Reisejahr II  -  “Von Thailand nach Down Under “

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Heute starten alle vier Mopeds zur gleichen Zeit. Heidi & Bernd düsen weiter Richtung Osten und wollen bei Pakxe über die Grenze nach Laos gehen. Wir müssen unsere Visa und vor allem die Papiere für die Fahrzeuge verlängern lassen. Mr. Kitti hatte eruiert, dass dies am besten in Bangkok oder an der Grenze in Nong Khai möglich ist. Da uns Bangkok zu stressig erscheint, wählen wir die Route nach Norden und wir erreichen  nach 370 Km die laotische Grenze am Nachmittag.
Nach ersten Erkundigungen auf thailändischer Seite der Grenzstation müssen wir wieder zurück nach Nong Khai in das dortige Immigrations Office, da wir ja nur eine Verlängerung unserer Visa brauchen. Hier angekommen klärt sich manches auf. Auf bei der Einreise ausgestellte Visa ist eine Verlängerung nur für maximal sieben Tage möglich und kostet richtig Geld. Für die Fahrzeugpapiere ist ausschließlich das Customer Office zuständig. So raten uns die freundlichen Beamten unsere Probleme an der Grenze zu klären bzw. nach Laos auszureisen, um ein neues kostenloses Visa für 30 Tage zu bekommen.
An der Grenze angekommen, gehen wir diesmal zuerst zum Zoll. Die Beamten hören sich unser Problem an und trotz aller Sprachschwierigkeiten wird ihnen klar, dass unser Landy samt Hänger in Khorat stehen und wir nur mit den Bikes an der Grenze sind. So weitgehende Entscheidungen wollen sie dann aber doch nicht ohne ihren Chef treffen und so geht es wieder zurück nach Nong Khai, diesmal in das Customer Office. Der Chef hat schnell begriffen und ein Einsehen. Wir sollen mit den Bikes nach Laos ausreisen, um so Visa und neue Zolldokumente für die Motorräder zu bekommen. Danach sollen wir wieder zu ihm kommen, damit die Papiere für die anderen Fahrzeuge verlängert werden können.
Also wieder retour und ausreisen. Alles kein Problem. Stempel in den Pass und ab geht es nach Laos. Dort kommt schnell die Ernüchterung. Das Visa kostet 31,00 US$, egal ob einen oder fünfzehn Tage. Dazu kommen noch drei Passfotos, die wir auch bloß nicht dabei haben. Wir verfallen auf den gewagten Gedanken einfach wieder umzukehren, schließlich sind wir ja aus Thailand ausgereist. Zum zweiten Mal passieren wir die große Freundschaftsbrücke und stehen wieder bei den Thais. Aber die spielen nicht mit. Ohne Ein- und Ausreisestempel der Laoten kein neues 30 - Tage - Einreisevisum in Thailand. Der thailändische Ausreisestempel wird einfach "cancelled" und wir fangen wieder von vorne an. D.h. erneute Ausreise und Trip über die Freundschaftsbrücke, nun schon etwas genervt. Die fehlenden Passfotos kosten uns einen Dollar zusätzlich, aber dann haben wir nach kurzer Beantragung unsere Visa. Vielleicht hätten wir jetzt gleich mit den Bikes weiterfahren sollen, aber als ordentliche Menschen gehen wir zum Zoll. Das kostet uns viel Zeit, eine Menge Papierkrieg und noch mal umgerechnet 15,00 € extra. So wird es Abend, ehe wir langsam in Richtung Vientiane rollen, um uns eine Übernachtung zu suchen. Für rund 14,00 € finden wir ein hübsches sauberes Zimmer und können noch ein europäisches Frühstück mit Schinken und Spiegelei aushandeln.
Nach der erfrischenden Dusche gehen wir Essen und finden ein Restaurant, wo Spanferkel angeboten wird. Wir sind froh noch eine Suppe vorher gegessen zu haben, denn das Tier, was immer es auch war, ist ungewöhnlich fettig für ein Spanferkel. Wir suchen die besten Stücken raus und lassen einpacken. Das gibt zumindest morgen noch eine schöne kräftige Suppe.

Nach dem Frühstück geht es wieder zurück zur Grenze. Laos, Cambodia und Vietnam wollen wir ja auf dem Rückweg von Australien noch besuchen. Während wir auf unsere Ausreisestempel warten, liest Cordula an einem der Häuschen schon wieder "Car exit fee", also wird sicher noch eine Gebühr fällig. Ich habe die Nase voll davon und als wir den Stempel im Pass haben, sage ich zu Cordula wir fahren ! Ohne nach rechts oder links zu schauen, setzen wir uns auf die Bikes und fahren weiter in Richtung Freundschaftsbrücke. Weder Geschrei noch Verfolgung. Unbehelligt erreichen wir die thailändische Seite. Das hätten wir gestern bei der Einreise auch so machen sollen. Hätte uns viel Zeit und Geld gespart !
Beim Immigrations Office der Thailänder ein neues Problem. 'Aus welchem Teil Deutschlands kommen sie bitte ?', ist hier die erste Frage. Wir sind nach vierzehn Jahren Einheit schon etwas verdutzt, versuchen dann aber zu erklären, was sich im fernen Europa abgespielt hat. Aber der Computer bleibt dabei, wir kommen aus der DDR, sieht er uns wohl an der Nasenspitze an! Offensichtlich werden die Marken und Typenbezeichnungen der Motorräder besser eingepflegt, denn selbst unsere Bikes stehen exakt unter BMW 247 E da drin.
Weiter geht es zum Chef-Customer. Auch hier keine Probleme. Es braucht zwar etwas Zeit bis alle Formulare ausgefüllt, gestempelt und unterschrieben sind, aber wir sind ja schon Einiges gewohnt und die Beamten entschuldigen sich ständig bei uns für die lange Wartezeit. Zum Schluss erhalten wir die alten Dokumente für Landy und Hänger zurück. Das Datum wurde abgeändert und die Änderung mit Siegel bestätigt. Fertig. Das viele Papier und die Arbeit der letzten Stunde bleibt bei den Beamten. Na ja, wir müssen ja auch nicht Alles verstehen.
Auf der Rückfahrt nach Khorat, sieht Cordula am Strassenrand leckere Würste hängen. Da wir zügig unterwegs sind, müssen wir umdrehen und zurück fahren. Tatsächlich werden hier frische, d.h. luftgetrocknete "Knackwürste" vom Schwein und Rind angeboten. Natürlich schlagen wir zu und sichern uns das Abendbrot für die nächsten Tage.

Wir haben richtig viel zu tun. Komisch, selbst als Langzeitreisender hat man nie Zeit ! Auch Heidi & Bernd empfinden das so.
Cordula stürzt sich in die Hausarbeit und putzt die Wohnkabine und ich mache mich an die Umgestaltung unserer Internetseiten. Nach einem Reisejahr auch nötig.
Auch hält der Monsun nun eindeutig Einzug und Cordula gibt für heute das Wäschewaschen auf!

06.05.2004

Wir wechseln uns am PC ab. Cordula schreibt e-mails und arbeitet so unsere Rückstände in der Kommunikation auf. Ich suche nach Schifffahrtslinien von Singapur nach Darwin. Alles sehr zeitintensiv !

07.05.2004

Die Arbeit am PC nimmt kein Ende. Bei den Redereien hatten wir noch keinen Erfolg. Außerdem suche ich ja auch noch einen neuen Stoßdämpfer für die Auflaufbremse des Anhängers.

08.- 12.05.2004

Die Tage vergehen recht schnell und wir führen hier fast ein ganz normales Leben. Frühstücken, Büroarbeit, Hausarbeit und Einkaufen stehen auf dem täglichen Programm. Der Plausch mit den Nachbarinnen kommt auch nicht zu kurz.
Der Stoßdämpfer ist zu uns unterwegs. Von der australischen Einwanderungsbehörde haben wir auf unsere Anfrage, zu einem Touristenvisa für 24 Monate, auch noch keine Antwort und die Suche nach einer geeigneten Schiffslinie, hatte auch noch nicht den gewünschten Erfolg. Aber wir bleiben dran, auch wenn wir uns die Finger wund mailen.

13.05.2004

Wir sind heute verabredet mit Uwe Unverzagt. Cordula hat ihn übers Handy kennen gelernt, als Mr. Kitti mal im Englischen nicht weiter wusste und er einfach seinen Freund Uwe angerufen hat, weil er einen Übersetzer brauchte.
Uwe lebt seit einigen Jahren hier in Khorat und betreibt ein Exportgeschäft. Er führt uns zum Abendessen ins "Ballu" mit seinem gleichnamigen Wirt. Dieser trägt den Namen jedoch nur als Spitznamen, dafür aber mit Würde und steht dem Comic Helden, zumindest was die Figur angeht, in nichts nach. Der gebürtige Berliner ist ebenfalls seit einigen Jahren hier und betreibt ein Restaurant mit deutscher Küche und Biergarten. Da der touristische Besucherstrom nicht ausreicht, um das Geschäft am Leben zu erhalten, ist die deutsche Küche etwas an den thailändischen Gaumen und Magen angepasst und die selbst gemachten Würste werden bis weit in das südliche Thailand versandt.
Uwe erzählt uns beim bayerischen Weizenbier, Kartoffelbrei, Sauerkraut und Bratwurst, über seine Geschäfte und das Leben in Thailand. So erfahren wir viel Interessantes und Neues, was in keinem Reiseführer steht.

Für heute Abend haben wir Mr. Kitti und Lt. Col. Chalaw, mit Frau und Kind zum Essen eingeladen. In den letzten Tagen haben wir schon so einiges typisch Deutsches vorbereitet. Es gibt selbst gemachtes Rotkraut, Kartoffelbrei, Reis, Gulasch und Frikassee. Bis auf den Reis, der offensichtlich mit dem hohen Wildreisanteil für thailändische Gaumen zu trocken war, wurde Allem gut zugesprochen und die Küche gelobt.
Mr. Kitti ist begeisterter Offroadfahrer und war an unseren Berichten und Bildern sehr interessiert. Es wird so ein kurzweiliger Abend und wir werden noch einmal zum Besuch der Airbase eingeladen und machen diesmal auch gleich einen festen Termin aus.

15.05.2004

Die eingehenden Meldungen in Sachen "Shipping & Visa" sind dünn. Bei den Speditionen verstehe ich das ja noch. Dort geht die Planung in der Regel über zwei Monate nicht hinaus. Das sich aber in der Visa Angelegenheit nichts tut, ärgert mich ein wenig. Doch auch hier werden wir noch etwas Geduld üben, denn wir wissen, es ist nicht erwünscht und deshalb auch nicht sehr dienlich, wenn man mit vielen Nachfragen "nervt".

Cordula hat mich endlich überredet einen Ausflug zur Tempelruine in Phimai und in das Töpferdorf Dan Kwian zu machen. So fahren wir, bei reichlich 40° C glücklicherweise mit dem Landy und der Klimaanlage, eine schöne rund 250 Km lange Runde um Khorat. Gleich hinter Joho verhaspelt sich Cordula mit ihrer Karte und schickt uns auf den falschen Weg. Das bringt mir die Erlaubnis ein, nach GPS zu fahren und so habe ich auch meinen Spaß, als wir auf  einige Pisten stoßen.
Die Tempelanlage der alten Khmer ist überraschend groß, trotzdem aber relativ ruhig. Nur die viele Sonne macht uns zu schaffen. Im Töpferdorf gebe ich recht schnell auf - wenig interessante Tonwaren, dafür um so mehr Kitsch. Cordula stöbert mit Hingabe durch das Angebot.

Wir beginnen unsere sieben Sachen wieder zusammen zu suchen und bereiten uns so langsam auf die Weiterreise vor. Am Nachmittag, mitten im schönsten Monsunregen, holt uns Lt. Col. Chalaw zur Airbase Besichtigung ab. Meine Zweifel bei dem Gedanken, wie wir als Zivilisten auf die Airbase kommen sollen, schwinden, als unser Begleiter sein Käppi aufsetzt und wir am Tor durch gewunken werden. Als ich später erfahre, dass er die Nummer 3 auf der Airbase "Wing 1" ist, verflüchtigen sie sich vollkommen.
Die Anlage ist beängstigend groß und ähnelt dem, was wir aus amerikanischen Filmen kennen - eine völlig autarke Stadt in der Stadt. Es gibt neben dem rein militärischen Teil alles an Versorgung und Unterbringung, was man sich nur denken kann. Selbst der eigene Golfplatz fehlt nicht. Der enge Kontakt zu den amerikanischen Streitkräften ist nicht zu übersehen. Im Moment befinden sich wieder einige amerikanische Piloten zu gemeinsamen Übungen hier und während des Vietnamkrieges flogen die Amerikaner Einsätze von dieser Airbase aus. Auch das noch heute gepflegte Grab von "Rocco", dem Hund eines amerikanischen Piloten der aus einem Vietnam Einsatz nicht wiederkam, weshalb sein Hund keine Nahrung mehr annahm, zeugt davon.
Die mittlerweile betagten, weil schon volljährigen Maschinen, reizen uns schon sehr und da wir ein wenig, wenn auch nur von der Privatfliegerei verstehen, wird bald eingehend gefachsimpelt. Einen Flug bekommen wir natürlich nicht gesponsert, schließlich sind wir weder Steffi Graf noch Tiger Woods und ob wir das, so untrainiert wie wir sind, überstehen würden, ist eh fraglich.
Auch der Lt. Collonel hat eine Offroad - Leidenschaft - einen  amerikanischen M47 aus dem Koreakrieg. Bereits sein Vater hat an diesem Teil, Baujahr 53, gebastelt. Dank der guten Kontakte zu amerikanischen Piloten fehlt es auch nicht an Ersatzteilen.

18.05.2004

Das Packen nimmt Gestalt an. Die Mopeds sind wieder auf dem Hänger und der Landy füllt sich so nach und nach.

19.05.2004

Großputz im Haus, schließlich wollen wir es verlassen, wie wir es vorgefunden haben. Leider ist der Stoßdämpfer auch heute nicht angekommen, so dass wir unsere Abreise verschieben müssen. Wir hoffen unsere Nachfrage und die Nachforschung bringen neue gute Nachrichten.

20.05.2004

Das Warten nimmt kein Ende. Von unserem Stoßdämpfer noch immer keine Spur. Vorteil für uns, wir können den Temperaturen entsprechend, langsam packen. Morgen wollen wir noch abwarten, aber sollte die Sendung nicht eintreffen, bitten wir eine Nachbarin sie uns nachzuschicken und fahren spätestens am Samstag weiter.

21.05.2004

Wir haben doch noch Glück, das Paket kommt heute mit der Postbotin, die extra eine Sonderfahrt zu uns macht, da sie weis, dass wir dringend darauf warten. Sofort mache ich mich an den Einbau. Das Teil passt sogar auf Anhieb, das Einstellen der Bremse werde ich unterwegs machen. Wir packen den Rest zusammen und gehen mit Antie noch eimal schön zum Abendessen.

"On the road again". Wir düsen 410 Km Richtung Westen, großräumig vorbei an Bangkok, zur "River Kwai Bridge", einem Mahnmal aus dem zweiten Weltkrieg (Japan <-> USA / England / Holland). Der seit einigen Tagen anhaltende Monsun hat die Landschaft grün gefärbt und der erste Reis steht schon wieder im Wasser. Auf den Feldern herrscht trotz schweren Boden reges treiben. Sowohl die Bauern mit ihren Traktoren und Kettenfahrzeugen, als auch die Störche beackern das Land.
Wir essen in Kanchanaburi am Kwai Fluss auf einem der vielen Hausboote etwas zum Abend und fahren dann doch noch über den Fluss. Die Landschaft zwischen dem Kwai und der Grenze zu Myanmar ist sehr abwechslungsreich und um diese Jahreszeit erfrischend grün. Bei Sai Yok finden wir einen großen Golfplatz, auf dessen Parkplatz wir übernachten dürfen.

Die Brücke selbst heben wir uns noch auf und fahren erst einmal weiter Richtung Norden bis zum Vajiralongkorn Damm. Die Landschaft ist so schön, dass wir einen ganzen Tag dranhängen und einfach durch die Gegend fahren. Nach einem missglückten Versuch zum  Srinakarin Damm zu fahren, weil die Strecke im Schlamm endet, nehmen wir auch noch den Sai Yok Noi Wasserfall mit und fahren zurück nach Kanchanaburi zur "River Kwai Bridge". Die Brücke selbst ist wieder aufgebaut und wird, trotz regelmäßiger Touristenströme, welche die Brücke zu Fuß überqueren, mit Zügen, die bis zum Sai Yok Noj Fall Touristen bringen, befahren. Dem Sicherheitsanspruch genügt hier ein Schild, welches auf den Verkehr hinweist. Im "World War II" Museum überrascht uns dann doch, mit welcher Perspektive hier die Dinge gesehen werden. Wie Thailand in den Zweiten Weltkrieg geraten ist, macht erst ein Appell eines japanischen Offiziers an die thailändischen Besucher klar. Aus Angst von den Amerikanern besetzt zu werden, hat sich Thailand den Japanern geöffnet. Die Kriegserklärung den USA gegenüber, ist aber nie im Weißen Haus abgegeben worden. Dadurch kam es zu der Situation, dass die Japaner ihre Kriegsgefangenen in Thailand für sie kriegswichtige Verbindungen, wie die Bahnstrecke über den Kwai, bis nach Burma bauen ließen und die Amerikaner und Briten mit Bomben dies zu verhindern suchten.  Das dadurch ihre eigenen Leute zu Schaden kamen, immerhin mehrere Tausend, hat offensichtlich eine geringere Rolle gespielt, als die strategischen Überlegungen. In einer langen Reihe finden sich dann auch die "großen" Häupter dieser Zeit als lebensgroße Figuren dargestellt. Auf der einen Seite Hitler, Musolini, Toyo, auf der Anderen Churchill, Roosevelt, Stalin und Einstein !!  Der deutsche Einstein deshalb, weil er angeblich mit seiner Relativitätstheorie die Grundlage für die A-Bombe geliefert hat, welche dann Japan zur Kapitulation gezwungen hat. Ein zweifelhafter Spagat, der dem Betrachter hier geboten wird, so finden wir. (Die Wirkungsweise der Atombombe kann jedoch mit der Relativitätstheorie nicht erklärt werden. Allerdings konnte schon 1939 kurz nach der Entdeckung der Kernspaltung mit dieser Formel und den schon bekannten Massen der Atome die enorme Freisetzung von Energie berechnet werden.)
Mit dem Blick zur Brücke essen wir zu Abend und übernachten ganz in der Nähe auf einem Feld.

Wir setzen unsere Reise fort und fahren weiter Richtung Süden. Nach rund 300 Km kommen wir zum Sam Roi Yot National Park, "die Berge mit 300 Gipfeln". Im Osten der Golf von Thailand und im Westen viele kleine grüne Berge, der Höchste rund 600 MN, ergeben eine fantastische Kulisse. Das Bereisen des NP für zwei Tage und eine Nacht kostet uns umgerechnet ca. 10,00 €. Dafür findet man hier,  jetzt außerhalb der Saison, eine herrliche Ruhe. Das Meer wird von ausgeprägten Gezeiten beeinflusst und das ausgedehnte Watt, zusammen mit dem reichlichen Süßwasser aus den Bergen, ist ein Tummelplatz für viele Vogelarten und das vorgelagerte Land eignet sich hervorragend für die Fischzucht.
Wir verbringen die Nacht auf einem völlig leeren Zeltplatz, absolut ungestört inmitten vieler Tierstimmen. Nur wenige davon lassen sich blicken, so wie die frechen Äffchen und die schnellen Baumhörnchen.
Wir gehen zeitig schlafen, da Cordula mit der Idee am Nachmittag, eine der Höhlen zu besuchen, für körperliche Ertüchtigung gesorgt hat. Da wir normalerweise Höhlen nicht auf dem Gipfel von Bergen vermuten, wurde es eine anstrengende Kraxelei in Badelatschen. Aber wir waren nicht die einzigen Verrückten. Beim Abstieg trafen wir Vier, ebenfalls nur mit Badelatschen bewaffnete, die gerade beim Aufstieg waren.

Der NP ist weitläufig genug, um hier einen weiteren Tag zu verbringen. Wir wandern am Strand, Cordula geht ihrer Lieblingsbeschäftigung, Muschelsammeln nach und wir kraxeln noch etwas durch die Berge, diesmal aber mit ordentlichem Schuhwerk. Auf dem Rückweg schaffen wir es gerade noch, vor dem fälligen Regen auf unseren Platz zu kommen.

26.05.2004

Weiter rollen die Räder nach Süden. Nach rund 450 Km mit vielen Kurven und einer üppigen Vegetation, haben wir die "dünnste" Stelle Thailands passiert und sind jetzt an der Westküste, der Andaman See. Im zweiten Anlauf finden wir auch eine geeignete Stelle für eine Nacht, direkt am Meer.
Hier im Süden Thailands gibt es wieder mehr Muslime, die Minarette und das Kopftuch sind ein sicheres Anzeichen dafür.
Am Abend beginnt es zu regnen, was die vielen, vielstimmigen Frosch- und Lurcharten in den nahen Tümpeln dazu animiert, uns bis gegen 3.00 Uhr in der Frühe ein Ständchen zu bringen, leider etwas laut und disharmonisch.

Cordulas Wäsche fällt buchstäblich ins Wasser, da wir das erste Mal, seit fast einem Jahr, einen ganzen Tag im Regen unterwegs sind. Früh schafft sie es gerade bis zum Einweichen, an der Tankstelle am Mittag kann dann gespült werden, aber mit Aufhängen wird es heute nichts mehr.
Die Westküste bietet, durch den Kontrast zwischen Meer und grünbewachsenen Kalkbergen, eine wunderschöne und abwechslungsreiche  Landschaft. Leider dienen die NP's doch sehr dazu Touristen ab zu zocken. Ausländer müssen mit bis zu 1000% Aufschlag für den Eintritt rechnen.
Auch verlieren die Menschen hier wieder die so lieb gewonnene asiatische Zurückhaltung. Es ist zwar bei Weitem nicht so schlimm wie in Indien, aber ständig, von allen Seiten, laut und nichts sagend mit "Hello" angebrüllt zu werden , nervt doch wieder ganz schön.
Es ist schon dunkel, als wir eine Sackgasse finden, die direkt am Meer endet. Für eine Nacht wird es gehen.

Am Morgen sehen wir uns um. Rechts und links der Strasse ist viel Müll und der kleine Laden an der Seite wird oft besucht, also nicht viel Ruhe. Wir beschließen den Standort zu wechseln und einen schöneren Platz zu suchen. Nach wenigen Kilometern haben wir bereits Glück und finden in Nopparat Thara Beach sogar einen "Camp Ground", nur 50 m vom Meer entfernt. Es ist für Overlander mit großen Fahrzeugen oft schwer, etwas Geeignetes zu finden. Selbst hier setzt sich die Unsitte, bis an den Strand alles zu zubauen, mehr und mehr durch. Deshalb hier die GPS Koordinaten (N8 02 46.4 E98 48 23.1).
Der Platz ist jetzt außerhalb der Saison völlig leer. Die sanitären Einrichtungen sind etwas vernachlässigt, aber wir brauchen sie ja nicht unbedingt. Der Strand ist sehr schön und das Meer sehr flach. Die Felsen im Meer bieten eine einzigartige Kulisse. Wir genießen den Strand ausgiebig und handeln uns dafür, nach so langer Zeit immer in der Sonne zu sein, doch noch einen Sonnenbrand ein.
Am Abend lassen wir die Gelegenheit nicht aus, mal ausgiebig Krebs und Lobster zu probieren.

Die Sammelleidenschaft von Cordula hält weiter an und ich habe langsam Bedenken, wie wir die vielen Muscheln transportieren sollen. Aber sie meint, damit könne sie schöne Geschenke basteln, was unsere Reisekasse entlastet. Wir werden sehen.
Den Rest des Tages verbringen wir diesmal im Schatten am Strand. Am späten Nachmittag suchen wir ein Restaurant auf, bei welchen wir uns schon am Vormittag versichert haben, Strom für unseren PC zu bekommen und arbeiten etwas an unseren Seiten, bevor wir uns ein weiteres leckeres Abendessen mit vielen Früchten des Meeres gönnen.
Ein Unwetter zieht auf, verfärbt dabei Himmel und Strand mit Rot- und Gelbtönen, um dann genauso schnell wieder zu verschwinden.

Nachdem wir noch die Bilder sortiert haben, machen wir uns auf ins Internet-Café. Wie wir erst gestern erfahren haben, beginnt der eigentliche Ort erst hinter dem Berg, welcher unsere Bucht begrenzt. Dort schließt sich eine weitere Bucht an, welche voll touristisch erschlossen ist. Auch was das Preisniveau betrifft. Wir stehen also am Thai-Strand und somit etwas ruhiger und preiswerter.
Der Besuch auf der anderen Seite des Berges schröpft die Reisekasse, da hier natürlich alles angeboten wird , was des Touris Herz erfreut. Wir erledigen das Internet und bummeln durch die Strassen. Es gibt viele, auch mit sehr nettem Ambiente, eingerichtete Restaurants, Damen und Herren Maßschneider und Unmengen an Souvenirläden.
Der wiederholte Versuch, einem Taxifahrer zu erklären, wo der Camp Ground ist, schlägt fehl, also besser nicht danach fragen, sondern nach GPS fahren, wer dorthin will.
Zum Abendessen gibt es noch "Harry Potter" Film I, im thailändischen Fernsehen ohne Werbeunterbrechung, sozusagen als kostenlose Beigabe.

Weitere 270 Km sind wir heute der malaysischen Grenze näher gekommen. Die Landschaft wird hier unten wieder etwas flacher und das Meer lädt zu Wattwanderungen ein, was Cordula veranlasst, mich ein weiteres Mal den Strand entlang zu hetzen, denn sie meint, Muschelsammeln sei genauso erholsam wie Golfen, nur viel viel preiswerter.
Es gibt zwei Arten von Stränden, zumindest während des Monsun. Der Eine ist sauber, teuer und sehr touristisch, der Andere dagegen sehr ruhig, aber immer etwas vermüllt. Schuld daran sei der Monsunwind, der den Müll vom Meer anschwemmt, wird uns versichert, ab Oktober sei Alles wieder sehr sauber?!
So nehmen wir den Müll in Kauf und verbringen eine weitere Nacht direkt am Meer. Mit den gestern erstandenen CD´s von AC/DC, Bob Dylan, den Bee Gees und Bob Marley auch kein Problem.

Bevor wir die Grenze erreichen, können wir uns noch von der Kraft und Intelligenz thailändischer Hähne selbst überzeugen. Ein solches Tier quert unseren Weg und merkt erst dann, das ihm das Dickicht auf der anderen Seite etwas ungeheuerlich ist. Jetzt will es wieder Retour, aber da sind ja nun unsere Vorderräder. Also schwingt er sich beherzt in die Luft und fliegt rund 250 Meter direkt über unserer Kühlerhaube, bis er elegant nach links in ein Gehöft abschwenkt und wohl etwas ermüdet landet. Der malaysische Hahn einige Stunden später stellt sich unvergleichbar dumm an. Stur will er direkt nach unserem Vorderrad die Strasse überqüren, was unweigerlich tödlich, unter einem der sechs folgenden Rädern endet.
Der Grenzübertritt geht völlig reibungslos von statten, allerdings müssen wir hier an der Grenze für den Landy eine Versicherung abschließen. 3 Monate kosten rund 25 Euro. Dafür brauchen wir aber kein Carnet mehr vorzulegen.  Interessant war auch, dass Dagmar und Peter, ebenfalls Overlander mit einem Landy unterwegs, die wir in Goa getroffen und die den gleichen Weg durch Burma, allerdings mit Guide, genommen haben, auch über diesen kleinen, etwas verschlafen wirkenden Übergang vor ein paar Monaten wählten. Ihr Abschnitt vom Carnet liegt noch ganz oben auf dem Schreibtisch und dient als Vorlage, zum Ausfüllen nachfolgender Carnets bei der Ausreise auf thailändischer Seite.
Am Abend suchen wir wieder einen Platz direkt an der Andaman See mit Sonnenuntergang und Abendrot, zum letzten Mal vorerst, denn Morgen wollen wir zur Ostküste fahren, also rund 400 Km quer über die Berge durch Malaysia.

Auf dem East - West Highway, entlang der Grenze zu Thailand, fahren wir durch eine sehr schöne und abwechslungsreiche Berglandschaft. Die Strasse schlängelt sich bis auf ca. 1100 MN durch Palmenwälder und über großflächige Bergseen. Bis zur Küste schaffen wir es natürlich nicht, dazu ist die Strecke zu kurvenreich und bergig. Außerdem haben wir am Vormittag viel Zeit bei unserem ersten größeren Einkauf im malaysischen Supermarkt verbummelt. Wir mussten uns wieder neu orientieren, die Wurst- und Fleischabteilung war eher übersichtlich und das Bier, in diesem stark moslemisch geprägtem Land, etwas versteckt. Nach rund 250 Km kurz vor Jeli sieht Cordula einen Felsen, unterhalb dessen sich so etwas wie eine Parkfläche befindet. Wir biegen ab und finden direkt am Ulu River wirklich einen Platz für die Nacht.

Gegen Mittag erreichen wir die Ostküste. Wir versuchen in mehreren Anläufen ein "idyllisches Plätzchen" zu finden, leider ohne Erfolg. Entweder gibt es gar keinen Zugang zum Strand oder ein Ferienkomplex nimmt die gesamte Fläche in Anspruch. Trifft ausnahmsweise Beides nicht zu, dann stehen unter schönen hohen Palmen halb zerfallene, aber noch immer bewohnte Hütten bis an den Strand und aus jedem Loch schaut die Armut heraus, was der Müll dazwischen unterstreicht. Erst am Nachmittag haben wir Glück und finden einen Parkplatz an einem recht gut besuchten, aber sehr einfachen Strandrestaurant in der Nähe von Kuala Terengganu. Das Wasser würde zwar zum Baden einladen, aber zwischen den Moslems die, wenn überhaupt, nur völlig bekleidet ins Wasser gehen, macht das keinen richtigen Spaß. Morgen wollen wir Einiges in der Stadt erledigen und dann weiter nach einem geeigneten Platz für längere Stehtage Ausschau halten.

04.06.2004

Der Tag beginnt mit einem platten Hinterrad am Landy und endet kurz darauf mit einer gebrochenen Steckachse, rund 20 Km weiter, in Kuala Terengganu am Strand. Aber der Reihe nach.
Der Platte ist schnell mit dem Kompressor erst einmal wieder auf Druck gebracht. Es ist nur ein kleines Loch direkt am Ventilnippel. Wir packen zusammen und fahren vom Parkplatz auf die Strasse. Die Auffahrt ist kurz, steil, mit Kies aufgeschüttet und stößt im rechten Winkel auf die ebene Strasse. Um kein Durchdrehen zu riskieren, sperre ich die Hinterachse mit dem Air Locker und fahre langsam untersetzt die Auffahrt hoch. Dann mein Fehler. Um möglichst gleich in meiner Spur weiter fahren zu können, mache ich oben angekommen, sofort eine scharfe Linkswendung, ohne zu bedenken, dass ja der Hänger noch auf der Schräge ist. Die Sperre hatte ich zwar abgeschaltet, aber mit bereits eingeschlagenen Rädern löst das Differenzial erst nach ein paar Metern geradeaus. Der zusätzlichen Last, den schweren Hänger aus der Wagerechten über die Kante zu ziehen, hält die linke Steckachse nicht stand. Das wäre zu vermeiden gewesen, hätte ich den Hänger erst auf die Strasse gezogen, bevor ich zurück in meine Spur geschwenkt wäre.
Also Air Locker wieder rein und vorsichtig weiter bis Kuala Terengganu. Zwischendurch finden wir doch noch einen Reifenservice, der am moslemischen Feiertag (Freitag) arbeitet. Ein neuer Schlauch ist schnell eingezogen und der freundliche Sohn des Inhabers erklärt uns den Weg zum Strand, wo wir gut stehen könnten. Mit der Karte, die er uns überlassen hat, finden wir schnell den richtigen Platz. Da wir glücklicherweise noch eine lange Steckachse dabei haben, ist der Schaden dann schnell behoben, aber unsere Reserven auf Null geschrumpft. Ein interessierter Malaye, der meine Reparatur beobachtet hat, versichert uns, dass er einen Freund habe, der auch mit Rover Teilen handelt. Freundlicherweise will er uns Morgen dorthin fahren. Wir verabreden uns für 9.00 Uhr.

Wir beginnen den Tag mit der Fahrt zum Zubehörhändler und haben Glück, dass dieser auch am Feiertag (Königs Geburtstag) offen hat. Er verspricht uns, sich morgen um die Teile zu kümmern und unser Freund fährt uns zurück zum Strand.
Den Nachmittag verbringen wir in der Stadt. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einer kleinen Batik - Factory vorbei, wo uns dieses Handwerk anschaulich demonstriert wird. Die zum Verkauf angebotenen fertigen Stoffe leuchten farbenfroh und intensiv bunt. Da die Einkaufscenter heute trotz Feiertag geöffnet haben, werden wir von den Massen mit geschubst und gedrängt. Natürlich kommen wir um einige Einkäufe nicht drumherum und sind nach rund 5 Km Fußmarsch ganz schön geschafft. Froh noch einige Zeit im Schatten und im kühlen Wind am Strand verbringen zu können, beobachten wir das bunte Treiben dort.

06.06.2004

Den Vormittag verbringen wir mit Bilder sortieren für unsere Internetseiten. Ein Rückruf beim Zubehörhändler ergibt, dass er erst Morgen genaueres Sagen kann, da heute Sonntag und nun in Kuala Lumpur niemand zu erreichen ist. So ist das halt, wenn man schon den Freitag zum Sonntag macht, dann kommt alles durcheinander. Oh Allah hilf !
Wir machen das Beste daraus und fahren erst einmal ins Internet-Café, um unsere Seiten zu aktualisieren und allen Freunden und Verwandten die preiswerte Rufnummer unserer Handykarte mitzuteilen, welche wir gestern erstanden haben. Gegen 15.00 Uhr fahren wir dann weiter an den Stausee Tasik Kenyir, rund 80 Km westlich von Kuala Terengganu. Es ist ein herrlicher Platz und zumindest, als wir gegen 18.00 Uhr ankommen sehr, sehr ruhig. Wir stellen uns auf eine als Busparkplatz ausgewiesene Fläche und versichern uns bei der Tourist-Information, dass das in Ordnung geht und wir dort übernachten können.
Der Stausee erstreckt sich über eine Fläche von 260 Tausend Hektar und beinhaltet mehr als 300 Inseln. Diese bizarre Landschaft liefert aus vier Turbinen Strom, ausschließlich für Thailand und Singapur.
Leider müssen wir am Abend feststellen, dass unsere preiswerte Handykarte hier kein Netz findet, obwohl uns die beiden jungen Damen gestern unter ihren Kopftüchern hervor versichert haben, sie funktioniere in ganz Malaysia und darüber hinaus auch noch in Thailand, Singapur und Brunei. Schade, Schade !!

Der Himmel bleibt, nach dem nächtlichen Gewitter, den ganzen Tag bedeckt. Die Temperatur steigt aber trotzdem über 32° C und wir schwitzen ganz ordentlich, als wir auf den wenigen möglichen Wegen, durch die sehr gepflegten Anlagen etwas wandern gehen. Leider ist hier alles auf die Ausflugsboote konzentriert, die einen für 8,00 - 40,00 € mehr oder minder lange über den See mit seinen vielen Inseln fahren wollen. Die Wanderwege sind dabei um einiges zu kurz gekommen.
Im Kenyir Lake View Resort gönnen wir uns ein Glas Wein und ein Bier, was uns umgerechnet stolze 6,00 € kostet. Die hier wohnenden Gäste scheinen ausschließlich Koreaner, Japaner und die "Creme de la Creme" der Malayen zu sein, die sich dann beim Bootssport vielleicht etwas ungeschickt anstellen. Diese Vorstellung von "Versteckte Kamera" live, versüßt uns die Kosten von Bier und Wein erheblich.
Auf unserer weiteren Wanderung finden wir auch noch einige schöne Exemplare der malaysischen National Blume - Hibiscus.

Das Thermometer steht unverändert bei über 30° C und die Luftfeuchte ist enorm. Den Versuch einen Spaziergang in die von uns noch unerforschte Gegend zu unternehmen, brechen wir bald ab, weil unsere Kleidung zum auswinden ist. Wenn schon schweißnass, dann wenigstens von richtiger Arbeit, sage ich mir und tausche die Räder am Hänger um, weil sie unterschiedlich abgefahren sind.
Als wir am Nachmittag etwas einkaufen gehen, treffen wir in dem kleinen Laden Mr. Mat Tarzan, Recreation Manager des Petang Island Resorts, der uns spontan zu einem Besuch dorthin einlädt. Noch am Nachmittag begleitet er neue Gäste, natürlich per Boot in das Resort und fährt danach wieder zurück, also eine gute Gelegenheit, uns alles zu zeigen. Doch bevor wir noch zu unserer, diesmal kostenlosen Bootsfahrt kommen, öffnet der Himmel seine Pforten und wir können mit unserem Gastgeber und seinen zahlenden Gästen bei einem Glas Tee etwas plauschen.
Dann geht es mit zwei recht flotten Booten los. In ca. 30 Minuten fahren wir über Zweidrittel des See, der trotz des noch immer bedeckten Himmels einen wahrlich pittoresken Anblick bietet, was nicht verwundert, bedenkt man, dass hier noch vor 45 Jahren eine ausgeprägte, bewaldete Hügellandschaft war, über die wir jetzt auf der fast spiegelglatten Oberfläche, des teilweise bis zu 155 Meter tiefen See, dahin jagen.
Das Resort befindet sich auf einer kleinen Insel, in unmittelbarer Nähe des Taman Negara NP und bietet neben Fishing and Jungle Trekking, viele Freizeitaktivitäten. Drei Nächte in einem der schönen Holzhäuser mit allem Komfort, inklusive der angebotenen Aktivitäten, kosten umgerechnet 75,00 €. Leider gibt es noch keine Website, aber für alle, die Natur pur suchen, hier die e-mail Adresse: petangisland@yahoo.com .

09.06.2004

Wir ziehen um. Direkt am See befindet sich ein Camp Ground, natürlich nicht im europäischen Sinn, sondern eher ein Zeltplatz, aber mit Strom und Dusche und wie Mr. Tarzan richtig feststellt, eben komfortabler.
Das bedeutet auch, wir können die Mopeds runter nehmen und Cordula kann ausgiebig waschen, was sie auch gleich in Angriff nimmt. Wie wir gestern noch telefonisch erfahren haben, sind unsere Ersatzteile in Kuala Terengganu eingetroffen und so werden wir morgen, mit den Motorrädern dahin fahren. Gleichzeitig können wir dort etwas einkaufen, da hier die kleinen Restaurants nicht besonders ergiebig sind und wir uns mehr selber versorgen müssen und wollen.

10.06.2004

Nicht zeitig genug machen wir uns auf den Weg nach Kuala Terengganu, denn selbst auf den Mopeds kommen wir arg ins Schwitzen. Zudem beginnt Donnerstags um 13.00 Uhr das moslemische Wochenende und das ist, auf den Strassen durchaus spürbar. Bei dem Zubehörhändler bekommen wir tatsächlich alle georderten Teile zu einem fairen Preis und gehen anschließend einkaufen. Das Ganze beschließen wir dann bei A&W (eine uns bisher unbekannte amerikanische Kette) mit Pommes und Root Beer (alkoholfreies Getränk aus einer Baumwurzel).
Trotz der Hitze macht es mal wieder richtig Spass auf den Bikes unterwegs zu sein, besonders in der etwas kurvenreicheren Gegend um den See.

Deshalb machen wir uns heute auf, um den nördlichen Teil des Sees von der Strasse her zu erkunden. Leider enden alle Wege und Strassen im Nichts oder in einer Baustelle, in der ein Schild die Fertigstellung für das Jahr 2007 ankündigt. Jetzt wissen wir aber auch, woher die vielen dicken Baumstämme aus dem Dschungel kommen, die uns immer wieder auf großen LKW´s entgegenkamen.
Die Strassen, die fertiggestellt sind, machen mit den Bikes dafür um so mehr Spass, zumal der Verkehr, selbst am moslemischen” Sonntag”, hier sehr ruhig ist.

12.06.2004

Eine leichte Briese verspricht im Schatten erträgliche Temperaturen, deshalb nehme ich mir den PC und Cordula wieder einmal die Wäsche vor. Seit RealOne ein Driver Update gemacht hat, geht mein CD-Rom Laufwerk nicht mehr und das ändert sich auch nicht, nach mehreren Stunden der Fehlersuche. Na mal sehen, was sich beim nächsten Internet Besuch machen lässt. Cordula ist mit der Wäsche nicht ausgelastet, deshalb nimmt sie sich noch die rechte Seite des Landy vor, welche seit der Passage einer arbeitenden Teermaschine, etwas aussieht wie Salz und Pfeffer.
Zwischendurch hat sie uns noch mit einigen Prospekten aus dem hiesigen Touristen Informationscenter versorgt, mit deren Hilfe, wir unsere nächsten Aktivitäten planen können.

Mit den Motorrädern machen wir uns auf die Suche nach dem Herz des Stausees, der Staumauer. Wir fahren nach Süden und nehmen so ziemlich jeden Abzweig in Richtung Stausee mit. Dabei landen wir in herrlichen Palmenplantagen, wo gerade die Früchte zur Palmölgewinnung reif sind. Auch sehr schöne Wasserdurchfahrten erfreuen unser Herz, bis wir wirklich beim letzten Versuch auf der Staumauer landen.
Damit haben wir dann hier fast alle schönen Plätze besucht und werden morgen zur Weiterfahrt rüsten.

14.06.2004

Langsam machen wir uns ans Zusammenpacken. Als der Tag zu Ende geht, steht der Landy zur Abfahrt bereit. Wir trauern dem schönen, preiswerten, weil kostenlosen und außerordentlich ruhigen Platz etwas nach und hoffen, bald wieder Ähnliches zu finden. Die Strecke für die nächsten Tage ist besprochen. Wir fahren weiter an der Ostküste entlang in Richtung Süden, schauen mal bei den hoffentlich eierlegenden Meeresschildkröten vorbei, um dann einen Schwenk in Landesinnere zu machen, wo wir hoffen, in der Nähe des NP einen guten Stellplatz zu finden, um von dort noch einige interessante Plätze mit den Motorrädern zu besuchen.

Als wir gegen 10.00 Uhr aus dem "Camp Ground" rollen, kommt noch ein "Offizieller" und will etwas von uns, sein Englisch reicht aber nicht aus, uns klar zu machen, um was es eigentlich geht. Wir können nur verstehen "Permit" und "Boss". Offensichtlich will er uns zu seinem Boss bringen. Wir sind aber mehr in Abfahrtslaune und schließlich hat sich bisher Niemand um uns gekümmert. Wo er rechts abbiegt, wollen wir ohnehin geradeaus weiter und so lassen wir ihn hupen und fahren unserer Wege.
Wir bewegen uns wieder in Richtung Küste und fahren dann den Highway 3 weiter nach Süden, zum Teil durch ausgedehnte Industriegebiete, die auf Grund der dortigen Gas- und Ölvorkommen entstanden. Als wir den ersten Strandabschnitt, an dem die Schildkröten auftauchen sollen, erreichen, ist es Mittag und wir essen erst ein mal etwas. Von dem Wirt erfahren wir dann, dass es mit den Schildkröten nicht mehr so doll ist und man schon einiges Glück braucht, um eine Morgens zwischen drei und fünf zu erwischen. Da um diese Zeit Cordula am Tiefsten zu schlafen pflegt, wird wohl aus der Beobachtung eierlegender Schildkröten nichts werden, zumal nur eine vage Aussicht auf Erfolg besteht. So begnügen wir uns mit dem Anblick einer entweder schwangeren oder vom vielen Müll arg fett gewordenen Riesenechse.
Nach einigen weiteren Kilometern und längerem Suchen nach einem weniger vermüllten Platz für die Nacht, finden wir in Cherating den "Cultural Complex" in unmittelbarer Nähe des Strandes. Wie eine Preisliste ausweist, kommen hierher sogar Caravans und dürfen hier für umgerechnet vier Euro, inkl. WC / Dusche und Strom, stehen. Das Gelände ist eingezäunt und wird bewacht. Wie uns erzählt wird, haben zu Beginn des Jahres rund zwanzig deutsche Wohnmobile hier gestanden. Die Mitarbeiter sind sehr freundlich und haben viele bunte Prospekte, über in der Nähe befindliche Sehenswürdigkeiten für uns. So entschließen wir uns, einige Tage zu bleiben und die Gegend mit den Bikes zu erkunden. Zu guter Letzt läuft uns wenigsten noch eine Landschildkröte über den Weg und gibt ein schönes Motiv ab.

16.06.2004

Der übliche erste Tag auf einem neuen, für mehrere Tage gedachten Platz. Bikes runter nehmen und häuslich einrichten. Den Nachmittag verbringen wir am Strand und im Internet-Café. Cherating ist ein kleines überschaubares Touristendorf, ohne grosse Hotelgebäude, sondern nur mit kleinen Bungalowresorts und ein paar Restaurants. Offensichtlich beliebt, da preiswert, bei Backpackers.

Aus den schönen bunten Prospekten haben wir uns zwei Lakes ausgesucht, denen wir auf den Motorrädern einen Besuch abstatten möchten. Die ersten, wie auch am Abend die letzten Kilometer auf dem Highway 3, sind nicht so angenehm, da doch recht reger Verkehr herrscht. Nach dem wir abgebogen sind und Nebenstrassen befahren, kommt richtig Spass auf. Die Landschaft, leicht hügelig, wechselt ständig zwischen Palmenhainen und Misch- und Regenwald und die Strassen sind kurvenreich. Leider versprechen die Prospekte, wie meistens mehr, als der Tasik Chini und später auch der Tasik Bera halten können. Was sicher auch etwas an uns liegt. Wir lassen uns schließlich nicht mit dem Boot von "Attraktion zu Attraktion" bringen, sondern fahren selbst auf den schmalen Wegen in die Dörfer der Eingeborenen. Was wir von den Aboriginals zu sehen bekommen, unterscheidet sich wenig von anderen Dörfern. Aber per Boot erreicht man halt "die" Eingeborenenfamilie, welche bereits auf den Besuch wartet und ähnlich ist es mit anderen Attraktionen auch.
Zum Tasik Bera fahren wir über hundert Kilometer am Pahang River entlang. Der Fluß, welcher der Provinz den Namen gibt, ist beachtlich breit und das schon in der Trockenzeit. Im Übrigen ist an beiden Seen im Moment nicht gerade Saison, die beginnt erst mit den Schulferien in Singapur, aber dann sollte man besser nicht hier auftauchen, wie man uns sagt.
Wir haben auf der großen Runde viel Fahrspass, so dass wir erst bei unserer Rückkehr merken, dass es insgesamt fast 500 Km geworden sind.

18.06.2004

Der Tag ist wolkenverhangen und so bestens geeignet, um den Mopeds etwas Pflege angedeihen zu lassen. Da und dort fehlt Fett und die Luftfilter müssen auch mal wieder gereinigt werden. Und natürlich fehlt auch Öl.
Cordula hat so den PC für sich ganz allein und schreibt ausgiebig e-mails.

Am Vormittag fahren wir nach Chukai einkaufen. Auf dem Weg dorthin, schauen wir noch beim Turtel-Info-Center vorbei. Cordula ist begeistert, vor allem, weil sie viele der bereits gesammelten Muscheln hier in der Ausstellung wieder findet. Die für” touristische Anschauungszwecke” eingesperrten Schildkröten tun uns eher etwas leid.
Chukai ist die nächstgelegene größere Stadt und hier gibt es keinen Touristenaufschlag, wie am Strand. Den Nachmittag verbringt Cordula in der Cullturale-Show des Kulturzentrums und ich im Internet-Café.
Cordula erfährt viel über Kokosnüsse, vom richtigen Pflücken mit Hilfe eines Affen (wer den dann wohl spielen muss??) bis zum Öffnen und der Zubereitung dieser. Danach gibt es einige Musik, Tanz- und Sportdarbietungen, alle von hier ansässigen lokalen Malayen vorgeführt. Höhepunkt ist eine anschauliche Vorführung des traditionellen Batik Handwerkes, welches überall in Malaysia zu finden ist. Den Blockdruck konnten wir ja bereits in Kuala Terengganu bewundern, aber Mr. Ayam ist ein echter Künstler und favorisiert deshalb den “Free Style”, wodurch sehr schöne eigenwillige Batik Motive entstehen, die von den hier vorbei schauenden Touristen auch gerne gekauft werden. Insgesamt eine gelungene und interessante Veranstaltung über 2 Stunden, die durchaus mehr Besucher verdient hätte.

20.06.2004

Ein langer, aber kurzweiliger Tag am Strand. Wir lesen viel und planen die nächste Tour mit den Bikes.

Mit den Motorrädern fahren wir immer möglichst dicht, entlang der Küste Richtung Süden. Unser Ziel ist der Endau Rompin NP, welcher an der Grenze zum Sultanat Johor liegt. Die rund 230 Km dorthin wollen wir nach Möglichkeit auf Nebenstrassen fahren, um dem Verkehr auf den Fernstrassen zu meiden, was uns zu einem großen Teil auch gelingt. Der NP wird von vier Bergen, mit Höhen zwischen 850 und 1050 Metern eingeschlossen und umfasst ein Gebiet von 32.000 Hektar und soll mit dem stolzen Alter von 130 Millionen Jahren, einer der ältesten tropischen Regenwälder der Erde sein.
Wir fahren auf gewundenen, teils steilen Wegen bis zum Base Camp, dem einzigen motorisiert zu erreichenden Zugang. Unterwegs treffen wir auf ein durchaus ansehnliches Exemplar einer bereits toten, weil angefahrenen Schlange. Ein "viel versprechender" Beginn.
Die Anlage macht einen sehr schönen, sauberen und gepflegten Eindruck. Leider ist es im Moment, aus welchen Gründen auch immer, nicht möglich einen der kleinen Bungalows zu mieten oder ein paar Lebensmittel einzukaufen. Eigentlich hatten wir vor, hier über Nacht zu bleiben. Nun begnügen wir uns damit, in fast vollständiger Motorradkluft und das ist gut so, den "Night Trail" zu gehen. Mit 15 Minuten verspricht es eine kurze Runde zu werden. Probleme werden uns dann später die nicht vorhandenen oder nicht lesbaren, weil nur in malaysisch geschriebenen Wegweiser bereiten.  Wir staunen schon sehr, wie groß, uns sonst nur als kleine Topfpflanzen bekannte Gewächse, hier werden können. Die Temperaturen und die Luftfeuchte sind wahrlich tropisch und wir so nass, als wären wir durch einen Fluss geschwommen. Trotzdem macht das Auf und Ab auf schmalen Pfaden mit mancher Hürde, viel Spaß. Dieser hat bei Cordula erst ein Ende, als sie schreiend "mach ab, mach ab !!" auf mich zu gerannt kommt. Gesundheitlich eher positiv zu sehen, hatten es sich zwei Blutegel unter ihrer Socke am Fußgelenk bequem gemacht und gerade mit ihrem Festmahl, dem Aderlass begonnen. Zugegeben der Anblick, vor allem wenn diese kleinen Tierchen sich gerade die richtige Stellung bei Tisch suchen, ist nicht gerade erbaulich, aber auch kein Grund zur Panik. Schnell waren sie entfernt, dumm nur, dass die kleinen Wunden lange bluten und wir nichts dabei hatten, um das zu stoppen.  Als sich die ganze Sache, diesmal am anderen Knöchel wiederholte, war Cordula dann doch sehr froh, als wir nach einer Stunde wieder im vollen Tageslicht standen. Am Motorrad konnte dann noch schnell etwas desinfiziert und ein Pflaster aufgeklebt werden.
Da wir im Park nicht übernachten können, machen wir uns wieder auf den Rückweg, diesmal zu unserem "Base Camp"

22.06.2004

Einen großen Teil des Tages verbringen wir am Strand. Es ist schon interessant zu sehen, mit welcher Selbstverständlichkeit ganze moslemische Familien und das schließt oft Großeltern und Schwägerinnen ein, an den Strand kommen und so wie sie sind, mit all ihrer Kleidung am Körper, zielsicher ins Wasser marschieren. Natürlich nur soweit sie stehen können, denn schwimmen können die Wenigsten.

23.06.2004

Im Internet-Café kann man für 1,00 € ein ausgelesenes Buch gegen einen anderen Schmöker tauschen und einige sind sogar in deutscher Sprache. Und am Strand, im Schatten eines der Kiefer ähnlichen Baumes, lässt es sich wunderbar schmökern, zumal hier immer eine leichte Briese erträgliche Temperaturen bringt.

24.06.2004

Wieder etwas Abwechslung und vor allem viele Neuigkeiten bringen uns die KTM´s mit Heidi und Bernd. Wir halten mit ihnen, wie mit einigen anderen Overlandern, Kontakt per e-mail. So haben uns die Beiden leicht gefunden und natürlich gab es wieder viel gegenseitig zu berichten. Wir werden langsam neugierig auf Cambodia und Laos, aber das wollen wir uns ja noch aufheben und uns eventuell nach Australien dort etwas umsehen.

Während Bernd und ich an seiner KTM werkeln, besuchen die Mädels eine, für amerikanische Touristen extra organisierte Tanzshow hier im Kultur Center. Die Beiden kommen nach einer Stunde total begeistert wieder und natürlich haben sie viele bunte Bilder und Eindrücke mitgebracht. Sie berichten uns von den farbenfrohen Kostümen und den professionellen Tanzdarbietungen, die die multikulturelle malaiische Nation und ihre Traditionen ausdrucksstark darstellten. Diese in Kuantan ansässige Tanzgruppe gastiert oft in KL und gewann bereits viele Auszeichnungen und Preise. 

26.06.2004

Obwohl es fast jeden Nachmittag ein Gewitter gibt und manchmal auch mit heftigen Regengüssen, kühlt es nur unmerklich ab. Wir halten uns also weiterhin viel am Strand auf. Cordula ist nur traurig, dass es hier nichts zu sammeln gibt, denn Muscheln sind hier sehr selten.

Diesen Abend besuchen wir zu viert noch einmal das Turtel-Info-Center. Wie Heidi und Bernd am Vormittag erkundet haben, wird am späten Abend eine Schildkröte zur Eiablage erwartet. Woher die Ranger das so genau wissen, bleibt ihr Geheimnis, aber wir haben Glück und können dem Ereignis aus nächster Nähe beiwohnen, denn während der Eiablage lässt sich die Schildkröte durch nichts und niemanden stören. Selbstverständlich müssen alle sehr leise sein und Lichter, insbesondere das Fotoblitzlicht sind nicht erlaubt. Als die Schildkröte von den Rangern noch vermessen wird, sehen wir auf dem Bandmass, dass der Panzer 1,05 m lang und 0,92 m breit ist. Das Gelege (45 Tennisball grosse Eier) wird noch während der Ablage durch die Ranger geleert und die Gute schaufelt anschließend nur Sand auf Sand, um dann ohne etwas zu ahnen, wieder im Meer zu verschwinden. Diese Manipulation ist nötig, um möglichst verlustfrei den Nachwuchs aufzuziehen, da nur eine von tausend kleinen Schildkröten überlebt ! So können wir im Anschluss noch zuschauen, wie wieder eine Schar der kleinen Tierchen zum ersten Mal im großen Meer verschwindet.

Heute waren wir in Kuantan, der Hauptstadt von Pahang. zuerst fuhren wir zum 20 Km nördlich vor Kuantan  gelegenen kleinen Industriehafen. Wie wir richtig vermuteten, sind hier eine ganze Menge Schifffahrtslinien und Agenturen vertreten. So können wir weitere Informationen zur Verschiffung einholen und auch andere Möglichkeiten prüfen. Heidi und Bernd haben uns in den letzten Tagen von den günstigen Fährverbindungen innerhalb Indonesiens vorgeschwärmt. Dagmar und Peter, die schon in Indonesien sind, haben uns mit ihren Berichten auch wieder auf unseren alten Plan, uns soweit wie möglich auf dem Landweg Australien zu nähern, verfallen lassen. Die indonesische Fährlinie PELNI scheint wirklich sehr günstig zu sein. Einziger Nachteil, manche der fünf Verbindungen wird nur aller vierzehn Tage bedient, so dass gute Planung nötig ist, will man nicht unnötig lange, auf einer der Inseln hängen bleiben. Größere Probleme bereiten uns die Verbindungen von Malaysia nach Indonesien und von Ost Timor nach Australien. Schuld daran ist unser "Zug", der nirgendwo rein passt, da hier keine Fährverbindungen existieren und uns nur ein 40’ Highcube Container bzw. eine 40’ Platform auf einem Frachtschiff oder eine Ro / Ro Verbindung bleiben. Alle drei Möglichkeiten haben leider eines gemeinsam - sie sind sehr teuer und das, wie es scheint, auch auf Kurzstrecken.
Den Nachmittag bummeln wir dann durch Kuantan, am gleich gleichnamigen Fluss gelegen. Auf der Uferpromenade nehmen wir ein kleines Mittagessen in einem so genannten “Foodstall” ein. Dann besuchen wir die modernen Shopping Center und müssen immer wieder feststellen, dass diese im Gegensatz zu Thailand fast “menschenleer” sind, ja sogar letzte Etagen oftmals nicht vermietet werden konnten. Offensichtlich bevorzugt die moslemische Bevölkerung nach wie vor ihre alten, traditionellen Märkte, wo es eben keine teuren Festpreise gibt und ordentlich gefeilscht werden kann. Das schönste Gebäude der Stadt ist die Staats Moschee, die auch der Telekom Malaysia ein zu Hause bietet.

29.06.2004

Bereits mehrmals haben wir in den vergangenen Tagen Bücher eingetauscht und liegen im wahren Leserausch am Strand. Heidi und Bernd ergeht es nicht anders, leider haben die Beiden sich eine leichte Grippe eingefangen und so liegen sie in ihrem Bungalow - und lesen.

30.06. - 04.07.2004

Zwei Yamaha XT mit Iris und Florian, seit 21 Monaten unterwegs, sind hier auf ihrem Weg nach Thailand angekommen. Die Beiden haben ausgiebig Afrika besucht und anschließend Australien. Wie immer, wenn man andere Langzeitreisende trifft, gibt es viel zu berichten und an Erfahrungen auszutauschen.
Zwischenzeitlich haben wir unsere Bikes wieder verladen, denn wir wollen ja Morgen gemeinsam mit Heidi und Bernd zum Taman Negara NP weiter fahren. Wir unternehmen einen letzten gemütlichen Bummel am Strand und durch den kleinen Ort, besuchen noch einmal das Internetcafeè und tauschen Daten mit den Bikern aus.

Gegen 9.00 Uhr verabschieden wir uns von den XT’s. Die KTM’s sehen wir ja schon am späten Nachmittag wieder. Iris & Florian fahren weiter in Richtung Thailand, Heidi & Bernd leisten uns noch einige Tage im Taman Negara NP Gesellschaft. Wir fahren aber getrennt dorthin, da ihre Bikes und unser Zug verständlicherweise nicht so gut harmonieren.
Bereits kurz nach 16.00 Uhr treffen wir uns wieder in Kuala Tahan, an der Grenze zum NP. Die kleine Strasse hierher existiert erst seit wenigen Jahren, davor war dieser ansonsten sehr übersichtliche, noch nicht sehr touristisch erschlossene Ort ausschließlich per Boot zu erreichen. Die XT’s, die hier vor uns schon waren, hatten uns einen guten Tip bezüglich der Übernachtung gegeben. Das ‘Tahan Guest House‘ ist ein nettes kleines buntes Hotel, gleich neben der Moschee, am Rand des  Ortes. Die Beiden bekommen ein schönes Zimmer mit Bad und Balkon und wir einen Platz im Garten mit Dusche und Stromanschluss.

Nach einem gemeinsamen ausgiebigen Frühstück setzen wir Vier, gut gelaunt und gegen Blutegel prepariert, mit einem kleinen Motorboot über den Fluss Temubeling in den NP. Der Eintritt ist mit 7,00 RM inkl. Fotogebühr erschwinglich und für die gesamte Dauer des Aufenthaltes gültig. Wir wollen zum ca. 1,5 km entfernten Canopy Walkway durch den Dschungel wandern, der mit 400 m Distanz und 40 Metern Höhe der längste der Welt sein soll und durch die  Wipfel der uralten Tualang Bäume führt. Leider sind heute nur ca. 250 m für uns zugänglich, aber die "Schaukelei"  in diesen Höhen  macht großen Spaß und wir sind stolz, wie mutig wir waren.
Trotz der Dunkelheit im Regenwald, nur in den Baumkronen ist die Sonne zu sehen, kommen wir immer wieder arg in`s schwitzen und sind froh, ausreichend Trinkwasser dabei zu haben. Der schmale Trail muss immer wieder mit Herden entgegenkommender Touristengruppen geteilt werden.

07.07.2004

Nach einem weiteren gemeinsamen Frühstück brechen Heidi & Bernd in Richtung Kuala Lumpur auf. Der Abschied ist kurz, schließlich sind wir uns ganz sicher, schon bald wieder aufeinander zu treffen.
Den Nachmittag verbringen wir im Internet-Café und schreiben wieder Mails an alle möglichen Spediteure und Schifffahrtslinien. Wir haben den kurz erneut aufkeimenden Plan, über Indonesien zu hüpfen, wieder aufgegeben, denn die Kosten der dadurch entstehenden zweimaligen Verschiffung (Malaysia - Indonesien und dann Ost Timor - Australien) sind einfach zu hoch. Kürzere Strecken werden nicht einfach preiswerter, ganz im Gegenteil ! Es ist schon schwierig und kompliziert etwas Geeignetes direkt nach Australien für uns zu finden ! Nun sieht es bald so aus, dass unser ganzer Zug an den Kranhaken muss und das war das Letzte, was wir wollten ! Wenn da etwas schief geht, werden wir den Rest unseres Lebens als Backpacker durch die Welt ziehen müssen und dann heißt es wirklich "Weniger ist Mehr". Na wir werden sehen, was da noch auf uns zu kommt.

08.07.2004

Seit dem späten Nachmittag zieht ein mächtiges Gewitter durch den Urwald und es regnet unaufhörlich in Strömen ! Es ist auch hundekalt, nur noch 25 Grad und wir werden wohl den Schlafsack heute Nacht brauchen ! Nicht mal das Schreien des Muizin hört man, so trommelt es auf unser Kabinendach.

Trotz akuter Blutegel Gefahr nach dem ausgiebigen Regen scheucht mich Cordula am Nachmittag wieder in den Dschungel. Laut Führer soll es einen ca. 800 Meter langen Lehrpfad in der Nähe des Mutiara Resort geben. Leider wissen selbst die Ranger nichts davon und so geht es mal wieder auf einem schmalen Trampelpfad, mal bergauf und mal bergab, durch den dichten Regenwald. Erst bis zum Lumbok Simpon, einer Badestelle im Flüsschen Tahan, dann auf den Jenut Muda, einer durchaus beachtlichen Erhebung (schnauf, schnauf). Nach dem wir ein Wildschwein aufgeschreckt haben (offen geblieben ist die Frage, wer mehr Angst hatte, das Schwein oder Cordula) führt der Weg weiter steil bergab. Kurz vor dem  Canopy Walkway geht es dann am Fluss Temubeling wieder zurück nach Kuala Tahan. Gefühlt waren das mindestens 5 Km, laut Karte etwa drei, was uns aber nicht daran hindert, verschwitzt wie wir sind, im Mutiara Resort erstmal ein Bier die ausgedörrte Kehle hinab laufen zu lassen. Auch wenn das mit 3,00 €  unverschämt teurer ist - man gönnt sich ja sonst nichts. Den Aderlass gab’s dafür kostenlos. Glücklicherweise haben wir aber die kleinen Plagegeister noch rechtzeitig entdeckt.

10.07.2004

Wir ruhen uns aus von den Strapazen des Vortages und gehen am Nachmittag für einige Stunden in`s Internet-Café.

11.04.2004

Während ich zusammen packe, macht Cordula noch mal große Wäsche, denn Morgen wollen wir weiter. Das genaue Ziel ist noch unklar. Wir wissen nur, dass wir auf keinen Fall näher als 100 Km an Kuala Lumpur ranfahren wollen. Am Besten wäre ein schönes ruhiges Plätzchen, wo wir die Bikes runter nehmen können und dann Melaka, Port Dickson und eventuell Port Klang einen Besuch abstatten können. Mal sehen, ob das so klappt !

Kurz vor dem Start müssen wir noch einen blinden Passagier an die frische Luft befördern. Das fällt uns ums so leichter, da dieser auch noch ausgesprochen hässlich ist. (siehe Foto)
Nach rund 250 Km durch Palmen- und Gummibaumplantagen erreichen wir Sri Menanti, ein kleines Dorf im Sultanat Negeri Sembilan, in welchem ein architektonisch erwähnenswert alter und ein neuer Königspalast stehen. Gelb leuchtende Plakate kündigen überall an, dass das Herrscherpaar am 19.07. hierher kommt, um einen Geburtstagsempfang zu geben. Der aufmerksame Tagebuchleser wird jetzt sagen - kann nicht sein, der war schon. Das stimmt und stimmt auch nicht. Da in Malaysia der König nicht durch Erbfolge, sondern aller fünf Jahre per Wahl von den Sultanen gekrönt wird, hatte der derzeitige König, Sultan von Perlis, tatsächlich schon seine Feier bei unserer Einreise gehabt. Nun kann das Volk von Negeri Sembilan den 82. Geburtstag ihres Sultans, welcher von 1998 - 2003 König von Malaysia war, feiern.
Nachdem wir uns schon mal im neuen Palast etwas umgesehen haben und mit Sicherheit sagen können, dass die Bankett-Halle trotz massiver Anstrengungen, wie überall im Ort, nicht pünktlich fertig wird, finden wir einen Platz für die Nacht auf dem Parkplatz des Sri Menanti Resort. Morgen wollen wir den Manager überzeugen, dass wir auf diesem Gelände noch bis zur "Big Party" stehen können, was sicher nicht ganz einfach wird, denn so wie das Dorf aufrüstet, werden hier eine Menge Besucher erwartet.
Wir besuchen noch den  alten Holzpalast, welcher vor fast genau 100 Jahren entstand und ein Meisterbeispiel für die Minangkabau Architektur ist, welche von indonesischen Immigranten (Sumatra) hierher gebracht wurde. Das besondere an diesem fünfstöckigen Holzbau ist, dass dieser komplett ohne einen einzigen Nagel oder einer Schraube innerhalb von sechs Jahren errichtet wurde.  Jetzt ist hier das königliche Museum untergebracht, dessen Innenräume leider nicht fotografiert werden dürfen.

13.07.2004

Mit etwas Glück können wir den Manager überreden und dürfen erst einmal bis 20.07. hier bleiben. Für die Nutzung von Strom, Pool und Duschen müssen wir umgerechnet 3.00 € pro Tag bezahlen - geht auch noch, vor allem wenn man bedenkt, das hier rund 800 Gäste, zum Teil hochrangig, erwartet werden. Wir werden also mit Sicherheit viel Spass haben und so auf unsere Kosten kommen.
Im Anschluss nehmen wir die Bikes herunter und fahren noch schnell nach Kuala Pilah einkaufen. Für Morgen steht Melaka auf unserem Reiseplan. Wie wir bisher hörten, soll der Stadtkern sehr eng und dicht bebaut sein, also genau richtig für einen Besuch auf den Motorrädern.

Gegen 9.00 Uhr brechen wir auf.  Die Strasse schlängelt sich am Fuß eines kleinen Gebirges entlang und es gibt auf den ersten 50 Km viel Fahrspaß, da kaum mal 100 Meter zusammenhängend geradeaus führen. Erst die Ebene vor Melaka (Malacca) wird durch Baustellen und viel Verkehr etwas stressig. So eng, wie uns beschrieben, finden wir den Stadtkern dann doch nicht, dafür mit unzähligen Einbahnstrassen ausgestattet. Das scheint in größeren Städten hier in Malaysia sehr beliebt zu sein, wie wir hörten, soll’s in Kuala Lumpur besonders schlimm sein.
Da die hier vorherrschenden Mopeds (fast ausschließlich max. 125 ccm) so ziemlich alles dürfen, nehmen wir für uns gleiches Recht in Anspruch und fahren mit den Bikes, direkt in das historische Zentrum Malaccas und parken zwischen den bunten Trishaw ein. Unser Blau-Weiß ist ein schöner Kontrast zum typischen holländischen Rosa der Gebäude. Hier und da fühlt man sich sehr an die Krachten erinnert, wenn nicht gerade eine Echse aus dem Wasser steigt und die Idylle stört.
Wir besuchen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, welche günstig zu Fuß zu erreichen sind und bummeln von der Christ Church und dem alten Stadthaus, hinauf zur Ruine der St. Pauls Church weiter zum Independence Memorial und besichtigen den wieder aufgebauten, ehemaligen Sultans Palast von Malacca. Dann noch ein Abstecher in einen Einkaufstempel - schließlich muss 'Mann' ja auf dem Laufenden bleiben und 'Frau' findet immer etwas Unverzichtbares, was just bei dieser Gelegenheit unbedingt erstanden werden muss.
Auf dem Rückweg umfahren wir die Baustellen und finden so noch einen kleinen Markt, wo frisches Gemüse angeboten wird.

15.07.2004

Es wird ein ruhiger Tag. Etwas basteln an den Motorrädern und ein paar Mails schreiben. Ansonsten beobachten wir gespannt, wie die Vorbereitungen zum großen Fest voran gehen.

Mit den Bikes machen wir einen Ausflug. Auf zum größten Teil kleinen, ruhigen und kurvenreichen Strassen geht es über Sereban, Kuala Kelawang nach Titi und zurück über Ayer Hitam, Bahau und Kuala Pilah nach Sri Menati. Kurz vor Pilah erwischt uns das obligatorische Nachmittagsgewitter und wir haben Glück, dass wir in einer Regenpause  trocken bis zu unserem Platz kommen. Die Geburtstagsfeierlichkeiten seiner Majestät beginnen am heutigen Freitagabend mit einem Forum zu islamischen Glaubensfragen und den musikalischen Darbietungen einer Mädchengruppe, eine Art islamischer Gospelchor.

Die Festwiese steht Zentimeter hoch unter Wasser und die Feuerwehr ist mit Abpumpen beschäftigt. Nur den Preisanglern macht das Wasser nichts aus, die Fische beißen eher besser. Die Aufmarschübungen des Paraderegiments erinnern eher an Wasserspiele. Nach dem Exerzieren ist mit Sicherheit ein paar Stunden Uniform putzen angesagt. Zu unserer Freude hat sich die Fastfoodkette A & W mit Rootbeer und Vanilleeis auf dem Festplatz eingestellt und somit sind ausreichend Kalorien für die nächsten Tage gesichert. Am Abend wird ein Konzert mit traditioneller Musik geboten, wobei die Künstler in entsprechende Trachten gekleidet sind. Auch sie haben Glück, denn kurz darauf regnet es die ganze Nacht hindurch.

Am Morgen gibt seine Majestät einen kleinen Empfang vor dem alten Sultanspalast und heutigem Museum zur Eröffnung einer neuen Ausstellung. Auch hier ist viel von alten Traditionen zu spüren. Den offiziell geladenen Gästen ist genau vorgeschrieben, wann sie ihre Plätze einzunehmen haben und danach ist erst einmal warten angesagt. Seine Durchlaucht erscheint in seinem Rollsroys, einem auch etwas betagten Baujahr und wird auf jeden seiner Schritte beschirmt. Das Ganze hat aber trotzdem einen informellen Charakter, entsprechend ist er auch gekleidet, Freizeithose und farbenfrohes Seidenhemd. Es folgen einige Darbietungen und dann die unverzichtbaren Reden, von welchen wir natürlich nichts verstehen. Nach einem Rundgang durch eine kleine kunsthandwerkliche Ausstellung, folgt ein kleiner Imbiss und schon geht es wieder zurück in den Palast. Es ist für uns interessant zu beobachten, mit welcher Natürlichkeit und Gelassenheit alles abläuft und wie nah sich das einfache Volk und seine Majestät durchaus kommen können. Cordula wird spontan von ihm angesprochen und herzlich Willkommen geheissen. Keine Spur von Security, Bodyguards oder anderen Absperrungen!
Wir fahren am Nachmittag noch etwas auf dem Bike durch die nahe Umgebung und finden dabei einen schönen Wanderweg entlang eines kleinen Baches. Da Sonntag ist, lagern die Einheimischen dicht gedrängt zum Picknick hier, aber in der Woche ist es mit Sicherheit sehr schön ruhig.
Am Abend gibt es auf der Festwiese noch eine für moslemische Verhältnisse sehr offenherzige Filmvorführung. Da es sich aber offensichtlich um eine Komödie handelt, hat man über das viele nackte Fleisch großzügig hinweg gesehen.

Mit zwanzig Böllern wirft mich die königliche Geburtstagszeremonie heute aus dem Bett. Ich bin sehr froh, dass man sich nicht für die vollen 82 Böller entschieden hat. Cordula ist schon zeitig aufgestanden und hat sich unter das begeisterte Volk gemischt, um der Parade beizuwohnen und einige Fotos zu schießen.
Diese morgendliche Paradezeremonie ist einer der Höhepunkte der Geburtstagsfeierlichkeiten von seiner Majestät Tuanku Ja’afar und am Strassenrand werden hunderte von Schulkindern mit Fähnchen zum Winken postiert. Hochrangig geladene Gäste in ihren malaiischen Trachten oder Uniformen, mit allen Orden behangen, fahren entsprechend vor, auch das treue mitgealterte Personal führt alle über die Jahre erworbenen Auszeichnungen vor.  Das Paraderegiment trägt heute natürlich strahlend weisse Uniformen und man kann dem 82 - Jährigen bei der Abnahme der Parade deutlich die Kraftanstrengungen ansehen, ebenfalls eine gute Figur zu machen.
Nachdem die königliche Familie mit seinen Gästen in den Palastbereich zurück gekehrt ist, beginnt auf der Festwiese und im Museum ein ausgelassenes und gut organisiertes Volksfest. Die Schüler belagern das Museum zu einem Malwettbewerb und Frau und Mann haben an einfachen Spielen, wie Radtreiben und Tauziehen auf der Festwiese ausgelassene Freude. (Aus unserer Sicht fehlten hier nur noch Sackhüpfen und Eierlaufen!) Ferngesteuerte Hubschrauber fliegen über die Wiese und  die Köpfe der Schaulustigen und sind Gott sei Dank in technisch einwandfreiem Zustand ! Von Lastwagen wird dann pünktlich das kostenlose Mittagessen verteilt und manch ein Gast trägt dieses wohl für die ganze nächste Woche nach Hause !
Unser neu gewonnener malaiischer Freund Jud fährt wieder mit seinem Fahrrad vor und lädt uns zum Abendessen in sein kleines, aber feines Restaurant ein und bietet uns und unserem Vehicle Gastfreundschaft für die nächsten Tage in seinem Haus und Garten an.

Am Morgen regnet es wieder heftig und die Organisatoren können sich beglückwünschen, dass es gestern trocken geblieben ist. Als das Schlimmste vorbei ist, beginnen wir einzupacken, um anschließend nur wenige Kilometer nach Kuala Jemapoh  umzuziehen. Der Garten von Jud macht trotz des vielen Regens der vergangenen Tage einen guten Eindruck. Das Gelände steigt von der Strasse nach hinten an, so dass ich nach den ersten Metern recht sicher bin, dass der Untergrund hält. Leider hält Mutter Natur entgegen aller Logik immer ein paar Überraschungen bereit, denn nach ca. 100 Metern sackt plötzlich das rechte Hinterrad des Landys weg und kommt erst in Achshöhe zum Stehen. Glücklicherweise stehen auf dem Gelände ausreichend Palmen und andere Bäume zur Verfügung und so kommt die Winde zum Einsatz, nachdem der Hänger erst einmal abgekoppelt ist. Der Landy hinterlässt eine tiefe Furche, als wir uns mit Winde und Motorkraft aus der Falle befreien und schnell festen Boden aufsuchen. Der Versuch den Hänger auf der etwas unebenen Wiese mit Muskelkraft zu bewegen schlägt fehl. Also muss auch hier die Winde ran. Eine weitere Palme dient als "Umlenkrolle" und so können wir ihn auf der Stelle drehen, natürlich nicht, ohne auf dem Rasen einen weiteren Schandfleck zu verursachen. Glücklicherweise ist Jud auch noch Offroad Fan und ist uns nicht böse, über seinen neu gewonnenen Adventure Park, sondern klatscht begeistert in die Hände ruft immer zu "Camel Trophy".
Nach dem wir einen festen Platz gefunden und die Mopeds wieder runter genommen haben, setzt uns Jud so verschwitzt wie wir sind, gleich noch auf ein paar Mountainbikes und zeigt uns so die nähere Umgebung. Nach einer erfrischenden Dusche gibt es Abendessen und dann viel zu erzählen und viele Bilder anzuschauen.

Gegen 10.00 Uhr haben wir ausgeschlafen, schließlich stehen wir hier etwas näher zur Fernverkehrsstrasse und müssen uns, nach den vielen ruhigen Plätzen, erst wieder an die Geräusche gewöhnen. Nach einem ausgiebigen Frühstück arbeiten wir an unseren Seiten und während Cordula das Abendessen vorbereitet, gehe ich ins Internet-Café, um die Seiten hoch zu laden. Leider ist die Leitung nicht die Schnellste und es kommt immer wieder zu Abbrüchen. Pünktlich 18.00 Uhr ist hier Ladenschluss - für ein Internet-Café etwas ungewöhnlich, aber was soll man da machen. So geht es etwas unzufrieden wieder zurück, wo mich Jud’s Fahrversuche auf unseren Bikes etwas aufheitern.
Beim gemeinsamen Abendessen erfahren wir, dass die nationale Währung Ringit (RM) erst vor wenigen Jahren eingeführt wurde und davor der malaiische Dollar Zahlungsmittel war. Das erklärt nun endlich, warum noch so viele Malaien, auf unsere Kostenfrage, immer mit so und so viel Dollar antworten und dies kein Scherz oder böswillige Absicht von ihnen sein soll. Wir haben aber auch schon erlebt, dass Touristen den genannten Betrag dann anstandslos in US$ bezahlt haben, da sie die genannten Umstände nicht kennen.

Auf unserem Programm steht noch der Besuch in Port Dicksen. So machen wir uns auf den Motorrädern am Vormittag auf den Weg. Leider hat diese kleine Stadt mit dem grossen Namen, außer vielen, vielen Hotels und Resorts und einen langen Strand, wenig an Attraktionen zu bieten. So suchen wir noch das Eagle Ranch Resort, wo vom 06. - 07.08. ein Bikertreffen stattfinden soll. Leider ist schon alles ausgebucht und Zelten nicht erlaubt. Wir wissen noch nicht genau, ob wir hinfahren werden, wenn doch, müssen wir eben nach einer Unterkunft suchen, wenn wir da sind.
Zurück, nimmt uns Jud gleich in Beschlag und führt uns bei Verwandten und Freunden vor. Irgendwie haben alle mit Fahrzeugen, seien es alte Käfer oder betagte Motorräder, mindestens aber einen 4 WD,  zu tun. Die Teile für den Wiederaufbau der VW Käfer kommen im Übrigen aus Brasilien und scheinen nicht allzu teuer zu sein, denn einen restaurierten Käfer mit Klimaanlage kann man hier schon für umgerechnet 7.000,00 € erwerben.
Am Abend dürfen wir uns noch eine Runde auf dem Mountainbike abstrampeln, ein schöne Anstrengung für unsere untrainierten Körper.

Nachdem wir auf dem Markt einkaufen waren, geben wir die Bikes zur Wäsche ab - sie haben es auch bitter nötig, und für umgerechnet 0,80 € pro Stück, kann ich es wirklich selber nicht besser machen. Dann noch ein Versuch mit dem Internet, leider auch nicht sehr erfolgreich, aber wir haben ja Zeit.
Am späten Nachmittag hat Jud wieder ein Training angesetzt, offensichtlich die Generalprobe für den Ausscheid am Sonntag, und natürlich müssen wir mit. Es ist ein Wunder, dass wir mit eigener Kraft - zwischen all der kraftstrotzenden Jugend - das ganze Training durchstehen, aber wir sind anschließend auch fix und fertig.
Ein gemeinsames Abendessen - Cordula hat wieder typisch Deutsch gekocht - sorgt für den nötigen Kaloriennachschub nach der Anstrengung, auch wenn die Gaumenfreude für die fünf malaiischen Jungs wohl sehr ungewohnt ist. Wir zeigen ihnen, dass man Kartoffeln am Besten in der Gulaschsoße zerdrückt und Rotkraut wird auch in Malaysia, wie schon in Thailand getestet, nicht der Renner auf asiatischen Speisekarten.
Ehe wir uns so richtig vom Abendessen zurück gezogen haben, ist schon alles Geschirr, einschließlich Töpfe und Pfannen, von den Jungs abgewaschen und Cordula hält unseren Hausrat strahlend in der Hand. Bei Lagerfeuer und Talk endet ein schöner Tag.

Ein weiteres Training wird heute Nachmittag absolviert. Auf einem Hof, in mitten der Obstplantagen, machen wir eine Pause und es gibt Wasser und viele Früchte für Alle. Bei dieser Gelegenheit lernen wir eine Schwester von Jud kennen, denn ihr gehört dieser Hof. Jud ist unermüdlich und wir wieder völlig erschöpft. Am Abend sind wir zu einem Barbecue des GAP (Gentam Adventure Park), welches bei einem Mitglied des Cubs im Garten stattfindet, eingeladen. Es beginnt um 20.30 Uhr und zwei Stunden später ist alles vorbei. Da keinerlei Alkohol auf den Tisch kommt, wird hier gegessen und anschließend gehen die Gäste wieder nach Hause. Nur der harte Kern greift noch zu einigen Durian (auch bekannt als Stinkfrucht oder Königin der Früchte - je nach Sichtweise) und dann ist die Feier wirklich zu Ende. Der Vorteil ist, es gibt weder die bei uns so oft gestellte Frage - wer fährt ? - noch am nächsten Tag einen schweren Kopf.

Jud weckt seine Mannschaft heute (am Sonntag!) um 5.30 Uhr in der Früh ! Da an der heutigen Fahrt, neben den rund 85 Fahrrädern aller Couleur, sogar zum Teil ohne jede Bremse, auch vier Enduros und mehrere 4 WD als Begleitfahrzeuge teilnehmen, habe ich mich entschlossen, die Strecke  auf meiner GS zu bewältigen. Und das ist gut so !
Cordula fährt auf einem Mountainbike mit und vertritt uns so durchaus ausreichend. Das, was wir für eine Generalprobe  hielten, war höchstens ein lockeres Aufwärmtraining. Der Start findet im Stadion von Kuala Pilah statt, wo es Frühstück und das Trikot gibt. Um dahin zu kommen, strampelt Cordula schon mal locker 6 Km runter. Von dort geht es dann weiter bis auf die Festwiese von Sri Menanti, wo in Anwesenheit der königlichen Familie der Zieleinlauf stattfinden soll. Die Route führt aber keineswegs auf der Strasse, sondern auf kleinen Wegen und bis zu 60 % Offroad dorthin. Selbst für das Motorrad gibt es durchaus anspruchsvolle Stellen. Die 4 WD und der unverzichtbare Rettungswagen, sowie die Polizeieskorte müssen oft andere Wege einschlagen und dann begleiten die Enduros und meine GS das Feld allein. Insgesamt sind 31,7 Km zu bewältigen und bei Temperaturen um 35° C ist nicht nur Cordula am Ende ihrer Kräfte, als sie das Ziel erreicht, sondern mit ihr der Großteil, der meist jugendlichen Fahrer. Leider hat die königliche Familie anderweitigen Beschäftigungen nachzugehen, so dass der Empfang des Feldes recht spärlich ausfällt. Die meisten Teilnehmer lassen sich die Enttäuschung nicht anmerken, schließlich gab es auch eine Menge Spass unterwegs. Sauer sind natürlich die Organisatoren der Veranstaltung, da sie gebeten wurden, einen Programmpunkt für die Festivitäten anlässlich des Geburtstages seiner Majestät zu stellen. Die Fahrräder werden samt Sportler für die Rückfahrt auf LKW und Pickups verladen und nach Kuala Pilah zurück gebracht. Auf Vereinskosten erhalten wir noch als VIP`s ein spätes Mittagessen bei KFC spendiert und wir haben auch ordentlich Hunger.
Am Abend versorge ich das von einem leichten Sturz aufgeschürfte Knie meiner Cordula, die es vor Müdigkeit kaum noch bis ins Bett schafft, aber sehr glücklich ist, die ganze Strecke auf dem Rad geschafft zu haben.

26.07.2004

Der Tag wird nach den gestrigen Strapazen recht ruhig. Nach dem die üblichen Arbeiten rund um unseren kleinen Haushalt erledigt sind, fahren wir nach Kuala Pilah einkaufen und gehen noch rasch ins Internet-Café. Leider gibt es bezüglich unserer Verschiffung immer noch nichts Neues, so das wir spontan beschließen, morgen selbst zum Hafen nach Port Klang zu fahren.

27.07.2004

Zeitig am Morgen machen wir uns auf nach Port Klang. Leider sind wir gezwungen, die meiste Strecke in ziemlich viel Verkehr zurück zu legen, obwohl wir die Schnellstrasse meiden und an der Küste entlang fahren.  Wir haben Mühe den richtigen Hafen (West Port) zu finden, da die Ausschilderung nur auf malaiisch erfolgt und wer weiss denn schon, dass dies Pelabuhan Barat heißt. Bei der Schifffahrtslinie APL finden wir schnell einen zuständigen Mittarbeiter, der sich unser Problem anhört. Wir entscheiden uns für einen 40 Fuß Hicub Container und hoffen, alles unter zu bekommen. Das größte Problem ist die Breite der Tür des Containers. Unser Hänger ist bei demontierten Schutzblechen immer noch 2,38 m breit und die Türöffnung ist im besten Fall 2,4 m. Es wird also Einiges an Arbeit auf uns zu kommen.
Als wir im gleichen Gebäude noch beim Zoll nachfragen wollen, welche Papiere wir benötigen, greift uns dort ein Agent einer Speditionsgesellschaft auf. Die Zöllner mit ihren Verständigungsproblem sind froh und alle beteuern, dass ohne einen Agenten ohnehin nichts geht. Wir lassen uns durch die halbe Stadt in das Büro seines Chefs fahren, um dort noch mal unser Vorhaben zu schildern. Er will von uns ständig die Carnets haben, die aber bei der Einreise in Malaysia nicht verlangt wurden. Schließlich einigen wir uns darauf, ihm morgen alle uns vorliegenden Dokumente der Einreise per Mail zu senden. Wir werden zurück zum West Port gebracht und so sind schnell einige Stunden vergangen. Nach rund 450 Km kommen wir am späten Abend wieder in Jud´s Garten an, ohne all zu viel erreicht zu haben.

28.07.2004

Wir messen am Vormittag noch einmal alles an unseren Fahrzeugen nach und kommen zu dem Schluss, dass es mit viel Mühe und Aufwand  gelingen sollte, unseren Zug in dem 40 Fuß Hicub zu verstauen.
Das Gesprächsthema des Tages in Kuala Pilah ist heute außerdem ein Zeitungsartikel, der von dem Fahrradevent berichtet, der fehlenden Anwesenheit des Gastgebers, seiner Majestät, der Teilnahme zweier deutscher Touristen und entsprechende politische und gesellschaftskritische Fragen aufwirft.

Jud fährt mit uns, natürlich selbst auf einer von unseren GS, die es ihm sehr angetan hat, obwohl er kaum einen Fuß auf den Boden bekommt, zu einem kleinen Museum eines bedeutenden malaiischem Gelehrten mit Namen Za-aba. Anschließend geht es weiter zu einem sehr kleinen Wasserfall - Jud fährt halt sehr gerne BMW.
Am Abend geht es noch in den Gentam Adventure Park. Dort sind die Vorbereitungen für den vom 31.07 - 01.08 stattfindenden Event in vollem Gang. Mehrere Clubs und verschiedene Einzelfahrer aus ganz Malaysia werden zu einer regelrechten 4 WD Schlacht, Hauptsponsor Silverston, erwartet. Dank unserer neuen Freunde, dürfen wir mittendrin dabei sein.

Die Vorbereitungen für den "Royal Sri Menanti 4x4 Challenge 2004" Event laufen auf Hochtouren und wir dürfen schon mal auf einem Teilstück bei einem Profi mitfahren.

Auf der Festwiese in Sri Menanti wird der Event gestartet. Nach dem alle ihr Startgeld entrichtet haben, der 4 WD mit einem neuen  Sticker verziert ist, notwendige Reden gehalten wurden, lässt ein wichtiger regionaler Distrikt Beauftragter die Flagge fallen und mit zwei BMW GS 80 an der Spitze, setzt sich der Konvoi in Bewegung Richtung GAP.
Dort gibt es einen Imbiss, das unvermeidliche Briefing, den Carcheck  und die ersten Sonderprüfungen bis zum Einbruch der Dunkelheit, um die Startfolge des nächsten Tages festzulegen. Und schon hat die Materialschlacht begonnen und die Winch wird wohl bei manchen der Teilnehmer das eigentliche Mittel der Fortbewegung werden.

Der eigentliche Wettkampf beginnt gegen 9.00 Uhr und wer gedacht hat, es gibt nur in "Old European" solche verrückten Menschen, sieht sich bitter enttäuscht. Wenn es sein muss, wird der Toyota Bj. 40 halt, die Volvoachse voran, auf dem Dach liegend, mit der Winch durch den Dschungel gezogen - man gönnt sich ja sonst nichts ! Da sich so viel "Sportsgeist" nicht in Worte fassen lässt, hoffen wir, die Bilder sprechen für sich.

02.08.2004

Wir brauchen einige Stunden, um die Bilder der letzten Tage zu sortieren und für das Internet vorzubereiten. Für die Verschiffung im Container benötigen wir wieder einiges Equipment, um den Ladevorgang zu erleichtern bzw. überhaupt möglich zu machen. So gilt es erst einmal dem hiesigen Schlosser klar zu machen, was wir haben wollen. In der Hoffnung, richtig verstanden worden zu sein, erteilen wir ihm den Auftrag für vier "Rollschuhe" für die Kabine und vier 8 mm dicke Stahlscheiben, welche am Hänger die Räder ersetzen sollen, weil dieser sonst einfach zu breit  für die Tür des Containers ist.

03.08.2004

Es werden einige Stunden die ich im Internet-Café zubringe, um alles zu aktualisieren. Ein Download, den ich zwischenzeitlich mache, bricht nach 4 Stunden kurz vor Ende ab und ich bin stinksauer, aber das ändert auch nichts. Dafür werde ich zum Abendessen mit Würstchen vom Grill und Bratkartoffeln von Cordula entschädigt.

04.08.2004

Den ganzen Tag verbringen wir mit Büroarbeit. Es müssen neue Carnets beantragt werden und die Unterlagen für unser australisches Visa zusammengestellt werden. Wir produzieren Unmengen von Papier, in der Hoffnung vorerst  ein Jahresvisa zu bekommen. Zwischendurch erstelle ich noch eine CD mit allen Bildern aus diesen Tagen für Jud und mache Sicherheitskopien unserer Reisebilder auf DVD-R CD’s

05.08.2004

Ich will im Internet-Cafè noch einmal das missglückte Download versuchen, aber die Übertragungszeiten sind heute der maßen mieserabel, dass ich diesen Versuch selber wieder abbrechen muss. Wir bummeln also noch etwas durch Bahau und hoffen, preiswert Dinge des täglichen Lebens einzukaufen, welche dann in Australien wieder teurer werden.

06. - 08.08.2004

Bevor wir zum Bikerfest nach Port Dickson (hier einfach PiDi genannt) aufbrechen, sollen wir am Vormittag unser bestelltes Equipment vom Schlosser bekommen. Wir sind mit dem Ergebnis recht zu frieden und der Schlosser mit seinem Lohn dafür auch, denn immerhin zahlen wir stolze 500 RM, rund 100 Euro, angeblich ist der Stahl hier so teuer?! Die nun noch anzufertigenden Verstrebungen und  Bohrlöcher erbitten wir uns jedoch als Zugabe.
Nach PiDi fahren wir diesmal auf dem schnellsten, direkten Weg, der gebührenpflichtigen Autobahn, welche jedoch für Zweiräder kostenfrei befahrbar ist. Im Eagle Ranch Resort registrieren wir uns mit 50 RM Ticketpreis für das zweitägige Bikerfest der Violent Storms und können auch gleich für das nahegelegene Palm Spring Resort  ein Zimmer buchen.
Zwischen hundert Motorrädern, überwiegend Harleys, reiten zwei Bavaria Blue Riders im Geschwindigkeitsrausch dem Sonnenuntergang an der Küste von Port Dickson entgegen. Der Caritas Ride macht uns wirklich viel Spass und das Dröhnen und Knattern einiger Harley - Motoren lässt manchmal Zweifel und sogar Sorge aufkommen, ob auch alles an den heissen Öfen in Ordnung ist. Cordula fragt mich dann auch, mit einem sichtbaren Schmunzeln, ob es normal sei, dass Einem, bei einer derartigen Ausfahrt, immer wieder Chromteile entgegen geflogen kämen? So endet der erste Abend mit einem reichlichen Westernfood, Livemusik und viel zu viel Bier, welches hier entgegen all unseren Erwartungen in Strömen fliesst !
Bei den stattfindenden "Schönheitswettbewerben" können wirklich einzigartige Bikes bewundert werden, die wir zum Teil bisher nur bei unserem deutschen Comic Helden "Werner" gesehen haben. Unvorstellbar, wie ein derartiger Chopper gefahren werden kann, ohne gesundheitliche Folgeschäden. Die Designer echter Liebhaberstücke stellen sich und ihre Kunstwerke vor und wir bestaunen jedes Detail, Totenköpfchen am Ventil, als Schraube oder aufgereiht ergeben sie sogar die Kette. Für uns besonders faszinierend die Classic Bikes aus den 30iger - 50iger Jahren und als Fotomotiv beliebt, die kitschig bunten Scouters. In den Besucherreihen finden wir dann auch endlich noch eine BMW F650, eine 1200 RT und eine Handvoll Jungs, die etwas versteckt aber stolz auf deutsche Technologie verweisen und MZ fahren.
Fazit: Das Bikerfest war für uns eine schöne und interessante Abwechslung, aber eher für reiche in Malaysia lebende Chinesen, Singapoureanern und in KL lebende und arbeitende Ausländer als Zielgruppe gedacht. Denn so ein Wochenende ist für malaiische Verhältnisse recht kostspielig und von unseren motor- und sportbegeisterten Freunden in Kualah Pilah nicht zu bestreiten und der reichlich fliessende Alkohol samt spärlich bekleideter Bedienung, entspricht nicht ihrer moslemischen Lebensauffassung.
Natürlich erwarten Jud und Garageman bereits unsere Rückkehr, unseren Bericht und die Bilder und servieren uns einen Lunch auf der Terrasse. Jud entdeckt noch Cordulas Muscheln und ist der festen Überzeugung, dass diese nicht nach Australien können ! Er legt sie kurzerhand in Gläsern mit roter und gelber Flüssigkeit ein, Cordulas Gesicht wechselt vor Entsetzen in die gleichen Farben, aber nun sollen sie haltbar aufbewahrt sein, bis wir irgendwann einmal zurück kommen. 

Wieder einmal heisst es heute alles zusammen zu packen und routiniert geht das ohne jeglichen Stress. Jud tanzt ständig um uns herum und sucht alles noch verfügbare Brennholz zusammen, um ein letztes Lagerfeuer für den Abend vorzubereiten. Man merkt ihm schon an, wie traurig er ist, weil wir abreisen und hofft sehr, dass wir oder andere Overlander ihn bald wieder besuchen (er hat ja unsere Muscheln!). Wir können diese Adresse jedem Reisenden wirklich gut empfehlen: Ihr seid hier herzlich willkommen und es wird euch nicht nur Quartier (Homestay) angeboten, sondern die Möglichkeit, das malaiische Leben in einem Kampung und einer Grossfamilie kennen zu lernen und jede Menge Abenteuer zu erleben! Gerne vermitteln wir den Kontakt, es lohnt sich!!!

10.08.2004

Pünktlich 9.00 Uhr verabschieden wir uns von Jud und Garageman und versuchen es, kurz und schmerzlos zu machen. Na ja, Jud umkreist uns noch auf seinem Moped bis wir Kualah Pilah wirklich verlassen haben. Von Seremban bis Klang reisen wir auf der Autobahn stressfrei für 20 RM Maut und erreichen das Büro von APL am Westport pünktlich zur verabredeten Zeit um 12.00 Uhr. Dann erste Fahrzeugbesichtigung, Nachmessen und Vorstellung unserer Ideen und unserer zusätzlichen Ladehilfsmittel, erstes positives Abnicken. Wir müssen auf Krishnan warten, der die APL Schifffahrtslinie als Agent vertritt und somit alle wichtigen Vorleistungen, wie das eigentliche Ladeprozedere, sämtliche Hafen- und Zollformalitäten erbringt und letztendlich Angebot und Rechnung erstellen wird. Auch ihn können wir von der Nutzung eines 40’ Highcube Containers überzeugen und werden von ihm alle notwendigen genauen Daten und Preise noch diese Woche erhalten. Ungefähr zwischen dem 24. und 26. August können wir mit der Verladung rechnen.
Also noch zwei Wochen Zeit, davon abgerechnet 4 Tage putzen und schrubben unseres Vehicles, bleiben 10 Tage Abenteuer Malaysia. Wir beschließen spontan auf dem Highway 5 Richtung Norden an der Westküste Malaysias entlang zu fahren. Der Highway ist im Sultanat Selangor mehr schlecht als recht und wird erst im Sultanat Perak wieder gut befahrbar. So treffen wir zum Sonnenuntergang in Lumut ein und suchen vergeblich einen schönen Stellplatz am Meer. Es ist bereits dunkel, als wir beschliessen im 4 X 4 Forest Cruiser Kafe um eventuelle Hilfe zu bitten. Wir werden vom chinesischen Eigentümer Steven und seiner Frau Milli sofort freundlich aufgenommen und uns wird sicherer Stellplatz, Wasser und Strom für die nächsten Tage auf dem grosszügig angelegten Parkplatz angeboten. D.h. auch, die Versorgung mit kaltem Bier, gutem chinesischen Essen und lauter Karaoke Musik ist sichergestellt.
Todmüde schlafen wir gegen 22.00 Uhr nach unserem ersten Dinner und Gesprächen mit Steven und Milli fast ein, da wird uns von Steven noch ein deutscher Freund vorgestellt. Also wieder anziehen und raus in den Biergarten, wo wir bis Kneipenschluss halb Zwei bei Bier Erfahrungen und Erlebnisse austauschen. Carls (eigentlich Karl aber hier kennt man halt Carlsberg Bier und schließlich klingt das ja auch so wie Karl nur ohne Berg) aus Bremen baut hier angebliche "Piratenabwehrschiffe" mit Luftabwehr !! und natürlich lauschen wir gespannt seinen Geschichten über das Leben hier in Malaysia.

Wir erkunden die Umgebung unserer neuen Basis, spazieren am Strand von Teluk Batik entlang und durch die Strassen, der Promenade, den Park und dem neuen Yachthafen von Lumut. Es ist überall, mitten in der Woche, fast menschenleer und wir geniessen diesen Bummel somit ausgiebig. Es wurden sehr viele schöne neue Gebäude und Plätze gebaut, die jedoch bisher keinen Nutzer gefunden haben, denn die geforderten Mieten wären zu hoch. Sehr Schade finden wir, denn wir hätten hier gerne gesessen und vielleicht einen Eiscafè getrunken. Wir finden aber noch ein verstecktes gepflegtes italienisches Restaurant und kitzeln unseren Gaumen mit einigen italienischen Köstlichkeiten, wie Teramisu.
Am Abend kommt Carls mit vielen deutschen Kollegen zum Essen ins Restaurant und es gibt wieder viel zu erzählen und jede Menge Spass, denn alle einzeln bestellten Gerichte werden  nach chinesischem Verständnis in der entsprechenden Personenzahl serviert, also sieben Gerichte und jedes für sieben Personen!

Mit den Motorrädern wollen wir heute  die Cameron Highlands besuchen und auf unserem Weg dorthin, liegt die Ruine Kelly`s Castle. Der schottische Plantagenbesitzer William Kelly Smith begann mit dem Bau des Castle Anfang des 19. Jahrhunderts, es wurde jedoch niemals fertig gestellt, da er von einer Europareise nicht mehr zurück kehrte und in Lissabon verstarb. Es ranken sich viele Geschichten um diese Ruine, welche grotesk in der tropischen malaiischen Landschaft wirkt, und natürlich wandelt in einem  altem schottischen  Castle mindestens ein Geist durch alle Räume!
Der neue Highway von Ipoh in die Cameron Highlands ist noch nicht offiziell eröffnet und somit fehlen noch sämtliche Hinweisschilder und wir vertrödeln viel Zeit, bis wir den richtigen Abzweig finden. Aber dann gibt es endlich puren Fahrspass auf dem kurvenreichen, gut ausgebautem breiten Highway, der heute glücklicherweise nur wenig Verkehr hat. Nach einigen Kilometern und entsprechender Höhendifferenz spüren wir die zunehmende Abkühlung und geniessen die saubere klare Luft. Die Cameron Highlands sind bekannt und beliebt für den Anbau von frischem Gemüse, Tee, Blumen und Erdbeeren! Leider ist das verbunden mit vielen nicht unbedingt in die Landschaft passenden Plastikzelten wie sie auch in Holland oder auf Kreta zu finden sind. Natürlich besteht unser Lunch dann aus dieser vitaminreichen Kost und es macht viel Freude, all die Farbenpracht der Blumen und Kakteen zu bewundern.
Zurück geht es dann über den alten schmaleren, aber genauso kurvenreichen Highway nach Tapah, durch wunderschöne Waldgebiete mit Wasserfällen und Orang Asli Dörfern. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir wieder unser Zuhause und müssen uns eingestehen, dass man für die Cameron Highlands unbedingt einen längeren Aufenthalt einplanen sollte und dorthin auch mit grossen Fahrzeugen problemlos fahren kann ! Wir fühlten uns heute mehr in Europa, als in Malaysia zu Besuch !

Freitag, der 13. ! Steven hat uns zu einer Fahrt auf die Insel Penang eingeladen, wir vermuten er hat dort geschäftlich zu tun, und wir nehmen die Gelegenheit, mehr über Land und Leute zu erfahren, gerne war. Bevor wir losfahren, wird noch die Kleiderordnung hergestellt. Wir müssen ein 4 x 4 Forrest Cruiser T-Shirt anziehen und sind etwas verwundert, aber gehorsam. Unterwegs treffen wir auf weitere 4 x 4 Forrest Cruiser Fahrzeuge und auf Penang wird, mit wehenden Clubfahnen, ein kleiner Konvoi gebildet. Alle zusammen fahren wir zu einer Geschäftseröffnung eines sehr grossen chinesischen Restaurants und in den nächsten Stunden werden wir uns fühlen, wie auf dem Oktoberfest. Es gibt so viel Bier, das unser Glas für 4 Stunden immer randvoll ist und auch nachgeschenkt wird, wenn wir aus reiner Vorsicht nur daran nippen. Aber selbst viele kleine Schlucke in 4 Stunden und bei 30 Grad haben Wirkung, zumal beim Nachschenken auch verschiedene Sorten Bier in ein Glas gefüllt werden. Hauptsache Randvoll ! Um diese Trinkkur zu überstehen, gibt es dazu reichlich gutes Essen und wir müssen natürlich alle Spezialitäten probieren. Es schmeckt uns vorzüglich, auch wenn wir nicht immer genau wissen, was wir da essen !? Zum Abschied wird dem Gastgeber ein Karaoke - Ständchen dar gebracht und Cordula kann sich aus lauter Höflichkeit nicht ausreichend wehren und muss mit singen.
Anschliessend wollen wir die Insel noch umfahren, aber ein kleinerer Unfall eines anderen Clubfahrers beendet dieses Vorhaben vorzeitig. Es ist auch spät genug, als wir die zweistündige Rückfahrt nach Lumut antreten, natürlich nicht, ohne zwischendurch noch einmal ein vorzügliches Dinner einzunehmen. Chinesen  essen immer und viel !

Auch heute sind wir wieder mit Steven unterwegs. Er zeigt uns die schönsten Plätze in der näheren Umgebung und dabei geht es natürlich meist mit 4 x 4 durch den Forest, der hier oftmals eine Palmenplantage ist. Wir werden ordentlich durchgeschüttelt und lernen dabei, wem welcher Palmenhain gehört, wie Palmen- und Gummibaumplantagen bewirtschaftet werden und welche wirtschaftlichen Hintergründe es dabei zu beachten gilt. So kann beispielsweise der Preis für die Tonne Palmenfrüchte zur Ölgewinnung zwischen 90 und 360 RM schwanken. Im Moment liegt er bei 320 RM, was als ein guter Preis gilt.
Am Abend sind wir zu einer Grillparty im Garten eines Onkels von Steven eingeladen. Auch hier handelt es sich um eine kleine Geschäftseröffnung, wie wir später erfahren. Der Onkel will in seinem Garten ein kleines Restaurant betreiben. Er hat schon Erfahrung in diesem Metier und möchte, da er schon älter ist, etwas ruhiger treten. Das Restaurant ist nur für Freunde, Bekannte und ehemalige Stammgäste gedacht. Da das Grundstück etwas abseits am Rand der Stadt liegt, wird sich kaum Laufkundschaft einfinden. Der Bekanntenkreis ist groß und spiegelt das multikulturelle Leben in Malaysia sehr gut wieder. Die verschiedenen Volksgruppen respektieren im Umgang miteinander die unterschiedlichen kulturellen Auffassungen und Bräuche.

Am Vormittag arbeiten wir an unserem Tagebuch und sortieren die Bilder der letzten Tage. Später lassen wir uns mit der Fähre zur Insel Pangkor übersetzen und fahren dort, mit einem gemietetem kleinen Moped (bei Steigungen ab 14 % muss Cordula dann absteigen und neben her laufen !!!) die Sehenswürdigkeiten und den Strand ab. Der Strand ist hier glücklicherweise noch nicht so verbaut und es gibt wirklich bemerkenswerte Plätze. Nach einem ausgedehnten späten Seafood Lunch machen wir uns wieder auf den "Heimweg".
Gegenüber vom 4 x 4 Forest Cruiser Kafe steht ein unscheinbarer chinesischer Tempel, in welchen in den nächsten 5 Tagen der Geburtstag eines von ca. 1000 Göttern gefeiert werden soll. Die Feierlichkeiten werden heute Abend mit einer Bühnenshow eröffnet, auf der es laute chinesische Popmusik mit spärlich bekleideten Darstellerinnen zu sehen gibt. Die Zuschauer überreichen den Künstlerinnen ab und zu Tempotaschentücher, einzeln oder auch ganze Packungen !? Wir verstehen diese Art von Götterhuldigung noch nicht und werden uns bemühen, in den nächsten Tagen mehr zu erfahren. Da Steven und seine Familie Christen sind, kann er uns auch nicht soviel erklären, sondern nur unser Kopfschütteln und Schmunzeln teilen.

Die Aktivitäten rund um den Tempel halten an und bleiben uns zum großen Teil weiter unverständlich. Unmengen von großen und kleinen Räucherstäbchen lösen sich in viel Rauch auf, bunt bedruckte Papiere werden in einem Kamin verbrannt (was auch einige Rauchwolken erzeugt), Hölzer werden auf die Erde geworfen und wie es scheint bestimmte Stellungen dieser zueinander auf Zetteln abgehakt, mehrere Schweine verschwinden knusprig gebraten in den Bäuchen (manche auch in Plastiktüten), viel Bier rinnt durstige Kehlen hinab, Lebensmittel werden gebracht, um dann scheinbar  umverteilt zu werden (auch an offenbar betuchte Mitbürger) und ein "Scheinheiliger" rennt ständig mit drei brennenden Zigaretten im Mund, eine Handvoll Räucherstäbchen in der Einen  und einer Flasche Bier in der anderen Hand durch die Massen.
Am Abend gibt es traditionelle Löwentänze, zeitweilig gleichzeitig mit einer lauten Bühnenschau, so dass Taubheit droht. Steven ist auch herüber gekommen, um sich das Spektakel anzuschauen, aber wohl mehr, um uns und sich mit Bier und vielen verschiedenen chinesischen Leckereien zu füllen. Viele der Speisen schmecken wirklich gut, aber natürlich gibt es auch einiges ungewöhnliches für unseren Gaumen. Immer wieder müssen wir, mit uns völlig Fremden, anstoßen und bekommen Speisen und Getränke angeboten. Das hat erst ein Ende, als Milli ihren Steven anruft, weil sein Lokal mittlerweile voll ist und dringend der Karaoke-DJ gebraucht wird.

17.08.2004

Wir pendeln zwischen Internet-Café und Wohnkabine. Der Mailwechsel mit der Agentur und der Schifffahrtslinie nimmt an Umfang zu, ohne das es ernsthafte Fortschritte in der Angelegenheit gibt. Nur die Kosten, welche auf uns zukommen, werden immer umfangreicher, so dass wir viel nachfragen und nachbessern müssen. Zwischenzeitlich beginnen wir unser Verbrauchsmaterial aufzufüllen, da es hier mit Sicherheit preiswerter als in Ozeanien ist.

18.08.2004

Und wenn wir geglaubt haben, nun endlich den Ladetermin zu haben, kommt sorry, sorry die nächste Mail mit einem neuen, aber für uns nicht akzeptablen Termin (unser Visa wäre längst abgelaufen). Als Nächstes sollen wir schon in drei Tagen zum Verladen kommen, aber wir stehen noch in Lumut und haben noch nicht den obligatorischen Großputz gemacht. Also steigern wir weiterhin den Umsatz des Internet-Café und schreiben uns die Finger wund. 
Verlass ist nur auf die allabendliche laute Popmusik vom Tempel und Karaoke aus den Lautsprechern unseres Gastgebers.

Wir haben endlich Nachricht, dass wir am 26.08. den Container laden, welcher am 28.08. Port Klang Richtung Singapur verlassen soll. Da es nun klare Termine gibt, können wir auch ordentlich (deutsch) planen. Mit Stevens Geschäftspartnerin Angi  kaufen wir noch etwas ein. So mal schnell zwei Mountainbikes, ein neues Ladegerät (Lokal Standart) und weitere Ersatzteile, welche nur hier so preiswert zu haben sind.
Seit dem frühen Nachmittag sitzen wir wieder mit vielen Freunden zusammen und trinken deutsche Mengen von Bier. Ein Offroadfreund findet das Ginness zu schwarz und bringt deshalb noch einige Liter Reiswein zum Mixen mit und ein Anderer hatte heute grosses Anglerglück, so wird die ausgelassene Runde auch noch mit leckeren frischen Fischgerichten versorgt. Allen Newcomer in diesem Land sei geraten, nach 18.00 Uhr die Strassen  zu meiden, denn je größer und teurer das Fahrzeug, um so betrunkener der Fahrer,  falls es ein Chinese oder Inder ist.

Zeitiges Aufstehen ist angesagt, denn wir haben in den nächsten Tagen eine Menge zu tun. Als erstes müssen wir absatteln und a l l e s auspacken, dann geht der Hänger sozusagen als Test in die Car Wash Station. Für umgerechnet 4,00 € können wir es wirklich nicht selbst machen. Nur an die Kabine wollen wir niemanden ranlassen und putzen im Schweiße unseres Angesichts. Morgen geht der Spass weiter. Die Bikes und den Landy geben wir wieder zum putzen und der Kabine wollen wir etwas Polish für den Lack gönnen.
Von der australischen Botschaft haben wir auch neue Nachricht bekommen. Nachdem man dort unsere per Mail geschickte HTML Datei ( Kontoauszug - für ein Jahresvisa  muss man richtig die Hosen runterlassen) nicht drucken konnte ??, haben wir diese per Fax nachgereicht. Dafür dürfen wir jetzt noch zu einem Vertrauensarzt der Botschaft gehen und uns für viel Geld untersuchen lassen, die nachgewiesene Krankenversicherung für Australien reicht also nicht aus. Das alles nur, weil wir länger als drei Monate bleiben wollen. Beim normalen Touri-Visa kräht kein Hahn danach, wie es um die Gesundheit bestellt ist oder ob eine Versicherung abgeschlossen wurde !!
Am Abend gibt es diesmal viel Spass mit einer Tenee-Geburtstagsparty im 4 x 4 Forest Cruiser Kafe, natürlich nicht ohne Karaoke Gesänge.

21.08.2004

Was soll ich berichten. Wir putzen von Früh bis Spät und versuchen dabei immer ein bissen Schatten abzubekommen. Ist halt bei 35° C im Schatten besser putzen, als in der prallen Sonne. Für rund 12,00 € haben wir alle Fahrzeuge reinigen lassen, schließlich bleibt uns immer noch jedes einzelne Gepäckstück zum sauber machen.

Alles hat ein Ende, auch das Putzen. Wir glauben das menschlich Mögliche getan zu haben, um Einlass in Ozeanien zu bekommen. So sauber waren wir in den letzten 15 Monaten nicht, da wir ja auch nicht die menschlichen Elstern mit viel Glanz anlocken wollen.
Am Abend bekommen wir noch ein Abschiedsessen von Steven gesponsert, nachdem er uns schon am Nachmittag zu illegalem Echsenfleisch und Wildschwein, natürlich in einem anderen Restaurant, eingeladen hatte. Bei dieser Gelegenheit bekommen wir auch noch seine kleine Gummifabrik zu sehen und einige Meter Gummibänder als Geschenk, die wir immer sehr gut für unsere Transporte gebrauchen können.
Wir glauben einerseits ist er froh, dass wir seine Gastfreundschaft nicht länger in Anspruch nehmen, anderseits sind eine Menge Gäste gekommen, um diese "verrückten Deutschen" zu sehen. Wir sind Steven und seinem Team jedenfalls dankbar für Alles, was sie uns gezeigt und erklärt haben. So verstehen wir Malaysia ein wenig besser.

Eigentlich wollen wir zeitig los, aber Steven fällt nun noch ein, dass er unsere Containerkosten überprüfen muss. Da er selbst Container verschickt (er betreibt auch noch eine Gummiwarenfabrikation), scheinen ihm unsere Kosten viel zu hoch. Während er mit seinem Agenten telefoniert, beginnt ein typischer Platzregen und macht Einiges von unserer Arbeit der letzten Tage wieder zunichte. Nach einer guten Stunde sieht Steven ein, dass ein HighCube eben viel teurer, als ein normaler Container ist und der Regen lässt auch nach. So verabschieden wir uns herzlich von Steven und den Seinen und fahren auf regennassen Strassen Richtung Port Klang. Da uns unterwegs auch noch die eine oder andere Husche erwischt, sieht unser Zug bald wieder etwas grau aus.
Im West Port angekommen, versuchen wir mit allen Beteiligten Kontakt aufzunehmen, um die Daten und das Prozedere abzusprechen. Fazit - am 26. ab 17.00 Uhr ?? wird geladen, am 28. läuft der Container nach Singapur und soll am 10.09. Brisbane erreichen. Wir werden uns bis dahin auf dem Parkplatz direkt am West Port einrichten.
Leider sind die Formulare für die ärztliche Untersuchung noch nicht eingetroffen (wir hatten APL als Adresse angegeben). Wir beschließen morgen trotzdem, wie geplant nach Kuala Lumpur zu fahren und bei der Botschaft die Formblätter direkt abzuholen, um weitere Verzögerungen zu vermeiden. So schauen wir uns noch nach geeigneten Verkehrsverbindungen um. Allerdings müssen wir bald feststellen, dass es damit nicht zum Besten steht. Busse verkehren hier ohne Plan, heute fuhr angeblich nur Einer. Als wir an der nahe gelegenen Tankstelle Getränke einkaufen, kommt Cordula mit dem Besitzer ins Gespräch. Er bestätigt die Situation und bietet uns an, uns für nur 60 nach KL hin und zurück zu fahren. Da mir die Summe etwas niedrig erscheint, frage ich sicherheitshalber nach - 60 RM ? - ja für 60 früh hin und abends zurück, mit allen Wegen in KL. Wir nehmen natürlich an.

Pünktlich um 7.00 Uhr, wie vereinbart, sind wir wieder an der Tankstelle und es geht auch sofort los, mit einem modernen Toyota Pickup. Schon an der ersten Mautstelle frage ich mich, wie sich diese Fahrt (rund 80 Km hin und zurück) für ihn rechnet, aber das behalte ich lieber für mich. Kurz vor der Öffnungszeit reihen wir uns in die kleine Schlange vor der Botschaft ein. Nach fünfzehn Minuten haben wir die Formulare und das Ärzteverzeichnis. Glücklicherweise ist eine der autorisierten Kliniken nur einen Block von der Botschaft entfernt und so begeben wir uns direkt dorthin. Wir füllen viele Seiten aus und müssen noch einmal los, um Passbilder machen zu lassen, da natürlich jedes Formular mit einem Foto versehen werden muss. Die Untersuchung ist einerseits oberflächlich - Blutdruck messen, abtasten, abhören - andererseits so penibel, das man für die Urinprobe nicht einmal alleine zur Toilette darf, sondern im Sprechzimmer in Anwesenheit der Schwester hinter einem Wandschirm urinieren muss. Bei der Röntgenaufnahme wird es dann etwas lächerlich, das Gerät ist für mein "breites Kreuz" angeblich zu schmal. So müssen wir zu einem Spezialisten, um mich röntgen zu lassen und mit Cordulas Aufnahme zur Auswertung. Also wieder ca. 3 Kilometer durch die Stadt. Das Gerät dort ist zwar tatsächlich um Einiges breiter, aber dafür vorsintflutlich alt. Ich bin froh, dass ich aus dem Alter, wo man Kinder zeugen sollte, raus bin !! Das Ergebnis der Untersuchung bringen wir zurück zur Klinik und erhalten das Versprechen, dass die Unterlagen noch heute zur Botschaft gebracht werden.
So beruhigt, machen wir noch einen kleinen Einkaufsbummel durch die moderne, multikulturelle Hauptstadt Malaysias und nehmen einen späten Lunch in der Nähe der Twin Tower.
Die kalte, aber nicht ganz unerwartete Dusche kommt, als wir wieder an unserem Zug abgesetzt werden. Als ich unserem Fahrer 60 RM geben will, lacht er und meint, dafür würde er nicht den ganzen Tag opfern, er habe US Dollar gemeint. Da rund 50 € immer noch recht preiswert sind (gemessen an deutschen Taxipreisen) lass ich mich auf keinen Streit ein und löhne. Offensichtlich gehen die hier an Land gehenden Crews der Frachtschiffe etwas großzügig mit ihrer Heuer um und treiben so die Preise in die Höhe.

25.08.2004

Wir packen jeder eine Motorradtasche mit dem Notwendigen für rund 14 Tage. Am Nachmittag treffen wir uns im APL Büro mit Krishnan von APL Logistics, um Kosten und Bezahlung endgültig zu klären.
Aus Berichten anderer Overlander wissen wir, dass sich die Frachtkosten auf eigenartige Weise von Gespräch zu Gespräch vermehren (daran ändert auch ein schriftliches Angebot nichts - Sorry). Es kommt immer noch eine Position, die in der vorangegangenen Summe nicht enthalten war, hinzu. Die Kosten lassen sich in fünf Hauptgruppen unterteilen. Logistik am Versandort (Bereitstellung, Transport, Beladung, Ladungssicherung, Zurr- und Stopfmaterial, Zolldokumente, Zollinspektion, Fumigation (Australien) und Administration), Hafenkosten am Versandort (Hafengebühr, Ladekosten und Dokumente), Seefracht (Containergebühr oder Kosten pro cbm, BAF (Bunker Adjustment Factor) und PSS (Peak Season Surcharge)), Hafenkosten am Empfangsort (Hafengebühr, Entladekosten und Dokumente) und schlussendlich die Logistik am Empfangsort (Transport, Entladung, Zolldokumente, Zollinspektion, Quarantäne (Australien) und Administration).
So sind wir nicht mehr sonderlich überrascht, als auch diesmal noch Einiges hinzu kommt. Dennoch bleibt das Angebot von APL und APL Logistics das Günstigste von den Wenigen, die wir auf unsere ca. 50 Anfragen bekommen haben. Ein einzelner Container ist halt für die meisten Linien oder Agenturen nicht interessant genug.
Wir lassen uns noch die Gegebenheiten am Ladeort zeigen und können so verhindern, von einer Rampe zu laden. Bei unserer ersten Reise nach Australien hatten wir in Brisbane ebenerdig ent- und beladen und so gemerkt, dass dies viel einfacher ist. Auch können wir den Ladebeginn auf 11.00 Uhr vor verlegen, was zwar auch sehr knapp ist, aber 17.00 Uhr ist mit Sicherheit zu spät.
Am Abend lädt uns Krishnan noch zum Essen ein. Natürlich indisch, denn auch er lebt in Malaysia in dritter Generation indischer Abstammung. Er war selbst noch nie in Indien und so interessieren ihn unsere Berichte sehr. Zum Schluss landen wir noch in einem richtigen englischen Pup, dem offiziellen malaiischen Liverpool Fanclub. Es kommen noch Kollegen von Krishnan hinzu und das Bier fließt reichlich. Als die Truppe dann noch einen Abstecher nach KL machen will, passen wir, denn wir wissen, was morgen auf uns zu kommt.

Gegen 11.30 Uhr werden wir von unserem Parkplatz abgeholt und in den West Port zum Warehouse von APL Logistics gelotst. Gegen 12.00 Uhr beginnen wir, unseren Zug auseinander zu nehmen und zu verladen. Wir sind dabei völlig auf uns allein gestellt, denn die hier als Lagerarbeiter beschäftigten Inder staunen nur, was man alles so machen kann. Ich will es kurz machen. Als erstes arretieren wir die hinteren Federn des Landys unter voller Last mit Gurten, da ja die überstehende AZV später unter die Kabine muss. Dann alles abbauen, was die Kabine unnötig hoch und lang macht, es zählt jeder Zentimeter. Direkt vor dem Container wird abgesattelt und die Kabine so niedrig wie nur möglich auf unsere "Rollschuhe" gestellt. Mittels der Winch, einer Umlenkrolle und drei Gurten ziehen wir die Kabine vorsichtig bis an die Stirnwand des Containers. Ich bin doch sehr froh, in den letzten 16 Monaten den Bierbauch losgeworden zu sein, sonst wäre ich nicht mehr hinter der Kabine vorgekommen, so eng ist alles. Wegen der AZV muss die Kabine dann wieder so weit wie möglich im Container hochgestellt werden. Jetzt verzurren und den Landy rückwärts mit der Ladefläche unter den Alkoven. Damit die AVZ unter die Kabine kommt, muss aus den hinteren Reifen noch fast die ganze Luft raus. Als Nächstes den Hänger zerlegen. Schutzbleche und Zuggabel müssen abgebaut werden und die Räder durch unsere Stahlscheiben ersetzt werden. Wieder mit der Winch ziehen wir den Hänger so weit wie möglich in den Container. Nach dem ich die Winch zum Teil abgebaut habe, wird der Hänger das letzte Stück von einem Stapler hinein geschoben. Die einzige Hilfe die wir in Anspruch nehmen müssen. Es ist kurz nach 24.00 Uhr als die Türen nur mit Mühe zugemacht werden können, so dass wir sicher sind, dass sich im Container nichts bewegen kann. Wir sind tot müde und völlig geschafft, aber glücklich, als uns Krishnan ins Hotel bringt. Schnell noch ein gemeinsames Bier, dann unter die Dusche und ab ins Bett.
Bevor wir uns trennen, sagt uns Krishnan noch zu, auf alle Lade- und Materialkosten zu verzichten. Das finden wir sehr fair und haben wenigstens an diesem Tag rund 250 €, wenn auch sehr hart, verdient.

27.08.2004

Uns tun immer noch alle Knochen weh, als wir am späten Vormittag versuchen, die Bankgeschäfte zu erledigen. Schließlich muss eine Menge Geld für den Container transferiert werden. Wie immer geht das nicht so einfach, wie ein Europäer das erwartet. Nach einigen Stunden haben wir es endlich geschafft und können zurück ins Hotel. Hier gibt es noch eine freudige Nachricht. Wir rufen in der Botschaft an und erhalten die Auskunft, dass wir am Montag unser Jahresvisa abholen können. Bis jetzt läuft Alles wie geplant, hoffentlich bleibt das auch weiterhin so !!

28.08.2004

Wir ruhen uns aus und holen viel Schreibarbeit am Tagebuch nach. Viele Bilder sind noch zu sortieren und ein Update der Internet-Seite vorzubereiten.

29.08.2004

Unser letzter ruhiger Tag in Malaysia sollte es werden. Aber Cordula hat ganz rote, verschwollene, juckende Augen und ist sehr unglücklich. Offensichtlich handelt es sich um eine allergische Reaktion, nur wir wissen nicht auf was. Nun hat sie einerseits Angst, so in der australischen Botschaft aufzutauchen, man weis ja nie, wie sie mit ihren Quarantänebestimmungen reagieren, andererseits - ganz Frau - fürchtet sie um ihr Aussehen. Da wir nicht wissen, was diese Reaktion ausgelöst hat, gebe ich erst einmal Order, alle Gels, Cremes oder sonstige Inhalte der Töpfchen und Tiegelchen aus ihrer Necessary - Tasche abzusetzen, aber auch hier - ganz Frau - kann sie nicht hören. Es spannt so...., da muss Fett drauf.... und so weiter. In der Nacht wird es so schlimm, dass wir beschließen, morgen gleich nach der Botschaft zum Arzt zu gehen, am Besten zu dem, wo wir schon zu der Untersuchung waren.

Das für 8.00 Uhr bestellte Taxi ist pünktlich und so machen wir uns auf den den Weg zur APL Zentrale in Shah Alam, was auf unserem Weg nach KL liegt, um unseren Bankwechsel gegen die "Bill of loading" einzutauschen, ohne die wir unseren Zug nie wieder sehen würden.
Leider ist die Bill noch nicht fertig, weil ein Fax nicht zu lesen und am Wochenende natürlich nichts geklärt wurde. Fast eine Stunde müssen wir warten und die arme Cordula kann kaum noch aus den Augen schauen und versteckt sich hinter ihrer Sonnenbrille.
Dann kann es endlich weiter gehen. In die Botschaft gehe ich lieber allein, um die Visa ab zu holen. Das Ordnungssystem (mit Nummer ziehen usw.) kostet dann doch eine halbe Stunde und bis ich mit den Pässen wieder auf der der Strasse bin, ist Cordula schon ganz kribbelig. Nun schnell zum Arzt. Der auch nur feststellt, was wir bereits vermuten, aber entsprechende Mittelchen aus seinem Arzneischrank verordnet. Da diese Medikamente alle in neutralen Verpackungen stecken, können wir nur vermuten, um was es sich handelt. Offensichtlich ein wenig Prednisolonsalbe, ein Allergieblocker und zwei weitere Sorten von Tabletten, welche nicht zu definieren sind. Cordula beginnt sofort mit der Einnahme und hofft das Beste.
Gestern hatten wir uns schon vorsorglich Bustickets für ca. 5,00 € pro Person von KL nach Singapore besorgt, da ja hier in Malaysia am 31.08. Nationalfeiertag ist und viele einheimische Reisende unterwegs sind. So haben wir nun Zeit, um gemütlich mit der Stadtbahn über gewollte Umwege noch eine etwas "andere" Stadtbesichtigung von Kuala Lumpur zu machen und hinter die glänzenden Hochhausfassaden zu schauen. Dann fahren wir zum Busbahnhof und können dort auch noch ins Internet-Café gehen.
Als wir gerade unseren Bus in dem riesigen Terminal suchen wollen, wird dieser von der Anzeigetafel gestrichen. Warum auch immer. Jedenfalls müssen wir nun auf den Nächsten warten, der in rund zwei Stunden fahren soll. Das Problem ist, wir sollten noch vor Mitternacht in Singapore sein, da später die Taxis mit 50 - 100 % Aufschlag fahren, da es von Mitternacht bis 6.00 Uhr keine öffentlichen Verkehrsmittel auf Singapores Strassen gibt.
Eine Österreicherin, die in Singapore studiert, muss mit uns warten und so haben wir bei einem Kaffe Unterhaltung und erfahren noch das Eine oder Andere über den Inselstaat, den wir eigentlich nur zum Transit nutzen wollen.
Als es kurz vor 18.00 Uhr in einem sauberen, klimatisierten Reisebus dann doch losgeht, wird es eine zügige Fahrt auf dem Expressway, nur unterbrochen von einer Dinnerpause. Gegen 23.00 Uhr erreichen wir Singapore City, nachdem wir vorher noch die völlig unkomplizierten Visa- und Zollformalitäten am Grenzübergang hinter uns gebracht haben. Ein Taxi zum Flughafen ist auch kein Problem - aber der nächste Flug nach Bali geht erst in rund zwanzig Stunden. So bleibt uns nichts anderes, als wieder zurück in die City, um doch ein Hotelzimmer zunehmen, zumal wir auch die Tickets in der Stadt bei einer Reiseagentur kaufen müssen, da sie dort wesentlich preiswerter, als am Flughafen sein sollen. Leider ist es nun schon nach Mitternacht, also doppelter Tarif, als wir wieder in das Taxi steigen. Wir lassen uns vor einem einfachen Hotel absetzen, die man hier, bei den vielen Betonpalästen, schon suchen muss. Es war doch ein anstrengender Tag, besonders für Cordula, aber wir sind froh, das bisher alles nach Plan läuft.

31.08.2004

Fast ausgeschlafen und Cordula schon wieder etwas anschaulicher um die Augen, suchen wir noch vor dem Frühstück eine Reiseagentur. Nach mehreren Anläufen finden wir ein kleines, unscheinbares Büro, wo uns ein gutes Angebot gemacht wird. Für umgerechnet 350 € pro Person bekommen wir die Tickets für den Flug von Singapore nach Brisbane mit Stopp für 12 Tage in Bali. So können wir in Ruhe ausgiebig frühstücken und uns noch ein wenig umsehen. Singapore ist überwiegend Beton, Glas und Shopping Center und lädt uns somit nicht besonders zum Verweilen ein. Bemerkenswert ist natürlich die Sauberkeit, die Ruhe und Gelassenheit sowohl auf den Strassen, wie auch am Flughafen - wir hatten uns Singapore viel, viel hektischer vorgestellt - und vom totalen Überwachungsstaat bemerken wir auch nicht viel - offensichtlich ist man in diesem Bereich richtig gut !?
Zeitig sind wir also wieder am Flughafen und warten bei Kaffe und kostenlosen Internetterminals auf unsere Maschine. Lustig wird es noch bei der obligatorischen Sicherheitskontrolle. Mein kleines Schweizer Messer aus der Hosentasche und das Manikürbesteck aus meiner Toilettentasche darf nicht mit im Handgepäck reisen. Da wir aber nur Handgepäck haben, muss nun eine unserer Taschen doch noch durch die Gepäckabfertigung. Den Höhepunkt erreicht diese Farce, als wir eine Stunde später im Flugzeug unser Essen bekommen - natürlich mit ordentlichem Besteck aus feinstem Stahl. Allein das Messer ist doppelt so groß, wie mein kleines Schweizer !!
Als wir auf der indonesischen Insel Bali landen und das jeweilige dreißig Tage Visa für 25,00 US$ erkauft ist, ist es kurz vor Mitternacht. Von Heidi & Bernd haben wir eine Adresse von einer preiswerten Unterkunft mit schönem Pool, die Sari Jaya Cottages in der Poppies Lane. Für 25.000,00 Rupiah - umgerechnet 2,23 € - lassen wir uns vom Taxiservice dorthin bringen und bekommen auch ein einfaches Zimmer direkt am Pool. Nachdem wir in 24 Stunden rund 2200 Km zurückgelegt und zwei Landesgrenzen hinter uns gelassen haben, sind wir nun etwas müde. So gibt es nur noch ein schnelles Bier und dann ab in die Koje.

01.09.2004

Das Frühstück haben wir gerade noch so bekommen, aber wir haben eben geschlafen wie die Murmeltiere, was Cordulas Augen gut bekommt, denn sie machen große Fortschritte im Heilungsprozess.
Wir unternehmen eine kleine Erkundungsrunde, natürlich in die falsche Richtung - mitten rein in Verkehr und Trubel. Nach einer Erholungspause versuchen wir es am Nachmittag noch einmal in die andere Richtung. Dort finden wir dann auch Strand und Meer. Aber auch hier viel Trubel. So sind wir froh, vor unserer Unterkunft im Schatten direkt am Pool sitzen zu können, ohne Lärm und den vielen verkaufswütigen Insulanern.
Am Abend gehen wir gut und preiswert essen. Die vielen Restaurants, die es hier gibt, versprechen abwechslungsreiche kulinarische Tage hier auf der Insel. Die weiträumige Erkundung dieser Region heben wir uns für den nächsten Besuch, dann voraussichtlich auf den Bikes, in ca. einem Jahr auf.

02.09.2004

Cordula kann wieder unter Menschen gehen, ohne ihre Augen hinter der Sonnenbrille verstecken zu müssen, was sie auch gerne macht, denn sie kommt mit dem Trubel besser zu recht, als ich. Während sie einkauft und am Strand spazieren geht, schreibe ich weiter an unserem Tagebuch und bereite ein neues Update unserer Seiten vor.

03. - 12.09.2004

Das hier behauptet wird, dass vor dem Anschlag auf die Disco vor ca. zwei Jahren sehr viel mehr Touristen da waren, kann ich fast nicht glauben. Unvorstellbar, was das hier für ein Gedränge und Geschiebe gewesen sein muss. Mir ist schon jetzt alles viel zu übervölkert und ich bleibe lieber am Pool im Hotel, als mich am Strand ständig von Anderen treten und von einheimischen Händlern in Verkaufsgespräche ziehen zu lassen. So kann ich wiedermal in Ruhe einige Bücher lesen und am PC arbeiten. Es ist erstaunlich, wie schnell die Tage auch mit Nichtstun vergehen, ohne das Langeweile aufkommt. Körper und Geist brauchen auch mal eine Auszeit, um alle Erlebnisse verarbeiten zu können und sich auf neue Abenteuer zu freuen.
Den touristischen Part übernimmt dafür Cordula und so tun auch wir etwas für die lahmende indonesische Wirtschaft auf Bali. So streift sie täglich durch Kuttas Shopping Center oder durch kleine Strassen und Gassen der einheimischen Bevölkerung, um so etwas balinesische Kultur zu erahnen. Ihre erfrischende Neugier und Kommunikationsbereitschaft verschafft ihr sogar Eintritt in Privathäuser, wo sie Einiges über das balinesische Leben erfährt und die Gastfreundschaft der Menschen hoch lobt. Der hinduistische Glauben und seine Zeremonien sind fester Bestandteil des täglichen Lebens und spiegeln sich in allen Lebensbereichen, besonders auch in der Architektur, stark wieder. Dies in den ländlichen Gebieten auf eigene Faust noch mehr zu entdecken, wird uns später auf den Motorrädern eine Freude sein. 
Gegen 22.50 Uhr verlassen wir Bali in Richtung Brisbane. Der A 380 ist voll, überwiegend mit Ausis, deren Urlaub nun zu Ende geht. Wir kaufen im Duty Free noch reichlich Spirituosen, da diese in Australien doch wesentlich teurer sein werden. Das wir etwas über dem Zoll - Limit sind, wissen wir da noch nicht.

Kurz vor 6.00 Uhr landen wir wohlbehalten in Brisbane. Der Zoll macht keine Probleme, obwohl wir jeder, statt der erlaubten 1,25 Liter Alkohol, 2 Liter bei uns haben. Diese Menge wird offensichtlich gerade noch toleriert, wenn man die Zollerklärung exakt ausfüllt. Bei der Quarantäne werden wir mit unserem leichten Gepäck gleich durch gewunken. Bei anderen Reisenden geht das nicht so glimpflich ab, sondern sieht schlimmer aus, als beim Zoll.
Unser erstes Ziel ist natürlich das Büro von APL. Mit Leo, dem Manager von APL für Brisbane, hatten wir schon Kontakt aufgenommen und er hatte uns mitgeteilt, dass Zoll und Quarantäne für unseren Container ganz in seiner Nähe, in der City von Brisbane ihren Sitz haben. Bei Leo müssen wir die Hafengebühr, Entladekosten und die Gebühr für die notwendigen Dokumente entrichten, dann geht es zum Zoll, der wirklich gleich ein paar Blocks weiter sitzt. Die Quarantäne sitzt im gleichen Büro, das spart weitere Wege. Wir müssen eine Zollerklärung ausfüllen und sind eigentlich guter Dinge, als wir erfahren, dass es Probleme gibt. In Malaysia war als Auftraggeber nur mein doppelter Vorname aus dem Reisepass übernommen worden und da wir in Australien keine Adresse haben, APL als Empfänger benannt worden, jedoch ohne vollständige Anschrift. Da aber seit dem 11. September alle Bestimmungen entsprechend verschärft worden sind, können die Zollformalitäten nur zufrieden stellend geklärt werden, wenn alle Angaben genau mit denen im Pass übereinstimmen. Die Bill of Loading wurde aber in Malaysia ausgestellt und muss somit auch dort geändert werden, um richtig im Computer des australischen Zolls zu erscheinen. Also ein heilloses Durcheinander und viele Telefongespräche, bis kurz vor 17.00 Uhr endlich der gleich lautende Text im Computer erscheint.
Nun ist es aber zu spät, um eine Buchung für den Transport des Containers aus dem Hafen vornehmen zu können. Da es nur einige wenige Speditionen gibt, welche über eine Quarantäne Aerea verfügen und somit als Inspektion Depot autorisiert wurden, sind wir froh als sich mit Hilfe von Rebecca, einer freundlichen Beamtin bei der Quarantäne, die Spedition Schenker bereit erklärt, unseren Container morgen aus dem Hafen zu holen und uns gestattet auf ihrem Gelände auszuladen. Also suchen wir uns ein "preiswertes" Backpakerhotel und übernachten für 54,00 AU$ (vier kahle Wände, ein Doppelbett, Gemeinschaftsdusche und WC) direkt  im Centrum von Brisbane.
Während der Bearbeitungszeiten des Zolls haben wir ausreichend Zeit, durch das nur frühlingswarme Brisbane zu spazieren und frieren doch sehr, nach unserem langen und heissen Sommer in Asien.

14.09.2000

Vorausschauend haben wir das Zimmer für zwei Nächte gebucht und das war gut so. Denn als wir mit freundlicher Unterstützung durch Leo, der uns mit seinem Auto hinfährt, am Vormittag bei Schenker eintreffen, ist noch nichts passiert. Erst jetzt bemüht sich ein Mitarbeiter, um einen Termin zur Abholung im Hafen. Kurz und gut, der Container soll am Vormittag des nächsten Tages bei Schenker eintreffen, die Quarantäne kommt aber erst Freitag zur Inspektion. Wir protestieren natürlich, denn Rebecca hatte uns einen Termin für Mittwoch in Aussicht gestellt. Wieder viele Anrufe bis letztlich ein Termin für Donnerstag 10.00 Uhr feststeht. Den Rest des Tages haben wir wieder viel Zeit uns Brisbane anzuschauen. Wir nutzen diese Zeit auch, um uns hier ein Konto einzurichten. Da wir ja etwas länger in Australien bleiben wollen, ist es mit Sicherheit günstiger, mit einer australischen Bankkarte Geld abzuheben, als mit der Kreditkarte vom deutschen Konto.

15.09.2004

Mit Sack und Pack treffen wir am Morgen bei Schenker ein und erfahren, dass der Container immer noch im Hafen ist. Angeblich ist der Ladekran, in dessen Gebiet unser Container steht, defekt. Von Stunde zu Stunde werden wir weiter vertröstet, bis es kurz vor vier dann heißt, der Container könne erst morgen geholt werden. Wir sind natürlich stink sauer, zumal dann der Termin mit der Quarantäneinspektion auch nicht mehr eingehalten werden kann und unklar ist, für wann wir einen neuen Termin bekommen. Noch während wir mit einem ranghöherem deutsch sprechenden Mitarbeiter (der sich uns leider nie vorgestellt hat) diskutieren, heißt es plötzlich, der Container stehe auf dem Hof und wir könnten mit dem Entladen beginnen, aber nur bis Sechs, weil dann Feierabend ist ! In Windeseile ziehen wir uns um und beginnen den Container auszuladen. Als Erstes fällt uns ein Stein vom Herzen, als wir Alles so vorfinden, wie wir es selber verstaut hatten. Ein paar Rücklichter vom Landy haben daran glauben müssen, aber sonst ist alles in Ordnung. Bis zum Feierabend schaffen wir wenigstens den Hänger und den Landy aus dem Container zu holen, die Kabine heben wir uns für morgen auf. Auf dem Weg zu einem nahe gelegenen Motel (Formel 1 auch 54,00 AU$ aber mit Dusche/WC und Fernseher) kaufen wir an einer Tankstelle noch Cockpit - und Ölspray, um vor dem morgigen Quarantänecheck den Anblick unseres Equipment etwas aufzupolieren, denn trotz Wäsche und aller Mühe, bleibt der erste Eindruck doch der Entscheidende.

16.09.2004

Pünktlich 7.30 Uhr stehen wir bei Schenker wieder auf der Matte und beginnen den Hänger zusammen zu bauen und quarantänefein zumachen. Die gleiche Aufmerksamkeit lassen wir natürlich auch dem Landy angedeihen, bevor wir die Kabine aus dem Container holen. Zwischenzeitlich trifft die Dame von der Quarantäne ein und beginnt mit der Inspektion. Fazit: Wir büßen 2 Dosen Schweinefleisch und eine Packung Milchpulver ein, Cordula muss aus den Streben unterm Landy eine Schippe Sand raus kratzen und wir müssen einige Koffer öffnen. Alles in Allem geht es also glimpflich ab, nur die 280,00 AU$ für diese Einlage schmerzen schon sehr.
Gegen 17.00 Uhr haben wir unseren Zug weitestgehend wieder zusammen gebaut, die nicht unerhebliche Rechnung für Transport und Lagernutzung bei Schenker beglichen (wir mussten sogar die Standzeit des LKW im Hafen wegen des defekten Kran bezahlen !!) und rollen auf den nächsten Trucker - Parkplatz. Nachdem wir hier die letzten Schrauben festgezogen und noch einige Teile angebaut haben, gibt es eine ausgiebige Dusche und eine gute Mahlzeit. Der Service auf diesen Parkplätzen ist sehr  gut. (Dusche kostenlos !!)
Wir bleiben trotz des regen Betriebes auf dem Parkplatz über Nacht.

Unser erster richtiger Reisetag in Australien beginnt gegen 9.00 Uhr. Wir rollen auf dem Highway 1 nach Tweed Heads, wo wir einige Tage bei Stefan (ein Cousin von Cordula) und Susan seiner Frau, verbringen werden. Hier werden wir auch in zwei Tagen unsere Tochter nach 22 Monaten das erste Mal wieder sehen.
Da es bis TH nur ca. 120 KM sind, bleibt genug Zeit, um unsere Vorräte auf zu frischen und uns in TH etwas um zu sehen.
Am späten Nachmittag treffen wir bei Stefan & Susan ein und werden herzlich aufgenommen. Natürlich gibt es viel zu erzählen und viel zu schnell wird es Zeit fürs Bett.

Wir schlafen richtig aus und nach einem ausgiebigen Frühstück laden wir die Mopeds ab und richten uns für die nächsten Tage ein. Auf unseren neuen Fahrrädern aus Malaysia unternehmen wir unsere erste Radtour und erkunden so einen Teil von TH. Tweed Heads liegt zwischen "Gold- und Sunshine Coast" direkt am Meer, durchzogen von vielen Flüssen und Kanälen und ist ein beliebter Ferienort. Da hier gerade das Frühjahr begonnen hat, ist es noch relativ ruhig und beschaulich.

19.09.2004

Am Vormittag fahren wir alle zusammen zum "Fingal Heads" einem Leuchtturm in der Nähe. Von der Steilküste kann man sehr schön Delphine und Surfer einträchtig nebeneinander in den Wellen spielen sehen. Auf 95 Km rund um TH lernen wir bei diesem Ausflug die Umgebung und das so genannte Hinterland kennen. Cordula wird immer unruhiger, denn die Ankunft unserer Tochter rückt immer näher. Am späten Nachmittag gibt es dann das langersehnte Wiedersehen auf dem Bahnhof. In der ersten halben Stunde wissen beide nicht, wo sie mit dem Erzählen beginnen sollen, aber dann stehen ihre Münder nicht mehr still.
Da Lydia seit 4.00 Uhr in der Früh unterwegs ist, fordert der Körper bald Tribut, was ja auch nicht schlimm ist, schließlich werden wir uns die nächsten zwei Monate öfters sehen, die nächsten Tage sowieso.

20. - 23.09.2004

Die Tage bei Stefan vergehen wie im Flug. Cordula wäscht Wäsche und ich strapaziere den PC, schließlich verfügt Stefan über einen lang vermissten DSL - Anschluss. Meine GS braucht eine neue Batterie und bei der Gelegenheit kaufen wir uns noch ein weiteres Solarpanel und eine Batterie mit 130 Ah. Das Panel werde ich aber erst bei einem längerem Aufenthalt montieren. Dann sollten wir aber ausreichend Energie produzieren, um auch längere Zeit im Outback stehen zu können.

Für unsere Verhältnisse zeitig, packen wir zusammen und verstauen unsere Bikes im Hänger. Der Abschied fällt nicht allzu schwer, denn wir hoffen, noch das eine oder andere Mal bei Stefan & Susan herein schauen zu können. Lydia kommt noch ein paar Tage mit uns mit und fährt dann zurück nach Rockhampton. Als wir an einem Baumarkt halten, finde ich dort geeignete Aluprofile für eine Solarpanel - Halterung. So haben wir wenigstens schon mal das Material beisammen. Wir fahren nur bis Southport, da wir hier in der Nähe am Montag in eine Werkstatt wollen, um unsere hinteren Federn erneuern und verstärken zu lassen. Auf einer kleinen Halbinsel finden wir einen geeigneten Parkplatz für die Nacht.

Dieser war, da an der Strasse gelegen, sehr laut, so dass wir beschließen für das Wochenende etwas Ruhigeres zu suchen.  Wir fahren von Southport westlich, in Richtung "Hinterland" zum Advancetwon Lake. Leider ist am Staudamm selbst das Campen verboten, die Anlage selber ist jedoch wunderschön. So fahren wir weiter bis kurz vor den Natural Bridge NP. Dort finden wir eine kleine Camping Area mit Strom,  Wasser und vor allem Ruhe. Rund fünfzig Kilometer von der Küste entfernt, ist die Landschaft leicht bergig und die Strassen sehr kurvenreich. Dem Frühling entsprechend erwacht die Natur und das Grün beginnt sich wieder durchzusetzen, viele Bäume und Sträucher blühen. Die Temperaturen bewegen sich zwischen Nachts 12 und Tags 20 Grad und sind so für uns, nach 17 Monaten nur heissen Sommer, etwas "frisch".

Der Natural Bridges NP erweist sich als sehr klein und ist in zwei Stunden gemütlich erwandert. Unsere ersten Kängeruhs laufen uns über den Weg. Unser kleiner Campground ist recht angenehm und wir haben hier noch einen schönen Nachmittag und probieren gleich einmal die kostenlosen BBQs aus, die es hier überall in Australien gibt. Einheimische, die unseren längeren Aufenthalt hier nun bemerken, möchten uns auf ihre Höfe einladen, aber ein Umzug lohnt sich nun für die paar Nachtstunden nicht mehr. Vielleicht nehmen wir Davids Angebot an, wenn wir auf unsere Reise Richtung Süden wieder vorbeikommen.

In Ernest haben wir einen Termin bei Kings Springs, einer Firma die Schraubenfedern herstellt und auch einbaut. Stefan hatte uns diese Firma vermittelt und nun wollen wir unsere hinteren Federn vom Landy erneuern lassen, schließlich sind diese schon einige Jahre extrem belastet worden. Der Austausch geht reibungslos von statten, kostet uns umgerechnet 150,00 € und bringt gut 4 cm mehr Luft unter der AZV. Die Schaukelei beim Fahren ist auch wieder erträglicher.
Ein paar Kilometer weiter finden wir wieder einen kleinen Campground an einem See. Diesmal leider ohne Strom, aber wir wollen ja auch nur einen Tag hier bleiben. Morgen bringen wir Lydia zum Zug, die ja am Montag wieder zur Schule muss und wir werden nun in Richtung Grafton rollen, wo ab 01.10. in Ulmarra das Bikertreffen von Horizons Unlimited Motorcycle Travellers stattfindet. Da wir ja zum Teil auch auf unseren Bikes unterwegs sind, fühlen wir uns auch angesprochen und wollen vor allem Kontakt zu anderen Overlandern suchen.

28.09.2004

Pünktlich liefern wir Lydi am Bahnhof ab und verabschieden uns für die nächsten Tage, denn spätestens am 08.10. treffen wir uns ja wieder in Rockhampton.
Für den heutigen Tag haben wir uns eine Strecke im Hinterland ausgesucht, da der Highway 1 an der Küste nicht besonders schön, dafür aber sehr verkehrsreich ist. Über Murwillumbah, Uki, Kyogle, Casino geht es nach Grafton. Die Landschaft ist abwechslungsreich und es geht bergauf und bergab durch viele Kurven. Auf den Strassen im Hinterland herrscht wenig Verkehr und wir können die Aussichten genießen und kommen trotzdem gut voran. Einige Kilometer hinter Grafton finden wir in Mini Water einen Platz direkt am Meer. Es ist eine Campground im Yuraygir NP und deshalb etwas günstiger, als die anderen kommerziellen Campingplätze. Es gibt eine Toilette und etwas entfernt Wasser, aber keinen Strom, dafür reichlich Holz für die vielen kleinen BBQ Grills, die hier überall stehen. Und jeder steht, wie er möchte und nicht in Reih und Glied, wie auf den teuren CP. So sparen wir pro Tag ca. 20 AU$ und sind zufrieden. Die Möglichkeiten an der Küste "wild zu campen" sind sehr spärlich und außerdem wollen wir mit den Motorrädern zum Bikertreffen, da ist ein Platz schon sicherer.

Am Vormittag wird ein schönerer Platz frei und wir ziehen um, bevor wir die Bikes runter nehmen und uns einrichten. Den restlichen Tag verbringe ich mit der Montage unseres neuen Solarpanels. Als es endlich angeschlossen ist, hat die Sonne gerade Feierabend gemacht und ich muss den Testlauf auf morgen verschieben. Am Abend sitzen wir mit Tobias und seiner Frau am Feuer zusammen. Die Beiden kommen aus Deutschland, sind auch begeisterte Reisende und hier mit ihren zwei Kindern für vier Monate unterwegs. Nach den USA schauen sie sich jetzt in OZ um und erkunden die Möglichkeiten für eine Umsiedlung - Deutschland ist ihnen auch zu eng geworden und dies nicht nur in einer Hinsicht.

Leider macht die Sonne heute "blau" und lässt sich nicht blicken ! Aber auch bei Bewölkung liefert unser kleines Kraftwerk nun ein wenig Strom und die Aussichten, bei Sonnenschein genügend davon zu produzieren, stehen doch recht gut.
In Tweed Heads hat sich an meiner GS der Bowdenzug von der Drosselklappe am rechten Vergaser verabschiedet und muss nun erst einmal ersetzt werden. Glücklicherweise besitze ich ein Reparaturset mit verschiedenen Bowdenzügen, so dass der Schaden schnell behoben ist.
Wir verabschieden uns von Tobi und seiner Familie, die heute weiterziehen und fahren anschließend eine kleine Runde auf den Bikes, um die Umgebung zu erkunden.

01.10.2004

Ausgeschlafen und nach einem guten Frühstück machen wir uns auf den Weg nach Grafton. Wir müssen tanken und einkaufen. Es macht wieder richtig Spaß auf den Motorrädern, denn die Strassen sind gut ausgebaut, kurvenreich und die Landschaft ist abwechslungsreich. Nur die Spritpreise entsprechen nicht unsren Vorstellungen. Aus Asien verwöhnt, sind wir über 1,08 AU$ für Diesel und 1,03 AU$ für Normalbenzin schon etwas schockiert. Sicher, es ist immer noch preiswerter als in Deutschland, aber immerhin. Nach dem wir Lebensmittel für die nächsten Tage eingekauft haben, schauen wir uns noch nach einem Internet-Café um. Wir lesen die neuesten Mails und beantworten die Dringendsten. Unsere Seiten müssen aufs Update noch etwas warten.
Da wir schon mal da sind, fahren wir noch die paar Kilometer weiter, nach Ulmarra und suchen den Treffpunkt der Biker. Einige Wenige sind auch schon da und wir tauschen uns etwas aus. Morgen findet das eigentliche Treffen am Nachmittag statt und natürlich gibt es für die Weit gereisten einen An- und Abreisetag. Wir fahren zurück nach Mini Water auf einer kleinen Nebenstraße und bleiben im Gegensatz zum Vormittag trocken. Ja, auch an der Sunshine Coast regnet es ab und zu.

Den Vormittag verbringe ich mit dem Test der Solaranlage, denn die Sonne hat doch beschlossen, mal wieder zu arbeiten. Im großen und ganzen bin ich zufrieden mit der Ausbeute, da aber die alten Panels etwas weniger Spannung abgeben, muss ich noch eine Diode dazwischen schalten.
Am frühen Nachmittag fahren wir dann zum Bikertreffen. Als wir ankommen, sind wir erstaunt über die vielen BMW die hier stehen. Von der R 100 R mit Beiwagen, über die F 650 in vielen Varianten bis hin zur R 1150 GS ist alles vertreten und zu unsrer Freude auch ein paar deutsche Kennzeichen. So lernen wir Kerstin und Volker, sowie Ulrike und Kai kennen, die mit ihren Bikes ebenfalls seit vielen Monaten unsere Erdkugel bereisen. Es gibt natürlich jede Menge Informationen auszutauschen und es bereitet uns viel Freude, den Berichten und vielfältigen Storys zu lauschen. Natürlich ist unsere Reise durch Myanmar und die damit verbundenen Erfahrungen und Erlebnisse für viele Anwesende höchst interessant. Ins schwitzen kommen wir dann nur, diesen Bericht völlig unvorbereitet in Englisch vor einem lauschenden Publikum vorzutragen.
Als wir uns gegen 21.30 Uhr wieder auf den Weg zu unserem Camp machen, warnen uns die Aussis vor Kängurus und Emus und das ist nicht unbegründet. Wir sehen viele dieser Artgenossen am Strassenrand und fahren deshalb langsam und sehr mittig.

Zeitig stehen wir auf, schließlich geht hier gegen 18.00 Uhr die Sonne unter, dafür aber schon vor 6.00 Uhr auf, und packen ein. Da wir am 07.10. in Rocky sein wollen und auf dem Weg dorthin durchs Hinterland fahren, müssen wir uns etwas beeilen. Kurz vor dem Mittag verlassen wir die Küste Richtung Westen. Wir passieren wieder eine Bergkette, diesmal fast bis auf 1100 M über NM. Der Landy schnauft ganz schön, aber die langsame Fahrt durch die herrliche Landschaft macht sehr viel Spaß. Cordula hat das Man River Nature Reserve in einem Prospekt gefunden, wo wir kostenlos an einem kleinen Fluss stehen können. Wie immer gibt es eine Toilette und viele BBQ Plätze. Der Platz ist sehr hübsch gelegen, nur leider müssen wir, um dorthin zu kommen, auf der alten Graftonroad (zum Teil unbefestigt) wieder rund 400 Höhenmeter ins Tal hinunter. Aber es ist hier sehr, sehr ruhig und dafür nimmt man das gerne  in Kauf.

Am Morgen geht es die selbe Strecke wieder hinauf bis zur 1960 eröffneten New Graftonroad und weiter Richtung Westen über das Hochland, wo zwischen kleinen hübschen Städten wie Glen Innes, eine Farm an die Andere grenzt. Ab Warialda verlassen wir das landschaftlich reizvolle Hochland und fahren weiter in Richtung Norden. Das Land wird flach und die Farmen weitläufiger. Bei Goondiwindi fahren wir auf den Leichhardt Highway bis Moonie, wo wir am Ortsrand übernachten.

Ausgeschlafen geht es weiter auf dem, nach dem deutschen Abenteurer Ludwig Leichhardt benannten Highway. Die wenigen kleinen Orte wirken verträumt und sind meist nicht mehr, als eine Handvoll Häuser um eine Roadstation gruppiert. Miles ist der einzige größere Ort durch den wir kommen. Selbst Taroom, mit Leichhardt Baum und Leichhardt Hotel ist wirklich sehr sehr klein.
Der Highway geht kilometerweit geradeaus durch flaches Weideland. Erst kurz vor Theodore, wo wir auf einem sehr großzügig angelegten kostenlosen CP mit warmer Dusche, WC und BBQ übernachten, wird die Landschaft wieder etwas hügliger und somit abwechslungsreicher.

Nach weiteren 250 Kilometern treffen wir in Rockhampton ein und finden gleich am Ortseingang einen CP. Da Rocky doch etwas größer als die anderen Orte der letzten Tagen ist, nehmen wir die Bikes runter und fahren natürlich erst einmal zu Lydias Schule, um uns alles anzusehen.

07.10.2004

Langsam gewöhnen wir uns an das Aufstehen mit der Sonne. Wir nutzen den Tag, um uns in Rocky umzusehen und etwas einzukaufen. Rocky wird durch den Fitzroy River in den modernen Norden und den traditionellen Süden geteilt. Der Süden gefällt uns besser, aber zum Shopen sollte man in den Norden fahren.

08.10.2004

Heute ist Lydias großer Tag, die so genannte Formal Feier. Eine Art vorgezogener Abschlussball, denn der eigentliche Schulabschluss ist erst rund fünf Wochen später. Neben den nun täglich ansteigenden Temperaturen, dem zeitlichen Stress aller Feiern, dürfte wohl ein Hauptgrund für das Vorziehen dieser Feier, in den noch zu bewältigenden  Examen zu sehen sein. Schließlich sind die Vorbereitungen für so einen Ball nicht nur zeitraubend, sondern auch aufregend. Da es der erste große Ball im Leben der Siebzehn- oder Achtzehnjährigen ist, sind vor allem die Eltern der Mädchen, in einen regelrechten Wettstreit, um die teuerste Garderobe getreten. Das hat zur Folge, dass an diesem Abend tatsächlich auch ein paar Modellkleider auf dem Laufsteg, über den alle Paare schreiten müssen, zu sehen sind. Nur mit dem Schreiten klappt es noch nicht immer und so fällt es dann doch ins Auge, dass in den teuren Designerklamotten noch halbe Kinder stecken, wenn auch zum Teil mit recht fraulicher Figur. Die Aussis sind auf jeden Fall glücklich, ihre nun fast erwachsenen Kinder so zu sehen und sind bereit, dafür Unmengen an Geld aus zugeben.
Lydia musste sich zwangsläufig um ihre Ausstattung selbst kümmern und das war gut so. Mit ihrem knielangen Trägerkleid fällt sie nicht aus dem Rahmen, setzt aber zwischen den vielen rauschenden Abendkleider ganz selbstbewusst einen angenehmen Kontrapunkt.
Wer von welchem Partner begleitet wird, steht schon seit fast einem Jahr fest und hat oft nichts mit aktuellen Freundschaften zu tun. Auch muss alles an diesem Abend etwas ausgefallen sein. Das beginnt schon beim Eintreffen der Paare an der Schule, ähnlich wie in den Staaten ist dabei vom Uraltmotorrad, über den Transporter mit Chaiselongue auf der Ladefläche bis zum gemieteten Porsche alles vertreten.
Das Spektakel endet nach Mitternacht und auch wir haben, nach fast zwei Jahren Abstinenz, mal wieder das Tanzbein geschwungen. Das ganze natürlich auch im Abendkleid und dunklem Anzug, wie es sich gehört, schließlich haben wir ja unseren ganzen "Staat" dabei.

09.10.2004

Von Lydia ist wenig zu hören an diesem Tag, da nach der Formal Feier noch eine After Formal Party, wo die jungen Leute unter sich sind, absolviert werden musste. So schauen wir uns noch etwas in Rocky um und suchen nach einem kostengünstigeren Platz für die nächsten Tage. Leider werden wir nicht fündig und so bleiben wir, wo wir sind. Mit 17,00 AU$ pro Tag kommen wir ja auch noch ganz gut weg.

Mit Lydia und ihrem Freund Ben sind wir heute zu einem Besuch im Zoo und Botanischen Garten von Rocky verabredet. Es ist ein schöner Vormittag und wir sehen, wie in Australien üblich, alles das, was in Australien lebt, eben nur hinter Gittern. Das Einzige, was in der Wildnis kaum noch frei anzutreffen ist, sind die kleinen niedlichen Koalas.
Am Nachmittag beginne ich die Bremstrommeln am Hänger auseinander zu nehmen. Morgen werde ich versuchen, eine Werkstatt zu finden, welche mir die Bremsbacken neu belegt.

11.10.2004

Die Werkstatt war schnell gefunden und die restlichen Bremsbacken bald ausgebaut. Am Freitag kann ich sie wieder abholen. Während Cordula einkaufen fährt, werkle ich hier und da etwas rum. Alles Dinge, die schon lange mal erledigt werden sollten und nun, da man hier ja wieder alles besorgen kann, auch in Angriff genommen werden.

12.10.2004

Heute kommen Lydia und Ben zu uns zum Abendessen. Cordula ist seit dem Vormittag mit Kochen beschäftigt. Es wird Rindsrouladen, feine Möhren und Kartoffeln geben - für Lydia eine schon  lange, sehr vermisste Kost.
Als die Beiden dann da sind, gibt es viel zu erzählen und Ben lobt die Hausfrau sehr - würde ich in seiner Situation auch tun - was sicher aber auch damit zu tun hat, dass Braten nicht zu den typischen australischen Speisen gehören.

13.10.2004

Lydia hat mir die seit einigen Tagen bestellte CD mit der australischen Strassenkarte mitgebracht und ich installiere diese auf dem PC und dem GPS. Da eine Freischaltung per Internet nötig ist, ergeben sich einige Wege in das Internetcafè, zumal sich erst dort zeigt, dass die Gerätenummer des GPS benötigt wird. Aber eine schöne Sache ist es dann schon, wenn man nicht mehr auf die doch recht ungenaue und wenig aussagefähige Weltkarte angewiesen ist.
Am Nachmittag übe ich mich im Reifenwechsel. Die Hängerreifen sind an der Innenseite stärker abgefahren, so dass ein Drehen Sinn macht, bevor Neue gekauft werden, zumal sie für das Outback allemal noch gut sind. Da ich die schiefen und fragenden Blicke in einer Werkstatt scheue, mache ich mich lieber selber an die Arbeit. Da es sich um schlauchlose Felgen handelt, ist es wirklich harte Arbeit, aber ich habe ja in Indien schon Erfahrungen gesammelt.

Wir fahren zeitig mit den Motorrädern eine große Runde durch die nahen Berge über den Mt. Morgan im Südwesten und an die Strände zwischen Yeppon und Emu Park im Nordosten von Rocky. Es wird eine abwechslungsreiche Fahrt und wir haben viel Spaß. Dabei haben wir den Eindruck, dass, obwohl es hier ja im Moment Frühling ist, eine Menge Regen fehlt. Auf den Weiden steht, auf langen vertrockneten Halmen, das Unkraut und wir fragen uns, wie die Rindviecher etwas zu futtern dazwischen finden. Die Trockenheit nimmt mit jedem heißer werdenden Tag zu und damit auch die Gefahr von Bränden, auf diesen endlosen graubraunen Weideflächen.
In Gracemere schauen wir bei einer Viehauktion zu, heute werden Bullen im Wert zwischen 2.500,00 AU$ und 6.000,00 AU$ das Stück versteigert. Wir können selber kaum erkennen, wie und wann ein Gebot dezent - vielleicht durch Augenzwinkern -  abgegeben wird und so ermahne ich Cordula eindringlich, ganz still zu sitzen und keine falsch zu deutenden Bewegungen zu machen. Der Gedanke jedoch, einen Bullen vor oder hinter unsere Bikes anspannen zu müssen, amüsiert uns aber köstlich.

15.10.2004

Meine Bremsbacken für den Hänger sind für rund 150 AU$ neu belegt und ich beginne mit dem Einbau. Leider gibt es hier keinen Ersatz für die gebrochene Rückholfeder. Das System von Knott ist hier offensichtlich unbekannt. Mal sehen, ob ich was ähnliches selber basteln kann.
Cordula hat einen Schweinebraten erstanden und brutzelt dem ganzen CP was vor. Es duftet ja auch wirklich lecker von unserem Wog. Schließlich hat sich für morgen Lydia zu Besuch angemeldet und das arme Kind muss ja bei Muttern mal wieder was "ordentliches" zu futtern bekommen.

16.10.2004

Am Nachmittag steht der Hänger wieder ordentlich auf eigenen "Füssen" und wird den Landy künftig beim Bremsen fleißig unterstützen. Lydia ist auch eingetrudelt und nach dem gemeinsamen Abendessen besuchen wir das RGS Musikfestival im Pilbeam Theater von Rocky - wir als gespannte Zuschauer und Lydia als Mitwirkende. Diese jährlich stattfindende Veranstaltung der Schule soll die künstlerischen Fortschritte und Reife der Schüler unter Beweis stellen. Es werden abwechslungsreiche drei Stunden, die ausschließlich von den Schülern gestaltet sind.

17.10.2004

Den heutigen Sonntag verbringen wir am Pool des CP und mit Arbeit am PC. Es sind wieder viele Bilder zu sortieren und ein neues Update vorzubereiten.
Wir stehen auf unserem Platz unter einer hohen Palme, die zur Zeit viele Früchte trägt. Diese sind offensichtlich die Lieblingsspeise der Flughunde und so fühlen wir uns des Nachts, wie auf einem Friedhof in den berüchtigten Dracula Filmen. Große schwarze Schatten über unseren Köpfen und dumpfe, schwere Flügelschläge. Der Lärm, wenn sich die Damen und Herren um die besten Futterplätze streiten, bringt uns allerdings schnell in die Wirklichkeit zurück und die Verdauungsrückstände kleben überall am Auto, wie Pech und Schwefel !!

18.10.2004

Nach einer Stunde im Internet-Café stehen unsere Seiten wieder. Hier gibt es schließlich DSL, was zwar das Internet etwas teurer als in Asien macht, dafür aber weniger nervig.
Dann holen wir noch Gas. Normalerweise bekommt man das hier an der Tankstelle, da aber unsere Flaschen kein automatisches Fülldruckventil haben, tun sich die Damen etwas schwer und schicken uns zur örtlichen Gasstation. Hier gibt es keine Probleme, da mit einer Waage gearbeitet wird. Nur teuer ist es hier in Australien, denn die gleiche Menge hat uns in Nepal nur ein Drittel des hiesigen Preises gekostet.
Am Abend erhalten wir noch eine spontane Einladung zum Abendessen bei Bruce und Alison in Gracmere. Bruce hatte uns schon vor ein paar Tagen auf dem CP besucht und mit uns ein wenig geplaudert. Da die Beiden ebenfalls sehr reisefreudig sind, wollen sie ein wenig mehr von uns und unserer Reise bei diesem Dinner erfahren. Zwei ihrer Töchter halten sich im Moment zu Studien- und Reisezwecken gerade in Berlin auf und so ergeben sich viele Sympathien und ausreichend Gesprächsstoff. Natürlich wird es  schnell sehr spät und wir fahren, mit zwei Gläsern Honig als Geschenk im Gepäck, im ersten Gewitterregen zurück nach Rocky. 

19.10.2004

Heute wollten wir eigentlich zusammen packen, aber das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Zur Freude der Farmer regnet es fast den ganzen Tag. Nur in den wenigen Unterbrechungen gelingt es uns etwas aufzuräumen, ohne das alles nass wird. So kaufen wir nur noch etwas ein, um unsere Vorräte aufzufüllen, denn wir wollen in den nächsten Tagen etwas tiefer ins Hinterland.
Am Abend gibt es noch ein besonders schönes Dinner im "Cafe House" in Rocky. Wir feiern mal wieder einen Geburtstag auf unserer Reise und haben uns dazu Lydia und ihren Freund Ben eingeladen.

Es hat fast die ganze Nacht durch geregnet und der Morast ist noch tiefer geworden. Aber es hat wenigsten gegen 9.00 Uhr aufgehört zu schütten und wir können, zwar etwas unsicher auf den Beinen durch den Matsch, fertig einpacken.
Gegen 11.00 Uhr verlassen wir Rocky Richtung Westen. Unser nächstes Ziel ist die Gegend um Emerald, wo, wenn man sehr viel Glück hat, noch der eine oder andere “Glitzerstein” zu finden ist. Cordula will unbedingt ihr Glück versuchen, um sich einen selbst "gefangenen" Saphir zuzulegen. (Ihr wisst ja, ich bin der Jäger, sie die Sammlerin und sie musste ja nun schon alle ihre Muscheln in Asien zurücklassen !)
Nach dem ausgiebigen Dinner von Gestern war die Nacht kurz und so machen wir nach rund 225 km halt am Mackenzie River, rund 25 Km nördlich von Blackwater. Hier gibt es einen kostenlosen CP mit Dusche und WC. Was will man mehr.

21.10.2004

Es ist so schön ruhig hier, so dass wir beschließen, einen weiteren Tag zu bleiben. Die hohen Temperaturen werden durch einen stetigen Wind gemildert, so dass es selbst in unserer Kabine noch erträglich ist. Um genügend Strom zu produzieren, muss diese ja immer schön in der Sonne stehen ! Dafür produzieren wir dann mit unserem kleinen Kraftwerk  mehr, als unsere Batterien aufnehmen können. So bleibt noch genug Power, um den PC zu betreiben und es gibt immer daran zu tun.

Unsere Fahrt setzen wir nach einem kurzen Frühstück gegen 10.00 Uhr fort. Weiter geht es durch die Ebene, welche nur südlich vom Blackdown Tableland unterbrochen wird. Nach rund zwei Stunden Fahrt erreichen wir Emerald und halten hier zum Tanken und Auffrischen unserer Vorräte. Emerald ist die größte Stadt der Region, aber durchaus überschaubar.
Vierundvierzig Kilometer westlich von Emerald biegen wir nördlich nach Sapphire - wie der Name schon andeutet in das Land der Saphire und damit der Abenteurer - ab und erreichen den Ort nach weiteren zwanzig Kilometern. Heiß und staubig ist es hier, kein Wunder, es soll seit letztem Weihnachten kein richtiger Niederschlag gefallen sein. Viele Minen stehen zum Verkauf. Ob daran die erschöpfte Erde oder die Wasserknappheit schuld sind, bleibt noch zu ergründen.
Unser erster Weg führt uns nach dem nahen Rubyvale zur Hermitage Mine, die angeblich größte für Besucher zugängliche Untertage Saphir Mine Australiens. Über 15 Meter tief geht es hinab und ordentlich hinter Gittern abgetrennt, stecken da und dort einige der Rohjuwelen im Gestein. Wir erfahren alles über Farbe und Beschaffenheit der Saphire und auch, dass Mancher nur 27 Minuten, Andre aber 27 Jahre auf ihr großes Glück gewartet haben.
Unsere erste Nacht unter den "Schatzsuchern" verbringen wir im Zentrum von Sapphire, auf einer kostenlosen Rest Area.....und schon steht ein Pferd vor der Tür!

Wir erkunden Rubyvale und Cordula taucht ein in die Welt der Glücksritter. Da sie glaubt, unsere Geschäfte laufen nicht gerade zufrieden stellend, kauft sie für 20 Dollar  !! vier Eimer Dreck, den sie dann wäscht und sortiert. Ich habe  große Zweifel, dass sie außer einem gediegenen Sonnenbrand noch irgend etwas  Brauchbares nach Hause bringt, aber hier laufen nur so Verrückte rum. Ja  Australien ist halt weit und um so eintöniger die Landschaft, desto verrückter  die Leute. Das ist in den Saphir Feldern um Emerald genauso, wie bei den Opalen in Coober  Pedy, was wir vor sechs Jahren besucht haben.
Zur Ehrenrettung muss ich aber zugeben, dass am Abend dann doch immerhin für 70 Dollar Rohsaphire und -zirkone als erste Ausbeute in ihrer Hand liegen und eine Menge neues Wissen um die Edelsteine dazu. Aber was gibt das für neue Diskussionen, was man alles damit nun machen kann oder muss ??  !!

Am heutigen Sonntagmorgen beginnt gegen Sieben Uhr in der kühlen Morgenstunde ein Mini Markt vor unserer Haustür. Da wir auf unserer bisherigen Reise ganz andere - lautstarke asiatische - Märkte gewohnt sind, stören uns die paar Hausfrauen aus der Umgebung wirklich nicht und wir geniessen den Sonntagmorgen mit Ausschlafen und ausgiebigen Frühstück. Als wir dann gegen Neun unsere Köpfe rausstecken, sind unsere neuen Nachbarinnen hocherfreut uns endlich zu sehen und stillen ihre Neugier sofort, indem sie Cordula in freundschaftlichen Nachbarschaftstratsch verwickeln. Frauen - auf der ganzen Welt das Gleiche !!!
Zwei Stunden später !! Wir besitzen eine  Fossicker Lizenz und dürfen nach Edelsteinen schürfen. Hat uns inklusive Campinggebühr 24 Dollar gekostet und gilt für einen Monat.
Wir fahren hinaus in den Bush und haben unseren Zigeunerwagen hoffentlich auf edelsteinreichem Grund abgestellt,  zwischen einigen anderen verrückten "Glücksrittern" ! Cordula kann sich aber nicht  so richtig zur "Arbeit" aufmachen, denn es sind über 45 Grad Hitze und Unmengen  nervender Fliegen überall. Ich frage mich, wie diejenigen "DAS" machen, wenn sie nicht so ein Nobelbadezimmer mit IWC und Fliegengitter haben, wie wir ?? Wenn  aber der Tag zu Ende geht und der Mond hell wie eine Lampe leuchtet, wird es  traumhaft schön mit den Kängurus und anderen Artgenossen, die Abkühlung zu  genießen.
In entsprechendem Abstand stehen  dann also die "professionellen" Fossicker, wie Jim, ein echter australischer  "Bushi", der schon 7 Jahre hier draußen lebt und so dünn ist, das ich geschworen habe: "Wenn ich mal so aussehe, will ich nach D zurück!".  Oder Fritz mit Frau aus Österreich, die immer ein halbes Jahr in Australien (und nach  Gold, Opalen und allen möglichen Edelsteinen schon gesucht haben) und ein  halbes Jahr in Österreich leben (und hier offensichtlich den gefundenen  "Reichtum" wieder verlieren) und das nun schon im siebten Jahr! Dann müssen wir noch den Inder mit seiner Frau aus Tasmanien besuchen und kurz vor uns waren  Franzosen hier. Also ein echter Weltenbummlerplatz !

Es ist brütend heiss und wir richten uns darauf ein. Nur zeitig am Morgen und am späten Abend kann man etwas tun. Dazwischen nur ruhig dasitzen, viel trinken und mit leichten aber stetigen Bewegungen die Fliegen verscheuchen. Alle Arbeiten verschieben wir auf Morgen.
Am Abend hat Cordula noch einen Fototermin mit einem Wallaby. Sie hat am Morgen Brotreste ausgelegt, welche nun gierig geknabbert werden.

26.10.2004

Für heute haben wir die Aufgaben ordentlich verteilt. Cordula macht den Haushalt und anschließend ”Stonwash”. Ich fahre mit dem Moped nach Rubyvale zum Einkauf und ins Internet-Café. Der Einkauf beschränkt sich auf Getränke, wie literweise Mineralwasser, frische Säfte zum Mixen und Eis. Ja 3 Kg Eiswürfel in zwei Handtücher eingeschlagen und ab in den Alukoffer in der Hoffnung, mehr als nur Wasser im Camp wieder rauszuholen. Was trotz der 13 Km Piste und 45° im Schatten auch gelingt. Nachdem alle Lücken im Kühlfach gefüllt sind (Thermoskannen sind auch sehr gut !!) gibt es Fruchtsaft mit Eis. Hmm, lecker, lecker und so erfrischend !!
Cordula ist dagegen mit ihrer Arbeit nicht so zufrieden. Mit ihrer laienhaften Ausrüstung (Küchensieb und Wassereimer) hat sie zwar 15 Liter kostbares Wasser vermanscht, aber außer viel Lehmpampe nichts gefunden. Eine gewisse Grundausrüstung (die aber nicht unter 100,00 AU$ zu erhalten ist) und etwas Erfahrung sind also doch von Nöten.
Nachdem die Fliegen uns selbst, das sonst sehr leckere Geschnetzelte zum Abendbrot verleiden, indem sie beständig um die Gabel kreisen, beschließen wir morgen zu packen und weiter in Richtung Norden zu fahren. Dort lockt der Eungella NP, wo wir schon einmal vor sechs Jahren, aber leider viel zu kurz waren.
Als der Vollmond fast Tageslicht verbreitet, alle Fliegen schlafen geflogen sind, genießen wir den Bush so richtig. Alle Tiere kommen wieder zu ihrem, von Cordula angerichtetem Dinner und wir genießen das Schauspiel. Die Temperaturen werden langsam erträglich und bei einem Whisky “on the rocks”, was ich sonst nie leiden konnte, lässt es sich sehr gut hier aushalten. Zumindest solange, bis ein heftiger Sturm mit Blitz und Donner aufzieht und uns ins Bett vertreibt. Leider hält der Sturm einige Stunden an, ohne das der ersehnte, bereits zu riechende Regen fällt.

Am Morgen verabschieden wir uns noch von Jim und Fritz, nicht ohne das doch recht professionelle Equipment, mit dem hier gearbeitet wird, zu bewundern. Aber es bleibt trotzdem harte, schweißtreibende und schmutzige Arbeit! Die uns gezeigten Funde aus den letzten Tagen sind ausserdem sehr mager und lassen nicht auf grossen Reichtum schließen. Dann geht es zurück über die Piste nach Sapphire und weiter nach Emerald. Südlich von Emerald gibt es einen schönen Stausee, den Lake Maraboon hinter dem Fairbairn Dam (und viele riesige Orangenplantagen) und einen CP, wo wir für 15 AU$ übernachten und vor allem duschen können !!
Als wir uns gemütlich einem VB (Victoria Bitter Bier) widmen, bemerken wir die vielen recht zutraulichen Vögel in der Umgebung. Leider spielt uns die Kamera  einen Streich, in dem sie genau 100 Bilder ohne Bezeichnung speichert, welche sie dann beim Übertragen auf den PC einfach weglässt. So bleiben die vielen Eindrücke beim Füttern der fleischfressenden Vögel und des auf Kekse versessenen Kängurus, nur in unseren Erinnerungen.

28.10.2004

Da unsere Vorräte durch den Aufenthalt im Bush etwas geschmälert sind, kaufen wir in Emerald noch einmal ein. Dabei treffen wir auch Horst aus Hamburg wieder, der schon viele Jahre hier in der Gegend lebt, nachdem wir ihn schon in Rubyvale begegnet sind. Natürlich hat auch er irgendwann einmal nach Edelsteinen geschürft. Es ist also wahr, man trifft sich immer zweimal im Leben !!
Weiter geht unsere Reise auf dem Gregory Highway durch die ausgedehnten Tagebaugebiete um Middlemount, wo sehr viel Kohle abgebaut wird, immer weiter Richtung Norden. Am Isaac River bleiben wir auf einem Rastplatz über Nacht stehen.

29.10.2004

Ausgeschlafen und ausgiebig gefrühstückt fahren wir weiter auf dem Peak Downs Highway. Diesmal nur rund 150 Km durch das Central Highland bis an den Elphinstone Lake, welcher sich einsam und verlassen, mit einigen Hügeln im Hintergrund präsentiert, genau wie der dazugehörige Camp Spot mit Dusche & WC. Uns kommt das ganz gelegen und die Blaualgen im See stören uns nicht, schließlich wollen wir in dem trüben Nass ohnehin nicht baden. Nur ein starker Wind, der am Abend aufkommt, behindert Cordulas Bemühungen, auf unserem Wog ein ordentliches Abendessen hinzubekommen. Vielleicht fällt ja heute noch ein bisschen Regen ?

30.10.2004

In der Nacht hat sich der Wind zu einem ordentlichen Sturm gemausert, der dann endlich gegen 2 Uhr in der Früh den erwarteten Regen bringt. Zwei Stunden tobt ein gewaltiges Gewitter mit sintflutartigem Niederschlag um den See und uns. An Schlaf ist nicht mehr zu denken und ein bisschen mulmig ist es dann doch, so ganz allein hier draußen. Als das Gewitter sich ausgetobt hat, ist auch das Thermometer um gut 20° C gefallen, so dass wir auf die Daunen des Schlafsacks zurückgreifen und uns einmummeln, um noch etwas Schlaf zu bekommen.
Der Wind und die Bewölkung halten den ganzen Tag über an. Gut für den Boden, der nun Zeit hat den Niederschlag richtig aufzunehmen. Wir bleiben mehr oder weniger in unserer Kabine und sortieren Bilder am PC, denn der Wind hält an und ab und an regnet es ein wenig.

Die Sonne setzt sich langsam wieder durch, aber der Wind hält die Temperatur bei 25° C. Wir schreiben Mails und an unserem Tagebuch.
Am Nachmittag machen wir dann noch den versprochenen Rundgang um den See. Dabei geht es über Stock und Stein und manchmal auch durch tiefen Schlamm, denn einen Weg gibt es nicht. Diesmal treffen wir eine Wasserschildkröte auf ihrem sonntäglichen Spaziergang und sehen viele Vögel, darunter auch schwarze Schwäne. Nach rund 6,5 Km und gut zwei Stunden Fußmarsch kommen wir durstig und hungrig auf unserem Platz an.
Morgen wollen wir weiter zum Eungella NP fahren.

Um in das Pioneer Valley und den Eungella NP zu kommen, müssen wir erst rund 50 Km zurück in Richtung Nebo fahren. Dann biegen wir ab auf kleine Nebenstrassen, die auch mal zur Gravelroad werden und hinein in das Tal, umgeben von sanften Hügeln. Fast schlagartig wechseln die Farben vom eintönigen Graubraun zum saftigen Grün. Von Eton geht es über Mia Mia, Gargett, Pinnacle, Finch Hatton bis Netherdale durch das Tal, in welchem hauptsächlich Zuckerrohr angebaut wird. Ab hier wird es anstrengend, zumindest für unseren Landy. Auf nur 4,5 KM sind 800 Höhenmeter zu überwinden, um kurz hinter Eungella zum Broken River, dem westlichsten Eingang zum Eungella NP zu gelangen. Hier gibt es mitten im Regenwald am Broken River einen Camp Ground mit Dusche/WC und für 4,00 AU$ pro Person und Nacht können hier auch neben den Zelten "kleine" Wohnmobile stehen. Für uns wird die Platzsuche etwas schwierig, da das Gelände steil und die Wege schmal sind. Der hohe Regenwald gibt viel Schatten, was für unser Solar nicht so gut ist, aber da muss dann halt ab und zu der Generator ran. Viele kleine Wallabys  und bunte Vögel werden uns die nächsten Tage Gesellschaft leisten, dabei ist der Bush Turky so frech und springt beim Abendessen gleich mit auf den Tisch.

02.11.2004

Nach einem ordentlichen Frühstück machen wir uns an die Arbeit, um uns hier einzurichten und nehmen die Motorräder runter. Am Nachmittag geht es auf den Bikes ins Internet-Café nach Finch Hatton, was einigen Fahrspass verspricht, schließlich geht es nun die selbe steile und kurvenreiche Strecke wieder runter und später zurück.
Am Abend versuchen wir noch einen Blick auf die nur hier im Brocken River lebenden Schnabeltiere (The Platypus oder Ornithorhynchus anatinus) zu werfen. Leider sind die vielen Touris (glücklicherweise überwiegend nur Tagesgäste) zu laut, so das wir kein Glück haben. Aber wir wollen ja noch einige Tage bleiben.

Der Vormittag vergeht mit einigem herum Werkeln und für Cordula mit der üblichen, aber notwendigen Hausarbeit. Später machen wir uns auf, zu unserem ersten Trecking auf rund 7 Km durch den Regenwald. Die Temperaturen sind jetzt Anfang November noch sehr angenehm und im Gegensatz zu unseren Erfahrungen im malaiischen Regenwald, welcher dafür aber durchaus noch etwas eindrucksvoller war, wird es ein leichter, problemloser Spaziergang mit immer wiederkehrenden schönen Ausblicken auf das Valley.
Auf dem Rückweg schauen wir noch in "Susannas Café", wo wir heute, wie schon vor sechs Jahren, auf der Holzterrasse mit Blick in das Tal (man fühlt sich ein wenig an die Schweiz erinnert) unseren Apfelstrudel zum Cappuccino geniessen.
Später hat Cordula auch noch erstes Glück bei der "Jagd" von Schnabeltieren. Direkt am Camp Ground schwimmen sie ihr vor die Linse, leider sind diese Tiere sehr scheu und die Kamera, ob ihrer geringen Brennweite, nicht in der Lage gute Bilder zu machen. Aber für den Anfang ist es doch schon ein kleiner Erfolg.

Für heute haben wir uns eine Runde auf den Bikes durch das Pioneer Valley ausgesucht. Wir fahren in das Tal hinunter durch Finch Hatton, Gargett und biegen dann ab in Richtung Mount Ossa. Dabei müssen wir feststellen, das auch die neue GPS Karte von Australien nicht immer hundertprozentig stimmt. Eine dort als Gakowskis Rd. ausgewiesene Strasse endet an einem Gatter, statt auf der Strasse nach Mirani. Die kurvenreiche Runde macht aber trotzdem viel Spass und wir besuchen noch den zweiten, weiter nordöstlich gelegenen Eingang zum Eungella NP, den Finch Hatton Gorge.  Auf dem Weg dorthin gibt es auch ein kleines Camp und ein Café. Der Zugang selbst ist weniger touristisch ausgebaut und auf dem kleinen unbefestigten Parkplatz kann man sicher ein oder zwei Nächte verbringen. Den, nach einem anstrengendem Aufstieg, zu erreichenden Wasserfall schenken wir uns und fahren lieber mit viel Spass die auf dem Weg liegenden Wasserdurchfahrten zurück und dann wieder hinauf in unser Camp.

Nach dem späten Frühstück entschließen wir uns, zu einer weiteren Wanderung durch den NP. Der Himmel ist bedeckt und die Temperaturen zum Wandern ideal. So fahren wir auf einem Motorrad  die halbe Strecke ins Tal, um dann zu Fuß durch den Regenwald wieder unser Camp zu erreichen. Mit dem anderen Bike holen wir dann mein Motorrad wieder ab, denn rund 8,5 Km auf Schusters Rappen reichen uns, zumal dieser Wanderweg mit einigem Auf und Ab und Klettereinlagen über etliche umgestürzte Bäume etwas anstrengender ist.

06.11.2004

Da wir zwei recht bedeckte Tage hatten, müssen wir etwas Energie per Generator zuladen. Die Zeit und die 220 V nutze ich und schreibe an unserem Tagebuch. Cordula macht inzwischen das bisschen Haushalt.

Wir fahren zum Eungella Dam. Auf den Bikes macht die Strecke, welche fast nur auf Gravel Road durch den Bush entlang der kleinen Bergkette führt, viel Spass. Am Eungella Dam selbst ist auch ein ausgedehnter Campingplatz, allerdings ohne Wasser oder Dusche und rund 35 Km von der nächsten ernstzunehmenden Versorgungsmöglichkeit entfernt. Also nichts vergessen, wer an diesem dafür sehr ruhigen Platz ein paar Tage verbringen möchte ! Der Himmel bleibt bedeckt, was zum Fahren sehr angenehm ist. Erst am Ende unserer kleinen Runde erwischen uns die Regenwolken doch noch und wir sind pudelnass, als wir das Camp erreichen.

08.11.2004

Der Regenwald macht zumindest hinsichtlich des Regens seinem Namen alle Ehre. Es schüttet mit wenigen Unterbrechungen bis zum späten Morgen. Notgedrungener Weise versorgen wir unsere Batterien wieder per Generator mit der notwendigen Energie. Am Nachmittag fahren wir noch einmal runter nach Finch Hatton ins Internet-Café und für kleine Einkäufe. Auf dem Rückweg erwischt uns der Regen zum zweiten Mal und wieder sind wir nass bis auf die Haut, als wir auf unserem Platz ankommen.

Nachdem sich am Vormittag die Sonne ab und zu zeigt und auch die Walabys zum Sonnenbad "rauskommen", machen wir uns diesmal wieder zu Fuß auf den Weg durch den NP. Wir gehen bis zum Platypus Pool, wo man gemütlich von einer Bank aus die Schnabeltiere im Pool beobachten kann. Wir haben Glück und können fast eine Stunde ein Schnabeltier bei der Futtersuche beobachten. Für unsere kleine Kamera ist die Entfernung für einige Fotos zu groß, aber wir haben mehr Glück bei einer Wasserschildkröte und einer Echse, die sehr hoch hinaus will. Zurück im Camp, schaffen wir es gerade noch duschen zu gehen, bevor sich der Himmel wieder öffnet und für reichlich Feuchtigkeit sorgt, damit der Regenwald weiter wachsen und gedeihen kann.

10.11.2004

Der Himmel hält sich weiter bedeckt und ab und zu tropft es auch. So halten wir uns mit Ausflügen zurück und lesen oder strapazieren den PC.

11.11.2004

Als wir am frühen Vormittag den strahlend blauen Himmel nutzen wollen, um unseren Zug für die Weiterreise zu rüsten, knattert ein Motorrad in unser kleines Camp. Es sind Lisa und Richard auf ihrer Yamaha, die wir das erste Mal in Goa Anfang Februar trafen. Wie immer, wenn wir andere Overlander (wieder) treffen, ist die Freude groß, denn trotz e-mail Kontakt bleibt noch viel zu erzählen und Erfahrungen aus zu tauschen.
Unser Hab und Gut packen wir dann am Nachmittag zusammen. Bei Kerzenschein und Rotwein wird es dann noch ein langer Abend mit den Beiden.

Wir verabschieden uns herzlich von Lisa & Richard, die auch bald weiter in Richtung Brisbane wollen und starten, nicht ohne etwas "zittern", um unseren Zug von unserem etwas tiefer gelegenen Stellplatz wieder auf die Strasse zu bekommen. Die Höhendifferenz ist erheblich und es war schon nicht einfach die Fuhre rückwärts da hinunter zu fahren. Aber alles geht gut und so sind wir bald - immer schön im niedrigst möglichen Gang - auf Talfahrt und dann weiter durchs Pioneer Valley in Richtung Küste. Nach rund 200 Kilometern erreichen wir Carmila Beach und den dortigen kostenlosen Campground. Da tiefer Sand schon auf den Zufahrtswegen das Fahren erschwert, bleiben wir etwas abseits, aber auf festen Grund stehen, schließlich wollen wir hier nur zwei oder drei Tage bleiben. Der kilometerlange Sandstrand mit ausgeprägten Gezeiten lädt zum Wandern ein.

Gegen 11.00 Uhr hat die Flut ihren höchsten Stand erreicht und wir laufen einige Kilometer am Strand entlang. Wie immer am Beach rötet die Sonne unsere Haut trotz ansehnlicher Bräune und wir kühlen uns mit einem ausgiebigen Bad ab. Die leichte Briese ist nur direkt am Strand zu spüren, einige Meter zurück, wo unsere Kabine steht, ist davon nichts mehr zu merken und da wir die Sonne für unser Solar brauchen, haben wir schnell 40 °C da drin. Trotzdem bleiben wir lieber drin, denn wie wir recht bald gemerkt haben, sind wir begehrtes Futter für die Sandflys, von denen es hier wimmelt. Die kleinen Biester sind kaum größer als ein Stecknadelspitze, hinterlassen dafür aber eine Rötung in Größe eines Stecknadelkopfes, die auch noch recht unangenehm juckt, was unbeherrschte Menschen wie Cordula veranlasst, die Fingernägel einzusetzen, um dadurch ordentliche Pusteln, ähnlich wie Röteln, zu erzeugen.
Das Schlimmste ist, dass diese Viecher sogar durch die Gaze kommen, so dass wir anfangen müssen, Räucherwerk und Chemie einzusetzen, leider nur mit mäßigem Erfolg.
Aus unserem Kabinenfenster können wir in unmittelbarer Nähe sehr attraktive, kleine farbige Vögel beobachten, die offensichtlich ihr Nest im Sand bauen. Wir verbringen so vergnügliche Stunden bei der Beobachtung des Rainbow Bee-eaters und kämpfen mit unserer Fotokamera, um ein paar Bilder zu bekommen.

14.11.2004

Angesichts vieler roter Flecken, hüten wir unsere Kabine und beobachten weiter die vielen verschiedenen, hier lebenden Vögel. Bei einsetzender Ebbe wollen wir uns wieder etwas im Meer abkühlen, sind aber schneller wieder aus dem Wasser als gedacht. Ein wohlmeinender Aussi macht sich die Mühe, von seinem Angelhocker rund 100 Meter zu uns zu kommen, um uns mitzuteilen, dass er hier heute schon ein kleines 12 Fuß langes Krokodil gesehen hat. Auch als er beschwichtigend hinzusetzt, dass bei Ebbe die Gefahr nicht mehr so groß ist, bleibt unser Unbehagen doch so stark, dass wir lieber auf ein ausgedehntes Bad verzichten. In Anbetracht dieser doch etwas hinderlichen Umstände, Strand und Meer zu genießen, beschließen wir,  morgen weiter zu fahren.

15.11.2004

Da wir nicht viel einzupacken haben, sind wir recht bald wieder auf dem Highway 1 in Richtung Rocky. Am Freitag hat Lydia dort ihren wirklich allerletzten Schultag mit einem festlichen Abschlussdinner und wir sind dazu auch eingeladen. Auf dem Highway herrscht nur spärlicher Verkehr und so sind wir schon gegen Mittag wieder auf dem CP, welchen wir schon bei unserem ersten Besuch hier in Rocky gewählt hatten. Wir packen aus und nehmen die Bikes wieder runter. Am Abend treffen wir uns mit Lydia und ihrem Freund Ben.

16.11.2004

Während Cordula ausgiebig unsere Vorräte wieder auffüllt, die Waschmaschinen strapaziert und Lydia besucht, versuche ich einen durchgescheuerten Schlauch von der Klimaanlage unseres Landys auszubauen. Das gestaltet sich ziemlich schwierig, da einerseits ein neunundzwanziger ?? Schlüssel dazu gebraucht wird, andererseits die Anschlüsse sehr fest sitzen. Davon, dass erst der Luftfilter komplett ausgebaut werden muss, ganz zu schweigen. Aber nach zwei Stunden habe ich es geschafft und nach einer erfrischenden Dusche, mache ich mich auf den Weg, um eine Werkstatt zu finden, die den Schlauch reparieren kann. Morgen soll ich das Ergebnis abholen und bin sehr gespannt.

17.11.2004

Am Vormittag mache ich mich über unseren Hänger her. Als wir vor unserem Reisebeginn die lange AZV am Landy montieren ließen, haben wir die Zuggabel vom Anhänger entsprechend verkürzen lassen. Das war offensichtlich nicht so gut, da sich dadurch die Stützlast auf die AZV vergrößert. Nun will ich es wieder mit einer längeren Zuggabel versuchen und glücklicherweise, wurde damals die Gabel nur um rund 75 Zentimeter zurückgesetzt, so dass ich mit ein paar neuen Schrauben und einem entsprechend langen Rundstahl für das Bremsgestänge, den alten Zustand wieder herstellen kann.
Als ich am Nachmittag meinen Schlauch für die Klimaanlage abhole, erlebe ich eine böse Überraschung. Die Reparatur, die erst nur rund 30-40 AU$ kosten sollte, hat sich erheblich verteuert. Für 105,00 AU$ bekomme ich nun meinen Schlauch zurück. Ein Fitting musste ersetzt, der Andere - weil in dieser Form nicht beschaffbar - umgearbeitet werden. In den nächsten Tagen werde ich mich mal erkundigen, was das Original neu gekostet hätte - ich hoffe mehr !!
Mutter hat wieder deutsch gekocht und so haben wir am Abend Besuch von Lydia und Ben.

Unsere Mahlzeiten nehmen wir hier in Rocky wieder gemeinsam mit den Enten ein. Dabei hat es uns eine kleine freche, mutige und wie ein Hund nach dem Futter springende Ente besonders angetan, welche wir Guste rufen und aus der Schar immer wieder erkennen.
Eigentlich wollte ich heute den Schlauch der Klimaanlage einbauen, aber als ich die Bremsen als letzte Arbeit am Hänger einstelle, merke ich, dass sich ein Radlager verabschiedet hat und muss dieses also auch noch wechseln. Glücklicherweise haben wir entsprechenden Ersatz "vorrätig" und müssen nicht teuer einkaufen, denn alleine das Entfernen der alten Lagerschale aus der Bremstrommel kostet hier 15,00 AU$. In Thailand haben wir dafür genau die Hälfte gelöhnt !!
Ich bin froh, als ich am späten Nachmittag mit den Arbeiten am Hänger endlich fertig bin und verschiebe den Landy deshalb auf morgen.

Wir beginnen den Tag mit einer Einkaufstour, die sich solange hinzieht, dass der Landy noch einen Tag warten muss.
Als wir auf der Suche nach Ersatz für die im Container beschädigten Rücklichter eine Werkstatt für Landys finden, dessen Inhaber nicht nur diese Teile vorrätig hat, sondern auch schon von Umbauten auf 6x4 oder 6x6 gehört und gelesen hat, kommen wir mit einem Stapel 4 WD Zeitschriften zurück, die wir aber in drei Tagen zurückgeben müssen, Also lesen, lesen.........
Am Abend hat Lydia nun endgültig ihr Valedictory Dinner in der Schule, zu welchem auch die Eltern eingeladen sind. Nach einem Cocktailempfang gibt es einige Sketche der Schüler und Reden der Schulleitung. Dazwischen das Dinner und zum Schluss die feierliche Verabschiedung des Jahrgangs 2004.

20.11.2004

Mit dem Valedictory Dinner ist die Schulzeit zu Ende und das Internat muss geräumt werden. So verbringen Lydia und Ben ihre letzten Tage in Rocky bei uns auf dem CP. Wir machen daraus ein richtiges Familienwochenende mit langen ausgiebigen Frühstück. Danach ein paar kleine Reparaturen an den KFZ - Bens kleines Auto ist schließlich auch schon "volljährig" - und verbringen so zusammen den ganzen Tag. Am Abend folgen wir noch einer Einladung der Eltern  einer Mitschülerin von Lydia. Sie sind gebürtige Iraner und selbst sehr reiselustig. So sind schnell zwei Stunden um, als wir uns verabschieden.

21.11.2004

Lydia verlässt noch vor uns Rocky. Die Beiden fahren zur Küste, wo jetzt die alljährlichen Schulabschlussfeten der Jugendlichen stattfinden. Wir sind froh, dass sie sich für einen etwas ruhigeren Küstenabschnitt in der Nähe von Gympie entschieden haben, denn je weiter in Richtung Brisbane, um so mehr tobt hier der Bär. Zwischenzeitlich werden diese Feten hier richtig organisiert und vermarktet, natürlich auf Kosten der Jugendlichen, sowohl finanziell als sicher auch gesundheitlich, denn es wird dort alles verkauft, was die Stimmung anheizt.
Nachdem sich die Beiden verabschiedet haben, beginnen wir unsere Sieben Sachen zu packen. Wir verlassen morgen Rocky in Richtung Süden und wollen langsam auf dem Hinterlandhighway 17 fahren, an dem einige NP liegen und neue Eindrücke versprechen.

Ein Reisetag wie aus dem Bilderbuch. Wir sind zeitig auf den Beinen, weil wir gegen 9.00 Uhr zum Auffüllen der Klimaanlage mit neuem Gas in der Werkstatt sein müssen. Dort der erste Dämpfer. Vier Stunden soll diese Prozedur dauern. Wir handeln auf drei Stunden runter und gehen anschließend in ein Internet-Café, um die Wartezeit sinnvoll zu nutzen. Obwohl wir hier schon waren und unseren Lap ohne Probleme einstöpseln konnten, geht heute gar nichts. Da ich in Finch Hatton einige Anpassungen vornehmen musste, um mit dem dortigen Netz zu arbeiten, suche ich natürlich den Fehler erst einmal bei mir. Nach einer knappen Stunde klärt sich das Problem, als ein anderer Gast mit seinem Lap auch keine Verbindung bekommt. Der Server vergibt keine IP-Adressen. Glücklicherweise brauchen wir die vertane Zeit nicht auch noch zu bezahlen.
Unser Landy ist pünktlich fertig und kühlt auch wieder - hoffentlich bleibt das nun auch so !!  Wir fahren anschließend in die Landy Werkstatt, um die Zeitschriften zurück zu geben. Der Inhaber meint sofort, als er unseren Zug sieht: "Ihr braucht keine zweite Achse, ihr braucht einen Truck !!". Grundsätzlich ist die zweite Achse möglich, macht aber nur als getriebene Achse Sinn, da sonst im unebenen Gelände der Andruck der davor laufenden Achse erheblich verringert wird. Da aber schon der Umbau mit einer nicht getriebenen Achse rund 10.000,00 AU$ kosten soll, bleibt das alles sicher nur Utopie. Wir schauen aber trotzdem bei der Firma mal vorbei, wenn wir in der Gegend sind.
Unser Gesprächspartner hat aber eine andere Möglichkeit für uns in Petto. Er zeigt uns Steckachsen inkl. Flansch die für 7,5 Tonnen ausgelegt sind und in unseren Landy passen. Im Gegensatz zu unseren original Landrover Steckachsen, die nur für 4 Tonnen gedacht sind,  ist der verzahnte Teil deutlich länger, das Material viel belastbarer und die Achsen laufen  bis zum Flansch im Differenzialöl. Der Umbau ist simpel, wenngleich auch das Radlager demontiert werden muss, da die Dichtung im Achsstumpf entfernt und eine Andere durch eine Modifizierte ersetzt werden muss. Für 895,00 AU$ erstehen wir das komplette System für die Hinterachse und hoffen nun, unser Achsenproblem bei nächster Gelegenheit (irgendwann wird schließlich wieder eine Achse brechen) dauerhaft zu lösen.
Es ist fast 14.00 Uhr, als wir dann endlich Rocky hinter uns lassen. Bis Dululu wandeln wir auf bekannten Pfaden, dann geht es weiter auf der 17 durch das Hinterland, was in der Zwischenzeit, dank des Niederschlags, eine sehr schöne Grünfärbung angenommen hat. Wenige Kilometer vor unserem Tagesziel, dem Callide Dam, wird der Landy plötzlich etwas "flatterig" und ein leichtes Grummeln dringt von hinten an mein Ohr. Ich fahre links raus und das Grummeln wird zum Rumpeln. Der rechte hintere Reifen ist kurz davor von der Felge zu laufen und weist einen zehn Zentimeter langen Riss auf. Nach nur 20.000 Kilometern Laufleistung, wenn auch teilweise unter extremen Bedingungen, ist ein solcher Verlust schon recht schmerzhaft. Na ja, erst einmal den Ersatzreifen montieren und bis zu unserem heutigen Übernachtungsplatz fahren. Morgen können wir uns dann in der nächsten größeren Stadt nach Ersatz umsehen. 
Am Callide Dam bricht bereits die Dämmerung herein, als wir den in unserem Führer beschriebenen Platz suchen und nicht finden. Was wir dagegen mehrfach finden, sind Schilder mit der Aufschrift "No Camping". So fahren wir ein Stück auf der Piste um den See, bis wir einen geeigneten und unbeschilderten Platz für die Nacht finden. Was für ein Tag !!

Eigentlich ist es ein sehr schönes Plätzchen hier, aber doch zu abgelegen, um von hieraus Touren zu starten. Deshalb wollen wir weiter zum Cania Gorge NP fahren. Dort gibt es zwar nur offizielle CP´s, dafür aber jede Menge lohnenswerte Ausflugsziele. So fahren wir wieder zurück zum Highway 17 und nach Biloela, durch das wir schon gestern gekommen sind und einige Reifenhändler gesehen hatten. Mit dem Michelin für den Landy haben wir leider kein Glück, der müsste erst bestellt werden. Wir sollen es in Toowoomba versuchen. Das sind aber noch rund 1000 Kilometer ohne Ersatzreifen !
Aber für den Hängerreifen, an dem nun schon die erste Stahleinlage zum Vorschein kommt, gibt es für 90,00 AU$ einen brauchbaren Ersatz. Da ich lieber die Reifen einer Achse komplett wechseln möchte, montieren wir vorerst den Ersatzreifen und der Neue wird zum Ersatzreifen, bis der Nächste den Gummi aufgibt.
Dann geht es weiter auf dem Burnett Hwy durch eine sehr schöne grüne, abwechslungsreiche Landschaft, bis rund 12 Km vor Monto. Hier biegen wir auf eine kleine Bitumenstrasse ab, in den Cania Gorge NP. Nachdem wir die beiden hier verfügbaren CP angefahren haben, entscheiden wir uns für das Cania Gorge Tourist Retreat, welches uns sehr willkommen heisst, etwas preiswerter ist und zentraler liegt. Als wir auf dem Platz ankommen, bemerke ich ein lautes Zischen hinten links. Tatsächlich verliert nun der linke Hinterreifen des Landy Luft ! Bevor er ganz platt ist, suchen wir schnell unseren Stellplatz auf und beginnen sofort mit der Reparatur - einen Ersatzreifen haben wir ja im Moment nicht mehr ! Da wir ja zwischenzeitlich Übung in solchen Dingen haben, geht es auch gut von der Hand. Das Loch im Schlauch ist winzig und nicht von außen entstanden, es sieht eher wie eine Scheuerstelle aus. Kurz und gut, noch bevor die Sonne untergeht, ist der Schaden behoben. Die freundlichen Inhaber hatten schon angeboten, uns samt Reifen nach Monto zum dortigen Reifenservice zu fahren, was uns auf den Gedanken bringt, morgen eine Fahrradtour dorthin zu machen, um eventuell einen Ersatzreifen für den Landy zu bestellen. So ganz ohne Ersatz ist es doch etwas riskant und bis Montag sollte es doch schon möglich sein.
Etwas geschafft nach drei Reifenwechseln in 22 Stunden gehen wir heute zeitig zu Bett.

Nach dem Frühstück holen wir also die Fahrräder aus dem Hänger und nach dem Komplettieren (die Vorderreifen müssen extra verstaut werden) und einem kleinen Service (reinigen, Öl etc.) geht es los nach Monto. Die rund 12 Kilometer bis zum Burnett Hwy geben uns Gelegenheit, die Landschaft ganz in Ruhe zu genießen. Mehrere Farmen grenzen dicht aneinander und unsere langsame Fortbewegung fördert die Kommunikation ungemein. Da ein Gruß und dort ein kurzes Gespräch - der Vorteil des Fahrrades. Die Rinder laufen erst verängstigt vor uns weg, besinnen sich dann aber und laufen gezielt auf uns zu und meine liebe Cordula...tritt schreiend in die Pedale, was das Zeug hält.
Die letzten 11 Kilometer müssen wir dann auf dem Highway fahren. Dort stört nicht so sehr der wenige aber dafür schnelle Verkehr (schließlich ist hier Hundert auf der kleinsten Dorfstrasse erlaubt), sondern die kurzen aber stetigen Anstiege. Nach zwei Stunden erreichen wir Monto und den dortigen Reifenservice. Der Reifen kann auch bestellt werden, aber es bleibt die Frage offen, ist es nun ein XPC oder ein XZL ??  Da ich auf diese Kürzel nicht geachtet habe, müssen wir unsere Bestellung telefonisch perfekt machen. Mittlerweile ist es nach 14.00 Uhr und bis Fünf müssen wir angerufen haben. So bleibt unser Vorhaben, Monto und seine offensichtlichen Künstler -so viel ist hier hübsch bemalt - näher kennen zu lernen unerfüllt und wir radeln sofort wieder zurück. Wieder am CP angekommen, bleibt nach dem Anruf (es war XZL) noch Zeit, die vielen Lorikets (Rainbow Birds) zu beobachten, die hier ihren Futterplatz haben. Nach knapp 50 Kilometer tut uns der Allerwerteste schon ganz schön weh, schließlich ist der, eine solche Behandlung nicht gewohnt.

Heute wollen wir die Walking Tracks des NP ausprobieren. Vorbei am "Big Foot" geht es zum "Gigant´s Chair Loockout" und dann eigentlich weiter zum "Fern Tree Pool", aber diesen Teil heben wir uns noch für später auf, der gestrige Tag war doch sehr anstrengend und steckt uns noch in allen Knochen oder besser gesagt, den Muskeln.
Eine Besonderheit dieses NP ist die verschiedenartige Fauna. Grasbäume wechseln sich mit Palmen und Farnen ab und mal ist es ein Mischwald, mal mehr Regenwald. Das Alles wird durchschnitten von einer kleinen Schlucht, welche von imposanten Sandsteinformationen  begrenzt wird, in deren vielen natürlichen Höhlen, einst die Aboriginal lebten und ihre Zeichnungen noch zu finden sind.

26.11.2004

Da der Himmel oft bedeckt ist, versuchen wir es noch einmal mit den Fahrrädern. Sehr weit kommen wir offen gestanden nicht, denn der Po meldet sein Unbehagen recht schnell wieder an. So wird es nur eine kleine Runde durch den Canyon.
Den Rest des Tages verbringen wir auf dem wirklich herrlich ruhigen CP, mitten zwischen Lorikets, Ponys und Kängurus.

27.11.2004

Eigentlich wollten wir heute mal ausgiebig ins Netz gehen, aber der Modemanschluß hier auf dem CP ist nur für eine Station ohne Netzwerk eingerichtet und das Passwort will man uns aus Sicherheitsgründen nicht anvertrauen. So schauen wir nur mal nach den eingegangenen Mails und stöhnen da schon, über das langsame Modem. Da auch in der Nähe kein Internet-Café ist, müssen wir das Update bis zur nächsten größeren Stadt verschieben. Der nächste Fahrradausflug ist nun endgültig auf Morgen verschoben.

Am Vormittag sortieren wir die vielen Bilder, die in Rocky zum Schulabschluss unserer Tochter entstanden sind. Dann geht es auf die Räder. Es macht auch wieder richtig Spaß und wir strampeln bis zum Lake Cania, von dem man wunderschöne Ausblicke auf den Canyon hat. Auch dieser See entstand durch einen Staudamm, der ein wenig Energie produziert, aber im wesentlichen als Wasserreservoir dient. Wir besuchen noch eine "historische Goldmine", welche fast am Weg liegt. Das "historisch" darf man hier in Australien nicht so sehr ernst nehmen, denn meist handelt es sich dabei nur um etwas Schrott aus den Pioniertagen, so auch in diesem Fall. Wirklich historisch sind hier nur die Zeichnungen der Aboriginal, leider so ziemlich das Einzige, was von der Urbevölkerung überdauert hat.
Als die Sonne hinter dem Sandstein verschwindet, erreichen wir unser Camp.

Die telefonische Nachfrage ergibt, dass unser Reifen in Monto noch nicht eingetroffen ist. So bleibt viel Zeit, um am PC zu arbeiten. Am Nachmittag haben wir dann noch lieben "Besuch". Drei Kängurubabys, ca. 10 Monate alt, werden hier noch aufgezogen. Zumindest bekommen sie am Morgen und am Abend noch die Flasche und über Nacht einen sicheren Schlafplatz im Schlafsack. Heute sind sie schon zeitig aus dem Busch zurück und haben noch einen älteren Artgenossen mitgebracht. Auf dem Platz steht mehr saftiges Gras (dank des Sprengers) als im trockenen Busch. So gibt es einen Fototermin ganz für uns allein beim "mümmeln".

Noch einmal machen wir uns auf Schusters Rappen durch den NP. Die gut ausgebauten Tracks führen uns heute zum  “Overhang" und "Dragon Cave", immer entlang des ockerfarbenen Sandstone cliffs. Erst geht es ein paar Kilometer mit dem Fahrrad zur Picnic area und dann zu Fuß durch einen trockenen Regenwald, der viel Schatten spendet und damit unsere Wanderung erträglich macht.
Zurück auf dem CP kühlen wir nicht nur die Füße im Pool.

01.12.2004

Morgen soll nun doch "schon" unser Reifen in Monto ankommen - in Australien sind die Wege halt lang - und so beginnen wir unseren Zigeunerwagen wieder zu packen. Dabei entdeckt uns ein deutsches Ehepaar aus Bremen, welches nun schon seit sieben Jahren und sieben Monaten durch Australien tourt. Natürlich wird es ein ausgiebiger Plausch. Fazit: Es gibt noch viel zu sehen - packen wir es an !!

Gegen 10.00 Uhr sind wir in Monto und der Reifen hat es auch hierher geschafft. Nach wenigen Minuten ist alles erledigt und wir rollen - nun wieder mit Ersatzreifen - weiter auf dem Highway 17 Richtung Süden. In Eidsvold frischen wir unsere Vorräte für die nächste Woche auf und können in der städtischen Bücherei ins Netz gehen. Zwar nicht gerade schnell, aber dafür sehr preiswert.
Die Hitze des Tages und das leichte bergauf und bergab in dieser Hügellandschaft ermüden uns doch  rasch und so machen wir Halt auf einem Rastplatz kurz vor Gayndah direkt am Burnett River. Ein angenehmes Plätzchen mit reichlich Feuerstellen und einer leichten Briese aus den benachbarten Orangenhainen, deren sattes Grün von stetiger Bewässerung zeugt.
Nach fast drei Monaten Asien Abstinenz, haben wir beide schon seit Tagen wieder richtig Heißhunger auf Chicken und Cordula hat ein solches in Eidsvold “angelacht”. Wir suchen Holz und machen ein ordentliches Feuer auf den hier in Australien überall vorhandenen BBQ Plätzen, um reichlich Glut zu bekommen. Zwischenzeitlich hat das Huhn, fein gewürzt, eine zweite Haut aus Alufolie bekommen und als das Feuer runter gebrannt ist, kommt es in die heiße Asche. Nach rund einer Stunde ist es soweit und wir können unseren Hunger mit leckerem, saftigen, weißen Hühnchenfleisch stillen - in der Not schmeckt das auch mal ohne Brot.

Die ersten Boote (Angeln ist des Ausis liebster Sport, egal ob Wasser oder Fische verseucht sind) werden hier schon gegen 6.00 Uhr zu Wasser gelassen und so sind wir zeitig auf den Beinen. Nach einem ruhigen Frühstück fahren wir nach Gyandah, der angeblich ältesten Stadt in Queensland. Das Städtchen ist wirklich beschaulich und charmant und das “historische” Museum ist kaum von den Gebäuden des Stadtzentrums zu unterscheiden.  Weiter geht es nach Ban Ban Springs, einem Meetingplatz der Aboriginals. Unser Ziel ist Biggenden, eine kleine Stadt dicht am Mt. Walsh NP. Der dortige CP wirbt mit "second night free", was wir natürlich nutzen möchten, zumal der Platz in unserem Campingführer verzeichnet ist und somit nicht teurer als rund 15 AU$ mit Stromanschluß sein darf, also demnach 7,50 AU$ pro Nacht bei zwei Übernachtungen. Da wir von hieraus die Umgebung erkunden möchten, werden wir vier Tage bleiben und nehmen ein Motorrad runter.
Nur ein sehr schwarzer Himmel hält uns am späten Nachmittag von einer größeren ersten Erkundungstour ab und so bleibt es bei einer kleinen Runde bis zum Eingang des NP.

Am Vormittag beschäftige ich mich mit dem Video von Lydias Abschlussfeier. Dazu muss ich auf meiner Festplatte etwas Platz schaffen, um die vielen Bytes bearbeiten zu können und ich nutze ein automatisches Programm, welches leider viel Zeit benötigt. Um die Wartezeit zu verkürzen, schaue ich hier und da mal rein und lösche was überflüssig erscheint - und damit nimmt das Unglück seinen Anfang. Aber der Reihe nach. Da wir  hier einen Platz mit Stromanschluss haben, können wir ohne Bedenken viele von den mittlerweile weit über 4.000 mp3-Titel hören, die wir auf unserem Lap haben. Als wir einen kleinen Ausflug auf dem Bike zur Chowey Bridge unternehmen, lassen wir den Lap einfach dudeln, schreckt eventuell zu Neugierige ab - machen wir oft auch mit dem Radio so, sofern hier etwas zu empfangen ist.
Die Fahrt über einige schöne Pisten, durch grüne Felder und den abwechslungsreichen Mischwald macht auch mit Sozia viel Spaß. Die 1905 errichtete Betonbrücke war die Erste dieser Art in QLD und hat damals gerade einmal 1.788 britische Pfund gekostet !
Als wir zurück sind, arbeite ich noch etwas am PC und nach dem Abendbrot machen wir es uns richtig gemütlich und schauen uns ein Video an. Die DVD hat uns Lydia geborgt und Van-Helsing ist ein amüsantes Gemisch aus Frankenstein und Dracula. Als ich den Lap in den Sleepmodus schicke, fällt mir noch etwas ein und ich wecke ihn noch einmal auf. Statt dem gewohnten Logo von XP erscheint aber nur die Meldung "NTLDR fehlt - Neustart erforderlich". Schlagartig wird mir klar, dass ich eine Datei zu viel gelöscht habe. Mist !!  Und das ich zwei Startpartitionen auf meiner Festplatte habe, nützt mir gar nichts, da diese Datei nur auf dem Pfad c: zu finden ist. Nun werden die Möglichkeiten knapp, zumal mein CD-Rom Laufwerk ja schon seit einigen Monaten defekt ist und somit von dort aus auch nicht gestartet werden kann. Nach einigen Stunden und zig vergeblichen Versuchen wenigstens im DOS-Modus Zugriff zubekommen, gebe ich auf. Morgen ist auch noch ein Tag.

Der Vormittag vergeht ebenso, ohne dass ich meinen PC wieder zum Laufen bringe. Langsam macht sich Unruhe breit, schließlich ist dieser das Herzstück unserer Kommunikation und Dokumentation. Als auch noch klar wird, dass auf diesem Platz nicht jede zweite Nacht, sondern nur die Zweite kostenlos ist, beschließen wir morgen weiter nach Maryborough zu fahren. Das ist die nächst größere Stadt, wo eventuell auch ein Computerservice zu finden ist.
Bevor wir das Motorrad wieder auf den Hänger stellen, machen wir noch eine kleine Runde durch die schöne Umgebung des Mt. Walsh. Dabei stoßen wir auch auf ein Anwesen, welches sehr "historisch" wirkt und vielleicht auch bald zum Museum gemacht wird!

Bevor wir Biggenden verlassen, versuche ich noch mein Glück im Internet, um neue Firmensoftware zu laden, was eventuell meinem CD-Rom Laufwerk auf die Beine helfen könnte. Aber auch hier Fehlanzeige. Auf der deutschen Seite von Toshiba gibt es auch nichts Neues und in Down Under kennt man unser Model erst gar nicht. Cordula hat in der Zwischenzeit fleißig telefoniert und so wenigstens einige Adressen von Computerhändlern und Werkstätten in Maryborough und Hervey Bay eruiert, von denen die Meisten spontan behaupten, uns helfen zu können. Ein neues Laufwerk sollte bei einem Toshiba Händler doch sicher zu ordern sein!
Die knapp 100 Kilometer haben wir schnell hinter uns gebracht und stehen bald darauf beim ersten Kandidaten, einer kleinen chaotischen Computerwerkstatt, auf der Matte. Hier wird uns aber auch nur bestätigt, was wir schon wissen, es handelt sich nicht um einen Softwarefehler, sonder das LW ist defekt. Was mein Startproblem angeht, kann uns auch nicht geholfen werden, hier werden keine Laptops repariert. Wir sparen uns die Frage, warum er uns das nicht schon am Telefon sagen konnte, wissen aber nun, warum der Meister im Nebenjob den Schulbus fahren muss.
Die nächste Adresse, Betta Electrical (so etwas wie Media Markt in D) kann zwar kein LW beschaffen, will aber die Festplatte klonen und neu formatieren, um dann Alles zurück zu kopieren. Da ich aber nur eine CD mit einem Update auf XP habe, eine etwas mühselige und auch gewagte Geschichte, wo nicht sicher ist, dass alle Programme richtig laufen. Ich versuche, wie schon zuvor, zu erklären, dass sich das Problem recht einfach lösen lässt, wenn meine HD als zweites bzw. drittes LW in einen anderen PC gehangen wird. Man könne dann unter Windows arbeiten und die gelöschte Datei wiederherstellen. So richtig werde ich wohl nicht verstanden, aber wir einigen uns darauf, sollte ich das Angebot annehmen, kann ich selbst dabei sein und so etwas eingreifen.
Bevor wir auf dem nächst gelegenen CP übernachten werden, schauen wir uns noch in Ruhe in dieser sehr schönen Stadt um. ( www.maryborough.qld.gov.au ) Bereits das Visitor Information Center ist in dem prachtvollen Gebäude der City Hall untergebracht und wir finden dort natürlich jede Menge interessante Informationen. So wird an jedem Wochentag um 9.00 Uhr (vorausgesetzt es regnet nicht!) eine kostenlose Heritage City Walking Tour angeboten, wobei der Stadtführer oder die Stadtführerin historische Kostüme tragen. Cordula hat einen Stadtplan gefunden und übernimmt spontan diese Führung, der nahe Weg dorthin lohnt sich! Zuerst geht es zur beeindruckenden St. Paul`s Church. Weiter zum Heritage Gatway in der Wharf Street, wo die Gebäude erst vor einigen Jahren liebevoll restauriert wurden und auch einige Museen untergebracht sind. So ist so etwas wie eine "Altstadt" entstanden, die wirklich sehenswert ist und - irgendwie menschenleer! Auf dem Gehweg wurden gravierte Metallplatten verlegt, die an berühmte Persönlichkeiten dieser Stadt erinnern. Ein Spaziergang durch den sich anschließenden Queens Park mit dem über 100 Jahre alten Ban Yan Fig Baum und den schönen Ausblicken auf den Mary River beruhigt uns ungemein.
Beim Abendessen diskutieren wir unsere weiteren Möglichkeiten. Cordula hatte sich bei einem Händler in Hervey Bay nochmals versichert, das er als Toshiba Händler alle Ersatzteile ordern könne. Wir beschließen dort ein neues CD-Rom LW zu bestellen. So könnte ich selbst meinem Startproblem auf der Festplatte nachgehen.

07.12.2004

Also auf nach Hervey Bay. Gegen 10.00 Uhr treffen wir hier ein und finden den Händler auch rasch. Er lässt sich alle Probleme erläutern und will sich der Sache, auch dem Problem der Festplatte, annehmen. Am Nachmittag sollen wir wieder zu ihm kommen, dann könne er Genaues sagen.
Hervey Bay ist bei weitem nicht so schön wie Maryborough. Direkt am Meer, gegenüber von Fraser Island, ist hier Alles auf Tourismus und Business abgestellt. Wir schauen uns um und nutzen die Gelegenheit, eine Werkstatt für unsere Klimaanlage im Landy ausfindig zu machen. Die Reparatur in Rocky war nicht sehr erfolgreich. Offensichtlich ist ein Anschluss nicht ganz dicht, denn schon nach wenigen Tagen war es mit dem kühlen Luftzug vorbei. Die Schuld habe ich wohl zum Teil selbst, denn ich habe den Schlauch ja wieder eingebaut, allerdings hätte die Undichtigkeit beim Befüllen bemerkt werden müssen. Wieder einmal Lehrgeld !!
Wir machen in einer Werkstatt einen Termin für morgen 13.00 Uhr aus und sind kurz vor Vier wieder bei unserem Toshiba Händler. Unser Lap steht im Regal abholbereit, aber der Kommentar dazu lautet "I have no good news". Das CD-Rom LW kann nur in Europa beschafft  werden (so etwas hatte ich nach dem Besuch der australischen Seiten von Toshiba schon vermutet) und der Zugriff auf die Festplatte sei nicht möglich. Ich erläutere noch einmal meine Vorstellungen und er stimmt etwas widerwillig zu, in meinem Beisein noch einen Versuch zu unternehmen. Aber heute sei es schon zu spät und morgen habe er Lehrgänge zu gestalten und wir würden doch nicht bis Donnerstag warten wollen ?! Nach dieser Offerte bedanken wir uns und suchen den nächsten Spezialisten. Einige Strassen weiter werden wir fündig. In einer kleinen Werkstatt soll nun meinem Lap wieder Leben eingehaucht werden. Zur Sicherheit erläutere ich noch einmal, wie ich mir die Rettung meiner Festplatte vorstelle. Alles klar, wir sollen morgen wieder kommen, wenn es noch Fragen oder Probleme gibt, ruft er uns an.
Wir haben eine unruhige Nacht und gemischte Gefühle. Die Reparaturversuche des Toshiba Händlers haben bis her nur eins gebracht, dass die Fehlermeldung nun nicht mehr in Deutsch sondern auf Englisch erscheint. Was wird als nächstes passieren ? Wir hängen doch sehr an unseren Daten !!

08.12.2004

Deshalb sind wir schon bald auf den Beinen und weil die Klimaanlage fast gegenüber der Computerwerkstatt repariert werden soll, sind wir auch früh dorthin unterwegs. Als wir in der Computerwerkstatt nachfragen, erhalten wir die Auskunft, es würde noch einige Stunden dauern, denn es könne nur unter DOS auf die Platte zugegriffen werden. Noch einmal erkläre ich meine Vorstellung, wie man dem Problem unter Windows zu Leibe rücken könne und lasse auch noch meine Backup Festplatte da, wo mit hoher Wahrscheinlichkeit die fehlende Datei zu finden ist.
Kurz vor 13.00 Uhr schauen wir wieder beim Computerspezialisten rein und wir bekommen unseren Lap zurück, mit den Worten "I have no good news". Als ich den PC starte, kommt nun gar keine Meldung mehr, dafür bleibt er endlos in einer Startroutine. Ich bin langsam mehr als nur frustriert und beginne meine Erklärungen nun noch einmal. Widerwillig und etwas herablassend stimmt er einen weiteren Rettungsversuch zu, den ich selbst mit Hilfe seines Equipments vornehmen will. Schnell bringe ich noch den Landy in die andere Werkstatt und hoffe hier, auf sachkundigere Reparatur als in Rocky.
In der Computerwerkstatt ist schnell die Festplatte ausgebaut und mittels eines Adapters in einen anderen PC gehangen. Dank USB und XP sind die Daten auf meiner Festplatte zu lesen und zu bearbeiten. Ich hänge meine Backup Platte auch noch dran und habe innerhalb von fünf Minuten mein Problem behoben. Nach dem ich die Festplatte wieder in meinem Lap eingebaut habe, stottert der ein paar Mal (er checkt die Partition automatisch mit einem Scanner) und dann... läuft er wieder !
In der Werkstatt gibt es ein paar lange Gesichter, als ich mich, glücklich über meinen Erfolg, verabschiede, denn Geld gibt es für diesen Service nicht und wenn der Kunde die "unmögliche Reparatur" dann selbst ausführt, wird die Sache auch noch etwas peinlich.
Auf der anderen Strassenseite dann die nächste Hiobsbotschaft. Der für 105 AU$ reparierte Schlauch ist undicht, d.h. den Fitting kann man mit etwas Mühe einfach abziehen. Eindeutig Pfusch, den ich in Rocky teuer bezahlt habe. Ich habe nun erst einmal genug vom australischen Handwerk und löhne noch einmal 140 AU$ in der Hoffnung, nun eine funktionierende Klimaanlage zu haben.
Der Lichtblick des Tages ist aber unser funktionierender Lap. Wir sind beide sehr froh, nun wieder über unsere Daten und Bilder zu verfügen und arbeiten auch vieles, was in den letzten Tagen  liegen geblieben ist, auf. Morgen wollen wir ans Netz gehen und unsere vielen Mails absetzen.

09.12.2004

Während Cordula am Vormittag noch Bilder sortiert, schaue ich nach dem Hängerrad, welches vor drei Tagen so verdächtige Geräusche von sich gab. Und siehe da, eine Rückholfeder in der Bremstrommel hat sich verabschiedet. Wie ich schon in Rocky feststellen musste, gibt es das Knott-System in OZ nicht. Also versuchen wir noch vor unserem Internet Besuch eine zumindest ähnliche Feder zu erstehen. Im dritten Shop haben wir Glück, allerdings ist der Preis für so ein Teil deftig, immerhin 15 AU$, aber was soll´s, Hauptsache sie passt auch.
Das Internet-Café an der Strandpromenade verfügt über einen Breitbandanschluss und wir können viel in zwei Stunden erledigen. Cordula geht anschließend noch einkaufen, während ich die Feder einbaue. Mit etwas Mühe bekomme ich das Teil auch dorthin, wo es hingehört und hoffe, dass es auch dort bleibt und seinen Beitrag leistet. Fürs Erste rollt und bremst das Rad jedenfalls wieder.
Mit den heutigen Mails an alle Freunde und Verwandten haben wir unsere neue Handynummer bekanntgegeben und erhalten die ersten Rückrufe am Abend, worüber wir uns sehr freuen.

10.12.2004

Wie schon so oft in den letzten Tagen, regnet es wieder als wir gegen 10.00 Uhr den CP in Richtung Tin Can Bay verlassen. Dieser kleine Ort liegt direkt gegenüber dem südlichen Ende von Fraser Island und ist somit am dichtesten an der Insel dran. Unsere Tochter hat in der Nähe vorübergehend bei Ben und seinen Eltern ihre Zelte aufgeschlagen und verdient sich bis zum Studienbeginn im Februar etwas Geld im Restaurant des Country Club. Nach einer Runde durch den Ort entscheiden wir uns für das Touristcamp in der Nähe des Ortseingangs. Es ist der größte der drei CP hier und bietet so etwas mehr Ruhe und Bewegungsfreiheit.
Auch als wir uns auf unserem neuen Platz einrichten, regnet es und so verschieben wir das Abladen der Bikes auf morgen.

In der Nacht hat es weiterhin immer wieder heftige Schauer gegeben und auch heute Morgen ist es bedeckt. Wir nehmen nicht nur die Motorräder, sondern auch die Fahrräder runter und machen auf denen eine kurze Runde durch den kleinen Ort. Es gibt hier täglich frischen Fisch und am Yachthafen kann man jeden Morgen den Delphinen zuschauen. Viele schöne Wege in der Nähe des Ufers laden zum Laufen oder Fahrradfahren ein.

12.12.2004

Der CP hat erst vor wenigen Tagen einen schönen neuen Pool eingeweiht und da sich heute die Sonne doch wieder kräftig durchsetzen kann, verbringen wir den Vormittag da mehr oder weniger drin. Mit jeder Sonnenstunde steigt die Luftfeuchtigkeit, bedingt durch den vielen Regen der letzten Tage weiter an und es ist unheimlich schwül.
Am Nachmittag besuchen uns Lydia und Ben. Sie wollen heute selbst kochen und laden diesmal uns zum Abendessen ein. Es gibt - ganz deutsch - gefüllte Paprikaschoten, welche auch schon recht gut gelungen sind. Mama musste nur noch die Soße bei unsrer Ankunft retten. Es wird ein netter Abend und Jon, Bens Vater, vereitelt unser Vorhaben morgen Früh die Delphine zu besuchen und anschließend Fisch einzukaufen, indem er uns einen großen Behälter voll Garnelen schenkt. 

13.12.2004

Ein kurzer Einkauf und der Besuch der örtlichen Bücherei bestimmen den Vormittag. In der Bücherei stehen zwei Computer mit welchen man, nach vorheriger Anmeldung, kostenlos das Internet nutzen kann. So schauen wir nach unseren e-mails und können mal etwas surfen, ohne auf die Uhr schauen zu müssen. Anschließend kühlen wir uns ausgiebig im Pool ab.

14.12.2004

Ungewöhnlich zeitig stehen wir auf und fahren mit den Rädern zum Yachthafen. Hier warten schon eine Menge Touris und es werden immer mehr. Gegen 8.00 Uhr kommt ein Rancher und hält einen Vortrag über die Delphine, die täglich hierher zur Fütterung kommen sollen. Ein anderer Rancher hält indes Ausschau in Richtung Mündung der Bucht. Das nahe Café hat zwischenzeitlich guten Zuspruch, schließlich warten hier jetzt rund 50 Erwachsene und Kinder, die in der Sonne Durst und Appetit auf Eis und andere Leckereien bekommen. 9.30 Uhr legt ein größeres Boot in der Nähe an und der Rancher lädt, für nur kleines Geld - Erwachsene 10, Kinder 5 AU$ -, zu einer Fahrt rund um die Bucht ein, auf der es zu Begegnungen mit Delphinen kommen soll. Entgegen vielfältiger Beteuerungen, dass hier wirklich fast jeden Morgen Delphine herkommen sollen, halte ich das alles für einen genialen Verkaufstrick vom Café- und Bootsbesitzer! So radeln wir wieder auf den CP zurück und nehmen ein verspätetes Frühstück ein. Vielleicht versuchen wir ja unser Glück noch ein anderes mal.
Am Abend treffen wir uns mit Ben und seiner Familie im Country Club zum Abendessen. Wir wollen uns doch alle mal von Lydia so richtig bedienen lassen und sind schon sehr gespannt. Der Club ist für einen Dienstagabend überraschend gut besucht und wir können uns davon überzeugen, dass sich Lydia ihr Geld hier wirklich hart verdienen muss.

15.12.2004

Da wir morgen nach Gympie fahren wollen, wo wir auch auf ein Internet-Café mit Anschlußmöglichkeit für unseren Lap hoffen, schreiben wir heute fleißig e-mails und bereiten ein neues Update unserer Seiten vor. Schon um 9.00 Uhr hatten wir über 30 °C im Schatten und unterbrechen deshalb unsere Arbeit immer wieder für einen Sprung in das kühle Nass des Pools.

16.12.2004

Gympie ist eine für Australien völlig untypische Stadt. Nicht nur das ständige Auf und Ab, sondern auch das verwinkelte Strassennetz erinnert eher an eine Gebirgsstadt in Europa. Mit dem Internet haben wir diesmal Glück, denn wir erwischen einen Breitbandanschluss und können so recht schnell unsere Seiten updaten.
Beim anschließenden Einkaufsbummel erwischen wir sogar frischen Kohlrabi, auch etwas seltenes in Australien. So selten, das der Kassierer uns fragt “was ist das?” und wir “hm, naja, in deutsch Kohlrabi, aber auf englisch ??”. Es folgt ein längeres Telefonat mit der Kassiererin fünf Kassen weiter, die so etwas offensichtlich schon mal gesehen hat. Dann unser Kassierer “ye, the name is K o h l r a b i”, was dafür spricht, dass das Grünzeug von irgendeinem deutschen Pionier hierher gebracht wurde.
Auf der Rückfahrt machen wir noch einen Abstecher durch die umliegenden Hügelketten, welche nach dem Regen der letzten Tage nur so vor Grün strotzen. Dank GPS finden wir uns doch recht gut auf den kleinen, unbeschilderten Strassen zurecht und sind kurz vor der Dämmerung wieder auf unserem CP.

17.12.2004

Der Stromanschluss verleitet mich zu reichlichen Computerstunden. Da kann man mal wieder einige Daten sichern und da und dort aufräumen (aber diesmal keine Systemdatei löschen !!). Unter Anderem macht es sich doch sehr störend bemerkbar, dass wir unsere Bilderordner immer im deutschen Format (Tag.Monat.Jahr) bezeichnen. Durch den Sortieralgorithmus wird dann nach Tagen geordnet und so alle Monate und Jahre durcheinander gewürfelt. Besser ist die Bezeichnung im englischen Format (Jahr_Monat_Tag), da so sehr schön aufsteigend sortiert wird. Aber in Anbetracht von mehreren hundert Ordner die da umbenannt werden müssen, verlässt mich erst einmal mein Enthusiasmus. Da bastle ich lieber einige Stunden an einem kleinen Programm, was mir diese stupide Arbeit abnimmt und am Abend habe ich es dann auch geschafft. In Windeseile bekommen unsere Ordner einen neuen Namen und wir Ordnung auf die Festplatte bzw. DVD.

18.12.2004

Das Wetter ist jetzt sehr angenehm. Nach der schwülen Hitze und dem Regen haben wir jetzt zwischen 26 und 30 ° C und eine kühlende Brise. Der CP ist noch herrlich ruhig (der Ferienansturm setzt erst nach dem 24. ein, dann ist hier alles ausgebucht !) und wir genießen das in vollen Zügen.
Cordula fährt Einkaufen, weil sie noch Zutaten für ihren Marzipankuchen braucht. Leider hat sie wenig Glück, denn Grieß kennt man hier wohl nicht so recht. Alles nur Fertigprodukte für die Kleinkinder !! Na da müssen wir sicher noch einmal nach Gympie fahren und gucken, ob wir da mehr finden.
Am Abend besuchen wir die örtliche Weihnachtsfeier und erwischen gerade noch zwei von den leckeren Würstchen mit Onien bevor diese alle sind. Der in Australien sehr aktive Lions Club sponsert die Veranstaltung, deshalb waren die Würstchen sehr preiswert und der Ansturm entsprechend. Danach gibt es ein wenig Krippenspiel und der Chor trägt  Weihnachtslieder vor, deren Text gleichzeitig auf einer großen Leinwand erscheint und so gibt es dazu ein "Gemeinschaftskaraoke".
Zum Abschluss werden einige Musikkonserven aufgelegt und ein örtlicher Popstar strapaziert dazu die Lautsprecherboxen, als würde er im Stadion singen. Da bei uns nicht nur die Trommelfelle zittern (bei Temperaturen unter fünfundzwanzig  Grad frösteln wir jetzt doch schon etwas) gehen wir langsam zurück zu unserem CP.

19.12.2004

Auf den Campingplätzen ist es üblich, ausgelesene Zeitschriften nicht wegzuwerfen, sondern für andere Interessenten zu hinterlassen. So hat Cordula wieder reichlich Lesestoff (auch nur Klatsch und Tratsch wie in europäischen Frauenzeitschriften) gefunden und ich habe den PC für mich alleine.
Am Nachmittag besuchen uns Lydia und Ben und natürlich bleiben sie auch zum Abendessen - es gibt Hefeklöße mit brauner Butter und wahlweise Blaubeeren oder Kirschsuppe. Cordula kommt mit dem Dämpfen der Klöße kaum hinterher, schließlich bekommt sie in unseren größten Topf maximal drei auf einmal hinein.

20.12.2004

Da Cordula unbedingt im offenen Meer baden möchte (Tin Can Bay liegt ja nur in einer weit ins Land reichenden Bucht), fahren wir heute nach Rainbow Beach. Es werden rund fünfzig Kilometer auf dem Motorrad, da wir ja um die ganze Bucht drumherum fahren müssen. Der so viel gepriesene Beach hat wunderbar feinen Sand, nur leider ist das Wasser voller abgestorbener Algen, was den Badespaß erheblich schmälert, aber bei 22 °C Wassertemperatur nicht überraschend ist.
So haben wir zum Schluss mehr Spaß an einem Bummel durch den Ort und einer großen Fruchtschale mit Vanilleeis.

21.12.2004

Wir unterbrechen unseren CP-Alltag heute nur für eine ausgedehnte Runde auf dem Fahrrad und nutzen die vielen gut angelegten Fuß- und Radwege des Ortes mit seinen ausgedehnten Grünflächen und Parks. Bei dieser Gelegenheit erledigen wir auch gleich unseren Einkauf. Nach dem abendlichen Gewitter, welches noch die halbe Nacht um Tin Can Bay gekreist ist, bleibt der Himmel heute bedeckt - zum Radfahren ideal.

22.12.2004

Meine externe Festplatte, auf der unsere ganze Musiksammlung in mp3 gespeichert ist, gibt langsam ihren Geist auf. Zu Beginn unserer Reise war sie mal runtergefallen und seitdem musste sie öfters mit einem Scanner bearbeitet werden, um Fehler zu beheben. Mittlerweile haben wir bald mehr gesperrte Cluster als freien Speicherplatz auf dieser Platte. Aus diesem Grund räume ich die am Meisten betroffene Partition leer und versuche diese neu zu formatieren - leider ohne Erfolg. Da diese Festplatte über USB angeschlossen ist, dauert der Transfer der Daten und das Formatieren entsprechend lange, so ist der Tag bald um, ohne sichtbare Erfolge.

23.12.2004

Das Internet-Café in Gympie ist eigentlich mehr ein PC-Shop, der die Vorführgeräte für zwei Dollar pro Stunde zum Surfen vermietet. Bei unserem ersten Besuch schien der Shop recht gut sortiert und so wollen wir heute dort nach einer neuen Festplatte schauen und gleichzeitig unsere Seiten updaten. Ich möchte diesmal aber keine rein externe Platte nehmen, sondern lieber eine, wie sie im Laptop verwendet wird. Über einen Adapter kann man diese mit einem USB-Kabel wie eine externe Platte anschließen. Das hat den Vorteil, sollte wieder einmal eine Startdatei fehlen oder beschädigt sein, kann ich die Platten einfach austauschen, vorausgesetzt auf beiden ist ein startfähiges System gespeichert. Nach einigen Hin und Her finden wir im Katalog des Händlers auch etwas geeignetes, eine 40 GB Festplatte und einen Adapter mit einem Aluminiumgehäuse, wo die Platte einfach eingeschoben wird für rund 150 Euro. Der Händler verspricht diese Teile bis morgen beschaffen zu können. Unsere Sorge wegen der Öffnungszeiten am Heiligabend sind schnell ausgeräumt - hier sind morgen die Geschäfte bis Mitternacht geöffnet und das nennt man Xmas-Shopping !

24.12.2004

Cordula bereitet für den Abend eine Gulaschsuppe vor und ich schiebe schon mal einige Dateien hin und her, um die defekte Platte zu räumen. Gegen Fünf machen wir uns wieder auf nach Gympie. Bei den dunklen Wolken am Himmel können wir nur hoffen, erst auf der Rückfahrt nass zu werden, denn mit nassen Klamotten in dem klimatisierten Laden zu sitzen, kann wirklich "krankmachen" und wir werden sicher etwas warten müssen. So ist es auch, als wir glücklicherweise trocken ankommen, war der Kurier noch nicht da. So warten wir noch eine Stunde und dann trudeln unsere Teile ein. Wir testen das Ganze nur kurz und machen uns so schnell wir können - und dürfen - wieder auf den Rückweg. Wir kommen auch trocken wieder an und ich mache mich gleich über die neue Platte her.
Später kommen Lydia und Ben zum Heiligen Abend bei Kerzenschein noch auf eine Suppe vorbei - schließlich muss jeder Tag mit deutscher Küche genutzt werden.

25.12.2004

Da ab morgen der CP - Platz ausgebucht ist, packen wir unsere sieben Sachen heute wieder ein. Das wird zwischen den einzelnen Regenschauern recht mühselig, denn es soll doch nichts feucht weggepackt werden. Aber auch das schaffen wir, schließlich haben wir ja den ganzen Tag Zeit. Wir werden noch ein paar Tage bei Ben’s Eltern mit unserem Zug stehen.

26.12.2004

Gegen Zehn ziehen wir um. Es sind nur acht Kilometer und so bleibt uns genügend Zeit, um mit Lydia und Ben zu schwatzen. Zum Abendessen spendieren Jon und Michelle (Ben’s Eltern) eine große Runde leckere Pizza. Morgen sind wir wieder mit Kochen dran.

27.12.2004

Am Vormittag lädt uns Ben zum Golf spielen ein. Seine Eltern sind Mitglieder auf diesem Platz und so kostet uns diese Erfahrung keinen Cent, denn außer beim "Mini-Golf" haben wir noch nie einen Schläger in der Hand gehalten. Glücklicherweise hat Cordula den Fotoapparat vergessen und so bleiben unsere "Luftschläge” und die Versuche den Golfplatz "umzugraben" nicht der Nachwelt erhalten.
Den späten Nachmittag verbringt Cordula mit Lydia in der Küche - letzte Einweisung in die Geheimnisse der deutschen Küche - beim Klöße und Gulasch kochen und ich habe den Laptop ganz allein für mich. 

28.12.2004

Da der Ausflug auf dem Golfplatz erstaunlicherweise doch da und dort etwas Muskelkater hinterlassen hat, machen wir am Nachmittag einen ausgedehnten Spaziergang zur Bucht. Das tut uns gut und wir bringen so zum BBQ gesunden Hunger mit. Jon hat ein paar ordentliche Steaks auf den Grill gelegt und mit reichlich gemischten Salat, lassen wir uns diese richtig gut schmecken.

29.12.2004

Cordula fährt noch einmal für das heutige Dinner einkaufen, denn Lydias und Bens Lieblingslektüre ist zur Zeit unser deutsches Kochbuch.  Ich bereite unsere Weiterreise vor, denn wir werden uns morgen für einige Monate von Lydia,  Ben und seinen Eltern verabschieden. Schließlich haben wir noch einiges vor, was wir uns hier in Australien anschauen wollen.

Als ich heute nach dem Frühstück die letzten Handgriffe zur Weiterfahrt mache und die Stützen der Kabine hoch nehme, muss ich feststellen, dass ein Hinterreifen am Landy platt ist. Also erst einmal Werkzeug raus und ein Rad wechseln. So verzögert sich unsere Abfahrt um eine Stunde. Nach 11.00 Uhr dann großes Abschied nehmen, zumindest für die nächsten Monate.
In Gympie habe ich wenig Lust, im Berg und Tal der Strassen einen Reifenservice zu suchen und so belassen wir es beim Einkaufen und dem obligatorischen Internetbesuch.
Wir kommen nach Kenilworth und gleich am Ortseingang ist ein Reifenservice. Während ich mich zusammen mit zwei Mitarbeitern um den Reifen kümmere (der ehemalige Ersatzreifen hat ja immer noch das viel gepriesene Notlaufsystem !!), schaut sich Cordula in dem kleinen, aber recht hübschen Ort um.
Mit viel Hauruck haben wir dann endlich das Notlaufsystem entfernt und den Reifen mit einem neuen Schlauch versorgt. Noch schnell wieder dorthin montieren, wo er hingehört - fertig.
Gemeinsam besuchen wir noch die Galerie Of Fine Arts und sind sehr überrascht, als uns die Galeristin in fließendem Deutsch die Ausstellungsstücke zu erklären beginnt. Sie ist Deutsche und hat sich vor sechs Jahren hier etabliert.
Da es mittlerweile schon später Nachmittag geworden ist, beschließen wir, im nahen Booloumba Creek, einer Campingarea im State Forest, zu übernachten. Das ist ein sehr schönes, etwas abgelegenes Plätzchen und wenn nicht gerade Schulferien sind, bestimmt auch sehr ruhig. Aber die zeitige Dunkelheit treibt auch die jugendlichen Camper gegen 10.00 ins Zelt und der reichliche Alkohol tut sein übriges dazu.

Wir rollen weiter Richtung Süden und müssen immer wieder feststellen, dass das Hinterland (ca. 100 Km von der Küstenlinie)  landschaftlich viel abwechslungsreicher und schöner ist als die, derzeit besonders stark frequentierte, Küstenregion. Vorbei an "The Glass House Mountains", welche wir in den nächsten Tagen auf den Motorrädern noch besuchen wollen, fahren wir zum Lake Somerset. Der CP am nördlichen Ende des Sees ist außergewöhnlich groß. Da das Gelände hügelig ist, kann man die Ausdehnung nicht überblicken. Man muss den Platz ablaufen oder besser abfahren, um sich einen Überblick zu verschaffen. Dabei gibt es viele Möglichkeiten einen Campingplatz zu finden, angefangen von direkt am Wasser bis mitten im Bush ist für jeden Geschmack etwas dabei. Wir bleiben in der Nähe des Eingangs, denn hier ist noch viel Platz und besonders Heute, wird es da und dort sicher recht laut werden. Glücklicherweise hat der Betreiber für die Silvesternacht einen DJ engagiert, so bleibt uns die "Vielstimmigkeit" aus allen Zelten erspart.

Schon lange wollte ich mal am Neujahrstag eine Motorradausfahrt machen, leider war es in Deutschland immer zu ungemütlich an diesem Tag. Hier in Downunder bei 28 bis 30° C kein Problem. Wir sind relativ zeitig auf den Beinen und bald auch auf den Rädern. Eine ideale Motorradstrecke führt rund um den Stausee, mal ganz dicht und mal streifen wir sogar die Vororte von Brisbane. Die Strecke ist gut ausgebaut und landschaftlich wunderschön, besonders über den Mount Glourius sehr steil und kurvig. Wir kommen so wieder zu "The Glass House Mountains", die ihren Namen von James Cook erhalten haben, der bei seiner Ankunft am 17.05.1770 an diesem Teil der Küste Australiens, durch die zwei bis fünfhundert Meter hohen, in der Landschaft verstreuten Felsen an Glasmanufakturen in England erinnert wurde.
Wir entspannen uns bei einem Eiscafé und eine lokale Karte verrät einige Offroad Strecken, die noch dichter an die Felsen heran führen. Natürlich verführt mich diese Aussicht zu einem kleinen Abstecher. Die Piste erweist sich teilweise als anspruchsvoll und macht viel Spaß. Zwei Wasserlöcher sind wirklich easy, nur Cordula mault etwas und lässt mich ihre Maschine durchfahren. Vor dem dritten Loch hätte mich das Wrack eines PKW schon warnen müssen, aber etwas leichtsinnig fahre ich, ohne vorher durch zu laufen, rein und versinke sofort bis über die Zylinder. Gemeinsam und unter grosser Kraftanstrengung gelingt es uns, die Maschine wieder aufs Trockene zu bringen. Nach dem ich das Wasser aus den Vergasern habe laufen lassen, springt sie auch nach einigen Fehlversuchen wieder an. Eben eine echte "Gummikuh". Zwei Yamahas (eine Kleine und eine Erwachsene) kommen von der anderen Seite und der große Bruder hilft uns, meine Maschine wieder zurück zu bringen. Aber selbst beim Schieben halb durch den Bush, versinkt die Maschine bis zu den Zylindern. Die beiden Yamahas ziehen dann doch den Rückzug vor. Etwas feucht bis zum Hintern und mit reichlich Wasser im Stiefel, machen wir uns auf den Rückweg. Cordula mault berechtigter Weise noch ein bisschen, immerhin musste sie beim Schieben den vom Hinterrad aufgewühlten Schlamm schlucken, aber nach einer erfrischenden Dusche samt Motorradkleidung lacht auch sie wieder über unseren kleinen Neujahrsausflug.

02.01.2005

Ein ausgesprochener Ruhetag ist nötig nach den gestrigen Strapazen und so verzichten wir auf einen weiteren Ausflug. Am Nachmittag packen wir wieder zusammen, denn morgen geht es weiter Richtung NSW.

Fällt in Australien ein Feiertag, wie z.B. die diesjährigen Weihnachtstage oder der Neujahrstag auf ein Wochenende, werden diese Feiertage an den ersten Arbeitstagen als Public Holiday nachgeholt. So ist der heutige Montag noch ein arbeitsfreier Tag und nur wer will, öffnet sein privates Geschäft, denn die strengen geregelten Ladengeschäftszeiten wie in Deutschland, kennt man hier natürlich nicht.
Wir reisen weiter auf dem New England Hwy durch die Darling Downs und passieren Toowomba, eine doch verhältnismäßig große Stadt, welche heute ruhig und verschlafen wirkt. Auf der Rest Area im kleinen Städtchen Allora  sind Camper willkommen und so wollen wir heute hier übernachten. Die Ortsbesichtigung beschränkt sich auf ein kleines Café, welches eher wie ein typisch englisches, mit viel Kitsch vollgestopftes Wohnzimmer aussieht. Cordula ist natürlich sofort begeistert und lässt sich im "Wohnzimmer" auf einen Eiscafé nieder.

Zum Frühstück besucht uns eine zweiköpfige Abordnung des Städtchens Allora und lässt uns nochmals wissen, wie sehr wir als Touristen hier willkommen sind und überreicht uns eine liebevoll zusammengestellte Sammlung mit Informationen des Ortes und Werbeschriften ortsansässiger Unternehmen. Wir sind beeindruckt und stellen fest, wie unterschiedlich man als Fremder doch aufgenommen werden kann.
Vorbei an Sonnenblumenfeldern und hübschen alten Farmhäusern mit kleinen Schornsteinen geht es nach Warwick. Eine übersichtliche Stadt mit hübschem Stadtzentrum, in dem besonders einige alte Sandsteingebäude hervorstechen. Wir bummeln und erledigen einige Einkäufe, dann geht es weiter auf schmaler kurviger Strasse über Killarney nach Woodenbong. Hier gibt es gleich neben dem Swimming Pool eine grüne Camping Area mit Duschen und Strom für die geringe Gebühr von 5,00 AUS$ pro Nacht. Das Schild am Ortseingang "Alkohol Freie Zone" weist darauf hin, das in dieser Community viele Aboriginals leben.
Ach ja, wir haben die Grenze zum Bundesstaat NSW überschritten und leben nun in der Sommerzeit, d.h. alle Uhren eine Stunde vorstellen und bei Telefonaten daran denken, nach Deutschland jetzt 10 Stunden und sogar zu unserer Tochter Lydia  1 Stunde Zeitunterschied !!

Woodenbong ist umgeben von mehreren Nationalparks und bietet somit schöne Tourist Drives, die natürlich besonders auf dem Motorrad Spaß machen. Also Motorräder abladen und die drückenden 32 Grad durch kühlen Fahrtwind erträglicher machen. Angenehm kühl wird es dann auch auf der schönen kurvigen Strecke durch den Regenwald des Toolom NP.  Die Toolom Falls plätschern dann zwar nur ein wenig vor sich hin, aber der Ort ist ein besonders mytischer Platz der Aboriginals.

Ein weiterer Tourist Drive führt über Kyogle, Wiangaree, Border Loop Lookout zurück nach Woodenbong. Als wir uns mit den Bikes auf diese Tour begeben, ist es sehr schwül und sieht wie in den letzten Tagen nach Regen aus, der aber letztlich immer ausblieb. Die Strecke ist sehr kurvenreich und führt bergauf und bergab durch die Border Ranges rund um den Mount Lindesay, besonders die alte Lions Road ist traumhaft schön! Auf den letzten Kilometern erwischt uns dann doch noch der eigentlich ersehnte Regen, aber auf den Motorrädern ist es doch halt etwas unangenehm, wenn das kühle Nass langsam bis auf die Haut durchdringt.

07.01.2005

Unsere Motorradanzüge sind gerade Mal trocken geworden, als wir uns wieder auf Tour begeben. Diesmal lösen wir unser Versprechen ein und besuchen Stefan (Cordulas Cousin) in seinem neuen Haus. Susan und Stefan haben sich quasi als Weihnachtsgeschenk ein neues Heim zugelegt und sind vor knapp zwei Wochen hier in Murwillumbah eingezogen.
Die rund 120 Km dorthin sind eine sehr schöne Motorradstrecke mit vielen Kurven und Steigungen. Die meiste Zeit fahren wir durch Wälder und Felder und das Wetter meint es diesmal gut mit uns, so dass wir auch trocken wieder auf unseren Platz kommen.

08.01.2005

Noch etwas Wäsche waschen und einpacken. Wir bereiten unsere Weiterfahrt vor. Nach dem Studium des Kartenmaterials haben wir uns entschlossen, die Blue Mountains bei Sydney und die Snowy Mountains südwestlich von Canberra zu besuchen und dort einige Runden auf den Bikes zu drehen, bevor wir Ende des Monats nach Melbourne weiterfahren.

Das Wetter hat sich nach dem Regen etwas abgekühlt und verspricht so gute Bedingungen zum Fahren. So sind wir gegen 9.00 Uhr schon unterwegs zum Bruxner Hwy, auf dem wir dann bis Tenterfield bleiben. Hier biegen wir auf den New England Hyw ein, der über die Range gleichen Namens bis Sydney führt. Die New England Range ist ein Gebirgszug der bis zu 1300 MN Höhe erreicht und landschaftlich doch sehr an Schottland erinnert. Diese Tatsache hat viele Celten in diese Gegend gelockt, was nicht nur an den Ortsnamen sichtbar wird. Wir bummeln durch Glen Innes und dort gibt es sogar ein "Australian Standing Stones" Areal, das inspiriert wurde von dem "Ring of Brodgar" in Orkneys Scotland. Auch die Dudelsackspieler fehlen nicht, um das Bild abzurunden.
Da uns unterwegs ein "Platter" am Landy aufgehalten hat, entschließen wir uns kurz nach Glen Innes auf einem Rastplatz zu übernachten. Hier sind auch die Temperaturen "schottisch". In rund 1000 Meter Höhe ist es in der Sonne heiß, aber im Schatten sind nur 22 °C (im Moment ist es 21.00 Uhr und wir haben gerade noch 13 °C). Da komme ich nicht einmal bei der Reifenreparatur ins schwitzen. Der Schlauch hat sich verabschiedet, offensichtlich sind die nepalesischen Gummis doch nicht so langlebig wie erwartet.

Mit 7,7 °C hatten wir die niedrigsten Nachttemperaturen auf unserer bisherigen Reise und das mitten im australischen Sommer ! Doch mit steigender Sonne wird es auch wieder angenehm warm und wir reisen weiter auf dem dem New England Hwy durch Armidale und vorbei an Tamworth. Armidale ist eine kleine reizende Stadt mit leicht schottischen Flair. Nach eigenen Angaben eine historische Stadt mit jungen Blut. Wir empfanden diese Charakterisierung durchaus zutreffend.
Ein geplatzter Reifen am Hänger kann uns inzwischen nur noch kurz aufhalten, soviel Übung haben wir nun doch schon beim Reifenwechsel. Schuld bin ich ja selber, weil ich die Reifen bis zur letzten Lage abfahren will. Dumm ist nur, wenn dann einer platzt der noch ringsherum Gummi hat und nicht der, an dem schon die erste Stahllage zu sehen ist. Na ja, nun müssen wir also schnellstens drei neue Reifen besorgen. Da wir Tamworth, die größte Stadt im Umkreis von 150 Km, schon passiert haben, hoffen wir morgen in einer der kleineren Städte auf einen Reifenservice.
So bleiben wir kurz vor Wingen auf einem kleinen Rastplatz für diese Nacht stehen. Fast gleichzeitig mit uns trifft hier ein Wohnmobil mit australischen Kennzeichen, aber österreichischen Reisenden ein. Das freundliches Ehepaar hat sich hier den Caravan gekauft und kommt jedes Jahr für einige Monate hier her, um ein weiters Stück Australiens zu erkunden. So wird es ein kurzweiliger Abend bei einigen Gläsern Wein und dem Austausch von Reiseerlebnissen.

11.01.2005

Wir verabschieden uns herzlich von den Beiden und fahren weiter auf dem New England Hwy der, sowohl landschaftlich als auch was die architektonische Gestaltung der Städte anbelangt, seinem Namen alle Ehre macht. Im Moment aber suchen wir sehr aufmerksam in jeder Stadt durch die wir fahren, nach einem Reifenservice, denn bald kommt eine lange Strecke ohne größere Ansiedlungen und es ist nicht sicher, wie lange die anderen Reifen am Hänger noch mitspielen. In Muswellbrook werden wir fündig. Leider gibt es aber keine 175R14 und die telefonische Umfrage in der nahen Umgebung hilft auch nicht weiter. So steigen wir auf 185R14 um, und machen den kürzlich erworbenen Reifen zum Ersatzreifen. Der bisherige Ersatzreifen hat zwar noch eine ganze Menge Profil, ist aber nun auch schon 7 Jahre alt und sehr porös.
Kurz vor 12.00 Uhr haben wir es dann geschafft und sind nun mit neu bereiftem Anhänger wieder unterwegs. Wir verlassen die New England Ranges und der Landy schnauft nun mitten rein in die landschaftlich ebenso schönen Blue Mountains. Nach einigen Stunden harter Arbeit am Lenkrad haben wir es dann geschafft und stehen am Lake Lyell bei Lithgow auf einem einfachen CP. Von hier aus werden wir in den nächsten Tagen mit den Mopeds die Gegend weiter erkunden.

12.01.2005

Nach dem Frühstück richten wir uns hier häuslich ein und nehmen die Motorräder runter. Am Nachmittag fahren wir nach Lithgow, um einige Besorgungen zu machen. Bei dieser Gelegenheit gehen wir auch noch online, diesmal wieder in einer sehr gut ausgestatteten Bücherei, wovon es fast in jeder Stadt eine gibt. Hier ist der Internetzugang meistens auch am preiswertesten.

Wir starten unsere erste Runde durch die Blue Mountains und fahren nach Hartley - eine "historische" Stadt - und rollen weiter zum Mount York. Über Mount Victoria geht es zum Mount Wilson und weiter zum Bowens Creek. Dort soll diese sehr schöne Strecke, welche meist durch mannshohe Farne und dichten Wald führt, an einer Brücke gesperrt sein. Aber das selbst zu erfahren, bleibt uns vorenthalten. Kurz vor dem Creek steht eine Triumph 900 und ihr Fahrer einsam am Strassenrand. Wir hatten bisher auf dieser Strecke auch noch keinen weiteren Verkehr getroffen. So halten wir natürlich an und fragen, ob wir helfen können. David erklärt uns, dass seine Maschine schlagartig ausgegangen ist und nun nicht mehr anspringt. Sprit u.s.w. hat er überprüft. Er ist ratlos und wir können ihm leider auch nicht helfen, denn von der Maschine habe ich überhaupt keine Ahnung. Ich vermute, dass es an der Zündspule liegt, weis aber auch nicht, wo die hier zu suchen ist, zumal es sich um eine Vollverkleidete handelt. Glücklicherweise hat David hier Funkkontakt und kann einen Freund per Handy um Hilfe bitten, aber es wird sicher ca. drei Stunden dauern, bis dieser aus Sydney mit Auto und Anhänger hier sein kann. Während Cordula ihm Gesellschaft leistet, fahre ich zurück nach Mount Wilson, der gleichnamigen Gemeinde und hole dem armen Kerl wenigstens eine Flasche Wasser und ein kleinen Lunch. Bei gut 35 °C im Schatten wird er das für die nächsten Stunden hier draußen brauchen.
Wir verzichten für heute auf den Creek und fahren zurück. Kurz vor Lithgow machen wir noch einen Abstecher zur Zick Zack Railway. Eine alte Dampflokomotive und ebenso alte Wagons fahren hier regelmäßig, für 20 Dollar pro Person, eine Runde auf der, wie ein Z ausgebauten Bahnstrecke.

Auch heute haben wir bereits gegen 9.00 Uhr 35 °C im Schatten, trotzdem oder gerade wegen des erhofften Fahrtwindes, der dann doch wenig Abkühlung bringt, reiten wir wieder unsere Gummikühe. Diesmal geht es zuerst zu den Jenolan Caves und dann zu den Kanangra Walls. Schon die große Haupthöhle, durch die die Strasse hindurch führt, ist sehr beeindruckend. Die kleineren, nur mit einer Führung zu erreichenden Nebenhöhlen, verlangen einen Fußmarsch von ein bis drei Stunden über viele Stufen, sehen jedoch auf den bunten Werbefotos viel versprechend aus. In unserer Motorradkluft haben wir dazu aber wenig Lust, obwohl in den Höhlen Temperaturen von nur 15 °C herrschen sollen. Auch die Preise für die Führung sind, wie alle Eintrittspreise in OZ, happig. Für eine schöne Runde muss man schon 25 Dollar pro Person hinlegen.
So begnügen wir uns mit einem kleinen Rundgang und nehmen uns vor, vielleicht noch einmal mit Wechselkleidung und ausreichend Zeit hierher zu fahren.
Der Weg zu den Kanangra Walls führt über 30 Km Piste oder wie man hier richtig sagt "dirty road". Die Hitze macht uns dabei auch ganz schön zu schaffen. Dafür entschädigt der Anblick der tiefen Sandstein Schluchten.
Nach knapp 200 Km, davon 80 auf der "dirty road", stehen wir wieder etwas staubig und verschwitzt auf unserem Platz. Dafür hatten wir aber eine Menge Fahrspaß !

Am Nachmittag fahren wir in leichter Kleidung auf einem Moped nach Katoomba. Wir wollen uns die Stadt anschauen und hoffen auf die Nachmittagssonne und auf ein paar schöne Ausblicke vom Echopoint auf die drei Schwestern. Das Wetter meint es aber gar nicht gut mit uns und dicke Regenwolken ziehen auf. Wir flüchten in ein Café in der Hoffnung, dass sich der Regen bald verzieht. Nach rund anderthalb Stunden müssen wir einsehen, das sich die Regenwolken zwischen den Schluchten sehr wohl fühlen und machen uns in einer Regenpause auf den Heimweg. Der Regen hat Abkühlung gebracht und nur im T-Shirt wird es empfindlich kühl. Und dann holen uns die Wolken doch noch auf halben Weg ein. Nass bis auf die Haut und mit reichlich Wasser in den Turnschuhen kommen wir im strömenden Regen auf unseren Platz an. Die nassen Klamotten lassen wir gleich draußen auf der Leine und mummeln uns in unsere Bademäntel ein und ein großer Whisky - natürlich als Medizin - soll gegen einen eventuellen Schnupfen vorbeugen. Aus unserer Kabine heraus bedauern wir die Zelter (dabei denken wir auch über unseren bevorstehenden Trip mit den Bikes und Zelt nach Tasmanien nach) und werden mit einem sehr schönen Regenbogen über dem Lake Lyell entschädigt.

16.01.2005

Den Schnupfen scheinen wir erfolgreich verhindert zu haben, sind aber zu weiteren Unternehmungen heute nicht aufgelegt, zumal es kalt und trübe ist, nachdem es in der Nacht noch einmal wie aus Kannen gegossen hat. Cordula versucht sich am Nachmittag beim Brötchen backen. Ich bin sehr gespannt, was wir heute Abend essen werden.

17.01.2005

Wir haben Brötchen gegessen zu unserer leckeren Garnelensuppe. Allerdings waren die Brötchen etwas klein und hart. Und was sagt die Hausfrau in dieser Situation : "Die Hefe ist schuld, ist wohl überlagert". Aber auch ich hatte einige Probleme auf unserem Gasgrill 180 °C Umluft hinzukriegen. Na ja, der nächste Versuch wird sicher besser.
Der Regen hält an und die Wolken hängen direkt über dem See. Es hat sich auf 14 °C abgekühlt und so ein Temperatursturz ist immer sehr unangenehm. Trotzdem fahren wir am Nachmittag nach Lithgow zum Einkaufen und ins Internet. Die Wolken liegen quasi auf der Strasse und wir sind froh, wieder unsere Kabine einigermaßen trocken erreicht zu haben.

Es bleibt kalt und bedeckt aber trocken. So können wir ohne den üblichen Schweiß, in aller Ruhe einpacken. Am späten Nachmittag beginnt es aufzuklaren und verspricht für Morgen wieder angenehmere Temperaturen.

19.01.2005

So ist es auch. Am Himmel keine Wolke und Temperaturen um 30 °C. Wir fahren durch ein reines Getreideanbaugebiet mit viel Schafzucht. Dabei bewegen wir uns langsam abwärts von 1200 auf 250 MN durch eine abwechslungsreiche Hügellandschaft. Nach rund 300 Km erreichen wir den Hume Hwy, von welchem wir nach weiteren 100 Km in Richtung Snowy Mountains abbiegen. In Adelong stoßen wir auf den Snowy Mountains Hwy und finden direkt im Ort einen kleinen CP. Der Ort ist übersichtlich und in zehn Minuten erkundet. Wir wollen unseren Landy nicht unbedingt weiter in die Berge treiben und werden deshalb von hier einige Motorradtouren in die Umgebung unternehmen, die wir ja schon von unserer Reise 1998/99 etwas kennen.

20.01.2005

Irgendwie ist uns die Kaltfront oder wir ihr gefolgt, jedenfalls beginnt es in der Nacht zu regnen und wir haben wieder nur Tagestemperaturen um 15 °C. Die ständigen Gewitter halten uns den ganzen Tag in unserer Kabine fest, nur am späten Nachmittag gelingt uns ein kurzer, aber trockener Spaziergang.

21.01.2005

Die Sonne lacht wieder am Himmel und wir stöhnen unter dem ständigen Ab und Auf der Temperaturen.  Cordula kümmert sich erstmal um die Wäsche, die gestern einen zusätzlichen Spülgang vom Himmel bekommen hat. Dann packen wir aus und nehmen die Mopeds vom Hänger. Eine kurze Tour lohnt nicht mehr und Cordula überzeugt mich, in Anbetracht meines nach 12.500 Km nicht mehr vorhandenen Reifenprofils, dass es eigentlich besser ist, die Reifen jetzt zu wechseln, wo ich sie auf einigen kurvenreichen Bergstrecken noch einfahren kann. Also ist wieder einmal Reifenwechseln angesagt und so habe ich am Nachmittag ausreichend zu tun.

Zum zweiten Mal besuchen wir die Yarrangobilly Caves. Hier waren wir auch schon vor sechs Jahren, hatten aber damals eine Höhle, die ohne Führung frei zu begehen ist, gewählt. Diesmal gehen wir geführt mit einer Gruppe in die wohl ausgeprägteste Tropfsteinhöhle der insgesamt 306 Höhlen in dieser Gegend. Für Touristen begehbar sind aber nur drei dieser Naturschauspiele, in denen es vor Stalaktiten und Stalagmiten nur so wimmelt. Es ist sehr beeindruckend was die Natur hier in Jahrmillionen geschaffen hat und der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Die beiden Strecken auf dem Snowy Mountains Hwy sind für meine neuen Reifen genau das Richtige. Der Hwy ist gut ausgebaut und so macht das Fahren bergauf und bergab durch viele Kurven riesigen Spass. Nur auf die vielen Kängurus, die gerne mal die Strassenseite wechseln, muss man hier sehr aufpassen. Aber auch das kennen wir schon von unserem ersten Besuch in den Snowy Mountains, damals leider eine schmerzliche aber glimpfliche Erfahrung für unseren Freund Tom.

23.01.2005

Da der Himmel es wieder vorzieht, sich mit Wolken zu verhängen, habe ich Gelegenheit, fast den ganzen Tag am PC zu verbringen. Für zwei Dollar haben wir für vierundzwanzig Stunden "Strom aus der Dose" zugekauft, da der PC unseren Solarenergiehaushalt überstrapazieren würde. Während Cordula in Harry Potter V schmökert, kann ich in Ruhe ein Update vorbereiten und auch mal ´ne Runde Skat dreschen.
Am späten Nachmittag machen wir einen kleinen Spaziergang zu den Adelong Falls. Eigentlich sind das eher nur ein paar Steine im Bach, aber die Runde ist eine schöne Abwechslung und macht Appetit auf das Abendessen.

Fast auf den Tag genau nach sechs Jahren, starten wir heute unsere "Tom und das Känguru" Gedächtnisfahrt auf den Bikes durch die Snowy Moutains. Um es vorwegzunehmen, Toms GS, welche ja jetzt Cordula fährt, hat an der ehemaligen Unfallstelle nicht "gescheut" und nur ein Känguru musste noch kurz vor uns über die Strasse, obwohl es uns schon eine ganze Weile kommen sah. Wir schwelgen also in Erinnerungen und genießen es, die große Runde durch die Snowys, die wir damals so abrupt abbrechen mussten, nun in ihrem ganzen Ausmaß zu drehen. Am Fuß der Snowys werden auf riesigen Plantagen, oft mit Netzen wegen der Vögel abgedeckt, Äpfel angebaut, die jetzt auch bald reif sein werden. Dann geht es hinein in ein ausgedehntes Waldgebiet und durch viele, viele Kurven hinauf bis auf knapp 1900 MN. Bereits bei rund 1700 Metern ist hier in Australien die Baumgrenze, was mit den starken Tag Nacht Temperaturgefälle zu tun hat. Einzigartig sind die vielen Seen in diesem Gebiet. Dabei handelt es sich sowohl um natürliche Seen, als auch um gestaute Flüsse. Das Besondere ist, das sie sich alle in unterschiedlichen  Höhen befinden und durch ein Tunnel- und Röhrensystem miteinander verbunden sind. So wird in drei Wasserkraftwerken Energie produziert und der Wasserhaushalt für die Region reguliert.
Nach dem wir dem Mt. Kosciuszko, mit 2228 Metern die höchste Erhebung Australiens, soweit es auf den Mopeds geht, nahegekommen sind, etwas Restschnee, der an Weihnachten hier runter gekommen sein soll, bewundert haben, suchen wir uns in Jindabyne eine Bleibe für die Nacht. Natürlich beenden wir diesen denkwürdigen Tag gebührend bei Miesmuscheln und einer Flasche Weißwein bei der besten "Italienerin" der Stadt.

25.01.2005

Nach einem ausgiebigen Frühstück verlassen wir Jindabyne und fahren weiter über Berridale zum Snowy Hwy. Kurz vor Kiandra verlassen wir den Hwy wieder und fahren wieder rauf bis kurz vor Cabramurra, der höchst gelegensten Stadt Australiens. Von dort geht es zurück in die niedrigeren Gefilde und "Heim" zu unserer Wohnkabine. Nach fast 650 Km sind wir wieder gesund und munter hier angekommen und hatten in den zwei Tagen viel Spaß auf unseren Bikes.

26.01.2005

Da heute Feiertag (Australian Day) ist, hat alles geschlossen und deshalb können wir nicht viel erledigen. So sortiert Cordula Bilder für das Update und steckt unsere Motorradkluft in die Waschmaschine. Nach zwei Jahren und bisherigen Wäschen nur unter der Dusche, haben die das auch dringend nötig.
In letzter Zeit ärgert mein rechter Zylinder an der GS etwas. Verrußte Zündkerze und spürbarer Leistungsabfall, was auch mittels Gemischregulierung nicht behoben werden konnte, haben meine Abneigung an Sachen rum zu schrauben, von denen ich wenig Ahnung habe, besiegt. Bewaffnet mit "Kochbuch" und einem Sammelsurium an Werkzeug geht es los mit der Vergaserreinigung. Im Nachhinein muss ich sagen, ich hätte mich schon viel früher daran trauen sollen, denn schon in Malaysia gab es erste Anzeichen. Hauptursache dürfte der Schmutz in dem Bereich zwischen Hauptdüse und Zerstäuber gewesen sein. Ich denke es lohnt auch nach den anderen Vergasern zu schauen, aber nun wo ich weiß, wie es geht, will ich mich vorher noch um ein paar Ersatzteile, wie Dichtungen und O-Ringe kümmern. Jedenfalls läuft meine GS nun wieder deutlich besser - nach soviel Arbeit sollte das wohl auch so sein.

27.01.2005

Am Vormittag fahren wir nach Tumut und aktualisieren unsere Internetseiten. Nach dem obligatorischen Einkauf für die nächsten Tage fahren wir zurück und packen am Abend langsam unsere sieben Sachen wieder zusammen. Morgen wollen wir in Richtung Melbourne weiter fahren.

28.01.2005

Die rund 500 Km nach Melbourne gestalten sich zäh und eintönig, was weniger an unserer Geschwindigkeit, als an dem breiten und gradlinigen Hume Fwy liegt. Auch Landschaft und Wetter tragen nicht zu einer besseren Stimmung bei. Die Berge begleiten uns ständig in weiter Ferne und als wir kurz vor Melbourne sind, öffnet der Himmel zu allem Überfluss seine Schleusen. Da man hier in Australien kaum "Wohnsilos" kennt, erstreckt sich eine Stadt wie Melbourne mit ihren tausenden Einfamilienhäusern über eine gewaltige Fläche. Allein vom nördlichen Stadtrand bis ins Centrum sind es ungefähr 25 Kilometer !
Glücklicherweise haben Heidi & Bernd, die z.Zt. bei Brian & Shirley wohnen, schon einen CP für uns gesucht und uns die GPS-Daten per SMS durchgegeben. So finden wir, dank der Technik, unseren Platz für die nächsten Tage auf Anhieb. Die Mopeds nehmen wir gleich noch runter und gönnen uns anschließend einen Besuch in einer Pizzeria im Stadtteil "Heidelberg".

Heute haben wir uns mit Heidi & Bernd verabredet. Wir fahren mit dem Moped nach GPS, da wir weder Anschrift noch Nachnamen von Brain & Shirley, die wir auch schon in Goa getroffen hatten, haben. Als wir die angegebene Position erreicht haben, regnet es in Strömen, aber von den Beiden keine Spur. Nach einer halben Stunde vergeblicher Suche liegt der Verdacht nahe, dass ich einen Fehler bei der Eingabe gemacht haben könnte. Die SMS ist noch nicht gelöscht und so der Zahlendreher schnell gefunden. Als wir einige hundert Meter weiter endlich das richtige Haus finden, ist die Wiedersehensfreude auf beiden Seiten groß. Brian & Shirley haben eine Verabredung bei Freunden und so wird bei einem BBQ mit H & B bis spät in den Abend erzählt und Erfahrungen und Erlebnisse ausgetauscht.

30.01.2005

Während Cordula sich mit Wäschebergen rumschlägt, wechsle ich an der Hinterachse des Landy einen Flansch, der sich auf den letzten Metern kurz vor dem CP verabschiedet hatte. Reine Routine bis ich die letzte Schraube anziehe, mit viel Gefühl wie ich meine und trotzdem macht es "knack" und ich darf wieder einmal einen Gewindestumpf ausbohren - auch dies reine Routine.

31.01.2005

H & B haben bei dem Haus- und Hofmechaniker von Brain (BMW R 1050 GS), Reifen für ihre KTM´s bestellt und wollen diese heute dort abholen. Wir hängen uns gleich dran und fahren mit ihnen dorthin, denn wir planen ja einen längeren Motorradausflug nach Tasmanien und unsere Bikes brauchen dafür noch etwas Pflege. Während Bernd seine neuen Metzeler Enduro 3 aufgezogen bekommt, diktiere ich dem Meister meine Ersatzteilbestellung und vereinbare mit ihm einen Termin für Freitag, damit er unsere Vergaser synchronisiert. Außerdem braucht Cordulas GS neue Dichtungen für die Stoßdämpfer und an meiner GS müssen Ventile und Kipphebel eingestellt werden. Alles Sachen, für die ich weder Gerät noch Ahnung habe. So werde ich meine Aktivitäten bis dahin auf die Reinigung der restlichen Vergaser und Öl- und Filterwechsel beschränken.
Zum Dinner haben wir uns mit H & B, sowie Brian, Shirley und einem weiteren Freund der Beiden in einem indischen Restaurant verabredet. Bei Nan Tandori Chicken oder Lammcurry werden Reiseerinnerungen an Indien geweckt und jeder gibt seine Lieblingsstory zum Besten. Aber alle sind wir uns einig, dass uns das Fleisch "boneless" sehr viel besser schmeckt.

01.02.2005

In der nächstgelegenen Bücherei recherchieren wir per Internet die Fährverbindungen nach Tasmanien. Wie wir schon früher heraus gefunden haben, wird eine Überfahrt mit dem gesamten Zug viel zu teuer. So entscheiden wir uns für die "preiswertere" Variante und fahren nur mit den Bikes nach Tasmanien. Leider sind trotz Schulferienende die Fähren immer noch ständig ausgebucht, was wohl in der Hauptsache an der großen Segelregatta, dem Hobart-Cup, liegen dürfte. Als wir bei einem Reisebüro unsere Tickets buchen, müssen wir hinnehmen, dass vor dem 19.02. keine Überfahrt mehr zu bekommen ist. So buchen wir für den 19. und haben nun genügend Zeit, um uns in Melbourne und Umgebung umzusehen.
Am Nachmittag wechsele ich noch an meiner GS Luft- und Ölfilter inklusive Motoröl.

02.02.2005

Der "Jahrhundert Sturm" und Regen hat ja sogar in Deutschland Schlagzeilen gemacht. Es soll der Schlimmste in Victoria seit der Wetteraufzeichnung gewesen sein. Wir haben davon nur den Regen und den Temperatursturz mitbekommen, da der CP  in einem Tal liegt und so etwas geschützt ist. Aber es regnet so heftig, dass wir es vorziehen, unseren Werkstattermin zu verschieben. Das Thermometer zeigt gerade noch 12 °C an und so müssen wir das erste Mal auf unserer Reise unsere Warmwasserheizung in Betrieb nehmen. Da wir hier einen Platz mit Stromanschluss nehmen mussten, brauchen wir dazu nicht einmal Gas, sonder nutzten die 2000 Watt Heizstäbe.
So bleibt mal wieder genügend Zeit zum lesen.

03.02.2005

Der Regen bleibt uns auch heute erhalten. In einem lichten Moment, der Wetterbesserung anzukündigen scheint, fahren wir zur  Werkstatt, um unsere Ersatzteile abzuholen. Nach wenigen Kilometern holt uns der Regen wieder ein und wir weichen durch bis auf die Haut. Am Schlimmsten sind die starren Finger. So etwas kennen wir seit zwei Jahren nicht mehr. Richtig durchgefroren kommen wir wieder auf unserem CP an und freuen uns über unsere schöne Heizung.

04.02.2005

Mit Lesen vertreiben wir uns die Zeit am Vormittag. Es regnet mal mehr und mal weniger. Als es am Nachmittag etwas aufklart, beginne ich meine Vergaser auseinander zu nehmen. Da ich nun neue Vergasernadeln und Dichtungen habe, werden sie nicht nur gereinigt, sondern richtig überholt. Da aber unsere Maschinen ja jeweils zwei Vergaser haben, ist das eine Menge Arbeit.

Gegen Mittag habe ich meine GS wieder komplett und einigermaßen eingestellt. Die Feineinstellung und Synchronisation soll ja in der Werkstatt gemacht werden. Dann kommt Cordulas Maschine dran. Erst einmal Öl- und Filterwechsel. Cordula hat währenddessen wieder einen Waschtag und kümmert sich um den "Hausputz".
Am Abend sind wir bei Shirley und Brian eingeladen. Es ist die erste Party in ihrem neuen Haus und Shirley hat in drei Tagen einen runden Geburtstag zu feiern. Viele Freunde sind gekommen und alle sind überrascht, als ein Pfarrer kommt und eine Zeremonie vorbereitet. Nach 16 Jahren Ehe erneuern Shirley und Brian feierlich ihr Eheversprechen im Beisein von Verwanden und Freunden.
Eine Besonderheit hat diese Party für uns. Zwar sind wir auch gewohnt zu diesem Anlass etwas zum Trinken beizusteuern, aber in Australien bringt nicht jeder etwas, sonder jeder das, was er trinken möchte zu einer Party mit. So stehen bald viele große und kleine Kühlboxen herum und jeder Gast weiß, wo er sein Getränk findet.
Wir treffen zufällig auch Alec wieder, den wir aus Ulmarra vom Bikertreffen der Horizons Unlimited Motorcycle Travellers kennen. Er reiste mit seiner "Gummikuh" im letzten Jahr von Europa (verbrachte auch einige Tage in Leipzig !) nach Kasachstan, weiter durch Pakistan, Iran und durch die Türkei sogar bei Eis und Schnee zurück nach Europa. Natürlich haben wir uns viel zu erzählen und er und seine Frau Vicki  laden uns spontan ein, ein paar Tage bei ihnen zu verbringen.

06.02.2005

Es bleibt heute trocken und ich kann bei Cordulas Motorrad die Vergaser überholen. Es macht sich bemerkbar, dass ihr Bike rund 20.000 Kilometer weniger auf dem Tacho hat, denn es findet sich bedeutend weniger Schmutz und Verschleiß. Als auch ihre Maschine endlich wieder läuft, fahren wir zusammen in die nächste Waschanlage und putzen unsere Bikes mal wieder richtig, nachdem mit "Hochdruck" der gröbste Schmutz entfernt ist.

Wir sind ab 9.30 Uhr in der Werkstatt von Phillip Marshall - K & R Motorcycle Service. Er betreibt eine unabhängige Werkstatt und schraubt  ausschließlich an Motorrädern der Marke BMW. Phil hat die meisten Teile besorgen können und so beginnen wir mit der Arbeit an meiner Maschine, die etwas laut "nagelt". Da das Problem auch nach Einstellung von Vergasern, Ventilen und Kipphebeln nicht verschwindet, schrauben wir zum Leidwesen von Cordula, die sich trotz der vielen Motorradzeitschriften langweilt, weiter und wechseln die Steuerkette und deren Andruckhebel. Um dorthin zu kommen, müssen erst einmal Lichtmaschine und Zündverteiler raus. Am Aufwendigsten ist das Entfernen der alten Dichtung, die durch die Hitze fest angebacken ist. Als wir alles wieder zusammen haben, läuft das Bike genauso laut wie vorher. Also noch mal alles auseinander nehmen - Cordulas Gesicht wird immer länger - und den Schmutz (Reste der alten Dichtung) aus dem Öltrichter des ölgedämpften Kettenspanners entfernen. Danach haben wir leichte Fortschritte was die Laufkultur anbelangt zu verzeichnen. Da es zwischenzeitlich schon weit nach Feierabend ist und auch Cordulas Geduld erschöpft ist, beschließen wir den Rest an Arbeit - Cordulas Maschine - auf Morgen zu verschieben.
Phil bemüht sich sehr um unsere Bikes, ganz im Gegensatz zu dem, was Alec passierte, als er auf seiner Reise im vorigen Jahr in Leipzig bei der BMW Niederlassung nach ein paar Ersatzteilen nachfragte. Kurz und knapp wurde ihm erklärt, man habe für seine alte Maschine keine Ersatzteile, sondern nur für neue Modelle. Alec fährt eine R 100 GS !! Wir haben uns für unsere alte Stammwerkstatt schon ein wenig geschämt.

08.02.2005

Schon seit dem frühen Morgen reget es wieder ununterbrochen. Wir rufen in der Werkstatt an, um Phil zu sagen, dass wir erst am Nachmittag kommen, wenn es etwas aufklart. Als wir es dann tatsächlich trocken (wir haben die Regenkombis angezogen, dann scheint für gewöhnlich die Sonne) bei ihm ankommen, ist Cordulas Maschine fertig. Zum  Abendessen sind wir mit Shirley, Heidi, Brian und Berd verabredet. Wir fahren gemeinsam in ein japanisches Restaurant und essen natürlich Sushi. Es wird ein sehr schöner, lustiger Abend. Brian lädt uns für das Wochenende zu einer Motorradausfahrt mit dem "Front Line Tourers M/C Inc" ein. Das ist der "Australian Emergency Services Motorcycle Touring Club", also alles Polizisten, Feuerwehrmänner und Rettungsfahrer etc. Es geht natürlich in die Berge, rund 550 Km östlich von Melbourne. Heidi und Bernd fahren auch mit und so sind wir in diesen drei Tagen nicht die einzigen "lahmen Enten" in der Truppe von Sportmaschinen und -tourern.

09.02.2005

Wir machen wieder eine Art Stadtrundfahrt auf dem Bike. Erst zu Alec, um uns umzusehen, ob wir mit unserem Zug tatsächlich in der doch sehr Zentrums nahen Strasse ein paar Tage stehen können, dann zum Campingshop, um ein paar Motorrad Packrollen zu erstehen. Hier gehen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge wieder raus. Heute gibt es auf Alles 30 % Rabatt und so sparen wir 30 Dollar bei diesem Einkauf, vor einigen Tagen haben wir aber hier Campingkocher und -geschirr gekauft und hätten rund 100 Dollar sparen können !!
Zum Schluss suchen wir noch nach einem Reparaturset für Bowdenzüge und haben tatsächlich Erfolg. Nicht ganz "Louis", aber fast so gut und deutlich preiswerter. So kommen heute in dieser Stadt schnell 80 Km auf dem Tacho zusammen.

10.02.2005

Da wir unseren Zug nicht für 26 Dollar pro Nacht auf dem CP stehen lassen wollen, packen wir zusammen. Dabei gilt es, einiges für den Ausflug in die Berge auf die Bikes umzupacken. Wir machen ja nun quasi eine Testfahrt zu unserer Testfahrt nach Tasmanien, welche wiederum als Test gedacht ist, für unseren 6 Monate Trip mit den Bikes im September nach New Zealand. Dabei geht es hauptsächlich darum, wie wir Alles verstauen können und was wir zu brauchen glauben. Schließlich haben wir mit unserem Zug zwar Gewichts- aber keine Platzprobleme.

11.02.2005

Unser Umzug zu Shirley & Brain ist selbst für Melbourne nur ein Katzensprung. So treffen wir noch H & B kurz bevor die Beiden abfahren. Sie wollen sich in Moe mit einem deutschstämmigen Mädchen treffen, dass sie unterwegs kennen gelernt haben. Dabei sind sie auch etwas froh, auf diese Art nicht die ganzen 540 Km am morgigen Tag mit den "schnellen" Front Linern fahren zu müssen. Wir sehen uns also schon Morgen in Moe wieder und so gibt es nur ein kurzes "see you later" zum Abschied. Am Nachmittag haben wir ausreichend Zeit unsere Mopeds für die Tour vorzubereiten.
Der Abend gehört S & B, die uns zu Spagetti Bolognaise eingeladen haben. Wir revanchieren uns mit dem entsprechenden Rotwein und Antipasti. Es wird ein langer, aber sehr angenehmer Abend.

Wir müssen früh raus, denn scharfer Start ist für 8.00 bei Mc Donalds angesagt und bis dahin geht es erst einmal ein paar Kilometer durch Melbourne. Der Himmel ist mit dicken Regenwolken verhangen und wir zwängen uns ein Mal mehr auf dieser Reise in unsere Regenkombis.  Als wir losfahren wollen, hat Cordula Probleme ihre Maschine zu starten. Erst als die schon etwas betagte Batterie fast am Ende ist, springt sie an. Bald schon fallen die ersten dicken Tropfen und wir  freuen uns auf den Café bei Mc D. Mit uns trudeln tatsächlich so um die 30 Maschinen, überwiegend "Japaner", ein.
Nach kurzer Instruktion geht es auch pünktlich los. Die Strecke ist aus überwiegend kurvenreichen Landstrassen zusammen gestellt und so muss oft abgebogen werden. Um die vielen Bikes trotzdem zusammen zu halten, gibt es ein ganz simples Prinzip. Der Erste und der Letzte sind absolut festgelegte Plätze, dazwischen das Feld mit wechselnden Positionen. An Kreuzungen, an denen die Hauptstrasse verlassen wird, muss jeweils der zweite Fahrer vor und der dritte Fahrer hinter der Kreuzung warten, bis der Letzte in Sicht kommt und sich vor ihm wieder einreihen. So geht niemand verloren, die Fahrroute ist gekennzeichnet und  die ganz Schnellen haben auch, wenn sie das eine oder andere Mal an einer Kreuzung warten müssen, beim Aufholen wieder ihren Spass.
Beim Tankstopp in Moe stossen wie verabredet H & B zu uns. Als wir die ersten Berge hinter uns haben, klart es langsam auf und wir können uns aus den Kombis pellen. Wir lassen uns vom allgemeinen "Jagdfieber" nicht anstecken, sondern bleiben bei einem, unseren alten "Gummikühen" angepassten Tempo. Und das ist gut so, denn die Bilanz am Schluss der Ausfahrt ergibt, dass zwei Bikes aus den Kurven "geschusselt" sind. Glücklicherweise gab es keine schwerwiegenden Verletzungen und der Verlust am Material war zu verschmerzen.
Trotz zügiger Fahrt genießen wir die landschaftliche Schönheit der Strecke durch die "Great Dividing Range", sind aber auch ganz schön geschafft, als wir am späten Nachmittag in Mt. Beauty (knapp 1800 MN) endlich ankommen. Dort warten schon die anderen Mitglieder des Clubs aus NSW und A.C.T. mit dem Dinner auf uns. Also schnell Zelt aufstellen und duschen. Aber dann wird es doch noch ein langer Abend bei viel Wein und Bier.

Unsere erste Nacht in unserem "Notzelt" auf dieser Reise ist doch etwas ungemütlich, weil ungewohnt. Trotz Thermomatte und Schaumstoffunterlage bleibt der Untergrund etwas hart. Dafür scheint am Morgen dann die Sonne und es verspricht ein schöner Tag zu werden.
Nach dem Frühstück teilt sich die Truppe auf. Für die Sportler gibt es eine Runde auf Asphalt und für die geländegängigen Maschinen (das ist die kleinere Gruppe und wird zu über 50 % von uns vier ausländischen Biker gebildet) eine Offroadstrecke durch die Berge. Durch eine landschaftlich sehr reizvolle Umgebung geht es über den Mt. Bogong (rund 2000 MN), Falls Greek, dem Rocky Valley Reservoir, Glen Valley nach Omeo. Auf dem Rückweg halten wir in Anglers Rest, wo uns ein ausgezeichneter Lunch erwartet.
Viel zu müde und zu satt geht es dann zurück nach Mt. Beauty. Der CP ist wirklich sehr zu empfehlen, weil er landschaftlich sehr reizvoll an einem kleinen Fluss gelegen ist und wirklich viele Aktivitäten anbietet.
Nach dem Dinner machen wir uns über den "Lambrusco" von H & B her, denn niemand will den Wein wieder zurück nach Melbourne mitnehmen. So sind wir fast die Letzten die sich zur Ruhe begeben, haben aber auch die nötige "Bettschwere" für unser Zelt.

Pünktlich um 9.00 Uhr ist wieder scharfer Start zurück in Richtung Melbourne. Da H & B ihre KTM´s noch Quarantänefein für New Zealand machen müssen, lassen wir mit ihnen die diversen Pausen ausfallen und fahren durch. Da das Startproblem bei Cordulas GS anhält (wir mussten jeden Morgen Starthilfe in Anspruch nehmen) will ich die Zeit am Nachmittag nutzen, um der Sache auf den Grund zu gehen.
Der Rückweg führt uns auf der nördlichen Seite der "Great Dividing Range" vorbei wieder hinein nach Melbourne. Nach dem wir erst einmal den Staub von unseren Bikes gewaschen haben, machen sich Heidi und Bernd an die "Feinwäsche" sowie den Kettenwechsel und ich beseitige meinen Fehler an Cordulas Kaltstartvergaser. Bei der Reinigung beider Vergaser hatte ich diesen vertauscht, ohne zu bemerken, dass es da Unterschiede zwischen links und rechts gibt. Bernd hilft mir dann noch Cordulas Vorderreifen zu wechseln, was ja bekanntlich durch die Schlauchlosfelge nicht so einfach ist. Ich revanchiere mich bei Heidis Vorderreifen, der aber viel leichter (Normalfelge) zu montieren ist.
Zwischenzeitlich sind auch Shirley & Brian angekommen und Alec kommt mit Daniel, einem Schweizer Motorradreisenden, der bei Alec z.Zt. Gastfreundschaft genießt, auch noch zu Besuch.

Wir packen unsere Motorräder wieder auf und nachdem wir uns von den noch immer putzenden H & B verabschiedet haben , ziehen wir für die restlichen Tage, bis zur Abfahrt unserer Fähre nach Tassi, zu Alec um. Hier verabschieden wir Daniel, der weiter Richtung Sydney fährt.
Wie viele der Langzeitreisenden hat auch Alec ein "offenes Heim" für Durchreisende, die er unterwegs oder anderweitig kennen gelernt hat. Die gleichen Interessen und das Wissen, was einem auf einer langen Reise so fehlt, verbinden doch sehr.

Die Nähe zum Centrum lädt uns zu einem ausgedehnten und längst überfälligen Stadtbummel in die City von Melbourne ein. Wir folgen einem ausgewiesenen Touristen Trail, der uns an viele bedeutende und historische Gebäude der Innenstadt vorbeiführt und werden am Ende der Tour ca. 7 km auf dem harten Pflaster zurückgelegt haben. Das Besondere der Skyline ist das direkte Nebeneinander von historischen und modernen Gebäuden, welche zum großen Teil buchstäblich aneinander kleben.
Dagegen unterscheidet sich das Treiben in der City nicht von dem anderer westlicher Großstädte. Die Anzug- und Krawattenträger hetzen mit dem Handy am Ohr, Schulter an Schulter mit der Geschäftsfrau im dunklen Kostüm durch die Strassen und vermitteln so den Eindruck geschäftiger Betriebsamkeit. Dabei nimmt die jüngere Generation eine führende Rolle ein.

Noch einmal fahren wir in das Centrum. Ziel ist diesmal der "Queen Victoria Market", wo in bunter Vielfalt so ziemlich Alles angeboten wird. Die Betreiber der Marktstände sind überwiegend "Zugereiste" und natürlich sind die Asiaten in der Überzahl, aber auch Russen sind vertreten.
Im Centrum Melbournes fährt eine betagte Tram auf einen Rundkurs, vorbei an so ziemlich allen wichtigen Sehenswürdigkeiten. Die Fahrt ist kostenlos und man kann an jeder Haltestelle aus- und einsteigen. Eine gute Gelegenheit sich zu orientieren und das Eine oder Andere - im Sitzen - anzuschauen. Etwas Bewegung verschaffen wir uns dann aber doch noch bei strahlendem Sonnenschein in den grünen Gärten von Melbourne.
Alec der als Fluglotse tätig ist, hatte heute Frühdienst und kann uns deshalb am Abend mit einem saftigen Lammbraten aus der eigenen Küche verwöhnen.

18.02.2005

Cordula sortiert fleißig Bilder und ich schaue im Netz nach den Landrover Adventure Adressen, die mir Alec aufgeschrieben hat. Sehr interessante Stories über Sibirien, Kamschatka und die Beringstrasse.
Am Nachmittag setzen wir unseren Zug um. Brian hat freundlicherweise bei seiner Arbeitsstelle, der Polizei Akademie von Victoria, für uns die Erlaubnis erwirkt, unseren Zug die nächsten Tage auf dem Gelände der Akademie abzustellen. Das kostet uns keinen Cent und ist selbstverständlich bestens bewacht.
Am Abend treffen wir uns alle noch einmal bei Brian & Shirley zu Fish and Ships. Wir dürfen hier auch noch Übernachten, denn unsere Fähre geht ja erst morgen um 21.00 Uhr.
Von Alec nehmen wir am Abend Abschied, eventuell treffen wir ihn bei unserer Rückkehr von Tassi noch einmal.

Mit Shirleys DSL Anschluss kann ich heute unsere Seiten aktualisieren, nachdem es schon Beschwerden gab, dass einige Bilder nicht aufzurufen waren. Bernd versucht schweißtreibend Brian`s indisches Souvenier, eine Royal Enfield, zum Laufen zu bringen und gemeinsam versuchen wir wieder einmal, das indische Handwerk zu verstehen. Nicht eine Schraube ist wirklich fest, so dass alles gleich abfällt, jede Schraube hat eine andere Grösse und über die Bedienungsanleitung wollen wir uns erst gar nicht auslassen. Dann packen wir zusammen und es kommt der unvermeidbare Moment des Abschied nehmen von Heidi & Bernd. Irgendwie müssen wir alle eine paar Tränen wegdrücken, denn wir haben uns doch wirklich sehr gut verstanden und sobald - wenn überhaupt - wird es wohl kein Wiedersehen geben. Aber natürlich bleiben wir in Kontakt.
Gegen 18.00 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Fähre. Per GPS ist das auch kein Problem, wenn auch die Ausschilderung erst kurz vor dem Hafen beginnt. Einen kleinen Abstecher erlauben wir uns, als wir am Albert Park vorbei fahren. Den GP Ring muss man doch besucht haben, wenn man schon mal in Melbourne ist. Am 03.03.05 wird hier zum zehnten Mal der GP der Formel I ausgetragen. Wir drehen eine kleine, langsame Runde und schauen auch bei den Boxen der beiden deutschen Brüder vorbei.
Die Fähre ist auf einen größeren Ansturm von Motorrädern gut vorbereitet. Eine Hälfte eines Decks ist nur mit Halterungen für Bikes ausgestattet. Offensichtlich gibt es ein Ducati Treffen auf Tassi, denn es sind auffallend viele Bikes dieses Typs vertreten. Cordula muss fast noch ihr Motorrad auf das Deck schieben, da bei den vielen Stopps die Batterie wieder meckert. Wir können sie aber schnell anschieben und morgen fahren wir vom 5. Deck abwärts und müssten die Maschine auch zum Laufen bringen.
Zur Einstimmung unseres Urlaubs vom Urlaub, gönnen wir uns ein Dinner mit tasmanischen Lachs und tasmanischen Wein in der Longes. Danach geht es aber auf die Cruise Sessel der Billigklasse, denn eine Kabine ab 200 Dollar aufwärts muss ja nun wirklich nicht sein. Außerdem werden so auch Erinnerungen an unseren alljährlichen Saisonstart auf die mediterranen Inseln wach, was meist ohne Buchung, also auch als Deckspassage verlief.

Nicht gerade ausgeschlafen, aber guten Mutes gehen wir pünktlich 7.00 Uhr von Bord. Cordulas GS braucht den Anlauf auf der schiefen Ebene zum Anspringen, aber dann hält sie wieder den ganzen Tag gut durch. Wir brauchen erstmal ein kleines Frühstück. Aber bitte mit Sahne !
Unser erstes Ziel auf Tassi ist der Mt. Cradle und der im gleichnamigen Tal gelegene Lake Dove. Eine atemberaubende Landschaft. Das hier ein Zeltplatz 30 Dollar pro Nacht kostet, nimmt uns auch den Atem. So fahren wir weiter in Richtung Westküste und finden in Granville Harbour ein Platz für unser Zelt direkt am Meer. Kostenlos. Schnell besorgen wir uns noch ein dutzend frische Eier im Dorf und bereiten damit unser erstes Lageressen auf dem neuen Kocher zu.
Aus Gesprächen mit Einheimischen entnehmen wir, dass in dieser Gegend besonders viel Crayfish und Abelony gefischt werden. Beim Ersten handelt es sich um Lobster in besonders großer Form und erstaunlich kleinen Scheren, beim Zweiten um eine Muschel von beachtlicher Größe, die in der Regel um 1Kg wiegt und deren Innenleben in gekochter Form einen Hühnerfleisch ähnlichen Inhalt aufweist. Müssen wir unbedingt mal probieren !

Die Nacht war warm und gut, trotzdem Cordula unsere Schaumstoffmatten vergessen hat. Gegen 8.00 Uhr kriechen wir aus dem Zelt und stellen fest, dass es eine gute Idee war, unsere Plane zusätzlich über das Zelt zu spannen. Dadurch sammelt sich das Kondens- und Tauwasser nur an dieser Zeltplane. Unser Über- und Unterzelt bleibt so schön trocken. Zum Frühstück gibt es wieder Eier, denn die halten im rohen Zustand einen Tag im Koffer nicht durch. Die restlichen werden hartgekocht und eingepackt.
Nach rund 90 Kilometern erreichen wir Strahan. Hier soll es einen Fischmarkt geben, den wir natürlich unbedingt aufsuchen wollen. So richtig können wir ihn aber nicht finden. Da und dort wird gekochter Lobster für 25-35 Dollar das Stück angeboten. Auch können Touren zu Salmonfarmen gebucht werden, aber auch diese sind recht teuer. Am Pier liegt ein Fischkutter und beim näheren Betrachten sehen wir, dass hier gerade ein frischer Fang Lobster entladen wird. Rund 25 bis 30 Kisten mit noch lebenden Tieren verlassen gerade den Bauch des Kutters. Jede Kiste wird gewogen und bringt es im Schnitt auf 18 Kg. Cordula fragt beim Skipper nach, ob wir eventuell ein oder zwei Lobster kaufen könnten. Aus dem Laderaum kommen prompt zwei schöne Exemplare geflogen und einer der Bootsleute beschneidet bei Beiden die Schwanzflosse, damit sie nicht mehr so kraftvoll nach vorn schnellen können. Auf unsere Frage nach dem Preis, erklärt uns der Skipper, dass es sich um ein Geschenk handelt. Wir bedanken uns sehr herzlich, schließlich haben wir gerade mindestens 50 Dollar gespart. Unser nächster Weg gilt nun direkt einem Bottelshop, um den unverzichtbaren Weißwein einzukaufen. Als nächstes noch etwas Brot und Gemüse und dann suchen wir nur noch einen geeigneten Platz für unser kulinarisches Picknick. Wir werden in Macquarie Harbour fündig und können direkt am Meer unser Mahl zubereiten. Da wir nicht genügend Frischwasser haben, müssen wir mit Salzwasser zum Kochen der Lobster vorlieb nehmen. Aber das dürfte kein Problem sein. Schwieriger wird es schon mit unserem Kochgeschirr (Cordula nennt es Puppengeschirr!), was ja für solche Portionen nicht gedacht ist. Etwas unkonventionell muss ich die Beiden zurecht stutzen, bis sie in den Topf passen. Nichts desto Trotz schmecken sie uns anschließend köstlich und ein frischer Salat mit Käse und Ei rundet das Mahl ab.
Wir beschließen nach je einer halben Flasche Chardonay uns doch unverzüglich einen Platz für unser Zelt zu suchen. Einige Kilometer weiter werden wir auch fündig und bleiben direkt am Ozean für diese Nacht stehen. Ein ausgedehnter Strandspaziergang rundet diesen schönen Tag ab.

Es spielt sich alles ein. Gegen 8.00 Uhr stehen wir auf und gegen 10.00 Uhr rollen wir wieder. Wir füllen unsere Flaschen mit notwendigem Wasser für Kaffee, Tee und Katzenwäsche, denn wir wissen nicht, wo wir heute Abend kampieren werden. In Queenstone kaufen wir auch noch eine Packung Wein - Drive in ! - und fahren weiter über schöne kurvenreiche Bergstrassen nach Derwent Bridge und weiter nach Tarraleah. Dieser Ort wurde von einer Familie errichtet und außer einer Tankstelle mit Bar und Restaurant, gibt es hier wieder eine der vielen Power Stationen, einen Golfplatz, einen CP und viele Ferienhäuser. Für 15 Dollar können wir mal wieder richtig duschen und Strom für unseren PC und die diversen anderen Dinge zum Aufladen gibt es hier auch.

Ein paar Tropfen vom Himmel können uns gegen 10.00 Uhr nicht aufhalten und wir rollen weiter in südliche Richtung. In dieser Gegend grenzt ein NP an den Anderen und wir besuchen die Nelson Falls und fahren noch die Piste hinauf in die alpinen Skigebiete. Die dann folgenden Landschaften sind unbeschreiblich schön und sollen sehr stark denen in New Zealand gleichen, hinter jeder Kurve ein neuer Berg oder See. Die Wolken haben sich wieder verzogen und wir fahren bei strahlendem Sonnenschein bis zum Gordon River, an dem der Lake Gordon gestaut wird. Auch auf Tasmanien gibt es ein ausgeklügeltes System von Stauseen und Wasserkraftwerken. Laut Info wird der Strom sogar exportiert !
Die Nacht verbringen wir an am Lake Pedder auf einer CP-Area mit Toilette und sogar Strom für "nothing". Schade ist nur, dass die Wohnmobilisten die Grasflächen für sich in Anspruch nehmen, so bleibt uns nur eine harte Kiesfläche, wo doch Cordula unsere Schaumstoffmatten vergessen hat.........

Cordula hat auf ihrer Tourikarte eine Salmon-Farm entdeckt und da auch Lachs bei unseren Gaumenfreuden ganz oben  angesiedelt ist, machen wir uns heute dorthin auf den Weg - nach Plenty. Der Salmon Pond, am Ortsausgang von Plenty, ist aber eher eine Tourifalle, als das, was wir uns so vorgestellt hatten. Es gibt zwar mehrere Becken mit verschiedenen Lachs- und Forellenarten und eine Laichstation, aber alles in Allem ist es mehr ein Museum mit schöner Gartenanlage zum Spazieren. Selbst der im Pancake eingeschlagene Lachs zum Lunch ist leider aus der Dose, allerdings recht gut angerichtet.
Nach dem Lunch rollen wir weiter Richtung Hobart und sind froh, die Stadt recht schnell zu durchqueren und unsere Strasse nach Judbury doch gut gefunden zu haben. Dort soll es laut Karte einen kleinen CP-Ground geben. Wir durchqueren den kleinen Ort zweimal, ohne irgendein Anzeichen dafür zu finden. Als wir einen rasenmähenden Aussi danach fragen, stellt sich heraus, dass der CP seit einem Jahr nicht mehr existiert. Zufälligerweise ist er aber der neue Eigentümer dieses Geländes und bietet uns freundlicherweise an, trotzdem auf dem Platz zu übernachten. Er fährt auf seinem Rasenmäher vor und stellt uns auch noch das Wasser an. So können wir sogar, wenn auch nur kalt, duschen. Wir sind sehr zufrieden mir dieser Lösung und haben eine angenehme Nacht.

Der freundliche Aussi hat uns bestätigt, dass es in der Nähe eine weitere Salmon-Farm gibt, wo es wirklich frischen Fisch geben soll. Wir machen uns natürlich dorthin auf den Weg, auch wenn es über Stock und Stein, die Aussis sagen dazu "dirty road", geht. Die Snowy River Fishery (S42 59 03.8 E146 48 07.5) ist wirklich das ganze Gegenteil von der Farm bei Plenty. Bereits an der Rezeption bekommt man gegen ein kleines Entgelt die vollständige, wenn auch einfache Ausrüstung. Mit Angel, Käscher, Lock- und Hakenfutter machen wir uns - in Motorradkluft! - auf den Weg. Den "Big Pond" mit den sieben Kilo Lachsen lassen wir links liegen, denn das wird uns zum Lunch dann doch etwas zu viel. Am Teich mit den mittleren Forellen machen wir halt und versuchen unser Glück. Bereits das Lockfutter lässt das Wasser regelrecht "kochen". Schon der zweite Versuch mit der Angel ist ein Erfolg. Allerdings ist der Bursche uns etwas zu klein und so kommt er schnell wieder in sein Element. Nach einigen weiteren Versuchen sind wir dann mit dem Ergebnis zufrieden. Wie sich später zeigt, sind es ausgenommen immerhin 860 Gramm. So ganz kommen wir am Lachs dann doch nicht vorbei. So gehen wir zum "Atlantic Salmon Pond" einmal unser Glück versuchen. Auf dem Wasser schwimmt schon soviel Köderfutter, dass wir nicht so recht an einen Erfolg glauben. Aber schon der zweite Versuch lässt die kleine Angel fast brechen. Der Lachs war so gierig, dass der Haken tief hinter den Kiemen sitzt und sich nicht mehr lösen lässt. Mit dem Käscher bergen wir unseren Fang, der dann stolze 1900 Gramm (ausgenommen) auf die Waage bringt. Natürlich muss  der Fisch bezahlt werden, aber man kann auch mehr fangen und dort lassen. Die Menge wird eigentlich nur durch das Hakenfutter begrenzt. Da nicht viele Besucher da sind, brauchen wir uns nicht ein mal um das Ausnehmen zu kümmern, sondern bekommen den Fisch mit Füllung und in Alufolie für den kostenlosen BBQ fertig zurecht gemacht.
Nach 20 min ist die Forelle gar und während der Lachs noch köchelt, schmeckt uns die Forelle schon wunderbar. Der Lachs braucht 10 Minuten länger und ist gerade fertig, als von der Forelle nur noch die Gräten übrig sind. Nach der Hälfte dieses köstlichen Fisches sind wir jedoch mehr als satt, auch ohne weitere Beilagen. So packen wir den Rest ein und haben auch Morgen noch etwas davon.
Das Anglerglück ist sicher im "Karpfenteich" nicht so hoch zu bewerten, denn schließlich hätte schon der gekrümmte Finger gereicht, um einen Fisch an Land zu ziehen, aber der kulinarische Genuss ist unbeschreiblich, denn frischer kann man keinen "toten Fisch" auf den Tisch bekommen. Und der Spass bei der ganzen Aktion ist ebenfalls erwähnenswert.
Wirklich rund um satt und zufrieden, fahren wir an die südliche Spitze Tasmaniens nach Cockle Creek, einem historischen Wahlfanggebiet und wir finden einen kostenlosen Campground direkt am Meer. Eine kleine Wanderung führt uns noch  zum Abschluss dieses köstlich amüsanten Tages entlang kleiner  schöner Strände symbolisch zum Fishers Point!

Wir fahren wieder zurück Richtung Hobart und halten am Charlton Beach zum Lunch. Da wir ja noch immer von unserem Lachs zehren, gibt es heute zum Lunch Spagetti mit Lachs.
Am Nachmittag drehen wir eine Runde auf der Tasman Peninsula vorbei an Port Arthur und können den hier verlockend guten Angeboten an Austern und Muscheln widerstehen, um einen drohenden Eiweißschock zu vermeiden. Über Pisten durch Küstenwälder erreichen wir gegen 18.00 Uhr Orford gegenüber dem NP Maria Island. Für 13 Dollar bekommen wir sogar Strom in unser Zelt und als Nachbarn haben wir einen weit gereisten Tassi und somit ausreichend Unterhaltung.

Weiter geht es entlang der Ostküste, mal auf Asphalt, mal auf Gravel. Tasmanien ist und bleibt ein Biker Paradiese.
Wir fahren einen Schlenker über den Elefantenpass und wärmen uns dort oben in der strahlenden Sonne mit Kaffee und Pancake auf. Nach einer weiteren langen Gravelstrecke finden wir einen schönen Übernachtungsplatz bei South Ansons am Beach, wo wir im kristallklarem Wasser sogar Rochen beobachten können. Dort treffen wir auch einen Würzburger mit einem Toyota. Bei einem Bier gibt es wieder viel zu erzählen. An unser Zelt haben wir uns inzwischen so gut gewöhnt, dass Cordula sogar die Wollabis in der Nacht neben unserem Zelt grasen hört.
Selbst hier gibt es zum Frühstück noch Lachsfilet - wir haben ja reichlich davon.

Unser Weg führt uns heute zu erst in die Stadt Launceston, um für Cordulas Uhr eine neue Batterie zu kaufen. Kaum haben wir die Bikes geparkt, werden wir von den freundlichen Einwohnern von ein Gespräch in das Nächste verwickelt und erst durch den netten Hinweis eines Weiteren, dass wir hier mit einer Parkstrafe rechnen müssen, können wir uns von unseren Gesprächspartnern trennen. Dafür erhalten wir jedoch eine gute Empfehlung für einen wirklich preiswerten Batteriewechsel.
 Wie fahren hinauf auf das Central Plateau zum Great Lake. Dunkle Wolken und beißender Wind ziehen drohend über die Hochebene und wir frieren jämmerlich, während wir sehnsuchtsvoll zu den rauchenden Schornsteinen der wenigen Holzhütten blicken. Zum Glück gibt es hier oben (1200 MN) dann doch keinen CP und wir müssen, irgendwie zufrieden darüber, wieder ins Tal hinab fahren. In Deloraine werden wir fündig und bleiben hier über Nacht bei angenehmeren Temperaturen auf einem CP am Fluss stehen.

Frühstücken können wir noch bei strahlendem Sonnenschein, dann aber ziehen schnell immer mehr dicke Regenwolken auf und so werden uns die letzten Stunden auf Tassi vom Regen etwas vermiest. Cordula mein Tourguide hat aber zum Aufwärmen noch ein paar touristische Höhepunkte eingeplant und so steuern wir unverzüglich die Ashgrove Cheese Farm und die Honey Farm in Chudleigh an. Die Cheese Farm finde ich so kurz nach dem Frühstück zwar etwas Käse, aber bei den flotten Bienen kommen Interesse und Appetit wieder.
Nach soviel touristischen Attraktionen übernehme ich per GPS wieder die Führung und wir fahren noch einmal in die Berge, d.h. tief hinein in Kälte und Regen, teilweise auf langsam glitschig werdendem Gravel. Leider enden alle Tracks im endlosen Nichts und wir fahren zurück nach Mole Creek, wo wir uns mit heißer Schokolade und "etwas" Rum wieder aufwärmen. In Devenport treffen wir auf Jürgen und Stefan, zwei Deutsche in BMW Motorradkluft auf gemieteten Yamahas. Jürgen fand während seiner Abenteuerreisen in Kanada ein neues zu Hause und Stefan ist noch immer Beamter in Deutschland, also wirklich ein interessantes Gespann die Beiden. Natürlich haben beide auch Heidi & Bernd getroffen und so haben wir bei der Überfahrt noch viel Spass und Gesprächsstoff bei Bier und Wein.

Den Rest der Nacht haben wir wieder mehr schlecht als recht überstanden und kommen pünktlich gegen 7.00 Uhr in Melbourne an. Wir fahren direkt zur Akademie und verstauen Zelt und Mopeds wieder. Nach 2305 Kilometern auf Tassi hätten sie eigentlich eine Wäsche nötig, vor allem nach so viel Gravelroad, aber dass muss noch warten, denn wir möchten Melbourne noch heute in Richtung Westen verlassen.
Wir verabschieden uns von Brian und rollen direkt auf den Freeway. Die unkomplizierteste Art durch Melbourne zu fahren. Nach fast sechzig Kilometern haben wir endlich Melbourne und die diversen Vorstädte hinter uns gelassen und erreichen Geelong. Von hier geht es weiter auf der "Great Ocean Rd", einer schmalen Strasse entlang der Steilküste. In Lorne, einer hübschen, aber sehr touristischen Stadt  glauben wir genügend Abstand zur Großstadt Melbourne gewonnen zu haben, um wieder auf vernünftige CP Preise zu treffen. Weit gefehlt, denn 30 Dollar müssen wir für eine Nacht berappen. Also wird es hier noch nichts mit Wäsche waschen und Internetseiten aktualisieren.
Trotz strahlendem Sonnenschein erreichen die Temperaturen nicht mal 20 Grad Celsius, was ist das nur für ein australischer Sommer dieses Jahr, fragen sich auch die Einheimischen. Nach Sonnenuntergang geht es wieder runter auf die 10 Grad Celsius Marke, wir heizen mal wieder und unsere Zeltnachbarn haben Schal und Mützen rausgeholt!

Wir hoffen nach den "Twelve Apostles", der Hauptattraktion auf dieser Strecke - in mühsamer Kleinarbeit hat der Ozean hier eine bis zu 80 Meter hohe Steilküste freigespült und dabei ein paar Brocken nicht ganz vernichten können - einen etwas preiswerteren CP zu finden. Aber auch hier stimmt unsere Übersicht der preiswerten CP’s nicht mehr ganz. Der Eine hat sich zur Extraklasse mit vier Sternen entwickelt und steht nun fast leer, der Andere hat aufgegeben. So landen wir schließlich in Warrnambool, mitten in der Stadt auf einem CP für 19 Dollar pro Nacht. Nicht besonders schön, aber die Einkaufsmöglichkeiten sind zu Fuß zu erreichen und zum Wäsche waschen und die Rückstände am PC aufzuarbeiten reicht es.

04.03.2005

Genau das machen wir heute. Cordula wäscht und ich bereite das Update vor. Dann noch Bilder sortieren und e-mails vorbereiten. Zwischendurch erkundet Cordula die Einkaufsmöglichkeiten und sucht ein Internet-Café. Mit dem Einkauf gibt es keine Probleme, Aldi und Safeway sind gleich um die Ecke. Die Computerläden haben aber schon geschlossen und Öffnungszeiten stehen keine angeschrieben. Morgen ist Samstag, na wir werden sehen.
Einen Secondhand Bücherladen haben wir auch gefunden. Von den einzigen drei deutschen Büchern erstehe ich für drei Dollar den Krimi. Die beiden Anderen sind eher "echte Frauenromane", mal sehen ob Cordula anbeißt ?

05.03.2005

Nachdem wir gestern so hart am PC gearbeitet haben, sind wir heute doch schon ein wenig sauer, als keiner der Computerläden mit Internetanschluss geöffnet hat. Die Bücherei hat Angst um ihre Computersicherheit und lässt uns auch nicht an ihr Netzwerk.
Cordula tauscht sich die zwei übrig gebliebenen Bücher gegen Ausgelesene ein - hab ich doch gewusst - und so verbringen wir den Tag mit Lesen und Einkaufen. Unsere Vorräte müssen dringend aufgefrischt werden, denn in Süd  und West Australien gibt es nicht mehr sehr viele große Städte mit günstigen Supermärkten.

06.03.2005

Gegen 10.00 Uhr verlassen wir Warrnambool und fahren weiter entlang der Küste. Wie schon in den letzten Tagen ist das Wetter für diese Jahreszeit viel zu kalt und dichte dunkle Wolken hängen über uns. Die Landschaft wird hier weniger spektakulär und flacher. Wir rollen knapp 300 Kilometer und finden schließlich einen Platz für die Nacht in Beachport auf einem kleinen Campground zwischen dem Ozean und dem Lake George. Die herrliche Ruhe hier wird nur von einer vorlauten Grille gestört, die direkt unter unserem Fenster aus Leibeskräften zirpt.
Als wir durch Beachport fuhren, hat Cordula im Informationscenter nach Infos über SA geschaut und dabei entdeckt, dass hier auch ein Internetzugang angeboten wird. Da es schon kurz vor Büroschluss ist, bitten wir kurz ausprobieren zu dürfen, ob unser Lap mit dem Netzwerk harmoniert. Die freundliche Angestellte überlässt uns ihr Netzwerk ohne jegliche Befürchtungen. Ich suche mir die IP-Adressen zusammen und konfiguriere unseren Lap. Es klappt und wir verabreden uns für morgen 10.00 Uhr, um dann endlich unsere Seiten zu aktualisieren.

Aber auch heute wird daraus nichts. Wir kommen zwar ins Internet, können aber kein upload machen. Auch der e-mail Zugang (Outlook) ist gesperrt. Das muss an dem Proxyserver liegen, der hier benutzt wird.
Unverrichteter Dinge fahren wir weiter und probieren unser Glück in den nächsten Gemeinden. Aber es scheint heute nicht unser Tag zu sein. Entweder stehen nur Internet-Terminals zur Verfügung oder man lässt uns nicht ins Netzwerk. In Kingston versuchen wir es in der Bücherei. Auch hier kommen wir zwar ins Netz, aber der Proxyserver stellt keinen FTP Port zur Verfügung. So setzen wir unsere Hoffnungen auf Murray Bridge oder Adelaide, aber das wird dann frühestens morgen.
In Magrath Flat gibt es einen Campground am Wasser. Auch hier stehen wir wieder zwischen Ozean und diesmal einem Ausläufer des Lake Alexandria. Die Ruhe ist ungetrübt und ab und zu lässt sich auch mal die Sonne blicken und gibt so Anlass zur der Hoffnung, dass wir die Schlechtwetterzone langsam verlassen. Ein paar Grad wärmer ist es ja auch schon geworden.

In Murray Bridge finden wir endlich einen Computerladen mit Internetzugang, wo auch unser Lap funktioniert. Offensichtlich sind hier alle Ports freigeschaltet und wir können ungehindert unser Update machen und alle Mails absetzen. Cordula kauft inzwischen das Notwendige ein und wir beschließen gemeinsam, nicht nach Hahndorf, dem wohl "deutschesten" Dorf in Australien zu fahren. Zum Einen waren wir schon mal dort, zum Anderen fehlt uns eigentlich nichts zu unserem Glück und so gibt es keinen Grund, diese sehr touristische und somit teure Attraktion noch einmal zu besuchen.
So fahren wir weiter nach Mannum und setzen dort per Fähre über den Murray River, um zu einem sehr schönen kostenlosen Campground zu gelangen. Dieser Platz scheint sehr beliebt zu sein, aber er ist weiträumig angelegt und so finden auch wir noch ein schönes Plätzchen direkt am Murray River. Wie es scheint, werden wir auch morgen noch hier stehen bleiben.

Tatsächlich bleiben wir einen weiteren Tag auf diesem schönen Flecken direkt am Murray River. Wir schlafen lange und haben so beim Aufstehen wieder Sonnenschein, da auch die Sonne erst spät hinter den Wolken vorkommt.
Nach dem Brunch setzen wir mit der Fähre über, um uns Mannum näher an zu schauen. Ein kleines verschlafenes Städtchen mit viel Rentnertourismus, sprich dem Ziel aller Caféfahrten der näheren Umgebung.
Viele Hausboote, auch kleine Raddampfer, schippern hier rum und so ergibt das Ganze etwas von dem Mississippiflair, das ich von Postkarten und Bildern kenne, nur Tom und Huck habe ich hier noch nicht entdeckt.

In der Nacht kommt noch eine etwas laute Gesellschaft an und lagert direkt neben uns. Die zwei kleinen Jungs sind bald eingeschlafen, aber die drei Männer veranstalten eine feucht fröhliche Runde bis der Morgen graut und sind dabei etwas laut, selbst wenn einer zwischendurch seinen Rausch ausschläft, schnarcht er dabei lautstark über den ganzen Platz. Am Morgen wechseln nur die Akteure. Die Männer sind etwas verkatert aber ruhig, dafür plärren die Gören um so lauter, haben sogar Trillerpfeifen bekommen ! Wir hatten sowieso vor weiter zu rollen, aber auch sonst leert sich der Platz sehr spontan.
Unser erstes Ziel heute ist der Weinkeller von Karl Seppelt, uns noch in guter Erinnerung von unserer ersten Australienreise. Vor allem der Sparkling hat es uns angetan und wir holen uns bei dieser Gelegenheit eine Kiste davon.
In Clare muss Cordula noch schnell mal Käse kosten, weil der so schön schimmlig aussieht. Natürlich füllt sich danach unser Kühlschrank um einen weiteren Käse.
Mittlerweile rollen wir schon richtig durchs Outback. Alles ist gelb bis braun und die Landschaft wellt sich relativ flach dahin. Die Temperaturen steigen wieder in Richtung 30° C und das Australienfeeling kehrt langsam zurück.
Bei Koolunga finden wir einen kleinen Campground an einem Quellbach. Kaum haben wir uns eingerichtet, kommen wir mit zwei lokalen Aussis, Phil und Russel ins Gespräch. Nach einiger Zeit wollen sie mir zeigen, was es in dem kleinen Bach für Delikatessen gibt. Wir fahren ein kleines Stück mit ihrem Jeep an dem Bach entlang, natürlich querfeldein. Dann haben sie wohl die passende Stelle gefunden und einer der Beiden steigt ins Wasser. Vorsichtig dreht er jeden Stein um und findet unter fast jedem einen kleinen Süsswasserlobster von der Grösse einer Garnele. Garnelen sind es aber nicht, denn sie haben eine dreiteilige Schwanzflosse und Scheren, eben wie kleine Lobster. Nach Art der Aboriginis essen wir den verwertbaren Teil gleich roh. Auch Cordula haben wir eine Kostprobe gebracht, sie genießt neugierig ganz nach dem Motto: Augen zu und durch! Wie es bei ganz frischem rohem Fisch sein soll, schmeckt es kein bisschen nach Fisch, sondern eher nach gar nichts. Nach einer weiteren Runde Bier haben wir dann eine Einladung für morgen die Beiden auf Russels Farm zu besuchen. Alles was eine gute Farm liefert, wird uns in Aussicht gestellt. Mal sehen ob wir dahin finden.

11.03.2005

Da es für uns doch ein Umweg ist und wir heute (Freitag) noch unbedingt unsere Gasflaschen füllen müssen, fahren wir nicht auf die Farm. Zumal die in Bierseligkeit ausgesprochenen Einladungen nicht immer halten, was zu vor versprochen wurde.
So nähern wir uns langsam wieder der Küste und erreichen Port Augusta am frühen Nachmittag. Hier tanken wir erstmal richtig voll (im Outback ist Alles viel teurer) und suchen dann die Gasfüllstation. An vielen Tankstellen und auf CP’s wird das Füllen auch angeboten, aber mit unseren TÜV geprüften Flaschen müssen wir immer eine große Station suchen, da diese nur nach Gewicht gefüllt werden können. Die Station finden wir recht schnell, aber der Mitarbeiter, der die Waage programmieren kann, ist nicht da. Wir sollen gegen 17.00 Uhr unsere Flaschen abholen, dann sind sie ganz sicher gefüllt. Meinen Adapter lasse ich da, denn ohne den geht es hier in OZ nicht.
So suchen wir in der Zwischenzeit einen CP. Für 19 Dollar finden wir einen großen Platz mit Pool, was heute eine sehr schöne Erfrischung verspricht, denn mittlerweile haben wir wieder richtige Sommertemperaturen. So "verplanschen" wir die Zeit, bis wir unsere wirklich gut gefüllten Flaschen abholen. 57 Kg Gas haben wir bisher in fast zwei Jahren verbraucht, eigentlich nicht sehr viel.
Wir nutzen den Platz und duschen ausgiebig, waschen noch etwas Wäsche und füllen unseren Wassertank randvoll.

12.03.2005

Bevor wir Port Augusta verlassen, gehen wir noch einmal einkaufen. Vor allem frisches Obst und Gemüse. So wird es Mittag ehe wir die Stadt verlassen und in Richtung Outback rollen. Es sind heute wieder um die 35° C. Wenn die Nächte weiter kühl bleiben, ist das auszuhalten. Noch ist es eine Asphaltstrasse, die in die Flinders und nach Wilpena führt. Den Wilpena Pound CP haben wir schon vor sechs Jahren einen Besuch abgestattet und finden ihn so schön, dass wir auch diesmal hier für einige Tage Station machen. Wir werden auch die Mopeds runter nehmen, um in den nächsten Tagen etwas weitläufiger die Gegend  erkunden zu können.
Zwischenzeitlich gibt es hier einen Pool und ein Restaurant. Auch ein Internetzugang wird angeboten. Na mal sehen was wir hier noch tun können. Den Pool haben wir auf jeden Fall schon mal besucht. Da er offensichtlich fast keine Sonne bekommt, war er wirklich sehr, sehr erfrischend !

13.03.2005

Die Sonne lacht und wir liegen mitten im Busch am Pool und lesen alte Zeitungen, die uns Heidi & Bernd überlasen haben. Zwar sind diese noch vom Anfang des Jahres, aber das spielt ja bei uns kaum eine Rolle, da wir ja vom europäischen Geschehen so gut wie abgeschnitten sind. In australischen Nachrichten kommt Europa höchstens in Form des englischen Königshauses zur Sprache. Aber viel scheint sich in den letzten Monaten ohnehin nicht getan zu haben.
Es ist schön, wenn nach vielen Reisetagen auch wieder Zeit zum Nachdenken und relaxen ist. Das brauchen wir auch immer wieder, um all die vielen Eindrücke zu verarbeiten.

14.03.2005

Auch unseren zweiten Tag verbringen wir hier am und im Pool. Auch das eine oder andere Buch ist noch nicht ausgelesen und gerne beobachten wir auch die Menschen, die hier her kommen. Es sind erstaunlich viele Deutsche darunter, ein Zeichen dafür, dass dieses Resort in den einschlägigen Reiseführern beschrieben und gelobt wird. Dabei sind die Preise hier auf Grund der Abgeschiedenheit und der Entfernung zu den Versorgungseinrichtungen doch spürbar höher.

Wir haben lange geschlafen und sind deshalb etwas spät zu einer kleinen Runde aufgebrochen. Mit dem Moped fahren wir rund zwanzig Kilometer tiefer in das Outback zum Sacred Canyon. Seit Ende der achtziger Jahre sind viele Plätze der Aboriginis gekennzeichnet und als Attraktion hergerichtet worden. Neben Zeichen im Felsgestein wird hier besonders erklärt, welche Teile der Bäume und Gräser den Aboriginis als Nahrung dienten.

In der Nacht hat es zu regnen begonnen und dieser Landregen hielt bis zum späten Morgen an. Wieder ein Grund nicht so zeitig aus den "Federn" zu steigen. Als es zum Mittag aufhört, besuchen wir die nahe gelegene Solaranlage, welche das gesamte Resort versorgt. Es ist die größte Solaranlage Australiens mit einer Leistung von 100 KW. Heute, bei bedecktem Himmel,  röhrt natürlich eines der drei vorhandenen Dieselaggregate lautstark vor sich hin. Querfeldein kann man jedoch kaum in das Resort zurück wandern, überall Kängeruh Tretmienen. Kein Wunder also, dass sogar die vielen Kängeruhs selbst geschaffene Trails nutzen.
Am Nachmittag fahren wir zum rund zehn Kilometer entfernten Arkarroo Rock und machen hier auf einem Rundweg einen zwei stündlichen Spaziergang. Auch beim Arkarroo Rock handelt es sich wieder um einen besonderen Platz der Aboriginals. Die Zeichnungen im Felsen sollen mehrere tausend Jahre alt sein. Der Himmel klart sich zunehmend auf und wir haben einen sehr schönen und interessanten Spaziergang gemacht.

In dieser Nacht hat es sich bis auf 10 °C abgekühlt, aber am Morgen strahlt die Sonne von einem azurblauen Himmel auf uns herab. Wunderbares Wetter, um auf den Mopeds eine Runde durch die südlichen Flinders zu drehen. Quer durch die Range führt die Piste über Blinman, Parachilna und zurück nach Wilpena. Viele Lookouts bieten eine herrliche Aussicht und sogar eine "chinesische Mauer" gibt es zu bewundern. Wir fahren durch ein Tal, welches vor 580-640 Millionen Jahren vom Meer bedeckt war. Deshalb gibt es hier diesen Kontrast zwischen sanften Hügeln, meist Weideland, und den rauen, unwirtlichen, das Tal umschießende Höhenzüge. Schnell kommen über 200 Kilometer zusammen, aber wir haben sehr viel Spass an der Natur und natürlich am Fahren.

Für heute steht noch eine Wanderung durch den Wilpena Pound auf unserem Programm. Dabei handelt es sich auch um ein kleines Tal, welches bei den Aboriginals als Meetingpoint, also ein sehr wichtiger Platz innerhalb ihrer Traumzeit, fungierte. Von 1860 bis 1924 versuchte hier ein Farmer mit seiner Familie sein wechselhaftes Glück. Davon zeugt noch das renovierte Haupthaus der Hills Homestead. Vor allem die klimatischen Bedingungen, mal zwei Jahre gar kein Regen und dann wieder in einem Jahr zu Weihnachten so eine Sintflut, dass die gesamte Ernte vernichtet wurde, dürften Schuld am Niedergang dieser Farm gewesen sein.
Vom Wangarra Lookout überblickt man den gesamten Pound, bei diesem herrlichen Wetter ein beeindruckender Rundblick. Nach 8 Km Fußmarsch genießen wir noch eine Weile die Sonne und die Ruhe hier und dann beginnen wir unsere Fuhre wieder zusammen zu packen. Morgen wollen wir weiter in Richtung Süden noch etwas tiefer ins Outback.

Der letzte Ort auf Teerstrasse ist Lyndhurst. Hier bleiben wir über Nacht auf dem Rastplatz stehen. Zwar gibt es auch einen kleinen CP am hiesigen Hotel, aber das kostet 15 Dollar und muss heute nicht sein. Noch sind alle Ressourcen im grünen Bereich, obwohl uns heute beim Start in Wilpena die Batterie den Dienst verweigert hat. Laut Anzeige hatten wir noch rund 98 Ah, aber nur schlappe 12 V. Glücklicherweise haben wir aber unseren Generator und diverse Ladegeräte. Der Aufbau der Technik hat länger gedauert, als den Landy zu starten. Nun müssen wir unseren Batteriestatus genau im Auge behalten, um den Grund für diese Schwäche heraus zu finden.
Da wir nicht unbedingt den Moralana Scenic Track mit unserem Zug fahren wollten, mussten wir zurück bis Hawker, was uns aber die Gelegenheit gab, noch etwas Einzukaufen. Dann geht es los, zwar noch auf Teer bis Lyndhurst, aber ringsherum "nothing". Nur die Flinders, die uns noch eine Weile in der Ferne begleiten, sorgen für etwas Abwechslung.
Kurz vor Lyndhurst, wo im Übrigen Strom und Wasserleitungen enden und drei große alte Outbacktracks beginnen, erreicht der Landy seine ersten 100.000 Km. Natürlich ein Grund, um heute Abend eine gute Flasche von Karl Seppelt auf zu machen !
Von den drei Tracks ist der Oodnadatta, den wir fahren wollen, wohl der Einfachste. Der Strzelecki Track mit einer Länge von knapp 500 Km ohne Service dürfte der Schwierigste sein. Diese Tracks werden heute hauptsächlich für Viehtransporte und Tourismus genutzt, da der Stuart Hyw ja viel bessere Bedingungen bietet.

Da wir keine Eile haben, besuchen wir alle an dem Track gelegenen Sehenswürdigkeiten und die beginnen bereits fünf Kilometer hinter Lyndhurst. Im Ochre Has Many fanden die Aboriginals die Farben für ihre Körperbemalung. Einige Kilometer weiter können wir die Ruinen von Farina in Augenschein nehmen. Was hier 1878 mit zwei Hotels, Bäckerei, Kirche und rund 300 Einwohnern begann, endete nicht einmal hundert Jahre später mit der Schließung des Postoffice und dem letzten Begräbnis 1960.
Nach 85 Kilometern erreichen wir am frühen Nachmittag Marree. Dieser Ort war einst ein wichtiger Stützpunkt zum Verladen der Viehherden auf die Old Ghan, der Eisenbahnstrecke zwischen Adelaide und Alice Springs. Natürlich gibt es noch historische Überbleibsel dieser Bahnlinie zu bewundern.
Im Ort gibt es zwei kleine CP’s und wir beschließen zu übernachten. Der Track war bisher nicht zu schwierig, aber es rüttelt und schüttelt doch ganz schön und der Pistenstaub ist überall. So ist eine Dusche schon sehr angebracht. Auf dem Oasis CP stehen dann sogar zwei Whirlpools unter freien Himmel. Das Wasser hat etwas mehr als Körpertemperatur, aber es sprudelt doch sehr angenehm und lockert die etwas verkrampften Muskeln. In diesem kleinen Ort gibt es auch einen Internet-Access, da aber heute Sonntag ist, müssen wir bis Morgen warten, um unser Glück zu versuchen.

Als erstes fahren wir zu dem Telecenter mit Internet. Alles klappt auch ganz gut, nur als es an den upload geht, kommt die ganze Wahrheit ans Licht. Die Anlage ist, wie nicht anders erwartet, eine Satelliten gestützte. D.h. das download gibt es mit normaler DSL Geschwindigkeit, aber der Backstreem geht über ein Modem per Telefon. Das Modem ist aber so etwas von langsam, dass schon eine einfache Mail zehn Minuten braucht. Das wiederum gefällt unserem Server in D überhaupt nicht, der schaltet dann einfach ab. Also außer Spesen ......
Am späten Vormittag schwenken wir dann wieder auf die Piste ein und rollen nun wirklich auf dem Oodnadatta Track. Die Attraktion des Tages finden wir in Alberrie Creek mit dem dortigen Skulptur Park. Nach der Besichtigung des im Outback gesammelten Schrotts fahren wir weiter entlang des Lake Eyre, einem großen Salzsee und i. Ü. der tiefsten Stelle Australiens.
William Creek ist heute unser Etappenziel. Das dortige Hotel - eine alte Service Station der ehemaligen Bahnlinie - nimmt für sich in Anspruch, dass entlegenste in ganz Australien zu sein. Auf jeden Fall ist das Essen erschwinglich und sehr gut, was man beides hier draußen nicht unbedingt erwartet.
Die Stromversorgung erfolgt natürlich per Generator, der hier fast 24 Stunden läuft und das Wasser kommt aus einer artesischen Quelle, reich an Eisen, Salz und Schwefel. In Europa wäre das hier mit Sicherheit längst Bad William Creek.

Da wir direkt neben dem Airstrip stehen, wecken uns am Morgen zwei startende Cessnas, die die ersten Touris zum Sonnenaufgang über den Salzsee bringen. Nach dem Frühstück hat Cordula noch eine Verabredung mit dem Manager des Hotels. Er will uns zu Besuch bei der etwa siebzig Kilometer entfernten Nilpinna Farm ankündigen. Dort hat man gern etwas Abwechslung. So hält das Postauto, welches gleichzeitig auf diesen zweimal die Woche stattfindeden Fahrten interessierte Touris mitnimmt - natürlich gegen Bezahlung -, unter anderem auch dort. So angekündigt, machen wir uns also wieder auf den Oodnadatta Track. Wir haben William Creek noch keine halbe Stunde hinter uns, als hinten rechts am Landy Luft entweicht. Wieder ein Loch im Mantel, aber nicht sehr groß. Der Ersatzreifen ist schnell montiert, bleibt die Frage zurück oder weiter. Ich entscheide mich für weiter, da ich glaube, zur Not mit einem neuen Schlauch und ein paar Gummiflecken als Einlage, den Reifen für langsame Fahrt wieder herrichten zu können.
Wie angekündigt erreichen wir nach 68 Kilometern den Abzweig zur Nilpinna Farm. Nach weiteren rund acht Kilometern sind wir da. Die Farm wird von den Eigentümern mit zwei Arbeitern bewirtschaftet. Die drei Männer sind unterwegs und so hat die Farmerin Zeit für unsere Fragen. Natürlich müssen auch wir genau über woher und wohin Auskunft geben. Bei Tee und ein paar Snacks vergeht die Zeit schnell. Zu dieser Farm gehören weitere vier Stationen zwischen Adelaide und Coober Pedy. Hier stehen ungefähr 4000 Rinder, welche in der Regel nicht älter als zwei bis drei Jahre werden. Auf den anderen Farmen, die von Brüdern und Schwestern der Familie geführt werden, sind es annähernd ebenso viele. Gemessen an den 17.000 Rindviechern die zur Zeit auf Anna Creek, der weltgrößten Farm (Fläche entspricht der Größe Belgiens), an der wir ebenfalls gerade vorbeigefahren sind, stehen, eine ganze Menge. Ansonsten ist das Leben völlig autark. Zwei Generatoren, riesige Dieseltanks, ein Kühlhaus, eine kleine Fleischerei und ein großes Vorratslager gehören ebenso dazu, wie die Werkstadt, der Track zum Viehtransport und natürlich viele, viele Wasserlöcher und Brunnen. Den Internet-Breitbandanschluß per Satellit gab es für drei Jahre kostenlos vom Staat, jetzt wird eine geringe Gebühr pro 100 MB fällig.
Zum ersten Mal sehen wir Fotos von wirklich blühenden Landschaften, aufgenommen, wenn es hier wirklich mal ein paar Millimeter geregnet hat. Wir wünschen uns spontan nichts sehnlicher, als einen solchen Regen zu erleben, auch wenn er uns einige Tage hier festhalten sollte.
Überraschenderweise ist auch für viel Abwechslung gesorgt. Die Farmer der Umgebung treffen sich oft zu allerlei Veranstaltungen, vom Pferderennen bis zu 4 WD Touren gibt es Alles. Nur Shopping und das Golfspielen fehlen ihr etwas, gesteht sie uns.
Nach diesem sehr interessanten Besuch fahren wir weiter bis zu einer alten Brücke der Old Ghan. Gescheitert ist diese Eisenbahnstrecke von Adelaide nach Alice Springs wohl an den extremen klimatischen Bedingungen. So kam es immer wieder zu folgenschweren Entgleisungen auf Grund von Verwerfungen der Schienen oder schweren Unterspülungen. Die neue Linie entlang des Stuart Hwy mit Betonschwellen und einem ordentlichen Schotterbett hat diese Probleme nun nicht mehr.
Die letzten zwei Stunden rollen wir auf wechselhafter Piste bis Oodnadatta. Zu dem Roadhouse gehört ein kleiner CP und hier übernachten wir heute. Morgen werden wir mit Adam, dem Betreiber des Roadhouse, klären, was wir mit unserem Reifen machen können, denn ein breites Serviceangebot gehört zu jeder Outbackstation.

Adam wäre ein schlechter Geschäftsmann, würden wir Oodnadatta ohne zwei neue Hinterreifen für den Landy verlassen. Erstens ist an dem Defekten nicht mehr viel zu retten und zweitens sieht der Andere nicht mehr viel besser aus. Die Neuen haben zwar nicht die Laufleistung der Michelin (bei unserem Gewicht war die ohnehin nicht mehr bei 70.000 Km), sind dafür aber breiter und entscheidend preiswerter. Mit einigen guten Ratschlägen, was den Luftdruck auf Asphalt und auf "dirty road" betrifft, entlässt er uns, um 460 Dollar ärmer, wieder auf den Track.
Nach rund zweihundert Kilometern erreichen wir Marla. Die Piste dorthin ist in gutem Zustand und der abgesenkte Reifendruck (ich hatte nur ca. 20% abgesenkt, Adam empfiehlt 35%) erlaubt eine zügige Fahrt. Da es noch früher Nachmittag ist, fahren wir weiter auf dem Stuart Hwy bis zum Cadney Roadhouse., zumal hier der CP ohne Strom aber mit Pool und Dusche kostenlos ist.

Trotz der Nähe zum Stuart Hwy war es eine ruhige Nacht. Nach dem Frühstück biegen wir nach kaum 2 Kilometern wieder vom Hwy ab, um auf einer Piste durch das Painted Dessert zu fahren. Also wieder den Luftdruck absenken und los geht es. Leider sind wir zur falschen Zeit hier, denn bei auf- oder untergehender Sonne, gibt es erst die richtigen bunten Bilder. Aber dazu müssten wir hier übernachten und dem stehen die "No Camping" Schilder entgegen. So fahren wir die Runde weiter bis zum Breakeaway Lookout kurz vor Coober Pedy. Hier können wir direkt auf dem Lookout stehen bleiben und haben eine fantastische Kulisse.
Auf dem Weg hierher haben wir zum wiederholten Mal den "Dog Fence" gekreuzt. Dieser Zaun dient zum Schutz der Schafe vor den Dingos und trennt so das südliche "Schafsland" von den nördlichen "Rindviechern".
Vom Pistenstaub ist unsere Kabine im Inneren so gut wie verschont, dafür werden wir beim nächsten längerem Stop den Hänger samt Inhalt gründlich reinigen dürfen, denn Alles trägt eine dicke rote Staubschicht. Außerdem stehen auch etliche Reparaturen an. Die hinteren Stoßdämpfer des Landy müssen erneuert werden, die Radlager des Hängers brauchen Fett und ein neues Kabel für die Elektrik am Hänger brauchen wir auch.

Als die ersten Touribusse wieder am Lookout eintreffen, ziehen wir um nach Coober Pedy. Das sind nur knapp 30 Kilometer und so stehen wir schon am frühen Vormittag auf dem Oasis CP. Morgen findet in Coober Pedy, der "Opal Capital of the world", das Opal Festival statt. Dieses Spektakel wollen wir uns nicht entgehen lassen und werden deshalb hier zwei Tage bleiben.
Wir laufen durch den Ort und entdecken neben Bekannten auch viel Neues. In den letzten sechs Jahren scheint aus Coober eine Stadt geworden zu sein. Es ist viel gebaut worden, wofür letztlich auch die mittlerweile 3500 Einwohner stehen. Vor allem Hotels und Opal Shops sind dazu gekommen und natürlich viele, viele Touristen, denn neben den Opalen, 95% aller Opale stammen aus Australien, gibt es noch eine, wenn auch nicht so einzigartige Attraktion, da sich die halbe Stadt unter die Oberfläche zurück gezogen hat. Mehr aus Not vor der Hitze und fehlender Elektrizität haben die Minenarbeiter und -eigner vor ca. achtzig Jahren  ihre Behausung in die, in das Gestein getrieben Minen verlegt. Dort herrscht das ganze Jahr eine Temperatur zwischen 25 und 27 °C, was sowohl Ofen als auch Klimaanlage überflüssig macht. Aus diesen Wohnungen sind inzwischen Shops, Hotels und Restaurants geworden, denn die meisten Menschen ziehen nun, wo es Strom aus der Steckdose selbst hier gibt, eine oberirdische Behausung vor.

Das Festival beginnt mit einem kleinen Umzug von Minern, Dienstleistern und natürlich vielen Kindern. Im Anschluss verlegt sich das Geschehen auf die Festwiese, das Footbalstadion von Coober, wo bis zum abschließenden Feuerwerk der Bär tobt. Mit vielen großen und kleinen Aktivitäten, von Livemusik bis Sackhüpfen, werden die Kleinen und Großen bei Laune gehalten. Auch Essen und Trinken kommen nicht zu kurz und das Bier fließt sowieso in Strömen. Überraschend viele Aboriginals haben den Eintrittspreis nicht gescheut und feiern feste mit. Überhaupt scheint das Miteinander zwischen Weißen und Aboriginals in dieser Stadt, trotz unterschiedlichster Lebensauffassung, besser als Anderswo zu sein.
Wir beenden diesen an Eindrücken reichen Tag mit einem guten Dinner, natürlich tief unter der Erde, wie es sich für Coober Pedy gehört.

27.03.2005

Der erste Weg führt heute zur Tankstelle, denn wir haben hier einen freien Händler gefunden, der den Diesel schon für 1,23 Dollar anbietet. Gegenüber Marla wo er 1,48 Dollar gekostet hat und ich lieber meine Kanister erleichtert habe, ein doch erheblicher Unterschied.
Dann kommt der langweiligste Teil unseres 14 tägigen Ausflugs ins Outback. Der Stuart Hwy führt durch das flache, kaum bewachsene, graubraune Dessert. Glücklicherweise sind die Temperaturen wenigsten jetzt im australischen Herbst erträglich, aber ermüdend ist die endlose Gerade trotzdem. Nach 330 Kilometern bleiben wir an einem Salzsee, dem Lake Hart, auf einer Rest Area für diese Nacht stehen. Eine Wanderung auf dem See wird schnell durch große Schilder mit dem Hinweis auf "lebende Bomben" beendet. Wahrscheinlich gehörte auch dieser Salzsee zu dem Testgelände, was sich einst hier im Dessert befunden haben muss.

Es ist schon irgendwie komisch, dass Teile, von denen man vorhat sie in nächster Zeit auszuwechseln, das Bestreben haben, unbedingt noch vor diesem Termin den Geist aufzugeben. So unser Radlager am Hänger. Eigentlich sollte es noch bis Port Augusta seinen Dienst tun, aber nein, als wir heute losfahren, macht es mit lauten Knacken auf sich aufmerksam. Was soll es, so bleiben wir hier stehen, zumal wir Gesellschaft von einem genervten Aussi mit zwei Platten bekommen, der auch hier erst einmal seine Schläuche flicken muss. Das komplette Lager zu wechseln, bereitet mir in Staub und Hitze wenig Freude und so begnüge ich mich damit, die Reste des Kugelkäfigs und die deformierten Kugeln zu entfernen, das Lager mit neuen Kugeln und reichlich Fett zu versorgen, in der Hoffnung, dass dieses Provisorium bis Port Augusta durchhält. Bei der Demontage gibt es allerdings einige Verluste. Mein Drehmomentenschlüssel gibt nun endgültig den Geist auf und offensichtlich sind 300 Nm auch für meine Steckschlüsselverlängerung zu viel, denn diese bricht einfach ab. Aber glücklicherweise sind Aussis sehr hilfsbereit und ich kann mich mit etwas Luft aus meinem leistungsstärkerem Kompressor revanchieren.
Diesmal haben wir auch Glück, erst kurz vor dem CP in Port Augusta gibt es wieder unangenehme Geräusche von hinten. So rollen wir auf dem uns schon  bekannten Platz mit der Gewissheit ein, in den nächsten Tagen einiges zu tun zu haben.

29.03.2005

Als wir heute unsere Mopeds runternehmen, sehen wir so nach und nach wie dick die roten Staubschichten wirklich sind. Ohne es zu merken, steigern wir uns in eine Putzaktion, zumindest was den Hänger anbetrifft. Alles raus und abwaschen ist die einzige Methode die Erfolg verspricht. So geht der Tag ganz schnell vorbei und wir haben gerade noch Zeit, ein leckeres Dinner in einem nahen Hotel zu nehmen, da in Australien zeitig Küchenschluss ist.

30.03.2005

Heute müssen wir erstmal Einkaufen, denn unsere Vorräte sind im Outback doch sehr geschrumpft und eine Orientierungsfahrt durch die Stadt werden wir dabei gleich mit unternehmen. Wo die großen Märkte sind, wissen wir schon von unserem ersten Aufenthalt, aber nun brauchen wir auch noch  verschiedene Ersatzteile. Bepackt mit Lebensmitteln, einigen Tools und dem Wissen um verschiedene Händler von Autoteilen kehren wir auf unseren CP zurück.
Am Nachmittag baue ich die hinteren Stoßdämpfer am Landy aus. Nur die etwas angerosteten Muttern machen Probleme, ansonsten komme ich gut zurecht, natürlich nur, weil Cordula mir tatkräftig zur Seite steht.

31.03.2005

Mit unseren alten Stoßdämpfern machen wir uns gleich früh auf zu dem ARB Händler, der uns Gestern so große Hoffnungen gemacht hat. Wie es in solchen Fällen wohl immer kommen muss, stellt sich nach einigen Telefonaten dann heraus, das Monroe - der Hersteller - zwar hier in Adelaide produziert, aber nur diverse Teile, des sonst nur über Belgien vertriebenen Stoßdämpfer. Die Besonderheit unseres Models ist, dass hier Stoßdämpfer und ein die Federn unterstützendes  Luftpolster in einem Teil angeboten wird, was aber in Australien - warum auch immer - nicht vertrieben wird. Fazit, ich baue meine alten, wenig dämpfenden, aber mit immer noch stabilen Luftpolster arbeitenden Stoßdämpfer wieder ein. Nun müssen wir über das Internet versuchen Neue zu bekommen oder Familie oder Freunde in Deutschland in Anspruch nehmen. Wenigsten habe ich so das Aus- und Einbauen schon mal geübt.

01.04.2005

Zwei Stunden im Computershop mit ADSL und unsere Seiten sind auf dem neuesten Stand. Nur die Bilder haben wir noch nicht alle geschafft. Machen wir das nächste Mal. Während ich den Breitbandanschluss strapaziere, kann Cordula mal wieder in Ruhe einkaufen. Mit mir macht ihr das Shopping nicht so recht Spass, denn da muss es immer so schnell gehen.

02.04.2005

Radlager Teil I ist heute angesagt. Ich nehme mir zu erst die bessere, linke Seite des Hängers vor, da ja Wochenende ist und ich so im Notfall keine Werkstatthilfe bekommen kann, denn meist kommt ja noch etwas Unerwartetes dazu. Unterdessen wäscht Cordula  Wäsche und putzt unser "Heim", letzteres erweist sich am Abend als zu früh in Angriff genommen, denn am späten Nachmittag kündigt ein heftiger Staubsturm den Wetterumschlag an. Leider ohne Regen und so ist selbst im letzten Winkel der Kabine wieder eine Staubschicht.
Mit dem Reinigen und Fetten der Radlager komme ich gut voran und kann auch noch einige Schäden an den Seilzügen der Bremsen beheben. Die vielen aufgewirbelten Steine auf der Piste haben nicht nur die Halterungen zum Teil zerstört, an einem Bowdenzug fehlt sogar die gesamte äußere Hülle aus Gummi.

03.04.2005

Es hat sich merklich abgekühlt, aber der starke Wind hält an. Glücklicherweise ist die Luft aber nun wieder klarer. Beim Teil II in Punkto Radlager beginnen nun die Schwierigkeiten. Mit Müh und Not bekomme ich die kaputte Lagerschale von der Welle. Die Lagerschale in der Bremstrommel rührt sich keinen Millimeter. Hier fehlt mir sowohl das richtige Werkzeug, als auch der passende Arbeitsplatz. Eine Exzenterschraube zur Einstellung der Bremsbacken haben wir auch verloren. Hoffentlich finden wir morgen Ersatz dafür. So kann ich heute nur ein Radlager auf der rechten Seite fertig stellen, na ja, ist ja schließlich auch Sonntag.

04.04.2005

Bei Sonnenschein aber einem kühlen Wind machen wir unsere Einkaufstour. Ein Workshop für meine Bremstrommel ist schnell gefunden. Auf die Nachfrage bezüglich der Exzenterschraube gibt es Antworten wie: "habe ich in meinem Leben noch nie gesehen" und der empfohlene Werkzeugmacher hat Urlaub. Da muss ich eben improvisieren. Die Elektrikteile für den Hänger bekomme ich problemlos, sogar die Hängerkabelstecker von NARVA werden hier angeboten. Damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet und hatte mich in Gedanken schon mit den hier üblichen rechteckigen Steckern abgefunden. Beim Abholen meiner Bremstrommel dann ein kleiner Schock - den ganzen Laden wollte ich eigentlich nicht kaufen - 30 Dollar muss ich für das Austreiben der Lagerschale berappen. Na gut, dafür habe ich mir wenigstens nicht dauernd auf die Finger geklopft !
Am Nachmittag baue den Stecker und die neuen Rücklichter am Hänger an, während Cordula noch einige Lebensmittel einkauft. Da hier die Sommerzeit am Osterwochenende zu Ende gegangen ist, wird es nun sehr zeitig dunkel und wenn die Sonne weg ist, wird es auch recht kühl. Aber Morgen ist ja auch noch ein Tag, wozu also die Hetzerei.

05.04.2005

Der Vormittag vergeht mit dem Großputz des Landy im Inneren. Es gibt wirklich keine Ritze in der sich nicht roter Staub eingenistet hat. Aber nach einem halben Jahr Australien war Putzen ohnehin wieder fällig, auch wenn die nächste Tour durch das Outback spätestens im August (australischer Winter) ansteht. Vielleicht sind die Pisten im Winter ja weniger staubig, na wir werden es erleben.
Wie schon berichtet, ist der Internetzugang in manchen Bibliotheken kostenlos, so auch hier in Pt Augusta. Nur rechtzeitig buchen muss man und so haben wir für heute Nachmittag zwei Plätze gebucht. Cordula schmökert durch die Reiseberichte befreundeter Overlander und ich kontaktiere verschiedene Unternehmen bezüglich nötiger Ersatzteile, wie Drehmomentenschlüssel und Stoßdämpfer. Bin sehr auf die Antworten gespannt !

06.04.2005

Schrauben , fetten, ölen ......  Der Hänger wird am Nachmittag fertig. Alle Lager i.O. und bremsen eingestellt. Während Cordula noch Wäsche wäscht und e-Mails schreibt, beginne ich noch mit dem Landy. Fast 2 Liter Öl nehmen Differenziale und Zwischengetriebe zu sich, ehe sie satt sind. Die Kreuzgelenke und Antriebswelle hebe ich mir für Morgen auf.

Am Vormittag besuchen wir die Flying Doctor Station hier in Pt. Augusta. Diese Einrichtung ist sicher die wichtigste Dienstleistung für die im Outback lebenden Menschen und mittlerweile auch für die vielen dorthin reisenden Touris. Diese Anfang des vorigen Jahrhunderts gegründete Einrichtung betreut auch heute noch riesige Flächen (vergleichbar mit zentral Europa) bei fast allen Arten von Notfällen. Dabei steht medizinische Versorgung sicher an erster Stelle. Diese Flüge sind kostenlos und werden durch Spenden und staatliche Beihilfe finanziert. Daneben führt der Flying Doctor Service den Krankentransport über die oftmals weiten Distanzen durch. Diese Leistung wird von den Krankenhäusern und Einrichtungen oder Versicherungen bezahlt. Erstaunlich ist die Tatsache, dass die meisten Einsätze zur Rettung bei Verkehrsunfällen Verletzter geflogen werden. Schließlich leben auf dem Kontinent nur knapp 20 Millionen Menschen.
Zurück auf dem CP springen wir erst einmal in den Pool, denn mittlerweile haben wir wieder ca 30°C. Mit der unterwegs erstandenen Fettpresse mache ich mich nun noch über die restlichen Arbeiten von gestern her. Cordula schreibt weiter an ihren e-Mails. Morgen wollen wir noch einmal das ADSL nutzen.

08.04.2005

Zwei Stunden verbringe ich im Computershop, um zu aktualisieren und die e-Mails zu versenden. Lange fesselt mich auch der neueste Bericht unseres Freundes Oliver Schmidt aus Brachstedt, einem kleinem Dorf im Anhaltinischen. Seine Seiten im Internet (http://www.terracirca.de) sind wirklich zu empfehlen. Im Moment ist er, begleitet von seiner russischen Freundin Lena, dabei die Erde mit Fahrrad und Kajak in nördlichen Hemisphären zu umrunden. Sein letzter Bericht stammt aus Moskau, wo die Anträge für das Permit für Chukota und die Querung der Beringstrasse in die Wege geleitet werden müssen.
Zurück beginne ich mit den diversen Kleinarbeiten, die immer verschoben werden - das machen wir mal, wenn wir viel Zeit haben - und bastle hier und da etwas rum. Heute haben wir auch wieder über 30° C und Cordula freut sich immer wieder aufs Neue über den schönen Pool in den sie springt, nachdem sie unser "Schlafzimmer" mal wieder gründlich geputzt hat.
Die letzten Tage werden wir noch etwas faulenzen, bevor wir am Montag wieder in Richtung Westen starten.

09.04.2005

Bei diesen Temperaturen macht es besonderen Spass mit Wasser zu matschen. So bekommt unser Landy heute eine Außenwäsche. Natürlich ohne Schaum und nur "obenrum", wegen der Umwelt. Wir erfrischen uns danach im Pool.

10.04.2005

Heute ist nun wieder Packen angesagt und nach und nach füllen sich Hänger und Landy wieder, bzw. kehrt wieder Ordnung ein. Das Wetter meint es auch recht gut mit uns. Ein kühler Wind, Wolken am Himmel und ab und zu ein paar Tropfen verhindern, dass wir beim Aufräumen ins Schwitzen kommen. Am Abend werden noch e-Mails fertiggestellt, denn Morgen gehen wir noch einmal ins Netz, sicher wieder das letzte Mal für einige Tage, da bis Perth kaum mit für uns brauchbaren Internetanschlüssen zu rechnen ist.

Nach dem   Besuch im Computershop fahren wir los. Schon kurz nach Pt. Augusta wird die Landschaft wieder kahler und kahler. Dabei sind wir noch gut 600 Km vom großen Karstgebiet, der Nullarbor, entfernt. Die Strasse geht meist schnurgerade aus. In Kimba haben wir genau die Hälfte des Weges zwischen der Ost- und der Westküste Australiens zurückgelegt. Zumindest meinen das die Leute die hier wohnen sehr nachdrücklich. Bei Wudinna gibt es eine Recreationen Area auf der man nach unseren Unterlagen übernachten kann. Nach einem kurzem Stück Piste erreichen wir diesen schönen und auch sehr ruhigen Platz. Das Schild "No Camping" zeigt ein Zelt und wir wollen hier ja nicht zelten. Sollte jemand unser Tun monieren, haben wir ja unseren schlauen Campingführer, in dem genau das Gegenteil steht.
Der nahe Berg soll aus Granit bestehen und sieht aus wie ein kleiner Hügel, der Jahrtausende vom Meer überspült wurde. Weil da drauf nichts wächst, sind schlaue Farmer auf die Idee gekommen, rings um den kleinen Hügel eine Mauer zu errichten, die das Regenwasser auffängt und in einen kleinen Teich umleitet. Wir machen am Abend noch einen kleinen Spaziergang um und über diesen eigenartigen Berg.

Der Ranger kommt am Morgen routinemäßig um aufzuräumen, sein einziger Kommentar: "Howe are you?".
Wir brechen gegen 11.00 Uhr auf und fahren weiter über die  Eyre Halbinsel, welche kartographisch soviel Ähnlichkeit mit Indien hat, aber eben nur kartographisch. Die Strassen führen kilometerweit entlang an Stoppelfeldern. Das Korn ist geborgen und jetzt sind die Schafe dran, ehe sicher erst im tiefsten australischen Winter (Juni - August), der große Pflug dran kommt, denn mit richtigem Bodenfrost ist hier ja nun wirklich nicht zu rechnen.
Jede Stadt und das sind in Australien schon drei Häuser (Dörfer gibt es im Sprachgebrauch nicht, die Rangfolge ist Roadhouse, Home State [Farm], Town) hat als Wahrzeichen mindestens zwei riesige Körnersilos und kündigt sich so schon in dieser weiten Ebene rechtzeitig an.
Wir fahren bis zur Küste nach Streaky Bay. Bei einem kurzen Rundgang machen wir uns mit den Örtlichkeiten vertraut und fahren dann noch ca. 20 Km auf einer Piste an der Küste entlang. Am Ende dieser Gravelroad befindet sich Cape Bauer, eine kleine Steilküste, mit einem schmalen Wendeplatz auf dem man lt. unseren Unterlagen übernachten kann. Diesmal gibt es auch keine Schilder die dem entgegen stehen. Gegenüber, in  rund sieben Kilometer Entfernung vom Ufer, befindet sich eine kleine Insel, auf der es Seerobben geben soll. Die Aussicht aufs Meer verspricht einen schönen Sonnenuntergang und sonst auch sicher eine ruhige Nacht. Bei einem Spaziergang an der Küste trifft Cordula tatsächlich eine Robbe, die ausgelassen in den Wellen spielt.

13.04.2005

Das Wetter hat wieder einmal umgeschlagen. Leichter Nieselregen begrüßt uns am Morgen. Wir verlassen diesen schönen, ruhigen Übernachtungsplatz und rollen weiter, mal dichter und mal ferner, entlang der Küste. Unser erstes Ziel ist heute Ceduna, die letzte größere Stadt für ca. 1200 Km. Erst in Norseman wird es wieder vergleichbare Einkaufsmöglichkeiten geben. Im Roadhouse dazwischen ist das Angebot schmaler, aber dafür teurer. Neben dem Täglichen wie Milch und Brot, brauchen wir heute auch  eine Tankfüllung, die hier wieder deutlich teurer ausfällt. Zu allem Überfluss besuchen wir am Ende der Stadt noch eine kleine Bar, wo frische Austern angeboten werden - man gönnt sich ja sonst nichts - und für 7,50 Dollar ist das Dutzend doch erschwinglich.
Dann geht es weiter auf dem Eyre Hwy durch eine unveränderte braune Landschaft bis Bookabie. Kurz hinter diesem Roadhouse biegen wir ab und fahren auf einer Piste ca. 20 Km nach Fowlers Bay. Eigentlich soll es hier einen sehr komfortablen und kostenlosen Campspot geben , aber der scheint zu Gunsten  des lokalen Caravan Parks aufgelöst worden zu sein. So löhnen wir 18 Dollar für die  Übernachtung. Sollte es Morgen nicht zu stürmisch sein, werden wir einen Versuch mit der Angel unternehmen, schließlich ist die Küste hier sehr fischreich.

Geangelt wird hier hauptsächlich von der Seebrücke, da der Strand mit dicken Schichten von Algen belegt ist. Eine steife, kühle Briese fegt über die Brücke und zu viele Profis würden mir, bei meinen Versuchen mit der Angel, auf die Finger schauen. Da ziehe ich einsamere Orte zum Üben vor.
Dafür gehen wir durch die weissen Sanddünen, die hier gewaltig aufgetürmt sind, ein wenig spazieren.

Fowlers Bay verlasen wir am Morgen und fahren 30 Km Piste, um wieder auf dem Eyre Hwy weiter Richtung Westen zu rollen. Wir passieren drei Roadhouses und nehmen im Nullarbor Roadhouse einen kleinen Lunch zu uns. Die Preise für das Essen sind noch relativ normal, aber der Dieselpreis liegt hier schon bei kapp 1,60 Dollar pro Liter! So werden wir sicher erst einmal unsere Reserven aufbrauchen, bevor wir zu diesem Preis tanken.
Die Strasse zieht sich fast wie mit dem Lineal gezogen geradeaus und die einzige Abwechslung sind kleine Hügel, eigentlich mehr Bodenwellen. Rechts und links der Strasse wechseln sich mal dichter, mal sehr verstreut, kleine Büsche und Gräser ab. Von Bäumen keine Spur mehr, dafür kilometerweite Sicht nach allen Seiten. Nach knapp dreihundert Kilometern biegen wir vom Hwy ab und fahren auf einen kleinen Parkplatz an der Steilküste. Von Juni bis Oktober sind diese Plätze sehr stark frequentiert, da dann von dort aus die Wale beobachtet werden können, die dicht an der Küste entlang ziehen. Jetzt sind es nur ein paar vereinzelte Touris auf dem Weg durch die Nullarbor, die mal einen Blick von der Steilküste über das Meer werfen wollen und sich so von der langen, eintönigen Fahrt erholen. Am Abend wird es sicher schön ruhig werden.

Nach einer wirklich ruhigen Nacht fahren weiter durch die schier endlose Ebene. Allerdings bekommen wir heute reichlich Abwechslung. Zwei Pässe, einen hinunter und den Anderen hinauf, sind zu "meistern", auch wenn es sich jeweils nur um 120 Höhenmeter handelt - die Aussis können aber auch Allem etwas abgewinnen. Dann noch eine Grenze. Die einzige noch ernst genommene Quarantänegrenze scheint die zwischen Süd- und Westaustralien zu sein. Jedenfalls wurden wir hier zum ersten Mal richtig kontrolliert und wie nicht anders zu erwarten, um ein knappes Kilo Zwiebeln erleichtert. Die haben wir aber auch gleich freiwillig offenbart und so unsren Honig und den Knobi gerettet. Zum Schluss landen wir dann auch noch auf Australiens längstem geraden Strassenabschnitt - 146,6 Km - ohne Bogen oder Kurve. Nach knapp 500 Km sind wir doch etwas müde, obwohl es erst gegen 16.00 Uhr ist - die Zeitzonen machen es möglich - und suchen uns einen Platz für die Nacht auf der Domblegabby Rest Area.

Die ganze Nacht stürmt es heftig,  so das unsere Kabine ordentlich durchgeschüttelt wurde. Regnen tut es auch, aber nur die berühmten drei Tropfen. Durch die Zeitverschiebung sind wir für unsere Verhältnisse sehr zeitig auf den Beinen. So nehmen wir wieder die Strasse unter die Räder und bewältigen die letzten 350 Km bis Norseman, der ersten ernstzunehmenden Stadt auf dieser Strecke in Westaustralien. Leider sind alle Einkaufsmöglichkeiten geschlossen, da heute ja Sonntag ist. So schauen wir nur mal bei der Touristeninformation herein, um einige nützliche Infos über Westaustralien einzusammeln. Überraschenderweise werden wir mit einem Zertifikat ausgestattet, mit welchem uns attestiert wird, dass wir "Following in Eyre’s Footsteps". Edward John Eyre war der Erste, der mit seiner Expedition 1841 diese Ost-West Verbindung erkundet hat und für diese Strecke fast dreizehn Monate brauchte!.
Wir finden dann doch noch einen kleinen Laden, wo wir wenigstens Kartoffeln und Brot bekommen. Unser nächstes Ziel ist die Südküste bei Esperance. Hinter Norseman wird die Landschaft doch wieder etwas abwechslungsreicher und es gibt auch wieder richtige Wälder. So vergehen die letzten Kilometer schnell, bis wir einen geeigneten Übernachtungsplatz auf der Kumarl Siding Park Area finden.

Die reichlich 100 Km bis Esperance sind am Vormittag schnell geschafft, so haben wir hier genügend Zeit, um unsere Vorräte aufzufrischen und auch noch unsere Seiten im Internet zu aktualisieren. Als alles erledigt ist, verlassen wir die Stadt am späten Nachmittag und fahren zum Quagi Beach, ungefähr 60 Km südwestlich von Esperance. Die letzten 10 Km sind Piste mit ordentlichem Wellblech. So kommen wir nur langsam voran und erreichen die Camp Area erst mit einbrechender Dunkelheit. Außer einem riesigen Bus mit Hänger und Geländewagen (echte Aussteiger - scheinen schon länger hier zu stehen) ist die Area völlig leer. Es gibt Wasser aus einem Brunnen mit typisch australischer Windradförderung und Toiletten. Und Mücken !!! Nach dem wir uns einen Platz gesucht und so weit es im Dunklen möglich ist, eingerichtet haben, jagen wir diese kleinen Biester in unserer Kabine. Stolze Bilanz - mehr als zehn tote Plagegeister. Hoffentlich waren das Alle. Sicherheitshalber stellen wir eine Spirale auf. So schlimm war es auf unsrer ganzen Reise noch nicht mit diesen Blutsaugern. Mal sehen wie die Lage und Plage am Tage aussieht.

19. - 22.04.2005

Die Mücken bleiben uns auch in den nächsten Tagen erhalten, dafür gibt es eben keine lästigen Sandflyes hier. Das Wetter ist wechselhaft, trotzdem haben wir auch einen schönen Badetag dazwischen und das Wasser ist erstaunlich warm und sehr klar. In Esperance haben wir neue Bücher eingetauscht und so kommt keine Langeweile auf. Außerdem weht hier eine leichte, aber doch einigermaßen beständige Briese, so dass ich unseren Windgenerator zum Einsatz bringen kann. Damit haben wir etwas mehr Energie und können auch den PC täglich einige Stunden betreiben. Es bleibt nicht ganz so ruhig hier, wie am ersten Tag, aber das Gelände ist sehr weitläufig und dicht bewachsen, so begegnet man selten anderen Campern.

23.04.2005

Nach dem Frühstück packen wir und fahren zurück auf den South Coast Hwy. Dann geht es weiter in Richtung Albany. Die Landschaft ist wieder recht abwechslungsreich und da es hier offensichtlich mehr geregnet hat, auch sehr grün. In Ravensthorpe holen wir uns noch schnell Brot und Eier und biegen dann wieder vom Hwy ab, um nach Cape Riche unserem heutigen Ziel zu kommen. Hier wird von der Kommune eine kleine Camp Area, direkt am Strand mit Dusche und WC unterhalten. Leider hängen heute die Wolken etwas tief und leichter Regen kommt am Abend auf. Sollte die Sonne sich morgen wieder durchsetzen können, werden wir eventuell noch einen Tag hier stehen bleiben, denn die Gegend ist sehr schön.

Wir hängen noch einen Tag dran, denn die Sonne hat ein Einsehen und lacht am Morgen vom Himmel. Einen ausgedehnten Strandspaziergang vereiteln auf beiden Seiten der Bucht bis ins Meer reichende Felsformationen. Als wir es auf einem kleinen Trail entlang der Küste versuchen, werden wir von Hunderten von Mücken als verspätetes Frühstück herzlich Willkommen geheißen. Wir fliehen zurück auf die Strasse und lassen es bei einer kleinen Runde bewenden.
Als wir mit unseren Stühlen an den Strand ziehen, um in der Sonne noch etwas zu schmökern, müssen wir uns fast ins Wasser setzen, da es auch hier von diesen Plagegeistern wimmelt. Zum Schluss greifen wir doch zu den schweren Waffen und sprühen uns mit Autan ein. Komischerweise wird die Camp Area selbst, von diesen Viechern relativ verschont. Der Herbst scheint hier in Australien die Jahreszeit der Mücken zu sein, obwohl es in den Nächten doch schon empfindlich kalt wird.

Es geht wieder zurück auf den South Coast Hwy und weiter Richtung Albany. Wir fahren noch ca. 30 Km über Albany hinaus, zum Cosy Corner Beach. Leider sind die wenigen kostenlosen Stellplätze hier alle belegt. Also bleibt nichts anderes als zurück zur Stadt. Eine kleine Halbinsel umschließt den Princess Royal Harbour und ist Albany direkt vorgelagert. Der Hauptteil dieser Halbinsel nennt sich Little Grove und dort finden wir den CP Panorama. Eine sehr schöne und ruhige Anlage direkt am Wasser. Unseren Platz mieten wir erst einmal für eine Woche, werden aber sicher verlängern, da wir hier unseren 2. Jahrestag feiern wollen.

26.04.2005

Nach dem Frühstück nehmen wir die Bikes vom Hänger und befreien sie von der obligatorischen Staubschicht, welche die Pistenfahrten nun einmal mit sich bringen. Am Nachmittag fahren wir in das Zentrum von Albany, um uns etwas zu orientieren. Schnell finden wir einen geeigneten Internetanschluss und die diversen Einkaufsmöglichkeiten. Albany ist eine sehr schöne kleine Stadt. Ein kleines Restaurant für unsere Feier haben wir auch schon gefunden !

27.04.2005

Da wir hier wieder über ausreichend Strom verfügen, kann ich ausgiebig am PC arbeiten. Cordula hält das nicht lange aus, zumal das Wetter recht wechselhaft ist. Sie schnappt sich ihr Moped und will die Gegend etwas erkunden. Die vielen kleinen Buchten auf der Halbinsel versprechen schöne Fotomotive. Lange dauert ihr Ausflug allerdings nicht, denn kaum das sie weg ist, setzt ein kurzer, aber heftiger Regen ein. So ist sie bald, etwas nass und durchgefroren wieder da. 

28.04.2005

Zwei Stunden Internet und Cordula entdeckt die Wolle neu. Das Wetter lädt auch mehr zum Stricken als zum Bummeln ein.

29.04.2005

Wechselhafter kann das Wetter im deutschen Herbst auch nicht sein. Mal Sprühregen, dann heftiger Wind und schon scheint die Sonne wieder - aber nur kurz und das Spiel beginnt von vorn. Die Temperaturen fallen sogar am Tag bis auf 13 °C und wir sind froh unsere Heizung anwerfen zu können.

30.04.2005

Irgendwo haben wir gelesen, die beste Reisezeit für Südwest Australien sei März bis Juni - offensichtlich gilt das für dieses Jahr nicht.

Feiertag. Auch hier, da aber heute Sonntag ist, gibt es für die Aussis morgen wieder frei, schließlich können sie ja nichts dafür, das der Feiertag auf einen Sonntag fällt. Der Wirtschaft scheint es keinen Schaden zu tun und die meisten großen Einkaufsketten haben sowieso an allen sieben Tagen der Woche auf - nur an ganz grossen Feiertagen manchmal nicht oder verkürzt.
Die Sonne lässt sich auch gelegentlich sehen und so machen wir einen kleinen Ausflug mit dem Moped über unsere Halbinsel.

02.05.2005

Unser Jahrestag fällt buchstäblich ins Wasser. Es regenet halbstündlich. Wir lassen unsere geplante Feier ausfallen, denn mit nassen Klamotten im Restaurant zu sitzen, macht doch wenig Spass und die knapp 15 Km bis in die Stadt trocken zu schaffen, scheint unmöglich. Also machen wir es uns nach einem kräftigen Abendessen mit zwei guten Flaschen von Meister Seppelt in unserer Kabine gemütlich.

 

Zum Reisejahr III

 

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