Verhältnisse auf einer ganz passablen Strasse die Berge hinunter bis auf ca. 250 MN. Die Strasse verläuft über die gesamte Strecke entlang eines Flussbettes, welches zur Zeit nur Rinnsale führt, aber bei Regen durchaus bis zu 30 und mehr Meter breit wird. Alte Reste weggespülter Brücken und Strassen zeugen von der Gewalt, die das Wasser hier entwickeln kann. Als wir den Ausgang des Tals erreichen, liegen viele lange Kilometer hinter uns, bei denen rechts und links nichts zu sehen war. Erst auf den letzten 50 Km beginnt sich das Grün durchzusetzen. Die Dörfer, durch die wir kommen, sind sehr arm, sehr schmutzig und sehr eng. Das täglich alle Einwohner den Durchgangsverkehr überleben, ist kaum zu glauben. Geschwindigkeit wird durch den Strassenzustand geregelt, aber die bunten 5 Tonner rumpeln durch jedes Loch und es gilt das Recht des Stärkeren, aber das hatten wir ja schon. Drei Radfahrer, fünf Fußgänger, zwei Eselskarren, ein Bus und drei Lastwagen, alle gleichzeitig auf 30 m Strasse und du wünscht dir acht Augen zu haben. Auch Offroad-"Spass" haben wir heute zur Genüge, aber unfreiwillig. Wir befahren Highway N62, der teilweise in wirklich gutem Zustand, aber teilweise gar nicht existiert. D.h. es gibt Baustellen über mehrere Kilometer  ohne jede Strasse. Die Trasse führt durch Geröll und tiefen Sand und selbst einheimische Lkw-Fahrer wissen oft nicht mehr, wo es jetzt eigentlich lang geht.
So wird es schnell dunkel und wir erreichen gerade noch Shikarpur. An der ersten Tankstelle halten wir, um nach einem sicheren Platz für die Nacht zu fahnden. Diesmal ist mir das Glück gewogen. Zufällig stolpere ich in das Büro des "Distrikt Naib Nazim" Zafar Ali Shaikh, welcher des Englischen mächtig, mein Problem versteht und mit den Anwesenden sogleich diskutiert. Fazit: Wir werden im Gästehaus des Distriktes untergebracht, wo unser "Zug" von bewaffneten Wächtern bewacht und wir komfortabel in einem Zweibettzimmer mit Airconditioning und Dusche untergebracht werden. Einen Imbiss und natürlich Tee zum Abendbrot erhalten wir auch und wir revanchieren uns mit frischer Melone zu dem anschließenden kurzen Gespräch - woher, wohin usw.. Ach ja, wir sehnen uns nach den 40°C im hohen Quetta zurück, denn hier unten ist die selbe Temperatur, aber die Luftfeuchte liegt  bei ca. 80% - eine Bewegung und der Schweiß läuft in Strömen. Das liegt am Monsun, welcher seine Ausläufer von Indien nach Pakistan schickt.

20.08.2003

Zauberlehrling - "die Geister die ich rief"....., so fühle ich mich heute. Nach einem Frühstück im Gästehaus überprüfen wir noch unsere Bikes auf dem Hänger. Die Offroad - Strecken kosten oft die eine oder andere Befestigung, so auch diesmal. Als das wieder in Ordnung gebracht ist, staunen wir nicht schlecht, als nach der Verabschiedung im Gästehaus, uns weiterhin ein Fahrzeug mit Polizei begleitet. Unsere Annahme, dies geschehe nur bis zur Stadtgrenze, ist falsch. Nach etwa 20 Km müssen wir anhalten und auf das nächste Polizeifahrzeug warten. Wir werden also von Zuständigkeit zu Zuständigkeit weitergereicht. Am Anfang nervt die ständige Warterei, aber dann spielt sich die Übergabe im"fliegenden Wechsel" ein. Auf Nachfrage wird uns immer wieder erklärt, die Gegend sei nicht sicher. Wir vermuten, dass unser Gastgeber von gestern hinter diesem besonderen Schutz steckt, denn er hatte noch eine Verabredung mit dem Polizeichef. So kommen wir bis Jumpur, wo wir wieder einen sicheren Platz, ein eingezäuntes städtisches Gelände, zugewiesen bekommen. Nur der Polizeichef des Ortes hat mit uns Probleme, er schickt seine Leute mehrmals, um unsere Daten abzufragen - Visa, Passnummer, Name des Vaters u.s.w., das kann auch nerven!
Ansonsten nutzen wir die verbleibende Zeit bis zur Dunkelheit für Putz und Flick, Cordula kümmert sich um die "Waschmaschine" und ich um die Klimaanlage im Landy. Selbige schaltet nicht mehr ab, was regelmäßig zur Totalvereisung des Wärmetauschers führt. Offensichtlich ein Relais, was nicht mehr will, ich tausche diese erst ein mal untereinander in Ermanglung eines Ersatzes. Der Test lässt hoffen - genaues werden wir morgen erleben. Dann gibt es noch einen typischen Monsunregen, kurz aber heftig. Zuvor viel Wind, was eine schier undurchdringliche Staubwolke auslöst, wir können die nasse Wäsche gerade noch retten. Der Regen löscht dann auch die Lichter im Ort, kein Strom. So müssen wir auf die Klimaanlage in der Wohnkabine verzichten, aber der Regen kühlt  die Luft auch etwas ab und so wird es doch eine recht angenehme Nacht.

Wir waren mit unserer Eskorte für 8.00 Uhr verabredet, es wird wie üblich Neun, ehe es los geht. Die Strasse ist mäßig und die verschiedenen Fahrer unserer wechselnden Eskorte haben unterschiedliches Temperament. So geht´s mal fast zu schnell auf schlechter Strasse oder zu langsam auf Guter. Auch entlässt uns mal eine Eskorte und wir denken, wir sind frei und dürfen jetzt ohne weiter reisen, bis nach ca. 25 Km plötzlich wieder ein Polizeiwagen aus einem Weg schießt und die Führung übernimmt. Dann haben wir zu allem Überfluss, aber bei diesen Strassen nicht verwunderlich, zwei "Plattfüße" am Hänger zur gleichen Zeit. Mit Hilfe unserer Eskorte ist der Schaden nach eineinhalb Stunden behoben. Sie übernehmen den Transport der Räder zum nächsten Service, müssen aber einmal mehr fahren, da eines der beiden Räder nach der Reparatur immer noch Luft verliert. Obwohl der Highway Nr. 5 fast Autobahnniveau hat, ist bald klar, dass wir heute nicht mehr bis Lahore kommen, zumal auch besagter Highway Baustellen und fast unbefestigte Ortsdurchfahrten hat, von plötzlichen einspurigen Passagen ganz abgesehen. Wir machen unserer Eskorte klar, dass wir in Sahiwal übernachten möchten. Mit Hilfe der englisch sprechenden Highway-Patrol sollen wir vor einem Hotel abgestellt werden, was den Herren dann aber selbst nicht sicher genug vorkommt. Nach einigem Hin und Her landen wir dann beim Polizeichef der Stadt. Nach einem Tee und dem üblichen Woher - Wohin, bekommen wir die Erlaubnis, wieder, wie schon in Jumpur, auf dem Gelände des "Rest-House" zu übernachten. Das "Rest-House" ist ein unterschiedlich großes Areal, mit Schlafräumen und Sanitäranlagen für alle Arten von Polizei, welche gerade im Ort und ohne Unterkunft ist. Für uns ein idealer Platz, er ist sicher, verfügt über Strom und die sanitären Einrichtungen, vor allem die Dusche, dürfen wir auch nutzen. Wir verabreden uns mit unserer Eskorte zur morgigen Weiterfahrt für 10.00 Uhr, denn ich möchte erst noch einiges im Fahrzeug aufräumen und am Hänger kontrollieren.

22.08.2003

Unsere Eskorte bleibt uns bis zur indischen Grenze erhalten. Die ca. 180 Km bis Lahore laufen nach dem schon beschriebenen Muster ab, sowohl was die Strasse, als auch was unsere Begleitung anbelangt. Wir fahren durch große Mango - Plantagen und diese süßen Früchte werden auch überall am Strassenrand angeboten. Darüber hinaus gibt es überall frisch gepressten Mango - Juices, der eisgekühlt am besten schmeckt. In Lahore müssen wir feststellen, dass die uns bekannten Adressen nicht mehr existieren. Also suchen wir nach einem neuen Stellplatz. Dabei kommt uns unser Safetycar sehr zu gute, denn es erleichtert uns mit Blaulicht und Signalhorn  durch das Verkehrschaos zu kommen, zumal wir keinen Stadtplan haben. Lahore hat zwar viel Grün zu bieten, aber so etwas wie einen Campingplatz gibt es hier nicht. Selbst die teuren Hotels residieren lieber im staubigen Zentrum der Stadt. Nach einigem Hin und Her landen wir in einem  solchen. Das Sunfort Hotel ist gute Mittelklasse und verfügt über einen bewachten Parkplatz. Unsere Eskorte liefert uns regelrecht beim Sicherheitsdienst des Hotels ab. Wenn wir das Hotel verlassen wollen, müssen wir 15 min. vorher Bescheid geben, damit unsere "Bodyguards" uns übernehmen können. Heute brauchen wir sie nicht mehr. Uns genügt eine ausgiebige Dusche und eine reichliche Mahlzeit, es darf auch europäisch sein - wir freuen uns auf ein schönes Steak, auch ohne das eigentlich dazu gehörende Glas Rotwein. Morgen werden wir uns in der Stadt umsehen und einen Internetanschluss suchen.

Den Internetanschluss gibt es per Prepaidcard (10 h / 1,56 €) im Zimmer, über Telefon und Modem. Als VIP alle Wege geebnet zu bekommen und ständig mit Blaulicht begleitet zu werden, ist eine interessante, aber auf Dauer doch eher unangenehme Sache. Die angenehmen Seiten wiegen die Einschränkungen der persönlichen Freiheit nicht auf. Auf der Fahrt durch die Stadt, kann ich diesmal, da ich ja nicht selbst fahren muss, alles in Ruhe anschauen. Lahore ist insgesamt eine sehenswerte Stadt, auch wenn Luxusbauten und Hütten, breite dreispurige Prachtstrassen und löchrige, kaum passierbare Zufahrten, all zu dicht bei einander liegen. Wir besuchen das Shehi Qila (Fort Lahore) und die Badshahi Mosque. Zum Abschluss unseres Ausflugs bummeln wir noch durch die historische Food Sreet. In Anbetracht unserer andauernden Genesung, verzichten wir auf ein paar Kostproben, obwohl es zum Teil sehr lecker duftet.

Während Jochen bequem vom Bett aus im Internet surft, besuche ich ein pakistanisches" Beautycenter", um endlich meine von der Sonne strapazierten Haare etwas schneiden zu lassen. Da dieser Service vom Hotel empfohlen und auch vermittelt wird, erwarte ich natürlich einen gewissen Standard und Fachkenntnisse. Nach langem Suchen finde ich auch endlich den "geheimen" Eingang und werde die einzige Kundin sein. Leider sprechen die drei Friseusinnen kaum ein Wort englisch und ich erkläre per Handzeichen, was ja eigentlich einfach ist, das ich meine Haare geschnitten haben möchte. Mit einer Sprühflasche werden meine Haare etwas angefeuchtet und glatt gekämmt, wobei das Haupthaar seinen natürlichen Fall behält, d.h. kein Scheitel etc. wird berücksichtigt. Die Schere wird angesetzt und es fallen ganze 10 cm meiner langen Haare, es sollten doch nur die kaputten Spitzen sein. Der Schnitt erfolgt in einer ungefähren Linie einmal ringsherum, fertig. Nun werden selbstverständlich die feuchten Haare geföhnt. Eine Friseusen bedient den Fön, ein Andere die Rundbürste, das schafft Arbeitsplätze. Ich renne ins Hotelzimmer zurück und als Jochen die Tür öffnet, höre ich diesmal die Worte: "Ach du Sch.....".

Heute steht der Besuch des Museums und ein Abstecher in den Zoo auf dem Programm. Das Museum lässt erahnen welche Pracht einmal hier in Lahore zu sehen war. Die Holzschnitzereien sind bewundernswert und zeugen von hoher handwerklicher Kunst. Der "indische Kontinent" ist überall spürbar und gibt uns einen Vorgeschmack, auf das was wir in Indien sehen werden. Am Abend sind wir zu einem Treffen mit der Zeitung eingeladen. Es ist unsere Reiseroute auf dem Landweg und natürlich unser "Vehicle" was so großes Interesse auslöst. Morgen werden wir Pakistan verlassen und sind gespannt, was uns an der indischen Grenze erwartet.

Die pakistanische Grenzseite ging mit rund einer Stunde relativ schnell und kostete nur 10 US$. Die indische Seite war nicht gründlicher, aber die Carnets für vier Fahrzeuge zu registrieren dauert halt. Nach rund vier Stunden waren wir in Indien angekommen und unsere Eskorte endlich los. Unser erstes Ziel war Amritsar, der Goldene Tempel. Dieser Tempel ist die Kultstätte der Shik. Wie nicht  anders zu erwarten, liegt der Goldene Tempel mitten in der Stadt, die Anfahrt macht so richtig Spass. Der im Reiseführer versprochene Parkplatz ist für uns zu klein. Nach einigem Verhandeln dürfen wir im eingezäunten Außenring des Tempels für eine Nacht stehen. Wir sind spät dran und machen uns schnell auf den Weg, den Tempel zu erkunden. Es ist beeindruckend mit welcher Hingabe hier gebetet wird. Auf unserem Rundgang treffen wir auf einen alten Shik, der uns eigentlich unsere eigene Auffassung neu erklärt - alle Menschen, alle Religionen, alle Hautfarben, alle Stände, haben zwei Hände, zehn Finger, eine Nase und zwei Augen und keiner hat das Recht seine Religion über die des Anderen zu stellen oder gar im Namen einer Religion Krieg zu führen.
Die Nacht wird für uns doch recht kurz. Es bleibt bei rund 30° C und 80% Luftfeuchte und ohne Strom keine Klimaanlage. Einziger Trost, den um uns herum Lagernden, ergeht es nicht besser. Im Gegenteil, sie liegen auf der harten Strasse und wir haben unser Bett.

26.08.2003

Da ohnehin nicht viel Schlaf zu bekommen ist, sind wir wieder zeitig unterwegs. Unser Ziel ist Ambala, die halbe Strecke nach Delhi. Unterwegs muss unsere AZV nachgeschweisst werden, aber das ist für uns wie tanken, man gewöhnt sich an alles. Wir finden dann auf Anhieb ein Touristen Center, wo wir einen Stellplatz und Strom bekommen, was eine angenehme Nacht verspricht. Da wir nun nicht mehr dem muslimischen Alkoholverbot unterliegen, gibt es erst ein mal einige Bier und einheimische Speisen, das ganze mit medizinischen Alkohol (Whisky) garniert. Bei dieser Gelegenheit treffen wir den Leiter der "Genossenschaftsbank", ein trinkfester Sikh, der Cordula schöne  Augen macht. Neben vielen Interessantem, bringt uns das, das eine oder andere Glas und manche neue Gaumenfreude und für den nächsten Tag eine Verabredung ein. Wir sollen uns unbedingt sein "Office" anschauen.

27.08.2003

Es war wirklich eine angenehme Nacht mit Klimaanlage und erträglichen Temperaturen. Wir rüsten uns nach dem Frühstück für die Weiterfahrt, als unser neuer Freund, D. P. Singh, angefahren kommt. Eigentlich hatten wir nicht mit ihm gerechnet, da der Alkoholkonsum doch recht beachtlich war. Also machen wir noch mal alles zu und setzen uns zu ihm in sein Auto. Es geht über enge Strassen landeinwärts und nach etwa 15 Minuten sind wir am Ziel. Leider war sein Auftauchen für uns doch etwas überraschend, so dass wir die Kamera nicht mitgenommen haben. Das Büro der Genossenschaftsbank kann man nicht beschreiben, dass muss man sehen. Irgendwo stand geschrieben, dass Indien das Land ist, wo die Hightechrakete mit dem Eselskarren zum Startplatz gezogen wird. Das trifft im Übertragenen auch auf das Büro und die gesamte Kooperative zu. In Deutschland würde eine Bank den Raum nicht einmal als Abstellraum nutzen. Es gibt kein Stromnetz, ein altersschwacher Generator donnert vor sich hin. Wir werden durch die gesamte Kooperative geführt und zum Schluss noch in die örtliche Schule. Mit 700 Schülern in Unter- und Oberstufe, etwa 70 pro Klasse und 20 Lehrern. Alle Lehrer sind sehr interessiert unterschiedliches zu Deutschland zu erfahren und sehr erstaunt, dass es in Deutschland so wenig Disziplin an den Schulen gibt. Da es in Indien keine Schulpflicht gibt, ist hier die Disziplin sehr hoch und dann und wann wird auch mit der Hand etwas nachgeholfen, um Grenzen aufzuzeigen.
Wir bedauern sehr ohne Kamera losgefahren zu sein und geloben uns Besserung. Für die Schüler geben wir unserem Freund noch einige Stifte und Kugelschreiber mit und verabschieden uns,  natürlich nicht ohne noch vorher mit ihm ein Bier trinken zu müssen, gegen 12.00 Uhr. Zu Spät wie sich später zeigt.
In Delhi soll ein Campingplatz sein und diesen steuern wir an. Die Strassen sind recht gut, aber der Verkehr ist nicht ohne. So bin ich froh, als wir ca. 30 Km vor Delhi ein Touristcenter entdecken. Nach langen Verhandlungen wird aber klar, wir bekommen keinen Strom und somit nicht den Vorzug einer angenehmen Temperatur in unserer Kabine. Es wird uns jedoch der Weg zum CP in Delhi beschrieben und wir sind guter Hoffnung, dort alle Wünsche erfüllt zu bekommen. Den CP finden wir trotz Verkehrschaos problemlos, aber die Enttäuschung ist groß, als uns unfreundlich erklärt wird, was wir schon mit eigenen Augen gesehen haben, der Platz ist verfallen und es gibt ihn eigentlich nicht mehr. Jedenfalls können wir hier nicht bleiben und etwas anderes wird uns auch nicht empfohlen. Es bleibt nichts anderes als weiter zu fahren, in der Hoffnung ein Touristcenter zu finden. Wir wursteln uns durch Neu Delhi, was wirklich keinen Spaß macht und es wird Nacht. Das Fahren am Tag ist schon nicht so einfach, aber nachts ist das die Hölle. Keine Rücklichter an LKWs, unbeleuchtete Radfahrer und Mopedfahrer, tiefe Löcher in der Strasse und alle haben es furchtbar eilig. Ich bin sehr froh, weder einen Inder noch eine "heilige" Kuh zu "treffen" und unfallfrei durch zu kommen. 60 Km hinter Neu Delhi finden wir endlich ein Hotel mit Parkplatz.  Nach einigen Diskussionen und unserer Bereitschaftserklärung das Dinner im Hotel zu nehmen, können wir hier bleiben. Zwar auch ohne Strom, aber erst einmal runter von der Strasse. Das Essen schmeckt gut und dürfte zwischen zwei Whisky verpackt, keinen Schaden anrichten. Die Nacht wird sicher wieder warm und feucht, aber wir stehen doch recht sicher.

28.08.2003

So ist es. Ich bin froh am Morgen einen Wasserhahn zu finden und so mit einer Schüssel eine Dusche zu nehmen. Nach dem Frühstück sind wir schnell wieder auf "Achse". Die letzten Tage haben ja gezeigt, dass es nicht immer einfach ist, einen Platz für die Nacht zu finden. Unser neues Ziel ist Agra, speziell das Taj Mahal. Laut unseren Unterlagen gibt es dort so genannte "Tourist Bungalows" wo wir eventuell stehen können. Leider reicht der Platz für uns nicht aus, denn es ist nur ein kleiner Hof, auf dem wir nicht einmal wenden können. Wir bekommen aber eine andere Adresse vermittelt und werden dort bereits avisiert. Auf dem Weg dorthin, der auch in Agra nicht ganz einfach zu bewältigen ist, fängt uns, bei einem " Navigationsstopp", ein Motorrickshawsfahrer nicht ganz uneigennützig ab und lotst uns ins Lauris Hotel, einem alten britischen Bauwerk, welches aber über viel Grün und ausreichend Platz verfügt. Wir kommen mit dem Manager, der sehr gut deutsch spricht (mehrere Jahre im "Steigenberger" in Bonn gearbeitet) überein, für 200 Rs (ca. 4,00 €) vor einem nicht mehr ganz modernen Seitenflügel zu stehen und eines der etwas maroden Zimmer für Dusche, Toilette und Strom benutzen zu können. Das Angebot ist verlockend und wir nehmen an. Leider ist der Strom nicht "treu", was uns eine schweißgebadete Nacht beschert. Das Stromnetz ist, nicht nur in Agra, stark überlastet und zu Gunsten der Industrie und Landwirtschaft wird der private Verbrauch durch Abschaltung eingeschränkt. Aus diesem Grund laufen viele Generatoren, so auch hier im Hotel, nur hier klappt die Umschaltung nicht immer, was wohl auch gewollt ist, da z.Zt. das Hotel kaum belegt ist. Laut Manager immer noch eine Auswirkung des 11. September. Erst als in unserem Flügel weitere Gäste einziehen wird es besser. Ein großes Problem bei der Akklimatisierung ist auch der ständige Wechsel zwischen klimatisierten und nicht klimatisierten Räumen. Wir versuchen während der Fahrt die Klimaanlage nur auf der kleinsten Stufe laufen zu lassen und nachts nutzen wir in der Kabine nur den Lüfter. Trotzdem müssen wir früh die Betttücher zum trocknen aufhängen und bei der Luftfeuchtigkeit dauert das Trocknen  einige Stunden.
Am frühen Abend fahren wir noch mit dem Motorrickshawsfahrer einige Besorgungen machen. Unter Anderem müssen wir Geld tauschen. Da die Banken um diese Zeit schon geschlossen haben, landen wir unversehens bei einem Juwelier. Der Sohn spricht, was wundert es, als Inhaber einer Greencard, bestes Deutsch und so kommen wir ins Gespräch. Er bestätigt von sich aus unseren Eindruck, dass Indien in eine ausgesprochene zweiklassen Gesellschaft aufgeteilt ist. Wenige, gut ausgebildete Wohlhabende, deren Kindern beste Ausbildung zu teil wird, und der Rest der in Armut lebt. Eine solide Mittelschicht wie in Deutschland gibt es praktisch nicht. Das ausgerechnet Deutschland sich aus den indischen "Denkfabriken", welche ausschließlich der Oberschicht vorbehalten, modern gebaut und streng bewacht sind, bedienen muss, ist ein Armutszeugnis für deutsche Bildungspolitik. Das weitere Gespräch wird verständlicher weise vom Thema Schmuck beherrschte. Obwohl wir auch hier unserem Grundsatz, nichts zu kaufen was nicht zum Leben notwendig, treu bleiben, versucht unsrer Gesprächspartner uns zu animieren. Dabei erfahren wir sehr interessantes über Fassung und Schliff. Ganz neu für uns, sind Steine die nur in Indien abgebaut wurden oder werden. Dazu gehören der Star Rubin, der Black Star und der Star Saphir, die alle drei durch die Art der Lichtbrechung bestechen. Wieder etwas dazu gelernt - Reisen bildet halt.

Putz und Flick ist wieder dran. Öl und reichlich Fett kommt zum Einsatz. Bei der Reifenkontrolle bemerke ich einen Nagel im Hängerreifen. Da uns der Rickshawsfahrer noch immer unaufdringlich seine Dienste anbietet, nutzen wir die Gelegenheit und fahren zum Reifendienst (nicht anders als in Pakistan) und kaufen, während der Reifen repariert wird, noch einiges an Lebensmitteln ein.

Für heute haben wir den Besuch des Taj Mahal eingeplant. Bereits an der Kasse müssen wir tüchtig schlucken, Ausländer erfahren hier immer noch eine Diskriminierung. Der Eintritt für Inder kostet 20,00 Rs, von Ausländern werden, sage und schreibe, 750,00 Rs (ca. 15,00 €) verlangt. Wahrscheinlich geht man davon aus, dass wer eine so weite Anreise bezahlen kann, auch einen 350% Aufschlag sich leisten kann. Aber wenn wir schon mal hier sind, sagen wir uns wie sicher viele andere Touristen und schlucken die bittere Pille. Am Eingang Leibesvisitation. Selbst das Handy und mein Minitaschenmesser muss draußen bleiben. Die ersten Eindrücke sind schier erdrückend. Das Taj Mahal ist ein gigantisches Mausoleum. Aber schon kommt der nächste Ärger auf uns zu. Meine Videokamera darf nur bis zum zweiten Torbogen des Außenhofes mit. Dann soll ich sie abgeben, weil nur Fotos gemacht werden dürfen. Im Computerland Indien hatte ich mehr Kenntnis über den Stand der Technologie erwartet. Mein Einwand, dass selbst die kleinste Digitalkamera, Vidiosequenzen aufnehmen kann und ich doch nur Fotos machen will fruchtet nicht. Endlose Diskussionen folgen, mein Vorschlag, dass wir dann auf den Besuch verzichten aber natürlich dann auch unser Geld zu rück haben wollen findet nur taube Ohren. Eine dreiviertel Stunde dauert es, bis es dem sturen Beamten zu viel, oder selbiger eine "Erleuchtung" hat. Dann dürfen wir mal wieder mit einem "Guard" und samt unsrer Kamera hinein. Zum Schluss stellt sich allerdings heraus, dass im Inneren des Taj Mahal fotografieren generell untersagt ist. Aber davon steht an der Kasse kein Wort!
Trotz der ständig schweißnassen Kleidung, genießen wir den Park und erfreuen uns am Anblick des strahlend weißen Bauwerkes. Der gestalterische Aufwand mit Malerei, Mosaik und Steinmetzarbeit ist sehr beachtlich.
Am Abend haben wir bei PizzaHut noch einmal Gelegenheit dazu zu lernen. Ein solches Restaurant arbeitet weltweit mit gleichbleibenden Standards und wird hier ausschließlich von der Oberschicht besucht. Am Nebentisch nimmt eine Familie mit ca. 6 jährigen Sohn und 10 Wochen alter Tochter platz. Das Baby wird die ganze Zeit von einem Hausmädchen, welches selbst kaum älter als 11 Jahre ist, betreut und versorgt, damit die Mutter ungestört essen kann. Obwohl die Familie nicht alles aufgegessen und getrunken hat als sie fertig ist und bezahlt, bekommt das Hausmädchen nicht einmal etwas zu trinken, von Essen ganz zu schweigen. Sie muss sich zu Haus, wenn das Baby versorgt und sonst nichts mehr zu tun ist, ihren Topf Reis sicher selbst kochen. Es ist hier normal, das arme Kinder von der Strasse zum arbeiten in einen wohlhabenden Haushalt aufgenommen werden, dass sie allerdings wie "Leibeigene" gehalten werden, ehrt die "Wohltäter" nicht gerade.

31.08.2003

Es ist Sonntag und wir wollen den Tag in Ruhe und im Grün unseres Hotels verbringen. Aber noch vor dem Frühstück gibt die Klimaanlage, von welcher wir nur den Lüfter nutzen, den Geist auf. Also mache ich mich umgehend an die Fehlersuche. Es ist der Trafo, der einen "Kurzen" hat. Ob ich hier so ein Teil bekomme (P: 220V / S: 2 x 12V - 12A) ist fraglich, aber ohne Luftumwälzung schlafen -  ausgeschlossen! Also muss eine Zwischenlösung her. Ich hole per Kabel 12V von der Batterie und kann so wenigstens den Lüfter betreiben, solange der Strom reicht. Bei dieser Gelegenheit fällt mir der Kühlschranklüfter in meiner Ersatzteilkiste in die Hände und ich habe die Idee, diesen in das Fenster unseres Alkoven ein zu bauen, um so mehr Frischluft des Nachts zu erhalten. Nach einiger Tüftelei gelingt mir dieses Vorhaben auch und Cordula testet die Wirkung sofort und ist begeistert. Ich will mein Urteil erst nach der ersten Nacht mit Zwangsbelüftung abgeben.

01.09.2003

Die Nacht war entschieden angenehmer. Im kleinen Alkoven, dicht beieinander - was sonst ja nicht schlecht ist - staut sich bei diesem Klima doch eine Menge Wärme und es ist erstaunlich, wie stark die Gaze in den Fenstern die Luftzirkulation behindert. Also hat sich die Bastelei gelohnt. Den Tag nutzen wir für Einkäufe und um Post nach Deutschland zu schicken. Bei dieser Gelegenheit sehen wir Agra von allen Seiten. Als erstes versuchen wir per Motorrickshaws eine Werkstatt bzw. einen Händler für unseren kaputten Trafo zu finden. Unser immer noch treuer Rickshawsfahrer holt erst ein mal Einen ab, der Einen kennt, welcher solche Teile repariert. Auf der Fahrt dorthin werden die Gassen immer schmaler, rechts und links des unbefestigten Weges Gräben mit Abwässern und dem entsprechender Gestank in der schweren feuchten Luft. Kleine Kinder verrichten ihre Notdurft über diesen Gräben und allerlei Getier, einschließlich freilaufender Affen, suchen darin nach fressbarem. Cordula meint später, dass sie in ihrem Leben noch nie eine solche Armut mit eigenen Augen gesehen hat. Der Werkstattinhaber, der sein Geschäft offensichtlich mit der Reparatur der hier auf Grund der vielen Generatoren dringend benötigten Spannungsstabilisatoren betreibt, macht einen durchaus soliden Eindruck. Er verspricht, sich der Sache an zu nehmen und will einen Blick hinein werfen. Wie das bei der vergossenen Bauweise gehen soll, ist mir ein Rätsel, aber das Teil ist so wie so im "Eimer", was soll´s.
Die Post kostet uns fast drei Stunden. Denn als erstes muss das Paket indiengerecht verpackt werden. Das bedeutet, es muss in Leinen vernäht werden. Da wir weder über das Material, noch die Technik verfügen, fährt uns unser Fahrer in ein Teppichgeschäft, wo uns dieses Problem für umgerechnet 3,00 € abgenommen wird, was jedoch nicht ohne Verkaufsgespräch abgeht. Da schnell klar wird, das wir uns keinen Teppich aufschwatzen lassen, landen wir bei den echten indischen Seidenmalereien. Es sind einige sehr schöne Stücke dabei und wir kommen nicht umhin, zwei Teile als Geschenke für Freunde zu kaufen. Allerdings erst als wir den Preis nach langem Feilschen halbiert haben.
Die Post selbst lässt sich nur schwer beschreiben. Ein großer Bau, sicher noch aus britischen Tagen, unübersichtlich, verstaubt, warm und unterm Dach sitzen sogar echte Tauben - Brieftauben? Wir müssen, nach dem wir uns erfolgreich einen Platz am Schalter erkämpft haben, hinter selbigen kommen, um wieder einmal ein Hauptbuch und verschiedene Formulare zu füllen. Unser schön in weißes Leinen vernähtes Paket, wird mit zig roten Siegelklecksen über den Nähten verunziert. So werden wir von Tisch zu Tisch weitergereicht und landen zum Schluss sogar an einem Schreibtisch mit Computer, welcher auch genutzt wird. Um das Gewicht auf der elektrischen Waage zu ermitteln, muss erst der Ventilator abgeschaltet werden, er verbraucht zu viel Strom. Dann dürfen wir stolze 1.750,00 Rs (rund 35,00 €) löhnen und hoffen das unser Paket Deutschland auch erreicht.
Um unsere Lebensmittel einzukaufen, werden wir in eine bessere Gegend gefahren. In einem Geschäft, welches uns ehemaligen Ostdeutschen, wie ein "Delikat-Laden" anmutet, erhalten wir so ziemlich alles, was wir brauchen.
Der anschließende Besuch der Trafo-Werkstatt endet mit der Bestätigung, dass der Trafo defekt ist, was ich eigentlich schon wusste und mit der Tatsache, dass ich ihn nun in Einzelteilen, unrepariert mitnehmen muss. Es ist eine Spezialanfertigung, die hier nicht repariert (neu gewickelt) werden kann.

02.09.2003

Wir fahren erst recht spät, gegen 10.00 Uhr weiter Richtung Lucknow und haben uns das ca. 280 Km entfernte Kanpur als Ziel ausgesucht. Doch der Highway Nr. 2 hält überhaupt nicht, was sein Name verspricht. Baustelle an Baustelle, Loch an Loch und viele große Plakate vom Traum des Premierministers von einem vierspurigen Highway Nr. 2, der hier, irgendwann entstehen soll. Ich glaube jedoch, er wird noch lange träumen müssen, denn die fertigen kurzen Teilstücke dürften den Tag nicht erleben, an dem der Rest fertiggestellt sein wird. So wird es schneller dunkel, als erwünscht und von Kanpur noch keine Spur in Sicht. Nach weiteren unangenehmen 90 Minuten Nachtfahrt entdecken wir endlich ein Motel. Die Verhandlungen bringen uns einen mit Karabinern bewachten Stellplatz für unser Fahrzeug, ausschließlich in Verbindung mit einem Zimmer für 250,00 Rs (rund 5,00 €), aber keinen Strom ein. Trotzdem sind wir froh, nicht weiter suchen zu müssen. Im angeschlossenen Restaurant, essen wir etwas, natürlich nicht ohne den obligatorischen Whisky, davor und danach! Das Zimmer ist für unsere Ansprüche, die eigentlich nicht sehr hoch sind, unbenutzbar. So nutzen wir wenigsten den Wasserstrahl aus der Wand, um zu duschen und verkrümeln uns in unsere Kabine.

Der Premierminister träumt weiter und wir mit ihm. So strecken sich die ca. 100 verbliebenen Kilometer bis Lucknow und bei einem Tankstopp, bestätigt sich, was mir meine Ohren schon zugetragen haben. Steckachsenflansch hinten links ist innen wieder fast glatt geschliffen. Also nur eine Frage der Zeit, wann wir wieder ohne Antrieb sind. Bis Lucknow sind es noch ca. 40 Km, aber die einzige Chance eine Übernachtungs- bzw. Reparaturmöglichkeit zu finden. Wir fahren mit Sperre weiter, um so die Kraft möglichst gleichmäßig auf alle Räder zu bringen und so hinten links zu schonen. Um großes Gesuche zu vermeiden, fragt Cordula schon einige Kilometer vor Lucknow nach einem Stellplatz für unsere Fuhre. Wie immer bildet sich in Sekunden eine Menschentraube, ich bin beim Nachzählen auf knapp 40 gekommen und alle wissen etwas zu sagen, aber kaum einer in englisch. Zu guter letzt bekommt sie eine Skizze zum Taj Residency und es wird versichert, dass der Parkplatz groß genug für uns sei. Während wir vorsichtig weiter durch Lucknow fahren, nicht ohne uns immer wieder nach dem Weg zu erkundigen, sucht Cordula die Adresse in unserer Hotelübersicht von Lucknow erfolglos. Also dürfte es sich um etwas ähnliches wie das Lauris Hotel in Agra handeln, ist unsere Vermutung. Wir staunen nicht schlecht, als uns ein Autofahrer, den wir nach dem Weg gefragt hatten und der sich zufällig als Angestellter dieses Hotels erwies, vor ein fünf Sterne Nobelhotel lotst. Dieser Angestellte entpuppt sich als Mr. S. Shabahat Husain, Deputy Sales Manager. Er verspricht uns, wir könnten problemlos auf dem Parkplatz in unserem Wohnaufbau einige Tage übernachten. Als das geklärt scheint, bin ich auch bereit, die steile Auffahrt zum Parkplatz hinauf zu fahren. Weit komme ich nicht. Diese Steigung ist nun doch zu viel für die angegriffene Achswellenbefestigung. Gleiches Geräusch, gleiche Situation wie bei den letzten Malen, nur  stehen wir mitten in der Einfahrt zu einem Nobelhotel. Wir sollen erstmal an der Rezeption den Papierkram erledigen, zwischenzeitlich würde eine Lösung, das Fahrzeug aus der Einfahrt zu bekommen, gefunden werden. Beim Checkin stellt sich heraus, dass es doch nicht möglich ist, ohne ein Zimmer zu mieten, auf dem Parkplatz zu übernachten. Selbst Mr. Husain kann uns den Preis nur auf ein erträgliches Maß drücken. Aber was bleibt uns anderes übrig, der Landy tut´s nicht mehr und Landrover ist entgegen unserer Annahme in Indien kaum vertreten, so dass wir sicher einige Tage brauchen werden, bis der Landy wieder läuft.
Was das Problem aus der Einfahrt heraus zu kommen angeht, müssen wir auch zur Selbsthilfe greifen. Mit Schieben ist auf Grund der Steigung nichts zu machen. Die Umstehenden, hauptsächlich vom Sicherheitspersonal staunen nicht schlecht, als wir unsere Winsch in Betrieb nehmen. Als ersten Befestigungspunkt suche ich mir das große Eisentor aus. Zentimeter für Zentimeter ziehe ich so die ganze Fuhre auf die ebene Fläche. Ein weiterer Versuch, doch noch mit Sperre und ganz vorsichtigem Anfahren ein paar Meter weiter zu kommen, hat Erfolg und so kommen wir an der vorgesehenen Stelle zum stehen.
Auch wenn das Hotel sehr schön ist und wir uns gerne verwöhnen lassen, beginnen wir doch umgehend mit unseren Nachforschungen, wie wir so schnell wie möglich an die benötigten Ersatzteile kommen, um unseren Aufenthalt hier so kurz wie möglich zu halten. Irgendwie müssen wir auch klären, warum dieses Problem immer wieder auftritt. Beim ersten Mal war eindeutig die lockere Radaufhängung der Auslöser, beim zweiten Mal scheint es an dem nachgefertigten Flansch gelegen zu haben. Warum nun schon wieder? Hat es eventuell etwas zu bedeuten, das Rover ab Baujahr ´99 die Antriebswellenbefestigung geändert hat?

04.09.2003

Nach dem Frühstück ist Internetrecherche angesagt. Wo gibt es in Indien eine Roververtretung, wo eventuell Werkstätten die Landrover reparieren. Die Ausbeute ist mager. In Thane bei Mumbaj ist die einzige Vertretung. Werkstätten für Landrover in Lucknow Fehlanzeige. Also treten wir mit Mr. Ravi Bhagwat von Navnitmotors in Thane per e-mail und Fax in weitere Verhandlungen. Aber die Antwort auf unsere zweite e-mail bleibt aus, weil Mr. Bhagwat nicht mehr im Haus ist, wie wir später erfahren. Da nun nur warten bleibt, kümmere ich mich erst einmal um die Steckachse. Um festzustellen ob nur der Flansch betroffen ist oder auch die Steckachse getauscht werden muss, baue ich die Steckachse aus. Nach meinem Ermessen muss aber nur der Flansch erneuert werden. Ich denke die ganze Zeit darüber nach, ob es eventuell Sinn macht, die Flansche gleich mit der Steckachse zu verschweißen? Auch ein Hängerreifen macht wieder Ärger. Die hier üblichen Flickmethoden sind nicht von großer Haltbarkeit. Anstelle von Pfropfen werden Gummiflicken von innen auf die beschädigte Stelle geklebt. Das hat die gleiche Wirkung, wie das Einziehen von Schläuchen in kaputte schlauchlose Reifen. Die meist ebenfalls beschädigten Stahleinlagen bohren sich früher oder später durch den Flicken und der Ärger beginnt von vorne. Also beschließe ich, zu Lasten meiner Ersatzteile, selbst Hand an zulegen und auf den zwar preiswerten, aber auf Sicht nutzlosen Reifenservice zu verzichten. Da die Pfropfenmethode hier scheinbar unbekannt ist (es laufen auch selten Tublessreifen) habe ich natürlich sofort eine entsprechende Menge an Zuschauern, die anfänglich argwöhnisch beobachten, wie ich dem Reifen mit der Bohrmaschine zu Leibe rücke. Das Aufbohren der Löcher (es sind bereits zwei Altschäden, die wenig aber dafür kontinuierlich Luft entweichen lassen) erleichtert die Reparatur erheblich, da mein Servicekitt auch schon von der Australienreise stammt und der Gummi von Alter und Hitze geschwächt ist. Die Gummilösung ist glücklicher Weise noch intakt, so dass ich nur 2 Pfropfen wegwerfen brauche, welche beim Versuch sie einzuziehen, zerreißen. Nachdem die Luft nun im Reifen bleibt, hellen sich die Gesichter meiner Zuschauer auch wieder auf und sie diskutieren, für mich unverständlich in ihrer Sprache, noch eine ganze Weile. Da mir inzwischen der Schweiß in Bächen runter läuft und ich mein T-Shirt zur Bewässerung der Grünanlagen nutzen kann, packe ich mein Werkzeug zusammen und flüchte unter die Dusche.
Auch am Abend ist noch keine Nachricht aus Thane da.

05.09.2003

Da auch nach dem Frühstück keine e-mail von Mr. Bhagwat da ist, rufen wir erneut in Thane an. Dann endlich eine Antwort. Wir können in etwa 6-8 Tagen die Teile bekommen, müssen aber per Vorkasse dafür rund 700,00 € bezahlen und darüber hinaus noch eine Genehmigung einholen, um die Teile aus einer anderen Provinz einzuführen. Alles sehr kompliziert und teuer. Ich beginne mit Deutschland zu telefonieren, um zu vergleichen, was uns die Teile dort kosten würden. Der Transport mit FedEx oder DHL kostet rund 100,00 €, das ist per Internet schnell recherchiert, am Nachmittag bekomme ich auch die Preise für die Teile. Ca. 350,00 €. Die Lieferzeit ist ähnlich und selbst wenn noch Zoll hinzu kommt, sparen wir noch einiges, denn die Genehmigungen kosten hier auch Geld und der Transport kommt auch noch hinzu. Also bestellen wir die Teile in Deutschland.

06.09.2003

Es ist Samstag und es regnet in Strömen. Der Monsun hat diese Region voll erfasst. Wir  sind so in unserem Zimmer gefangen und arbeiten im Internet. Auf der 64 KB Leitung des Hotels, welche wir zeitweilig nutzen dürfen, laden wir uns eine neue Version unseres Webtools herunter. 70 MB in rund 10 Stunden!

07.09.2003

Wir kommen  noch immer kaum aus unserem Zimmer. Jetzt nicht mehr weil es regnet, sondern weil die Sonne unbarmherzig auf die Nässe knallt. Die Luftfeuchtigkeit von über 90 %  erschwert sogar das Atmen. Wir haben unsere Klimaanlage auf geringste Leistung eingestellt, um unseren Körper so das Wechselbad zu ersparen.

Heute machen wir einen Ausflug in die Stadt. Wir schauen uns die Ruinen der Residency (im 18 Jh. erbaut, 1857 zerstört) und die Husainabad Imambara an. Ein kurzer Trip durch  eine Einkaufsstrasse und wir sind wieder auf dem Boden der Realität. In unserem schönen Hotel gehen nur reiche Inder und gut situierte Geschäftsleute neben den wenigen Touristen ein und aus. So sieht man im und rings um das Hotel, mit seinen weitläufigen Gartenanlagen, nur Angenehmes. In der Stadt dagegen, schlägt der indische Alltag wieder voll zu. Auch ein Preisvergleich bringt Interessantes zu Tage. Lebensmittel sind sehr preiswert und müssen vom Hersteller mit einem Höchstpreis versehen werden. Eine Cola gibt es schon für umgerechnet 0,20 €. Technische Erzeugnisse, besonders Importe, sind völlig überteuert. Eine Pentax Kamera, die in Deutschland rund 400,00 € kostet, ist hier nicht unter 600,00 € zu bekommen.

09.09.2003

Der Monsun ist wieder zu Höchstform aufgelaufen. Wir bleiben weitgehend in unserem Zimmer und lesen mal wieder ausgiebig.

10.09.2003

Der Himmel ist bedeckt, so kommen wir zu einem schönen Spaziergang im Hotelpark. Cordula nutzt das Badezimmer im Hotel und wäscht ausgiebig Wäsche, die zu ihrem Ärger bei der Luftfeuchte nicht trocknen will. Ich erledige einige Arbeiten am Laptop, die ich schon lange vor mich her geschoben habe.

11.09.2003

Der Monsun hält unvermindert an. Ich beginne einen Chatroom auf unserer Seite zu installieren. Heute sollen unsere Ersatzteile Deutschland verlassen. Wir sind gespannt. Zum Abendessen im Restaurant bekommen wir keine Karte mehr - das Personal geht wohl davon aus, dass wir diese schon auswendig kennen. Was ja so falsch auch nicht gedacht ist. Aber es lohnt nicht, auswärts nach anderen Möglichkeiten zu suchen. Speisen sind in etwa überall gleich preiswert und die Küche hier im Hotel ist sehr gut.

12.09.2003

Der Chatroom ist fertig und wir beobachten eifrig, wie sich unser Paket bewegt, langsam aber stetig. Wir haben also noch einige Tage in unserem Hotel zu verbringen. Da so unser Internet Zugang planbar ist, wollen wir einen Versuch starten. Wir laden alle Freunde, Verwandte und Bekannte ein, sich mit uns am Sonntag den  14.09.2003 um 11.00 Uhr UTC in unserem neuen Chatroom zu treffen. Na mal sehen, ob das was wird!

13.09.2002

Zu unserem Leidwesen bewegt sich das Paket langsamer als erwartet. Der 17.09. ist als Auslieferungstag angegeben. Manchmal raubt einem das Internet auch jegliche Illusionen.

14.09.2003

Was machen unsere Teile jetzt eigentlich in Dubai? Die Wege von FedEx scheinen unergründlich! Unser Treff im Chatroom war eine schöne Abwechslung. Es ist schön mit Freunden und Verwandten mal wieder fast direkten Kontakt zu haben. Wir hatten viel Spaß!

15.09.2003

Hurra, gestern Abend ist unser Paket bereits in Delhi angekommen. Ist doch schon mal was. Wir bereiten uns seelisch und moralisch auf unsere Weiterreise vor.

16.09.2003

An Stelle unseres Paketes bekommen wir eine unverständliche Nachricht aus Delhi. Wir sollen sinngemäß den Absender auffordern, eine Verzichtserklärung nach Delhi zu schicken, das er für den Fall, dass das Paket zu spät bei uns ankommt, auf alle Ansprüche verzichtet, ansonsten kann das Paket nicht nach Lucknow ausgeliefert werden. Wir verstehen unter "Tür zu Tür - Service" etwas anderes und protestieren trotz aller Verständigungsprobleme heftig. Danach Funkstille, sowohl in Frankfurt als auch in Delhi.

17.09.2003

Immer noch keine Antwort auf unsere Mail´s und unsere Faxe. Am Mittag dann Antwort von allen Seiten. Delhi teilt auf Nachfrage mit, das Paket sei zu uns unterwegs. Aus Frankfurt erfahren wir per e-mail es sei ein Zollproblem mit dem FedEx nichts zu tun habe, das Paket sei aber nun zu uns unterwegs. Wir glauben nicht so recht an diese Ausrede, denn der Zoll war schon in Mumbai erledigt worden. Aber was soll´s, wir sind glücklich, als unsere Teile 14.00 Uhr im Hotel eintreffen und ich mache mich sofort an die Arbeit. Es klappt auch alles recht gut, trotz der vielen guten, aber für mich nicht verständlichen (offiziell 15, tatsächlich aber fast 100 verschiedene Sprachen und Dialekte, Englisch sprechen nur 2% der Bevölkerung), Ratschläge aus der unumgänglichen Zuschauermenge. Dann kommt es, wie es kommen muss, wenn einem zig Augenpaare auf die Finger gucken. Es gibt einen Knall, ohne das mein Drehmomentenschlüssel einen Ton von sich gegeben hätte. Die fünfte Schraube des Flansches ist abgebrochen und der Rest steckt natürlich im Gewindeloch. Mit meiner Bohrmaschine einen Versuch zu unternehmen, die Reste auszubohren, unterlasse ich lieber. Die Gefahr mehr Schaden anzurichten ist zu groß. Hier braucht es eine Ständerbohrmaschine, um die nötige Präzession zu erzielen. Nach dem üblichen Palaver wird geklärt, dass morgen ein Monteur kommt, um sich das Problem an zu schauen. Na mal sehen.

18.09.2003

Vor 10.00 Uhr bewegt sich auch in Indien nichts. Aber 14.00 Uhr machen die Behörden und Banken dicht und der Rest lässt da nicht lange auf sich warten. Nur die Händler haben ihre Geschäfte lange offen. Der Monteur wird mit einem Taxi geholt und erklärt nach eingehender Beschau, das er mit Werkzeug wiederkommen will und die Radaufhängung ausbaut und zum Ausbohren des Schraubenrestes mitnimmt. Er will auch, auf mein Drängen hin, den Flansch an die Achswelle schweißen lassen, schließlich ist dieses Problem nun schon zum dritten Mal aufgetreten. Wir staunen nicht schlecht, als er nach einer Stunde (das Taxi hatte ihn auch wieder zurück gebracht - für 500,00 Rs !!) mit einem Moped hier auftaucht. Sein Werkzeug beschränkt sich auf den großen  52 er Steckschlüssel zum Lösen der Radaufhängung. Nur gut, dass ich sonst alles dabei habe. Dann das nächste Problem. Er bekommt die Befestigung vom  Bremssattel der Scheibenbremse nicht gelöst. Jetzt wird alles notdürftig angeschraubt und wir sollen zu seiner Werkstatt fahren. Während dessen beginnt der übliche heftige Regen. Dann geht hier nichts mehr. Der Monteur setzt sich in den Landy und wartet. Wir auch. Als der Regen nach einer Stunde nachlässt, hat er seine Meinung geändert und will morgen mit einer Bohrmaschine vor Ort das Problem lösen. Um 10.00 Uhr will er kommen. So weit war ich gestern auch schon. Also kümmern wir uns um neue Hilfe. Inzwischen ist es 16.00 Uhr und es regnet  wieder heftiger. Es wird ein neuer Monteur angerufen. Der soll mehrere Jahre in Deutschland gewesen sein und sein Fach verstehen. Nach einigem Hin und Her, will von dieser Werkstatt ein Monteur in zwei Stunden kommen. Wir warten. Dann ein Anruf, es regnet zu sehr, der Monteur kommt erst morgen um 11.00 Uhr. Wir beginnen das Telefonverzeichnis zu wälzen.

19.09.2003

Noch vor dem Aufstehen weckt uns der erste Monteur von gestern - telefonisch. Heute sei Freitag und er könne deshalb erst 14.00 Uhr kommen. Punkt. Wir gehen noch vor dem Frühstück zum Manager und bitten ihn, von unserer Telefonbuchauswahl eine Werkstatt anzurufen, um unser Problem zu klären. Er hat natürlich auch wieder eine bessere Adresse, wie jeder hier immer einen Verwandten oder Bekannten ins Spiel bringt, ich bin sehr skeptisch. Aber noch bevor wir mit dem Frühstück fertig sind, ist ein Monteur da. Mit Auto, zwei Gehilfen und Werkzeug !! Kaum zu glauben. Allerdings spricht keiner der Drei englisch, so brauchen wir am Anfang noch einen Dolmetscher. Aber technische Probleme können vor Ort auch mit Händen und Füssen erklärt werden. Relativ schnell, wenn auch unkonventionell, haben sie die Radaufhängung abgebaut. Anstelle des 52 er Schlüssels tut es auch Hammer und Meißel und die Bremsen werden wir auch entlüften müssen, denn Einiges von der Bremsflüssigkeit ist im Sand versickert, als sie den Bremssattel am falschen Ende aufgeschraubt haben. So schnell kann man manchmal gar nicht gucken. Nur ans Schweißen will der Mechaniker nicht ran. Er ist der Meinung unser Problem entstehe dadurch, dass die Welle zu viel Spiel nach außen habe und er will dies nun durch eine Schelle begrenzen. Wir sind gespannt. Nach nur 40 Minuten sind die Mechaniker schon wieder von der Werkstatt da, die Reste der Schraube sind entfernt und das Gewinde ist noch o.k., eine entsprechende Schelle vorbereitet. Auf die gleiche, sehr robuste Weise wird die Radaufhängung montiert, Bremsflüssigkeit nachgefüllt und entlüftet. Da die hiesigen Strassen viele Probleme an Achsen und Radaufhängungen produziere, hoffe ich auf seine ausreichende Erfahrung. Die Reparatur kostet uns nur 100,00 Rs mehr als die Taxifahrt des Monteurs von gestern. Im Übrigen, der erste Mechaniker von gestern kam auch 14.00 Uhr nicht und dem Anderen haben wir rechtzeitig abgesagt.
Wir packen unseren Kram zusammen und Cordula wäscht noch mal Wäsche. Morgen werden wir in aller Frühe hier unsere Zelte abbrechen und uns wieder in das tägliche Treiben auf Indiens Straßen stürzen. Ziel ist das Naini-Tal, dort soll es kühler sein - kein Monsun der nervt.

20.09.2003

Punkt 6.00 Uhr stehen wir auf und packen den Rest zusammen. Das letzte "Continental Breakfast", drei Spiegeleier mit reichlich Schinken und dicken Bohnen, schließlich mussten wir für unser Zimmer als Ausländer wieder einmal 100 % Aufschlag zahlen, da musste das Frühstück reichlich ausfallen und spät eingenommen werden, so wird der Lunch gespart. Da es Inder gab, die für ihr Zimmer nur die Hälfte zahlen müssen, sich aber das zweite Frühstück in Tüten einpacken lassen, haben wir dabei auch kein schlechtes Gewissen.
Ein wenig werden wir die Geborgenheit des Hotels vermissen, aber wir hoffen das neben dem Klima auch die Menschen und besonders ihr Umfeld in dem sie leben, in Naini-Tal angenehmer sind. Also machen wir uns gegen 8.00 Uhr auf den Weg. Natürlich sind alle Sinne auf eventuelle Nebengeräusche aus Richtung Hinterachse gerichtet. Cordula lotst mich auf kürzestem Weg aus Lucknow, was aber trotzdem fast eine Stunde dauert. Die Straßen sind auch am Sonntag voller Fahrradrickshaws, Mopeds und LKw´s. Dann sind wir endlich auf dem Highway 24, der leider seinen Namen nicht verdient. Löcher in die teilweise ganze LKW-Ladungen passen, lassen kaum mehr als 30-40 Km/h zu. Aber wir haben ja nur ca. 200 Km eingeplant, so dass wir noch vor Sonnenuntergang am Etappenziel ankommen müssten. Bei einer der, wegen der Enge und dem schlechten Straßenzustand, nervenden Ortsdurchfahrten geht, wegen einem entgegenkommenden LKW der noch eine Rrickshaw überholen muss, unser Spiegel zu Bruch. Damit war hier aber früher oder später zu rechnen, so fahren wir einfach weiter, der LKW hält sowieso nicht an. Kaum haben wir 50 Km geschafft, gibt es einen Knall. Der erste Reifenplatzer den ich in meiner langjährigen Fahrpraxis erlebe, glücklicherweise nur ein Reifen am zweiachsigen Hänger bei ca. 50 Km/h. Mit dem Reifen ist nichts mehr anzufangen, also muss das Reserverad jetzt herhalten. Natürlich nicht ohne den entsprechenden Menschenauflauf mitten auf der Landstrasse. Dadurch können wir uns aber die Sicherung der Pannenstelle sparen. Die Inder, die es sonst so eilig haben und ständig bei Gegenverkehr überholen, halten an und steigen aus, nicht wegen der Reifenpanne, davon gibt es hier mindestens auf jedem Kilometer eine, sondern wegen unserem "exotischen Vehicles". Leider müssen wir feststellen, dass unser Achswellenflansch nicht richtig abgedichtet wurde. Der Landy steht etwas nach links geneigt und deshalb läuft Öl aus dem Flansch. Da muss ich wohl später noch einmal ran. Aber der Radwechsel ist schnell erledigt und wir rollen weiter. Kurz vor Shajhahanpur großer LKW - Stau, welcher sich in Richtung des Ringways, einer Umgehung wie sie die meisten indischen Städte haben, fortsetzt. Es bleibt nur nachzufragen, ob eine Durchfahrt durch die Stadt für uns möglich ist, zumal wir eigentlich ohnehin hier übernachten wollten. Nach einigen vergeblichen Versuchen, findet Cordula einen der 2% englisch sprechenden Inder, der den gleichen Weg hat und uns hinter sich her lotsen will. Er rät uns aber von einer Übernachtung ab, da diese Stadt nicht gut wäre, weil stark moslemisch geprägt. Das stört uns normalerweise nicht, aber eine ausdrückliche Warnung wollen wir auch nicht in den Wind schlagen. Die Strasse in die Stadt ist schmal und auf Grund des Staus auf der Umgehung stark befahren. Ich habe arg zu kämpfen um unserem Lotsen zu folgen, als zu allem Überfluss eine Ziegenherde auf uns zu getrieben wird. Die Viecher sind auch so stur, dass sie kaum weichen, als ich mit dem Landy vorbei fahre. Und dann spüren wir im Landy ein kurzes rumpel-rumpel. Das war unser Hänger der gerade über eine dieser Ziegen rollt, die unbedingt zwischen Landy und Hänger durch wollte. Das sich erhebende Geschrei auf der Strasse ignorierend, fahre ich weiter, da ich mir keiner Schuld bewusst bin. Die Hirtin hätte besser auf ihre Tiere aufpassen müssen. Andererseits werden solche Gelegenheit oft genutzt, um Wucherpreise für minderwertige, sprich wirklich dumme Viecher zu erzielen, das haben wir schon in Afrika gelernt. Das einzig Bedenkliche an der Sache ist, dass hier Anhängerbetrieb fast unbekannt ist, und ich zu tun habe auf die Zweibeiner, Fahrrad- und Mopedfahrer aufzupassen, die, wenn sie überholt werden, gleich nach dem Landy versuchen sich wieder zur Strassenmitte auszurichten.
Als uns der Lotse auf die richtige Ausfallstrasse gebracht hat und wir uns verabschiedet haben, versuchen wir noch, da wir gerade durch die Strasse der Reifenhändler fahren, Ersatz für den "Platzer" zu bekommen, aber leider erfolglos. Uns läuft auch die Zeit etwas davon, bis zur nächsten Stadt mit Aussicht auf Übernachtungsmöglichkeit sind es noch ca. 80 Km und es ist schon kurz vor 16.00 Uhr. Ab 18.00 Uhr wird es hier dunkel und Nachtfahrten hatten wir ja schon zur Genüge. Kaum dass wir einige Kilometer geschafft haben, überholt uns ein LKW, kaum schneller als wir, aber natürlich bei Gegenverkehr. Ohne Rücksicht auf Verluste schneidet er mich, wie hier üblich, nur dass es diesmal nicht reicht und er uns kurzerhand einen Teil der Markise abrasiert. Obwohl sein Beifahrer eindeutig sieht was passiert, setzt er seine Fahrt ungeniert fort. Ich muss links raus, da sich natürlich meine Markise ob des nun fehlenden Rollgetriebes beginnt  zu entfalten. Cordula sammelt die abgerissenen Teile ein und ich beginne die Markise notdürftig einzurollen und zu befestigen. Für Arbeit ist in den nächsten Tagen auf diese Weise gesorgt. Nach einer halben Stunde sind wir wieder unterwegs. Wie befürchtet ist die Strasse auch weiterhin in schlechtem Zustand und wir müssen auch noch einige einspurige Brücken passieren, was nicht ohne entsprechenden Stau und Wartezeit abgeht. Darüber wird es schnell dunkel. Kurz vor Faridpur finden wir eine Tankstelle, wo wir ungestört übernachten können. Wie oft wird auch hier die Ordnung mittels eines alten Karabiners aufrecht erhalten. 

21.09.2003

Kurz nach 6.00 Uhr wecken uns die Tauben, welche gleich neben uns ihren Schlag bewohnen, was wir im Dunklen nicht mehr gesehen haben, mit lautem Gurren. Die Erdhörnchen, die es hier in Unmengen gibt, lärmen ebenfalls ausgiebig. Wir haben gut geschlafen, da das Klima bereits etwas angenehmer, sprich nicht mehr so feucht ist. Nach einem kurzem Frühstück setzen wir unsere Reise fort. Die Landschaft wird grüner und der Baumbestand nimmt merklich zu. Auch habe ich das Gefühl, dass der Lebensstandard der Menschen hier etwas steigt und dabei ist nicht nur der Wunsch der Vater des Gedanken. Hin und wieder tauchen recht schöne Anwesen auf und auch die einfachen Hütten sehen etwas besser als im Gebiet zwischen Delhi und Lucknow aus. Cordula bremst meinen Optimismus, muss aber nach einigen weiteren Kilometern zugeben, dass sich der Gesamteindruck doch etwas bessert. Der Strassenzustand verschlechtert sich zwar an der Provinzgrenze noch einmal, das hat aber sicher mit der erst vor wenigen Jahren erstrittenen neuen Provinz Uttaranchal zu tun. Hinter Haldwani beginnt der Aufstieg in den Ausläufer des Himalaja mit dem Namen Kumaon. Die Strasse ist in erstaunlich gutem Zustand, was sicher auch mit den wenigen LKW, die hier unterwegs sind, zu tun hat. Wir klettern gemächlich mit 25 - 30 Km/h, vorsorglich im untersetzten Gang von fast 0 auf über 2000 MN. Die Landschaft nimmt alpinen Charakter an, nur Fauna und Flora wollen nicht recht dazu passen. Im überwiegenden Laubwald, der von Kletterpflanzen, Lianen ähnlich, durch wuchert wird, springen Affen munter umher. Wir genießen die Ruhe auf der Strasse bis wir Naini-Tal erreichen. Hier herrscht wieder reger Verkehr und wir werden von Schleppern umlagert, als wir anhalten, um uns einen Überblick zu verschaffen. Aber die Menschen hier sind freundlicher und ihre Neugier ist nicht so aufdringlich, wie in der Provinz Uttar Pradesh. Später erfahren wir, dass hier viele Menschen aus dem Gebiet des heutigen Pakistan leben. Das geht zurück auf religiöse Differenzen bei der Abspaltung dieser Region von Indien im Zusammenhang mit der Unabhängigkeit von der britischen Krone Ende der vierziger Jahre. Die Schlepper versuchen uns in ihre Hotels zu lotsen und schwindeln dabei das Blaue vom Himmel herunter. Naini-Tal liegt zwar wunderschön an einem See, hat aber mit einem Tal wenig zu tun. Die Stadt klebt regelrecht an den Berghängen rings um den See. Die Strassen und Gassen sind entsprechend schmal, kurvig und steil. Die meisten der Hotels haben keinen Parkplatz, wo wir stehen könnten, aber sie versuchen uns trotzdem dorthin zu lotsen. Nach einigen vergeblichen Versuchen, welche wir glücklicher Weise zu Fuß unternehmen, Wenden wäre unmöglich gewesen, lassen wir uns auf Einen ein, der mit einem Geländewagen vor uns her fahren will, weil wir davon ausgehen, dass er unser Vehicle gesehen hat und als Fahrer weiss, was geht und was nicht. Und wir liegen damit nicht ganz falsch. Nach dem er uns durch die ganze Stadt gelotst hat, immer an der Grenze des für uns Möglichen, lässt er uns den Landy parken und fährt uns in seinem Fahrzeug die restliche Strecke zum Hotel Aroma. Der Weg ist für uns kaum machbar, so schmal und steil, nur im Notfall würde ich einen Versuch wagen. Das Hotel ist sehr schön gelegen, die Parkmöglichkeiten aber sehr begrenzt. Der Besitzer will uns auch unter allen Umständen ein Zimmer vermieten und ist weniger an einem Camper interessiert. Er gibt uns aber noch einige Tips und sein Fahrer fährt uns zurück zu unserem Parkplatz. Von hieraus beginnen wir die Hotels in der Umgebung zu Fuß zu erkunden. Nach einer Stunde bergauf und bergab haben wir Glück und finden was wir gesucht haben. Das Swiss Hotel, 1910 unter den Briten im alpinen Flair errichtet, ist zwar auch nicht leicht zu erreichen, verfügt aber über einen zweiten, wenig genutzten Parkplatz im Grünen, auf welchen wir für umgerechnet 5,00 € und der Zusage im Hotelrestaurant das Dinner einzunehmen, stehen können. Wir sind sehr glücklich, als wir nach einigem Rangieren endlich stehen und uns bei angenehmen 24°C häuslich einrichten. Mittlerweile ist es Abend geworden und wir essen zu Abend im wenig besuchten Restaurant. Das Essen ist typische indische Küche und schmeckt gut. Bei dieser Gelegenheit lernen wir den 78 jährigen Besitzer kennen, der sich zu uns setzt und sich in einem nicht leicht verständlichen Englisch, mit uns unterhält. Im Übrigen stammt er aus Lahore was seit 1947 zum abgespalteten islamischen Pakistan gehört. 

Wir nehmen endlich wieder einmal die Bikes vom Hänger und haben mit sauber machen alle Hände voll zu tun. Ich begutachte die Schäden an der Markise und Cordula macht mich auf ein Rad am Hänger aufmerksam, welches wieder Luft verliert. Den Nagel sehe ich auf Anhieb und frage mich, wie viele Stopfen so ein Reifen eigentlich verträgt, dieser hat schon zwei. Für die nächsten Tage besteht also keine Gefahr, dass Langeweile aufkommt. Am Nachmittag erkunden wir auf einem Motorrad die Stadt. Sie ist absolut auf Tourismus ausgerichtet und ähnelt in ihrer Anlage einem europäischen Kurort mehr, als einer indischen Stadt. Die benötigten Ersatzteile wie Reifen etc. werden wir aber hier nicht finden. Wir schauen noch bei der Touristinformation rein und erfahren, dass der Corbett National Park erst im November öffnet. Da aber überall etwas Anderes geschrieben steht und jeder auch etwas Anderes sagt, erkundigen wir uns trotzdem nach dem Weg. Wir werden dort mit den Bikes hinfahren und uns vor Ort ein Bild machen. Der Hotelier erzählt uns beim Abendessen vom Sonnenauf- und untergang, den man vom Kamm des Kumaon mit Blick auf den Himalaja beobachten kann. Wir haben die Möglichkeit mit einer Seilbahn oder auch mit den Motorrädern dort hin zu kommen. Für Morgen haben wir erst ein mal die Runde zum NP geplant. Das sind rund 200 Km und wir werden zeitig losfahren müssen, um vor der Dunkelheit wieder hier zu sein.

23.09.2003

Dieses Vorhaben fällt aber regelrecht in Wasser. Mitten in der Nacht bringt ein ordentliches Gewitter anhaltenden Regen, welcher pünktlich zum europäischen Herbstanfang auch den ganzen Tag, von wenigen Unterbrechungen, welche wir zu einem ausgedehnten Spaziergang nutzen, anhält.

24.09.2003

Die Wetterlage ist unverändert und zwingt uns zur Ruhe. Wir beginnen, uns um unsere Weiterreise von Indien nach Myanmar (Burma) und Thailand zu kümmern, denn die Beschaffung der Visa und Transitgenehmigungen wird sicher einige Zeit (Monate) in Anspruch nehmen. Einen kleinen Lichtblick können wir schon verbuchen. Entgegen aller anderen Informationen, auch von einschlägigen Touristeninformationen in Deutschland, gibt es laut Auskunft der Botschaft von Myanmar, die Möglichkeit des Transits nach Thailand mit eigenem Fahrzeug. Es bedarf allerdings eines besonderen Antrages, dessen Genehmigung durchaus bis zu zwei Monaten dauern kann. Sollten wir eine solche Genehmigung erhalten, sind wir unserem Ziel, frühestens in Singapur mit der Weiterreise per Schiff zu beginnen, ein erhebliches Stück näher.

25.09.2003

Es regnet Tag und Nacht. So hatten wir uns die Klimaverbesserung nicht vorgestellt. Trotz des Regens gehen wir etwas raus und bummeln mit Regenschirm durch die "Einkaufsstrassen" der Stadt. In schmalen Gassen klebt eine Bude an der Anderen. Dabei wechselt der Baustil von Zeltplane über Bretter und Wellblech bis Stein und zurück. Jede Gasse wird von bestimmten Produkten oder Gewerken dominiert. Da ist die Bäckergasse, die Elektrogasse, die Lebensmittelgasse u.s.w., nur die Garküchen und kleinen offenen Imbissbuden sind überall dazwischen. Und natürlich das Kleinhandwerk, wie Schuhmacher und Schirmmacher, welches ohne Dach über dem Kopf auf der Strasse arbeitet. Obwohl es aus mancher Garküche verlockend duftet, hält uns deren Anblick noch von Kostproben ab, aber auch das ist nur eine Frage der Zeit. Kuchen und Kleingebäck haben wir schon probiert und für recht gut befunden, auch wenn der, vor der Bäckerei sitzende, teigrührende Küchenjunge mit dem Kessel zwischen den Beinen keinen hygienisch einwandfreien Eindruck macht. 

Beim Munter werden kitzeln uns Sonnenstrahlen. Der Regen hat sich verzogen, obwohl hier und da noch eine dicke Wolke gegen den Berg stößt. Wir atmen auf und beginnen nach den Frühstück mit den ersten Reparaturen. Als ich den defekten Reifen am Hänger genauer untersuche, finde ich nicht nur besagten Nagel sondern auch noch eine Schraube. Der Nagel steckt schräg in der Oberfläche und dürfte nicht das eigentliche Problem sein. Doch nachdem die Schraube durch einen Stopfen ersetzt ist, muss ich bei der Wasserprobe feststellen, dass der Reifen insgesamt so porös ist, dass überall kleine Luftbläschen austreten. Hier wird wohl nur noch ein neuer Reifen helfen. Da wir sowieso noch Ersatz für den "Platzer" brauchen, beschließen wir morgen, sollte das Wetter halten, nach Haldwani zu fahren und nach Ersatz Ausschau zu halten. Da diese Reifen schon viel mitgemacht haben (u.a. Australien) bin ich bereit, sollte sich etwas Geeignetes finden lassen, gleich vier Neue zu kaufen.
Am Nachmittag satteln wir die Bikes und machen einen kleinen Ausflug in die Berge. Leider versperren uns immer wieder die Wolken, welche teilweise bis auf die Strasse reichen, die Aussicht. Die erste Strasse, die wir wählen wird von Kilometer zu Kilometer schlechter, bis es nur noch eine Piste mit zwei Fahrspuren ist. Dabei handelt es sich um eine offizielle Verbindungsstrasse. Nach 25 Km auf und ab, steigt der Weg wieder steil an. Rechts der Fels, links der ungesicherte Abgrund und die Wolken, in denen wir uns seit einiger Zeit befinden, werden immer dichter. Da wir nur zum Spaß hier unterwegs sind, wollen wir in der "Waschküche" nichts riskieren und drehen um. Die zweite Strasse, welche wir probieren, führt bergab, ebenfalls durch eine sehr schöne Landschaft, aber auch hier landen wir nach einigen Kilometern wieder im dichten Nebel. Also machen wir uns auf  den Heimweg und erreichen gegen 17.00 Uhr wieder unser "Haus".

Das Wetter hat sich gebessert und die Sonne scheint, aber vom Himalaya noch immer keine Spur, so sehr wir uns auch bemühen und von "Viewpoint" zu "Viewpoint" eilen. Die geplante Tour nach Haldwani fällt aus, da dort am Samstag alle Geschäfte geschlossen haben und erst am Sonntag wieder öffnen. Nur für Behörden und Banken gilt das nicht, da sie keinen religiösen Wochentagsreglungen unterliegen.  Da es in Indien viele verschiedene Religionen gibt, ist die Orientierung für uns nicht einfach und wir müssen viel fragen, bevor wir etwas unternehmen, um nicht vor verschlossenen Türen und Toren zu stehen.
Wir nehmen dann noch einmal die erste Strecke von gestern unter die Räder. Wieder haben wir viel Spaß auf der Piste, aber einen nennenswerten Ort haben wir auch nach 35 Kilometern nicht gefunden. Aber uns begegnet noch anderer Verkehr (Geländewagen vom Typ TATA, wie alles was sich bewegt in Indien von TATA gebaut wird), ob wohl es nur noch ein schlechter Feldweg ist. Als wir wieder einmal einen Gipfel erreichen der im Nebel steht, kehren wir auch diesmal um. In Naini Tal scheint die dagegen die Sonne und wir genießen sie noch eine Weile bei Kaffee und Keksen.

Wie geplant fahren wir heute nach Haldwani, um nach neuen Reifen für den Hänger zu schauen. Zu vor fahren wir aber noch einen "Viewpoint" an, um nach dem Himalaya Ausschau zu halten. Und wir haben Glück, keine Wolken versperren uns die Sicht. Der Anblick ist wunderschön und wir können uns kaum losreißen.
Die Strecke nach Haldwani ist mit den Motorrädern die reinste Freude. Auf rund 40 Km "verlieren" wir 1700 m Höhe, von Kurve zu Kurve durch eine schöne, sonnige Landschaft, auf guter Strasse. In Haldwani sind heute am Sonntag die Geschäfte offen, weil der Ort überwiegend moslemisch geprägt ist. Wir finden einen Händler, aber keine schlauchlosen Reifen, typisch für diesen Teil Asiens. Dafür hat er ein paar 175 R 14 C, also ein guter, weil hoch belastbarer, Transporterreifen mit Schlauch. Für umgerechnet insgesamt 232,00 € bekommen wir die vier Bridgestone Reifen und gleich noch die Lieferung nach Naini Tal.
Wir nutzen die Gelegenheit und kaufen noch einiges an Lebensmitteln ein. Es fällt auf, das sehr viele der "besseren" Geschäfte und Shops, auch Werkstätten, zumindest im Norden Indiens, von Sikhs (gut erkennbar an ihrem Turban) geführt werden. Ähnlich der jüdischen Bevölkerung Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa, haben sie offensichtlich die besseren Voraussetzungen und die glücklichere Hand beim Geschäft. 
Wir "düsen" wieder bergauf, können aber den erhofften Sonnenuntergang über dem Himalaya nicht genießen, da wieder viele Wolken, trotz örtlichem Sonnenschein, die Sicht versperren.

29.09.2003

Ein sonniger Tag erwartet uns. Gegen 11.00 Uhr sollen unsere Reifen eintreffen und wir müssen vorher noch zur Bank um Geld zu tauschen. Diese "Transaktion" kostet uns gut eine Stunde, aber Zeit haben wir ja mehr als Geld. Es ist die typische indische Bürokratie und auch hier gibt es "Hauptbücher" für jeden Vorgang. Es werden sogar die Seriennummern unserer Euro Banknoten registriert!
Die Reifen verspäten sich, so kann ich in Ruhe die Räder demontieren und an unserer Markise weiter arbeiten. Hier ist die gesamte Befestigung des Wellenantriebes, welche sinnigerweise aus Kunststoff ist, weggerissen. Das bedeutet, ich muss mir aus Aluminiumblech eine neue Befestigung basteln. Das braucht natürlich etwas mehr Zeit. Die Reifen treffen gegen 14.00 Uhr ein und wenig später erscheint auch der Monteur, welcher freundlicherweise vom Hotelmanager bestellt wurde. Da schon alle Räder demontiert sind, werden sie nur zusammen mit den neuen Reifen aufgeladen und in seine Werkstatt gebracht. Allerdings kommt er nach einer knappen Stunde nur mit drei Rädern wieder, ein Schlauch ist schon in der Verpackung beschädigt gewesen. Um die Sache zu beschleunigen, kaufe ich bei ihm noch einen Schlauch und werde mich um die Reklamation in Haldwani morgen kümmern. So kommen wir noch zu einem Ersatzschlauch.
Als dann alle Räder, mit Cordulas Hilfe, wieder montiert sind, hoffen wir nun auch auf diesen Strassen einige Zeit vor Reifenpannen verschont zu bleiben. Wobei ich schon davon ausgehe, dass Alter, Tragfähigkeit und Laufleistung bei unseren Pannen eine erhebliche Rolle gespielt haben.
Zum Abendessen kocht Cordula mal wieder selbst leckere Nudeln mit Sahnesoße und einen schönen gemischten Salat. Die indische Küche ist nicht schlecht, aber auf Dauer fehlt die Abwechslung und vor allem das viele frische "Grünzeug", an welches wir gewohnt sind.
Als wir am Abend die Bilder der letzten Tage sortieren, klingelt das Handy. Ein guter Freund aus der alten Heimat hat sich verwählt und ist nun bei uns in Indien gelandet. Die Freude ist auf beiden Seiten groß und es werden der neueste Klatsch und Tratsch ausgetauscht. Das tut der Seele, gerade so vor dem Einschlafen gut.

Der Tag beginnt mit Sonnenschein. Wir beschließen unseren Bummel durch den Ort, diesmal bei schönen Wetter und mit Kamera zu wiederholen. Die Aufnahmen spiegeln nicht ganz den Eindruck, welchen wir unter dem 22.09.2003 beschrieben haben, wieder. Das liegt zum Einen am Wetter und zum Anderen daran, dass es für uns nicht einfach ist, die Kamera auf Menschen zu richten, welche in unwürdigen Verhältnissen leben und arbeiten.
Unser Ausflug führt uns durch Naini Tal, bergauf und bergab zur St. Marys High School. Unser Hotelmanager, mit dem wir fast jeden Abend beim Essen einen kurzen Plausch halten, hat uns von katholischen Schwestern aus Deutschland erzählt, die in dieser Schule unterrichten und sich sicher über einen Besuch von Landsleuten freuen würden. Wir sind natürlich genauso gespannt und freuen uns auf ein Gespräch in unserer Muttersprache. Als wir uns im Office der High School nach der deutschen Ordensschwester erkundigen, wird gleich nach ihr geschickt. Nach wenigen Minuten kommt eine ältere Dame mit leichtem bayrischen Akzent auf uns zu. Nach einer kurzen Vorstellung zeigt sie uns die ganze Schule. Es ist eine sehr große, gepflegte Anlage, in welcher sowohl Tagesschüler, als auch Internatsschüler, ausschließlich Mädchen, unterrichtet werden. Dabei sind von den rund 800 Schülern gerade mal 8 katholischen Glaubens, alle Anderen gehören unterschiedlichen Konfessionen an.  Trotzdem gibt keinerlei Probleme, sondern ein friedliches miteinander lernen. Wir erfahren auch, dass Schwester Domenica seit 1936 in Indien ist und dieses Jahr ihren 90. Geburtstag feiern wird, was man der rüstigen alten Dame bei weitem nicht anmerkt. Bis vor wenigen Jahren hat sie selbst noch Englisch unterrichtet. Nun kümmert sie sich ausschließlich um die Bibliothek der Schule, die zwölftausend Bücher umfasst und von ihr selbst aufgebaut wurde, also ihrem "liebsten" Kind. Nach dem Rundgang treffen wir bei Kaffee und Kuchen drei weitere Schwestern aus Deutschland, die hier ebenfalls seit mehr als sechzig Jahren arbeiten. Sie sind genauso neugierig auf unsere Reiseerlebnisse wie wir auf ihre Lebenserfahrungen in Indien. So wird es eine kurzweilige Begegnung und die Zeit vergeht wie im Flug. Wir erfahren auch, dass es in Kathmandu, einem unsrer nächsten Reiseziele, eine St. Marys School gibt, an der auch eine deutsche Schwester unterrichten soll. Als wir uns von den freundlichen Ordensschwestern verabschieden, versprechen wir, bevor wir Naini Tal verlassen, noch einmal kurz "Goodby" zu sagen.
Auf dem Rückweg, entlang des nur für Fußgänger zu erreichenden Uferweges, besuchen wir noch einen hinduistischen Tempel. Die figürlichen Darstellungen und Rituale sind für uns noch ein Rätsel und wir hoffen darüber noch mehr zu erfahren, um besser verstehen zu können. Am 05.10. findet hier ein großes hinduistisches Fest statt und die Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren.

01.10.2003

Wir machen uns auf, um wieder einmal online zu gehen. Nach dem fünften "Cyber Café" und drei verlorenen Stunden geben wir auf. Nirgends ein kompatibles Netzwerk. Wir verzichten auf den geplanten Seilbahn Ausflug und beginnen per Satellit mit dem Update unserer Seiten. Am Abend bereiten wir unseren Ausflug in den Corbett NP vor. Wir wollen zeitig aufbrechen.

Nach einer schönen Talfahrt auf den Motorrädern und einem kleinen unfreiwilligen Umweg erreichen wir den Corbett NP gegen 12.00 Uhr. Hier, auf ca. 400 MN ist es wieder sehr warm, aber die Luftfeuchte ist zurück gegangen, so ist die Temperatur erträglich. Leider dürfen wir nicht mit den Mopeds in den NP. Wir machen also erst einmal Quartier, was auf Grund des verlängerten Wochenendes (Nationalfeiertag, M. Gandhi Geburtstag) und der Nähe zu Delhi, nicht einfach ist. Im Corbett River Hotel haben wir Glück und bekommen ein Zimmer für eine Nacht in einem Bungalow mit Gemeinschaftsraum und zwei Zimmern. Wie immer in Indien müssen wir Touristenpreise bezahlen. Ob Zimmer, Eintritt oder Safari, Touristenaufschlag gehört dazu. Kein Wunder, dass die indischen Händler und Gewerbetreibende, sobald sie merken, dass sie einen Ausländer vor sich haben, auch versuchen Touristenpreise zu erzielen.
Am Nachmittag lassen wir uns dann vier Stunden im offenen Geländewagen durch einen kleinen Teil, des ca. 520 Quadratkilometer großen Corbett NP fahren. Attraktion des NP sind die Tiger und Leoparden, von denen wir aber nicht einmal eine Schwanzspitze zu sehen bekommen. Es ist nicht die beste Jahres- und nicht die rechte Tageszeit. Wir müssten im Dezember und dann früh um 5.00 Uhr hier auf Safari gehen, um eine reale Chance zu haben. Schließlich hat jeder Tiger, davon soll es angeblich ca. 100 hier geben, ein Revier von 5 Quadratkilometer für sich allein. Es ist zur Zeit auch nur ein kleiner Teil des Parks geöffnet, die Saison beginnt erst im November. Trotzdem ist es ein erholsamer Nachmittag auf den schmalen Pfaden des Parks durch eine sehr schöne und abwechslungsreiche Landschaft.
Am Abend im Hotel erholt sich Cordula bei einer Ganzkörpermassage und ich vertreibe mir die Zeit mit ein paar Flaschen Bier. Beim anschließenden Abendessen sind wir uns einig, das wir die nächsten NP´s nur mit unserem "Haus" anfahren, um so genügend Zeit zu haben, um die besten Bedingungen nutzen zu können.

Da in unserem Bungalow bereits um 6.00 Uhr früh das andere Zimmer neu belegt wird, was nicht ohne den entsprechenden Lärm abgeht, sind wir zeitig wieder auf dem Rückweg nach Naini Tal. Diesmal auf direktem und damit kürzeren Weg. Die Fahrt in die Berge macht bei strahlendem Sonnenschein viel Spaß und wir lassen den Tag ganz ruhig ausklingen.

Heute fahren wir mit der Seilbahn zum "View Point". Die elektrische Anlage dieser Einrichtung guck ich mir, bei meinen bisherigen Erfahrungen in Indien,  lieber nicht an. In der Gondel befindet sich, außer dem Fahrer, noch eine zusammengeklappte Alu - Leiter, das ist sehr beruhigend! Schnell sind wir oben und etwas enttäuscht. Die Sicht auf den Himalaya ist von der Strasse nach Kilberi viel besser. Aber dafür gibt es hier Oben sehr leckeren frisch gepressten Orangensaft. Obwohl wir das Ticket mit Rückfahrt erstanden haben, entschließen wir uns, zu Fuß wieder hinunter zu gehen. Das hat nichts mit dem Vertrauen in die Technik zu tun, sondern einfach aus Lust und Laune. Der Weg ist sehr steil und wir haben Gelegenheit darüber zu philosophieren, was beschwerlicher ist, hinauf oder hinab. Auf diesem Weg entdecken wir dann eine weitere Konfession in diesem Ort. Ein tibetanischer Tempel mit angeschlossener Schule. Die vielen bunten Wimpel waren uns schon bei einem Blick über die Stadt aufgefallen, dass es sich dabei aber um Gebetstücher handelte, konnten wir erst jetzt aus der Nähe sehen.
Naini Tal ist jetzt voller Menschen und die Vorbereitungen für das morgige Fest laufen auf vollen Touren. Wir sind sehr gespannt und freuen uns auf den Abend, mit Musik, Tanz, Feuerwerk und tausende Kerzen.

05.10.2003

Nach dem Frühstück beginne ich mit der abschließenden Reparatur der Markise. Aus Alu habe ich mir eine Befestigung für die Kurbelmechanik gebaut und am Markisenrahmen angenietet. Die alte Verkleidung wurde geklebt und "geschweißt" (Kunststoff) und wird wohl ihren Zweck noch erfüllen. Nur den automatischen Verschluss muss ich durch angenietete Gurtenden ersetzen.
Da bis zum Abend noch Zeit bleibt, baue ich noch die Fanfare (Drucklufthupe), welche ich vor unsrer Abfahrt von einem guten Freund geschenkt bekommen habe, ein. Hier in Indien braucht man so etwas, um sich auf der Strasse behaupten zu können.
Das Fest bleibt unter unseren Erwartungen zurück. Dies liegt sicher an den blumigen Ankündigungen unserer verschiedenen Gesprächspartner. Es gibt zwar ein wirklich großartiges Feuerwerk, aber von den tausenden Kerzen ist nicht viel zu sehen. Den größten Eindruck hinterlassen die Menschenmassen auf uns, die sich erst zum Zentrum des Geschehens  und dann genauso geballt, zurück bewegen. Wir müssen noch viel lernen, um Indien auch nur ein wenig zu verstehen.

06.10.2003

Heute steht die Abdichtung des Achswellenflansches auf dem Programm. Dabei werde ich auch sehen, ob es neue Verschleißerscheinungen gibt. Die sind nach der Demontage zwar nicht zu erkennen, aber ein leichtes "Spiel" ist vorhanden, was auf Dauer nicht gut sein kann. Ich habe noch Kaltschweißmittel in meiner Ersatzteilkiste und rühre mir etwas davon an. Bei der Montage streiche ich die Verzahnung damit ein und hoffe auf ein festeres ineinander greifen beider Teile nach dem Aushärten. Den Flansch dichte ich mit Silikon ab und ziehe die fünf Schrauben mit gemischten Gefühlen wieder an, schließlich soll es halten, aber auch keine abbrechen, wie beim Letzten mal. Doch diesmal geht alles gut.

07.10.2003

Leider haben wir sehr schlechte Nachricht aus der Heimat bekommen. Ein Familienmitglied liegt sehr schwer erkrankt im Krankenhaus. Über eine solche Situation haben wir vor Beginn unserer Reise oft diskutiert, ohne eine befriedigende Lösung zu finden, was letztlich nur zu einem Verdrängen des Problems geführt hat. Nun hat es uns viel zu früh eingeholt und wir sind sehr betroffen und traurig.
Cordula nimmt sich die Innenreinigung unsrer Wohnkabine vor. Matratzen und Betten kommen zum Lüften in die Sonne. Zum Schluss vervollständigen wir unsere bisherige Reiseroute auf unserer Karte am Hänger.  Rund 12.000 Km durch 12 Länder geben schon eine ordentliche Strecke.

08.10.2003

Die Stimmung ist gedrückt. Zu großen Ausflügen fehlt uns jetzt einfach die Lust. Wir gehen einkaufen und besuchen den "Best Kwality Chicken and Mutton" (Originaltext) Fleischer, der uns schon aufgefallen war, weil sein Geschäft noch den besten Eindruck aller Fleischereien in der Stadt macht. Da es völlig im Schatten eines Hinterhofes liegt, macht die Ware auch einen frischeren Eindruck als anderswo. Nach dem wir mit dem Besitzer, auf seine Nachfrage, ausführlich die Unterschiede zu einer deutschen Fleischerei diskutiert haben, kaufen wir eine ganze Hammelkeule für umgerechnet 3,00 €. Damit sind gut und gerne drei Mahlzeiten gesichert. Auf dem Gemüsemarkt holen wir noch Bohnen, Kartoffeln, Möhren, Tomaten und Paprika. So ist der deutsche Bohneneintopf mit Hammelfleisch für heute und das marokkanische Taschin morgen, fast schon zubereitet .

09.10.2003

Wir bereiten uns langsam auf die Weiterreise Richtung Nepal vor. Am Nachmittag testen wir einen örtlichen Goldschmied in seiner Strassenbude. Es ist erstaunlich, mit welch einfachen Mitteln er arbeitet. Aber nur das Ergebnis zählt und damit sind wir sehr zufrieden. Für umgerechnet 0,50 € repariert er ein Armband und einen Ohrstecker, natürlich sofort und ohne Wartezeit vor unseren Augen.

10.10.2003

Nach dem späten Frühstück beginnen wir wieder zusammen zu packen. Bis alles wieder an seinem Platz ist, die Bikes wieder ordentlich fest stehen, braucht es seine Zeit und so vergeht der Tag fast zu schnell.

11.10.2003

Nachdem das, was gestern nicht fertig wurde, verstaut und aufgeräumt ist, machen wir unseren Abschiedsbesuch in der St. Marys High School bei den deutschen Ordensschwestern. Wir bringen, wie versprochen, eine Dose deutsches Schwarzbrot aus unseren Vorräten mit, worüber sich die alten Damen sehr freuen. Für Schwester Domenica haben wir noch ein kleines Geburtstagsgeschenk dabei, sie wird ja am 25.10. Neunzig Jahre alt. Wir versprechen, sollten wir nach Kathmandu kommen, ihre Mitschwester in der dortigen St. Marys herzlich zu grüßen und verabschieden uns, nicht ohne die besten Wünsche mit auf die Reise zu bekommen.

12.10.2003

Zeitiges Aufstehen ist angesetzt und wir kommen mit Verabschiedung vom Personal und der obligatorischen Geschenke Übergabe endlich 8.30 Uhr in die "Gänge". Mit jedem Kilometer abwärts nimmt die Außentemperatur zu und in Haldwani sind es beim Großeinkauf schon wieder 32° C. Da wir nicht wissen, wie die Versorgung und die Preise in Nepal sind, bunkern wir reichlich "safty" Wasser und Lebensmittel. Die Strecke zum Grenzübergang Banbasa ist mit keiner Silbe ausgeschildert, also ist ständiges Fragen von Nöten. Da die Inder nette Menschen sind, kommen so schnell einige Kilometer Umweg zustande. Aber gegen 17.00 Uhr haben wir es fast geschafft und stehen vor zwei verschlossenen, einspurigen Brücken. Schnell ist geklärt, dass diese wechselseitig, im Stundentakt geöffnet werden und wir 18.00 Uhr weiterfahren können. Nach einer Stunde, die wir bei Kaffe und Keksen verbringen, können wir weiter. Die Passage ist ca. 1 Km lang, aber so schmal, dass wir gerade so mit unserem breiten Hänger durchkommen. Natürlich gibt es wieder unverbesserliche Inder, die meinen noch mit ihrem Moped an uns vorbei zu kommen, müssen dann aber doch umkehren. Leider dürfen wir weder die Brücke noch die anschließende Grenzstation fotografieren. Es glaubt uns ja keiner, unter welchen Bedingungen hier eine Grenzabfertigung stattfindet. Der Übergang besteht aus einer schweren Schotterpiste, an der mehrere Buden aus Stein und Holz mit Palmendach stehen. Vor der ersten Bude steht ein Tisch mit drei Stühlen davor. Das ist das "Emigrationsoffice". Auch hier natürlich Hauptbücher statt PC. Dann eine Bude mit Tisch drinnen, das Custumeroffice. Mit unseren Carnets sind die Damen und Herren leicht überfordert. Noch dazu wo wir vier davon haben. Laut rülpsend, das ist in diesem Land, wo selbst gesetzte ältere Damen aus dem fahrenden Auto rotzen, nichts ungewöhnliches, wird sich an die Arbeit gemacht. Die augenscheinliche Kontrolle geben die Herren bald genervt auf, da soviel Hausrat doch sehr verwirrt. Dabei vergessen sie sogar in die Wohnkabine zu schauen. Nach zwei Stunden rollen wir weiter über Schotter Richtung Nepal. Da es dunkel ist, fragen wir lieber, wie weit sich das Niemansland erstreckt. Da es mehrere Kilometer sind und auf nepalesischer Seite in der Nacht nur ein Beamter sitzt, bleiben wir lieber an der indischen Grenzstation und übernachten hier.

Am Morgen erweist sich die Grenzstation als kleines Dorf, auf dessen Platz wir Übernacht gestanden haben. Die kleinen Buden und Verkaufsstände haben gestern kurz nach 19.00 Uhr zu gemacht. Dafür beginnt der Tag bei ihnen schon um 4.00 Uhr mit viel lauter Musik und Geschepper. Um 6.00 Uhr öffnet die Grenze und sofort beginnt wieder ein reger kleiner Grenzverkehr. Nur wenige LKW und vereinzelte Backpackers sind darunter.
Klar das wir schon um 6.00 Uhr auf den Beinen sind. Nach dem kurzen Frühstück fahren wir weiter bis zur nepalesischen Grenze. Hier erstehen wir problemlos ein Visa für zwei Monate (á 34,00 US$) und unsere Carnets werden wieder um einen Abschnitt ärmer. Es ist die schnellste Grenzabfertigung, die wir außerhalb Europas erlebt haben.
Dann geht es auf, für diesen Teil der Welt und das geringe Verkehrsaufkommen, erstaunlich guter Strasse weiter Richtung Kathmandu. Die Landschaft ist sehr schön, vor allem sehr grün und von vielen Flussläufen  durchzogen. Selbst die vielen Brücken sind in sehr gutem Zustand. Wenn man dann liest, das diese erst 1999  mit indischer Hilfe errichtet wurden, fragt man sich doch, warum die Inder ihre eigenen, meist einspurigen, Brücken nicht im Griff haben.
Die Menschen hier sind sehr freundlich und etwas zurückhaltender als in Indien. Wir haben ca. 35°C Tagestemperatur und müssen uns nach dem Gebirgsaufenthalt daran erst wieder gewöhnen. Da Kathmandu selbst aber auch wieder ca. 1400 MN liegt, wird es sicher bald wieder frischer.
Wir kommen gut voran und finden in Nepalganj auf Anhieb für knapp 4,00 € eine Platz auf dem Hof eines Hotels. Solche Dinge scheinen hier einfacher klärbar zu sein, denn es wird uns kein Zimmer aufgezwungen, sonder noch die Dusche eines Zimmers bereit gestellt.

Gegen 8.00 Uhr ist die Nacht zu Ende und nach einem kurzen Frühstück geht es weiter Richtung Butwal. Die Strasse ist gut, nur als es in die Berge geht, sind die Auswirkungen des Monsun noch reichlich in Form von Erdrutschen, bis auf oder über die Strasse, zu spüren. Dann heißt es Sperre rein und langsam über Berge von Geröll und Erde. Aber wir kommen gut voran und erreichen Butwal gegen 16.30 Uhr. Auch hier finden wir wieder schnell einen Platz auf dem Hof eines Hotels. Leider sind die wenigen, hier wohnenden Touristen nicht sehr gesprächig, aber das liegt sicher daran, dass sie noch nicht so lange wie wir unterwegs sind.
Nepal ist im Vergleich zum nördlichen  Indien wegen der geringeren Bevölkerungsdichte und dem wenigen Verkehr  erholsam ruhig und bietet ständig den Eindruck,  man ist in einem Nationalpark.
Da es in letzter Zeit terroristische Übergriffe (von maoistischen Terroristen) gegeben hat, sind auf den Strassen viele Sperren durch die Armee errichtet worden. Selbst die Insassen der Busse müssen aussteigen und werden einzeln kontrolliert. Wir dagegen kommen mit dem Hinweis "We are tourists" ungeschoren durch. Selbst in den Städten wie Butwal, sind auf Kreuzungen Maschinengewehrnester errichtet. Wir fühlen uns dementsprechend sicher.

Der Hof des Hotels hatte sich über Nacht so gefüllt, dass kaum noch ein Spielzeugauto Platz gefunden hätte. Dadurch konnten wir ausschlafen und in Ruhe frühstücken, bis soviel Platz frei wurde, dass wir vom Hof fahren konnten. Laut Auskunft aller Befragten, soll die Strecke über Pokhara, die noch Beste nach dem Monsun von vor drei Monaten sein. Bei uns kam die berechtigte Frage auf, wie wohl die andere Strasse aussieht, wenn wir auf dieser mit nur maximal 25 Km/h voran kommen. Viele Erdrutsche und Geröllberge versperren uns den Weg. Wenn man nicht höllisch auf die Strasse acht geben müsste, könnte man sich an der herrlichen Landschaft viel mehr erfreuen. Am späten Nachmittag erreichen wir Pokhara und finden einen kostenlosen Campingplatz, zwar ohne Wasser und Strom, dafür aber sehr ruhig. Der Ort ist sehr touristisch und bietet alles, was man zum Leben braucht. Wir werden sicher einige Tage hier bleiben.

Der Tag auf unserer kostenlosen Wiese begann mit mehrmaligen Rangieren, erst, weil wir mehr Sonne für unser Solar wollten, dann, weil wir einer Busladung zeltender Australier im Weg waren. Nach dem Frühstück konnten wir uns ausgiebig  mit einem Pärchen aus Norddeutschland austauschen, die über die GUS, China und Tibet nach Nepal mit einem LKW-Wohnmobil gekommen sind und Indien noch vor sich haben. Zwischendurch hat Cordula unsere Schuh- und Geschenkekoffer um einiges erleichtert, in dem sie mit tibetanischen Strassenhändlerinnen stundenlang Tauschgeschäfte abgehalten hat. 

17.10.2003

Nach dem wir unsere Seiten in einem Internet-Café auf den neuesten Stand gebracht haben, widmet sich Cordula der Wäsche und ich schaue nach allen zugänglichen Schraubverbindungen an unserem "Zug". Dabei komme ich mir vor wie ein Lokführer vergangener Tage der mit seinem Schraubenschlüssel alles abklopft und nach losen Teilen sucht. Da und Dort bin ich auch fündig geworden, aber nach fast 13.000 Km nicht verwunderlich.
Am Nachmittag gehen wir einkaufen und ich leiste mir eine "Ganzkopfrasur". Der tüchtige Barbier, welcher gleichzeitig den Massagesalon betreibt, beginnt nach der Rasur mit einer Kopfmassage bei der er meine Verspannungen feststellt und ehe ich mir die Sache anders überlegen kann, verpasst er mir eine Rückenmassage die es in sich hat. Auch vom Preis! Aber er hat tüchtig geschwitzt und so bezahle ich ihn gerne, nicht ohne die Hoffnung morgen keinen Muskelkater zu haben. Cordula, die wirklich Rückenschmerzen hat, ist ganz neidisch, aber ich behaupte die Massage gibt es nur mit der komplett Rasur und so verzichtet sie lieber - jedenfalls für heute, da es schon dunkel wird und wir noch unser Abendbrot auf den Grill legen wollen. Es gibt leckeres Röstbrot aus der "German Backery" mit viel Knoblauch und gehacktes Bällchen aus einer indischen Tiefkühltruhe.

18.10.2003

Wir nehmen ein Motorrad runter und machen am Nachmittag eine kurze Besichtigungstour durch Pokhara-City. Neben dem Globetrottern aus Hamburg haben wir jetzt noch Oliver aus Sachsen-Anhalt mit dem Fahrrad hier auf dem Platz. Er war schon mal vor uns hier und die Hamburger, die schon ein paar Tage länger hier stehen, hatten ihn schon kennen gelernt. Oliver ist auch über die GUS, China und Tibet nach Nepal gefahren. Vieles, was er berichtet, ist für uns sehr interessant, da wir ja in ferner Zukunft auch noch nach Sibirien wollen und er diese Ecke schon bereist hat. Er will nächstes Jahr ab Mitte Februar wieder mit dem Fahrrad dorthin und plant dann eine Überfahrt über die Beringstrasse. Wir hoffen noch mehr von ihm zu erfahren und in Kontakt zu bleiben. Es wird also ein langer Abend bei anregenden Getränken und aufregenden Gesprächen. 

Am Morgen mache ich das Letzte, der 365 Päckchen einer Girlande, welche mir genau vor einem Jahr, von lieben Freunden  geschenkt wurde, auf. Ab heute gehöre ich nun auch zu den "Alten Männern" und kann mich über diese nicht mehr so recht lustig machen. Cordula hat einen schönen Frühstückstisch (mit Tischdecke und Blumen !) gezaubert, an den wir uns gemeinsam mit den Hamburgern setzen. Oliver ist leider schon sehr früh nach Kathmandu aufgebrochen, da er seinen Rückflug umbuchen muss. Da tauchen ganz unverhofft die Tibetanerinnen mit ihrem Kleinhandel wieder bei uns auf. Da sie sich nicht abweisen lassen und immer freundlich lächeln, beginnt nach dem Frühstück wieder ein reger Tauschhandel. Unsere Frauen geben so ziemlich ihr letztes Hemd und nach zwei Stunden sitzen sie da, mit ihren Ketten und Ohrringen und die Tibetanerinnen gehen mit prallen Beuteln und Taschen vom Platz. Der Tag vergeht verständlicherweise sonst sehr ruhig und am Abend gehe ich mit Cordula Essen. Zur Feier des Tages gönne ich mir eine Flasche Rotwein und 650 Gramm Steak. Köstlich !!

20.10.2003

Wir gehen kurz ins Netz und sind ansonsten sehr faul.

21.10.2003

Nach dem Frühstück fahren wir nach Pokhara-City und suchen neuen Bezugsstoff für unsere Campingstühle. Die Plaste ist von der Sonne nach nunmehr sechs Jahren so gealtert, dass ich mit Flicken nicht mehr nachkomme. Nach einiger Suche haben wir Glück und finden Stoff für Tarnanzüge, der sehr robust erscheint und von der Farbe nicht zu empfindlich ist. Ein Schneider ist auch bald ausfindig gemacht, der uns die Bezüge nähen soll. Da es keine Vorlage gibt, muss viel erklärt werden, aber ich hoffe er hat alles verstanden.

22.10.2003

Im Ort wird viel privater Wäsche-Service, auch mit Waschmaschine (also nicht nur im Fluss) angeboten. Die Hamburger, Karin und Wolfgang, haben diesen Service mit Erfolg getestet. So werden wir heute großen Wäschewechsel machen und reichlich Wäsche abgeben. Wir sind gespannt, wie wir sie Morgen zurück bekommen.

Mit der Wäsche ist Cordula ganz zufrieden und nach kurzem Nachtrocknen in der Sonne, ist auch die Wäsche erledigt. Wir fahren mit dem Motorrad durch Pokhara und suchen den Weg zur Pagode. Das ist ein Friedensmal welches, da auf einem Berg errichtet, einen herrlichen Ausblick auf das Himalayagebirge bietet. Als wir den Weg finden, ärgere ich mich, dass wir nur mit einem Moped und nicht richtig angezogen hier sind. Es ist eine sehr anspruchsvolle Geröllpiste mit einigen schönen Steigungen. Cordula ist aber ganz froh darüber und wir steigen zu Fuß zur Pagode hoch. Die Aussicht ist wirklich wunderschön. Am Abend trudeln noch Petra und Mustafa aus München auf dem Platz ein. Auch die Beiden sind seit 6 Monaten unterwegs und ebenso froh nach dieser Zeit ein paar Gleichgesinnte zu finden. Es gibt ein großes Hallo und die halbe Nacht vergeht mit interessanten Erzählungen wie im Flug.

24.10.2003

Wir holen unsere Bezüge für die Campingstühle ab. Zwar waren leichte Änderungen noch nötig, aber wir sind zufrieden. Für umgerechnet 10,00 € haben wir drei neue Bezüge, inkl. Stoff bekommen. Einen Stuhl habe ich schon neu bezogen. Ansonsten wird viel mit den Münchnern und den Hamburgern geratscht.

25.10.2003

Dieser Tag vergeht mit Einpacken und Abschied nehmen. Am Abend gehen wir alle zusammen Essen. Bei einem Schlummertrunk versprechen wir uns gegenseitig, per e-mail auf dem Laufenden zu halten. Karin und Wolfgang wollen Montag weiter in das Annapurna Gebiet und eventuell dort etwas wandern. Petra und Mustafa bleiben noch ein paar Tage in Pokhara und kommen dann auch nach Kathmandu.

26.10.2003

Kurz nach 9.00 Uhr rollen wir vom Platz, der nun doch noch etwas gekostet hat. Nachdem nun gleich mehrere Camper gleichzeitig da sind, wurde ganz schnell etwas Licht installiert und aufgeräumt, die "Saison" also eröffnet. Ab 20.10. war dann eine Kette am Tor und jeder der raus oder rein wollte, musste sich aufschließen lassen. Ab diesem Tag kostet die Übernachtung dann auch wieder 60 Rupees, wie in älteren Reiseberichten schon erwähnt. Trotzdem ist es schön, wenn dieser Platz auch weiterhin ein Treffpunkt für Overland - Fahrer bleibt.
Ca. 20 Km hinter Pokhara wird die Strasse, abgesehen von einigen Erdrutschen und Felsen auf der Strasse, wieder gut befahrbar. Wir fahren immer entlang eines romantischen Flussbettes, auf dem auch einige Raftingboote unterwegs sind. Da wieder einmal ein hinduistisches Fest gefeiert wird, können wir beobachten, dass in den Dörfern  heute überall viel geschlachtet wird und entsprechende Portionen unter den Verwandten aufgeteilt werden. Wir kommen gut voran und erreichen Kathmandu gegen 17.00 Uhr. Wolfgangs Beschreibung ist gut und so finden wir den Stellplatz auf Anhieb. Wir müssen rückwärts auf die kleine Wiese fahren, aber nach kurzem Rangieren stehen wir sehr ruhig und sicher hinter einem großen Tor. Wir haben wieder Strom, Dusche und WC, was uns die nächsten Tage hier angenehmer machen wird.

27.10.2003

Wir richten uns häuslich ein, schließlich werden wir einige Zeit hier bleiben. Der Landy soll neue Reifen bekommen, nach der Achse soll auch noch einmal geschaut werden und Kathmandu, als Hauptstadt Nepals, ist auch Sitz der ausländischen Botschaften. Wir haben also einiges vor und natürlich wollen wir uns noch viel mit den Motorrädern anschauen, denn so nah an den Mount Everest kommen wir sicher nicht so schnell wieder.

Noch vor dem Aufstehen Lärm auf dem Hof. Ein Hymer-Mobil quält sich durch Tor. Als ich das Nummernschild sehe glaube ich es kaum, der Hymer kommt Overland aus UK. Gordon und Grece haben fast die gleiche Route genommen wie wir und abgesehen davon, dass sie über die schlechten Strassen schimpfen wie die Rohrspatzen, sind sie mit einigen Abendteuern auch hier angekommen.
Nach dem Frühstück beginnen wir den Tag mit der Erkundung der näheren Umgebung. Wir stehen direkt gegenüber des "Monky-Tempel", der natürlich nur wegen der vielen hier lebenden Affen so genannt wird und richtig Swayambhu -Tempel heißt. Für den Nachmittag haben wir uns mit Arjen verabredet. Zur Erinnerung, Arjen haben wir in Quetta getroffen, als er mit der BMW R 80 GS nach Schweden unterwegs war. Er war insgesamt neun Wochen unterwegs und hat 14.052 Km an 20 Fahrtagen zurückgelegt. Seit einer Woche ist er nun wieder in Kathmandu und hat sicher viel zu berichten.

29.10.2003

Wir besuchen den Händler für Rover-Teile und die Werkstatt, welche uns Arjen vermittelt hat. Der Händler ist erstaunlich gut ausgestattet und die Werkstatt macht auch einen guten Eindruck. Durch das gestrige Treffen mit Arjen können wir uns schon etwas orientieren und fahren selbst, mit einem unserer Motorräder durch Kathmandu. Was wir bisher von der Stadt gesehen haben, ist im Gegensatz zu indischen Großstädten sauber - was aber nicht heißt, das es hier keine vor Dreck starrende Gassen gibt - und gefällt uns recht gut. Von der guten Versorgung machen wir gleich Gebrauch und kaufen reichlich Obst und Gemüse ein, was sonst in Nepal nicht so frisch und reichlich angeboten wird. Der Reifenkauf wird sich noch etwas hinziehen, zwar gibt es hier meine Michelinreifen, aber der Preis scheint der für Touristen zu sein. Da müssen wir noch dran arbeiten.
Gestern haben wir gelernt, dass man hier nicht den Fahrpreis für’s Taxi aushandeln darf, wie in den vorangegangenen Ländern, sondern hier muss man auf das Einschalten des Taxometers bestehen, den alle zugelassenen Taxis haben müssen. Der Fahrpreis reduziert sich dann noch einmal um ein Drittel des hart verhandelten Preises.
Additionen auf Rechnungen in Gaststätten oder beim Einkauf sollten ebenfalls immer nachgerechnet werden. Hier verrechnet man sich offensichtlich sehr regelmäßig zu seinen Gunsten. Liegt vielleicht an der Höhenluft ??

Auf dem Weg zur Botschaft von Myanmar müssen wir durch das Zentrum von Patna, einer ehemalig selbständigen Stadt, jetzt ein etwas weniger von Touristen frequentierter Stadtteil von Kathmandu. Die vielen Tempelbauten und Holzschnitzereien an den Gebäuden sind beeindruckend. Leider sind die Gassen oft so eng, dass nicht genügend Licht für gute Aufnahmen da ist.
In der Botschaft kann oder will man uns nicht weiterhelfen. Der Officer hat nicht die "nötige Autorität", um in der Botschaft in Delhi nachzufragen, ob unser Antrag bearbeitet wird. Andererseits wird uns erklärt, dass es besser sei, über Bangladesch nach Myanmar zu reisen. In Bangladesch bekäme man ein Visa für Myanmar ohne Probleme auch für Overland-Fahrten. Wir müssen also noch einmal nach Delhi schreiben, um zu sehen, was aus unserem Antrag wird.

31.10.2003

Um die Wartezeit auf den Mechaniker, der sich unsere Achse ansehen will, zu überbrücken mache ich den üblichen Check, Öl, Diesel- und Luftfilter und nach gelockerten Schrauben suchen. Cordula macht wieder "Großputz" inklusive Wäsche waschen. Der Monteur lässt am späten Nachmittag mitteilen, er komme nun doch erst am Montag. Na ja, wir haben ja Zeit.

Wir bummeln eine große Runde durch die Stadt, durch enge, stinkende Gassen, über Brücken unter denen die Kloake von Kathmandu fließt und die gleichzeitig als Müllplatz und Verbrennungsstätte der Toten fungiert, durch große Prachtstrassen voller Hotels, vorbei am Königspalast, welcher nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist, hinein in das touristische Zentrum Kathmandus. Hier gibt es alles, was des Touristenherz begehrt, angefangen vom dreilagigen Toilettenpapier bis zur Canon IXUS 400 Kamera.

02.11.2003

Heute sind wir faul und machen einen Bürotag. Cordula studiert Kartenmaterial und Reiseinfos und ich strapaziere meinen PC.

03.11.2003

Während Cordula auf den Mechaniker wartet, ärgere ich mich mit einer völlig überlasteten Leitung im Internet-Café rum. Ich gebe nach zwei Stunden genervt auf, Cordula auch, denn der Mechaniker lässt diesmal mitteilen, dass er im Krankenhaus sei.

04.11.2003

Kreuz und qür geht´s auf dem Moped durch Kathmandu. Wir müssen auf die Hauptpost und wollen Verschiedenes einkaufen. Da auf unserem Einkaufszettel solche Sachen wie dunkles Brot, Wurst und Fleisch (es soll auch mal Schwein und Rind sein !), sowie einige Gebrauchsgegenstände stehen, sind wir fast den ganzen Tag unterwegs. Mit dem Verkehr und der Orientierung komme ich hier inzwischen recht gut zurecht, muss allerdings auch meine Hupe ordentlich strapazieren.

Zu Fuß sind wir diesmal den ganzen Tag unterwegs auf dem Durbar Square in Kathmandu. Wir hoffen, dass die Bilder unsere Eindrücke wiedergeben.

06.11.2003

Unsere Füße sind noch müde von den gestrigen Strapazen. Wir ruhen sie aus.

07.11.2003

Da ich mir eine leichte Erkältung eingefangen habe, lassen wir es sehr ruhig angehen und lesen viel in der angenehm warmen Sonne. Wir haben den Buchbestand in Pokhara  mit Wolfgang und Karin getauscht, so dass es genügend neue Lektüre gibt.

08.11.2003

Wir machen da weiter, wo wir Gestern aufgehört haben und ich beseitige einige Roststellen an meinem Luftansaugrohr mit neuer Farbe.

Endlich schaffen wir es, den direkt vor unserer "Haustür" liegenden Swayambhu-Nath zu besuchen.

Wir suchen eine Werkstatt zum Reifenwechsel an unserem Landy. Da unsere Räder mit einem Notlaufsystem ausgerüstet sind, wollen wir kein Risiko eingehen und nicht den Strassenservice in Anspruch nehmen. Im Gewerbegebiet von Kathmandu finden wir eine Nissan-Werkstatt, die einen guten Eindruck macht. Morgen werden wir erfahren, ob und zu welchem Preis sie uns die Michelinreifen anbieten können.
(Ich muss mich mit meiner Eintragung heute beeilen, denn mein Rechner hat nur noch 63% Energie in der Batterie, weil Cordula mein Netzteil zum Füße wärmen missbraucht. Das kommt so. Die Tagestemperaturen liegen hier zwar bei ca. 25° C, aber Nachts kühlt es merklich ab und wie in Indien, ist hier der Strom sehr schlecht und schwankt zwischen 188 und 209 V, so dass alle Trafos und Netzteile sehr heiß werden. Da macht man aus der Not eine Tugend und wärmt die Füße der Frau, um das Netzteil abzukühlen.)
Von der Werkstatt fahren wir weiter zum Pashupati Nath, einem der heiligsten Tempel der Hindus, welcher zum Weltkulturerbe zählt. Er ist Shiva geweiht, welche als Skulptur im Inneren des Tempels mit vier Gesichtern gezeigt wird. Der Zugang zum Tempel ist nur Hindus und Budhisten gestattet. Da dieser Tempel am Bagmati River liegt, welcher in den Ganges mündet, werden hier auch Leichenverbrennungen durchgeführt. Es ist ein dringender Wunsch vieler Hindus hier ihre letzte Reise anzutreten. Dazu gibt es auf dem Gelände des Tempel ein Sterbehaus, in welchem die Angehörigen mit dem Sterbenden die letzten Tage, manchmal auch Wochen - in wenigen Fällen geht man auch gemeinsam wieder nach Hause - verbringen. Ein von Mutter Teresa 1986 gegründetes Altenheim befindet sich direkt neben dem Tempel. Es ist keine Pietätlosigkeit unsererseits, wenn wir hier einige Szenen einer Verbrennung dokumentieren. Für die Hindus ist diese Zeremonie in aller Öffentlichkeit Teil ihres Trauerrituals. Zufällig wurden wir Zeuge, wie einer Sterbenden, nach ihrem Glauben, das höchste Glück zuteil wurde, mit den Füßen im Heiligen Fluss zu sterben. Die Verbrennung erfolgt spätestens nach vierundzwanzig Stunden. In diesem Fall gab es keine Verzögerung. Das Ritual kann durch die Angehörigen selbst, beim Vater durch den ältesten Sohn, bei der Mutter durch den Jüngsten, oder durch professionelle Leichenverbrenner durchgeführt werden. Da nach ihrem Glauben auf den Tod die Wiedergeburt folgt, ist es kein Widerspruch, wenn hier als Verzierungen an kleineren Tempeln, Teile aus dem Kamasutra zu finden sind.

11.11.2003

Die Nissan - Werkstatt heitert uns, mit dem Preis von 16.500 Rupees für einen Reifen, sehr auf. Wir verständigen uns, dass sie nur den Reifenwechsel für 100 Rupees pro Stück vornehmen und wir die Reifen selber besorgen. Leider ist durch die Anfrage von Nissan die ganze Reifenhändlerschaft in Kathmandu vorgewarnt, bzw. in heller Aufregung. Der Händler, welcher uns den Reifen vor einer Woche für 10.500 Rupees angeboten hat, kann nun zwar nicht mehr zurück, hat aber selbst angeblich nur noch 3 Stück. Der andere Händler hat zwar noch zwei, gibt diese aber auch nur noch zusammen ab. Beide argumentieren, einen Reifen würden sie nicht allein verkaufen können. Auf neue Importe können wir nicht warten, denn diese dauern aus Frankreich Monate. Wir beenden dieses Spiel, indem wir erst einmal die zwei Reifen von dem anderen Händler kaufen. Einerseits sind unsere Vorderreifen noch für 2-5 TKm gut, andererseits kommt der Händler eventuell in den nächsten Tagen noch dahinter, dass sich drei Reifen zusammen auch nicht so gut verkaufen.
Zwischendurch haben wir noch einige leckere Lebensmittel eigekauft. Frischen Schinken, Salami, würzigen Käse - Cordula freut sich schon sehr auf das morgige Frühstück. Wir müssen diese Gaumenfreuden hier genießen, da wir ja bald wieder in Indien bei den “Heiligen Kühen” und dem  täglichen “Chickeneinerlei”  sind.

12.11.2003

Nach einem ausgiebigen Frühstück und einigen Wartungsarbeiten am Moped, wollen wir gerade vom Hof fahren, als uns Petra und Mustafa entgegen kommen. Natürlich gibt es nun einiges zu erzählen und so fahren wir zurück und machen erst einmal Kaffee. Wir erfahren, dass Gordon mit dem Hymer gut in Pokhara angekommen ist und Wolfgang mit seinem LKW-Mobil wohl nun in Richtung Goa unterwegs ist. In Pokhara ist vergangene Woche eine Bombe hochgegangen, glücklicherweise wurde aber niemand verletzt. Dafür werden wieder die “Maoisten-Terroristen” verantwortlich gemacht. Der nicht besonders beliebte König von Nepal fürchtet um seine Macht und so wird es sicher bald noch mehr Polizei und Armee auf den Strassen geben und dafür noch weniger Touristen in Nepal. Gelegentlich wird auch mal eine Ausgangssperre verhängt oder eine Strasse für einige Tage gesperrt. Die "Revolution" begann schon vor einigen Jahren, so wurde uns erzählt und richtete sich besonders gegen die im Land herrschende Korruption. Im Laufe der Zeit verselbständigte sich die Angelegenheit. Einerseits verlor die Bewegung führende Köpfe, andererseits wurde sie durch die Propaganda der Monarchie kriminalisiert und es fanden sich genügend zwielichtige Gestalten, die dies für eigene Zwecke ausnutzten. Mittlerweile ist daraus eine unheilvolle Mischung aus RAF-Theorien und der Mentalität kleiner Strassenräuber geworden, was die Sache wirklich gefährlich macht, da auch vor Mord nicht zurück geschreckt wird.
Wir plaudern noch ein paar Stunden mit den Beiden, ehe wir uns von einander verabschieden, nicht ohne eine neue Verabredung zu treffen.

13.11.2003

Der Vormittag vergeht sehr ruhig. Am Nachmittag machen wir die Tour durch die Stadt, welche wir eigentlich gestern vorhatten. Wir wollen einiges einkaufen und müssen mal wieder Geld tauschen, schließlich wollen wir ja noch zwei Reifen kaufen und eine neue Batterie für die Kabine brauchen wir auch. Diesmal will ich es mit einer Wartungsfreien probieren. Die so gepriesene Geelbatterie hat es auch nur zwei Jahre gemacht und wer weiß schon, dass in tropischen Gebieten die Säuredichte geändert werden muss. Wie die Wartungsfreie das regelt, ist mir zwar auch unklar, aber wir werden sehen. Zumindest bekomme ich diese preiswert für umgerechnet 70,00 €. Für eine 100 Ah Batterie kein schlechter Preis. Etwas Vergleichbares aus den USA sollte bei unseren Freunden in der Nissan - Werkstatt 220,00 € kosten. So vertraue ich also einem einheimischen Produkt und bin sehr gespannt, wie lange diese Batterie es tun wird.

14.11.2003

Am Nachmittag hole ich die inzwischen geladene Batterie ab und beschäftige mich anschließend intensiv mit der Bordelektronik. Die Geelbatterie tut es wirklich nicht mehr, unter Last (10-15 A) bricht sie innerhalb einer Stunde zusammen und liefert nur noch 10-11 V. Da ich zwischenzeitlich an meinem Ladegleichrichter gezweifelt habe, untersuche ich diesen bei der Gelegenheit auch gleich mit. Er scheint aber in Ordnung zu sein. Das Problem liegt eindeutig bei der Stromversorgung in diesen Ländern. Hier in Nepal gibt es zwar fast immer Strom, aber zwischen 18 und 22 Uhr liegen kaum mehr als 190 V, in Spitzenzeiten sind es gerade noch 180 V, an der Steckdose an. Da kann das beste Ladegerät nicht mehr richtig arbeiten und bringt gerade noch 1-2 A, was wiederum die Batterie nicht annähernd lädt oder gar den Verbrauch, der dann ja auch bei uns am Höchsten ist, ausreichend abfängt.

15.11.2003

Genau richtig zum Frühstück besuchen uns Petra und Mustafa und bringen ganz frische Crosoins mit. Sie wollen anschließend dem Swayambhu-Nath einen Besuch abstatten. Wir verabreden uns für morgen zum Abendessen in einer sehr preiswerten tibetanischen Gaststätte, die die Beiden zufällig entdeckt haben.

Gegen Mittag bummeln wir ins Zentrum. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich der Tourismus auf wenige Plätze der Stadt konzentriert. Es sieht fast so aus, als ob die Sehenswürdigkeiten abgehakt werden. Sicher auch irgendwie verständlich, bei den wenigen Tagen, die den Meisten zur Verfügung stehen.
Die tibetanische Gaststätte ist spitze, nur einheimische Gäste, aber sehr gut besucht und das Essen ist ausgezeichnet. Wir trinken und essen reichlich, trotzdem macht die Rechnung für uns vier noch nicht einmal 10,00 €. Das hätte in Deutschland noch nicht für das Bier gereicht, was wir hier getrunken haben.

17.11.2003

Nach einem ruhigen Vormittag machen wir uns auf, um einen Vorhang nähen zu lassen und mein Ladegerät zur Reparatur zu bringen. Der Vorhang soll Cordulas Tuch ersetzen, was wir seit Monaten als Sichtschutz hinter unserer Fliegengittertür missbrauchen und nach genauem Nachmessen scheint das Ladegerät defekt zu sein, denn die Sekundärwicklung bringt auch bei 220 V primär nur 12,5 V und das ist sicher zu wenig. Auf dem Weg ins Zentrum finden wir nach und nach geeignete Shop´s für unsere Anliegen. Das bedeutet, dass wir auf dem Rückweg die fertigen Produkte bzw. Ergebnisse der Überprüfung einsammeln können. Der Vorhang fällt mit 3,00 € für Nähen und Material, recht preiswert aus. Das Netzteil ist noch "difficult" und soll morgen fertig werden.

18.11.2003

Der Tag vergeht mit der Besorgung der restlichen Reifen. Der Händler grient ausgiebig, als wir unser Anliegen vortragen. Aber er versucht es nur einmal uns drei Reifen aufzudrängen, danach geht es ziemlich schnell und wir haben für einen guten Preis die restlichen Reifen. In dem guten Ersatzteilshop, welcher uns von Arjen empfohlen wurde,  besorgen wir uns vorsorglich noch eine Steckachse und einen Flansch, in der Hoffnung, diese eigentlich nicht zu brauchen. Bei dieser Gelegenheit treiben wir sogar einen 52er Steckschlüssel für die Radaufhängung auf, was künftig, falls nötig, Hammer und Meißel in der Werkstatt spart und können Arjen den vorsorglich Geborgten zurück geben.
Das Ladegerät braucht in der Tat eine neue Sekundärwicklung und soll nun am Freitag fertig sein.

19.11.2003

Als Erstes wollen wir die Leihgabe zurück bringen. Arjen kommt gerade vom Einkauf aus einer der wenigen echten "German Bakery", was uns ein leckeres zweites Frühstück bei ihm beschert. Wir schauen uns seinen Landy an, der Baujahr 64 ist und den er selbst Teil für Teil neu aufbaut. Seine Wohnung dient ihm als Lager und Werkstatt in Einem. Es ist bewundernswert, mit welcher Energie er an diesem Projekt arbeitet und wir hoffen mit ihm, dass es in ein oder zwei Wochen einen erfolgreichen Test geben wird. Bevor wir uns verabschieden, bitten wir ihn, da er mit Abstand besser englisch spricht, für uns bei der Botschaft von Myanmar nach unserer Ausnahmegenehmigung nach zu fragen. Als Erstes erfahren wir , dass der e-mail Server der Botschaft schon vor sechs Monaten seinen Geist aufgegeben hat und somit unser Antrag nie angekommen ist. Arjen, gewandt im Umgang mit fernöstlichen Beamten, kehrt den UN-Mitarbeiter heraus und erfährt so, dass es nicht unmöglich sein soll eine solche Genehmigung zu erhalten, und dass das Prozedere circa fünf Wochen dauern wird, da zwei Ministerien in Myanmar ihre Zustimmung erteilen müssen. Fazit: Wir schicken unsere Anträge diesmal per Kurierdienst, und hoffen sie kommen nun an und werden positiv bearbeitet.
Im Anschluss besuchen wir, wie in Naini Tal versprochen, die St. Marys High School von Kathmandu. Leider ist die achtundachtzig jährige deutsche Schwester erkrankt und so hinterlassen wir die Grüße der Schwestern aus Naini Tal, mit unsren Wünschen zur Genesung, bei der Mutter Oberin.
Petra und Mustafa stehen jetzt mit ihrem VW auch hier auf der kleinen grünen Wiese, da es doch wesentlich angenehmer und ruhiger als im Zentrum ist. So haben wir auch wieder jemanden zum Erfahrungsaustausch und natürlich auch zum Tratschen.

20.11.2003

Heute steht der Reifenwechsel auf unserem Programm. Guten Mutes fahren wir zu unseren Freunden von Nissan. Als wir ankommen, treffen wir sofort auf den Werkstattmeister, der auch gleich Anweisung gibt und nach wenigen Minuten, aber nicht ohne meinen eignen Wagenheber und Radmutternschlüssel, liegt das erste Rad auf einer deutschen Maschine Typ Hoffmann. Da wir immer auf unser Notlaufsystem hingewiesen haben und sogar den Merkzettel mit den technischen Hinweisen auf englisch vorgelegt haben, erstaunt es mich schon, dass nun der Reifen doch von der Felge laufen soll, wo wir doch gerade viel Geld dafür ausgegeben haben, dass er das nicht tut. Er tut es auch nicht, was mich Einerseits beruhigt, Andererseits beim angestrebten Reifenwechsel nicht wirklich weiter bringt. Die Herren der Werkstatt kommen zu dem Schluss, der Reifen ist zu hart für ihre Maschine. Ein Wechsel sei nur mit der herkömmlichen Methode, zwei Füße und zwei Montiereisen möglich. Auch das überzeugt mich nicht, aber wir werden sehen. Nach einer halben Stunde kommt ein Halbwüchsiger mit zwei Eisen und einem großen Hammer an. Den Hammer muss er, offensichtlich mit Rücksicht auf meinen Gemütszustand, draußen lassen. Seine vergeblichen Bemühungen sprechen eindeutig für die Qualität des Notlaufsystems. Zwischenzeitlich erkundigt sich Cordula nach der Möglichkeit, die Reifen, auf der vom gleichen Hersteller gelieferten Maschine, auswuchten zu lassen. Negativ. Man warte seit Wochen auf die verschiedenen Gewichte und die Alten können nicht wieder verwendet werden. Ich habe den Verdacht, dass man mit der Maschine nicht umgehen kann, behalte das aber für mich. Nach einer weiteren Stunde teilt man uns kurz und bündig mit, dass es nicht möglich sei, die Reifen zu wechseln. Der Werkstattmeister, ein gebürtiger Russe, bringt und nach vielem Hin und Her zu einer anderen Werkstatt, welche er für unser Problem geeignet hält.
Die Werkstatt von Irwin Bikram "Janashakti Auto Workshop" wird in einschlägigen Reiseführern als Beste der Stadt gelobt und scheint es auch wirklich zu verdienen. Irwin macht einen kompetenten Eindruck und nach nur wenigen Minuten sitze ich, samt einem meiner Reifen mit ihm in einem Auto und fahre auf die andere Seite von Kathmandu, in eine kleine Strassenwerkstatt, welche aber ebenfalls über ein Maschine zur Reifenmontage verfügt. Verständlicherweise ist das Ergebnis der Bemühungen das Selbe, aber der Sachverstand von Irwin führt zu der Erkenntnis, dass man das Notlaufsystem irgendwo öffnen muss. Nach viel drücken und suchen findet sich der Verschluss der "Backform" unter einem Abdeckblech. Das Notlaufsystem kann nun entfernt werden und der Reifen kommt auch von der Felge. Was mich aber bei dieser Prozedur beschäftigt, wie sollen wir das System wieder montieren. Zum Einen ist es durch die Demontage etwas in Mitleidenschaft gezogen, zum Anderen auch gelinde gesagt etwas vergammelt. Das Schwitzwasser hat seine Spuren hinterlassen. Ich entscheide mich, zur sichtlichen Erleichterung Irwin´s und des Besitzers der Werkstatt, ohne Notlaufsystem weiterzufahren. So ist der neue Reifen schnell montiert und wir  kommen noch in der Dämmerung zum Workshop zurück. Mit Hilfe einer Handlampe wird das Rad noch montiert, aber für die anderen Drei ist es nun zu spät. Um nicht erst wieder einige Kilometer durch Kathmandu zurück fahren zu müssen, bleiben wir nun gleich auf dem Hof der Werkstatt über Nacht stehen.
Aber es gibt noch eine gute Nachricht. Ein sehr guter Freund hat unsere Bitte erhört und uns zwei neue Dichtungen für unser WC besorgt und per Luftpost geschickt. Heute ist die Benachrichtigung gekommen, wir können die Briefe beim Post-Office abholen.

21.11.2003

Noch in der Nacht mach ich mir einige Gedanken zu meinem teuren Notlaufsystem, was zum Einen nach sechs Jahren vergammelt, zum Anderen ohne Spezialwerkzeug offensichtlich nicht zu montieren ist und komme zu der Überzeugung, dass es sich hierbei um ein teures "Spielzeug für europäische 4 WD" handelt. Als wir die restlichen Reifen montieren, bestätigt sich diese Annahme. Da wir bisher am Landy nie eine Reifenpanne hatten, muss die Flickstelle an dem einen Schlauch bereits bei der Montage des Notlaufsystems entstanden sein und das spricht nicht dafür, dass dieses System sehr servicefreundlich ist. So lassen wir wieder einige Kilo in der Schrottecke auf Irwin´s Hof und das ist gut so. Denn Irwin kommt nach eingehender Untersuchung unserer hinteren Radaufhängungen zu dem nahe liegenden, aber von uns immer wieder verdrängten Schluss, dass wir einfach zu schwer sind. Dabei spielt sicher, die etwas sehr fein gewählte Verzahnung der Steckachse eine Rolle, aber das ändert auch nichts an der Tatsache. So werden unsere erst kürzlich erworbenen Ersatzteile sofort verarbeitet. Dabei führt uns Irwin anschaulich vor, welcher Unterschied sich aus den verschiedenen Fabrikationen ergibt. Der in Indien gefertigte Flansch ist so weich, dass ein leichter Schlag mit dem Schraubenschlüssel bereits tiefe Spuren hinterlässt. Wir hoffen nun, wieder einige Kilometer mit den Originalteilen zu kommen und nehmen uns weiter vor, Gewicht zu reduzieren, was leichter gesagt, als getan ist. Bei der Gelegenheit mussten wir auch feststellen, dass das Ergebnis der letzten Schweißarbeiten an unserer AZV doch zu wünschen lässt. Irwin hält seine eigenen Schweißkapazitäten nicht für ausreichend, da bei ihm hauptsächlich leichte Blech- und Karosserieschäden behoben werden und er verweist  uns an einen Betrieb im Gewerbegebiet. Auch das beweist seinen guten Ruf, er überschätzt, im Gegensatz zu leider sehr vielen seiner Mitmenschen, seine Möglichkeiten nicht.

Es ist Samstag und alle Arbeit ruht. Wir haben nichts dagegen und lassen ebenfalls alle Fünfe grade sein.
Am Abend treffen wir uns mit Irwin und seinem deutschen Freund Andreas, der nun schon rund 12 Jahre in Nepal ist, zum Abendessen beim Chinesen. Petra und Mustafa sind auch mitgekommen, denn ihr VW-Bus braucht auch eine Werkstatt und was wir über den "Janashakti Auto Workshop" erzählt haben, hat ihr Interesse geweckt. Es wird ein sehr schöner Abend. Irwin verspricht mir eine Schulung zur Einstellung des Spiels an der Radaufhängung und eventuell zwei original Flansche. Andreas kann uns viel über seine Erfahrungen in Nepal erzählen und da er, wie wir, eingefleischter Biker ist, verabreden wir uns für den nächsten Samstag zu einem gemeinsamen Motorradausflug.

23.11.2003

Wir besuchen besagten Betrieb im Gewerbegebiet erst einmal per Moped, um uns ein Bild zu machen und zu schauen, ob auch hier Sonntags gearbeitet wird. Das ist der Fall und wir geraten an einen deutsch sprechenden Abteilungsleiter der "Balaju Yantra Shala Ltd.", welcher hier für die Schweißarbeiten zuständig ist. Ujjwal Sundas hat eine Weiterbildung in Deutschland absolviert und zeigt uns zunächst den Betrieb. Es ist eine große metallverarbeitende Firma. Hier laufen richtige Drehmaschinen, werden dicke Bleche abgekantet und sogar Busse auf gelieferte Fahrwerke aufgebaut. Da hier auch die Busse für den Flughafenverkehr mit Anhänger gefertigt werden, zeigt er uns die entsprechenden Anhängevorrichtungen. Er überzeugt uns und wir verabreden, morgen unseren Landy zu ihm zu bringen.
Zurück auf unserem Platz, beschließen wir die Kabine abzunehmen, um so ein leichteres und besseres Arbeiten zu ermöglichen. Nur Cordula hat etwas Bedenken, weil die Kabine auf den vier "Storchenbeinen" bei jeder Bewegung im Alkoven etwas schwankt.
Da wir inzwischen erfahren haben, dass eine Verlängerung bzw. Neuerteilung unseres indischen Visa nur außerhalb Indiens möglich ist, müssen wir nun noch auf die indische Botschaft. Von Beantragung bis Erteilung werden ca. fünf Tage vergehen, so dass wir nun doch noch eine Woche hier bleiben werden.

24.11.2003

So klappern wir als Erstes die indische und anschließend die deutsche Botschaft ab. Letztere, um ein Empfehlungsschreiben für die Botschaft von Myanmar zu erhalten. Die Bürokratie lässt uns auch auf unserer Reise nicht aus ihren Klauen !! Dann schaffen wir unseren Landy zum Schweißen. Dem sachverständigen Ingenieur ist schnell klar, was hier gemacht werden muss. Als wir gegen vier Uhr unser Fahrzeug wieder abholen, sind alle kritischen Verbindungen der AZV von alten Nähten befreit, verstärkt und neu verschweißt. Das alles sehr akkurat. Wir sind beeindruckt. Von der Rechnung allerdings auch, denn 2.750,00 Rs sind für hiesige Verhältnisse und Arbeitslöhne sehr viel Geld. Schlussendlich ist es aber eine gute Arbeit, die wir gerne mit rund 35,00 € bezahlen. Wir sind Irwin für die Vermittlung sehr dankbar und können diese Adresse nur weiterempfehlen.
Da wir sowieso mit dem Landy im Gewerbegebiet sind, haben wir unsere leeren Gasflaschen mitgenommen. Es sind nur zwei fünf Kilo Flaschen. Der Gasverbrauch hält sich bisher in Grenzen. Entgegen aller Annahmen werden meine vielen Adapter, welche ich vorsorglich mitgenommen habe, nicht benötigt. Problemlos kommen unsere Flaschen auf die Waage und werden exakt mit dem Nenngewicht gefüllt. Das kostet pro Kilo ca. 0,80 € und in wenigen Minuten ist alles erledigt. Die meiste Zeit nimmt der Papierkrieg in Anspruch, da eine Quittung, dort ein Handzettel und da noch eine Unterschrift. Nach dem wir die meisten Zettel neu verteilt haben sind wir schnell wieder vom Hof.
Mein Ladegerät hole ich auch noch ab, am Freitag habe ich es nicht mehr geschafft. Es funktioniert wieder und im Vergleich scheint nun mein fest eingebauter Ladegleichrichter auch defekt zu sein. Ich nehme an, dass das Klima und der viele Generatorstrom in Lucknow eine Ursache dafür sind. Also, es gibt noch zu tun.

25.11.2003

Am Vormittag streiche ich die neuen Schweißnähte mit Farbe an. Nachmittags holen wir unser Empfehlungsschreiben von der deutschen Botschaft ab. 8 Zeilen für 20,00 €, so möchte ich auch mein Geld verdienen. Aber was soll´s, wir hoffen nur es bringt uns bei der Visabeantragung für Myanmar weiter. Dann noch schnell ein paar Einkäufe, denn heute machen wir zum Abendbrot Hühnchenleber mit viel Zwiebel und Kartoffelbrei. Das Alles für umgerechnet knapp 1,00 €. Schließlich ist unser Fuhrpark teuer und wir haben noch eine lange Reise vor uns.
Das Essen reicht sogar für vier, denn am Abend besucht uns Irwin mit einem Freund. Anschließend lädt er uns noch auf einen Drink ein. Nichts besonderes sagt er, nepalesisches Lokal. Dann fährt er uns ins "Red Onion", eine Bar gleich neben dem Radisson Hotel, also gehobener Standart. Wir sind froh, dass Irwin noch seinen Blaumann an hat, so fällt unser "Schlamper Look" nicht ins Gewicht. Er bewegt sich so selbstsicher, dass wir annehmen müssen, er sei hier Stammgast. Erst später erzählt er uns, dass er auch zum ersten Mal hier ist. Die Einladung ist ihm sehr wichtig und er lässt sie sich nicht ausreden, so halten wir uns, angesichts der Preise, angemessen zurück. Es wird ein sehr netter Abend und für unseren Motorradausflug am Samstag, haben wir jetzt schon eine respektable Gruppe zusammen.

Wir besuchen Arjen, der unser Schreiben an die Botschaft von Myanmar freundlicherweise überarbeitet hat. In seinem Job hat er öfters mit den Botschaftsmitarbeitern zu tun und so weis er genau, welchen Stiel man pflegen muss, um etwas zu erreichen.
Da wir schon mal in Patan sind, besuchen wir noch den "Golden Temple".

Auf dem Weg nach Bhaktapur suchen wir das Büro von Aramex, einem Kurierdienst, der unseren Antrag nach Delhi, zur Botschaft von Myanmar bringen soll. Weder im Telefonbuch noch bei der Auskunft war eine Adresse in Erfahrung zu bringen. Da die Strasse nach Bhaktapur am Flughafen vorbei führt, fragen wir dort im Cargobereich nach. Schließlich muss der Kurier ja seine Sendungen auch dem Flieger anvertrauen. Und in der Tat erfahren wir hier die Adresse und die liegt auch fast an unserem Weg. Für umgerechnet nur 2,00 € soll unser Brief morgen schon in Delhi sein.
Da uns die Suche doch einige Zeit gekostet hat, kommen wir erst am späten Nachmittag in Bhaktapur an. Verfahren haben wir uns auch noch, da Bhaktapur kein Ortsschild hat, sind wir einfach dran vorbei gefahren, was uns aber einen kleinen Abstecher ins Grüne beschert hat. So kommt diese schöne alte Königsstadt, unserer Ansicht schöner als Patan oder Kathmandu, etwas zu kurz. Wir haben den Eindruck, dass nicht sehr viele Touris den Weg bis Bhaktapur finden, denn zum Einen sind nicht viele zu sehen und zum Anderen sind die Menschen hier noch freundlicher und interessierter, ohne aber aufdringlich zu werden. Ein sicheres Zeichen, für mangelnden Tourismus. Zu guter letzt haben wir auch noch Hunger und lassen uns ein gutes Abendessen nicht entgehen. Dafür müssen wir im Dunklen auf den Bikes nach Kathmandu zurück und das auch noch im dicksten Verkehr. Mit einem guten Lagerbier müssen wir unsere Kehlen von Dieselruß und Staub befreien, als wir wieder unseren Platz erreichen.

28.11.2003

Nachdem ich den reparierten Trafo für mein Ladegerät abgeholt habe, baue ich ihn natürlich gleich ein. Er scheint auch wieder zu funktionieren. Am Nachmittag fahre ich mit dem Landy zu Irwins Werkstatt. Er hatte mir versprochen, ihn mal auf die Rampe zu nehmen und von unten zu checken. So gibt es erstmal eine Wäsche und dann Fett für die Schmiernippel. Nach einer Probefahrt werden die Schrauben an der Kardanwelle und den Kreuzgelenken noch nachgezogen. Das alles gibt es kostenlos als Sponsoring. Irwin meint, abgesehen von unserem Antriebsproblem, müssten die nächsten 10.000 Km gesichert sein. Wir hoffen das er Recht behält !

Wir haben uns für 9.45 Uhr in Irwins Werkstatt verabredet. Von dort geht es gleich weiter zu Andreas. Auch hier halten wir uns nicht lange auf, sondern fahren gleich weiter aufs Land, zur Arbeitsstelle von Andreas. Wie er uns später gesteht, hat er die folgende Strecke extra für uns ausgesucht. Beim gemeinsamen Abendessen beim Chinesen hatte Cordula von unserer Vorliebe fürs Offroad fahren erzählt und nun wollte er sehen, was da wirklich dran ist. Da ich für diese Strecke nicht verantwortlich war, konnte ich mich ruhigen Gewissens mal wieder richtig austoben, denn Cordula konnte ihren Unmut diesmal nicht an mir auslassen. Wobei dieser auch nur spontan, an steilen Geröllfeldern oder ausgewaschenen Spitzkehren, aufkeimt. Was bei 215 Kg Leergewicht der R 80 GS auch nicht unbedingt verwundert. Im nach hinein hat sie immer genau soviel Spaß an solchen Touren wie ich. Erstaunlich war für mich, wie Andreas zu zweit auf der Honda XL 185 S die Strecke meistert. Sicher, er hat den Heimvorteil und fährt sie nicht zum ersten mal. Oben in Nagarkot angekommen, lotst uns Irwin in ein abgelegenes kleines Restaurant. Außer uns keine Gäste. Absolut ruhig. Wir erholen uns von der Auffahrt in der warmen Sonne bei reichlich Bier und bei einem ganz frisch zu bereiteten leckeren Essen. Zurück geht es komfortabel auf Teer, zwar Loch an Loch, aber was sind schon so ein paar Löcher, wenn man gerade von der Piste kommt. So düsen wir viel zu schnell wieder über Bhaktapur nach Kathmandu zurück.

30.11.2003

Da wir am Dienstag weiterfahren wollen, satteln wir die Kabine wieder auf und beginnen mit dem üblichen einpacken. Wir haben keinen Grund zu übertriebener Eile und so vergeht damit der ganze Tag.

01.12.2003

Der Tagesablauf wird  von der Bürokratie der indischen Botschaft bestimmt. Ab 9.00 Uhr zwei Stunden anstehen, um Antrag und Pass abzugeben. Die werden nur entgegengenommen, wenn seit dem ersten Besuch (24.11.) die Bestätigung der Identität aus Deutschland vorliegt. Dann, am Nachmittag ab 16.00 Uhr, Pass mit Visa gegen Gebühr von rund 35,00 € abholen. Den Rest des Tages nutzen wir um unsere Vorräte aufzufüllen, denn eine solche gute Versorgung werden wir in den nächsten Wochen nicht mehr haben.

Heute wollen wir wieder einmal unser "Haus" umsetzen. Es sind zwar nur rund 160 Km, aber 40 davon haben es wirklich in sich. Auch auf diesen Abschnitt hat der Monsun ordentlich zugeschlagen. Nepal ist eben ein kleines Land und so finden sich die Schäden auf fast allen Strassen. Nach ca. 7 Stunden haben wir es geschafft und rollen durch das Tor des "Royal Park Hotel" in Sauraha an der Grenze zum Royal Chitwan NP. Die Anlage ist, wie in unserem Führer beschrieben, in tadellosem Zustand und verfügt über einen ausgedehnten Park, wo wir ein schönes Plätzchen finden. Wir entschließen uns spontan, die restlichen Tage unseres Visas hier zu verbringen und schlafen völlig erschöpft mit Sonnenuntergang ein.

Unser erster Ausflug ist ein Orientierungsgang durch Sauraha, einem, trotz Tourismus, sehr ursprünglichem Ort mit sehr freundlichen Einwohnern. Wir nehmen  die Bikes wieder runter, da wir in der gerade erstandenen Karte, in der Umgebung des Parks, einige schöne Pisten gefunden haben. Morgen wollen wir unsere erste Tour zum Elefantencamp und zu den "20.000 lakes" machen. Wir genießen am Flussufer den Sonnenuntergang bei einer Flasche Bier und Chips in Liegestühlen und fühlen uns dabei wunderbar. Ein Tanzprogramm gibt es gratis noch dazu. Am Abend setzen wir uns noch einige Stunden ins Internet-Café. Eine absolut müde Leitung kostet viel Zeit, aber bei dem letzten Update, am 01.12. , hat mittendrin mein Internet-Zugang seinen zeitlichen Ablauf verkündet. Auch heute schaffen wir nicht alles. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Wir drehen die geplante Runde auf den Motorrädern und schlucken dabei eine Menge Staub. Aber es macht riesigen Spaß, durch die abwechslungsreiche Landschaft zu fahren. Und wir haben unsere ersten "Wild life" Kontakte. Da der Park selbst nur mit Guide zu Fuß oder auf dem Elefanten zu erkunden ist und dies inkl. Permit gleich wieder einige tausend Rupees kostet, haben wir uns fürs Erste auf die angrenzende Umgebung beschränkt. Wir wollen in Ruhe nach einer günstigen Möglichkeit suchen und auch mal hören, was die anderen Touris zu berichten haben. Erfahrungsgemäß sind an solchen touristischen Plätzen die Erwartungen höher, als die Natur, speziell die Tiere bieten und erfüllen können. Die Guids, die diese Erwartungen schon wegen des geschäftlichen Erfolgs hochhalten müssen, bestätigen jedoch unter "vier Augen" diese Ansicht.

05.12.2003

Nach den doch insgesamt 80 Km Piste vom Vortag lassen wir wiedermal alle "Fünfe" grade sein.

Auf dem Programm steht der Besuch des "Elefantenpolo" in Meghauli, eine alljährliche Attraktion. Leider widersprechen sich die Aussagen, wann das Finale stattfindet. Da wir sowieso spät dran sind, fahren wir einfach los. Es geht mit den Motorrädern wieder über Stock und Stein, quer durch das an den NP angrenzende Gebiet. Natürlich ist alles schon vorbei, als wir am Spielfeld ankommen, aber die schöne Piste hat auch viel Spass gemacht. Auf dem Rückweg, können wir in der einsetzenden Dämmerung noch Wildschweine und ein auf Beute lauerndes Krokodil beobachten. Leider (Cordula meint glücklicherweise) sind wir nicht nah genug dran, um wirklich gute Bilder zu bekommen. Aber die Besten sind doch die, welche man im Kopf behält.

Heute wollen wir einen ausgedehnten Spaziergang durch Sauraha machen und das Baby-Rino suchen. Da dieser kleine Racker über ein sehr ausgedehntes Gelände verfügt, kein leichtes Vorhaben. Aber wir haben Glück, nach einigen Kilometern durch wunderbar duftende Rapsfelder, die Biker unter den Lesern kennen diesen Duft von der ersten Ausfahrt im Jahr ganz genau, finden wir den kleinen Kerl. Er hat großen Appetit auf Bananen und ist ansonsten sehr umgänglich, wie die Bilder beweisen. Da hier in Nepal jedes Jahr ca. 40 Menschen von Rinos getötet werden, haben die Einheimischen mehr Respekt vor diesem Tier als wir. Aber nach einigen Minuten sind die Kinder von der Ungefährlichkeit dieses Babys auch überzeugt.

08.12.2003

Wir packen wieder einmal zusammen und bereiten uns auf den Wiedereintritt in die indische Hemisphäre vor. Wir lassen das letzte Mal die Sonne im NP untergehen (eine sehr persönliche Sichtweise) und genießen dabei ein ausgiebiges Abendessen am "Strand".

Eine zweitägige Rekordreise nimmt gegen 6.30 Uhr ihren Anfang. Schnell sind wir reisefertig und rollen nach kurzem Einkaufsstopp Richtung Sunauli. Als erstes geht es über die Piste zum Highway. Nach 3,5 Km kommen wir wieder an die Brücke, vor welcher die Strasse weggespült ist. (die letzten Bilder vom 02.12.) Die Auffahrt ist aufgeschüttet und entsprechend locker. Also Untersetzung und Sperre rein und rauf geht’s. Der Landy ist fast oben, als der Boden zu weich wird und die Vorderachse nach rechts abdriftet. Im selben Moment höre ich ein leises Knacken und es bleibt nur ein kräftiger Tritt aufs Bremspedal, um zu verhindern, vom Hänger bergab gezogen zu werden. Kurzer Test und es ist klar, wir haben mal wieder keinen Antrieb. Also mittels Air-Locker alle Räder gleichschalten und vorsichtig zurück. Ich habe Glück und kann den Hänger am Anfang der Steigung nach rechts auf eine Wiese schieben, dann abhängen und den Landy aus dem Schussfeld bringen, schließlich ist Rushhour und es stehen schnell oben und unten ein dutzend Fahrzeuge. Nachdem der Air-Locker abgeschaltet ist, suchen wir bei eingelegtem Gang nach der durchdrehenden Steckachse, ohne Erfolg. Auch die Kreuzgelenke sind in Takt, so dass der Schaden näher am Differenzial zu suchen ist. Einige hundert Meter zurück war eine kleine Werkstatt, zu der Cordula sich nun aufmacht, um Hilfe zu holen. Ein Fehler, wie sich später heraus stellen soll! Schnell erscheinen drei Mann, von denen einer als sehr guter Mechaniker vorgestellt wird. Mit ihm oder seinen Gehilfen können wir nur per Dolmetscher verhandeln, da sie nur nepalisch sprechen. Trotzdem gehen sie schnell zur Sache und schon ist die lange Steckachse draußen - ohne Befund. Also kommt nun die Kurze dran und siehe da, sie ist in der Tat noch kürzer geworden. D.h. ein Teil von ihr steckt noch im Differenzial, während wir alle die absolut glatte und wie mit dem Rasiermesser gezogene Schnittstelle begutachten. Bei ca. 2,5 cm Durchmesser und gehärtetem Stahl, fehlt mir der Glaube, dass der Auslöser nur unser permanentes Übergewicht sein soll. Ich bin der Meinung, hier ist Qualität und Belastung die entscheidende Ursache. Aber was soll’s, jetzt muss erst einmal der Rest der Steckachse raus und eine Neue gefunden werden, denn ausgerechnet die Kurze habe ich nicht als Ersatzteil gebunkert. Während sich zwei Helfer aufmachen eine Achse aus zweiter Hand aufzutreiben, öffnet der sehr gute Mechaniker flugs das Differenzial. Da beide Steckachsen draußen sind, liegt auch dieses Teil bald daneben und wir haben die restlichen 3 cm der Steckachse in der Hand. Da der Mechaniker den Anschluss für die Druckluft des Air-Lockers wie selbstverständlich gelöst hat, nehme ich an, dass er das System durchschaut. Inzwischen ist die Steckachse aus zweiter Hand eingetroffen. Sie ist wirklich sehr "gut gebraucht" und auch etwas zu lang, so dass man uns wirklich nicht überzeugen kann, dieses Teil einzubauen. Also lassen wir das Differenzial und die lange Steckachse wieder einbauen, während Cordula sich aufmacht, um nun mit Irwin, der guten Adresse in Kathmandu zu telefonieren. Da wir wissen, dass das benötigte Teil in Kathmandu gehandelt wird, hoffen wir mit Irwins Hilfe schnell an ein solches zu kommen. Die Busse verkehren täglich zwischen der Hauptstadt und Sauhara, so dass die Achse in 24 Stunden da sein könnte. Als Cordula zurück kommt, ist sie trotz der Situation recht glücklich, denn Irwin lässt es sich nicht nehmen und kommt selbst, um uns zu helfen. Der Mechaniker ist auch fertig und verlangt seinen Lohn. Immerhin 500,00 Rs.
 Wir warten geduldig auf Irwin und hadern mit unsrem Schicksal. Eine lange Diskussion um unser Gewichtsproblem verkürzt uns die Wartezeit, allerdings ohne greifbares Ergebnis, denn keiner von uns Beiden möchte wirklich auf entscheidende Teile verzichten. Als Irwin mit seinem Partner auf dem Motorrad eintrifft, ist es bereits dunkel. Er ist erst gegen 15.00 Uhr in Kathmandu losgefahren und nur mit dem Bike war es möglich, nach knapp vier Stunden da zu sein. Der arme Partner musste die ganzen drei Steckachsen a 4,5 Kilo halten und sieht etwas geschafft aus. Trotzdem machen die Beiden sich sofort an die Arbeit. Ich habe mir die zwar teure, aber dafür originale Achse ausgesucht und nehme die Zweitbeste in mein Ersatzteilsortiment auf. Nach einer guten Stunde ist die neue Steckachse montiert und das Differenzial wieder mit Öl gefüllt. Wir verabreden uns für den nächsten Morgen und dann machen sich die Beiden auf, um sich ein Zimmer zu suchen, was hier kein Problem ist.
Wir setzen den Landy noch etwas weiter auf die Wiese, um etwas Ruhe für die Nacht zu haben. Dabei probiere ich den Air-Locker aus und muss feststellen, dass aus der Hinterachse die Luft entweicht. Irgendwie hatte ich schon so etwas geahnt, denn der Mechaniker hatte lange zum Einbau des Differenzial gebraucht. Also müssen wir morgen noch einmal nachschauen.

Irwin kommt gegen 8.30 Uhr, weil sie im Hotel um Acht statt um Sieben geweckt wurden, aber Beide sind guter Dinge. Als ich sie mit dem neuen Problem überrasche, sind sie sofort bereit, bei dem Dorfmechaniker zu reklamieren und zusammen mit ihm, der Sache auf den Grund zu gehen. Da Irwin sehr gründlich ist, holt er erst einmal telefonisch Informationen über das Air-Locker-System ein. Danach wird die Hinterachse wieder Stück für Stück zerlegt, bis auch das Differenzial wieder draußen ist. Die  Druckluftleitung hat auch beim Einbau einen Knick abbekommen, ist aber glücklicherweise noch dicht. Doch einer der Dichtungsringe ist beim Einbau des Differenzials gequetscht worden und nun nicht mehr dicht. Irwin telefoniert und macht sich auf den Weg nach Narayangath, um eine Dichtung aufzutreiben. Cordula vertreibt sich die Zeit mit einem Rundgang durch diesen Teil Sauharas und macht einige Schnappschüsse. Nach drei Stunden ist Irwin zurück und hat tatsächlich einen Dichtungsring, zwar etwas kleiner und härter, aber es könnte funktionieren. Bald ist alles wieder zusammengebaut und ein Test zeigt, der Air-Locker in der Hinterachse funktioniert wieder, zwar wie sicher später herausstellt nur im Stand hundertprozentig, aber während der Fahrt wenigstens zu 80%. Inzwischen ist es bereits 17.00 Uhr und Irwin muss sich sputen, um am Abend wieder in Kathmandu zu sein. Auch wir machen uns nach dem Abschied noch auf den Weg. Es gibt eine Umfahrung, die zwar 10 Km länger ist und durch eine Furt führt, aber ich hatte mir die Strecke schon am Vortag mit einem freundlichen Lehrer aus der Gegend auf seinem Moped angeschaut und glaube, dass diese Strecke für den Landy besser ist. Als wir an der Furt eintreffen ist es schon fast dunkel. Ich lege alle Sperren ein, auch den Air-Locker für Hinter- und Vorderachse, um die Kräfte gleichmäßig auf alle Räder zu verteilen und los geht’s. Auf der anderen Seite des Flusses ist auch eine leichte mit Schotter belegte Steigung, an der ich merke, wie der Air-Locker, der für die Hinterachse ständig Luft aufnimmt, doch zweimal kurz das Differenzial wieder zuschaltet. Aber wir schaffen es ohne Probleme. Als wir endlich auf dem Highway sind, ist die nächste Tankstelle für die bevorstehende Nacht unsere. Der freundliche Tankwart hat auch nichts dagegen und so haben wir noch eine ruhige Nacht in Nepal, denn sobald es hier dunkel ist, ruht auch jeglicher Strassenverkehr.

Um halb acht rollen wir wieder in Richtung Grenze. Da heute unser Visa abläuft, sollte nun auch nichts mehr dazwischen kommen. Gegen zwölf stehen wir bereits im Niemandsland, da wir zwischen den Verkaufsbuden und dem Gewimmel auf der Strasse, die Amtsstuben der nepalesischen Grenze übersehen haben. Wir lassen unseren Zug stehen und laufen zurück. Nach dem wir uns durchgefragt haben, ist der einzige Beamte, mit Carnet-Erfahrung, gerade beim Lunch und wir müssen fast eine Stunde warten. Als er dann endlich kommt, erhalten wir ohne weitere Kontrolle unsere Stempel und gehen zurück, um nun wieder nach Indien einzureisen. Geschult durch unser Missgeschick auf nepalesischer Seite, suchen wir hier nun noch aufmerksamer die unscheinbaren Amtsstuben zwischen den Läden und Buden auf der Strasse. Auch hier nimmt die meiste Zeit das Ausfüllen der Carnets und die obligatorische Eintragung im Hauptbuch in Anspruch. Die Eintragungen der Fahrzeuge im Reisepass unterbleiben diesmal, vielleicht nur ein Versehen. Die anschließende Kontrolle beschränkt sich auf die Kennzeichen und schon ist alles erledigt. Was die Hauptbücher angeht, kommen wir zu dem Schluss, dass diese nicht ungefährlich sind. Da die Beamten meist das Schreiben der ungewohnten Namen und Adressen scheuen, werden diese Bücher den Reisenden übergeben, damit diese die Eintragungen selbst vornehmen. So hat jeder Zeit und Gelegenheit die vorherigen Eintragungen zu studieren. Man erfährt so, wer wann von wo nach wo unterwegs ist, wessen Wohnung wo gerade unbeaufsichtigt ist und auf Grund der Deklarationspflicht, wer mit wie viel Geld, und welchem Fahrzeug, gerade wohin unterwegs ist. Wir machen unsere Angaben so ungenau, wie nur möglich und das ist kein Problem, da der Beamte es ohnehin kaum prüfen kann.
Da wir an der Grenze nicht zu viel Zeit gebraucht haben und gut drauf sind, fahren wir noch ein gutes Stück, bis wir uns am Stadtrand von Gorakhpur eine Tankstelle zur Übernachtung suchen.

Der Lärm der Strasse, der hier in Indien auch in der Nacht kaum abnimmt, hat uns früh wieder auf die Beine gebracht. Am Schlimmsten ist das ständige, anhaltende Gehupe, in allen nur denkbaren Tonlagen und Lautstärken. Das Erste, was mir einer der vielen Zaungäste, die, sobald wir unsere Wohnkabine verlassen, nun ständig wieder um uns herum stehen, zeigt, ist ein Plattfuß am Hänger, natürlich wieder auf der linken Seite. Dabei muss ich zugeben, diesen Platten hätte ich noch nicht erkannt, aber er hatte ein wohl geuebtes Auge und es waren tatsächlich nur noch 1,5 bar und der Nagel auch bald entdeckt. Wir tanken noch Wasser und pumpen den Reifen zwischenzeitlich auf.
Als wir Gorakhpur in Richtung Varanasi verlassen, halten wir Ausschau nach einem Reifenservice und brauchen auch nicht lange, bis wir einen finden. Der Inhaber spricht nicht englisch, so dass ein Passant in die Preisverhandlung einbezogen werden muss. Nach langem Palaver und gefeixe soll ich 50 Rs. bezahlen. Inzwischen liegt der Reifen schon im Dreck, hier wird halt alles zu ebener Erde erledigt. Mit stumpfen Meißel und Hammer wird der Mantel regelrecht von der Felge gedroschen, um dann ebenso rabiat mit einem zweifelhaften, dafür aber sehr langen Montiereisen, runter gehebelt zu werden. Ein Stück Flacheisen, ähnlich dem, mit welchen unsere Großmütter ihr Bügeleisen bestückt haben, wird in einer offenen Flamme erhitzt. Durch Aufdrücken auf einem Stück Papier wird die richtige Temperatur ermittelt und dann kommt das Ganze samt Schlauch und einem Stück Gummifolie unter eine Schraubpresse. Ein mit mir auf seinen Reifen wartender Junge, schätzungsweise 10 bis 11 Jahre alt, zeigt mir 15 Rs. und deutet damit den wirklichen Preis für die Reparatur an. Da sein Reifen eher fertig ist, kann ich auch beobachten, dass er mit diesen 15 Rs. bezahlt, was dem Besitzer sichtlich unangenehm ist. Ich nehme die zu erwartende Diskussion in Gedanken vorneweg und lege noch 5 Rs. drauf. Glücklicherweise habe ich die auch passend, weil ich, wenn er mir rausgeben müsste, die schlechteren Karten hätte - man sollte also immer möglichst viel Kleingeld einstecken haben.
Es kommt genauso, wie ich es geahnt habe, als der Reifen montiert ist und es ans Bezahlen geht, will er mir klar machen, dass das Ab- und Anbauen die Differenz von 35 Rs. ausmacht. Für 35 Rs. müssen aber viele Inder zwei oder mehr Tage arbeiten. Dass sich bei der Diskussion gleich wieder eine Menschentraube gebildet hat, ist diesmal positiv, denn nun machen ihm seine Mitmenschen schnell klar, das er es übertrieben hat und mit 20 Rs. gut bezahlt ist. Was auch einleuchtet, bedenkt man, dass nun statt Talkum Strassenstaub zwischen Schlauch und Mantel reibt.
So sind wir gegen 9.00 Uhr wieder dem Schlachtgetümmel auf Indiens Strassen ausgesetzt. Da es hier nur eine einzige Verkehrsregel gibt - der Stärkere hat immer Vorrang - kann man wenig verkehrt machen. Seinen verständlichen Frust (schließlich mussten wir eine ganze STVO büffeln und versuchen uns immer noch daran zu halten), lässt man mittels Hupe und deutschen Schimpfwörtern freien Lauf. So kann man selbst, einen der selten anzutreffenden Ordnungshüter mit Rindvieh titulieren und erntet dafür, statt einem Strafmandat, nur ein dümmliches Grinsen. Das liest sich jetzt sicher sehr überheblich, ist es aber, angesichts der fehlenden Bildung der absolut überwiegenden Zahl der Inder, nicht. Dieser Zustand, den selbst Inder, meist betuchte Geschäftsleute, uns gegenüber beklagen, ist der Grund für die uns, als aufdringlich erscheinende Neugier und die Respektlosigkeit gegenüber dem Eigentum Anderer. Der Verkehrspolizist oder der Pförtner trägt auch keine Schusswaffe sondern einen Bambusstock, schließlich kann man einen Unwissenden nicht gleich erschießen, wenn er etwas falsch macht, da reicht Prügel völlig aus. Außerdem ist der dann Prügelnde nicht unbedingt gebildeter als sein Gegenüber. Die Strasse ist für hiesige Verhältnisse überwiegend gut befahrbar und so sind wir bereits gegen vier in Varanasi. Aus einer Mail von Wolfgang - unserer Bekanntschaft aus Pokhara -  haben wir von einem guten Stellplatz im Park des Hotel de Paris erfahren, was wir unverzüglich ansteuern. Wir haben auch Glück und bekommen schon beim ersten Versuch eine gute Wegbeschreibung.  Das Hotel selbst ähnelt sehr dem, vor welchen wir in Agra gestanden haben. Nur das Zimmer, was im Stellplatz als WC und Dusche inbegriffen ist, dürfte in einem noch verwahrlosteren Zustand sein. Die Badewanne ist so dreckig, dass sie nur mit Badelatschen begehbar ist. Aber wir haben schon schlechter geduscht, so maulen wir nur über die 300 Rs. pro Nacht, die man uns abnehmen will. Schließlich wissen wir von Wolle, dass er hier für 200 Rs. gestanden hat. Dies wird nach entsprechenden Verhandlungen auch unser Preis.
So bleibt noch Zeit die nähere Umgebung in Augenschein zu nehmen. Sofort sind wir von Fahradrickshaws- und Taxifahrern und Shop-Schleppern umringt. Es gelingt uns recht gut, ihre Angriffe abzuwehren und dabei doch noch einige Informationen zu sammeln. So finden wir schnell ein Restaurant, wo wir etwas zu Abend essen und haben für morgen eine Verabredung mit einem Seidenhändler, nicht, weil er, wie sicher auch alle Anderen von sich behauptet der Beste der Stadt zu sein, sondern weil uns seine Art gefällt und Cordula schon die ganze Zeit einen Sari haben möchte.

Der Tag beginnt mit den üblichen Notwendigkeiten. Cordula kümmert sich um die Wäsche und ich mich um die Technik. Später schauen wir noch ein Stück die Strasse hinunter. Es stimmt schon, was da auf dem Schild bei unserer ersten Einreise in Indien zu lesen war: "Indien ist die größte Demokratie der Welt". Es gibt auch hier, wie in den USA, den freien Waffenhandel und jeder Inder, der es sich leisten kann, hat die Möglichkeit für 25.000,00 Rs. an der Strassenecke eine doppelläufige Schrotflinte zu erwerben. Die Lizenz kann er, wie die Munition, gleich mit kaufen. Die Korruption dürfte die in den Staaten anzutreffende, um ein Vielfaches übertreffen. Last not lest, es gibt hier zwar Verkehrsschilder die eine Geschwindigkeit vorschreiben, aber keiner hält sich daran, da es niemand kontrolliert. Soviel Demokratie hat nicht einmal "Mister Präsident" seinem Volk zu bieten.
Auch dem Seidenhändler statten wir einen Besuch ab, was wir besser nicht getan hätten. Um es kurz zu machen, es ist bereits dunkel, als wir um einige Rupees. ärmer und zwei Saris, eine Hose, zwei Hemden und einen Schal reicher den Laden verlassen. Die Sachen können wir am Montag "maßgeschneidert" abholen. Das Nähen kostet knapp 300,00 Rs., die Seide bzw. Rohseide ist weit teurer. Dafür müssen dann aber ein paar Jeans und andere unbequeme Sachen aus den Koffern raus.
Zum guten Schluss sind wir noch die ersten Touris in einer gerade heute eröffneten Pizzaria mit dem zwingenden Namen "Napoli". Die Auswahl ist noch nicht groß, aber wenn die Qualität gehalten wird, verspricht es eine gute Adresse in Varanasi zu werden. Cordula geht noch auf "zwei Hochzeiten tanzen". Natürlich macht sie das nicht wörtlich, da hier nur Männer und Kinder in der Öffentlichkeit tanzen, sondern sie schaut sich dort nur um und macht ein paar Fotos. Freundlich wird sie überall zum Essen und Trinken eingeladen, was sie aber dankend ablehnt, schließlich ist sie ja nur "Zaungast". Die Braut und der Bräutigam sind bei dieser Zeremonie arm dran, denn sie müssen die ganze Feier über wie zur Schaugestellt unter einem Baldachin sitzen und Glückwünsche sowie Geschenke entgegen nehmen. Die Zahl der Gäste, die kommen und gehen, ist bei beiden Hochzeiten enorm und lässt auf die Betuchtheit der Familien schließen.

Wie wohl die meisten Touris in dieser Stadt, konnten wir auch nicht den Animationen widerstehen und lassen uns um 5.30 Uhr zum Ganges fahren. Laut Reiseführer ist Varanasi eine der heiligsten Städte Indiens. Auch hier finden die rituellen Waschungen der Gläubigen, Sadhus und Leprakranken statt, die zu Tausenden hierher pilgern. Und man soll dieses Schauspiel vor den "altehrwürdigen Bauten", von einem Boot aus, bei Sonnenaufgang am besten beobachten können. Im Anschluss soll man es nicht versäumen, durch die angrenzenden "stinkenden, alten Gassen zu bummeln, um das alte Indien in seiner reinsten Form zu erleben".
Unser Eindruck fällt etwas anders aus, was aber niemanden davon abhalten sollte, seine eigenen Erfahrungen zu machen. Eventuell sind aber ein paar Fehler, die wir gemacht haben zu vermeiden. Es beginnt bereits, wie immer, mit den Preisverhandlungen.  Weder die Angaben in Reiseführern, noch die Auskunft im Tourismusbüro stimmen. Man sollte sich unbedingt die Zeit nehmen und vergleichende Verhandlungen führen. Das kostet zwar Zeit und Nerven, aber nur so kann man einen fairen Preis aushandeln. Wir haben für das Taxi von der Varuna Bridge bis zum Ganga Parti und eine Stunde Bootsfahrt für zwei Personen 350,00 Rs. bezahlt, hätten aber die gleiche Leistung auch schon für rund 200,00 Rs. haben können. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, es geht hier nicht um das Geld, welches arme Taxifahrer und Ruderleute bekommen, die sehen davon ohnehin nichts. Beispiel: Als ich die Bootsfahrt bei dem Vermittler bezahle, soll ich dem Mann, der uns gerudert hat, ein Trinkgeld geben, die 150,00 Rs. steckt der Vermittler ein, der wiederum den Mieter des Bootes bezahlen muss, welcher seinerseits den Besitzer des Bootes Miete zu zahlen hat. Deshalb ist es besser, man sucht etwas abseits von den großen Anlaufstellen nach einem Bootseigner, der selbst rudert und bezahlt dann für zwei Personen 80,00 Rs. und gibt man mehr, um Gutes zu tun, so kommt dies auch an der richtigen Adresse an. Nachteilig dabei ist, man muss möglicherweise im dunklen am Ufer des Ganges durch eine Menge Unrat waten, um ein solches Boot zu finden. Aber festes Schuhwerk, am besten Gummistiefel sind ohnehin zu empfehlen. Und das frühe Aufstehen lohnt auch nur in der warmen Jahreszeit, wenn die Tag / Nacht Temperaturdifferenz nicht zu groß ist, da sonst der allmorgendliche dichte Dunst das "Schauspiel"  bis ca.  9.00 Uhr behindert, danach hat man gute Sicht- und Lichtverhältnisse.
Die "altehrwürdigen Bauten" entpuppen sich leider als eine heruntergekommene, verwahrloste Kulisse, deren Altehrwürdigkeit nur noch in Ansätzen erkennbar ist. Und ob der Anblick der Gläubigen, die sich, in einer Mischung aus Wasser, Fäkalien und toten Tieren waschen, ein solches "Schauspiel" ist, erscheint doch mehr als fragwürdig, zumal manche von ihnen dieses Gemisch sogar zu sich nehmen, um auch innerlich "rein" zu werden.
Was die Gassen anbelangt, ein guter Geschichtsunterricht für die Periode 17./18. Jahrhundert gemischt mit etwas Moderne. Hier sollte man unbedingt Gummistiefel tragen und einiges an Gestank ertragen können. Unter schnell aufkommenden Ekel darf man auch nicht leiden. Das gilt sowohl für die hygienischen Verhältnisse, als auch für die Art der "Abzocke", die hier betrieben wird. Der Zugang zu besonders beliebten Fotomotiven wird durch zwei Inder versperrt, die jeden Touristen mit Foto- oder Filmkamera zurück weisen. Entweder mit der Masche "das ist ein heiliger Platz meiner Familie, respektieren sie das bitte" oder ganz barsch "fotografieren Verboten". Fünf Meter weiter wird man dann von einem "hilfreichen" Inder angesprochen, der einen sehr guten und diskreten Standort zum Fotografieren dieser Motive anbietet, natürlich gegen Bezahlung. Auch in diesem Fall bleibt nicht ein Rupee in diesen Gassen, denn allein die Kleidung verrät schon, dass der "hilfreiche" mehrere Kasten weiter oben einzustufen ist und selbst seine Handlanger nicht hier zu Hause sind.
Aber wie gesagt, jeder sollte sich sein eigenes Bild machen, wir sind jedenfalls kurz nach neun wieder auf unserem Platz. Es gibt nach unserem Empfinden halt wirklich schönere Schauspiele zu erleben.

15.12.2003

Wir haben noch einiges zu erledigen, wie Post und verschiedene Einkäufe, bevor wir morgen weiter fahren. Ganz oben auf der Liste steht ein Anruf bei der Botschaft von Myanmar in Delhi. Das allein nimmt fast den ganzen Tag in Anspruch. Endlich gegen 16.00 Uhr findet sich ein Mitarbeiter der eine Auskunft geben kann. Unser Antrag ist eingegangen und liegt zur Zeit beim zuständigen Ministerium in Myanmar zur Entscheidung. Wir sollen in zwei bis drei Tagen nochmals nachfragen. Somit herrscht weiter Ungewissheit, ob für unsere Weiterreise ab Indien Plan A oder Plan B gilt. Wir werden es hoffentlich in drei Tagen genauer wissen. Einige unserer Einkäufe lassen wir von Einheimischen machen, auf diese Weise sparen wir viele Rupees und bezahlen den für Inder normalen Preis. Beim Bier zum Beispiel beträgt der inoffizielle Touristenaufschlag 100%. Da ich mir schon einmal in Naini Tal  die Hacken wund gelaufen habe, weis ich, dass es sinnlos ist, diese interne Absprache zu umgehen und bei anderen Shops nachzufragen, zumal gerade die Bottel-Shops in einer Stadt auch meist in einer Hand liegen.

Gegen 8.00 Uhr rollt die "Karawane" wieder. Von Varanasi wollen wir weiter quer durch das Landesinnere zum arabischen Meer nach Goa fahren. Für diese rund 2000 Km werden wir mindestens 10 Tage brauchen, so dass wir sicher erst zu Silvester in Goa sein werden. Die Strassen in der Provinz Uta Pradesh sind relativ gut und wir kommen am Vormittag gut voran. Erkundigungen hatten ergeben, dass hier ein Teil des Highway 7 in einem fast unbefahrbaren Zustand ist. Deshalb fahren wir einen Umweg über den Highway 27. Als wir jedoch die Provinz Madhya Pradesh erreichen, fragen wir uns ernsthaft, ob es wirklich noch schlechtere Strassen geben kann. Wir sind bestimmt schon harte Pisten gefahren, aber diese übertrifft alle und erinnert uns mit ihrem roten trockenen Lehm und langen Staubfahnen, an den Gunbarrelhighway in Australien. Der im Vergleich aber als Autobahn bezeichnet werden kann.
Dafür sind in dieser Provinz die Menschen wieder etwas freundlicher und nicht ganz so neugierig und respektlos, wie wir es in Varanasi erlebt haben. Nach rund 10 Stunden haben wir 226 Km geschafft und wir treffen wieder auf den Highway 7 als es dunkel wird. In Mangawan finden wir eine Tankstelle an der wir übernachten.

Heute schaffen wir 247 Km von Mangawan bis Jabalpur. Der Vormittag vergeht mit "Staubschlucken" und unsanfter Schaukelei durch eine Kraterlandschaft, welche sich Highway 7 schimpft. Wir befürchten nicht einmal 100 Km zu schaffen. Aber dann gibt es plötzlich wieder richtige Teerstrasse, so dass wir relativ gut voran kommen. Wir bewegen uns ständig auf ca. 350 MN durch eine weite Ebene. Die Landschaft ist hier nicht so stark zersiedelt und es gibt sogar kurze Strecken, auf denen man keinen Inder sieht. D.h. man kann mal `ne Pinkelpause machen ohne Zuschauer.
Die Nacht verbringen wir wieder an einer Tankstelle, das ist sicher und spart den Wecker in der Früh.

328 Km Tagesleistung. Unglaublich. Dabei hätten es sogar noch mehr sein können. Relativ pünktlich kommen wir kurz nach Acht auf die Räder. Die Wasseraufnahme an der Tankstelle war nicht erfolgreich. Es gab zwar gefiltertes Wasser, dafür war der Strahl so dünn, dass er sich in unserem Schlauch glatt verlaufen hat. Wir fahren weiter auf dem Bypass um Jabalpur, der mehr schlecht als recht ist. Als wir wieder auf den Highway 7 kommen, staunen wir nicht schlecht, denn die Strasse ist wirklich gut. So kommen wir sehr gut voran und verlieren nur Zeit beim Telefonieren, denn wir versuchen Kontakt mit der Botschaft von Myanmar aufzunehmen. Da mit dem Handy nur in großen Städten Funkkontakt besteht, müssen wir in den Ortschaften anhalten, um über einen Telefon-Shop anzurufen. Beim dritten Mal haben wir Glück, aber die Auskunft ist auch nur, dass wir uns in zwei Wochen wieder melden sollen. Na gut, so bleibt uns wenigstens die Hoffnung erhalten. Ein weiterer Nagel im Hängerreifen kostet uns noch einmal fast eine Stunde. Wir hätten also bestimmt 400 Km heute schaffen können !!
Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich und grün. Viele Palmen wechseln mit Laub- und vereinzelt mit Nadelbäumen ab. Einige werfen gerade ihre Blätter ab, Andere zeigen jetzt zartes,  junges Grün. Es scheint, als ob die Region durch die wir gerade reisen, etwas wohlhabender ist, als wir es bisher von Indien gewohnt sind.
Auch heute bleiben wir wieder über Nacht an einer Tankstelle. Hier ist der Wasserstrahl so stark, dass wir nicht einmal 2 Minuten brauchen, um unseren 80 Litertank zu füllen. Dafür gibt es aber auch ein paar Algen gratis mit. Aber Dank Micropur und eigenem Filter ist das für uns kein Problem.
Wir haben keine Lust selbst zu kochen und gehen für umgerechnet 6,00 € essen. Es gibt Butter-Chicken und Nan und das schmeckt uns sehr gut.

19.12.2003

392 Km zeugen von, für indische Verhältnisse, recht guten Strassen. Von einer lebensrettenden Notbremsung abgesehen, Inder wollen beim Überholen nicht nur das Weiße im Auge des Entgegenkommenden sehen, sondern ihm auch einen Toilettengang ersparen,  lief es auch ganz ordentlich. Da wir gerade bei diesem Thema sind, wir haben grundsätzlich neue Erkenntnisse gewonnen. Triffst du einen Inder oder Inderin mit verkniffenem Gesicht, ist der Krug in der Hand noch voll Wasser. Haben sie dagegen einen verklärten, lächelnden Ausdruck im Gesicht, ist der Topf leer und irgendwo in deiner nächsten Nähe lauert eine Tretmiene auf dich. Davon sind Wege und Strassenränder reichlich gesegnet und es ist nicht ungewöhnlich, wenn du einen Inder auf frischer Tat antriffst. Besser Situierte fahren auch mit dem Fahrrad oder Moped dazu ein Stück raus, die Anderen erledigen das gleich vor ihrer Hütte an der Strasse.
Eine weitere wichtige Erfahrung konnte ich heute Abend machen. Als wir in Tupran an einer Tankstelle unseren Platz für die Nacht eingenommen hatten, musste ich leider mal wieder eine der Motorradbefestigungen reparieren. Im Nu waren 20 bis 30 der  grinsenden, kein Wort englisch sprechenden Inder um mich herum und zum Teil schon im Hänger drin. Den englisch Sprechenden kann man ja noch beibringen, wo die Grenzen sind und sich dabei noch unterhalten, aber was macht man mit den Anderen ? Es ist eine rabiate aber absolut wirksame Methode. Du gehst ganz dicht an einen von ihnen ran, untersuchst erst sein Hemd, das lässt er noch genauso lächelnd über sich ergehen, dann machst du dir an seinem Hosenbund zu schaffen, als wolltest du sie öffnen, der Inder fängt verschämt an zu lachen und  ist im Handumdrehen samt der Meute um ihn herum verschwunden. Nur der ganz harte Typ bleibt in sicherer Entfernung stehen und schaut dir aus respektablen Abstand weiter auf die Finger.

Nach weiteren rund 10 Stunden auf dem Highway stehen wir nun in Guntakal an einer sehr kleinen, dörflichen Tankstelle. Der Highway 7 war bis zum Abzweig Highway 63 recht ordentlich. Auf der 63 dagegen geht es schon wieder etwas rauer zu. Zum Teil einspurig, führt er durch viele Baustellen und ist in recht schlechtem Zustand. Dafür haben wir einen neuen Spruch an der Strasse gefunden, hier werden von offizieller Seite viele Schilder mit Ermunterungen oder auch Mahnungen aufgestellt. Da sie in englisch geschrieben sind, glauben wir jedoch nicht an ihre Wirkung. Heute stand unter anderem zu lesen: "Road indicated the culture of nation". Dem haben wir dann nichts hinzuzufügen.
Ansonsten empfinden wir das ländliche Indien, mit seinen Viehmärkten, dem Korn zum Trocknen auf der Strasse, den Ochsenkarren und den Holzpflügen als sehr angenehm. Natürlich hat eine Stadt wie Hyderabat eine interessante Skyline, aber ein Aufenthalt kommt, angesichts des Lärms und Staubes für uns nicht in Betracht. Je südlicher uns der Weg führt, um so mehr fallen auch wieder Moscheen und Minarette ins Auge und eine gewisse Ordnung und begrenzte Sauberkeit wird sichtbar. Wir glauben, das hat vielleicht etwas mit dem Koran zu tun, der doch zu einer gewissen Bildung und Erziehung führt.

Wir stehen ca. 70 Km vor der Küste an einer Tankstelle und werden hier übernachten. Die 330 Km bis hier her, waren entsprechend dem untergeordneten Highway 63 eher schlecht als recht, aber befahrbar. Die Landschaft gefällt uns sehr gut. Die Palmen beginnen sich durchzusetzen und die Temperatur steigt merklich an. Wolfgang hat uns von Agonda Beach gemailt und seine GPS Position durchgegeben. Wenn nichts mehr dazwischen kommt, müssten wir doch schon morgen dort eintrudeln.

Nach nur rund 150 Km stehen wir am Agonda Beach. Das wir noch vor dem 24. hier sind, hätten wir auch nicht mehr geglaubt, aber so gibt es nun noch das volle Weihnachtsprogramm. Wolfgang muss uns zwar kurz Hilfe leisten, weil wir uns im Sand eingegraben haben, aber dann haben wir unseren Platz für die nächsten vier Wochen gefunden. Und wie abgesprochen trudeln Mustafa und Petra keine Stunde später auch noch ein. Also ein großes Hallo. Wir baden sofort an und bei ca. 27° C Wassertemperatur macht das auch richtig Spaß. Danach noch mit Mustafa und Petra frischen Fisch essen und Erlebnisse austauschen. Schön ist, dass auch verschiedene Generationen zu den gleichen Empfindungen und Schlussfolgerungen kommen.

23.12.2003

Wir richten uns ein und nehmen die Bikes runter. Agonda Beach soll der einzige ruhige und weder durch Mensch oder Natur verbaute Strandabschnitt in Indien sein, der bis zum Wasser mit dem Fahrzeug frei zugänglich ist. Allerdings scheint dieser Teil auch fest in deutscher Hand zu liegen, denn außer Wolfgang und Mustafa stehen hier noch weitere 7 deutsche und ein holländischer Overlandfahrer. Der restliche Teil ist mit kleinen Bambushütten bebaut, welche von Backpackern und Pauschalreisenden belegt sind. Das Meer zeigt sich hier mit kleinen verspielten Wellen und einem Gezeitenunterschied von ca. 1,5 m. Ein gegen Mittag aufkommender Wind kühlt angenehm und unser Windrad macht ein paar Umdrehungen zur Unterstützung unserer Solarzellen.

Selbst hier - rund 14.000 Km von Deutschland entfernt - kommt nicht nur bei uns ein wenig Weihnachtsstress auf. Karin, Petra und Cordula bereiten das Essen für heute Abend vor. Wolfgang und ich fahren mit dem Moped Fleisch und Bier holen. Beim Fleischer ist Hochbetrieb und Schlangestehen angesagt. Die Ursache dürfte darin begründet sein, dass die Provinz Goa überwiegend christlich geprägt ist und hier somit auch richtig  Weihnachten gefeiert wird.
Am Abend grillen wir unser Beef und die Auberginen. Dazu gibt es Gurken- und Kartoffelsalat. Und natürlich reichlich Gerstensaft. Später gehen wir noch zum Gottesdienst. Es ist eine katholische Gemeinde, dem entsprechend beginnt der Gottesdienst erst um Mitternacht. Da er sich doch sehr von dem Gewohnten zum Heiligabend unterscheidet und wir natürlich auch kein Wort verstehen, verlassen wir die Kirche noch vor dem Abendmahl. Der nächtliche Spaziergang bei klarem Sternenhimmel stimmt uns auf die Feiertage ein.

25.12.2003

Wir genießen die Ruhe rings um uns.

26.12.2003

Mit den Bikes erkunden wir die nähere Umgebung und kaufen etwas ein. Die Landschaft ist geprägt von Mangroven und Palmen. Aus für uns noch nicht nachvollziehbaren Gründen ist hier vieles preiswerter als woanders in Indien.

27.12.2003

Da bis 01.01.2004 bei der örtlichen Telefonstelle alle Anrufe um 50% billiger sind, gehen wir ausgiebig telefonieren. Unsere guten Absichten werden aber nur zum Teil von Erfolg gekrönt, denn ein guter Teil der Verwandtschaft ist offensichtlich selbst unterwegs.

28.12.2003

Ein schöner Badetag mit vielen schönen und auch großen Wellen. Außerdem ist heute Zahltag, d.h. immer Sonntags werden 200 Rupees pro Woche für diesen Stellplatz vom Grundstückseigentümer kassiert. Dafür wird der Strandabschnitt bewacht, ja sogar gefegt und der Müll abgeholt.

Mit den Motorrädern fahren wir nach Margao, der zweitgrößten Stadt in der Provinz Goa. Wolfgang hat sich dafür mit einem anderen Strandurlauber einen Motorroller gemietet und fährt selbst damit auf direktem Weg über den Highway. Wir nehmen Karin mit und fahren über eine kleine Küstenstrasse, mit einem Abstecher zu einer Landzunge, auf welcher einst ein ganz ansehnliches Fort gestanden haben muss. Heute finden sich nur noch Reste von Wehrtürmen, Mauern und Kanonen. Auf dieser kleinen Strassen gibt es das dörfliche Leben aus nächster Nähe. In Margao finden wir auf Anhieb unseren Wolfgang wieder und ein schönes kleines Lokal mit guter Küche. Danach geht es auf den Gandi Markt. Hier gibt es fast alles und es ist ein buntes Treiben. Auch wir kaufen etwas ein. Angefangen von Gewürzen bis zum Edelstahleimer - wir müssen uns ja zur Zeit mit Wasser aus einem Brunnen versorgen - der hier nach Gewicht verkauft wird. Das Kilo Eimer kostet 140,00 Rs.
Wir trennen uns von Wolfgang und Karin, die noch weiter shopen wollen und fahren zurück, um noch ein erfrischendes Bad zu nehmen. Beim Abschied witzelt Wolfgang noch, wenn sie bis 18.00 Uhr nicht wieder da seien, sollten wir ihnen entgegen fahren. Er hat halt wenig Vertrauen zu seinem Roller. Aber wie das Leben so spielt, als gegen 18.30 Uhr von den Beiden noch keine Spur zu sehen ist, ziehe ich mich wieder an. Kurz bevor ich starte, kommt Karin und erzählt, dass der Roller tatsächlich den Geist aufgegeben hat und sie per Anhalter zurück gekommen ist. Wolfgang steht irgendwo 20 oder 25 Km von Agonda Beach auf dem Highway. Leider sind diese Angaben nicht sehr genau, aber ich mache mich sofort auf den Weg. Ein paar Gurte habe ich immer dabei, schließlich sind wir meist mit zwei Maschinen unterwegs. Leider kommt die Dunkelheit sehr schnell und mir wird bald klar, dass es sehr schwer wird, Wolfgang zu finden, vor allem wenn er seinen Roller doch wieder flott bekommen haben sollte, denn bei Gegenlicht - in Indien fährt man grundsätzlich aufgeblendet - werde ich ihn kaum von den vielen anderen Rollern unterscheiden können. Hinzu kommt, dass es mehrere Wege zum Beach gibt und die Gefahr besteht, dass wir uns verfehlen. Ich fahre ca. 35 Km in Richtung Margao zurück und finde Wolfgang leider nicht. Etwas vom nächtlichen indischen Verkehr genervt, gebe ich auf und düse zurück. Als ich am Beach ankomme, bin ich froh Wolfgang dort zu sehen, der einen Dreiradtransporter mit 200 Rs. dazu gebracht hat, ihn samt seinem Roller hier her zufahren, denn lange am Highway im Dunklem hätte er bei der Fahrweise in Indien sicher nicht unbeschadet überstanden. So sind wir alle froh wieder beisammen zu sein, ohne das einer Schaden genommen hätte.

Baden, baden und nochmals baden.
Als ich am Nachmittag aus dem Internet-Café komme, sehe ich wie Heidi ihren Bernd am Seil nach Hause schleppt. Die Beiden sind auf ihren KTM 640 unterwegs und haben auch Australien im Visier. Später erfahre ich, dass die Ursache eine gebrochene Vergasernadel ist.

31.12.2003

Am Vormittag erledigen wir ein paar Einkäufe für den bevorstehenden langen Abend. W & K haben uns zu Eisbein und Sauerkraut eingeladen und wir bereiten für späte Stunden noch eine feurige Gulaschsuppe vor.
Nach dem Eisbeinessen feiern wir mit Karin und Wolfgang ins neue Jahr hinein.

01.01.2004

Etwas später als gewöhnlich stehen wir auf. Gegen Mittag kommt Bernd, dem ich versprochen hatte, mir die Vergasernadel mal anzuschauen, eventuell kann man ja mit der Zweikomponenten Schweißpaste etwas machen. Aber so etwas habe ich auch noch nicht gesehen. Im oberen Drittel fehlen gut 6 mm Material und der dünne, seitlich übrig gebliebene Steg ist verständlicherweise durchgebrochen. Ich vertröste Bernd auf den nächsten Tag, denn die Paste braucht Zeit zum aushärten und mache mich an die Arbeit.

02.01.2004

Gute und schlechte Nachrichten wechseln sich den ganzen Tag ab, aber die Guten überwiegen. Die Schweißpaste hat es nicht gebracht, entweder ist sie schon zu alt (7 Jahre) oder die Mischung hat nicht gestimmt, denn sie härtet nicht richtig aus und ich bin mit dem Ergebnis unzufrieden. Als Bernd kommt, orakeln wir gemeinsam, was man nun noch tun könnte. Da fällt mir meine Ramschkiste ein. Wie sich herausstellt, ist sie doch von unschätzbaren Wert. Denn tatsächlich findet sich ein Stück Draht im richtigen Durchmesser. Mit Bohrmaschine als rotierende Spindel und Dreikantfeile als Stahl, machen wir uns daran, dem Draht die richtige Form zu geben. Auch die Nut zum einhängen, entsteht auf diese Weise.
Während ich unruhig auf das Ergebnis unserer Bemühungen, einer knatternden KTM, warte, kommt Cordula vom Telefonieren mit der Nachricht, wir dürfen unsere Visaanträge in der Botschaft von Myanmar in Delhi einreichen, denn die Genehmigung zur Einreise mit eigenem Fahrzeug liegt vor. Wir freuen uns riesig, obwohl uns klar ist, bevor wir die Grenze  nicht überschritten haben, sind auch noch Enttäuschungen möglich, wir wären nicht die Ersten, die an der Grenze zurückgewiesen werden.
Dann ein beruhigendes Geräusch, zwei KTM’s knattern heran. Bernd meint im unteren Drehzahlbereich läuft sie etwas unruhig, aber er kommt damit zurecht. Zur Feier des Tages gehen wir gemeinsam Essen und treffen dort noch Brian & Shirley aus Brisbane Australien, die auf einer BMW R 1150 GS unterwegs sind. Die Beiden hatten uns auf dem Highway 7 schon einmal überholt. Brain wollte unbedingt mal auf die "Isle of Man", aber von Australien aus wären sie ständig im Winter unterwegs gewesen, deshalb haben sie die Maschine verschifft und sind nach UK geflogen. Nun auf dem Rückweg haben sie schon rund 40 TKm hinter sich, immer Sommer und sind sehr glücklich. In Australien kann auch ein Chefinspektor mal eine Auszeit von einem Jahr nehmen, ohne seinen Job zu verlieren.

03.01.2004

Ein ruhiger Badetag.

04.01.2004

Heute machen wir Hausaufgaben. Wir vervollständigen unsere Unterlagen für die Visabeantragung und verfassen Anschreiben dazu. Cordula macht das recht gut, sie hat schon eine Menge Englisch auf dieser Reise dazu gelernt.

05.01.2004

Zeitig schwingen wir uns auf unsere Bikes und fahren Richtung Flughafen, ca. 20 Km hinter Margao, auf einer Landzunge gelegen. Unserer Erfahrung nach, muss es dort Kurierdienste geben, die unsere Papiere nach Delhi zur Botschaft bringen. Bei einem Telefonat am Morgen mit der Botschaft, wurden wir auf einen weiteren Anruf vertröstet, da uns niemand verbindlich sagen konnte, ob eine Bearbeitung per Kurier möglich sei. Wir gehen aber fest davon aus, da wir auf diese Art schon manches Visa bekommen haben. Die Fahrt auf dem Highway ist wie immer etwas nervig, aber wir kommen gut voran. Auch sind wir ja an die Fahrweise der Inder schon etwas gewöhnt. Am Flughafen selbst befindet sich kein Kurierdienst, aber ein Mitarbeiter von Jet Air zeigt uns ein Büro oder besser eine Annahmestelle von Aramex in der City. Hier ist schon verwirklicht, was in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt. Das Büro ist ein Schubfach und ein PC, der in einem Copy-Shop steht. Die Deutsche Post hätte ihre helle Freude an diesen System. Aber alleine hätten wir das nie gefunden. Da wir zwischenzeitlich grünes Licht für den Kurier von der Botschaft bekommen haben, schicken wir unsere Unterlagen ab, in der Hoffnung diese bald wieder zu sehen. Den Rückweg verschönern wir uns wieder etwas, in dem wir einer kleinen Strasse an der Küste folgen und so dem dichten Verkehr entgehen.

06.01.2004

Wir starten recht früh zum Einkaufen, denn wir wollen auf den Fischmarkt. Heute Abend legen wir Scampis und Kalimaris auf den Grill, schön in Knoblauchöl. Mhhh, lecker !!

Eine gute Freundin hat bei unsrer Abreise gemeint, dass "immer nur Urlaub" auf Dauer langweilig werden müsse.  Das ganze Gegenteil ist der Fall, wir haben nie Zeit. Dieser Tag ist auch schon wieder voll verplant. Am Vormittag ins Internet, am Mittag unseren Papieren hinterher telefonieren und am Nachmittag Wasser bunkern. Das Internet-Café habe ich heute für mich allein. Stromausfall, was aber meinem Laptop nicht trifft, die Batterie reicht für eine gute Stunde und das Telefon braucht glücklicherweise keinen Strom. So manch anderer abgewiesener Tourist versteht die Welt nicht mehr - ich kichere still vor mich hin. Dann am Mittag die Nachricht, unsere Dokumente sind noch nicht in der Botschaft eingetroffen. Natürlich macht sich Unruhe breit, obwohl wir uns gegenseitig versichern, dass alles noch im grünen Bereich ist. Morgen sind sie bestimmt da - na hoffentlich.
Wie schon beschrieben, müssen wir unser Wasser aus einem Brunnen schöpfen und man glaubt es kaum, aber der Mensch braucht reichlich davon. Trotz ausgegebener Sparsamkeitsappelle dürften es, ohne Trinkwasser,  rund 10 Liter pro Nase und Tag sein. Da wir nicht jeden Tag schöpfen wollen, machen wir einmal die Woche alle geeigneten Gefäße voll, dass sind dann rund 150 Liter, sprich 30 Eimer aus dem Brunnen. Wie das dann aussieht, kann man auf den Bildern sehen. Fazit: Wir sind hungrig wie die Löwen, als es zum Abendessen geht.

08.01.2004

Schon wieder im Internet, weil wir auf eine Nachricht von Irwin warten, er will uns noch Dichtungen schicken. Mit HDW-Schiffstechnik stehe ich auch z. Zt. in E-Mail Kontakt, weil unser Satellitentelefon immer nur Fehlermeldungen ausspuckt. Dann die gute Nachricht, unsere Papiere sind in der Botschaft angekommen und morgen Abend fertig. Der Wermutstropfen, sie wollen die Papiere nicht unfrei zurück schicken. Also noch ein Brief an die Botschaft mit 150 Rs. drin und schon haben wir für morgen auch wieder eine Aufgabe, nämlich wieder einen Kurierdienst suchen und beauftragen. Diesmal wollen wir aber unser Glück gleich erst einmal in Margao versuchen.

09.01.2004

In Margao haben wir auch Glück, schon beim zweiten Anlauf finden wir einen Kurierdienst. Bei dieser Gelegenheit fahnden wir auch gleich nach einem Service, der dann unser S-Telefon nach Deutschland transportiert, was natürlich schwieriger wird. Aber zu guter Letzt finden wir eine Vertretung von Sky-Net, die für 140,00 € den Versand vornehmen will. Na wir schauen mal was uns HDW dazu schreibt und werden das Internet noch einmal bemühen, vielleicht gibt es ja auch einen Dealer von Thrane & Thrane der näher ist. Die Fahrt auf der Küstenstrasse macht auf den Mopeds schon richtig Spass, vor allem jetzt, wo wir die Strecke schon etwas besser kennen. Morgen beginnt glücklicherweise das Wochenende und wir können mal wieder richtig relaxen.

10.01.2004

Ein schöner ruhiger Badetag. Am Abend fahren wir nach Palolem, dem am nächsten gelegenen Touristentreffpunkt. Ein kleines Dorf, eingezwängt zwischen Meer und Palmenwald. Die zum Strand führende Dorfstrasse ist zur Shopping-Mail umfunktioniert und ein Verkaufsstand drängt sich an den Anderen. Zum Gaudi der einheimischen Jugend, tragen hier spärlich bekleidete, weißhäutige und meist etwas aus der Form gegangene Frauen zwischen 16 und 60, ihre Haut zu Markte, wobei der Wahrheit zu liebe erwähnt werden muss, dass ihnen ihre männlichen Begleitungen, soweit vorhanden, dabei in nichts nachstehen. Irgend jemand muss diesen armen Menschen weisgemacht haben, dass man in Indien nur barfuß geht. So kommt zu dem Äußeren auch noch der Ausdruck des Schmerzes, wenn der Unrat auf der Strasse durch die zarte, des barfuß seins ungewohnte Haut zu dringen droht.
Wir finden zwischen den Buden ein nettes Lokal mit gutem Essen und einem Tisch direkt neben der Shopping-Mail und schließen uns den Betrachtungen der örtlichen Jugend an. Es wird ein lustiger Abend.

11.01.2004

Wir verbringen den Sonntag in aller Ruhe und chaten am Nachmittag drei Stunden im Internet mit Freunden und Verwandten. Wir haben den einzigen Internetzugang im Dorf dafür schon eine Woche im voraus reserviert.

12.01.2004

Ein kurzer Einkaufstrip (um für’s Abendbrot zu sorgen) und ein Besuch im Internet unterbrechen den schönen Tag am Meer.

13.01.2004

Der Blick ins Netz hat uns die Auskunft beschert, es führt kein Weg an HDW vorbei, wir müssen unser Telefon nach Deutschland zu Garantiereparatur einschicken. Also großes Verpacken ist angesagt. Dabei möglichst wenig Gewicht in die Verpackung stecken und trotzdem sicher einpacken. Nach indischer Sitte vernähen wir das Packet von allen Seiten.

Zeitig stehen wir auf und fahren mit den Bikes auf der schon erprobten Küstenstrasse nach Margao, um unser Packet auf den Weg zu bringen. In Margao angekommen, besuchen wir als erstes ein Internet-Café, um uns selbst ein Bild von der Preisgestaltung zu machen. Glücklicherweise sind alle bedeutenden Kurierdienste im Netz vertreten und zeigen dort auch ihre Tarife - auch von Indien nach Germany. Wir gehen direkt zu dem FedEx-Dealer, der uns am Freitag zu teuer war. Da wir nun das exakte Gewicht von 7 Kg angeben, sind wir auf den Preis gespannt. Wir können ein Telefongespräch mit der Zentrale mitverfolgen, in welchem deutlich ein Preis von 4.500,00 Rs. genannt wird, was unserer Liste aus dem Netz entsprechen würde. Der Dealer verlangt dann aber genau 2.000,00 Rs. mehr. Die Begründung geht in unverständlichem Kauderwelsch unter und unser Hinweis auf die Preisliste und das eben geführte Gespräch machen ihn zwar sichtlich nervös, beeindrucken ihn aber nicht wirklich.
Also machen wir uns guter Hoffnung auf zu Sky-Net, die ja bei unserem ersten Besuch versicherten - No problem. Wir freuen uns schon, als auch der Preis fast dem aus der Internetliste entspricht, als plötzlich bei der Rücksprache mit der Zentrale die Auskunft kommt, Sky-Net hat keine Berechtigung Elektronik ins Ausland zu versenden. Warum, wieso, weshalb - nur Achselzucken. Auf Nachfrage werden wir nun an DHL verwiesen und die Nachfrage in Mumbai ergibt, dass DHL einen Dealer in Margao hat, was den Damen von Sky-Net auch völlig neu zu seien scheint. Wir machen uns also erneut auf den Weg mit unserem Packet. Nach kurzer Diskussion auch hier - No elektronic. Mir platzt der Kragen. In einem Gemisch von Englisch und Deutsch schimpfe ich wie ein Rohrspatz. Schließlich handelt es sich ja um international operierende Gesellschaften mit einem, so nimmt man an, internationalen Standart und dieses Gerät wird auch nicht das erste Mal per Kurier versandt. Nach weiteren Telefongesprächen wird unser Packet dann doch angenommen, nicht ohne vorher wieder ausgepackt zu werden und mit dem Hinweis, dass es durchaus seien könne, dass das Packet aus Mumbai wieder zurück kommt, weil wir keine behördliche Ausfuhrgenehmigung für elektronische Geräte nachweisen können. Wir löhnen für diesen großartigen Service 5.500,00 Rs. und gehen sofort wieder in`s Internet-Café zurück, um eine Reklamation an die DHL Zentrale in Deutschland abzusetzen. Erst danach sinkt mein Blutdruck wieder auf ein normales Maß und wir fahren Richtung Agonda Beach zurück.
Hier angekommen, forschen wir bei der Post nach unseren Unterlagen aus Delhi nach - ohne Erfolg, was zu weiteren Telefonaten führt. Nach rund zwei Stunden und zig Telefonaten haben wir in Erfahrung gebracht, dass der Brief mit unseren Pässen in Verna, rund 20 Km hinter Margao bei einem Büro von Blue-Dart liegt und das Canacona (Agonda) nicht zum Zuständigkeitsgebiet dieses Kuriers gehört. Wir müssen unseren Brief von dort abholen! Den Rest des Tages bin ich auf 180 und kann von Glück sagen, dass kein Inder auf Armeslänge an mich rann kommt. Nur Cordula muss sich den ganzen Abend mein Geschimpfe anhören.

Also müssen wir auch heute wieder zeitig raus, um erneut Richtung Margao und dann weiter nach Verna zu fahren. Auf dem Hinweg schließt sich Mustafa uns an, der nach Panaji will, um einen Versuch zu starten, ebenfalls eine Einreisegenehmigung mit Fahrzeug nach Myanmar zu erhalten. In Verna finden wir auch recht schnell das Büro von Blue-Dart. Nach dem wir unsere Unterlagen in den Händen haben, mach ich noch einen Anlauf meinen Frust loszuwerden. Aber ich muss zurückstecken, da der Mitarbeiter mir nachweist, dass auf dem Umschlag der Pincode von Verna und nicht von Canacona angegeben ist. Nach weiteren Nachfragen stellt sich dann raus, wäre der richtige Pincode angegeben worden, hätte Blue-Dart die Sendung nicht angenommen, weil Canacona nicht in ihre Zuständigkeit fällt.
Was soll’s, wir haben endlich unser Visa für Myanmar mit genehmigter Streckenführung und feiern am Abend mit Petra und Mustafa unseren Teilerfolg in Palolem mit Strandbesuch und einem schönen Abendessen, denn noch sind wir nicht über die Grenze und noch ist alles Unmögliche möglich !!

16.01.2004

Auf der gestrigen Fahrt zum Abendessen ist mir ein Insekt in Gesicht geknallt und hat mich direkt unter dem rechten Auge gestochen. Nachdem wir den Stachel entfernt hatten, schien das Problem erledigt. Heute Morgen bin ich allerdings einäugig aufgewacht und trotz Salbe und Kühlung, sitze ich jetzt immer noch mit einem verschwollenen Auge hier. Ich hoffe auf Morgen.

17.01.2004

Es ist wieder Wochenende und wir fahren auf den Markt. Samstags gibt es hier das umfangreichste Angebot. Wir kaufen reichlich Obst und Gemüse ein und für heute Abend frischen Fisch. Den wollen wir mit Petra & Mustafa sowie Karin & Wolfgang am Abend auf den Grill legen. Mit einem großen Kingfish und sechs Makrelen bewaffnet, kommen wir zurück. Trotz meiner leider anhaltenden Einäugigkeit nehme ich erst einmal den Fisch aus und portioniere den großen Kingfish, der sich wegen seiner wenigen Gräten schön in Scheiben schneiden lässt. Dann ab in den Kühlschrank. Am Abend holen wir uns eine große Schüssel voll Pomfrites dazu und lassen es uns schmecken. Es wird ein langer Abend, denn schließlich muss der Fisch ja schwimmen !

18.01.2004

Da wir heute mal keine Aufgaben zu erledigen haben, wird es ein schöner ruhiger Badetag. Zur Abwechslung kommen an den Wochenenden viele Inder hier an den Strand und wir können das Treiben aus sicherer Entfernung beobachten, ohne ständig belagert zu werden.

19.01.2004

Wir gehen gespannt und mit gemischten Gefühlen ins Internet, um unsere Sendung nach Hamburg zu HDW zu verfolgen. Die Freude ist groß, als wir sehen, dass unser Paket allen pessimistischen Vorhersagen zum Trotz bereits angekommen ist. Was den Sinneswandel nun hervorgerufen hat, ohne eine Exportgenehmigung die Sendung nach Deutschland zu bringen, bleibt uns verborgen, auf unsere Reklamation haben wir jedoch nie eine Antwort erhalten. Na egal, Hauptsache es ist angekommen und wird repariert. Sicher wird der Rücktransport auch noch einmal eine spannende Angelegenheit.

20.01.2004

Auf diese gute Nachricht hin gönnen wir uns einen sehr ruhigen Badetag.

21.01.2004

Langsam wird es Zeit sich etwas um unser Fahrzeug zu kümmern. Als erstes nehme ich mir am Nachmittag die Servolenkung vor. Am Anfang waren es nur Tröpfchen, die am nächsten Tag unter dem Motorraum von der Undichtheit zeugten. Mittlerweile komme ich mit Öl nachfüllen nicht mehr hinterher. Leider ist dieses Teil weder im Handbuch, noch in den Werkstattunterlagen beschrieben. Hinzu kommt, dass der Deckel der Servolenkung direkt unter der Lichtmaschine sitzt, die ich aber ungern ausbauen möchte. Da aber deutlich sichtbar ist, dass der größte Teil des Ölverlustes durch den scheinbar undichten Deckel verursacht wird, muss er einfach ab. Die vier Schrauben sind bald gelöst. Kopfzerbrechen macht eine Mutter die auf einer Imbusschraube in der Mitte des Deckels sitzt und deren Funktion mir unklar ist. Da es langsam dunkel wird, packe ich erstmal zusammen, morgen ist auch noch ein Tag.

22.01.2004

Gegen Mittag mache ich mich wieder über die Servolenkung her. Cordula geht mit Mustafa telefonieren, schließlich brauchen wir noch die Einreisegenehmigungen für die nordöstlichen Provinzen, welche auf Grund ständiger Unruhen als nicht sicher gelten.
Das Geheimnis der Imbusschraube habe ich bald gelöst, aber eine Dichtung ist unter dem Deckel nicht zu finden. Also lege ich eine Schicht Dichtungsmasse auf und mach das Ganze wieder zu, in der Hoffnung, das Problem damit beseitigt zu haben. Da die Dichtmasse Zeit zum abbinden braucht, kommt der spannende Moment erst morgen.
Cordula hat auch mehr schlechte als gute Nachrichten. Wir müssen mindestens zu viert sein oder aber wenigsten verheiratet, um das Permit zu bekommen. Die gute Nachricht ist, das Permit wird in Kalkutta an einem Tag ausgefertigt, also keine lange Bearbeitungszeit. Wir haben nun ausreichend Zeit uns zu überlegen, ob wir eine Dampferfahrt machen und uns vom Kapitän trauen lassen oder lieber eine Reisegruppe organisieren.

23.01.2004

Beim morgendlichen Gang ins Internet wieder eine gute Nachricht. Unser S-Telefon ist bereits auf dem Rückweg. Laut HDW ist ein Versand in diese Region Indiens mit DHL nicht möglich, aber nun hat UPS den Transport übernommen. Wir sind sehr gespannt, wo wir diesmal hin müssen, um unser Paket abzuholen.
Ich schiebe die Funktionsprüfung der Servolenkung schön vor mir her, was wenn da immer noch Öl ausläuft? Am Nachmittag fasse ich mir ein Herz und siehe, sie scheint dicht zu sein. Hier im Sand und hinten aufgebockt kann ich zwar keinen Volleinschlag testen, aber die Baugruppe bleibt bei normalen Lenkbewegungen trocken, was ja doch schon ein erheblicher Fortschritt ist.

24.01.2004

Heute soll gegen 14.30 Uhr der Kurier mit den Dichtungen kommen, welche uns Irwin aus Kathmandu schickt. Dann warten wir nur noch auf die O-Ringe für den Air-Locker. Die schickt uns Steffan aus Australien. Wenn alles da ist, geht noch einmal das Geschraube richtig los, denn wir wollen ja bald den nächsten Teil unserer Reise in Angriff nehmen. Aber der Kurier lässt mitteilen, er kommt erst morgen, gleiche Zeit. So ist Indien.

25.01.2004

Sonntägliche Ruhe. Cordula ist mit Nadel und Faden beschäftigt und ich mit unserem Tagebuch. Mal sehen, ob der Kurier heut Lust hat, nach Agonda zu kommen. Er kommt wirklich und auch noch fast pünktlich. So sind Dank Irwin die Dichtungen für unsere Achse da und wir können mit dem Einbauen beginnen.

Einkaufen steht ganz oben auf unserem Merkzettel. Am Wochenende haben wir unseren Kühlschrank abgetaut und nun soll vor allem das Gefrierfach neu bestückt werden. Beim Fleischer (eine Wellblechbude mit 2 Tiefkühltruhen und einem elektr. Fleischwolf) gibt es unter anderem 1 Kg Beef für ca. 1,00 €. Hühner werden sofort frisch geschlachtet (Kopf ab) und nur im Ganzen verkauft. Da in Indien und sicher auch in Myanmar Chicken Hauptnahrungsmittel ist, konzentrieren wir uns auf Beef und Lende. So kommt dann Abwechslung in den Speiseplan.
Am Nachmittag beginne ich die Steckachsen auszubauen. Ich bin froh, als ich keine neuen Verschleißspuren sehen kann. Wie es scheint, rührt unser Problem doch im Wesentlichen von der Qualität der eingebauten Teile her. Die Demontage der linken Radaufhängung hebe ich mir für den nächsten Tag auf.
Eine kurze Abwechslung kommt in Form dreier "Scheinheiliger" samt Elefanten. Der arme Wolfgang muss später einen ordentlichen Haufen vor seiner Tür wegschaufeln.

27.01.2004

Die Sendungsverfolgung im Internet hat ergeben, unser S-Telefon liegt seit drei Tagen in Mumbai und rührt sich nicht mehr vom Fleck, was nur neuen Ärger bedeuten kann. Cordula beginnt noch am Nachmittag mit dem Telefonmarathon.
In der Zwischenzeit beginne ich die Radaufhängung auseinander zu nehmen. Das geht auch ganz gut und ich finde sogar die Dichtung, welche das Lager zum Achsstumpf hin abdichtet. Leider sieht sie etwas anders aus, als die Neue von Irwin. Während ich noch das Orakel befrage, kommt Marcel, ein Landyfahrer aus Holland, vorbei. Er ist auch unterwegs nach Australien und wir sind uns bald einig, das die Dichtung eine Weiterentwicklung ist. Nur die Dichtung für die Achswelle haben wir noch nicht gefunden, aber wie es aussieht, muss auch noch der Achsstumpf abgebaut werden. Marcel hat ein Handbuch für den 90er Landy und bringt es am Abend noch vorbei.
Als Cordula vom Telefonieren zurück kommt, gibt es in der Tat wieder schlechte Nachrichten. Der Zoll ist der Meinung, dass wir auf unser Eigentum, welches nur zur Reparatur das Land verlassen hat, nun rund 1.000,00 € Zoll bezahlen müssen, um es wieder zu bekommen. Ein böser Scherz.

28.01.2004

Fast der ganze Tag vergeht mit telefonieren und Recherche im Internet. Wir schicken eine ausführliche Mail zu UPS nach Mumbai und treten den Beweis an, dass wir das Gerät erst am 14.01.04 nach Hamburg zur Garantiereparatur geschickt haben.
Ich bin stinksauer und lasse heute lieber die Finger von meiner Radaufhängung, zum Schluss mache ich nur noch etwas kaputt, vor Frust.

29.01.2004

Wir teilen uns wieder auf. Cordula kämpft weiter an der UPS-Front und ich mache mich über den Rest der Radaufhängung her. Der Achsstumpf macht es mir nicht gerade leicht, aber nach einigem hin und her kann er meinen 1,5 m langen "Hebelargument" nichts mehr entgegen setzen und gibt auf. In seinem Inneren finde ich dann auch den lange gesuchten Dichtring, welcher offensichtlich von dem Monteur in Lucknow nicht so liebevoll behandelt wurde, denn seit dieser Reparatur läuft uns ja das Öl aus dem Radlager. Also alles schön sauber machen, hier mitten im Sand gar nicht so einfach, dann neuen Dichtring einsetzen und Achsstumpf wieder montieren.
Nur gut, dass wenigstens ich ein Erfolgserlebnis hatte. Cordula kommt fix und alle vom Telefon zurück. Genervt vom ständigen Vertrösten und Weiterreichen, ohne tatsächlich einen Schritt weiter zu kommen.

30.01.2004

Wir verfassen böse Briefe und Mail’s an Alle, die damit zutun haben, ja bis zum Finanzminister. Während Cordula unseren Frust an die Adressaten verteilt, baue ich die Radaufhängung wieder zusammen. Schön mit viel Fett gestopft, kommen die Lager wieder an Ort und Stelle. Schwieriger wird es schon beim Anziehen der Radlager. Erst richtig fest und dann wieder eine Viertelumdrehung lösen? Oder wie war das? Ich bemühe mich den Punkt zwischen festen Sitz und freien Lauf zu finden und hoffe, es ist mir gelungen. Marcel kann ich leider nicht mehr um Rat fragen, denn er hat es offensichtlich eilig nach Australien zu kommen und ist schon wieder unterwegs.

Die Telefonitis greift weiter um sich. Wir sollen jetzt Exportdokumente, Preislisten und Kataloge beibringen! Ich frage mich wirklich, was in den Köpfen dieser Leute so vor sich geht. Auf der Post fahnden wir wieder nach unseren O-Ringen aus Australien, aber ohne Erfolg. Dafür war ein Kurier da gewesen. Unser Paket von Carsten? (ein Freund meinte beim letzten Chat wir bräuchten dringend ein Fresspaket) Oder doch unsere O-Ringe? Und zu unserer Überraschung hat der Postbeamte dann noch ein großes Paket für uns. Ebenfalls gute Freunde haben unsere postlagernde Adresse zum Anlass genommen, uns ein "Carepaket" ohne Vorwarnung, als wirkliche Überraschung zu schicken. Die Freude ist groß und lenkt etwas von unserem UPS Stress ab. Schokolade und Schinken machen bekanntlich sehr glücklich! Cordula bügelt und liest sogar das “Stopfmaterial”, neueste Nachrichten und Anzeigen aus der guten alten Leipziger Volkszeitung. Als wir dem Kurier noch nach telefonieren, erfahren wir, dass wir am Montag einen Brief in Margao abholen können. Von wem er ist, kann uns nicht gesagt werden.

01.02.2004

Nach all dem Ärger der letzten Tage machen wir uns einen ruhigen Sonntag. Am Abend gibt es zum Bier "Pommelbären" - mmh, fast wie früher zu Hause. Na ja, man gönnt sich ja sonst nicht’s.

02.02.2004

Zeitig geht es nach Margao. Der Brief ist leider nicht der Erwartete aus Australien, sondern nur eine Zusammenfassung aller blödsinnigen Forderungen des Zolls, die uns UPS geschickt hat. Zeitverschwendung. Wir machen das Beste daraus und kaufen noch etwas in Margao ein. Da heute schon wieder ein Feiertag in Indien begangen wird, können wir bei den Behörden nichts mehr ausrichten. So bereiten wir am Nachmittag eine Großoffensive per Fax und Mail für den nächsten Tag vor.
Da wir natürlich jedem der es hören will, oder auch nicht, unser Leid klagen, erfahren wir bald, dass es schon vielen so gegangen ist. Marcel erzählte von einem Ersatzteil, welches er zum Schluss persönlich mit 48 gestempelten Papieren auslösen musste, Wolfgang hat einen Overländer getroffen, dem es gelang sein Ersatzgetriebe im Austausch gegen das Alte ohne Zollgebühr frei zu bekommen und Lisa u. Richard  aus UK (eigentlich sind sie Kiwis, haben aber mehrere Jahre in UK gelebt und nun zieht es sie zurück nach ihrem geliebten New Zealand), ein Pärchen das gerade mit einer Yamaha hier ist, haben einen völlig abgefahrenen Hinterreifen und bekommen in Indien keinen Ersatz. Wenn sie sich einen passenden Reifen schicken lassen, müssen sie 500% Zollgebühr bezahlen. Sie wollen jetzt mit ihrem Moped per Bahn nach Nepal weiterreisen und dort nach einem Reifen suchen. Richard hat schon angefragt, wie es mit Ersatzreifen für unsere Bikes aussieht und ich glaube, er hat gesehen, dass es von der Größe her passen könnte.

03.02.2004

Wir schießen an allen Fronten - natürlich nur mit Papier - und erfahren bis zum Mittag, dass sich die Gebühr halbiert hat. Jetzt sollen wir "nur noch" 500,00 € bezahlen. Lisa u. Richard kommen auch noch mal auf die Frage mit dem Ersatzreifen zurück. In Anbetracht der Situation in Indien und unter dem Aspekt, dass wir noch drei Hinterreifen als Ersatz mit uns rumschleppen, lass ich mich leichten Herzens überreden, einen abzugeben. Er will ihn Morgen aufziehen lassen und ich bin gespannt, ob alles gut geht, denn der Enduro 3 ist 2 cm schmaler, als sein Strassenreifen. Normalerweise kein Problem, aber er fährt mit Sozia und voller Beladung.

04.02.2004

Unser erster Weg führt wie nun fast jeden Tag ins Internet. Wir finden eine Seite, auf der alle öffentlichen und staatlichen Behörden verzeichnet sind. So machen wir uns noch mal richtig Luft und schicken allen, die auch nur im entferntesten etwas mit Zoll zu tun haben könnten, eine entsprechende Mail. Während Cordula wieder telefoniert, kommt Richard mit dem Reifen zurück. Da doch 2 cm fehlten, haben sie den schlauchlosen Reifen nicht dicht bekommen. Was kein Wunder ist, da die Werkstätten nicht über ausreichend Druckluft verfügen, um den nötigen Anfangsdruck herzustellen. Außerdem haben sie die Wulst statt mit Seife nur mit Talkum eingerieben und Talkum löst sich leicht, statt zu kleben! Na ja, ein Versuch war’s wert und an mir hat’s nicht gelegen.
Cordula hat dafür wieder eine gute Nachricht. Wir sollen nun "nur noch" rund 100,00 € Zoll bezahlen. D.h. auf den Reparaturwert von 200,00 € den es ja eigentlich gar nicht gibt, denn es war ja eine Garantieleistung. Die 200,00 € hat Hagenuk als  Wert des Gerätes angegeben. Dafür soll es nun aber vom Zoll freigegeben sein und sich auf dem Weg nach Margao befinden.

05.02.2004

Dies bekommen wir nun auch von allen möglichen Stellen per Mail mitgeteilt. Komisch das sich viele, auch UPS, erst dann melden, wenn das Problem gelöst scheint. Ein weiteres Telefonat bringt die Nachricht, unser Telefon ist bereits in Margao. Also machen wir Morgen wieder einen schönen Ausflug.

In Margao unternehmen wir noch einen Versuch und rufen eine Stelle für Im- und Export bei UPS in Neuss an. In der letzten Mail war eine Durchwahl, für UPS ganz untypisch, angegeben. Die Mitarbeiterin ist sehr nett und verspricht, nochmals mit allen Verantwortlichen zu reden. So haben wir noch reichlich Zeit, um nach O-Ringen, Öl aller Art und anderen Ersatzteilen zu suchen, denn leider ist der Brief aus Australien noch nicht angekommen. Wir finden einen verstaubten Laden mit ebenso alten Inhaber, der aber jede Größe von O-Ringen vorrätig hat. Die Freude ist groß und wir suchen die Geeignetsten aus.
Dann noch mal einen Anruf bei UPS und wir machen Luftsprünge. Die Mitarbeiterin teilt uns mit, dass der Absender die restlichen Kosten übernimmt. So bekommen wir unser repariertes Telefon nun doch "ohne einen Pfennig dazu zu zahlen".

07.02.2004

Jetzt geht aber die Schrauberei los. Schließlich wollen wir ja nicht jeden Tag nur fahren, um bis zur Grenze nach Myanmar zu kommen. Leider sind die erstandenen O-Ringe doch etwas stärker, als die Originale. Mit Gewalt will ich es nicht versuchen und so greife ich auf den, mit Sekundenkleber geflickten, zurück. Nach dem das Differenzial wieder eingebaut ist, kommt die Probe auf’s Exempel. Die Luft hält - der Air-Locker arbeitet. Der Tag vergeht mit Achsen einbauen und schrauben. Öl muss aufgefüllt werden usw.

08.02.2004

Einpacken ist heute unsere Hauptaufgabe. Aber da ist nun schon viel Routine dabei. Am Aufregendsten wird sein, unser Gefährt samt Hänger, möglichst ohne fremde Hilfe aus dem Sand zu bekommen. Der Air-Locker arbeitet wieder richtig und so ist es kein Problem. Wir fahren nur rund 100 m weiter und bleiben auf festem Grund noch einen Tag stehen, um die letzten Kleinigkeiten zu erledigen.

09.02.2004

Noch während des Frühstücks beginnt das große Verabschieden, denn mehrere Overlandfahrer reisen heute weiter. Darunter auch unsere neuen Freunde und “Nachbarn” Wolfgang u. Karin samt Anhang, mit denen wir viel Spass hatten und uns doch etwas näher kennen lernen konnten, eben mehr als das Übliche “Woher” und “Wohin”.  Das ist besonders für Cordula etwas traurig, die wieder das Gefühl hat, “loslassen” zu müssen und guten Freunden “Lebe wohl” zu sagen. Dieses Gefühl wird wohl noch oft unser weiteres Leben bestimmen.  Aber auch wir machen für unsere Weiterreise alles startklar, gehen ein letztes Mal ins Netz und fahren ab morgen wieder neuen Abenteuern entgegen.

Aber die Abenteuer lassen noch auf sich warten. Erst einmal hat die Starterbatterie keine Lust, so am frühen Morgen. Gut das Mustafa und Petra noch da sind. So muss ich die Beiden doch etwas früh wecken, um Starthilfe zu erbeten. Da die Beiden heute ohnehin packen wollen, ist es sicher auch nicht ganz so schlimm, zumindest findet Mustafa dabei einen sehr verkeimten Batteriepol, also auch noch Arbeit für heute. Dann geht es wirklich wieder los. Noch kurz bei der Post vorbei, um eine Nachsendeadresse zu hinterlassen, denn noch fehlt ein Brief und ein Paket.
280 Km kommen wir gut voran. Die Servolenkung ist dicht und das Radlager wird nicht wärmer als die andere Seite. Dann rote Lampe am Armaturenbrett. Kein Öldruck mehr! Kopfdichtung ? Ölwanne ? Gerissener Schlauch ? Glücklicherweise nur ein unfreiwilliger Ölwechsel. Der Anschluss zum Ölfilter hat sich gelockert und lässt dem Altöl freien Lauf. Da wir in Margao noch 5 Liter Motorenöl gekauft hatten, war das Problem schnell behoben.  Kurz vor Hospet wird es dunkel und wir suchen wie gewohnt eine Tankstelle auf.
Da wir diese Strecke ja nun zum Teil wieder zurück fahren, fällt auf, es ist Herbst geworden. Das Laub hängt verdorrt am Baum und die Landschaft ist mehr gelb und grau. Nun wird es bis zur Regenzeit dauern, bis sich wieder das Grün zeigt.

Als wir Hospet verlassen, fragen wir nach dem Weg nach Gooty, denn Hospet hat ein verwirrendes Einbahnstrassensystem. Wie immer nur mit dem Schlagwort. Gooty? Gooty? Gooty? Das verwirrt den durchschnittlichen Inder am Wenigsten. Nach der dritten Frage kommt in der Regel von ihm - Gooty? Und dann eine entsprechende Richtungsweisung. So auch diesmal. Zwar wird immer wieder der Versuch gemacht, uns nach Hampi zu schicken - schließlich fahren ja alle Touris nach Hampi, aber dann klappt es. Leider nur bis zu einer Höhenbegrenzung quer über die Strasse. Natürlich für uns unbezwingbar. Wir haben ja auch nur nach dem Weg gefragt und nicht, ob wir da auch mit unserer Fuhre durch kommen. Ja so sind die Inder, immer wieder für eine Überraschung gut.
Die Strasse bis Gooty kennen wir schon und sie hat sich in den sieben Wochen ein wenig verbessert. Die ganz großen Löcher sind zu Huckeln und Buckeln geworden. Da offensichtlich die Ernte zu Ende geht, kommt nun hinzu, dass die guten Teerstücken zu Dreschflächen umfunktioniert werden. Das geht recht schnell und einfach. Durch große ausgelegte Steine wird der Verkehr gezwungen, über eine Fläche von Mais, Hirse oder Getreide zu fahren. Das Stroh wird dann weggenommen und "Spreu vom Weizen" getrennt. Liegen bleiben bis zum Abtransport Säcke oder das Stroh. Manchmal auch etwas länger oder über Nacht. Das freut den nächtlichen Verkehr. Die Steine werden sehr selten weggeräumt. Das schafft Arbeit in den KFZ Werkstätten. Eine weitere Arbeitsbeschaffung ist das Abbrennen der Spreu auf dem Teer. Die nächsten Löcher sind so vorprogrammiert.
Ab Gooty kommen wir, bis auf einen weiteren "Platten" gut voran. Die Strasse ist besser als mancher Highway. Nach 255 Km finden wir wieder eine Tankstelle, die hoffentlich etwas ruhiger als die Gestrige sein wird.

Viel besser war es  mit der Ruhe nicht, aber so sind wir schon wieder zeitig unterwegs. Heute haben wir etwas philosophiert und übereinstimmend festgestellt, nichts ist in Indien beständiger als die Unbeständigkeit. Das gilt für alle Lebensbereiche. Trifft man 20 tumbe Inder, folgt garantiert ein Netter und Hilfsbereiter, sucht man einen Solchen, findet man ihn nicht. An 10 über die Strasse gespannten Leinen soll man eine Maut bezahlen. Wonach sich die Höhe richtet bleibt unklar, wofür sowieso, an der nach westlichen Standards errichteten Mautstelle wird man durch gewunken, natürlich ohne etwas zu bezahlen. Der Highway beginnt wie ein Feldweg, wird  vierspurig und ist dann, ehe man auf die Bremse treten kann eine Mondlandschaft, um kurz darauf, vierspurig vor einer nicht vorhandenen Brücke wieder zum Feldweg zu werden. Abgesehen davon, stellt eine vierspurige Strasse sowohl die Inder, als auch das indische Rindvieh vor unlösbare Probleme. Auf welcher Seite fährt man nun eigentlich wann und in welche Richtung?  Jedes noch so kleine Dorf wird am Ortsein- und -ausgang von Speedbreakern gesäumt, was auch unverzichtbar ist, da Busse grundsätzlich mit Bleifuß gefahren werden. Dann folgen fünf Orte, wo dies nicht so ist, gefolgt von einem, wo der Speedbreaker ohne jegliche Vorwarnung nach einer Kurve auftaucht. Bei einer durchschnittlichen Höhe von 30 cm glaubt man das Fahrzeug verliert schlagartig alle Schrauben.
Na genug davon.
Zwischen den vielen Industriekomplexen, denen wir auf dieser Strecke begegnen, findet Cordula noch einen schönen alten Tempel.
Wir kommen trotz allem gut voran und übernachten in Singarayaconda, wieder an einer Tankstelle, da wir den Zugang zur Ostküste noch nicht gefunden haben. Wir werden diesen morgen weiter suchen und hoffen dann auf zwei drei ruhige Stehtage.

Jetzt wo ich meine Eintragung mache, fällt es mir wie Schuppen von den Augen, Freitag der 13., kein Wunder. Es waren nicht die Schrauben, sondern ein Riss in der Halterung der AZV, was uns der Speedbreaker gestern gekostet hat. Schon am Abend war ich mir nicht sicher, aber ich hatte den Eindruck, dass die AZV wieder einmal etwas tief lag. Am Morgen findet sich mein Eindruck leider bestätigt. Wir haben mal wieder Glück im Unglück, denn gleich neben der Tankstelle befindet sich eine Schlosserei. Nach 11.00 Uhr gibt es auch wieder Strom und die AZV wird wieder um eine Schweißnaht reicher. Gegen 12.30 Uhr geht es dann endlich weiter. Der Highway bleibt wie er war, mal vierspurig, mal Baustelle, mal einspurig, aber beständig im Wechsel. Selbst wir sind teilweise nicht mehr sicher, ob das Teilstück auf welchen wir gerade fahren, freigegeben ist oder nicht. Schildermaler scheint ein sehr seltener Beruf in Indien zu sein, denn es gibt fast keine und wenn doch, ist die Aussage recht zweifelhaft. In Chilakalurupet, nach gerade mal 82 Km finden wir eine Tankstelle mit angrenzendem Parkplatz und in der Hoffnung auf etwas nächtliche Ruhe bleiben wir gleich hier. Cordula wäscht etwas Wäsche und anschließend unsere Fuhre, da der Inder dem 100 Rs dafür versprochen waren, gar nicht zur Arbeit antritt, ein Anderer der dafür einspringt, aber nach dem er merkt das es sich wirklich um Arbeit handelt, schnell davon fährt. Auch das gehört zum Bild der Armut in Indien.
Inzwischen räume ich den Hänger mal wieder etwas um, da das preiswerte Bier aus Goa doch zu sehr auf die AZV drückt.

322 Km auf der Suche nach dem Zugang zum Meer. Der erste Teil auf einem Highway No. 5 der seinem Namen zum größten Teil Ehre macht. Dann auf schmalen Landstraßen weiter Richtung Yanam, einer Enklave der Provinz Pondecheri im Süden Indiens. Dieses Gebiet war einst französische Kolonie, wovon allerdings nicht mehr viel zu spüren ist. Der Stress zwischen LKW, Fahrrädern und Passanten zu manövrieren, wird durch eine sehr schöne Landschaft mit viel Grün wieder wett gemacht. Im indischen Reiseführer ist diese Gegend als touristisch gekennzeichnet, wovon jedoch nicht viel zu spüren ist. Nach langem Suchen finden wir mit Hilfe eines netten Inders Unterkunft auf dem Hof des Guest House. Eine Tour durch die Stadt und ein scharfes Abendessen reicht, um zu beschließen, morgen weiter zu fahren. Es wurde offensichtlich vor einigen Jahren in der Stadt viel getan, so zum Beispiel eine aufwendige Promenade, welche aber nun von Slums gesäumt wird.

15.02.2004

Gegen 8.30 Uhr sind wir auf der besseren, aber dafür auch längeren Landstrasse in Richtung Highway 5 unterwegs. Die hier in der Nähe der Küste grüne Landschaft macht das Fahren leichter. Dann auf dem Highway reiht sich heute Baustelle an Baustelle, nichts mit vierspurig, dafür ständiger Wechsel der Fahrbahnhälften und natürlich Speedbreaker in Form schlechter Anschlüsse in der Fahrbahndecke. Kaum zu erkennen und ohne Vorwarnung, dafür aber bis zu 20 cm Höhendifferenz. Also abbremsen,   runterschalten, fast anhalten, anfahren, hochschalten usw. und das bestimmt 150 mal.
Hinter Tuni müssen wir tanken und finden eine Tankstelle mit separatem Parkplatz. Es ist zwar erst kurz vor Drei, aber ich muss noch nach einem Rad am Hänger schauen. Leichtes quietschen lassen nichts gutes ahnen. Und in der Tat hat sich das Radlager verabschiedet. Da es sich um ein doppeltes Kugellager handelt, sind die Chancen hier Ersatz zu bekommen gering. Da aber  bereits Kugeln fehlen, suche ich mit Hilfe eines Mopedfahrers, allerdings als zweiter Sozius, die nächste Dorfwerkstatt auf, wo das Lager wieder aufgefüllt und mit reichlich Fett versehen wird. Zwar fehlen einige Ringe, die das Lager normalerweise zusammen halten, aber es hat jetzt nicht mehr Spiel als vorher und sollte bis zur nächsten größeren Stadt halten.
Während ich hart arbeite, ratscht Cordula mit der ortsansässigen Weiblichkeit und wird dabei einiges an Seife und Creme los, mir soll es recht sein, die vielen Flacons, Tiegelchen und Töpfchen sind ohnehin nur Ballast.
Der morgige Tag wird also mit Werkstattsuche und Reparatur ausgebucht sein.

16.02.2004

Der Highway bleibt wie er ist und wir erreichen Vishakhapatnam gegen 12.00 Uhr. Wir finden auch recht schnell einen Shop für Lager und Kolben. Leider hat er unser Lager nicht vorrätig. Aber ein Mechaniker findet sich sofort am Strassenrand, der sich der Sache annimmt. Das Lager wird demontiert und ich begebe mich mit ihm auf die Suche nach einem passenden Teil. Leider erfolglos. Der größte einschlägige Shop in der Stadt kann es bestellen, braucht aber mein altes Teil als Muster und benötigt zwei Tage. Da es sich um ein Doppellager handelt, kaufe ich vorsichtshalber zwei annähernd passende Lager, schließlich müssen wir ja von der Strasse runter, auf der wir jetzt stehen, egal ob auf das Teil wartend oder nicht. Da der Unterschied nur zehntel Millimeter beträgt - ich hätte lieber mehrere Millimeter in Kauf genommen und entsprechende Hülsen drehen lassen - wird Blech zugeschnitten und passend geklopft. Die Bremsbeläge sind auch nicht mehr vorhanden, also lasse ich die Backen neu belegen. Für Ostdeutsche - hier wird nicht geklebt, sondern noch richtig genietet! Dann ist der Belag aber einerseits zu groß und andererseits haben die beteiligten Mechaniker vergessen, wie die Bremsbacken montiert waren. Bevor ich zum letzten Mittel, der Demontage einer weiteren Bremstrommel greife, haben sie es dann doch geschafft.
Das Alles dauert natürlich Stunden und Cordula ist gegen 20.00 Uhr total genervt vom Staub und Lärm der Strasse. Von den indischen Gaffern ganz zu schweigen. Als wir kurz darauf endlich losfahren können, ist es dunkel und den beschriebenen Weg zum Strand finden wir wieder nicht. Dafür fahren wir zwei Stunden im Dunklen bis wir zufällig ein Hotel mit Parkplatz an dem Highway finden, eine Seltenheit in Indien. Hier können wir stehen und auch noch etwas zu Abend essen. Der Lärm vom Highway hält sich in Grenzen, so dass wir einigermaßen gut schlafen.

Der Hänger rollt und wir kommen bis Banapur. Zwar ist es auch schon wieder dunkel, aber diesmal haben wir Glück und finden einen Zugang zum Chilika Lake, welcher direkt ins Meer mündet. Schnell noch einen Stellplatz suchen und dann mal wieder richtig ausschlafen, ohne wildes Hupen und Motorenlärm. Den Platz finden wir auf einem etwas verunglückten Touristkomplex. Die Anlage ist riesig, aber nie fertig geworden, wie vieles in Indien und trotz morgigen Feiertag, ist er wie ausgestorben. Gut für uns.

Wir machen uns eine schönen ruhigen Tag, gehen etwas die dörfliche Umgebung inspizieren. Die Armut, welche wir dort antreffen, ist bedrückend, so gehen wir bald zurück. Kurz bevor sie wieder abfahren, treffen wir hier noch ein schweizerisches Pärchen, welches wir schon in Agonda gesehen hatten. Die Beiden leiden genauso unter Schlafmangel in den letzten Tagen und haben es inzwischen aufgegeben, die idyllische Ostküste zu suchen.
Wir spielen heute mit den Indern ein neues Spiel. Wie wir richtig vermutet haben, ist der englische Wortschatz meist so unbedeutend, dass diejenigen, welche über Hallo, Hallo hinaus kommen, bereits nach der in Indien am häufigsten gestellten Frage "Where do you come from ?" nicht mehr die Antwort  "From Germany" richtig erfassen. Und tatsächlich nehmen rund 80% jedes andere Wort genauso für bare Münze und wiederholen es freudig. Wir sind aber auch manchmal so etwas von gemein !
Am Nachmittag arbeiten wir noch etwas an unseren Internetseiten und holen e-mails ab.

Einen letzten Versuch an den Bay of Bengal zu kommen wollen wir in Puri unternehmen. Die nur rund 140 Km sind trotz teilweiser schlechter Landstrasse bald geschafft. Gegen Mittag treffen wir ein und suchen nach einem wirklich ruhigen Platz. Gleich das erste Hotel mit dem schönen Namen "Nilachal Ashok" bietet einen solchen. Vor der wunderschönen weißen Fassade viel Grün und ausgedehnte, leere Parkflächen, vom Strassenlärm ist kaum etwas zu hören. Unsere Nachfrage wird auch positiv bestätigt, nur der Preis verschlägt uns glatt die Sprache. 500,00 Rs pro Nacht (rund 10,00 €) für nichts, außer einem Stück Stellplatz auf dem Hotelparkplatz, ist mehr als nobel. Zumal nicht nur der Parkplatz leer steht, auch das Hotel scheint kaum belegt zu sein. Also suchen wir weiter. Nach rund einer Stunde in der Mittagshitze geben wir auf. Alles was wir finden, hat entweder keinen Platz, ist direkt an der Strasse - also zu laut, oder lehnt es überhaupt ab, wahrscheinlich wegen Reichtum im Überfluss. Natürlich spielt dabei auch eine gewichtige Rolle, dass uns der erste Platz sehr gut gefallen hat. Wir reduzieren unsere Ruhepause auf zwei Tage und löhnen mit zusammengebissenen Zähnen.
Nachdem wir uns eingerichtet haben, machen wir noch einen ausgiebigen Strandspaziergang und begreifen, warum der Stellplatz so teuer ist. Vorne hui und hinten pfui. Die Rückfront des Hotels ist in erbärmlichen Zustand und da es etwas abseits vom zentralen Beach gelegen ist, kommen sicher nur die ruhesuchenden Touristen hier her und das sind nur sehr wenige. Bekanntermaßen fühlt sich der Inder nur im Lärm wohl (Ich Hupe, also bin ich!). Der Spaziergang wird für uns ganz lustig, da indischer Badespaß halt etwas ganz Anderes ist.
Die Nacht wäre wirklich sehr ruhig geworden, hätte nicht eine Hochzeit in der Nähe stattgefunden. Von 23.30 bis 03.00 Uhr Beschallung mit indischer Musik ! Dafür aber nur sehr wenige Neugierige. 

Nachdem wir etwas Wäsche gewaschen, nach unserem Radlager am Hänger geschaut und einiges für unsere Internetseite getan haben, machen wir einen Spaziergang durch Puri bis zum Jaggannath Tempel. Die Strassen und Gassen dorthin weisen wieder alle Schattierungen Indiens auf. Moderne Hotels, zerfallene Bauten aus der Kolonialzeit, Häuser die gerade fertig geworden sind und am anderen Ende schon wieder zusammen fallen. Hütten und Stände die vom Dreck zusammen gehalten werden, Kühe und nackte Kinder in Eintracht im Morast wühlend. Der Tempel selbst ist ausschließlich den Hindus vorbehalten, so wandern wir einmal drumherum. So finden wir alle  Eingänge, den für den Gläubigen, den für die Speisen und alle Ausgänge, den für den Abfall und den Hinterausgang. Das Praktische in Indien ist, dass im Moment noch ein annäherndes Gleichgewicht zwischen Abfallproduktion und -verwertung, durch Mensch und Tier existiert. Wehe, wenn dem mal nicht mehr so ist !
Am Abend machen wir noch die Erfahrung, dass in einem schönen Restaurant nicht unbedingt gut und reichlich gegessen werden kann. Mit moderaten Preisen werden die Gäste angelockt und bekommen dann nur halbe Portionen von mäßiger Qualität. Dafür haben wir aber heute eine wirklich ruhige Nacht und schlafen tief und fest.

Da wir den teuren Stellplatz auch richtig nutzen wollen, bleiben wir noch bis gegen 11.00 Uhr hier stehen und nutzen die Zeit, um Bilder zu übertragen und zu sortieren. Dann machen wir uns auf zum Sonnentempel nach Konark. Rund 40 Km auf einspuriger Landstrasse. Ich lasse mit diebischen Vergnügen die ach so eiligen Inder hinter mir hupen und denke nicht daran, von der Strasse in den Dreck zu fahren, noch dazu, wo der Absatz so tief ist, dass ausgerechnet mein linkes, defektes Hängerrad beim wieder hoch fahren über alle Maßen belastet wird.
Wir können auf einem Parkplatz im Touristcenter übernachten und haben noch genügend Zeit, zum Sonnentempel zu gehen. Dieser ist eine archäologische Skulptur aus dem 13. Jahrhundert und wird zum Teil restauriert. Wir werden durch den Eintrittspreis mal wieder richtig aufgewertet, schließlich muss  jeder von uns soviel, wie zehn Inder zusammen bezahlen, also sind wir sicher auch soviel wert.
Zur Zeit findet hier im Ort auch ein Tanzfestival statt und nach dem Abendessen schauen wir dort vorbei. Cordula ist ganz begeistert und wir bleiben bis zur letzten Darbietung. Schade ist nur, dass es scheinbar nur eine Melodie zum klassischen Tanz in Indien gibt, denn diese wird den ganzen Abend in verschiedenen Variationen gespielt.

22.02.2004

Später als gewöhnlich starten wir heute, da es etwas neblig ist und mich die Sonne so nicht wach kitzeln konnte. Nach vielen Kilometern Landstrasse, stoßen  wir wieder auf den Highway No. 5 und fahren bis kurz vor Baripada. Dort verbringen wir die Nacht mal wieder an einer Tankstelle.

23.02.2004

Wie immer an Tankstellen beginnt unser Tag zeitig. Wir folgen weiter dem Highway No. 5 und ich hoffe, nicht direkt durch das Zentrum Calcuttas fahren zu müssen, um zum Airport Hotel, welches uns in Puri empfohlen wurde, zu kommen. Ich vertraue mehr dem GPS als unserem indischen Kartenmaterial und habe dabei Glück. Es gibt zwar keine richtige Ringstrasse und wir müssen, obwohl der Airport fast direkt vor uns liegt, erst wieder einige Kilometer Richtung Innenstadt fahren, um dort auf die Strasse zum Airport zu gelangen. Das Zentrum bleibt uns so aber trotzdem für heute mit eigenem Gefährt erspart. Wie in Puri ist der Preis für den Stellplatz mit 500 Rs. sehr hoch, aber die Auswahl scheint, soweit wir auf dem Weg durch Calcutta sehen konnten, nicht sehr groß. Der zugewiesene Platz ist relativ ruhig und wir erfahren so ganz nebenbei, dass wir einen weiteren Zwangsruhetag vor uns haben. Am 24.02.04 ist hier in der Provinz ein Generalstreik ausgerufen. Wir hätten also keinen Tag später kommen dürfen, da dann, spätestens an der Stadtgrenze, Schluss mit Lustig gewesen wäre und wir irgendwo auf der Strasse gestanden hätten.

Da wir heute das Gelände des Hotels aus Sicherheitsgründen, wie auch alle anderen ausländischen Gäste nicht verlassen dürfen, bleibt viel Zeit für den  Computer und andere Sachen, die schon immer mal erledigt werden sollten. Morgen wollen wir dann unsere Aufgaben in Calcutta erledigen. Visa für Thailand, Permit für die Provinz Nagaland und Manipur und Doppelkugellager für  das Rad am Hänger besorgen.

25.02.2004

Wir sind relativ zeitig auf den Beinen, da wir ja viel zu erledigen haben. Aber für indische Verhältnisse viel zu früh, denn als wir bei der Ausländerbehörde mit dem Taxi eintreffen, macht diese erst um 10.00 Uhr ihre Pforte auf. 10.15 Uhr dürfen wir uns beim Pförtner erst einmal eintragen, um dann 10.30 Uhr zu erfahren, dass die zuständige Mitarbeiterin heute erst um 12.00 Uhr zur Arbeit kommt. Indien live ! Wir nutzen die Zeit und suchen einen Dealer für unser Doppelkugellager. Beim dritten Anlauf und einer weiteren Taxifahrt finden wir einen Großhändler, der ein fast gleiches Teil sogar auf Lager hat und ein zweites umgehend besorgen kann. Wir erledigen inzwischen ein paar Bankgeschäfte, für Myanmar brauchen wir ja Dollar und müssen so erst Rupees per Automat und Karte besorgen, um diese dann in Dollars tauschen zu können. Eine aufwendige Prozedur. Dann holen wir unsere Kugellager ab und fahren zurück zur Ausländerbehörde. Es ist inzwischen 13.00 Uhr und die Mitarbeiterin ist wirklich da und liest Zeitung. Aber wir dürfen unsere Anträge für ein Permit für Nagaland und Manipur stellen. Noch schell ein paar Kopien machen gehen und etliche Formulare ausfüllen. Da man ja entweder zu Viert oder ein verheiratetes Paar sein muss, um die gewünschten Permits zu erhalten, haben wir uns gestern noch schnell mittels gelungenem Computerausdruck geehelicht. Naja, in der Not frisst der Teufel Fliegen ! Auch ist die Scheidung viel kostengünstiger - ritsch ratsch Urkunde zerreißen - und schon wieder solo.
Morgen Abend dürfen wir wieder nachfragen, ob das Permit ausgestellt wurde. Wir gehen noch etwas einkaufen und eine Kleinigkeit essen. Als wir wieder beim Airport Hotel eintreffen, ist der Tag um. So schnell geht das in Indien.
Calcutta ist aus dem Taxi betrachtet nicht die Metropole die wir uns vorgestellt haben. Die Stadt macht einen dreckigen und verwahrlosten Eindruck. Es gibt zwei oder drei großzügig angelegte und gepflegte Bereiche im Zentrum, aber dann ist auch gleich wieder Schluss und alles ist von Slums gesäumt. Kein Wunder, das sich nicht einmal die Polizei mit ihren Bambusstöcken durchsetzen kann, sondern von den so bedrohten LKW Fahrern nur ausgelacht wird.
Am Abend gehen wir dann noch ausgiebig im Pool schwimmen und anschließend duschen. Schließlich löhnen wir ja reichlich für unseren Stellplatz und der Manager hat ja gesagt, wir können dafür alle Einrichtungen des Hotels nutzen.

26.02.2004

Am Vormittag repariere ich das Radlager am Hänger und schaue auch gleich nach den Anderen. Wenn wir einen guten, ruhigen  Platz finden, muss ich alle Bremsbeläge am Hänger erneuern und die Lager alle neu mit Fett stopfen. Auch die vorderen Radlager am Landy müssen nachgezogen werden, aber noch ist das Spiel kaum spürbar.
Nachdem Cordula ihre Wäsche gemacht hat, fährt sie zur FRRO, um das Permit abzuholen. Allein die Hinfahrt kann zum Roman verarbeitet werden. In aller Kürze. Als sie nach einem des Englischen mächtigen Taxifahrer sucht, kommt von hinten einer angerannt und ruft "I know, I know !", was allein schon hätte stutzig machen müssen, aber Cordula denkt sich nichts dabei und steigt ein. Nach zwei, drei Kilometern rinnt dem Fahrer sichtlich der Schweiß und er rutscht von einer Gesäßhälfte auf die Andre. Schnell wird klar, er weiß überhaupt nicht, wo es hin gehen soll. Er fragt ständig Andere nach dem Weg und Cordula muss auf ihren Stadtplan aufpassen, sonst verschwindet dieser bei dem hin und her. Schließlich dirigiert sie das Taxi selbst, sie kennt die Strecke ja noch vom Vortag etwas. Dumm ist nur, dass der Kerl bei "go, go" immer in die Eisen tritt und stehen bleibt. So kommen sie schließlich bei der Ausländerbehörde an und der unverschämte Fahrer will sich doch tatsächlich seine Stadtrundfahrt auch noch bezahlen lassen. Als Cordula 150,00 Rs. wie am Vortag auf den Sitz legt und aussteigt, läuft er ihr bis in die FRRO hinterher und will weitere 50,00 Rs. von ihr. Erst ein paar englisch sprechende Inder können ihn endlich aufhalten und klar machen, dass die Rundfahrt auf seine Kosten geht.
Am Abend halten wir unser Permit in den Händen, welches im Übrigen kostenlos ! ausgestellt wurde, und sind glücklich, nun alles beisammen zu haben.  Wir sind sehr gespannt, ob das bis über die Grenze reichen wird. Aber das sind halt die Abenteuer die wir gesucht haben. Wir nehmen noch einmal ein Abendessen im Airporthotel zu uns und werden heute ganz besonders zu vorkommend bedient und erhalten zusätzliche Portionen, nachdem wir einen Fragebogen am gestrigen Abend etwas kritisch ausgefüllt haben und dieser offensichtlich auch genau gelesen wurde. Obendrauf gibt es auch noch einen Rabatt auf die Rechnung, also kann Kritik durchaus lohnend sein.

27.02.2004

Weiter geht unsere Reise auf dem Highway 34, eine sehr löchrige Landstrasse. Wir fahren knapp 240 Km bis zu einer Tankstelle bei Jangipur. Die Nacht ist erträglich.

Der Strassenzustand bleibt unverändert schlecht und der Highway führt uns durch das typische ländliche Indien, mit ausgedehntem Reisanbau und vielen geschmackvoll gemauerten Tempeln und Minaretten inmitten der Bambus- und Strohhütten. Auch der typische Inder ist hier anzutreffen, er steht am Strassenrand, nackt bis auf den Wickelrock, würgt laut aus voller Brust, um anschließend ebenso laut hochzuziehen und im gekonnten Bogen reichlich auszuspucken. In der einen Hand hat er ein ausgefranstes Stöckchen, mit welchem er von Zeit zu Zeit die restlichen Zahnstummel im vom Betel roten Mund bearbeitet, mit der Anderen grault er genüsslich seine Genitalien und schaut dir dabei, vielleicht etwas dümmlich grinsend, aber ansonsten doch ganz ungeniert, in die Augen. Reizend.
Auch heute bleiben wir über Nacht an einer Tankstelle kurz nach Islampur. Der Parkplatz ist etwas von der Strasse entfernt und verspricht doch etwas Schlaf.

318 Km bis Harwaphuta kommen wir heute auf teilweise guter Landstrasse (Highway 31). Wir fahren dabei durch den kleinen Schlauch zwischen Bangladesh und Bhutan in die restliche zu Indien gehörende Region, welche als traditionelles Teeanbaugebiet gilt. Die Landschaft ist etwas bergig und abwechslungsreich, viel Wald und Wildlife Reservate. Die Menschen sind wieder etwas zurückhaltender, zumindest für indische Verhältnisse. Die Region wird jedoch von großen Armeelagern besiedelt und überwacht, offensichtlich der Grenze zu China wegen.   Die Nacht verbringen wir, wie nun fast immer, an einer Tankstelle und hatten gerade noch Besuch von der örtlichen Polizeistation, die es lieber hätte, wenn wir dichter bei ihnen stehen würden. Da wir aber schon auf Stelzen stehen und bettfein sind, lehnen wir dankend ab.

01.03.2004

Der Reifenflick von gestern Abend war offensichtlich nicht sehr erfolgreich, denn heute Morgen steht der Hänger auch wieder nur auf drei Beinen. Sicher die Strafe für den habgierigen Reifenflicker, der wollte doch 75,00 Rs. für eine Reparatur und hat sich nur bis auf 50,00 Rs. runter handeln lassen. Na jedenfalls muss er das Ganze nun noch einmal machen, weil er neben der Schraube den Nagel übersehen hat und diesmal kostenlos. Uns kostet es eine Menge Zeit und so kommen wir heute nur 340 Km auf teilweise sehr schlechter Strasse bis Gauhati an die nächste Tankstelle. Unterwegs reduziert ein "freundlicher" indischer LKW Fahrer unser Gewicht, um das der Markise. Weg mit dem Wohlstandsmüll. Mitten in einer Ortschaft kommt er angebraust und muss noch mit einem ordentlichen Schlenker eine Gruppe auf dem Fahrrad, welche uns entgegenkommt, überholen. Bei etwas weniger Speed auch kein Problem, doch wie alle indischen LKW ist dieser sehr hoch und ausladend, also einfach überladen. Eine Delle in der Strasse und die ganze Fuhre neigt sich gleich mal um einen halben Meter zu uns herüber. Spiegel und Markise Ade und der Verursacher hält nicht mal an. Dafür aber die Bullen bei uns, um uns ihr Bedauern auszusprechen und uns eine gute Weiterreise zu wünschen. Also ehrlich, wir sind hier doch schon so ruhig geworden, dass wir selbst jetzt nicht aus der Haut fahren, sondern nur dankbar sind, dass es nicht den Aufbau erwischt hat.

02.03.2004

Eigentlich wollten wir heute in Gauhati noch einmal für die restlichen Tage Geld tauschen, in der Hauptsache für Diesel, denn wir müssen bis zur Grenze noch einige Kilometer zurücklegen. Aber wie das so ist, wenn wir schon mal in die City einer Stadt wollen, landen wir auf dem Bypass, welchen wir sonst oft vergeblich suchen. So sind wir sehr schnell und unkompliziert um Gauhati drumrum gekommen. Da wir kein indisches Geld mehr haben, müssen wir weiter aus unseren Kanistern tanken. Auf diese Art kommen wir mit einigen kleinen Unterbrechungen, zwecks Diesel nachfüllen, schneller als erwartet in Shillong an. Hier können wir auch Geld tauschen und suchen dann nach einem ruhigen Platz, da uns die Stadt und die Menschen gefallen und wir noch ins Internet-Café wollen. Ein freundlicher Sikh spricht uns an und als wir ihm unser Problem schildern, nimmt er sich eine gute Stunde Zeit, um einen geeigneten Platz für uns zu suchen. So landen wir auf dem Gelände des Shillong Clubs Ltd. und stehen dort sehr gut. Wir gehen dann noch auf den Poliz Basar, auf dem es alles zu kaufen gibt, was das Herz begehrt, um unsere Vorräte aufzufrischen. Beim  Abendessen im hübsch eingerichteten Restaurant um die Ecke, müssen wir beide uns eingestehen, das die Provinz Meghalaya, welche vor einigen Jahren für Ausländer auch nur mit Sondererlaubnis bereist werden durfte, ganz anders als das restliche Indien ist. Die Menschen und ihr Umfeld sind sauber, modern und aufgeschlossen und sprechen sehr oft gutes Englisch. Und uns fällt auf, das wir seit Langem wieder nicht nur angestarrt und nach dem Wohin und Woher gefragt werden, sondern ernsthaft gefragt werden, ob man uns irgendwie behilflich sein kann.  Die Nacht wird ausgesprochen ruhig, denn hier wird auch nicht soviel sinnlos gehupt, wie anderswo.

Gut gelaunt verlassen wir Shillong bei doch recht kühlen 14° C, schließlich befinden wir uns ja auch 1500 MN und reisen weiter Richtung Imphal. Es geht ständig bergauf und bergab auf doch recht gutem Highway. Die Landschaft ist abwechslungsreich und bis auf das Hochland, welches offensichtlich als Steinkohlelager oder Umschlagplatz genutzt wird, sehr schön. Mitten in einer der vielen Kurven ein Klappern, was da nicht sein sollte. Kurzer Rundumcheck und siehe, der linke hintere Flansch der Steckachse hat keine Schrauben mehr und hängt nun ca. 20 cm raus. Da hier nicht gut stehen oder gar reparieren ist, wird schnell die ganze Steckachse entfernt und mit gesperrten Differenzial geht es langsam weiter. Natürlich mit dem mulmigen Gefühl bei jeder Steigung, hoffentlich geht jetzt nicht noch mehr kaputt und dem ständigen Überlegen, wie das nun wieder passieren konnte. Wir beruhigen unsere Nerven mit Schokokeksen und gönnen uns auch noch einen Blick auf die Ebene von Bangladesh. So kommen wir noch weitere 50 km bis Badarpur, wieder in der Provinz Assam, auf eine Tankstelle, neben der gleich einige Werkstattbuden stehen. Mein Augenmerk lag dabei besonders auf Ständerbohrmaschine und Drehbank, da drei der Schrauben weggebrochen sind. Nachdem wir unseren Platz gefunden haben, trinken wir erst einmal ein Bier und ich überlege, was eigentlich passiert ist. Zwischenzeitlich hatten wir festgestellt, dass die Schrauben am gegenüberliegenden Flansch ebenfalls schon lose sind. Ich komme zu dem Schluss, dass das Cenusil, welches ich zum Abdichten genommen habe, ungeeignet ist. Entweder die Wärme oder Fett und Öl haben die Dichtmasse aufgelöst und so konnten sich die Schrauben lockern. D.h. aber auch, dass die Schrauben die weggebrochen sind, bereits locker waren und so eventuell ohne Bohren die Reste herausgedreht werden können. Noch vor dem Abendessen probieren wir das aus und haben großes Glück, alle drei Stümpfe lassen sich mit mehr oder weniger Aufwand herausdrehen. Das bedeutet, wir sparen eine Menge Arbeit und können hoffentlich Morgen diese nicht sehr schöne Tankstelle schnell wieder verlassen.

Gegen 10.30 Uhr ist dies auch der Fall. Beide Flansche sind diesmal mit hitzebeständigem Silicon abgedichtet und neu verschraubt. Öl wurde im Differenzial nachgefüllt und auch noch die überfällige Wäsche gespült, wenn auch aus eigenem Wasservorrat, da das hier vorhandene Wasser selbst dazu unbrauchbar ist. Die Landschaft wird wieder etwas schöner und die Dichte der Besiedlung nimmt etwas ab. Die Menschen haben in dieser Region schon sehr asiatische Züge, sprechen vielfach gut englisch und sind etwas zurückhaltender, was aber nichts daran ändert, dass bei jedem Stopp 20 - 30 Menschen um das Fahrzeug gedrängt stehen und jeden Tag Seitenscheiben putzen angesagt ist.
Kurz vor der Provinzgrenze zu Manipur, an einer sehr tollen Brücke, welche nur mit Einweisung zu befahren ist, da einige der Metallplatten durchgebrochen sind und die darunter liegenden Träger gewaltige Abstände aufweisen, gibt es wiedermal einen tüchtigen Ruck an unserer Auflaufbremse. Danach knallt sie ständig ungedämpft rein und raus. Der erste Blick lässt die Ursache auch nicht klar werden, so fahren wir vorsichtig bis zur Provinzgrenze weiter. Nach Erledigung der Formalitäten stellen wir uns auf die örtliche Tankstelle und gehen der Sache auf den Grund. Der Stoßdämpfer ist gebrochen und hier nicht zu reparieren. Also befestige ich das Ganze so, dass der Stoßdämpfer sich nicht mehr bewegen kann, was natürlich zur Folge hat, dass wir auf die Auflaufbremse verzichten müssen. Da wir aber bisher, trotz aller Widrigkeiten gut in der Zeit liegen, hoffe ich in Imphal Zeit und Möglichkeit zur Reparatur zu haben. Durch die vor uns liegenden Berge, besonders bergab, müssen wir nun sehr langsam und vorsichtig fahren. Aber die rund 250 Km müssten so schon zu schaffen sein.
Zwischen unserer Ankunft am Nachmittag in Jiribam bis zur Dunkelheit haben wir noch das Vergnügen ca. 200 Dorfbewohner persönlich kennen zulernen, die mit ihrer angenehmen Zurückhaltung und ihrem asiatischen Lächeln unsere Zuneigung gewinnen. So beantworten wir gelassen die Fragen der Presse, stellen uns zum Fototermin auf und tauschen bereitwillig Adressen aus. Als typische Geste der Gastfreundschaft wird uns ein Schal als Präsent überreicht. Die Polizei an der Provinzgrenze hätte uns am liebsten wieder zurückgeschickt, mit der Begründung, über Nagaland (Highway 39) sei die Strecke sicherer. Da wir aber unser Permit haben, müssen sie uns passieren lassen. Bei verschiedenen Gesprächen mit den Einheimischen heißt es aber auch immer wieder, es gäbe keine Probleme auf der Strecke nach Imphal. Wir können es nur ausprobieren und das Beste hoffen.

Heute übernachten wir mal nicht an einer Tankstelle oder auf einem Hotelparkplatz, sondern auf dem Fußballfeld eines kleinen Dorfes mit dem Namen Rengpang. Auf dem Highway 53 sind wir gerade einmal 103 Km weit gekommen, denn 90 Km davon waren unbefestigt, bzw. nur zum Teil von den Erdrutschen des letzten Monsun befreit. (Später erfahren wir, dass diese Strecke jahrelang gesperrt war und erst seit einem knappen Jahr wieder befahren werden kann.) Dafür haben wir aber auch rund 10 Stunden gebraucht. Der absolute Härtetest waren jedoch die 15 Stahlbrücken, bestehend aus längsliegenden Doppel-T Trägern, welche zum Teil mit Bindedraht gegen Verschieben gesichert sind und teilweise gerade mal 1 cm auf dem querverlaufenden Unterzug aufliegen. Das Ganze ist  mit völlig verbogenen und verschobenen Stahlblechen belegt, an denen schon der Zahn der Zeit erheblich genagt hat. Unser Hänger hat rechts und links oft nur noch 5 cm Luft. Die Auf- und Abfahrten sind meist steil und rechtwinklig angelegt und bestehen aus Geröll mit entsprechenden Löchern. Kein Wunder also, dass bei dem letzten Exemplar, mit besonders steiler und verwinkelter Auffahrt, mal wieder eine Steckachse bricht. Wir rollen noch bis in das anfangs erwähnte Dorf und haben so  Morgen ausreichend zu tun.
Es sei noch erwähnt, dass wir bereits kurz nach unserem Aufbruch am frühen Morgen in Jiribam auch ersten Kontakt mit den militanten Gruppen haben, vor welchen wir mehrfach gewarnt wurden. Ich glaube, ich bin das erste Mal in meinem Leben ernsthaft mit einer Schusswaffe bedroht worden, worauf ich es dann doch vorgezogen habe, das Fahrzeug anzuhalten. Nach einem kurzen Disput mit anschließendem Austausch von Adressen, dürfen wir jedoch unbehelligt weiterfahren. Als wir gleich am Ortsausgang, nur wenige Minuten nach dem Zusammentreffen mit den Militanten,  mal wieder einen Platten am Hänger wechseln müssen, kommt aus der anderen Richtung ein Bus mit bewaffnetem Begleitschutz von der Armee. Wenn diese fünf Minuten eher gekommen wären, hätten wir wohl sehr unangenehm zwischen den Fronten gestanden.

Es ist erstaunlich, was so eine Provinzgrenze verändern kann. Fast schlagartig hört der Verkehr mit dem Dauerhupen auf. Das Einzige was uns gestern begegnet ist, waren etwa 5 Busse und zwei LKW und heute kommt auch nicht mehr an unserem Fußballfeld vorbei. Die Nacht war also wirklich sehr erholsam und wir haben geschlafen, wie die Murmeltiere. Auch die Menschen sind hier wie ausgewechselt. Deshalb bezeichne ich sie auch als Asiaten und nicht als Inder. Der Ort Rengpang ist überwiegend christlich geprägt und Betel kauen gehört offensichtlich nicht zur täglichen Hauptbeschäftigung. Die Menschen hier sind sicher noch ärmer, als in anderen Provinzen Indiens, aber haben wesentlich mehr Anstand und sind vor allem sehr freundlich. Natürlich stehen auch hier immer schnell mehrere dutzend Menschen um uns herum, aber immer mit respektablen Abstand (Kinder natürlich ausgenommen, aber auch die hören schon auf eine Geste). Wir genießen trotz all unserer Probleme erst einmal die herrliche Ruhe und machen uns dann an die Arbeit. Der junge Mann, Thusan, der uns gestern auf das Fußballfeld gelotst hat, ein echter Self-Made-Man, er ist Lehrer in den Bergen und lässt sich dort, weil 5 Km entfernt,  aber einfach von einem Anderen vertreten, hat außerdem eine kleine Farm und einen echten Tante Emma Laden, ist auch bald wieder zur Stelle. Während ich die Achse wechsle, ist Cordula für die Konversation zuständig. Ich will nicht unbedingt das Differenzial aufmachen, um den Achsstummel zu entfernen. Mit Hilfe eines Stück Magneten und einem Draht, den uns ein anderer freundlicher Asiate bringt, gelingt es in der Tat, den Stummel aus dem Achstumpf zu entfernen. Die neue Steckachse, die wir vorsorglich mitführen, ist schnell montiert. Unklar ist mir, warum die Schrauben am Flansch bereits wieder sehr lose sind. Ich hatte sie wirklich in Badarpur recht fest angezogen. Was den Verschleiß an Steckachsen angeht, haben wir heute nachgerechnet, dass wir mit einer Achse rund 7000 Km kommen und das auf Strassen, die diesen Namen wirklich nicht verdienen.
Nach getaner Arbeit zeigt uns Thusan noch die Umgebung und erklärt uns einiges zum Leben in dieser Region. Leider ist es hier an der Tagesordnung große Flächen von Bambus abzubrennen, um anschließend die Fläche für ein oder zwei Jahre zu kultivieren. Überall sind deshalb ständig Brände zu sehen und durch die Luft fliegt dauernd Asche.
Heute Abend sind wir zum Essen bei seiner Familie eingeladen.
Wir bereiten dazu einen Tomatensalat nach unserer Art vor, d.h. mit Olivenöl, Balsamico und Origano. Hier versteht man Salat als geschnittene Tomate oder Gurke, viel Zwiebelringe und manchmal noch Möhrenscheiben, alles pur und  ohne jegliches Dressing. Thusan holt uns ab und wir tauchen ein, in eine völlig andre Welt. Dagegen ist unser Zigeunerwagen der reinste Palast. Auf dem Hof seiner Familie stehen drei Bambushütten, bestehend aus jeweils  einem Raum. Die eine Hütte wird als Schlaf- und Fernsehraum genutzt (wie die Schüssel verrät, im übrigen die einzige im Ort). Die Einrichtung besteht aus zwei Bettgestellen, einem Schrank und dem Fernseher. Wir sitzen mit der ganzen Familie auf den Bettgestellen, auf einem Teppich zu unseren Füßen fast das halbe Dorf und Thusan spielt eine CD mit einem Video ab, auf welchem zusehen ist, wie den Großeltern ein Gedenkstein gesetzt wird. Dazu sind rund 1000 Gäste gekommen und es werden drei Ochsen geschlachtet. Das Fest wird von  traditionellen Tänzen und Festansprachen begleitet. Die Tänze stammen aus jener Zeit, als die Naga-Stämme noch Kopfjäger waren und sind seit der Christianisierung nicht mehr erwünscht. Anschließend gehen wir in die andere Hütte zum Essen. Die Hütte ist mit einigen Sitzgelegenheiten, einem kleinen Tisch, einigen Regalen und einer offenen Feuerstelle ausgestattet. Seine Schwester und die Schwägerin haben Reis, Fisch in Blumenkohlsoße und kleine knusprig geröstete Sardinen vorbereitet. Die Zubereitung der Speisen erfolgt wie alles Andere auf dem Fußboden. Das Wasser welches zum Essen gereicht wird, ist abgekocht. Nur Thusan und wir essen und beantworten uns gegenseitig die vielen Fragen, die beide Seiten haben. Der Rest der Familie sitzt hinter uns auf einer Bank und schaut zu. Alles schmeckt sehr gut, auch wenn es mit den Fingern zum Teil etwas ungeschickt bei uns wirkt. In Anbetracht der Armut um uns herum, hält sich unser Hunger in Grenzen. Nach dem obligatorischen Obst und Tee verabschieden wir uns von Thusan und seiner Familie.

07.03.2004

Es ist Sonntag und wir haben nur rund 120 Km vor uns, auf einer etwas besseren Strasse, wie uns Thusan versichert hat. Wir haben jetzt auch endlich gelernt, wie man am Besten den kommenden Strassenzustand erfragt. Man muss sich nach der Fahrzeit der Busse erkundigen, um so unter Berücksichtigung der Entfernung die Durchschnittsgeschwindigkeit zu ermitteln. Dann weis man recht genau, was vor einem liegt. Als wir wie geplant gegen 9.00 Uhr starten wollen, herrscht plötzlich große Aufregung. Thusan hat noch ein Essen vorbereiten lassen und wir kommen nicht umhin, noch einmal zu seiner Familie zu gehen. Extra für uns wurden Schweinefleisch mit Reis und gekochter Senfpflanze zubereitet. Zu dieser Stunde sind wir solch deftige Speisen nicht gewohnt, kosten aber alles, um den Gastgeber nicht zu kränken. Die Speisen schmecken ausgezeichnet und das Essen verläuft wie am Vorabend.
Thusan will noch eine neue Privatschule in Rengpang gründen und sucht dafür Sponsoren (wer Interesse hat, kann sich bei uns melden, wir vermitteln die Adresse). Wir lassen als Starthilfe einige Dutzend Stifte da und verabschieden uns herzlich.
Seit wir Kathmandu Anfang Dezember verlassen haben, regnet es das erste Mal wieder und es ist etwas ungemütlich. Am Nachmittag erreichen wir das verregnete Imphal und sind sehr froh, einen Tag in Rengpang geblieben zu sein. In Indien wird am 06. und 07.03. ein Fest gefeiert, an welchen es üblich ist, sich gegenseitig mit Farbbeuteln zu bewerfen. Das Ganze findet unter erheblichen Alkoholkonsum statt und jeder kann sich die Auswirkungen selbst ausmahlen. In Rengpang, da christlich geprägt, war davon nichts zu spüren und hier unten, ist das meiste Pulver schon verschossen und die Krieger vom vielen Alkohol meist mattgesetzt, so dass wir unbehelligt auf den Parkplatz des Hotel Imphal zu stehen kommen.

08.03.2004

Wir beginnen nach einer ruhigen Nacht sehr zeitig mit unseren Reparaturen. Ich muss die Auflaufbremse auseinander nehmen, um an den Stoßdämpfer zu kommen. Als ich diesen ausgebaut habe, stelle ich allerdings fest, dass eine Reparatur unmöglich ist. Eine Ersatzbeschaffung soll drei Tage dauern. Da unser Permit morgen abläuft und Imphal nicht so schön ist, um hier mehrere Tage zu stehen, versuche ich es mit einem ähnlichen Gas-Dämpfer, leider ohne Erfolg, denn dieser überlebt nicht einmal die Probefahrt. Na ja, so kann man einen Tag halt auch verbringen. Ich stelle also den alten, d.h. ungebremsten Zustand wieder her und hoffe in Mandalay Ersatz beschaffen zu können. Wenigstens konnten wir hier unseren Hängerreifen reparieren lassen. Diesmal habe ich eine eigene Methode ausprobiert, um den Mantel von der Felge zu bekommen, da ich die Indische mit Hammer und Meißel nicht mehr mit ansehen kann. Ich benutze eine Stütze unserer Kabine zum Abdrücken und das funktioniert sehr gut. Aber wie der Zufall es will, hat diese Werkstatt nun doch einmal eine handbetriebene Abdrückvorrichtung. Aber trotzdem sind wir um eine Erfahrung reicher, denn wer weiß, wo wir mal selbst einen Reifen flicken müssen.

09.03.2004

Heute wollen wir die Grenze nach Myanmar überschreiten und hoffen sehr, ohne große Probleme in dieses Land gelassen zu werden. Aber alles kommt völlig anders. Bereits 50 Km hinter Imphal ist Schluss mit lustig. Der Polizeiposten in Pallel setzt unserer Reiselust ein jähes Ende, indem uns klar gemacht wird, dass in Manipur andere Gesetze, als im restlichen Indien gelten. Mit unserem Permit vom F.R.R.O. Calcutta können wir zwar in Manipur einreisen und bis Imphal fahren, aber für den Rest der Strecke bis zur Grenze ca. 110 Km, benötigen wir ein neues, vom Polizeichef von Manipur erteiltes Permit. Wir sollen also nach Imphal zurück fahren und dieses Permit besorgen. Weder in Calcutta, noch an den anderen Checkposten in Manipur, haben wir einen Hinweis auf die Notwendigkeit eines solchen Permits bekommen, obwohl wir das Ziel unserer Reise durch Manipur immer angeben mussten. Wir weigern uns schlichtweg zurück zu fahren, noch dazu, wo die Nachwehen des Festivalls vom 06.-07.03 auf den Strassen immer noch anhalten. Am nervigsten sind die Jugendlichen, vorrangig Weibliche, die mit Seilen, Sitzbänken oder mit sich Selbst die Strasse absperren, um den Verkehr anzuhalten und wahrscheinlich Süßigkeiten oder ein paar Rupees zu erbetteln. Pro Ortschaft passiert das mindestens 20 mal im Abstand von wenigen Metern. Einzige Möglichkeit da durch zu kommen ist, mit angemessener Geschwindigkeit und laut Hupend darauf zu zu halten. Das kostet aber auch entsprechend Nerven, schließlich wollen wir ja auch Niemanden verletzen. Der Strassenzustand ist auch nicht gerade so, das man die Strecke zweimal fahren muss.
Ein langes Palaver und ausgiebige Telefonate enden nach rund zwei Stunden mit dem Ergebnis, dass wir mit dem Auto des Polizeiposten nach Imphal zum CID und der dortigen Foreigner-Section zurückgebracht werden. Dort bekommen wir ein neues Permit  in Form eines Stempels in unsere Pässe und werden dann zum Polizeichef persönlich gebracht. Dieser eröffnet uns, dass wir anschließend nach Pallel zurück gefahren werden und morgen um 9.00 Uhr in Begleitung eines seiner Assistenten (einem kleinen Kerl im Trainingsanzug, von Cordula Mr. Bond getauft)  unsere Fahrt zu Grenze fortsetzen können. Wir müssen aber der Polizeistation von Moreh auch noch einen Besuch abstatten, dabei und bei den übrigen Checkposten auf der Strecke soll Mr. Bond uns unterstützen. Wer hätte gedacht, dass es offensichtlich schwieriger ist, Indien zu verlassen, als in Myanmar einzureisen.

10.03.2004

Wir sind offiziell aus Indien ausgereist. Aber in Myanmar noch nicht angekommen. Und das geht so. Mr. Bond fährt bereits gegen 8.00 Uhr mit uns los in Richtung Grenze. Die Strasse ist mehr schlecht als recht und schlängelt sich bergauf, bergab durch die Landschaft. Höchster Punkt rund 1500 MN. So treffen wir gegen 12.00 Uhr an der indischen Grenze ein, wo wir schon erwartet werden. Für alle Formalitäten auf indischer Seite werden rund zwei Stunden und unsere inzwischen erworbenen Sach- und Fachkenntnisse benötigt. Zum Einen vergessen die Inder den Ausreisestempel in unsere Pässe zu drücken, zum Anderen haben sie im Umgang mit dem Carnet noch viel zu lernen. Wir geben unser Bestes. Mit indischen Geleitschutz geht es dann zur anderen Seite. Hier machen die Inder den entscheidenden Fehler und lassen uns, noch vor der Brücke, im Niemandsland halten. Das gibt den Burmesen die Möglichkeit, uns nach gut drei Stunden Wartezeit, als die Grenze gegen 17.00 Uhr indischer Zeit geschlossen wird, wieder zurück zu schicken. Angeblich und soweit wir verstehen konnten, fehlt uns noch ein besonderes Permit für diese burmesische Region, die ebenfalls wieder Restricted Area ist. Da aber selbst die hier lebenden indischen Beamten sich kaum mit den benachbarten Burmesen verständigen können und auf der Seite von Myanmar fast kein Englisch gesprochen wird, bleibt vieles im Dunklen. Klar wird nur, dass unser Visa und unsere genehmigte Route o.k. sind und wir Morgen einen neuen Versuch unternehmen müssen. Dann haben wir uns aber fest vorgenommen, die Brücke beim ersten Anlauf zu überqueren.
Die Inder nehmen uns hilfsbereit und freundlich wieder mit zurück, da sie es nicht verantworten wollen, uns im Niemandsland stehen zu lassen und weisen uns einen Platz für die Nacht auf dem Gelände der Polizeiresidenz zu. Wir sind sehr gespannt, wie die Geschichte morgen weitergeht !

11.03.2004

ENTRY kommt bestimmt von ENTERN und so machen wir das auch. Gegen 9.00 Uhr stehen wir diesmal entschlossen auf der Seite von Myanmar, also hinter der Brücke. Die Aufregung ist groß, nicht nur bei den Burmesen, auch die Inder kommen schnell hinter uns her und machen uns lautstark - allerdings zwinkernd - Vorwürfe, aber wohl nur für die Burmesen, um das Gesicht zu wahren. Ein mehrstündiges Palaver schließt sich an, natürlich mit ständigen Unterbrechungen und Wartezeiten. Dann die Frage von Seiten des Deputy-Direktor of Immigration (einem kleinen mit Basecape, Wickelrock und Sonnenbrille bekleideten Asiaten, der den Mund kaum öffnen kann, da ihm sonst sein Betelbrei rausfällt), ob wir mit einer Routenänderung einverstanden wären. Dem heute anwesenden Dolmetscher ist es zu danken, dass wir die Frage überhaupt verstehen. Die Änderung entspricht genau unserer Vorstellung und wir sind schnell einverstanden. Damit Bewegung in die Sache kommt, sind wir auch bereit, auf die andere Seite zurück zu fahren, wo sich das Gate No. 1 des burmesischen Zolls befindet. Vielleicht ein Fehler, denn nun sitzen wir stundenlang im Custom Office. Zwischenzeitlich telefonieren wir per Satellit mit den Botschaften und Ministerien, was beide Seiten durchaus beeindruckt. Während der Wartezeit hören wir erstaunt zu, wie sich die Inder und Burmesen mittels Dolmetscher, wohl das erste Mal, über ihre private Lebensführung etc. austauschen und alle stellen erstaunt fest, wie wenig man voneinander weiß.  Da vom Deputy-Direktor nichts mehr zu hören ist, macht sich Cordula auf den Weg, um den Sachstand zu ermitteln. Nach zwei Stunden kommt sie völlig entnervt zurück. Der Deputy hält uns klar hin, denn auf Cordulas wiederholtem Nachfragen, weiß er nicht, mit wem er telefoniert hat und kennt auch nicht den Namen seines Vorgesetzten. Alles absolut geheim! Letzte Aussage, wir bekommen unser Permit vielleicht Morgen. Noch einige Telefonate mit der deutschen Botschaft in Myanmar und der Botschaft von Myanmar in Dehli, um Druck zu machen und dann stehen wir auch schon wieder auf dem selben Übernachtungsplatz wie gestern.  Lange Strategiediskussionen schließen sich an und wir beschließen, auch morgen wieder ganz früh bei den Burmesen samt unserem Telefon und unserer indischen Begleitmannschaft auf der Matte zu stehen.

Dazu kommt es aber nicht. Die Inder wollen ohne unsere temperamentvolle Anwesenheit erst einmal die Lage auskundschaften. Aber wir brauchen nicht lange zu warten, denn dann kommt die gute Nachricht, unsere Weiterfahrt ist genehmigt. Wir brauchen rund zwei Stunden für den Zoll, der ausgesprochen harmlos vorgeht. Zwischenzeitlich erfahren wir über den Dolmetscher, das wir die nächsten zwei Tage einen Guide mitschleppen und in drei Etappen  (Kalewa - Monywa - Mandalay) fahren müssen. Auch das schlucken wir. Als wir beim Zoll fertig sind, geht es zum Deputy-Direktor, welcher offensichtlich Druck bekommen hat, denn er wechselt kein Wort und keinen Blick mehr mit uns. Die Inder und Burmesen müssen offensichtlich noch Übergabeprotokolle schreiben und dann geht es endlich los. Unser Guide und der Dolmetscher zwängen sich in unser Fahrerhaus und so landen wir, nur rund 7 Km weiter, auf dem Hof eines weiteren Checkpostens. Der Dolmetscher erklärt uns, wir bräuchten nun von allen Dokumenten, Visa, Pass, Zollerklärung, Einreisegenehmigung u.s.w. mindesten fünf Kopien für die Kontrollen unterwegs. Cordula stiefelt mit ihm los und nach rund einer Stunde soll sie, für 150 Kopien 15 Dollar bezahlen. Wir handeln das Ganze auf 10 Dollar runter und später wird uns klar, das dies ein abgekartetes Spiel ist. Man braucht höchstens 10 Kopien (Pass, Visa und genehmigte Route ca. drei mal), der Rest ist Müll. Der Dolmetscher will dann auch plötzlich von uns Geld für seine Tätigkeit. Das fällt natürlich aus, denn wir haben ihn nicht beauftragt. Nächste Neuigkeit ist, dass wir erst um 14.30 Uhr im Konvoi nach Kalewa weiterfahren werden. Davon war bisher nie die Rede, man erfährt hier wohl die ganze Wahrheit immer nur Stückchen weise, wie gesagt, alles ganz geheim. So kommt es dann auch, mit ca. 10 Fahrzeugen und einer Menge Bewaffneten starten wir. Von dem Konvoi ist aber bereits nach wenigen Kilometern nichts mehr zu sehen, denn die meisten Fahrzeuge sind Busse und halten ständig an. Außerdem ist die Konvoipflicht bereits nach 60 Km aufgehoben, denn hier endet der direkte Strassenverlauf  innerhalb der indisch-burmesischen Grenze. Die Strasse ist nicht direkt schlecht, wird aber von 75 Brücken (Cordula hat mitgezählt) der schon beschriebenen Stahl-Stahlblechbauweise unterbrochen. Also pro Meile einmal runter bis in den ersten Gang, vorsichtig über die Speedbreaker und anschließend über mehr oder minder lose Bleche. Kein Wunder, dass es bereits dunkel ist, als wir in Kalewa ankommen, schließlich kamen die Checkposten ja auch noch dazu. Dann sollen wir plötzlich gleich mit der Fähre übersetzen und in der Nacht noch nach Monywa weiterfahren. Wir weigern uns natürlich und haben Erfolg, müssen die Nacht allerdings auf der Strasse mitten im Ort stehen und hunderte Neugierige aushalten. Da wir noch keine Gelegenheit zum Geldumtausch hatten und es glücklicherweise den Zwangsumtausch nicht mehr gibt, mache ich mich noch auf, um auf dem freien Markt zu tauschen (was auch wesentlich günstiger ist). Zu meiner Überraschung lande ich nach mehreren Anläufen beim dortigen Immigration-Officer, der mir 700 Kyats pro Dollar anbietet. Natürlich hat dieser Handel offiziell nie stattgefunden.

Die Fähre hätten wir in der Dunkelheit nie erreicht. Selbst bei Tageslicht wird es eine anstrengende Prozedur, da drauf zu kommen. Die Zufahrt ist unbefestigt und da der Wasserstand vor dem Monsun niedrig ist, ist sie  lang, steil, sandig und geröllig. Zu allem Überfluß muss ich rückwärts auffahren, d.h. am Hang den ganzen Zug wenden. Wir haben wirklich großes Glück, dass nichts schief geht und wir auf der Fähre zum Stehen kommen. Die Ausfahrt gestaltet sich ebenso schwierig, unser einziger Trost ist, aus welchem Grund auch immer, wir sind plötzlich unseren Guide los und können alleine weiterfahren.
Die Strecke nach Monywa ist sehr anspruchsvoll. Viele Brücken (diesmal aus Holz), Steigungen von teilweise mehr als 25 % und Baustellen, natürlich mitten in den Steigungen, sowie streckenweise Piste. Für 186 Km brauchen wir den ganzen Tag und kommen rund 20 Km vor Monywa in die Dunkelheit und so zum Stehen auf einem der vielen Hubschrauberlandeplätze, welche es überall dort gibt, wo Brücken oder neue Strassenabschnitte fertiggestellt wurden. Offensichtlich wird die Führung zu solchen Anlässen dorthin geflogen. Leider war die Fahrt so anstrengend, dass für die schöne Landschaft und die herrliche Ruhe in den Bergen nur wenig Zeit blieb, wir jedoch oft das frische Teakholz überall riechen konnten. Die wenigen Menschen die wir nach Kalewa getroffen haben, sind freundlich und nicht so neugierig und aufdringlich. Leider wird sehr wenig englisch gesprochen. Wir testen an diesem Abend noch unser erstes burmesisches Bier von der Sorte Spirulina, welches  neben 5% Alc. auch Anti-Aging and Forever Young auf seinem Etikett verspricht.

Eine sehr ruhige Nacht, zumindest was die direkte Belästigung an und um unsere Kabine angeht, ansonsten halt Samstag mit Disco bis gegen 2.00 Uhr. Wir fahren am Morgen weiter nach Mandalay. Die Strecke ist eben und lässt einen vierziger Schnitt zu. In jedem Dorf gibt es mindestens eine Pagode und ein buddhistisches Kloster, wenn man alle besuchen wollte, bräuchte man Wochen bis Mandalay. Wir kommen dabei direkt an einer der berühmtesten Pagode, der Kaung-hmu-daw-Pagode kurz vor Sagaing zum Stehen, dessen riesige Stupa, einer Glocke ähnelnd, schon von weitem zu sehen ist. Gemütlich bummeln wir durch und um die Pagode, natürlich barfuß, und erfreuen uns am bunten Treiben der Pilgerer und Verkaufsstände. So kann man Eulen kaufen und wieder frei lassen, um durch diese gute Tat sein Karma auf zu bessern, oder Thanakaholz und Mahlsteine erwerben, um auf diesen die traditionelle Kosmetik des Landes - Thanakapaste - herzustellen. Die freundlichen Burmesinnen führen uns dies auch sogleich vor, allein Cordula schreckt dann vor dem Auftragen der Paste doch etwas zurück - noch fehlt ihr der Glaube an dieses Schönheitsmittel. Wir erreichen die Stadt Mandalay gegen 15.00 Uhr. Die Platzsuche gestaltet sich schwierig. Entweder sind die Parkflächen der Hotels zu klein oder sie wollen uns einfach nicht da stehen haben. Zum Schluss stehen wir vor dem Gästehaus der Stadt an einem kleinen See. Wir machen uns seit langem mal wieder stadtfein und gehen Essen. Morgen wollen wir uns einen Platz für mehrere Tage suchen, schließlich müssen wir die Auflaufbremse reparieren, ein Permit für das Tanken einholen (an offiziellen Tankstellen benötigt man ein Solches, an den Inoffiziellen tankt man vom Fass, das möchte ich vermeiden) und Mandalay, als der letzten alten Königstadt Burmas, einen Besuch abstatten.
Auf der Fahrt ab Kalewa hatten wir nie den Eindruck unter Beobachtung zu stehen. Auflagen uns irgendwo zu melden, gab es auch nicht. Heute wurden wir auf halber Strecke an einem Checkposten angehalten und unsere Passnummern mit der bereits vorhandenen Eintragungen abgeglichen. Das bedeutet wohl, man erwartet uns regelrecht an bestimmten Punkten unserer genehmigten Route. Das Ganze scheint dann wieder recht gut durchorganisiert.

Mit dem Aufstehen lassen wir uns etwas Zeit und nach dem Frühstück fahren wir, auf Empfehlung eines Lehrers, zum "Mandalay Inn", dort soll es ausreichend Platz für uns geben. Dieses Hotel, direkt unterhalb des Mandalay "Berges", dürfte leider (was die Kosten angeht) wieder einmal das absolut Beste der Stadt sein und für 65,00 US$ pro Tag, inkl. Strom, Frühstücksbuffet und Nutzung aller Hoteleinrichtungen, dürfen wir auch hier stehen. Da die Auswahl nicht riesig ist und wir das Umfeld der Stadt bezüglich unserer nötigen Reparaturen dringend brauchen, nehmen wir das Angebot an und erfahren, dass wir eine deutsche Caravan Gruppe, (welche diesen Preis / Fahrzeug aushandelte!) um nur einige Stunden hier verpasst haben. Sehr schade ! Wolle hatte uns von dieser Agentur geführten Reise schon erzählt. Er selbst hatte Interesse an dieser Tour gehabt, damals war aber unklar, ob sie in Anbetracht von S.A.R.S. überhaupt stattfinden würde. Die Reise sollte über die GUS, China, Myanmar, Indien, Pakistan usw. gehen. Offensichtlich hat es doch noch geklappt, denn 13 Fahrzeuge haben hier gestanden. Ihre Spuren begegnen uns später noch einmal.
Gleich nach dem wir uns eingerichtet haben, machen wir uns auf, um einen Stoßdämpfer und das Permit zu besorgen. Mit dem Stoßdämpfer haben wir leider keinen Erfolg. Eine 50% Chance bietet eine Werkstatt, die Morgen einen Reparaturversuch starten will. Es ist schon Nachmittag, als wir uns auf die Suche nach dem Büro der MPPE Tankgesellschaft machen. Für jene, die das noch vor sich haben, dieses Büro befindet sich am Ende der 35. Strasse, letzte Kreuzung nach rechts, kurz vor dem Fluss. Auch hier nur mangelnde Englischkenntnisse, aber nach einigem Palaver erhalten wir vom Chef-Officer die Genehmigung, an der Tankstelle gleich neben unserem Hotel, 20 Galonen und in Kalwa noch einmal zu tanken. Die Galone (4,55 L) für 1,75 US$. Hier treffen wir auch wieder auf die Spuren der o.g. Gruppe, denn Cheffe erinnert sich und holt deren Akte zum Auffrischen des Prozedere herbei. Wir können einen Blick drauf werfen und es sind in der Tat alles Deutsche mit 13 Fahrzeugen gewesen.
Froh, wenigstens dies erledigt zu haben, kehren wir, mit ein paar kühlen Myanmar Bier zum Hotel zurück und steigen zur Abkühlung in den Pool. Bei Tagestemperaturen von knapp 40° C unbedingt notwendig.

Was ich unbedingt mal loswerden muss ist, dass Myanmar dem Augenschein nach, wenn man aus Indien kommt, nicht das ärmere Land zu seien scheint. Die Menschen sind wesentlich ordnungsliebender und sauberer, auch was Küche und Umfeld angeht, als wir es in Indien je gefunden haben. Es fallen keine Slums und Elendsquartiere ins Auge und selbst die einfachen Bambushütten auf dem Land haben Charakter. Die Findigkeit bei Reparaturen, der Secondhand-Ersatzteilmarkt, der Schwarzgeldmarkt (850 Kyats pro Dollar), das offensichtliche Vorhandensein von Geldmitteln in der Bevölkerung, die Reisebeschränkungen, die restriktiven Bestimmungen, wie Tankpermit  usw.,  wir haben den Eindruck das Leben in Myanmar ähnelt dem in der Ex-DDR, auf einem entsprechend niedrigeren Niveau.
Der Tag vergeht mit Reparaturen (einer der vielen unangekündigten Speedbreaker in Indien hat die gesamte Bremsanlage des Hängers beschädigt) und Wäsche waschen. Cordula unternimmt noch einen Ausflug in die Stadt, um unseren Stoßdämpfer zur Reparatur abzugeben (Morgen um 16.00 Uhr kommt die Stunde der Wahrheit) und besucht den Königspalast, bzw. was nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg davon wieder rekonstruiert  wurde.  Die quadratische Anlage, mitten im Zentrum von Madalay, ist von einem Wassergraben und einer Mauer umgeben, welche  heute  durch 4 Tore betreten werden kann, Ausländer können z.Zt. nur das Ost- und Westtor benutzen. Die Rekonstruktion des alten Palastbereiches gibt einen Eindruck über die Größe  und die ehemalige Bebauung, hat jedoch keinen kunsthistorischen Wert. Der Ort wird jedoch gern von den Burmesen als Fotokulisse für familiäre Anlässe, meist in traditioneller Kleidung, genutzt und die lassen auch Cordula bereitwillig und gern ein Foto machen. 
Am Nachmittag holen wir uns noch unsere genehmigten 24 Galonen Diesel für 42,00 US$.

Reparaturen und Waschen hält an. Ich nehme mir die Radlager am Hänger vor. Bei einem Weiteren hat es einen Käfig zerbröselt und das Spiel ist merklich geworden. Da ich nur noch Eines als Ersatz habe und ein Käfig noch intakt ist, beschränke ich mich auf eine Reparatur des Lagers. Genügend Ersatzteile aus alten Lagern habe ich ja und so ersetze ich den Käfig durch zwei zusätzliche Kugeln. Ordentlich mit Fett gestopft und es rollt wieder. Ich hoffe für zwei- bis viertausend Kilometer.
Am Nachmittag holen wir unseren tatsächlich reparierten Stoßdämpfer ab. Aufgesägt, mit neuem Gestänge versehen und wieder verschweißt. Wie lange das hält, werden wir mit Sicherheit sehen, aber rund 7,00 € sind den Versuch wert. Dann finden wir noch einen riesigen Kugellagerhandel. Nach einiger Wartezeit bekommen wir auch tatsächlich zwei weitere Lager für unseren Hänger und sogar zu einem guten Preis. Es gibt hier auch Radlager für den Landy, so werde ich mir morgen die Vorderräder vornehmen, welche doch auch etwas Spiel haben. Für den Fall, dass ein Lager schon zu sehr verschlissen ist, bekomme ich ja hier Ersatz.
Um den Tag noch einen schönem Abschluss zu geben, gehen wir am Abend essen. Das Thai-Restaurant Ko`s Kitchen ist im Reiseführer als sehr gut eingestuft und hält auch, was der Reiseführer verspricht. Wir essen sehr gut und reichlich für 12,00 € inkl. einer Flasche Erdbeerwein, lokaler Herstellung und gut gekühlt, zu scharfen Speisen zu empfehlen.

18.03.2004

Ein weiterer Tag mit Reparaturen und Wäsche waschen. Beim Einbau des Stoßdämpfers wird schnell klar, dass die Reparatur nicht 100% gelungen ist. Er wurde aufgesägt, um an das Innenleben ran zu kommen und dann wieder verschweißt, was aber den Ölstand negativ beeinflusst hat. Zu wenig Öl und zu viel Luft ergeben zu wenig Dämpfung. Ich baue ihn aber trotzdem erstmal ein, da ich ja inzwischen eine Sperre konstruiert habe, um die Auflaufbremse außer Betrieb nehmen zu können.
Dann schaue ich noch nach den Lagern der Vorderräder am Landy, die ja auch etwas Spiel haben. Leider bin ich immer noch nicht sicher, wie fest oder lose die Überwurfmutter angezogen werden muss. Da es aber bisher am Hinterrad keine Probleme gab, gehe ich genauso vor. Eine Idee zu fest, in der Überzeugung, es lockert sich ohnehin auf den nächsten 100 Km.
Dann haben wir genug vom Waschen und Reparieren und gehen an den Pool. Dort gönnen wir uns neben dem Badespass noch ein kaltes Bier. Am Abend beschließen wir unsere Tage im Mandalay Inn mit einem ausgiebigen Dinner und einem ausgezeichneten Chardonay.

Noch einmal ausgiebig Frühstück am Hotelbuffet und dann noch schnell Radlager für den Landy einkaufen. So preiswert wie hier ( 2 Stück für 18,00 US$) bekommen wir sie bestimmt nicht wieder. Dann zusammen packen und einen neuen Stellplatz, direkt am Mandalay Berg suchen. Hier bleiben wir noch eine Nacht und können uns so am Nachmittag den Berg, alle wichtigen Klöster und Pagoden hinreichend anschauen, welche in jedem Reiseführer ausgiebig beschrieben sind.

Wir fahren am Morgen wie geplant in Richtung Yangoon. Die Strasse beginnt verheißungsvoll mit vier Spuren. Nach rund 40 Km ist aber die Freude schon zu Ende. Weitere 20 Km geht es nur noch durch eine Baustelle auf Schotter und Sand. Wir biegen ab, um über Myingyan weiter nach Bagan, der Hauptstadt des ersten burmesischen Reiches, zu fahren. Der Weg dorthin führt durch flaches Land, welches von vielen z.Zt. trockenen Wasserläufen durchzogen wird. Die Strasse ist meist einspurig und dort, wo Wasserläufe gekreuzt werden, stark versandet. Die Temperaturen liegen bei 40-45°C und ein starker, heißer Wind macht die Fahrt zusätzlich anstrengend. Hinzu kommt das ständige Gefühl, dass mit unserer Fuhre irgend etwas nicht stimmt. Wir streifen bei tiefen Bodenwellen, öfter als sonst, mit der Hängerkupplung über den Grund und es gibt ungewöhnliche Geräusche.
Ich bin ziemlich geschafft, als wir am Abend in Bagan ankommen und nach einigen vergeblichen Versuchen einen Stellplatz zu finden, endlich im Hof des Bagan Thande Hotel stehen. Da hier Camp-Tourismus noch unbekannter als anderen Orts ist, bleibt nur ein Zimmer zu nehmen, was mit 24,00 US$ im Gegensatz zur Stellfläche in Mandalay durchaus erschwinglich ist.

21.03.2004

Die Hitze macht mir etwas zu schaffen, so dass ich einen Ruhetag brauche, um mich zu akklimatisieren. Im Schatten am Pool verbringen wir die meiste Zeit und wenn wir nicht schlafen, sinnieren wir über die Hochs und Tiefs einer solchen Reise. Im Moment fühlen wir uns wie auf einer Achterbahn. Die Freude nun in Myanmar zu sein und viele neue Eindrücke zu gewinnen, gar nicht zu reden von den freundlichen Menschen hier, wird getrübt von neuen technischen Problemen. Ein doppelter Rahmenbruch ist die Ursache des unguten Gefühls vom Vortag. Wir lernen so auch weiterhin die Schwachstellen an unserem Fahrzeug kennen und geben die Hoffnung nicht auf, diese irgendwann überwunden zu haben. Den aufkeimenden Gedanken an einen Fahrzeugwechsel verwerfen wir schnell wieder, schließlich würden wir nur mit neuen, eventuell anderen Schwachstellen konfrontiert werden. 

Zeitig sind wir auf den Beinen und nehmen die Kabine runter. Dann geht es gleich weiter, denn die Ladefläche muss auch abgebaut werden. Wir kommen gut voran und schaffen es noch, gegen 9.00 Uhr zu frühstücken. Ein hilfsbereiter Angestellter des Hotels bringt uns dann zu einer Werkstatt. Dort werden wir schnell handelseinig und können für umgerechnet 60.00 € unseren Landy am Abend wieder abholen. Der Rahmen ist an zwei Stellen geschweißt und verstärkt worden. Da beide Bruchstellen hinter der Achse liegen, dürfte es auch keine Auswirkungen auf die Spureinstellung geben. Zurück im Hotel machen wir uns an die Planung für die nächsten Tage. Die geschweißten Rahmenteile brauchen etwas Farbe und die Montage der Ladefläche wird etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen, als die Demontage, besonders die Elektrik wird Zeit kosten.
So planen wir noch zwei weitere Tage hier ein, schließlich wollen wir uns Bagan ja auch noch richtig anschauen, können dies dann aber mit dem Landy machen, bevor wir die Kabine wieder drauf setzen.

23.03.2004

Wir brauchen fast den ganzen Tag, um alles wieder zu montieren und in der Tat, macht die Elektrik uns am Meisten zu schaffen. Von 12.00-16.00 Uhr müssen wir unterbrechen, da die Hitze konzentriertes Arbeiten kaum zu lässt. Zu allem Übel, hat sich Cordula noch eine Erkältung zugezogen und hustet bei 45° C im Schatten. Wir sind froh, am Abend alles soweit fertig zu haben, so dass wir Übermorgen nur noch die Kabine aufsatteln müssen.

Pagoden, Tempel und Heiligtümer soweit das Auge reicht. Das ist Alt-Bagan. Wollte man alle besuchen, bräuchte man Wochen, so konzentrieren wir uns auf die Bedeutendsten und das ist ehrlich gesagt, anstrengend genug. Nicht nur die Temperaturen und die vielen geschäftstüchtigen Souvenirhändler, sondern auch die ständige Wiederholung ein und des selben Themas in verschiedenen Variationen, wirken dann auf Dauer doch ermüdend. Das schmälert jedoch nicht die beeindruckende Kulisse, die sich einem bietet, egal von welcher Himmelsrichtung man sich auch Bagan nähert. Im Gegensatz zu Indien, ist der Besuch von Tempeln und Heiligtümern hier kostenlos. Man beschränkt sich auf freiwillige Spenden und es ist erstaunlich, in welchen Umfang, vor allem die Burmesen selbst spenden, da es sich ja um eines der ärmsten Länder handelt.

25.03.2004

Der Manager des Hotel Bagan Thande überrascht uns bei unserer Abreise mit einem 50% Discount. So etwas hatten wir noch nie in den 10 Monaten unserer Reise. Wir freuen uns sehr und verabschieden uns herzlich vom netten , hilfsbereiten und freundlichen Personal. Da wir am Morgen aufgesattelt haben, kommen wir erst gegen 9.30 Uhr in die Spur. Die Strasse ist meist einspurig, aber fast durchgängig geteert. So kommen wir doch recht gut voran durch die flache, etwas eintönige Landschaft. Als wir am späten Nachmittag die Berge vor uns sehen, halten wir in Hlaingdet einfach neben der Strasse an und übernachten hier.

26.03.2004

Leider hat uns keiner gesagt, dass auf der anderen Strassenseite der örtliche Generator steht, welcher mit einsetzender Dämmerung bis zum Sonnenaufgang arbeitet. Außerdem haben wir das Gefühl, dass in dieser Nacht der gesamte Fahrzeugbestand des Landes auf dieser Strasse unterwegs ist. Der Verkehr und aufkommender Wind lassen die Nacht zu einer unangenehm staubigen Angelegenheit werden, was besonders für Cordula belastend ist, da sie ihren Husten noch nicht auskuriert hat.
So sind wir beim ersten Tageslicht schon wieder auf den Rädern in Richtung Inle Lake. Die Strasse ist weiter einspurig und das Bergauf und Bergab bremst uns gewaltig. Landschaftlich ist die Strecke durchaus reizvoll, leider sind die meisten Bäume aber kahl, da hier jetzt der heiße Sommer beginnt. Nach dem Monsun etwa im August muss es hier, wenn alles grünt und blüht, wunderschön sein. Allerdings bezweifle ich, dass dann diese Strasse befahrbar ist.
Nach 140 Km haben wir es geschafft und stehen auf dem Hof des Hotel Paradise in Yawnghwe. Natürlich müssen wir auch hier wieder ein Zimmer nehmen, kommen aber mit 20,00 US$ pro Nacht noch glimpflich davon.

27.03.2004

Cordula hütet das Bett und kämpft mit ihrer Erkältung, welche glücklicherweise bisher ohne hohes Fieber verläuft. Ich nutze die Zeit und mache mich mal wieder ans reparieren. Wir haben am Hänger einen Platten und ein Flansch von der Steckachse muss gewechselt werden. Zum Schluss fülle ich noch Öl auf. Nicht nur am Motor, sondern am Differenzial, im Zwischengetriebe und im Achsschenkelgehäuse. Langsam entwickle ich mich zum kleinen KFZ-Monteur.
Am Abend gehen wir essen und bedauern sehr, zur falschen Jahreszeit hier zu sein. Es muss sehr schön sein, im August oder September hier auf einer der Terrassen eines Restaurants zu sitzen und ringsherum grünt und blüht es.

Diesen Tag verbringen wir sehr ruhig. Cordula erholt sich nur sehr langsam. Wir machen einige kurze Spaziergänge und besuchen am Abend das Marionettentheater, welches nur für uns zwei spielt.
Was unsere Transitgenehmigung für Myanmar angeht, haben wir offensichtlich wirklich viel Glück gehabt, denn heute erfahren wir per e-Mail, dass der Antrag von Mustafa & Petra nicht genehmigt wurde. Nach welchen Kriterien die Genehmigungen erteilt werden, bleibt also nach wie vor im Dunklen.

Ab 8.00 Uhr verbringen wir den Tag auf dem Inle-Lake in einem langen, schmalen Boot mit Dieselmotor (laut, aber erstaunlich schnell). Der Bootsfahrer kennt das touristische Programm genau und bringt uns zu allen interessanten Plätzen und familiären Handwerkstätten. Wir beobachten die Herstellung traditioneller Papierschirme und der burmesischen Zigarren (Cheroots), schauen bei einer Seidenweberei und einer Silberschmiede vorbei und staunen über die schwimmenden grünen Gärten, in denen allerlei frisches Gemüse wächst. Das Leben der Menschen und Tiere spielt sich zwischen Haus und Boot ab, viel Auslauf ist da nicht. Zum Schluss bleibt ausreichend Zeit, um den eigentümlichen Methoden der Inle-Lake Fischer zu zuschauen, welche auch als Beinruderer weltbekannt sind. Es ist ein sehr schöner Tag, den wir bei ein paar Bier vom Fass (!) ausklingen lassen.

Ein ruhiger, erholsamer Tag mit Spaziergängen und Einkaufen. Von unserem Fenster aus können wir zufällig Novizen beobachten, welche morgen das Prinzengewand gegen die Mönchsrobe eintauschen werden. Morgen wollen wir weiter Richtung Taschelik fahren.

31.03.2004

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Statt Richtung Grenze zu fahren,  hüte ich nun das Bett. Alles begann gestern Abend mit Schüttelfrost, anschließendem hohen Fieber und etwas Durchfall. Das Fieber geht rauf und runter und so entsteht schnell der Verdacht, es könnte Malaria sein. Da auch Cordulas Husten nicht weichen will, konsultieren wir am Nachmittag den ortsansässigen Arzt. Mit Wickelrock und Baseballmütze (es fehlt nur das Betelknäul im Mund) ist seine Erscheinung nicht unbedingt sehr vertrauenswürdig. Bei mir diagnostiziert er schnell "bad food" und soll recht behalten, wie das Rumoren in meinen Därmen noch am Abend beweist. Cordula bekommt Antibiotika gegen ihren festsitzenden Husten. Die Untersuchung einschließlich Medikamente kostet 20,00 US$.

01.04.2004

Wir schieben notgedrungen einen weiteren Ruhetag ein und erleben, wie in diesen Breiten ein Hagelschauer nieder geht. Glücklicherweise sind die Körner nicht allzu groß und richten keinen Schaden an. Der Regen lässt zum Abend nach, bringt aber spürbare Abkühlung.  Morgen wollen wir einen weiteren Versuch unternehmen, unsere Reise fortzusetzen.

Im zweiten Anlauf klappt es, zwar spät, aber gegen 10.00 Uhr rollen wir wieder. In Taungyi passieren wir wieder einmal einen Checkposten, werden registriert, dürfen dann aber ohne Einschränkung auf der für Ausländer nach wie vor gesperrten Strasse dank unseres Permits weiter fahren. Durch eine wunderschöne Landschaft geht es bergauf und bergab, im Mittel auf 1200 MN, auf einer einspurigen sehr schmalen Strasse. Unterbrochen wird die Fahrt nur von  Baustellen, in denen meist mehrere Bagger gleichzeitig damit beschäftigt sind, den Berghang abzubauen, um auf der anderen Seite damit die Strasse zu verbreitern. Über die Haltbarkeit, der so gewonnen Fläche, lässt sich sicher streiten.
Ein uns entgegenkommender Konvoi einer internationalen Delegation des Roten Kreuz stoppt sofort, als ein deutscher Insasse unser Kennzeichen sieht. Er ist vollkommen aus dem Häuschen, wie wir denn in diese Gegend kommen, allein und ohne Sicherheitsbegleitung und will alles ganz genau wissen.
In Loilem wollen wir, nach anstrengenden 124 Km (in Anbetracht unserer angeschlagenen Gesundheit, welche aber auch Fortschritte macht) die Nacht verbringen. Bei der Polizei fragen wir nach einem Platz für die Nacht, schließlich steht da immer draußen dran "May I help you".  Nach einigen Formalitäten und etwas smalltalk stehen wir dann gegenüber auf einem kleinen Spielfeld.

Zeitig geht es wieder los, auf einer Strasse (No. 4) von der recht wenig zu sehen ist. Ein besserer Feldweg würde es eher treffen. Für unsere 104 Km brauchen wir den ganzen Tag und schaffen so gerade mal einen Schnitt von 13,5 Km/h. Das Hochland ist so schön, dass wenn wir ohne Zeitdruck unterwegs wären, wir in jeden Fall einige Wochen hier zubringen würden, aber am 08.04. müssen wir ja leider schon an der Grenze sein. Die wenigen Dörfer mit ihren Einwohnern, die hier etwas rauer und auch viel ärmer aussehen, scheinen gänzlich vergessen zu sein. Gemessen am geringen Verkehr, scheinen sie auch sehr autark zu leben. Man sieht sie mit Flinte und Fallen auf der Jagd und hier und da wird auch der Jagderfolg an der Strasse angeboten.
Wir fahren bis Nam-Mawng völlig unbehelligt, bis uns der dortige Checkposten an einen gerade losfahrenden Konvoi anhängt. Dieser stoppt wenige 100 Meter nach der Ortsgrenze und da ich nicht gewillt bin, jede Pinkelpause der annähernd rund 100 auf LKW mit Sack und Pack verladenen Menschen mit zu machen, fahre ich einfach weiter, im ruhigen Gewissen, dass der Konvoi uns ohnehin wieder einholt. So ist es in der Tat, rund 20 Km vor Hsai-Mawn nehmen sie uns diesmal in die Mitte. In Hsai-Mawn steht alles erst einmal wieder. Da es bis zur nächsten Stadt noch rund 45 Km sind, also ca. 2 Stunden, beschließen wir kurzerhand hier zu übernachten. Unsere Kilometer für diesen Tag hatten wir ja schon geschafft. Ich schere aus und das verursacht natürlich einige Diskussionen mit dem verantwortlichen Officer. Wir bleiben hart - im Dunklen fahren wir nicht ! Nach einer halben Stunde haben wir uns durchgesetzt und verbringen die Nacht als Attraktion in diesem kleinen Dorf. Mit Einbruch der Dunkelheit haben wir dann Ruhe, es bleiben nur die bewaffneten Wachen zurück, welche die ganze Nacht um unser Auto eskortieren, die Dorfbevölkerung kehrt Heim.

Alles unverändert. Strasse, Durchschnitt, Umfeld, außer, dass wir heute 2,5 Std. in einer Baustelle zubringen, bis der Bagger eine Höhendifferenz mitten auf der Strecke von ca. 10 Metern, in eine schiefe Ebene verwandelt hat. Unser Tagesziel Mong Ping schaffen wir so natürlich nicht. Rund 50 Km vor diesem Ort holt uns die Dämmerung ein und wir bleiben in einem kleinen Dorf, dessen Einwohner einen freundlichen und sicheren Eindruck machen, über Nacht stehen.
Die Armee haben wir noch ganz schön auf Trapp gebracht, da wir am Morgen einfach unsere Reise fortgesetzt haben. Offensichtlich wurde ein ziviler LKW samt Fahrer beschlagnahmt, um uns wieder einzufangen. Es gab aber keine Auseinandersetzung, sondern dieser fuhr dann noch rund 25 Km vor uns her und kontrollierte dabei seine Posten im Feld, (es gab teilweise auch ordentlich Anschiss mit Watschen). Dann übernahm uns ein entgegengeschickter Armee-LKW bis Ho-Pang ca. weitere 25 km. Ab diesem Ort waren wir wieder frei. Verstehen kann dieses Prozedere ohnehin kein Mensch, aber alle sind immer sehr freundlich. Von Polizeistaat, zumindest uns gegenüber, keine Spur. Allerdings ist die Armee hier richtig gut ausgerüstet, im Gegensatz zu Pakistan oder Indien. Cordula war sogar der Meinung, mit den 10 bis 15 Mann unserer Eskorte, ihren schweren  Schusswaffen und Handgranaten, könne man schon einen kleinen Krieg gewinnen.

Auf dem Scheitelpunkt  einer Bergkette in 1888 MN übernachten wir heute neben einem ganz kleinen buddhistischen Kloster. Es war der härteste Tag unserer bisherigen Reise für Mensch und Maschine. Eine Strasse, die keine ist und Höhendifferenzen von 400 Meter auf 2 Km verlangen alles. Wer es nicht selbst erlebt, kann es sich kaum vorstellen. Links der Berg, daneben ein ausgehobener Graben für das abfließende Wasser, dann 2 Meter Geröll und daneben geht es einige zig Meter abwärts. Oder 25 % Steigung auf Sand und Geröll und dann eine völlig vom Regen ausgewaschene Spitzkehre mit weiteren 25 % Steigung. Nach einem kaum fünf Minuten anhaltenden Regen wird die Fahrt fast unmöglich. Die gelegentlich noch vorhandenen Teerreste machen, zusammen mit der nassen Erde, die Anstiege zu spiegelglatten Flächen. Mit Müh und Not bekomme ich unsere Fuhre, nachdem alle Räder durchdrehen, zum Stehen. Erst ein neuer Versuch, mit allen zur Verfügung stehenden Sperren, bringt Erfolg und mich samt Fuhre einige hundert Meter aufwärts. Cordula, die Blut und Wasser schwitzt, muss nun etliches hinterher laufen, da sie ja die Bremsklötze unterlegen musste. Trotzdem haben wir heute 120 Km geschafft und sind ungefähr 35 Km vor Kengtung. Wenn man mal kurz die Augen von der Piste nehmen kann, entschädigt eine wirklich herrliche Landschaft. Morgen werden wir die wenigen Kilometer bis Kengtung bergab in Angriff nehmen.

Eine Strasse kann eine Region völlig verändern. Nachdem wir uns rund 900 Meter den Berg wieder hinab gewunden haben, was mit dem schiebenden Hänger auf der Piste nicht angenehm ist, kommen wir nach Kengtung und glauben in einer anderen Welt, zumindest in einem anderen Land zu sein. Selbst die Reifenwerkstatt, in der ich nun zum ich weis nicht wievielten Mal einen Reifen vom Hänger flicken lassen muss, ist mit europäischen Standart ausgerüstet. Auch ein neuer Schlauch, beim Alten gehen auf Grund der Walkerei auf der Piste die Flicken wieder auf, ist kein Problem. Das Alles wird möglich durch eine sehr gute, so weit uns gesagt wurde von Thailand gebaute Strasse, über welche die Versorgung bis Kengtung zu 95% von Thailand und China erfolgt.  Entgegen aller Aussagen in Reiseführern, die besten 150 Km die wir in Myanmar befahren haben. So bewahrheitet sich, dass die Verkehrswege die Lebensadern einer Region sind auf sehr drastische Weise.
Durch diesen Umstand verschiebt sich auch unsere Planung bezüglich des Grenzübertritts. Denn ähnlich wie einst in Albanien stehen wir schneller als gedacht an der Grenze. Wann haben wir in den letzten Wochen auch schon mal 150 Km in drei Stunden bewältigen können !
Das gesamte Personal auf burmesischer Seite ist völlig überfordert, da es noch nie einen individuell reisenden Touristen hier gegeben hat. Bisher kamen hier nur geführte Gruppenreisende mit Guide und im Konvoi an. Auf eine Kontrolle wird völlig verzichtet, da wir angeblich einen diplomatischen Status haben. Wir erklären genau, was wir wie ausgefüllt haben möchten und bekommen so unsere Ausreisestempel in Pass und Carnet. Wir verlassen Myanmar nicht ohne etwas Wehmut. Gerne hätten wir mehr Zeit in Anspruch genommen, um die freundlichen Menschen, Polizei und Armee eingeschlossen, und das reizvolle Land noch besser kennen zu lernen. Vom Polizeistaat haben wir auch von Seiten der Bevölkerung nichts gespürt. Das wirkliche Problem in diesem Land ist der Strassenbau. Sollte jemand der diesen Bericht gelesen hat, auch in den Genuss kommen, dieses Land mit eigenem Fahrzeug und auf eigene Faust zu bereisen, was nicht sehr wahrscheinlich scheint, da unsere Genehmigung  mit Sicherheit ein Versehen war, sollte er die Strecke Taunggyi - Kengtung nur befahren, wenn er über ein Allradfahrzeug mit leichter Zuladung und ausreichend Offroaderfahrung verfügt. Wie wir gezwungener Maßen heute an einem Tollgate  ungewollt (hier wird nach Gewicht berechnet und deshalb gewogen) erfahren haben, sind wir mit 5,7 Tonnen Gesamtgewicht (leerer Diesel und Wassertank!) unterwegs und das war wirklich der Grenzbereich in dieser Fahrzeugklasse, um diese Strecke zu bewältigen. Die größten Fahrzeuge (Nissan Diesel) die wir auf der Piste getroffen haben (die Hälfte davon in Reparatur - da liegt auch gleich mal das Getriebe daneben), waren schätzungsweise mit einem Gesamtgewicht von 10 bis 12 Tonnen unterwegs.
In Thailand erfolgte auch keine Kontrolle, hier aber wegen Feierabendstimmung. Es ist immer gut, an einer Grenze zu Dienstschluss zu erscheinen. Entgegen anders lautender Berichte, erkennt Thailand das Carnet an, was zu einem entsprechend zeitraubenden Prozedere führte. Aber kurz vor 18.00 Uhr reisen wir sehr glücklich und zufrieden in Thailand ein und fühlen uns schnell fast wie in Europa. Es scheint hier fast alles zu geben, auch unser Handy funktioniert wieder und überall asiatische Freundlichkeit. Die Nacht verbringen wir auf dem Parkplatz vor der Polizeistation.

Es wird eine besonders erholsame Nacht, ohne die ständige Frage im Kopf, was die Strecke am nächsten Tag für Überraschungen bietet. Wir frühstücken seit langem mal wieder ausgiebig und rollen dann weiter in Richtung Phayao. Diese Stadt liegt an einem See und ist bekannt für Fischreichtum und eine Delikatesse - Ochsenfrösche. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Leider ist der See umgeben von seichten weit hineinreichenden bewachsenen Ufern (nur für Frösche besonders gut). In der Stadt selbst wollen wir nicht stehen und so fahren wir bis in ein kleines Dorf am gegenüber liegenden Ufer. Dort finden wir einen Platz fast direkt am See. Bevor wir uns für länger einrichten , wollen wir testen, ob uns das Viehzeug, besonders die Moskitos, in Ruhe lassen. Die Menschen nehmen wenig Notiz von uns, ein Lächeln, ein überraschter Blick auf unser Fahrzeug, das ist alles. Sehr angenehm. Leider wird kaum englisch gesprochen.
Wenn die Nacht erträglich wird, immerhin haben wir ca. 40° C Tagestemperaturen, wollen wir morgen ein Moped runter nehmen, um mobil zu werden und zu unseren lecker gegrillten Fröschen  zu kommen !

08.04.2004

Nachdem wir Moped und ein paar Kleinigkeiten ausgepackt und von der dicken Staubschicht, welche uns die Piste hinterlassen hat, befreit haben, fahren wir nach Phayao und genießen ein leckeres Mittagessen. Leider finden wir die Frösche nicht auf der Karte, aber dafür sehr guten Fisch. Im Anschluss kaufen wir noch ein und sind zum Sonnenuntergang wieder am See.

Cordula befreit unsere Kabine vom Staub der Piste und ich mache mich über lose Schrauben und tropfende Getriebedeckel her. Am Nachmittag fahren wir wieder nach Phayao und suchen ein Internet-Café, was wir ohne Probleme finden und da der Mitarbeiter kein Englisch spricht, fühlen wir uns einfach wie zu Hause und stöpseln uns nach Herzenslust in das Netz ein. Da hier auch mit Windows XP gearbeitet wird, überhaupt kein Problem. Nachdem alle Mails abgerufen sind und wir uns einen Überblick verschafft haben, gehen wir Abendessen. Leider ist vom Ochsenfrosch kein Schenkel zu sehen und so begnügen wir uns mit frischem Fisch und scharfen Schwein.
Da im Moment das Neujahrsfest im Gange ist (nach altem Mondkalender der Thai), gibt es am Abend noch ein wenig Konzert und Bier vom Fass. Am Tag dagegen gibt es reichlich Duschen von den lieben Kleinen am Strassenrand, die uns auf dem Moped glücklicherweise selten treffen. Gemessen an der Zahl von Garküchen ist es unverständlich, warum es immer noch so kleine dünne Thai´s gibt, eigentlich müssten sie alle über die Strasse gerollt werden. Aber vielleicht ist ja auch Aerobic das Zauberwort und in großen Gruppen auf der Strasse, scheint das auch Spaß zu machen.

Die Temperaturen liegen knapp bei 40° C und wir sind über jede Wolke am Himmel froh. Während Cordula mit dem PC arbeitet, nehme ich mir ein Radlager am Hänger vor, was offensichtlich die letzten 200 Km über Stock und Stein nicht überstanden hat. Da wir die Lager ja inzwischen vorrätig haben, wird nur das Entfernen des alten Lagergehäuses aus der Radtrommel ein Problem. Ich habe keine Lust bei der Hitze den ganzen Tag an dem Ding herum zu klopfen und so nehmen wir es einfach mit, als wir am späten Nachmittag ins Internet-Café und zum Abendessen fahren. Die Erste der vielen Werkstätten am Highway, welche wir ansteuern, löst das Problem für 200 Baht (rund 4,00 €).
Das Neujahrsfest geht dem Höhepunkt am 13.04. entgegen und so nimmt die Zahl, der mit Wassereimern Bewaffneten, am Straßenrand merklich zu und die Chance, ungeschoren mit dem Moped da durch zu kommen, ab. Wir werden mehr als einmal pudelnass. Cordula schimpft wie ein Rohrspatz, nach ihrer Erkältung auch zu verstehen.
Auch heute haben wir mit den Ochsenfröschen kein Glück. In dem Restaurant, wo uns diese Gaumenfreude versprochen wird, nimmt man die Bestellung zwar entgegen, kommt dann aber mit der betrüblichen Nachricht zurück, dass diese "aus" sind. Da wir nun schon mal da sind, nehmen wir mit Fisch und kleinen gegrillten Vögeln vorlieb.

11.04.2004

Nach dem nun alle dringenden Reparaturen erledigt sind, fahren wir wieder nach Phayao, nicht ohne die nun schon obligatorischen Duschen. Heute schimpfe ich, wie gestern Cordula, die das inzwischen gelassener nimmt. Mit den Fröschen wird wieder nichts. Nachdem wir mehrere Restaurants abgeklappert haben, gehen wir wieder dort Fisch essen, wo wir ihn das erste Mal probiert haben und er ist hier wirklich vorzüglich frisch und saftig gegrillt.

12.04.2004

Frisch geduscht (wie nach jeder Fahrt mit dem Moped) und in extra eingepackten trockenen Klamotten gehen wir heute auf den Markt in Phayao einkaufen. Vorrangig suchen wir Obst & Gemüse (welches wir kennen - das ist aber höchstens 30% des Angebots) und Cordula findet, zu ihrer großen Freude, auch Kartoffeln. Ansonsten werden hier auch Käfer, Schlangen und vieles für uns Undefinierbares, angeboten. Was den Speisezettel angeht, müssen wir hier noch sehr viel lernen und hoffen auf Gegenden, wo mehr Englisch gesprochen wird. Am späten Nachmittag packen wir zusammen, denn Morgen soll es Richtung Lampang weiter gehen.

Kurz vor Lampang soll ein Training Center für junge Elefanten sein. Nach langem Suchen finden wir dies auch, aber es ist wohl eine "Internatsschule" und die Schüler haben Hitze-Ferien - also Keiner da. Ca. 30 Km hinter Lampang in Richtung Chiang Mai, besteht seit 1992 ein weiteres neues Elefant Conservation Center der Forstbehörde. Kurz entschlossen fahren wir dorthin und bereuen es nicht. Auf dem vorgelagerten Parkplatz finden wir einen Stellplatz für die Nacht und können so die Elefantenshow richtig genießen. Nur die Temperaturen sind heute mit über 40° C etwas extrem.

Wir verlassen die Dickhäuter und rollen weiter in nordwestliche Richtung. Das Neujahrsfest geht ungebrochen weiter, aber wir sitzen jetzt glücklicherweise im Landy und nicht auf den Bikes. Auf der Karte habe ich so etwas wie einen Stausee gefunden, zumindest vermute ich, dass es einer ist. Er ist besonders anziehend, da auf der Karte und im Reiseführer jeder touristische Hinweis fehlt und so mit angenehmer Ruhe zu rechnen ist. Die Karte lügt wie gedruckt ! Beide möglichen, bewachten Zufahrten sind mit einer befahrbaren Staumauer gekrönt, an deren Anfang oder Ende sich jeweils ein Picknick Areal anschließt. Glücklicherweise kommen hier aber nur Einheimische her und keine Busladungen voll Touris. An der ersten Staumauer des Sirikit Reservoir in Tha Pla sieht man jetzt im Hochsommer nur sehr wenig vom Wasser, bekommt aber eine Vorstellung, wie es nach dem Monsun hier aussieht. Nach dem wir uns einen gebackenen Fisch haben munden lassen, fahren wir weiter nach  Ban Pak Pat, wo an der Staumauer auch ein kleines Kraftwerk betrieben wird. Dies bedeutet, dass hier noch mehr Wasser angestaut ist. Hier finden wir, unterhalb der Staumauer, auch unsere erste Camping Area mit Duschen und WC in Thailand, wo wir natürlich die Nacht verbringen. Kostenlos !

Die Strassen sind sehr gut bis gut und wir rollen 524 Km in Richtung Bangkok. Wir haben die Möglichkeit in Nakhon Ratchasima, das liegt rund 250 Km östlich von Bangkok, ein Ferienhaus zu nutzen. In dieser Stadt gibt es auch eine Vertragswerkstatt von Landrover und dort soll unser Landy einige Tage zur "Kur". Hat er sich wirklich verdient. Wie ausgedehnt dieser Aufenthalt wird, muss der Kostenvoranschlag zeigen, denn wir müssen natürlich abwägen, ob es hier oder in Downunder günstiger ist.
Die Strecke ist landschaftlich, solange man durch die Berge fährt, sehr schön, zum Teil auch noch recht grün. In der Tiefebene um Bangkok (ca. 250 Km Umkreis) nimmt der Verkehr drastisch zu und die Schönheit der Umgebung proportional ab. Es beginnt die Industrieregion mit 6 spurigen Strassen, großen Werken, noch größeren Werbetafeln und dazwischen der Country Club oder Staek Hut. Wie Cordula treffend bemerkt, recht amerikanisch !
Es wird dann doch schnell dunkel und wir treffen sehr zufällig auf eine Anlage eines Fischerei Office, direkt an einem weiteren Stausee, dem Lan Thakong Dam gelegen. Die Betreiber sind sehr freundlich und wir dürfen einige Meter vom Ufer entfernt übernachten. Natur pur, sehr idyllisch !

Gleich als Erstes begegnet uns in Khorat (Nakhon Ratchasima) die Landrover Werkstadt. Natürlich halten wir sofort an und stellen den Patienten in voller Last vor. Das Team ist noch feiertagsgeschädigt und nur zur Hälfte anwesend. Wir vereinbaren einen Termin für Montag, dann aber abgesattelt, für einen Kostenvoranschlag. Am Dienstag ist dann zufällig der Chef von Landrover Thailand hier und wir haben uns mit ihm für diesen Tag verabredet. Vielleicht ist ja etwas Sponsoring drin ?
Unser Domizil für die nächsten Wochen haben wir dann auch sehr schnell gefunden. Der Nachmittag vergeht mit Absatteln, häuslich Einrichten und Einkaufen. Die Temperaturen quälen uns noch etwas, aber wir glauben, nach und nach gewöhnen wir uns an 33° C früh um 9.00 Uhr.

17.04.2004

Das Haus wurde lange nicht genutzt und so gibt es natürlich ein paar Kleinigkeiten zu tun. Cordula macht Hausarbeit und wäscht mal wieder mit einer richtigen Maschine unsre Wäsche. Für einige Kleinreparaturen benötige ich das eine oder andere Ersatzteil und mache mich auf, diese zu besorgen. Dabei lerne ich so ziemlich alle größeren Märkte in der Nähe kennen und bin sogar erfolgreich. Habe aber die berechtigte Sorge, dass Cordula in den nächsten Tagen "Shopping" machen wird! Die arme Reisekasse.

Heute widmen wir uns dem Außenbereich. Ein bisschen Laub und Hof kehren. Wir nehmen die Mopeds runter und befreien sie von der dicken Staubschicht. Wir müssen ja auch langsam damit beginnen, uns für Australien fein zu machen, sonst schmoren wir dort vielleicht Monate in der Quarantäne. Am Nachmittag gibt es noch einen langen ausführlichen Plausch mit Freunden aus Deutschland. Dank der günstigen Vorwahl 01079 kostet ein Gespräch im Festnetz nach hier nur 9,5 Cent / Minute. Da kann es dann auch mal länger dauern !!

Am Vormittag schaffen wir den Landy in die Werkstatt. Der Werkstattleiter kommt ganz schön ins Schwitzen, als er unsere Mängelliste aufnimmt. Seine immer wiederkehrende Frage ist, wie lange wir Zeit haben. Ganz aus der Fassung bringen wir ihn, als  wir einen Kostenvoranschlag verlangen. Dafür braucht er drei Tage, macht er uns klar. Auch kein Problem, wir haben Zeit.
Anschließend shoppen wir etwas durch die Supermärkte, ein lange entbehrtes Vergnügen, zumindest für Cordula. Ich halte mich da lieber mehr an die exotische Küche in der Kühltheke. Hier gibt es alles, was der Thai zum Leben braucht, fix und fertig, d.h. den ausgenommenen Frosch, zusammen mit Gemüse und Gewürzen eingeschweißt. Nur noch kurz anbraten und schon ist alles fertig. Ich glaube die Thai’s sind im Begriff, auf amerikanische Essgewohnheiten abzusinken, aber halt mit exotischen Zutaten.

Es ist unerträglich heiß, was uns bestimmt heute noch ein Donnerwetter bescheren wird. Wir halten unsere Bewegungen am Vormittag in Grenzen und werden erst aufgeschreckt, als am Nachmittag die Polizei erscheint. Eine Mopedstreife erkundigt sich, ob unser Auto in der Werkstatt steht. Wir sind sehr erstaunt. Doch es stellt sich schnell heraus, dass der Polizei-Chef von Joho in der Werkstatt unseren Landy gesehen hat und nun nach uns fahndet, um uns kennen zu lernen. Kaum eine halbe Stunde später, erscheint er dann auch höchst persönlich. Da wir ja noch ein Verabredung in der Werkstatt haben, vereinbaren wir ein Treffen in den nächsten Tagen. Er ist mit einem hier lebenden Deutschen befreundet, der auch mitkommen wird. Wir sind sehr gespannt.
In der Werkstatt können wir uns überzeugen, dass der Werkstattleiter seine Sache ernst nimmt. Der Landy ist schon ganz schön zerlegt ! Über die Kosten will er aber erst morgen mit uns sprechen, es fehlen wohl noch einige Angebote. Auch unser Treffen mit dem Chef von Landrover Thailand ist auf Morgen verschoben, was uns aber nicht stört - wir haben Zeit.
Am Abend schlendern wir nach dem Essen noch durch die Strassen und sind immer wieder überrascht, was man alles essen kann. Bei den gebratenen Käfern und Skorpionen passe ich noch, aber die gegrillten Raupen muss ich einfach mal probieren. Und ich muss sagen, die schmecken nicht schlecht ! Mit den ersten Regentropfen erreichen wir unser Domizil und freuen uns über die leichte Abkühlung.

Pünktlich sind wir wieder in der Werkstatt. Der Kostenvoranschlag ist auch fertig und die Reparaturen inkl. der 100.000 Km Durchsicht, welche ich in Anbetracht des Alters (immerhin ist der Landy nun schon sieben Jahre) und der Belastungen vorgezogen habe, kosten uns rund 1.200,00 €. Wir haben zwar mittlerweile etwas den Bezug zum deutschen Preisniveau verloren, aber ich glaube, das ist in Ordnung.
Wir treffen uns mit Mr. Stephen Harris, Vizepräsident von Landrover Thailand. Er ist sehr an unserem Bericht interessiert und versichert uns, sofort zu helfen, falls wir im östlichen Asien oder Ozeanien technische Probleme haben sollten.
Anschließend muss ich mit Cordula sechs Stunden "Shopping" machen, aber sie begnügt sich damit, alles anzuschauen, was den Geldbeutel sehr freut. Dafür gibt es ein interessantes Mittagessen - Spagetti mit Stäbchen !!

22.04.2004

Großkampftag mit Wäschewaschen und weiterer Reinigung unseres Gepäcks im Hänger.

23.04.2004

Wir lassen den Tag ganz ruhig angehen. Es ist wieder sehr heiß und wir bleiben mehr im Haus am PC. Nur die Schläuche, welche wir bereits in Nepal gekauft haben, lasse ich in unsere Vorderräder an den Bikes heute schnell einziehen, nach dem wir seit Österreich die "with tube" Reifen ohne Schlauch fahren. Das geht zwar auch, ist aber etwas riskant, denn bei sehr hoher Beanspruchung (Kanten oder harte Geröllpiste) kommt es doch schnell zu Luftverlusten.

24.04.2004

Für heute Abend haben wir die Familie und Nachbarn zum Grillen eingeladen. Deshalb machen wir am Vormittag eine Einkaufstour. Mit Garnelen, Fleisch und Leber für Schaschlik, viel Gemüse und natürlich reichlich Getränken kehren wir am Nachmittag zurück und beginnen mit den Vorbereitungen. Wir sind fast fertig, als wir die Nachricht bekommen, dass der Schwager des Onkels von Cordula, den wir erwarten, in der vergangenen Nacht einen tödlichen Verkehrsunfall hatte. Völlig geschockt, lassen wir alles stehen und liegen und sagen die Party ab. Cordula fährt auch gleich mit den Nachbarinnen zur Witwe, um zu kondolieren. Nach buddhistischer Lehre beginnt bereits morgen die Beisetzungszeremonie und wird drei Tage (max. 7 Tage, legt die Familie fest) dauern.
Am Abend sitzen wir dann doch noch mit den Nachbarinnen Anti und Kim beim Essen zusammen. Natürlich ist die Stimmung gedrückt, schließlich wollten wir an diesem Abend den Schwager richtig kennen lernen.

25.04.2004

Aus unseren lange nicht benutzten Koffern suchen wir passende dunkle Kleidung und Schuhe, um am Nachmittag mit Anti und Kim zur Aufbahrung zu fahren. In den thailändischen Städten ist es üblich, dass der Tote, nicht wie auf dem Land im eigenen Haus, sondern in einer eigens für Beisetzungen errichteten Stätte aufgebahrt wird. Dort findet die gesamte Zeremonie bis hin zur Einäscherung statt. Da sich während dieser Zeit ständig Verwandte, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen oder Geschäftspartner von dem Verstorbenen verabschieden, oft auch mehrmals in diesen Tagen, ist dies für die Hinterbliebenen sicher einfacher, zumal ein umfangreicher Service angeboten wird. Verzichtet wird dabei dann auf Ruhe und Zurückgezogenheit, was aber die Buddhisten weniger stört. Rings um ein nach vorn offenes Krematorium, befinden sich überdachte Podien, vor denen viele Stühle für die Kondolierenden aufgereiht sind. Auf dem reich geschmückten Podium, in mitten der buddhistischen Artefakte und der unverzichtbaren Lautsprecheranlage, ist der Tote aufgebahrt. Die Zeremonie beginnt und die Kondolierenden erweisen dem Toten die Ehre, indem sie in  Wasser schwimmende Blüten über seine rechte Hand ausgießen
Dann wird der Verstorbene von den engsten Familienmitgliedern mit dem Leichentuch bedeckt und in den Sarg gelegt. Der Sarg kommt dann in eine reich verzierte, mit Sicherheit gekühlte Truhe. Diese wird geschmückt mit Blumen und blinkenden Lichterketten. Viele Kerzen und Räucherstäbchen werden aufgestellt und unter einem Porträt des Verstorbenen wird immer wieder frisches Essen für ihn bereitgestellt. Am Abend erscheinen vier buddhistische Mönche, die über Lautsprecher eine lange rituelle Litanei hersagen. Störend dabei ist nur, das auf den benachbarten Podien ebenfalls diese Zeremonie zur gleichen Zeit abgehalten wird.

Wir lesen viel und laden die neuesten Softwareversionen auf unseren PC. Unserem Landy bekommt der Kuraufenthalt offensichtlich recht gut.

Zum Mittagessen sind wir, zusammen mit Anti bei Kim eingeladen. Kim kann sehr gut kochen und es gibt Green Curry und Pork Hot & Sur, natürlich mit Reis und Nudeln. Die Damen tauschen Kochrezepte, da kann ich wenig beisteuern.
Heute ist Cordulas Tante Yooyen, eine Schwester des Verstorbenen eingetroffen und wir gehen mit ihr am Abend noch einmal zum Beisetzungsort. Die Familie hält sich hier bis zur Einäscherung jeden Tag auf und empfängt immer wieder Trost durch Freunde und Verwandte, welche sich wiederholt vom Toten verabschieden, indem sie Räucherstäbchen anzünden und andächtig dem Toten gute Wünsche mit auf den Weg geben. Dann bleiben sie oft über Stunden und plaudern untereinander oder mit den Familienangehörigen. Die Stimmung ist dabei nicht unbedingt gedrückt, schließlich ist der Tod nach buddhistischem Verständnis eine Erlösung von der Bürde des Lebens. Wie jeden Abend erscheinen auch heute die Mönche zur Litanei und sofort verstummen alle Gespräche und die Anwesenden verharren in Andacht.

28.04.2004

Am Nachmittag fahren wir zur Einäscherung von Yooyens Bruder Suvit. Wieder sind viele Verwandte, Freunde, Bekannte und Geschäftspartner gekommen. Zu Beginn der Zeremonie begleitet der Trauerzug den Sarg, der von engen Verwandten geschoben und symbolisch an Fäden von Mönchen gezogen wird, mehrmals um das Krematorium. Im Anschluss wird der Sarg vor der offenen Seite der Verbrennungsstätte nochmals aufgestellt und geschmückt. Die Mönche halten wieder eine Litanei ab und dann werden paarweise Trauergäste von einer Liste aufgerufen, die sich in besonderer Weise vom Verstorbenen verabschieden möchten. Dazu bringen sie Geschenke und legen diese auf dem Sarg ab. Die Mönche nehmen diese vom Sarg und erhalten sie somit symbolisch vom Toten.
Danach verabschieden sich alle Trauergäste vom Verstorbenen, indem sie eine Papierblume, an der zwei Samenkörner befestigt sind, unter den Sarg legen. Dann wird der Sarg in Anwesenheit der engsten Familie dem Feuer übergeben.
Die Familie wird am nächsten Tag die Urne abholen und dann in den Norden Thailands fahren, um die Asche in den Mekong zu streuen.

29.04.2004

Gegen Mittag hören wir es auf der Strasse vor dem Haus ordentlich knattern. Heidi & Bernd rollen auf ihren KTM’s ein. Mit uns freut sich die ganze Strasse über den Besuch, denn an unsere Anwesenheit hat man sich ja nun schon wieder gewöhnt und so gibt es wieder Neues zu bestaunen, in der sonst sicher sehr ruhigen Siedlung. Was die Thais überhaupt nicht verstehen können ist, wie jemand aus Deutschland kommt und auf Anhieb hierher findet, denn sie müssen ihre Freunde und Verwandten immer von einem markanten Punkt abholen, sonst kommen die nie an.
Dank GPS hatten wir aber auf langatmige Wegbeschreibungen verzichten können und heißen unsere Gäste mit einem kühlen Bier willkommen. Natürlich gibt es in den nächsten Tagen und besonders in den  Nächten viel zu erzählen, denn das letzte Mal hatten wir uns ja in Goa (Indien) gesehen. So tauschen wir unsere Erfahrungen aus und hören gegenseitig Neues, auch von anderen Overlandfahrern mit welchen wir jeweils im Kontakt sind. 

Während Heidi & Bernd Khorat erkunden, holen wir am Nachmittag unseren Landy aus der Werstatt. Die Rechnung umfasst sechs Seiten und mit rund 1.400,00 € ist es doch etwas teuer geworden. Dafür hat der Service Manager persönlich daran geschraubt, zum Teil auch noch in den Nachtstunden (wegen der Hitze am Tag) und jeden Teile Austausch mit seiner digitalen Kamera im Bild festgehalten. Da selbst solche kleinen Fallen, wie mein defektes Bremslicht, von dem ich nichts erwähnt hatte, gefunden und behoben wurden, glauben wir, dass der Service schon recht gut war. Die Nagelprobe kommt auf den nächsten tausenden Kilometern. Wir werden sehen.
Der Polizei-Chef Mr. Kitti hat uns zum Abendessen eingeladen und holt uns samt unserer Gäste am Abend ab. Er fährt mit uns in ein sehr schönes Restaurant, ungefähr 15 Kilometer außerhalb von Khorat. Dort kommt noch ein befreundeter F16 Pilot, Lt. Col. Chalaw mit seiner Frau und der kleinen Tochter hinzu. Wir erhalten eine weitere Einladung, diesmal zum Besuch der Airbase und haben einen tollen Abend mit vielen kulinarischen Leckereien, von denen uns das Meiste unbekannt ist. Die thailändische Gastfreundschaft ist sprichwörtlich und erst als wir wirklich nicht mehr essen können, hat Mr. Kitti ein Einsehen und greift selbst zum Besteck. Zu Beginn hatte ich mir etwas Sorgen um die Rechnung gemacht, schließlich waren wir ja plötzlich zu viert, aber als uns Mr. Kitti erzählt, dass er neben dem bescheidenen Gehalt von seiner Dienststelle (600,00 € mtl.) noch ein Einkommen von rund 6.000,00 € mtl., aus seiner Trinkwasserfabrik bezieht, ist das schlechte Gewissen schnell verflogen.

Heidi und Cordula fahren nach Khorat einkaufen und Bernd tauscht mit mir mp3 Dateien und Software an unseren PC’s. Am Nachmittag schüttet es plötzlich wie aus Kannen und ehe wir Fenster und Türen dicht machen können, haben wir schon "Land unter". Die Mädels haben bei ihrer Shopping Tour von Allem nichts gemerkt und grinsen mächtig über unseren Stress, als sie zurück kommen.

Wir feiern unser Einjähriges !! Heute vor einem Jahr gab es die große Abschiedsparty. Cordula und ich ziehen unser JoCoFix-Club T-Shirt an und gehen mit Kim, Heidi und Bernd in Khorat gemütlich essen. Kim übersetzt für uns die Speisekarte und Bernd muss spontan "drei heiße Frauen" probieren. Die Schweißperlen auf seiner Stirn verraten, er hätte sicher schon mit "einer heißen Frau" genug zu tun gehabt. Sehr lecker ist auch der so lange frittierte Fisch, dass selbst die Gräten und der Kopf ganz knusprig sind und auch gegessen werden können. Wir beschließen diesen lustigen Abend mit einem Bummel über den Nachtmarkt, wo von Kulinarischen bis zum Künstlerischen einfach alles angeboten wird.

Zum Reisejahr II

 

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