Reisejahr V  -  “Asien - die Länder des Lächelns und der Geister“

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Das neue Reisejahr beginnt mit einer schönen offroad Tour in das Herz der Kimberleys. Unser erstes Ziel ist der Tunnel Creek. Allerdings werden wir ihn nicht in voller Länge (750 Meter) durchwandern, sondern wollen nach einer kurzen Stippvisite weiter zum Windjana Gorge, wo wir auf der Campsite des NP zwei Nächte stehen. Mit zwanzig Dollar pro Nacht schlägt das Gouverment ganz schön zu, denn mehr als Wasser aus einem Bohrloch für Toilette und Dusche gibt es hier nicht.
Die ‘Fairfield Leopold Road’ wird zur Zeit noch “fein gemacht” und hat gelegentlich auch noch einige Wasserdurchfahrten, ist aber im grossen und ganzen recht passabel. Ob der Grösse der Flächen und des unwegsamen Geländes wird das Rindvieh hier mit dem Hubschrauber getrieben.
Nach dem wir uns im Camp am Windjana Gorge eingerichtet haben, macht Cordula schonmal eine kleine Runde, um die Abendsonne beim Fotografieren zu nutzen und findet auch gleich ein paar Krokodile, allerdings die kleineren Süsswasserkrokodile, die man auch am langen schmalen Kopf gut erkennt.

Am noch kühlen (28 °C) Morgen beginnen wir mit unserer Wanderung durch den Gorge. Ein schmaler Pfad führt entlang des Lennard River, der noch vor wenigen Tagen weit über seine jetzigen Ufer getreten war, durch die Felsen. In der Regenzeit ist das gesamte Gebiet hier ein einziger reissender Strom.

Nach etwa zwanzig Kilometern verlassen wir die ‘Fairfield Leopold Road’ und biegen nun doch noch in die ‘Gibb River Road’ ein. Zufällig erfahren wir auch, das diese Strecke heute auch von Kununurra aus freigegeben wurde. Wir hätten also dort noch rund zwei Wochen warten müssen und wären jetzt erst am Anfang der Strecke.
Hier unten ist die Gravelroad in recht gutem Zustand und erlaubt sogar uns einen Schnitt von 60 Km pro Stunde. Dabei gibt es auch einige Steigungen zu bewältigen, denn die Kimberleys sind in dieser Gegend fast 1000 Meter hoch, für australisches Outback schon ganz gewaltig ! Erst im King Leopold NP ab dem Abzweig zum Bell Gorge wird es etwas deftiger. Zwanzig Kilometer Feldweg, mit einigen Wasserdurchfahrten, bis zum Campground schütteln unsere Fuhre ordentlich durch. In der Kabine bleibt aber erstaunlicherweise alles an seinem angestammten Platz. Naja, ein paar Erfahrungen haben wir nun doch schon und ein wenig dazu gelernt auch.
Noch bevor wir uns unserem “Platten” vom heutigen Tag widmen, fahren wir ohne Hänger weiter, direkt bis zum Bell Gorge. Das sind dann aber wirklich zehn harte Kilometer und wir brauchen fast eine Stunde bis dahin. Da haben selbst die 4WD ohne Aufbauten ordentlich zu rudern und sind auch nicht viel schneller als wir.
Dafür gibt es dann erfrischenden Badespass im Krokodil freien Gorge und der Anblick des Wasserfalls entschädigt auch für die Mühe der Anfahrt.
Zurück auf dem Camp wird noch schnell der Reifen geflickt, denn wer weiss schon, was uns Morgen erwartet. Auf einer Gravelroad ist alles möglich, auch zwei “Platte” in einer Stunde wenn es sein muss. Der Schlauch hat zwar noch keine Flicken, ist aber nach zwei Jahren doch recht brüchig. Aber gleich wegwerfen möchte ich ihn auch nicht, so wird also erst einmal ein Flicken drauf gesetzt.

Meinen Geiz bezahle ich nach rund fünfzig Kilometer mit einem weiteren Plattfuss am selben Rad. So ist schon für etwas Ausarbeitung vor dem Abendbrot gesorgt. Am Willare Bridge Roadhouse mieten wir uns für die Nacht ein und der Reifen bekommt den versprochenen neuen Schlauch. Zuvor befreien wir unseren Zug mit warmen Wasser vom gröbsten Staub. Das Wasser kommt offenbar aus einer Thermalquelle, denn es ist laut Warnung am Hahn nicht trinkbar und bleibt konstant ca. 40 °C warm.
Die Fahrt durch die Kimberleys hat uns wirklich sehr gefallen, besonders da hier das Outback nicht endlos flach, sondern von vielen Erhebungen durchzogen ist. Leider haben wir aber Sonja & Michi, ein Schweizer Paar mit welchem wir schon seit längerem in e-mail Kontakt sind, nun wohl doch verpasst, denn laut letzter Nachricht wollten die Beiden schon vor einigen Tagen die Gibb River Road zum Windjana Gorge hoch fahren. Na eventuell klappt es ja ein anderes Mal.

Die rund 150 Kilometer bis Broome sind bis zum Vormittag schnell geschafft und unser erster Weg führt wie immer zur Touristinformation. Mit Stadtplan und vielen Informationen versehen wollen wir gerade zur nächsten Tat, dem obligatorischen Einkauf schreiten, als Cordula aufgeregt ruft “da sind sie ja” und davon eilt. Dann habe ich den weissen Aufbau mit dem schweizer Kreuz auch entdeckt. Sonja & Michi (www.sabana.ch) sind gerade dabei an einem ihrer grossen Reifen einen Schlauch zu wechseln (Overlanders liebstes Steckenpferd - bloss gut das es uns nicht allein so geht) trotzdem freuen sie sich uns zu sehen. Wir lernen ihre Freunde Susi & Manfred und Doro & Jupp (www.monster-worldtour.de) kennen, auch Langzeitreisende bzw. Overlander. Alle helfen, soweit möglich, damit wir noch etwas Zeit zum gegenseitigen “beschnuppern” und dem Austausch einiger Reiseerlebnisse haben. Leider wollen alle nun endlich weiter Richtung Derby und Gibb River Road und waren ja auch fast schon auf dem Weg, als der Reifen an Michis TCM zu streiken begann. Trotzdem wird es später Nachmittag bis der unvermeidliche Aufbruch kommt. Schade, aber schliesslich trifft man sich ja im Leben immer zweimal......
Nach unserem Einkauf ist es schon fast dunkel als wir unseren Platz an der Roebuck Bay für die nächsten Tage einrichten. Bevor wir die Tanami Road in Angriff nehmen, wollen wir uns hier einige Tage erholen. Vor neun Jahren war die Tanami Road ja leider wegen Überflutung schon geschlossen und wir mussten auf den Gunbarrel Hwy ausweichen, um nach Alice Springs zu kommen.

08. - 15.05.2007

Wir sind mit unserer Platzwahl sehr zufrieden, schön schattig und der indische Ozean in Sichtweite. Mit den Gezeiten kommt eine leichte Briese auf und die Nachttemperaturen sind erträglich. Zeit zum Relaxen und Arbeiten. Abschmieren ist bei den staubigen Pisten eine hoffentlich materialsparende Vorbeugung, genau wie der fünftausender Ölwechsel á lá Ken.
Aber auch unsere Nachfeier zum vierten Jahrestag kommt nicht zu kurz. Diesen feiern wir in einem Hotel Restaurant und lassen uns mal so richtig verwöhnen. Gutes Essen, süffiger Wein und eine unterhaltsame Diskussion zu zweit - was will man mehr ?
Da wir beide Mopeds abgeladen haben, kann Cordula alle Küsten anfahren (Broome liegt ja quasi auf einer kleinen Halbinsel und ist an drei Seiten vom Indischen Ozean umgeben), während ich im Internet-Café unsere Seiten auf den neuesten Stand bringe.
Nach einer Woche Broome zieht es uns dann doch wieder auf die Strasse, zumal es auf dem Platz langsam eng wird. Die Flut der Rentner, die dem nun “kalten” Süden entfliehen und hier für die nächsten fünf bis sechs Monate einziehen, nimmt von Tag zu Tag weiter zu.

16.05.2007

Auf dem Great Northern Hwy rollen wir in Richtung Osten, zurück nach Fitzroy und Halls Creek. Für diese Nacht stehen wir aber erst ein mal auf einer Rest Area in der Nähe von Ellengale. Ein aus Fitzroy kommender Camper erzählt uns, dass es dort in den letzten Tagen ordentlich geregnet hat. Auch hier werden die Wolken immer dunkler und in der Nacht regnet es beständig.

Der Himmel bleibt bedeckt als wir weiter fahren. Unser heutiges Ziel  ist noch einmal die Rest Area am Mary River. Dort haben wir schon vor reichlich vierzehn Tagen gestanden und es hat uns gut gefallen. Für ein typisch australisches Dinner haben wir bereits Steaks vorbereitet, um es hier am offenen Feuer zu brutzeln. Selbst der leichte Nieselregen kann uns die Freude daran nicht verderben. Die absolute Stille (trotz des ständigen Zirpen und Rascheln im Unterholz), die tiefe Dunkelheit und die rote Glut des niedergebrannten Feuers, sind immer wieder ein besonderes Erlebnis im Outback.

18. - 24.05.2007

Da auf den reichlich tausend Kilometern der Tanami Road bis Alice Springs der Diesel wieder recht teuer werden wird, entschliessen wir uns, noch bis Halls Creek zum Tanken zu fahren. Als wir den Abzweig zur Tanami Road passieren, sieht Cordula im Vorbeifahren ein gelbes Schild quer über den Pisteneingang stehen. Sie ist sich nicht ganz sicher, meint aber, es war ein “Road closed” Schild, was nicht Gutes verheisst. Also von der Tankstelle direkt zur Touristinfo, wo uns schon am Eingang ein Aushang verkündet, was wir gar nicht lesen wollen. Dank des Regens der letzten Tage sind die Tanami Road und die Bungles Bungles geschlossen und die Duncan Road ist nur eingeschränkt befahrbar. Auch die direkte Nachfrage am Tresen des Infocenters ändert daran nichts. Wie immer gibt es auch keine zeitliche Vorhersage wann die Strecken wieder aufgemacht werden. Nur soviel, es wird weiterhin Regen erwartet. Natürlich sind wir sehr enttäuscht, ist es doch nun schon unser zweiter Versuch die Tanami Road zu fahren, welcher  auch diesmal zu scheitern droht. Was nun ? Nach eingehender Diskussion entschliessen wir uns, hier für eine Woche zu warten und dann entweder die zwischenzeitlich geöffnete Tanami zu nehmen oder aber auf der für 4WD offnen Duncan Road weiter zufahren. Wir trösten uns damit, dass es wohl angenehmer ist hier, als irgendwo im Schlamm auf der Tanami zu stehen. In der Touristinfo haben wir erfahren, dass in Old Halls Creek ein CP einen Wochenrabatt anbietet und darüber hinaus attraktiv und ruhig im Busch gelegen ist. Und da der CP in Halls Creek im Moment so gut besucht sein dürfte, dass es dort bestimmt keinen Rabatt gibt, fahren wir nach Old Halls Creek.
Diese ehemalige Goldgräber Ansiedlung liegt direkt an der Duncan Road und ist bis auf eben diesen CP völlig ausgestorben. Nur einige alte Ruinen und Strassenschilder verkünden von der einstigen Blütezeit dieses Ortes. Die “Old Town Lodge” liegt auf einem kleinen Hügel und bietet eine schönen Blick zu den nahen Kimberleys. Der Inhaber ist ein Schiffsmaschineningenieur und ehemaliger Seefahrer, der mehr Interesse an der alten Goldmine und der damit verbunden Technik, als an der Führung eines Camping Platzes hat. Der Preis für eine Woche Camping  mit Strom ist aber mit 80 Dollar sehr günstig und wenn die Toiletten zu schmutzig sind, haben wir ja schliesslich noch unsere Eigene. Ausserdem sind wir schon durch Asien gereist und dementsprechend auch schon so einiges gewohnt.
Ein Moped wird abgeladen, um so mindestens jeden zweiten Tag die neuesten Infos im sechzehn Kilometer entfernten Halls Creek einzuholen. Aber wie schon der Betrieb selbst auf unserem CP ahnen lässt, hat sich an der Situation nach drei Tagen noch nichts geändert. Später wird jedoch die Road zu den Bungles Bungles aufgemacht und der anhaltende Sonnenschein lässt Hoffnung aufkommen.
Nach fünf Tagen Wartens, dann endlich gute Nachrichten. Die Tanami ist wieder offen. Zwar ist noch mit einigen Behinderungen zu rechnen, aber die Fahrzeuge des Strassendienstes sind unterwegs, so wenigstens die Auskunft der Touristinfo. Da wir strahlenden Sonnenschein haben, bleiben wir nun auch noch den letzten Tag der gemieteten Woche hier und werden am Freitag in Richtung Alice Springs starten.

In Halls Creek versuchen wir noch etwas Gemüse und Obst zu ergattern. Aber in den kleinen Mini-Märkten ist die Auswahl doch eher bescheiden. Die nächsten ernstzunehmenden Städte wie Broome, Darwin oder Alice Springs sind eben zwischen 600 und 1000 Kilometer entfernt und so muss man sich halt mit dem bescheidenen Angebot begnügen.
An dem Abzweig der Tanami angekommen, heisst es erstmal Luft ablassen und bei acht Reifen dauert das entsprechend, genügend Zeit für Cordula unseren Start ordentlich zu dokumentieren. Achthundert Kilometer Gravel Road und rund zweihundert Kilometer geteerte einspurige Strasse liegen vor uns. Da wir mit unserem Zug nicht mit hoher Geschwindigkeit über das Wellblech “schweben” können, erleichtert der verminderte Luftdruck das Fahren erheblich. Da wir es auch recht ruhig angehen lassen, ist unser erstes Etappenziel Wolfe Creek, der berühmt berüchtigte Meteoriten Krater. Berühmt, weil er der zweit Grösste seiner Art ist (der Grösste befindet sich in Californien) und berüchtigt, weil es einen australischen Film gleichen Namens gibt, der von drei Backpackern berichtet, die an diesem Krater von einem Psychopathen entführt und getötet bzw. misshandelt werden, was alles auch noch auf authentischen Begebenheiten beruhen soll.
Am Nachmittag erreichen wir den Krater. Bis hierhin war die Strecke in recht gutem Zustand - wir warten ja immer noch auf die Wetterschäden - nur der Abzweig zum Krater war etwas holprig. Die 850 Meter Durchmesser lassen schon auf einen gewaltigen Brocken schliessen, der hier aufgeschlagen ist und da eine Menge Staub durchs Outback fliegt, dürfte der Krater ursprünglich auch wesentlich tiefer gewesen sein. Unweit des Krater befindet sich eine kleine Camparea, leider zur Zeit ohne Wasser. Hier wollen wir übernachten. Da wir selbst das Holz fürs Feuer mitgebracht haben (solche Plätze sind meist regelrecht leergefegt, was trockenes Holz betrifft und man muss meilenweit gehen, bevor man fündig wird) fehlt es uns an nichts und wir sorgen gleich erst einmal für ordentlich Glut, damit unsere Steaks dann auch richtig Medium werden. Zum Dinner gibt es dann auch noch den obligatorischen kurzen, aber im Outback immer sehr eindrucksvollen Sonnenuntergang.
Zur Krönung des Abends sehen wir uns dann vor dem Schlafengehen, sozusagen direkt am Schauplatz des Geschehens, noch einmal das Video “Wolfe Creek” an.

Nach einer geruhsamen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück geht es weiter. Die Tanami wird rauher, vor allem das Wellblech nimmt zu. Nach rund zweihundert Kilometern haben wir für heute die Nase voll vom Gerüttle und Geschüttle und suchen eine Platz für die Nacht  Den finden wir am Abzweig zum Camp der offensichtlich noch recht jungen “Cojoten Mine”. Es ist immer gut etwas abseits der Main Road zu stehen, denn die Roadtrains fahren auch Nachts und verursachen natürlich eine ordentliche Staubwolke.

Auf dem Abschnitt zwischen Camp und Mine ist die Tanami in Bestzustand, hier wird regelmässig an der Road gearbeitet. Danach gibt es wieder viel Wellblech. Auch als wir wieder im Northern Territory “einreisen” ändert sich der Zustand der Tanami nicht. Allerdings haben wir auch nichts gefunden, was die Sperrung der Road vor einigen Tagen rechtfertigen könnte. Nach einigen Vorkommnissen mit spektakulären und vor allem teuren Rettungsaktionen in den späten Neunzigern, in welche auch Touristen verwickelt waren, ist man hier sehr vorsichtig geworden. Nach unserem Geschmack zu vorsichtig, aber was soll’s.
Rabbit Flat, eines der abgelegensten Roadhouse in Australien (es gibt mehrere die um diesen Titel konkurrieren) ist unser nächste Ziel. Hier wollen wir heute Lunchtime machen. Ein französisches Ehepaar hat dieses Roadhouse 1969 gegründet und betreiben es seit dem. Es mutet an wie eine Mischung aus Auberge und Knastkiosk. Wir nutzen die Gelegenheit und nehmen eine Dusche für drei Dollar. Während wir beim Lunch sind, kommt ein mit Aboriginals voll besetzter Toyota Landcrouiser und unter all den Dunkelhäutigen kommt ein blonder Weisser zum Vorschein. Der junge Mann ist Brite und kommt von einer der Kanalinseln. Seine Frau und sein Freund stehen rund 150 Kilometer weiter in Richtung Alice mit einem platten Reifen. Zwei Ersatzräder, die bereits gestern ihren Geist aufgegeben haben, hat er auch noch bei sich. Nun versucht er hier sein Glück Ersatzreifen zu bekommen, nachdem es bei der Granit Mine nicht geklappt hatte. Bruce, der Inhaber von Rabbit Flat, ruft noch bei der Tanami Gold Mine an, aber auch dort kann nicht geholfen werden. Einzig einen passenden Schlauch findet Bruce in seinem Lager, welcher aber den Ersatzrädern auch nicht weiter hilft. Der Gummi ist so kaputt, dass nur noch neue Reifen aufgezogen werden können. Mit dem Schlauch kann Phil aber den Platten am Auto reparieren, dazu fehlt ihm jedoch das entsprechende Werkzeug. Da wir hier zur Zeit das einzige Fahrzeug in Richtung Alice sind, fragt er uns, ob wir ihn bis zu seinem Auto zurück mitnehmen könnten. Natürlich machen wir das, denn schliesslich brauchen wir auch mal irgendwann “Unterwegshilfe”. Nachdem wir gemeinsam mit einigen sehr hilfsbereiten Aboriginals hier wenigstens noch die überflüssigen Reste der alten Reifen von den Felgen gewuchtet haben, bräuchte ich eigentlich wieder eine Dusche, aber wir machen uns lieber auf den Weg, denn in wenigen Stunden ist es bereits Dunkel.
Nach reichlich zwei Stunden erreichen wir Phils Auto. Seine Frau und sein Freund harren nun schon seit dem Morgen hier aus und haben inzwischen viele gute Ratschläge von den Vorbeifahrenden bekommen. Wir nehmen uns den Platten vor, der unter unserer Kabinenstütze schnell ausgedrückt ist und mit etwas Seife und zwei guten Eisen ist es auch kein Problem, eine Seite von der Felge zu bekommen. Als wir den Schlauch untersuchen, lässt sich auch mit Wasser und Seife keine undichte Stelle entdecken. Da Phil am Morgen Luft aufgefüllt hat, besteht die Möglichkeit, dass es nur das Ventil ist, welches eventuell nicht richtig geschlossen hat. Also kommt der Schlauch wieder rein. Beim Aufpumpen des Reifen baut er keinen Druck auf und es zischt vernehmlich aus dem Ventilloch in der Felge. Doch kaputt oder gar beim Montieren den Schlauch erwischt ?? Langsam wird es dunkel und wir beschliessen nun ohne weitere Untersuchungen den neuen Schlauch zu montieren. Alles geht auch gut bis Phil am Ventilnippel zieht, um den Schlauch des Kompressors aufzustecken. Plötzlich hält er das Gewindestück des Ventils in der Hand (möglicherweise ein Materialfehler) und der Schlauch ist somit unbrauchbar. Mittlerweile ist es hier draussen Nacht und wenn ein Roadtrain auftaucht, donnert der mit bis zu 100 Km/h hier durch. Also höchste Zeit von der Piste zu kommen. Kurz entschlossen  schneide ich das unbrauchbare Ventilnippel aus dem neuen Schlauch und klebe einen Flicken inklusive Ventilnippel aus meinem Reparaturset ein. Habe ich bis dahin noch nie gebraucht und bin sehr gespannt, ob das wohl hält. Dann montieren wir den Reifen zum dritten Mal und ich bin verständlicherweise nun doch etwas genervt. Erst die zwei alten Reifen von der Felge holen, dann dreimal den Platten montieren. Aber so ist es eben, wenn man zu helfen beginnt, muss man es auch bis zum bitteren Ende durchziehen, jedenfalls ich handhabe es so. Mit der letzten Aktion scheinen wir auch Glück gehabt zu haben - die Luft hält und das Rad kann montiert werden. Die Drei haben letzte Nacht unweit von hier auf einer Restarea gestanden, zu der wir nun im Dunklen aufbrechen.
Nach dem etwas verspäteten Dinner setzen wir uns dann noch zusammen und tauschen am Lagerfeuer  Reiseerlebnisse aus und Phil nimmt sich fest vor, sein Werkzeug um ein paar Montiereisen zu erweitern und für ein paar Schlauchflicken wird es sicher auch noch reichen.

Die Drei starten noch vor uns, nun auch wieder Richtung Alice, um dort erst einmal neue Ersatzreifen zu besorgen. Da wir sie später nicht mehr an der Strecke treffen, können wir davon ausgehen, dass der Flicken mit dem Ventilnippel gehalten hat.
Wir rollen weiter auf der Tanami langsam unserem Ziel Alice Springs entgegen. Als wir gegen Mittag zur Lunch Pause in die Aboriginal Community Yuendumu fahren, erleben wir eine herbe Enttäuschung. Die Schilder heissen uns zwar herzlich Willkommen und die Aboriginals winken auch sehr freundlich, aber als wir anhalten, kommt ein Weisser mit einem Pickup der Community und macht uns regelrecht zur Schnecke. Wir hätten uns den falschen Ort ausgesucht und es wäre besser, wir würden weiter fahren. Die Camera sollten wir gar nicht erst rausholen, sonst würde er uns gleich einsperren ! Das alles ohne Gruss oder sich vorzustellen. Wir sind so perplex, dass wir umgehend wieder einsteigen und unseren Lunch an den Rand der Community verlegen. Aber selbst bis dorthin folgt uns dieser freundliche Zeitgenosse und beobachtet uns aus seinem Pickup. Offenbar haben einige Weisse ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich an den Steuergeldern, die eigentlich für bessere Lebensbedingungen der Aboriginals gedacht sind, durch verschiedene Tricks dumm und dämlich verdienen. (Von einigen dieser Tricks haben wir schon ausführlich gehört)
Nachdem wir weitere achtzig Kilometer zwischen uns und diesen hässlichen Vorfall gebracht haben, ist es wieder Zeit, einen Platz für die Nacht zu suchen. Wir biegen in den Track zum Mount Wedge ab und finden schon nach wenigen hundert Metern einen alten Maschinenplatz des Strassendienstes. Die Wendeschleife ist für uns ideal und die Nacht am Feuer mit einem Glas Wein wird wieder gemütlich lang.

Die Gravel Road ist nun fast schon wieder zu Ende und wir schauen noch kurz im Tillmouth Well Tourist Complex rein, der hier seit 1990 steht. Hier gibt es alles, was man in der Zivilisation erwartet, aber es passt nicht so recht ins Outback. Wer hier raus fährt, erwartet schliesslich keinen Pool oder klimatisierte Kabinen, oder doch ?
Ungefähr 10 Kilometer nach dem Complex beginnt auch schon wieder die Teerstrasse, zwar einspurig, aber immerhin Teer. Wir sind froh, die Tanami Road gefahren zu sein, denn bald so scheint es jedenfalls, wird auch die Ost-West Verbindung Australiens durchgehend geteert sein. Der hohe Goldpreis und die so wieder sehr interessanten Minen auf dieser Strecke machen es möglich.
Zwei Stunden später rollen wir zum dritten Mal in Alice Springs ein und steuern direkt zum CP “G’day Mate”, der uns in guter Erinnerung ist.

30.05. - 12.06.2007

In Alice Springs verbringen wir diesmal rund vierzehn Tage. Solange die Sonne scheint ist es angenehm warm, allerdings nur dort, wo sie direkt auftrifft. Am Tag 15 bis 20 und in der Nacht Temperaturen zwischen 1 und 5 °C, da braucht man zum Moped fahren schon wieder die ganze ”Uniform”. Deshalb und weil wir die Attraktionen der Gegend nun doch schon recht gut kennen, ist in der Sonne sitzen (und zusammen mit dem Stuhl und der Sonne wandern) und viel Lesen unsere Hauptbeschäftigung. Natürlich besuchen wir den Prolog des “Finke Desert Race”, welches beim letzten Besuch hier in Alice vor zwei Jahren, gerade zu Ende gegangen war. Auch verpasst Cordula den sonntäglichen Markt und den Bummel durch die Geschäfte der Todd Mall auf gar keinen Fall.

Nach vierzehn Tagen Ruhe geht es heute wieder auf die Strasse. Siebzig Kilometer noch auf Teer und dann geht es wieder auf die Gravel Road. Der erste Teil des Sandover Hwy ist stark mit “Wellblech” überzogen, so dass wir höchstens 40 Km/h fahren können. Trotzdem schaffen wir noch zweihundertfünfzig Kilometer und übernachten auf einer Restarea bei Ammaroo. Bis hierhin hatten wir auch einigen Verkehr auf dem Hwy, allerdings fast ausschliesslich Aboriginals aus den wenigen Communities die am Sandover Hwy liegen.
Die Nacht wird ausgesprochen ruhig und wir schlafen ungestört bis in den frühen Vormittag hinein, ein Luxus den man auf keinem CP geboten bekommt, denn dort geht es spätestens um 6.00 Uhr mit den ersten startenden Fahrzeugen los.

Schon kurz nach dem Start wird der Sandover zu einer sehr gut befahrbaren Piste, zumindest an diesem Tag. Wir kommen sehr gut voran, diesmal bis zur ersten Pinkelpause. Nach dem die Geschäfte erledigt sind, gehen wir noch mal so rund um den Zug und entdecken einen nicht mehr vorhandenen Reifen (bzw. die wenigen vorhandenen Reste) am Hänger. Da haben wir mal richtig “ganze” Arbeit geleistet. Ob nun durch den vielen Sand - der Sandover Hwy macht seinem Namen manchmal wirklich Ehre - oder die zügige Fahrt, wir haben von dem Platten wirklich nichts gemerkt und da er hinten rechts ist, konnte ich auch im Spiegel nichts bemerken. Schade nur, dass er erst rund sechstausend Kilometer gelaufen ist. Also schnell das Reserverad montieren und weiter geht’s. Als wir nach dreihundert Kilometern in der Nähe von Georgina für heute die Nase voll haben, machen wir uns noch über die Felge mit dem Restgummi her. So haben wir wenigstens wieder ein Reserverad, nur gut das wir noch einen Reifen dabei hatten.
Auf den heutigen dreihundert Kilometern war das einzige Lebewesen ein Känguruh, welches unseren Weg gekreuzt hat. Kein Fahrzeug kam entgegen und überholt wurden wir auch nicht. Das ist echte Einsamkeit !

Nach ruhiger Nacht und ausgiebigen Frühstück, setzen wir unsere Reise auf dem Sandover Hwy fort. Auch heute kommen wir gut voran, denn die Piste ist von wenigen Ausnahmen recht gut befahrbar und wie die Bilder beweisen, immer wieder abwechslungsreich. Da wir etwas abenteuerlustig sind, lassen wir uns überraschen, wie weit wir wirklich der Piste folgen können, denn wir haben bisher nur eine Karte gefunden, auf der der Sandover geradewegs östlich bis kurz vor Mt. Isa führt. Auf allen andern Karten muss man gen Norden zum Barkly Hwy fahren, aber man kann tatsächlich dieser Strecke folgen und kommt rund siebzig Kilometer vor Mt. Isa auf den Hwy. An der Grenze zwischen Northern Territory und Queensland wird die Aussage aller Strassenkarten bestätigt. Während NT seine Gäste auf dem Sandover Hwy standesgemäss begrüsst, “leugnet” Queensland offensichtlich diesen “kleinen Grenzverkehr”. So ähnelt dann auch die Piste auf diesem Teil weit mehr einem Feldweg, was sie ja wohl auch ist, denn wir fahren quasi von einem Farmgelände ins Andere. Mehr als Rindviecher bekommen wir vorerst auch nicht zu Gesicht und die scheinen es zur Zeit auch nicht leicht zu haben, denn Grünes können wir weit und breit nicht entdecken und von einem schattenspendenden Baum ist auch nichts zu sehen. Trockene Steppe ist hier die einzige zutreffende Bezeichnung. Dann mitten im Nichts kommt richtig Verkehr auf. Sieben grosse Roadtrains mit jungen Rindern kommen uns entgegen. Zuvor hatten wir gesehen, wie grosse Herden erwachsener Tiere zusammengetrieben wurden und ebenfalls Roadtrains zur Verladung bereitstanden. Also kommt hier der Nachwuchs fürs nächste Geschäftsjahr, obwohl das Land für uns nicht so aussieht, als ob es diese Tiere ernähren könne, aber davon verstehen wir wohl auch zu wenig.  Kurz nach den Ruinen von Old May Downs fahren wir runter von der Piste und suchen uns zwischen den Rindviechern einen Platz zum Übernachten. Und da die reichlich davon haben, fallen wir gar nicht ins Gewicht.

Die Ruhe des Outback lässt uns wieder einmal schlafen bis in die Puppen. Nach dem Frühstück rollen wir noch die letzten zehn Kilometer langsam bis zum Hwy und wir stellen beide übereinstimmend fest, das der Sandover Hwy eine der schönsten “ dirt Roads” ist, die wir bisher in Australien gefahren sind. Die Reifen hatte ich schon gestern Abend wieder auf Strassendruck gebracht und der Unterschied auf den letzten Kilometern Wellblech ist deutlich spürbar. In Mt. Isa kommen wir gerade noch zu rechten Zeit, um einen etwas verspäteten Mitarbeiter bei Baurepaires einen Second Hand Reifen für dreissig Dollar abzuschwatzen, eigentlich war ja schon geschlossen. Für uns bedeutet ein zusätzlicher Reifen für den Hänger mehr Sicherheit, zumal wir uns entschlossen haben nicht direkt nach Townsville, sondern die eigentlich schon für die Hinfahrt geplante nördlichere Strecke über Normanton zu fahren, was damals aber wegen Überflutungen nicht möglich war. In Mt. Isa wird noch getankt und dann geht es weiter nach Colonccury. Der Rastplatz am Barkly Hwy., ziemlich genau in der Mitte zwischen Mt. Isa und Colonccury, auf welchem wir vor rund drei Monaten einsam bei 42°C übernachtet haben, ist nun schon fast zum Campground geworden. Dichtgedrängt  stehen jetzt hier die Caravans, für uns ein Grund mehr, auch diese Nacht im Outback zu verbringen. In Colonccury, wo wir noch Obst und Gemüse einkaufen, werde ich zum ersten Mal (wissentlich) beim Pinkeln durch die Community Video überwacht !!
Die kurze Fahrt durch die Ranges um Mt. Isa bietet Abwechslung bevor wir wieder in die flache nördliche Steppe fahren. Am Abzweig nach Kajabbi verlassen wir den Hwy und suchen uns an der Gravel Road einen schönen Platz für die Nacht. Nach dem genügend Glut produziert ist, werfen wir das frisch gekaufte Hühnchen in diese und warten dann bei einem Glas Wein bis es gar ist. Satt und mit uns zufrieden sitzen wir am Feuer bis das schon lange am Himmel zu sehende Gewitter bis zu uns vordringt. Dicke Tropfen zwingen uns in die Kabine und wir hoffen das es sich nicht einregnet, denn dann haben wir bis zum Hwy eine kleine Schlammschlacht vor uns.

Es regnet die ganze Nacht hindurch, aber nicht sehr intensiv. Für uns noch kein Problem zum Hwy zu kommen, obwohl schon einige Pfützen stehen. Auf der Burke Road geht es, mal ein- mal zweispurig, weiter gen Norden. Der Himmel bleibt weiter bedeckt, doch es wird wieder spürbar wärmer. Am Flinders River, wo wir übernachten, haben wir dann am Nachmittag die gewohnten dreissig Grad. Der Temperatursprung von 10 °C treibt uns gleich wieder den Schweiss auf die Stirn, aber daran werden wir uns schnell wieder gewöhnen. Am späten Nachmittag ist das Regengebiet dann auch hier angekommen und der Himmel öffnet seine Schleusen.

Die ganze Nacht hindurch regnet es zum Teil ziemlich stark, aber wir stehen etwas erhöht neben dem Fluss, so dass eigentlich keine Gefahr besteht. Regen um diese Jahreszeit ist hier schon sehr ungewöhnlich, schliesslich haben wir jetzt “Dry Season” und nur 5% Regenwahrscheinlichkeit.
Als wir am Morgen nach dem Frühstück los wollen, kommt dann doch die böse Überraschung. Der Boden besteht hauptsächlich aus feinem Sand, welcher im trockenen Zustand recht fest, nun aber völlig durchgeweicht zu einer Art Pampe geworden ist. Nach einigen wenigen vergeblichen Versuchen, Kraft der Räder da raus zu kommen, gebe ich auf und hänge den Landy per Winch an den nächsten Baum. So arbeiten wir uns nun von Baum zu Baum vorwärts und hinterlassen eine Fläche, die wie frisch gepflügt aussieht und zu einer gut sichtbaren Warnung für andere Camper geworden ist. Wir “winschen” bis wir wieder auf den Weg kommen, welchen wir jedoch erst einmal mehr runter rutschen als fahren. Erst auf der alten Strasse, die parallel zum Hwy verläuft, gibt es wieder festen Boden. Nachdem das Seil wieder aufgerollt ist, loben wir unsern Landy und seine Winch und rollen guten Mutes zum Hwy. Als wir fast schon den Teer erreicht haben, verschwindet der Landy noch einmal in einer riesigen Pfütze und weit und breit kein Baum in der Nähe. Das scheint auch dem Landy rechtzeitig bewusst zu werden, denn mit letzter Kraft und allen Sperren wühlt er sich da durch und dann stehen wir auf dem Hwy, auf welchem glücklicherweise auch gerade kein Verkehr ist. Waren bei der voran gegangenen “Schlammschlacht” nur die Räder betroffen, so sieht unsere Fuhre jetzt von oben bis unten völlig verdreckt aus. Wir reinigen wenigsten noch die Scheiben und Spiegel und starten dann mit gut anderthalb Stunden Verspätung.
Die Wolken liegen regelrecht auf der Strasse und es nieselt weiterhin, jedoch nicht genug um unsere Fuhre abzuwaschen. Unser Ziel ist heute Karumba am Gulf of Carpentaria. Die letzten siebzig Kilometer geht es durch Wetland, mehr unter als über dem Meeresspiegel. In Karumba freuen wir uns besonders auf die grosse Auswahl an Seafood, wofür der hiesige Fischereihafen bekannt ist. Um diese Jahreszeit ist hier jedoch Hochsaison und auf allen Plätzen stehen die Camper dicht gedrängt. Nach unserer ruhigen Zeit im Outback ein Graus für uns. So entschliessen wir uns nach dem Einkauf von Garnelen und einigen, einem Lobster ähnlichen Schalentier, welche auf den Namen “Moreton Bay Bugs” hören, nach Normanton zurück zu fahren. Zwar ist auch hier Saison, aber auf dem örtlichen CP schien, als wir vorbei fuhren, doch noch etwas mehr Platz zu sein. So ist es auch und wir mieten uns für zwei Nächte ein, denn Cordula weigert sich weitere “ Schlammschlachten ” zu schlagen. Am ersten Abend machen wir uns über unsere Prawns her, die uns in Knoblauchöl gebraten, köstlich munden.

Da auf dem Platz die Fahrzeugwäsche nur mit Eimer erlaubt ist, machen wir uns heute erst einmal an eine Grundreinigung, um den Landy von seiner Dreckkruste zu befreien. Es erweist sich als ein gutes Verhältnis, eine knappe Woche wild zu campen, um dann für ein oder zwei Nächte auf einen Platz zu gehen. Da können dann alle Ressourcen wie Wasser und Energie aufgefüllt werden und zum Wäsche waschen ist auch Gelegenheit.
Am Nachmittag drehen wir noch eine vorsichtige Runde (Cordula hatte sich vor neun Jahren hier ihren Knöchel angebrochen und für vier Wochen einen Gipsfuss) durch Normanton, welches sich seit unsrem ersten Besuch hier recht positiv entwickelt hat. Cordula marschiert dann noch in die Wetlands, um einige Vögel und die sich paarenden Kraniche zu beobachten.
Die “Moreton Bay Bugs” kommen am Abend ins kochende Wasser und sind nach zehn Minuten schön rot zum Zeichen das sie gar sind. Das weisse Fleisch schmeckt wirklich wie das der Lobster, nur das diese Tierchen etwas kleiner geraten sind und keine Scheren besitzen.

Kurz nach dem Start am Morgen, treffen wir den “Gulflander” bei einem Stopp. Von diesen Bahnen gibt es in dieser Gegend mehrere. Mal nennen sie sich “Gulflander”, mal “Savannahlander” und sind nichts anderes, als Diesel getriebene Kleinbahnen, welche seit den 60 zigern auf den bis dahin verwaisten Schienennetz unterwegs sind. Eine Touristenattraktion. Der eine fährt von Nomanton nach Croydon und der Andere ist zwischen Cairns und Forsyth unterwegs.
Langsam kommen wir wieder in die ehemaligen Goldgräber Gebiete, Charters Towers ist nur noch rund fünfhundert Kilometer entfernt, und so hat jede Kleinstadt ihre grosse Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes. Selbst Croydon, heute 300 Einwohner, war schon einmal bis auf 8000 Seelen und 31 Hotels angeschwollen. Davon bleibt dann ausser grossen Gebäuden, welche jetzt meist museal genutzt werden, wenig übrig. Die Kommunen selbst scheinen jedoch noch nicht verarmt zu sein, denn oft sind diese Orte sehr schön hergerichtet und man tut viel für den Tourismus, ihrer derzeitigen einzigen Geldquelle.
Über Nacht stehen wir am Gilbert River und hoffen auf weniger Regen und festen Untergrund.

Wir starten problemlos und erreichen bald Georgetown. Nachdem wir frisches Obst und Gemüse “getankt” haben, checken wir noch schnell unsere e-mails und dann geht es weiter auf der mal ein-, mal zweispurigen ‘Golf Developmental Road’ nach Undara. Als wir durch Mount Surprise kommen, kann der Landy eine kostenlose Autowäsche geniessen. Damit soll die Verbreitung von bösartigem Unkraut verhindert werden. Die Freude über ein sauberes Fahrzeug hält leider nicht lange an, denn der Abzweig nach Undara ist nur teilweise geteert und so sehen wir bald schlimmer aus als vorher, denn der Regen hat wieder zugenommen.
Als wir hier ankommen, regnet es immer noch und die Lodge ist fast ausgebucht. Da wir aber über ausreichend Elektrokabel verfügen, bekommen wir einen “Sonderstellplatz” in den Grünanlagen nahe der Rezeption mit Stromanschluss, knapp fünfzig Meter entfernt vom Sanitärgebäude.

Der heutige Undara Volcanic NP umfasst ungefähr das Gebiet der 1862 gegründeten Farm der Familie Collins. Nachdem sechs Generationen diese Farm über 120 Jahre bewirtschaftet hatten, sah Gerry Collins im Tourismus bessere Verdienstmöglichkeiten und eröffnete 1990 die “Undara Lava Lodge”. Die Idee dazu war entstanden, als Wissenschaftler den Nachweis erbrachten, dass die auf seinem Farmland gelegenen Schluchten und Höhlen zu einer der längsten Lavatunnel der Welt gehören. Vor rund 190 tausend Jahren wälzte sich ein Lavastrom von 23 tausend Kubikmetern durch dieses Gebiet und endete erst 164 Km entfernt von seinem Vulkan. Dabei bevorzugte er die natürlichen Flussbetten und suchte sich so den “bequemsten” Weg. Durch einen Deal mit den Behörden konnte die Collins Familie das Gelände der Undara Lava Lodge behalten, als ihr Farmland zum National Park erklärt wurde. Die private Bewirtschaftung dieses touristischen Centrums des NP ist deutlich spürbar und unterscheidet sich dadurch von anderen NP’s. Besonderes beeindruckt die grosszügige und geschmackvolle Gestaltung der Anlage. So wurden alte zwischen 1888 und 1910 gebaute Eisenbahnwaggons zu Hotelzimmern, Restaurants und Bibliothek umgebaut und in dieses Gelände integriert.
Viele Mitarbeiter sind ständig bemüht dem Touristen unterhaltsames zu bieten - natürlich für gutes Geld. 80 Dollar kostet die zweistündige Tour für uns beide.  Die Tagestour hätte uns sage und schreibe 230 Dollar gekostet !
Da das zurückgebliebene Lavagestein in den ehemaligen Flussbett durch seine Fähigkeit Wasser zu speichern für eine völlig andere Fauna und Flora als im umliegenden Gebiet gesorgt hat, werden die zwei Stunden zwar abwechslungsreich und interessant, jedoch nicht annähernd gefüllt. Dafür haben wir zwei Führer, die mit langatmigen, mehr oder weniger lustigen Geschichten die Zeit füllen. Eine individuelle Wanderung wäre uns sehr viel angenehmer gewesen. Durch unseren exponierten Stellplatz kommen wir später mit vielen anderen Touris ins Gespräch und viele halten wie wir diese Preise “der Attraktion nicht angemessen”, aber sind ebenso wie wir, von der Anlage der Lodge sehr beeindruckt.

Auch heute bleibt es mehr grau in grau. Mich zieht es da nicht so sehr raus, aber Cordula versucht trotz der schlechten Lichtbedingungen einen Eindruck von der “Lava Lodge” mit der Kamera einzufangen. Am Nachmittag machen wir uns noch über ein Rad des Hängers her, welches mal wieder einseitig abgefahren ist und gedreht werden muss. Dabei stellen wir fest, dass das Radlager zuviel Spiel hat. Also schauen wir da auch noch rein. Einige Kugeln sind ramponiert, aber der Kugelkäfig ist noch einigermassen intakt. Allerdings haben die inneren Lagerschalen schon tiefe Rillen bekommen. Eigentlich müsste ich das komplette Lager auswechseln, doch hier draussen finde ich sicher Niemanden, der mir die äussere Lagerschale aus der Bremstrommel drückt. So ersetze ich nur die inneren Schalen und tausche die beschädigten Kugeln gegen gut erhaltene aus meinem “Ersatzteillager”.

An unserem letzten Tag in Undara kommt “Klärchen” doch mal wieder zum Vorschein und so wird es noch ein sehr schöner Tag. Wir wandern etwas durch den NP und Cordula kommt, dank eines Vortrages für eine Gruppe Jugendlicher, den sie aus der Nähe verfolgt, zu ihrem ersten körperlichen Kontakt mit einer lebenden Schlange und erfährt noch so einiges nützliches über diese lieben Tierchen. So zum Beispiel, dass es nicht der Blutkreislauf ist, der das Gift in der Hauptsache transportiert, sonder die Lymphkoten und deren Verbindungen, laut neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse. Also ruhigstellen, möglichst den ganzen Körper und vor allem den Geist - nur kein Adrenalin ausschütten ! (Wohl leichter gesagt als getan in so einer Situation.)

Das Stück Piste aus dem NP raus zum Hyw ist glücklicherweise etwas abgetrocknet und so kommen wir relativ “sauber” auf die Strasse Richtung Ostküste. Leider regnet es schon wieder und auf der oft nur einspurigen Strasse wird es bei Gegenverkehr dann doch ungemütlich, vor allem für den vermeintlich Schwächeren, der dann runter in den Schlamm muss. Da fangen Motorradfahrer schon mal von weiten an rechts zu blinken, um so zu signalisieren, dass sie gar nicht bereit sind das bisschen sicheren Teer zu verlassen.
Nach rund zweihundert Kilometern kommt es mir so vor, als ob das linke Vorderrad am Hänger etwas “wacklig” auf den Beinen ist. Und in der Tat, als wir anhalten, um der Sache auf den Grund zu gehen, stelle ich überrascht fest, dass das vor zwei Tagen reparierte Radlager im “Eimer” ist. Bis zur nächsten ernstzunehmenden Stadt, Charters Towers, sind es noch gut 150 Kilometer, was das Lager eindeutig nicht mehr schafft ohne weiteren gravierenden Schaden anzurichten. Also bleibt uns nur in der Nähe einen geeigneten Platz für eine Sofortreparatur und zur anschliessenden Übernachtung zu suchen. Bei dem nassen Wetter und den damit verbundenen Bodenzustand gar nicht so einfach. Nach rund dreissig Kilometern werden wir fündig.
Auch Petrus hat Mitleid mit uns und es hört erst einmal auf zu regnen. Unverzüglich beginnen wir das Radlager auseinander zu nehmen. Dabei immer die Frage im Kopf - was habe ich nur falsch gemacht ? Schnell wird klar, dass offensichtlich eine der ersetzten Kugeln etwas zu gross war. Sie hat dem Druck nicht standgehalten und ist in zwei Teile zerbrochen. So ist von dem vielen Metallstaub - schön im Fett gebunden - ganz abgesehen, der gesamte Kugelkäfig zerstört und auch die neuen inneren Lagerschalen haben sichtlich gelitten. Natürlich ärgere ich mich jetzt, dass ich nicht schon in Undara das ganze Lager ausgewechselt habe, aber dort wollte ich nicht stundenlang das ganze Camp mit meinem “Gehämmere” terrorisieren. Na ja, nun treibt mich die Aussicht nass zu werden an und mit der “indischen Methode” machen wir uns an die Arbeit. Das bedeutet mit Hammer und Meissel wird die äussere Lagerschale aus der Bremstrommel getrieben. Cordula muss aller drei Hammerschläge die Bremstrommel um 90° weiterdrehen. Schon nach zehn Minuten kommt Bewegung in die Sache. Alles in Allem kommen wir mit nur einem blauen Fingernagel (meiner) und einem Metallsplitter in der Hand (Schmiermax) noch recht gut davon. Nach knapp anderthalb Stunden ist die Sache erledigt und das ist gut so, denn die ersten Tropfen fallen schon wieder. So bleibt es auch die ganze Nacht hindurch.

26.06.2007

Auch heute bleibt uns die “himmlische Feuchtigkeit” erhalten. Aber wir sind auf den letzten Kilometern vor Townsville und die Vorfreude auf das bevorstehende Wiedersehen mit unserer Tochter sorgt für gute Stimmung. Nach einem kurzen Tankstopp in Charters Towers rollen wir am frühen Nachmittag in Townsville ein, wo wir einige Wochen verbringen werden, schliesslich werden wir nicht mehr so schnell nach Australien kommen, um bei unserer Tochter mal guten Tag zu sagen.

Da wir uns hier für etwas längere Zeit “einnisten” wollen, soll unser Zug von der Strasse in den Garten umziehen. Leider ist das Gartentor für den Landy zu schmal. Aber der Zaun hat kein Fundament und so dürfte es nicht schwer werden, mal zwei Felder an einer günstigen Stelle zu entfernen. Dafür bekomme ich dann auch noch tatkräftige Unterstützung. Sonja & Michi, die beiden Schweizer, sind auch an der Ostküste eingetroffen und besuchen uns hier. Gemeinsam ist dann unser Zug schnell umgestellt.

28.06. - 01.07.2007

Michi hat ein paar kleine Reparaturen an seinem TCM durchzuführen und dafür ist Townsville eine gute Gelegenheit. Was nicht sofort auf Lager ist, kann in ein bis zwei Tagen von Brisbane geordert werden. Da die Beiden einen kleinen Backofen in ihrem TCM haben, gibt es sogar frischen selbst gebackenen Kuchen zum Kaffeeklatsch.
Natürlich gibt es viel zu erzählen, wenn sich zwei Overlander treffen und so vergeht die Zeit viel zu schnell. Am letzten Abend verwöhnen uns die Beiden mit einem köstlichem Käse Fondue. Ein Besseres haben wir noch nie gegessen !

02. - 05.07.2007

Es ist immer noch sehr kühl und regnerisch und so nutzen alle - auch Arthur - jeden Sonnenstrahl der sich seinen Weg durch die Wolken bahnen kann. Der Eine erholt sich bei einem guten “Schmöker” und der Andere versenkt seine Schnauze tief in den Quarkbecher um auch den letzten Rest noch zu erwischen. So geniesst eben jeder auf seine Weise.

06. - 07.07.2007

Wenn dann doch mal der Himmel sein schönstes Blau anlegt, schauen wir uns Townsville von oben an. Die höchste Erhebung ist der Mt. Elliot mit knapp 1300 Metern und das erlaubt schon einen ordentlichen Rundblick.
Neuen Besuch haben wir auch. Das grüne “Monster” hat Doro & Jupp zu uns gebracht. Die Beiden wollen weiter nach New Zealand und sind auf der Suche nach einem preisgünstigen Transfer von Insel zu Insel. Schön wie unsere Gäste uns verwöhnen. Neben angenehmen Gesprächen und Erfahrungsaustausch gibt es diesmal Jupp’s Spezialität - eine leckere Paillia.

Auch für Doro & Jupp geht es bald wieder weiter. Sie wollen in Brisbane nach einem geeigneten Schiff Ausschau halten. Also wieder ein Abschied, aber hoffentlich nur auf Zeit, denn viele Ziele sind die Gleichen und spätestens in Südamerika ......

09. - 22.07.2007

Wir geniessen weiter unseren Aufenthalt hier und Cordula hat in der Küche immer Gesellschaft. Arthur ist begeistert, vor allem wenn der Köchin gelegentlich was runter fällt ! Und da ist ihm deftiges genauso willkommen wie süsses. Aber auch Ben ist interessiert zu lernen wie man Berliner macht.

23. - 24.07.2007

Nach dem grünen “Monster” kommt uns auch die kleine “Tigerente” besuchen. Anette & Kai starten ihre Reise in Brisbane und wollen nach einigen Monaten in Australien auf dem Landweg zurück nach Deutschland. Das Problem Myanmar hat uns per e-mail zusammen gebracht und nun lernen wir uns auch persönlich kennen. Die Beiden wollen jetzt weiter nach Cape York, was ja eigentlich auch unser Ziel noch ist, aber da wir hier zur Zeit den kältesten und regenreichsten Winter seit 50 Jahren haben, lassen wir sie alleine fahren. Einerseits sind dies unsere letzten Wochen zusammen mit Lydia & Ben, sicher für lange Zeit, andererseits befürchten wir das es etwas kalt und feucht im Zelt werden wird, ganz abgesehen von den berühmten “Road close” Schildern, welche ja bei Regen schnell auf der Strasse stehen können. Darüber hinaus führt uns ein noch “offenes” Abenteuer dann eventuell doch noch einmal nach Australien - wer weiss.

25. - 29.07.2007

Auch Ben’s Eltern kommen zu Besuch und wir fahren zum Picknick zum Strand. Wie überall in Australien hat auch Townsville viele schöne BBQ Plätze eingerichtet. Jetzt im Winter und unter der Woche ist immer ein freier Platz zu finden, aber im Sommer ist das nicht so einfach - die Australier lieben ihr BBQ sehr.

Mit den vielen hier im Moment lebenden Tieren fühlen wir uns fast wie in einem kleinen Zoo. Für uns eine schöne Abwechslung, da es sich sonst ja nicht gut “weltreisen” lässt mit Haustieren. Abgesehen von den vielen bürokratischen Hindernissen, ist unsere Kabine für solche Mitreisenden nun doch zu klein.

31.07. - 04.08.2007

Kokosnüsse zum Frühstück können wir auch nicht immer gewährleisten ! Und Flügelstutzen wäre auch nicht so mein Ding (hier hat Kathie, die angehende Tierärztin, wohl doch zu viel erwischt). Aber die Hunde halten zusammen und helfen sich dann auch schon mal gegenseitig über den Zaun.

05.08. - 13.08.2007

Mit Vincent der, nach einem halben Jahr mit vielen neuen Erfahrungen, auch wieder bei Lydia & Ben Unterkunft gefunden hat, fahren wir mit den Motorrädern ins Tabelland. Vincent ist auch begeisterter Biker und so überlässt Cordula ihm ihre GS und ich habe wieder eine Sozia. Es wird ein sehr schöner, abwechslungsreicher Tag. Die Strassen abseits der Küste gehen auch schon mal bis tausend Meter hoch und viele Kurven lassen die Herzen der Biker höher schlagen. Unsere kleine Runde wird dann doch fast 350 Kilometer lang und führt über schöne Gravelroads, kleine Bergstrassen und natürlich auch über den schnellen Highway durch das hier am häufigsten angebaute Zuckerrohr.

Mutter und Tochter lassen es sich gut gehen und unser Admin arbeitet hart um die Rückstände am PC aufzuarbeiten !

15. - 16.08.2007

Unsere Bikes haben Nachwuchs ? Nein, nein, dass kann doch nur ein Adoptivkind sein - sieht man doch, ist ja ein Roller und noch dazu von Yamaha. Lydia hat bei ebay dieses Teil erstanden, um künftig unabhängiger in Townsville unterwegs sein zu können.
Kathie’s kleiner Sittich ist unser Admin und hilft mir bei der Buchhaltung - also lochen kann er schon ganz gut.

Arthur hat Geburtstag und ist nun ein Jahr alt. Dazu gibt es zwei Geburtstagskuchen. Einen für den Hund - mehr deftig - und einen für seine Gäste. Ich hoffe nur die Köchin Cordula hat da nichts durcheinander gebracht !
Arthur lässt sich’s schmecken und legt sich anschliessend zu einem Verdauungsschlaf hin. Auch den Gästen schmeckt ihr Kuchen und so hat doch alles seine Richtigkeit gehabt und für den Sittich bleiben auch noch ein paar Krümel über.

Cordula schaut sich auf dem diesjährigen Kulturfestival in Townsville um. Den ganzen Tag ist sie unterwegs und fängt einiges von der Stimmung und dem Treiben ein.

19.08 - 02.09.2007

Langsam geht unsere Zeit in Downunder und insbesondre hier in Townsville bei Lydia & Ben zu Ende. Wir haben in den letzten Wochen versucht unsere Einreise und Verschiffung nach China zu klären. Leider sind die Aussagen von Botschaften und Behörden bezüglich der Einreise mit eigenem Fahrzeug sehr unterschiedlich. Das reicht von monatelanger Vorbereitung über chinesische Agenturen bis zu “kein Problem, Visa genügt”. Wir haben uns entschlossen das Letztere und sicher auf den ersten Blick das Einfachste auszuprobieren. Ein Visa für sechzig Tage haben wir beantragt und auch umgehend bekommen. Unseren Zug werden wir von Brisbane mit APL Lines Australia zu einem sehr günstigen Preis nach Shanghai verschiffen. Natürlich wird es dort einige Formalitäten und Probleme geben. So werden wir wahrscheinlich eine chinesische Fahrerlaubnis machen müssen und unser Zug wird chinesische Kennzeichen brauchen. Im schlimmsten Fall bekommen wir unseren Container nicht aus dem Hafen und müssen ihn halt weiter schicken - wohin auch immer, eventuell Bangkok oder Anchorage? Allerdings wird es in Alaska um diese Zeit wohl etwas kalt werden. Na ja, wir werden sehen und hoffen sehr, dass sich im Vorfeld der Olympischen Spiele schon vieles vereinfacht hat.
Lydia & Ben machen einige Tage Urlaub und Arthur hat schon die Campingausrüstung zusammengestellt. So gibt es einen vorgezogenen Abschied, der dadurch doch etwas leichter fällt.

03.09.2007

Unser Reisealltag hat uns wieder, oder besser gesagt, wir gewöhnen uns wieder an ihn. Vincent, der das Haus nun hüten muss, Lydia & Ben sind ja noch im Urlaub, verabschiedet uns am frühen Vormittag. Alle haben wir ein wenig feuchte Augen, denn wir haben uns sehr gut verstanden und hatten eine gute Zeit miteinander. Sicher laufen wir uns mal irgendwo wieder über den Weg - die Welt ist ja bekanntlich ein Dorf........
Unser Landy ist in den reichlich zwei Monaten nicht eingerostet, sondern schnurrt ordentliche sechshundert Kilometer auf dem Hwy No.1 Richtung Brisbane runter. In Marlborough finden wir dann einen Stellplatz für die Nacht.

04.09.2007

Heute werden es nur rund fünfhundert Kilometer. Eine Reifenpanne am Landy hat uns aufgehalten. Trotzdem liegen wir noch im Zeitplan. Morgen müssten wir bis zum Mittag Brisbane erreichen und können uns dann am Nachmittag mit Leo bei der APL treffen, um die Details der Verschiffung zu klären.
Auch für diese Nacht finden wir in Tiaro einen kostenlosen Stellplatz. Leider regnet es schon seit Stunden. Wir hoffen nur, dass es bald aufhört, denn im Regen verladen macht nun wirklich keinen Spass. 

05.09.2007

Brisbane erreichen wir im Regen. Da wir nicht mit dem Zug in das Stadtzentrum fahren wollen, parken wir in der Shottery Street, vor dem Haus, in dem Lydia bis vor knapp einem Jahr gewohnt hat. In dieser Gegend kennen wir uns gut aus und können von der nahen S-Bahn Station in´s Zentrum fahren. Leo hat bereits für uns geklärt, wo wir den Container beladen können. Wir erledigen bei ihm noch die restlichen Formalitäten und erhalten alle für die Verschiffung relevanten Daten. Bei CC Container, ganz in der Nähe vom Hafen, wartet ab morgen ein 40 Fuss Highcub Container auf uns und wir haben zwei Tage Zeit zum Beladen, also kein Grund zur Hetze.
Übernacht bleiben wir gleich in der Shottery Street stehen.

Leider nieselt es weiterhin, als wir am frühen Morgen mit unserem Zug Richtung Hafen fahren. Bei CC Container, einem Container Lagerplatz, werden wir schon erwartet und ich kann sicherstellen, dass der Container so abgestellt wird, wie wir es zur Beladung brauchen, d.h. mit viel Platz vor den Türen. Alle sind sehr freundlich und hilfsbereit, nur Petrus schliesst die Schleusen nicht und der Platz vor unserem Container weicht mehr und mehr auf. Für unsere Utensilien haben wir einfach einen leeren Container in der Nähe in Beschlag genommen, so haben wir wenigsten einen trockenen Fleck, wo wir uns auch umziehen können. Da das hier kein Lager für Warenumschlag ist, gibt es auch leider keine Ladebrücken, um die Höhendifferenz zwischen Grund und Containerboden auszugleichen. Wir müssen uns mit zwei kleinen abgeschrägten U-Eisen begnügen. Dadurch muss die Kabine auf den kleinen Rollen den meisten Weg über den aufgeweichten Platz gezogen werden. Nur gut, dass es in China keine Quarantäne wie bei der Einreise in Australien gibt. Zentimeter für Zentimeter ziehen wir die Kabine mit Hilfe unserer Winch und der schon erprobten Umlenkrolle in den Container. Auf allen Seiten sind nur wenige Zentimeter Luft (die Markise ist ja inzwischen auch wieder angebaut), so dass wir ernsthafte Probleme haben, an der Kabine vorbei nach hinten und wieder vor zu kommen. Dies ist jedoch notwendig, da die kleinen Rollen nicht unbedingt spurtreu sind und die Umlenkrolle schliesslich auch wieder von der Rückwand des Containers entfernt werden muss. Mit viel Bauch einziehen und zwängen gelingt es mir letztendlich doch und die Kabine bekommt - nachdem ich mich wieder vor gequält habe - noch den letzten Schubs und wird gegen die Rückwand des Containers verzurrt. Nur eine Frage tut sich im Hinterkopf auf - wie bewerkstelligen wir so eine Verladearbeit in zehn Jahren ? Einige Kilo schwerer und mit etwas mehr Alterssteife in den Gelenken dürften wir dann ein echtes Problem haben !
Nach dem die Kabine an ihrem Platz ist, ziehen wir unseren Hänger in Position vor die Tür des Containers. Es bleibt nur soviel Platz, dass wir den Landy rückwärts einfädeln können. Da wir noch nicht wissen, ob es hier einen Gabelstapler mit entsprechend langen Gabeln gibt, müssen wir uns die Option, ihn selbst mit der Winch in den Container zu ziehen, offen lassen und deshalb ist es so wichtig, dass der Hänger in der exakten Flucht vor dem Container steht. Natürlich erleichtert das auch die Arbeit für den Stapler, falls wir einen bekommen.
Der Landy steht dann relativ schnell an seinem Platz, mit der Ladefläche unter dem Alkoven der Kabine. Allerdings sind durch die neue AZV (Anhänger Zugvorrichtung) auch hier ein paar Zentimeter hinzu gekommen. Wir messen nach und müssen feststellen, dass uns nun rund zehn Zentimeter für den Hänger fehlen. Dabei spielt aber auch die von Hersteller zu Hersteller unterschiedliche Fertigung der Container eine Rolle.
Als es dunkel wird, packen wir erst einmal zusammen und der Hänger bleibt vor dem Container über Nacht stehen. Ab jetzt sind wir als Backpacker mit einer Reisetasche und diversen Beuteln unterwegs und per Taxi geht es zum nächst gelegenen Hotel. Cordula hatte gestern noch verschiedene Möglichkeiten per Telefon geprüft, aber keinen richtigen Erfolg gehabt. Die preiswerten Unterkünfte waren ausgebucht und dort wo noch etwas frei war, wurden Reservierungen nur mit Kreditkartennummer angenommen. Die hatte sie aber gerade nicht zur Hand. Wir lassen uns also zu eben jenem Motel fahren, denn nun haben wir ja die Karte dabei. An der Rezeption kommt als erstes die Frage ob wir reserviert haben. Haben wir nicht - Fazit ausgebucht. Der Mitarbeiter des Motels versucht per Telefon eine Übernachtung für uns zu organisieren. Erfolglos. Nach fünf Telefonaten gibt er auf. Wir verstehen die Welt nicht mehr, es ist weder Saison, noch steht hier in Brisbane ein Grossereignis auf dem Programm. Der Mitarbeiter erklärt uns aber, das gerade in den etwas preiswerteren Aussenbezirken alles durch reisende Arbeitskräfte (wie wir ??) ausgebucht sei. Er ist sehr freundlich und durchsucht nochmals den Computer für uns. Dabei stellt er fest, das ein Gast vorzeitig abgereist ist. Da das Zimmer aber bis morgen bezahlt ist, wird es erst übermorgen gereinigt. Wenn wir einverstanden sind, können wir dieses Zimmer beziehen. Das heisst es dann auch im wahrsten Sinne des Wortes, denn Cordula muss erst einmal Betten beziehen. Wir müssen dann trotzdem den vollen Preis löhnen (per Kreditkarte versteht sich, bei Barzahlung wird ein Deposit von 1.000 Dollar verlangt), sind aber froh ein Dach über dem Kopf zu haben.
Zur Stärkung für den morgigen Arbeitstag gönnen wir uns zum Dinner ein typisch australisches Menü - 400 Gramm Rumpsteak mit Pommes und Salat - das gibt Kraft.

Zu unserem Leidwesen hört es auch in dieser Nacht nicht auf zu regnen. Am Morgen tröpfelt es weiter und wenig gut gelaunt fahren wir mit unserem Gepäck zurück zu unserem Container. Die halbe Nacht habe ich gegrübelt, wo ich am besten und vor allem einfachsten die fehlenden zehn Zentimeter Ladefläche her bekomme. Einzige Möglichkeit ist den Kuhfänger samt Winch vom Landy abzubauen. Das bedeutet jedoch wir brauchen unbedingt einen grossen Gabelstapler. Das Ergebnis unserer Nachfrage bleibt vage. Der Stapler mit den langen Gabeln ist so eingerichtet, dass die Gabeln einen sehr breiten Abstand zueinander haben und dieser ist nicht so einfach zu verändern. Wieso und warum bleibt offen.
Wir setzen darauf, dass es doch irgend eine Möglichkeit geben wird, und bauen den Kuhfänger ab. Das sind zwar nur vier Schrauben, aber die haben es in sich. Gut fünfzehn Zentimeter lang und so angeordnet, dass kaum mit einem Werkzeug ranzukommen ist. Aber auch das schaffen wir gemeinsam. Dann bereiten wir den Hänger vor. Um die Zeit für die Benutzung des Staplers so kurz wie möglich zu halten, setzen wir ihn auf Hölzer, bauen Schutzbleche, Zuggabel und Räder ab und senken ihn schon soweit ab, dass er hinten auf den Stützen und vorn nur noch auf zwei Hölzern steht. Als wir auf den Stapler warten, hört es auf zu regnen und die Sonne lugt hin und wieder zwischen den Wolken vor. Als es dann soweit ist, benötigen wir die meiste Zeit um die Gabeln des Zehntonnen Gabelstaplers auf die richtige Breite zu bringen, aber Andrew, unser Ansprechpartner hier, ist  wirklich bemüht uns zu helfen (in Australien leider nicht immer die Regel) und nachdem dann sogar mit dem Brennschneider eine unbewegliche Arretierung abgetrennt wurde, geht es los. In weniger als zehn Minuten steht auch der Hänger im Container und die Türen lassen sich sogar problemlos schliessen. Wir bedanken uns herzlich bei der Crew und wissen es sehr zu schätzen, was Leo uns hier freundlicherweise vermittelt hat.
Rasch verstauen wir noch unser Werkzeug und die Hilfsmittel (was wir zur Entladung - hoffentlich in China - ja wieder brauchen), versiegeln unseren Container und machen uns auf den Weg in die Innenstadt. Sechzehn Stunden haben wir diesmal gebraucht, sind aber keineswegs so geschlaucht, wie damals in KL und das ist das Wichtigste.
Als Backpacker lassen wir uns natürlich auch im Backpacker für die letzten Tage in Downunder nieder. Dieser steht am Anzac Platz und ist wirklich sehr zentral gelegen. So geben wir zwar etwas mehr für das Bett (und mehr bekommen wir auch nicht) aus, können aber APL, Zoll und alles Andere zu Fuss erreichen.

08.09.2007

Nachdem wir unseren müden Knochen ausreichend Schlaf gegönnt haben, erledigen wir noch einige Besorgungen. Heute ist Samstag und die Stadt voll wie immer. Natürlich scheint nun auch die Sonne wieder. Aber was soll’s, unser Container ist hoffentlich schon im Hafen und unsere einzige Sorge für die nächsten Tage und Wochen ist, alles wieder heil zurück zu bekommen.

Auch und gerade am Sonntag schlafen wir richtig aus und beschäftigen uns mit diversen Kleinigkeiten. Während ich hier auf der Tastatur rum klimpere, kauft Cordula - wie könnte es anders sein - noch dies und das ein.
Am Abend treffen wir uns noch einmal mit Carol & Ken. Die Beiden sitzen nun auch auf gepackten Koffern (Motorradkoffern). Ihr Haus ist verkauft und das Bike für den Flieger verpackt. Am 28.09. geht ihr Flug nach Südamerika. Wir haben einen sehr schönen Abend zusammen und sind alle etwas aufgeregt, schliesslich beginnt in den nächsten Tagen für jeden von uns ein neuer Abschnitt. An eines jedoch glauben wir ganz fest - irgendwann und irgendwo werden wir uns wieder treffen.

10. - 11.09.2007

Die letzten Tage in Downunder haben begonnen. Wir wickeln die letzten Formalitäten ab und sind weder froh noch traurig, wenn wir daran denken, dass wir die Insel in wenigen Stunden verlassen. Wir hatten eine gute Zeit in Ozeanien, haben viele neue Bekanntschaften gemacht, können getrost behaupten die Gegend recht gut zu kennen (manch Einheimischer hat hier weniger kennengelernt) und haben unsere Tochter und ihren Freund lange und ausreichend mit unserer Anwesenheit “beehrt”.
Bevor wir zum Flughafen fahren, treffen wir uns ein letztes Mal mit Leo Oud (leo_oud@apl.com) von APL. Er ist uns zu einem guten Freund geworden und hat uns so manches mal in den letzten drei Jahren die Wege geebnet, wenn es wieder einmal um die Verschiffung unseres Zuges ging. Natürlich werden wir auch mit ihm weiter Kontakt halten.

Wir erreichen Schanghai in China nach einem recht rumpligen Flug mit Zwischenlandung in Kuala Lumpur. Unsere Reise führt uns nun von einem der grössten Länder mit einer der niedrigsten Bevölkerungsdichte (195. in der Weltrangliste) in ein Land mit einer der grössten Bevölkerungsdichte (54.). Bei dem Gedanken daran wurde Cordula dann doch schon etwas mulmig, aber schliesslich waren wir ja auch schon in Indien (20.)
Nachdem bei der Ankunft im Flughafen von Shanghai drei verschiedene Formblätter ausgefüllt sind, werden diese von unterschiedlichen chinesischen Posten einfach wieder eingesammelt und wir erhalten unseren Einreisestempel in den Pass. Dies alles geschieht ohne das auch nur ein einziges Wort gewechselt, geschweige denn irgendeine Frage an uns gestellt wird. Es findet auch keine Kontrolle unseres Gepäcks statt ( von wegen landesfeindliche Druckschriften oder Tonträger etc.) und so finden wir uns innerhalb kurzer Zeit in der organisierten Taxi Schlange wieder.
Zuvor konnten wir problemlos an einem Geldautomaten noch China Yuan abheben. Dieser Teil der Einreise funktionierte also beeindruckend schnell und einfach, aber vielleicht lag es auch daran, weil wir uns extra rote T-Shirts angezogen hatten :)) !!
Ein wiederum stummer Taxifahrer bringt uns in das von uns bereits gebuchte Hostel und wir nutzen die einstündige Fahrt, um uns ein erstes Bild von Shanghai zu machen. Die Sonne scheint strahlend mit angenehmen 28 Grad und es gibt eine tolle Skyline, leider ohne den von Ozeanien gewohnten blauen Himmel. So sieht das also, mit der in der letzten Zeit oft in den Medien berichteten Luftverschmutzung aus. Mein Augenmerk gilt natürlich ganz und gar den Strassenverhältnissen. Hier in China fahren wir wieder auf der rechten Seite und die grossen Highways sind tadellos und teilweise sogar vierspurig. Abzweige und Abfahrten sind deutlich nach Strassennamen gekennzeichnet und können auch von uns gelesen werden. Natürlich sind wir wieder in Asien und es wird auch hier und da ein bisschen gedrängelt, aber es wird nicht soviel gehupt wie in Indien. Alles geht mehr gelassen und zivilisiert zu.
Uns erwartet ein sehr schönes, sauberes und ruhiges  Hotelzimmer mit eigenem Bad, Fernseher, Klimaanlage und kostenlosem Internet Zugang rund um die Uhr ( wir können bisher auch nur geringe Einschränkungen beim Zugriff auf Seiten feststellen !) für gerade mal 18,00 Euro pro Nacht.
Die Metrostation ist nur fünf Minuten Fussweg entfernt, ebenso McDonalds, KFC und natürlich alle lokalen Geschäfte und Märkte. Für weniger als einen Euro ist bereits ein typisch chinesisches Gericht zu bekommen und für 2 - 3 Euro wird man auch beim eher teuren McDonalds satt. Unser erstes chinesisches Wort das wir lernen ist dann aber doch typisch "deutsch" !! Wir kaufen unser pijiu (Bier) für ca. 0,35 Eurocent pro 640 ml Flasche.
Die nächsten Tage werden uns ausgiebig mit der Ankunft, hoffentlich auch mit der Entladung und vor allem dem behördlichen Prozedere unseres Containers beschäftigen. Dabei hat sich bereits jetzt herausgestellt, dass die sprachliche Verständigung eines der grössten Hürden ist. Wir hatten gehofft gerade in Shanghai auf mehr englisch sprechende Chinesen zu treffen, dies scheint jedoch selbst hier in dieser Metropole nicht der Fall zu sein (deshalb auch unser "wortloser" Empfang).

13. - 14.09.2007

Nach einer angenehmen Nacht, die wir nach dem Nachtflug auch bitter nötig hatten, gibt es ein ausgiebiges Frühstück in unserem Hostel. English Breakfast mit allem drum und dran für umgerechnet 2,50 Euro kann man sich schon mal leisten, die Tasse Kaffe kostet dann aber fast genauso viel. Ausserdem müssen wir uns für unseren ersten Ausflug in die 16 Millionen Stadt rüsten. Mit der supermodernen und sauberen Metro ( 0,30 - 0,70 Euro pro Fahrt) geht es in die City. Nach mehreren Versuchen finden wir auch das Büro von APL in Shanghai. Mit den Hausnummern ist es nicht so einfach, da trotz ein und der selben Strasse nach der Distrikt Grenze neu zu zählen begonnen wird.
Bei APL treffen wir, nach mehreren Anläufen, auch die richtige Mitarbeiterin. Jessie Yao, gut englisch sprechend, nimmt sich unser an. Nach einigen Telefonaten findet sie heraus, dass die Firma Efesco für solche “Kunden” wie uns die richtige Adresse in Shanghai ist. Dieses Unternehmen bietet alle möglichen Dienstleistungen für Ausländer die hier arbeiten oder leben an, unter anderem auch die Erledigung von Zollformalitäten. Jessie vermittelt uns eine Telefonnummer und wir versuchen unser Glück.
Leider stellt sich bald heraus, dass die Sache nicht so einfach wird. So vertelefonieren wir den ganzen Freitag, ohne einen einzigen zuständigen Mitarbeiter zu finden. Oft wird auch einfach aufgelegt, wenn der Angerufene kein englisch versteht, oder die angegebenen Telefonnummern stimmen nicht. Das wir die Internetseite von Efesco gefunden haben, bringt uns aus eben diesen Gründen auch nicht weiter.
Bei der Recherche finden wir auch ‘schanghai auf gut deutsch’, die Seite der deutschen Community in der Stadt. Da gibt es jede Menge Hinweise, Kontakte und Adressen. So stossen wir auch auf eine Werbung vom ‘Paulaner’ in SH. Den gibt es hier sogar gleich drei mal. Die Asiaten stehen eben auf Blau-Weiss, Weisswurst und Oktoberfest. Da wissen wir doch was wir am Wochenende machen - nach fast fünf Jahren mal wieder ein echtes Weissbier !

Heute besuchen wir als Erstes einen Markt. SH besteht auf den ersten Blick aus vielen modernen Gebäuden und Plattenbauten, dazwischen - sozusagen in der zweiten Reihe - findet man aber immer noch das für Asien typische Leben. Da wir jedoch erst wenige Tage hier sind und unser Magen-Darm-Trakt noch nicht “umgestellt” ist, verzichten wir auf Köstlichkeiten wie lebende Frösche, Wasserschlangen und Pilze und bevorzugen dann doch erstmal den Einkauf im Supermarkt. Zumal SH sicher nicht typisch für ganz China sein wird und wir so (hoffentlich) noch ausgiebig Gelegenheit haben werden, auf lokalen Märkten einzukaufen.
Am Nachmittag unternimmt Cordula noch einen Ausflug zum Jing`an Tempel, welcher zwischen all den Shopping Centern eingezwängt kaum wahrnehmbar ist. Selbst in den Aussenmauern des Tempels befinden sich jede Menge Geschäfte, im Innern ist dieser schmucklos und eine Baustelle.
Während dessen nutze ich unseren kostenlosen Internetzugang um unsere Seiten auf den neuesten Stand zu bringen.

Versprochen ist versprochen und so ziehen wir heute zum zweiten Mal los, um das Zentrum von SH zu erkunden. Diesmal aber eher aus dem touristischen Blickwinkel. Das Gebiet zwischen ‘Renmin Park’ und ‘Huangpu River’ dürfte die Touristenmeile schlechthin sein. Wir haben zwei Ziele, das ‘China Sex Culture Museum’ und natürlich den ‘Paulaner’. Beides soll sich direkt an der Riverside Promenade gegenüber vom ‘Bund’ (kolonial umgangssprachlich für braunes schmutziges Wasser - sprich ‘Huangpu River’) befinden. Wir umkreisen den Fernsehturm auf der Suche nach dem Sex Museum, schauen am ‘Shanghai Conferenc Centrum” vorbei, finden das ‘Peace Palace Hotel’, aber vom Sex Museum keine Spur. Durstig geworden ändern wir die Prioritäten und schauen nun nach dem ‘Paulaner’. Wenigstens den finden wir recht schnell und kommen so umgehend zu einem durstlöschenden Weissbier samt der dazugehörigen Weisswurst. Das ‘Paulaner’ steht direkt an der Flusspromenade und erlaubt einen schönen Blick auf den Fluss und die gegenüberliegenden historischen Gebäude des Bunds. Der halbe Liter Weissbier ist mit 7,00 Euro für chinesische Verhältnisse (sonst 2,50 - 3,50 Yuan) schon recht teuer, aber wir haben ja keinen Vergleich, was das inzwischen in D kostet. So geniessen wir einfach und plaudern mit anderen deutschen Reisenden, die hier natürlich zahlreich vertreten sind.
Nach einigen Weissbier (wir sind wirklich sehr durstig) treten wir den Heimweg an. Dazu wollen wir den ‘Bund Sightseeing Tunnel’, welcher unter dem ‘Huangpu River’ hindurch führt, nehmen. Beim Ticketkauf finden wir dann doch noch das Sex Museum. Dieses musste offensichtlich der regen Bautätigkeit weichen und ist nun im Eingangsbereich des Tunnels untergebracht. So können wir unser heutiges “Plansoll” doch noch erfüllen und durchstreifen verschiedene Jahrhunderte sexueller Symbolik und Darstellung, bevor wir uns unter den ‘Huangpu’ begeben. (Wer uns dorthin begleiten möchte muss bei youtub.com reinschauen)
Auf pflastermüden Beinen lassen wir uns von der Metro zu unserem Hostel bringen.

17.09.2007

Per e-mail hatten wir Jessie noch mal unser Leid geklagt und sie ruft uns am Morgen sofort zurück. Selbst sie, so gesteht sie uns, hatte erhebliche Probleme den richtigen Ansprechpartner zu finden. Aber nun haben wir eine Verabredung für morgen Vormittag mit James von der Efesco, mit dem wir heute bereits telefoniert haben. Aus dem kurzen Gespräch konnte man entnehmen, dass James mit solchen Dingen wie temporäre Einfuhr von Fahrzeugen bereits Erfahrung hat, wenn bisher auch nicht mit Touristen, sondern eher für hier arbeitende Ausländer.
Auch von der deutschen Community kommt gute Nachricht, so soll es mittlerweile einen Touristenführerschein, für den man nicht mehr den Test machen muss, geben, welcher allerdings auch höchstens 3 Monate gültig sein soll.
Wir sind sehr gespannt, was uns der morgige Tag bringt.

18. - 20.09.2007

Trotz vieler Taxirechnungen (die ersten drei Kilometer kosten 1,10 € und jeder weiter 0,21 €) und müden Beinen kommen wir nicht recht voran. James von Efesco kann ohne spezielles Permit nur persönliche Gegenstände aber keine Fahrzeuge “importieren”. Der Zoll selbst verweist uns an eine chinesische Reiseagentur. Nur diese könne die notwendigen Genehmigungen einholen. Die gleiche Auskunft erhalten wir letztlich auch vom Public Security Bureau, die zwar grundsätzlich diese Genehmigung erteilen, aber eben nur an Reiseagenturen.
Die Reiseagentur arbeitet aber nur für Gruppen von mindestens drei Fahrzeugen und braucht für die Genehmigungen Wochen, die wir nicht haben. Beim staatlichen Reisebüro halten wir Kontakt zu Miss Zhang Xue Juan, welche glücklicherweise sogar deutsch spricht. Da es zur Zeit keine laufende Beantragung irgendwelcher Gruppenreisen durch China, an welche wir uns dran hängen könnten, gibt, haben wir echt schlechte Karten. Offensichtlich ist es immer noch so, dass ohne Gruppe, Guide und exorbitanten Gebühren nichts geht.
Im Moment prüfen wir noch die Möglichkeit selber als Gruppe aufzutreten. Der Landy und ich, Cordulas GS und sie selbst und meine GS zu der uns aber noch ein Fahrer/in fehlt.
Spätestens am Montag müssen wir die Entscheidung treffen, entweder Container weiterleiten oder im Zollhof einlagern. Alles natürlich auch eine Frage der Kosten.

21. - 22.09.2007

Der Taifun, der in den letzten Tagen hier für trübe Stimmung und viel Regen gesorgt hat, ist vorbei gezogen, aber unsere Stimmung bleibt auf dem Tiefpunkt. Trotz aller Mühe bleibt uns die Durchreise durch China mit unserm Zug verwehrt - China ist eben noch nicht reif für uns !
Auch unser “Gruppenantrag” scheitert, da es nun zu gefährlich wäre in einer gemischten Gruppe, also Vier- und Zweiradfahrzeuge, zusammen zu fahren. Rätsel über Rätsel für uns, aber was soll’s, wir müssen auch solche Entscheidungen akzeptieren.
So gehen wir wieder zu APL und bitten Jessie zu prüfen, wie unser Container am besten nach Port Klang weitergeleitet werden kann. Diese Variante war ja schon immer unser Plan B, falls es hier Schwierigkeiten geben sollte. Wie es aussieht ist dies ausnahmsweise ohne grössere Probleme möglich. Genaues werden wir aber erst Montag oder Dienstag erfahren. Voraussichtlich wäre unser Container dann am 09.10. in Port Klang, von wo wir ja vor drei Jahren nach Australien verschifft haben, also kein ganz unbekanntes Terrain für uns.
So haben wir nun wirklich mehr als ausreichend Zeit für SH. Zwar gab es kurzzeitig auch die Idee mit dem Zug nach Lhasa zu fahren, aber abgesehen von den geringen Chancen Tickets zu bekommen, reizt mich eine dreitägige Zugfahrt quer durch China und zurück nicht so sehr. Sicher, die Strecke durch die Berge ist bestimmt schon was Besonderes, aber auf die rund zweitausend Kilometer bis dorthin in einem Eisenbahnabteil, kann ich gern verzichten.
So werden wir uns noch etwas in SH und der näheren Umgebung umschauen und Lhasa bis zu unserem nächsten Versuch, China zu durchqueren, verschieben.
(Falls jemand an einer solchen Tour im Frühjahr 2009, startend mit eigenem Fahrzeug von Thailand/Laos, über Lhasa quer durch China zur mongolischen oder russischen Grenze, Interesse  hat, unbedingt bei uns melden, denn je grösser die Gruppe um so günstiger die Kosten für jeden Einzelnen !)

23. - 25.09.2007

Während unser Container durch die Gegend geschippert wird, schauen wir uns die 16 Millionen Stadt etwas genauer an. Wir essen mit den Einheimischen in deren bevorzugten Lokalen, was in den zentrumsnahen Stadtteilen auch kein Problem ist, denn die Speisekarten haben viele bunte Bildchen und ab und zu auch eine englische Übersetzung in der Bildunterschrift. Weiter draußen wird es da schon etwas schwieriger. Da muss Cordula schon mal von Tisch zu Tisch gehen, um den anderen Gästen auf den Teller zu schauen und zu sehen was man bestellen kann oder einen Abstecher in die Küche machen. Auf diese Art kann man aber auch bestellen, wenn es nicht anders geht, wobei es freilich auch trotzdem zu Missverständnissen kommen kann.
Natürlich interessieren wir uns auch weiterhin für das Warenangebot in SH’s Kaufhäusern. Glücklicherweise sind wir ja im Moment als Backpacker unterwegs, sonst hätten wir bestimmt schon eine neue Induktionsheizplatte, samt diverser Töpfe und Zangen für 29,00 Euro oder einen Handdampfbügler mit allen nur denkbaren Zubehör für 8,00 Euro ........    
Die exotischen Tiere, meist lebend, welche im Supermarkt angeboten werden sind auch nicht zu verachten, allerdings tun uns die Schildkröten schon ein wenig leid. Leichter zu bestaunen sind da schon die Angebote diverser Eier. Von ganz klein bis riesig ist alles dabei und auch ganz schön alt dürfen sie ruhig mal sein. Die Geschmäcker sind eben verschieden. Auch der “Wühltisch” an der Fleischtheke trifft nicht so hundertprozentig unseren Geschmack.
C&A und H&M haben bzw. eröffnen gerade auch eine Filiale hier. Wir haben uns C&A angeschaut und glauben das ist die reine Abzocke. Da hängt nur Plunder drin zu teuren europäischen Preisen und man glaubt wohl sich als Designermarke ausgeben zu können. Wir glauben kaum, dass die Shanghaier das annehmen werden, die sind hier mit Designergeschäften aus aller Welt doch ganz verwöhnt und haben recht hohe Ansprüche (wie sie sich das allerdings immer leisten können ist uns auch noch ein Rätsel).
Gewaltig gebaut wurde hier offensichtlich in den letzten Jahren auch. Alles was weniger als 3 Etagen hat, wurde oder wird dem Erdboden gleich gemacht. Die Folge ist, dass die verschiedenen Stadtteile für uns kaum zu unterscheiden sind. Dementsprechend ist es nicht leicht, das alte Shanghai zu finden. Am Bund waren wir schon, so wenden wir uns Qibao im Südwesten von SH zu. Nachdem wir zu den Behörden oft mit dem Taxi gefahren sind, einfach um die angegebene Adresse überhaupt zu finden (geht aber auch nur wenn man selbige in chinesischen Schriftzeichen vorweisen kann), nehmen wir diesmal den Bus. Auch das ist eine besondere Erfahrung. Man muss sich schon gut festhalten in Shanghai’s Strassenverkehr, dass ersetzt glatt eine Stunde im Fitnesscenter. Für 20 Eurocent durch die halbe Stadt und wenn man genau hinhört, gibt es sogar eine englische Haltestellen Ansage, jedoch mit starkem chinesischem Accent. Aber wir haben noch unseren zweisprachigen Stadtplan und die Chinesen sind meist sehr freundlich, auch wenn sie selten englisch sprechen.
Qibao ist ein historischer Stadtteil aus der Zeit der Ming und Quing Dynastie, zum Teil liebevoll restauriert, aber leider von Neubauten fast erdrückt, und wird von einem der vielen Kanäle in der Stadt durchzogen. Viele einheimische Touristen sind hier unterwegs, aber Ausländer sind kaum zu sehen.

26. - 30.09.2007

Leider hat sich Cordula durch den heftigen Regen des letzten Taifuns eine ordentliche Grippe eingefangen und so sind wir einige Tage auf unserem Zimmer gefangen. Sie im Bett und ich nutze die Zeit am PC. Die ersten Tage ist der erzwungene Abstand zur 16 Millionen Stadt ja ganz erholsam, aber dann sind wir bald schon wieder am Planen unserer nächsten Besichtigungstour.

01. - 05.10.2007

Cordula hat sich wieder recht gut erholt und so starten wir unseren Ausflug nach Old Town. Allerdings ist der 01.10. hier im Land Nationalfeiertag und die sich anschließende Woche dann “National Holiday Week”. So kommen zu den üblichen Menschen Massen noch ein paar Millionen Urlauber von Außerhalb hinzu. (eine kleine Kostprobe gibt es auf youtub.com)
Auch hier dreht sich alles ums Essen und Shopping. Das “alte China” wird kaum wirklich sichtbar, auch wenn man es im Yuyuan Garden erahnen kann. Was allerdings auch nicht verwunderlich ist. Das Beispiel des Yuyan Gardens scheint synonym dafür zu sein. Von 1559-77 von einer Familie aus der Ming Dynastie erbaut, wurde der Garten erstmals 1843 im so genannten “Opium Krieg” zerstört und später bei Auseinandersetzungen zwischen Franzosen und Taiping Rebellen weiter in Mitleidenschaft gezogen. Hinzu kommt sicher auch, dass das Bewusstsein zur Wahrung der alten chinesischen Kultur von staatlicher Seite erst spät erwachte.
Die chinaweiten Ferien sind auch Schuld daran, dass wir erst im zweiten Anlauf zu unseren Tickets nach Kuala Lumpur kommen. Vor allem in den ersten Tagen dieser Woche ist so ziemlich alles geschlossen, auch Behörden.

06. - 08.10.2007

Noch einmal stürzen wir uns in die Massen und besuchen Zhujiajiao Town. Mit dem Tour Bus Linie 4 geht es eine gute Stunde raus aus Shanghai in Richtung Südwest. Auch dieses “touristische Kleinod” ist ein mehr oder weniger gut erhaltener Stadtteil von Zhujiajiao, zu welchem nun busweise die Touristen gekarrt werden. Während unseres Besuches sind es vor allem Amerikaner und natürlich Scharen von ebenfalls geführten Einheimischen aus anderen Provinzen. Orte mit starker Frequentierung durch Ausländer, erkennt man schnell an dem ständigen Rufen “Hello hello, look in my shop”
Der Stadtteil selbst wird jedoch noch vollständig bewohnt und beim Wandern durch die engen schmalen Gassen, kann man oft einen Blick in die kleinen Wohnungen werfen. Auffallend viele ältere Bewohner sieht man hier, die Jungen sind wohl alle schon in die moderneren Neubausiedlungen nach Shanghai City ausgewandert. Für die recht einfachen Unterkünfte wurden mittler weilen Gemeinschaftstoiletten errichtet, was die Qualität der Bootsfahrten auf den Kanälen erheblich steigern dürfte. Und natürlich fehlen auch nicht die zur Körperertüchtigung notwendigen Sportgeräte, welche wir schon oft in Wohnvierteln gesehen haben und die auch gern genutzt werden.
Unser Resümee: Shanghai ist eine moderne Stadt mit sehr freundlichen, modernen Bewohnern, die meistens jung und erfolgreich scheinen. Viele Vorurteile erscheinen uns überzogen. So sind die Menschen hier wesentlich disziplinierter als beispielsweise in Indien oder Pakistan, besonders was das Spucken oder Drängeln anbelangt.
Das Essen ist sehr vielseitig, so dass auch die europäische Zunge etwas ansprechendes findet. Von der reinen Strassenküche hält uns meist schon unsere Nase ab. Was es mit dem Geruchssinn der Chinesen auf sich hat, müssen wir beim nächsten Besuch weiter ergründen. In den gehobenen Etablissements ist natürlich europäische Küche kein Problem, hat aber auch ihren Preis. Sehr zu empfehlen ist der Italiener “Gondola Venetiana” in der HeNan (M) Road. Hier haben wir nach fast fünf Jahren unseren ersten echten Grappa zu einem exzellenten Espresso bekommen.
Los ist in Shanghai auch immer irgend was. Während unserer Zeit hier gab es zum Beispiel die Frauen Fußballweltmeisterschaft, Formel 1 Grand Prix, die World Special Olympics und diverse internationale Ausstellungen.
Also wir freuen uns auf unseren nächsten Besuch im Reich der Mitte.

Da gerade mal wieder ein Taifun vorbeischaut, haben wir ein Taxi zum Flughafen bestellt und so müssen wir leider auf eine Fahrt mit dem Mono (Magnetschwebebahn) verzichten. Unser Flug zurück nach Kuala Lumpur ist diesmal jedoch viel ruhiger. Dafür gibt es bei Malaysia Air, trotz aller Sicherheitsbestimmungen, Besteck aus Stahl. Von KL Airport nach Klang, wo ja diese Nacht auch unser Container ankommen soll, fahren wir auch mit dem Taxi, welches an einem Schalter im Flughafen bereits vorausbezahlt werden muss. Das Angenehme hier in Malaysia ist, dass wieder mehr Englisch verstanden und auch gesprochen wird. Leider kommen wir direkt in die Rushhour  und da im Islam gerade mal wieder Ramadan ist, wollen viele Malyen nach einem hungrigen Arbeitstag pünktlich zum Abendessen nach Sonnenuntergang zu Hause sein. Nicht so gut für uns ist, das der Ramadan ausgerechnet an diesem Wochenende zu Ende geht und dann wird hier weniger gearbeitet, sondern etliche Tage gefeiert.
Das einfache Hotel, welches wir über das Internet gefunden hatten, ist wirklich einfach, aber für ein paar Tage sollte es gehen.

10. - 15.10.2009

Wir nehmen Kontakt mit Mr. Aziz Toha von APL auf und schon bald stellt sich heraus, dass sich einige Mitarbeiter bei APL Logistics noch an uns und unsere Verladeaktion von vor drei Jahren erinnern. Wie schon angenommen, scheint uns jedoch der Ramadan in die Quere zu kommen. Na schauen wir mal.
Wenn es schnell gehen soll, versichert uns Sangeran, einer der Mitarbeiter den wir schon kennen, ist es das Beste, wenn APL Logistics alle Formalitäten übernimmt. Wir lassen uns darauf ein, was ein schwerer Fehler ist, wie sich später herausstellt. Nur unsere Rechnung wächst um etliche Positionen, aber wirklich vorwärts bewegt sich nichts. Erst hat das Schiff Verspätung, dann ist der Mann beim Zoll nicht da, später müssen wir erst alle Rechnungen bezahlen und dann, wie könnte es auch anders sein, ist plötzlich Hary Raya, die Feier zum Ende des Ramadan. Auf der Rechnung tauchen allein für den Zoll 550,00 Ringit auf (Examination, Transport zur Examination und Carnet Bearbeitung). Die Carnet Bearbeitung können wir dann wenigstens auf die Hälfte runter handeln. Zum Schluss stellt sich aber heraus, dass der Zoll vor Dienstag keine Hand mehr rührt und außerdem eine Importlizenz verlangt. Da werden wir am Dienstag die Sache doch wohl selber in die Hand nehmen müssen.
Nun ist Klang selber auch nicht gerade ein touristisches Kleinod und an die ständigen 30° C bei 80% Luftfeuchte (jeden Nachmittag gibt es heftige Gewitter) müssen wir uns auch erst wieder gewöhnen, vom malaysischen Essen (besonders der Zubereitung) ganz abgesehen.
Glücklicherweise haben wir ausreichend Whisky in China preiswert einkaufen können, welcher nun als Medizin und zur Aufmunterung gute Dienste leistet. Hier im muslimischen Malaysia ist Alkohol ja wieder unverschämt teuer ( 1 Flasche Bier nicht unter 3 Euro !). Gegen den Hunger gibt es natürlich auch Pizza Hut, Mc D und KFC, wo mindestens der äußere Standart gehalten werden muss, aber immer nur Fast Food, auch wenn es sehr preiswert ist, ist auf Dauer nicht so recht unsere Sache. Auf der Suche nach Restaurants orientieren wir uns an der Zahl der Gäste und finden so auch ganz passable einheimische Küche. Durch die drei hier vertretenen Hauptkulturen - Hindus (Inder), Taoisten oder Christen (Chinesen), Muslime (Malaien) - ist auch für Abwechslung auf dem Speiseplan gesorgt. Aber auch sonst ist diese Gesellschaft ganz klar gegliedert. Die Malaien haben alle staatlichen Behörden fest im Griff (was auch gesetzlich geregelt ist), die Chinesen machen hier die Geschäfte und die Inder die Arbeit. Wohl auch deshalb sieht es auf den Strassen eher indisch vermüllt, als chinesisch aufgeräumt aus.

16.10.2007

Der Ramadan ist zu Ende und alle Feierlichkeiten dazu auch. Wir haben die Nase voll von diesem aufgezwungenen Hotelwochenende und vom Abwarten und begeben uns deshalb am Morgen sofort zu APL Logistic, um unseren Ärger Luft zu machen und eine zügige Abwicklung unseres Containers zu erreichen.
Nach heftigen Diskussionen mit Ian, Sales Dev. Manager bei APL Logistics, stimmen wir einem letzten Versuch zu, die Angelegenheit noch einmal beim Zoll zu klären. Wir fahren gemeinsam mit Sangeran zum Zollhaus am Westport, wo es von indischen “Zollagenten” nur so wimmelt, die sich scheinbar auch alle untereinander gut kennen. Beim zuständigen Customs Officer stellt sich dann nach einigem hin und her heraus, dass dieser keine Importlizenz, sondern ein International Circulation Permit ICP fordert, eine Art Strassen - Zulassung - Erlaubnis, ohne welche er unsere Carnets nicht bearbeiten kann. Zum Beweis und als Muster erhalten wir eine Kopie eines solchen Permits von einem belgischen Fahrzeug aus dem Jahre 2005 !! Weshalb er erst eine Importlizenz fordert, wenn das Ding so schön kurz und bündig ICP genannt wird, bleibt sein Geheimnis. Möglich ist aber natürlich auch, dass dies jetzt nur der Wahrung seines Gesichts dient - hier in Asien wieder sehr wichtig !
Wir versuchen uns gegen die Beschaffung eines solchen Permits zu wehren, aber der Customs Officer verliert bereits die Geduld mit unserem Fall und spricht deshalb mit Sangeran nur noch in malaysisch und Sangeran stimmt allem brav zu. Immerhin erreichen wir noch bei dem Officer, dass der Container im Warehouse, welches innerhalb des Zollgeländes liegt, von uns ab morgen entladen werden kann, um weitere Zollkontrollen, wie Kennzeichen, Motornummern etc. für die Bearbeitung der Carnets vornehmen zu können.
Die Forderung zur Vorlage des ICP bleibt jedoch bestehen und so fahren wir mit Sangeran weiter zum Strassen und Transport Department. Hier wird die Sache jetzt richtig interessant und Sangeran kommt langsam ernsthaft ins Schwitzen. Nach kurzer Anfrage und Vorlage unseres ICP Musters erhalten wir eindeutig die Auskunft, dass ein derartiges Permit nur und ausschließlich an den Landesgrenzen zu Thailand oder Singapore ausgestellt wird. In Klang oder Umgebung, dies schließt die Hauptstadt KL mit ein, ist ein solches Permit nicht erhältlich ! Eine Tatsache, die dem zuständigen Customs Officer augenscheinlich nicht bekannt ist ?!
Für uns wird die Angelegenheit nun langsam lächerlich, aber Sangeran ist unermüdlich pflichtbewusst. Er erklärt uns ganz ernsthaft, das man alles was der Zoll haben will, seiner Meinung nach auch erbringen muss. Es gibt für ihn keinen Widerspruch oder Kritik an einer Behörde oder einem Vorgesetzten ! Nach der allgemeinen behördlichen Mittagspause von 2,5 Stunden, welche von 12.15 bis 14.45 Uhr gehalten wird, will er mit den zuständigen Behörden an den Landesgrenzen telefonieren und Kontakt aufnehmen.
Wir geben uns für heute damit zufrieden, dass wir morgen endlich unseren Container entladen können, was für uns im Moment ja das Wichtigste ist. Während wir arbeiten, kann APL Logistic und Sangeran eine befriedigende Lösung in Sachen ICP für den Customs Officer finden. Immerhin haben wir ja bereits für diesen Service bezahlt.

17.10.2007

Um 9.00 Uhr sollte uns Sangeran zum Port abholen. 8.30 Uhr bekommen wir einen Anruf vom ihm und er teilt uns mit, dass er erst den Mann vom Transport Department zum Customs Officer bringen muss, damit diese sich einigen können bezüglich des ICP. Er will uns nun 11.30 Uhr abholen und der Container sei inzwischen auch bei seinem Warehouse angekommen. Es wird 12.00 Uhr bevor wir zum Port fahren. Dort steht tatsächlich unser Container, äußerlich auch unversehrt, und wartet auf seine Entladung. Wir lassen uns auch nicht zweimal Bitten und fangen umgehend an. Nachdem das Siegel geknackt ist öffnen wir die Türen. Nach erstem Eindruck steht auch alles auf seinem Platz. Bei genauerem Hinsehen allerdings, stellen wir fest, dass der Anhänger nicht mehr auf den hinteren Stützen, sonder auf den Bremstrommeln steht. An sich ist das auch nicht so schlimm, aber vorn hatten wir ja Holz untergebaut und dort sind die U-Eisen, welche als Unterzüge dienen, ganz schön eingedellt. Offensichtlich wurde der Container mal sehr hart aufgesetzt oder an den Seilen hängend mit der Schnellbremse gestoppt. Kein großer Schaden, also weiter. Der Hänger ist relativ schnell ausgeladen und steht auch bald wieder auf seinen eigenen Rädern, obwohl hier leider kein großer Gabelstapler und schon gleich gar nicht einer mit Sitestep Einrichtung zur Verfügung steht. Danach kommt der Landy an die Reihe. Hier sind keine Schäden feststellbar, abgesehen von einigen Kratzern dort wo er nur durch etwas Pappe von der Kabine getrennt war. Aber wo jeder Zentimeter gebraucht wird, sind kleine Schäden vorprogrammiert. Der Kuhfänger und die Winch sind nach einigen Mühen auch wieder angebaut und wir beginnen die Kabine per Seilwinde heraus zu ziehen. Die üblichen Schwierigkeiten beim bewegen im Container (rechts und links kaum Platz und freiwillig will sie nicht geradeaus laufen), aber auf der Rampe drohen dann die vorderen Stützen nachzugeben. Bei genauerer Untersuchung stellt sich heraus, dass eine Verstrebung an der rechten Stütze angebrochen ist. Vorsichtig ziehen wir weiter, aber es wird wirklich gefährlich. Von den vielen zuschauenden Inder sind dann wenigstens zwei bereit mit ihrem Moped zur Hafenschlosserei zu fahren, um neue Verstrebungen anfertigen zu lassen. Obwohl ich ausdrücklich um ein Profilstahl gebeten hatte, bringen sie zwei Stück Flacheisen an. Wenigsten brauche ich dafür nicht löhnen, denn nach dem Einbau und den ersten Zugversuchen biegt sich der Flachstahl wie vorhergesehen durch. Die letzten Zentimeter aus dem Container werden zur reinen Nervensache. Die hinteren Stützen bleiben auf der Rampe, als wir beginnen die Kabine hochzunehmen um sie auf den Landy zu setzen. Mittlerweile ist es Nacht geworden und Sangeran beginnt zu drängeln. Natürlich ist es nicht unsere Schuld, dass wir so spät mit dem Ausladen begonnen haben, aber was haben wir für Alternativen. Jetzt abbrechen und nur mit dem Landy aus dem Hafen fahren scheint uns nicht ratsam, denn wie sicher sind dann die Kabine und der Anhänger mit unseren Bikes ? Als wir dann das erste Mal in die Kabine schauen, werden wir richtig sauer. Die halbe Küche ist runter gekommen und sämtliche Gewürze liegen in Mitten der Kleidungstücke, die aus den oberen Klappfächern heraus gefallen sind. So etwas hatten wir bei noch keiner Verschiffung ! Was nun ?! Großes Theater bringt wahrscheinlich wenig, zumal zwischenzeitlich unsere Carnets fix und fertig da sind und vom ICP keine Rede mehr ist. Wir beschließen der Sache möglichst schnell ein Ende zu machen und bauen in aller Eile das nötigste zusammen um aus dem Hafen fahren zu können.
Gegen 23.00 Uhr stehen wir dann, nach kurzer Verabschiedung von Sangeran, welcher offensichtlich sehr froh ist uns los zu sein, endlich auf dem Parkplatz der Tankstelle direkt neben der Zufahrt zum Port. Noch schnell Wasser tanken und dann eine Mütze voll Schlaf nehmen, denn mehr wird es bei dem Lärm der umstehenden LKW nicht werden. Morgen ist schließlich auch wieder ein Tag.

18.10.2007

Zeitig sind wir auf den Beinen, nicht nur wegen des Lärms, sondern wegen der dunklen Wolken am Himmel. Noch haben wir ja ein großes Loch im Dach, wenigstens solange bis das Gehäuse der Klimaanlage wieder an seinem Platz ist und die Pappe die als Provisorium dient dürfte dem Monsun Regen wohl kaum standhalten. Nach dem diese Gefahr beseitigt ist und der obligatorische Regen sich verzogen hat, beginnen wir unsere Fuhre weiter zusammen zu bauen. Die Zuggabel des Hängers muss noch richtig verschraubt werden und die Bremsen neu eingestellt werden. Auch die Schutzbleche müssen wieder angebaut werden. Nur gut, dass ich inzwischen einen perfekten Schmiermax habe, der solche Arbeiten schon eigenständig erledigen kann. Als wir dann noch aufräumen, kommen leider noch weitere Schäden ans Licht. Selbst an der rechten Außenseite der Kabine ist die Außenhaut an zwei Stellen leicht gewellt und die eine Seitenwand der Küche ist regelrecht durchgebrochen. Selbst die Abdeckung vom Gasherd ist aus den Scharnieren gerissen. Es müssen schon erhebliche Kräfte hier gewirkt haben um solche Schäden zu verursachen. Aber mit Regressansprüchen an Redereien haben wir auch so unsere Erfahrungen, schließlich warten wir immer noch auf eine Entschädigung von einer Fähre nach Korsika, wo wir durch falsche Einweisung eine Kabinentür eingebüßt haben. Und das ist inzwischen 10 Jahre her !
Nach dem zu mindestens die Fahrsicherheit hergestellt ist, ziehen wir in ein Wohngebiet um, welches wenigsten mehr Nachtruhe verspricht und die hier wohnenden Chinesen sind sehr viel weniger aufdringlich, als die indischen Hafenarbeiter und LKW Fahrer. Vorher haben wir noch bei Tesco richtig eingekauft und unsere Vorräte aufgefrischt.

Nach einer ruhigen Nacht, machen wir uns auf den Weg zum “Anglers Ressort”, welches wir vor drei Jahren bei einem Motorradausflug gefunden hatten. Glücklicherweise haben wir unsere GPS Aufzeichnungen, denn die Schilder die uns damals hingeführt haben existieren größtenteils nicht mehr. Es ist zwar mit 50,00 RM pro Nacht als Stellplatz unverschämt teuer, aber jetzt noch ruhiger als damals. Die unermüdlichen unter den Anglern fragen uns dann auch wie wir hier her gefunden haben. Aber wir brauchen einerseits nach den Strapazen des Ausladens mal etwas Ruhe, andererseits ist noch einiges zu reparieren und ein weiteres Jahr älter bin ich nun auch schon wieder geworden.

20.10.2007

Die Küche ist wieder wieder einsatzbereit und nach sechs Wochen Fremdverpflegung gibt es endlich wieder eigene Küche !
Cordula wäscht unsere Wäsche wieder “asiatisch” am Wasserhahn und ich kann noch einiges wieder in Ordnung bringen. Aber wir lassen es ruhig angehen, denn an die permanenten 31 °C muss sich unser Körper auch erst wieder gewöhnen.

21.10.2007

Ein heftiges Gewitter entlud sich in der Nacht über unseren Köpfen und der Regen dazu scheint aus einem C-Rohr zu kommen. Bis in den Vormittag regnet es wie aus Kannen. Da die Hälfte des Weges hier raus nur eine Piste ist, befürchte ich eine Schlammschlacht und außerdem ist es schon reichlich spät, als der Regen endlich nachlässt. So bleiben wir noch einen Tag. Gegen Mittag steht die Sonne wieder hoch am Himmel und die Seenlandschaft rings um uns löst sich in Wasserdampf auf. Kostenlose Sauna pur.  

Auch heute regnet es wieder in den frühen Morgenstunden, allerdings nicht so heftig. 9.30 Uhr sind wir startklar und verlassen das “Anglers Ressort”. Die dritte Nacht brauchen wir nicht zu bezahlen, jedenfalls verlangt niemand etwas von uns, so wird der Preis pro Tag wieder etwas erträglicher.
Unser Tagesziel ist ein See, ungefähr 25 Km oberhalb von Malaka. Nach rund zweihundert Kilometern auf der Autobahn (gut zu fahren, aber mit 8,00 € auch teuer) erreichen wir den “Durian Tunggal Recreational Lake” und umkreisen selbigen in der Hoffnung, einen guten Stellplatz zu finden. Leider ohne den gewünschten Erfolg. Also versuchen wir unser Glück im “Ayer Keroh” Erholungsgebiet, noch etwas dichter zur Küste und zu Malaka, was auch am Verkehrsaufkommen spürbar wird. Aber auch hier gibt es auf unsere ersten Nachfragen nur abschlägige Antworten. Aber wir bekommen immer neue Adressen und nach etlichem Suchen finden wir “Kem Pengakap”, eine Ferienanlage der Pfadfinder, welche außerhalb der Ferien still vor sich hin schlummert. Nach einigem hin und her gibt es auch die Erlaubnis einige Tage hier zu stehen, inklusive Strom und Wasser. Die genauen Bedingungen werden wir Morgen mit “Cheffe” klären.

So nach und nach lernen wie die gesamte Führungsriege der Malaka Pfadfinder kennen. Der oberste Boss weilt jedoch gerade im Lande Nippon und wird erst am Wochenende zurück erwartet.
Wir haben mal wieder die Mopeds abgeladen und schauen uns am Nachmittag noch den Botanischen Garten von Malaka an. Leider ist der kleine “Canopy Walk” geschlossen, aber wir haben auch so unseren Spaß. Es ist halt gerade nicht Saison, was auch daran zu sehen ist, dass die kleinen Erfrischungsstände nur leere Tiefkühltruhen aufzuweisen haben. Also schauen wir noch bei Mc D rein, denn ein Eis muss sein, bei täglichen 32 °C, auch wenn es gelegentlich regnet, bleiben die Temperaturen konstant.

24.10.2007

Wir kaufen in Malaka wieder bei der Supermarkt Kette Tesco ein und sind auch hier vom Angebot etwas enttäuscht. Da wir nun wieder in einem stark muslimisch geprägten Land sind, besteht das Hauptangebot an Fleischwaren aus altem, aber überteuertem australischen Beef, Bergen von Geflügel und einer viel zu warmen Fischtheke. Schließlich finden wir einen kleinen Delikatessenstand, an dem es dann u.a.  “Thüringer Bratwürste” gibt !!
Wir erledigen am Nachmittag noch einige Arbeiten an unserer Kabine. Cordula wäscht wieder “asiatisch”, was um einiges schwerer ist, als in Australien, wo auf jedem Platz Waschmaschinen rum standen. Dort haben wir uns geärgert, wenn es kein heißes Wasser zur Waschmaschine gab - so ändern sich die Ansprüche halt von Land zu Land.

Unsere Pfadfinder haben einen Fototermin angesetzt. Sie haben ein eigenes Magazin und wollen darin über unseren Besuch berichten. Wir erfahren dabei auch, dass die Organisation weltweit in diesem Jahr ihren Hundertsten Geburtstag gefeiert hat. Hier in Malaysia fiel dieses Ereignis mit dem Fünfzigsten Jahrestag Malaysias zusammen, also ein Großereignis, noch dazu wenn man bedenkt, dass hier selbst der gegenwärtige König und der Premier Minister bekennende Pfadfinder sind. Da es in Asien bisher kaum Campingplätze für Wohnmobilisten gibt, sollten wir uns wohl mal etwas mehr mit den Pfadfindern beschäftigen, denn wie uns erzählt wurde, gibt es eine ganze Menge solcher und ähnlicher Camps in dieser Region.

Heute steht unser zweiter Besuch in Malakas Zentrum auf dem Programm. Wir  landen auch wieder auf dem gleichen Parkplatz neben der Christ Church wie vor drei Jahren und werden von einem dort wartenden Rikscha Fahrer auch gleich wiedererkannt und herzlich begrüßt. An das Motorrad kann er sich noch gut erinnern, versichert er uns.
Der Platz vor der Christ Church und dem Stadthaus ist immer wieder schön anzusehen und eine beliebte Fotokulisse. Diesmal schauen wir uns jedoch mehr in China Town von Malaka um, soweit das bei diesen Temperaturen erträglich ist. Eigentlich ist es ja gar nicht die Temperatur, sondern die hohe Luftfeuchte, die uns so zu schaffen macht. Die Strassen von China Town sind so schmal, dass man hier sagt, der Hund wedelt mit dem Schwanz senkrecht, da zur Seite kein Platz ist. Es gibt sehr viele reich geschmückte Wohnhäuser und natürlich genauso viele chinesische Tempel.  Erstaunlich ist nur die Toleranz in der Religionsausübung, denn dazwischen stehen die Tempel der Buddhisten, der Hindus und nicht zuletzt die Moschee der Islamiten.
Nach einem angenehmen späten Lunch machen wir uns wieder auf den “Heimweg” in unser Camp.

27.10.2007

An einer nahen Tankstelle wird kostenlos eine Wireless Verbindung zum Internet angeboten und solchen Offerten können wir absolut nicht widerstehen. Neben dem Upload unserer Seiten, mache ich mich auf die Suche nach einer GPS Karte von Malaysia und werde auch fündig. Die Installation dürfte zwar erfahrungsgemäß noch einige Mühe bereiten, aber wir sind ja für alles dankbar, was mehr Auflösung als die Worldmap von Garmin bietet.

Eigentlich ist heute “Packtag”, denn morgen wollen wir ja weiter Richtung Süden fahren, aber unsere Gastgeber haben uns zu einem Besuch eines “Open Home” und einer malaiischen Hochzeit eingeladen. So kleiden wir uns angemessen und los geht’s. “Open Home” veranstalten gut situierte Malaien zu Hary Raya, der Feier zum Ende des Ramadan, welche noch bis in den November hinein gefeiert wird. Die alkoholfreie Party mit Live Musik und reichlich Essen, steht hier gleichfalls unter dem Motto “sehen und gesehen werden”. Mit uns im Schlepptau, wird die Anwesenheit unserer Pfadfinder noch ein wenig aufgewertet, was uns wiederum allzu häufiges Händeschütteln einbringt. So lernen wir natürlich den Hausherren und seine Gattin, aber auch einige Abgeordnete und ranghohe Politiker kennen. Wie in D, mit seinen sechzehn Bundesländern, gibt es hier mit elf Sultanaten an “wichtigen politischen Persönlichkeiten” keinen Mangel.
Lustig wird es beim Essen. Einer der Pfadfinder, hochrangiger Mitarbeiter im Bildungswesen, kümmert sich besonders um uns und sorgt dafür, dass wir von allen Speisen das Beste bekommen, nachdem er sich bei uns mehrmals versichert hat, dass wir mit dem scharfen malaysischen Essen zurecht kommen. Als wir dann gemeinsam bei Tisch sitzen, kommt unser Freund sichtbar arg ins schwitzen und gesteht uns, dass ihm das Essen zu scharf gewürzt ist. Das wir damit offensichtlich keine Probleme haben, nimmt er nur kopfschüttelnd zur Kenntnis.
Da sich auf islamischen Partys niemand am Alkohol festhalten kann, ist es ein ständiges Kommen und Gehen und so sind auch wir nach rund einer Stunde wieder auf dem Weg zur nächsten Party. Die typische malaysische Hochzeit in einfacher Ausführung, wird uns mit dem Unterton einer Entschuldigung versprochen. Wir sind darüber eher froh, denn so erleben wir diese Menschen, wie sie ganz ungezwungen und traditionell feiern. Für das Hochzeitspaar ist die mehrtägige Feier eher eine Tortour als ein freudiges Ereignis, zumindest haben die Gäste sicher mehr Spaß beim Feiern. Allein schon das Tragen der Hochzeitsrobe dürfte bei diesen Temperaturen mehr als unangenehm sein. Noch satt von der vorherigen Veranstaltung, probieren wir vom Gebäck und schauen dem Treiben zu. Bei der Verabschiedung bekommen wir noch ein kleines Geschenk, zum Dank dafür, dass wir die Hochzeit besucht haben. Ob dabei das Ei eine besondere Bedeutung hat bleibt im Dunklen.
Am Ende dieses ereignisreichen Tages packen wir noch schnell unsere sieben Sachen um morgen unsere Reise fortzusetzen.

Versorgt mit allen Accessoires eines Pfadfinders machen wir uns am Morgen auf den Weg zum nächsten Camp, welches in der Nähe von Batu Pahat gelegen ist. Wie fast ständig in Malaysia wechselt die Landschaft nur zwischen dichten Regenwald und Ölpalmen Plantagen unterbrochen von der einen oder anderen Ansiedlung. Aber alles ist in sattes Grün getaucht und so doch ein sehr schöner Anblick. In Batu Pahat erkundigen wir uns bei ein paar Jugendlichen, die hier ja alle in der Schule Englisch lernen, nach dem Pfadfinder Camp. Leider ernten wir nur Kopfschütteln und sind höchst erstaunt, als sich eine ältere Chinesin aus einem der Strassenlokale in gut verständlichem Englisch in die Unterhaltung einmischt und uns den Weg dorthin präzise erklärt. So finden wir recht schnell auch dieses Camp “Kem Jubli Intan” in Tanjung Laboh. Da in den Wochen vor Ferienbeginn Mitte November bereits alle Tests und Prüfungen abgeschlossen sind, haben schon die ersten Pfadfinder Gruppen hier Einzug gehalten. Leider ist im Moment keine Autorität dieses Camps anwesend und so versuchen wir telefonisch Kontakt aufzunehmen, um die Erlaubnis zu erhalten, hier einige Tage stehen zu können. Der nach einigen Stunden eintreffende Leiter der Einrichtung spricht zwar kaum Englisch, bedeutet uns aber per Dolmetscher, dass wir hier stehen können. Wir richten uns auf dem Parkplatz erst einmal für die Nacht ein und sind doch recht froh, wieder so ein ruhiges Plätzchen gefunden zu haben.

Nach dem Frühstück bekommen wir Besuch vom obersten Pfadfinder des Sultanats Johor, Yaacob Karim. Bei einem freundlichen Gespräch erklärt er uns ausdrücklich zu seinen Gästen und ist schon dabei, einige Besichtigungstouren für uns zu planen. Wir danken ihm für diese Freundlichkeit, verweisen aber darauf, dass wir am liebsten auf unseren Bikes die Gegend erkunden und auch schon Einiges geplant haben, schließlich wollen wir mit unserer “Selbsteinladung” niemanden zur Last fallen oder Anlass zu irgendwelchen Verpflichtungen geben.
Nach dem er uns wenigstens noch mit einem schattigen Platz versorgen konnte, verabschiedet er sich von uns und wir ziehen um und nehmen die Mopeds runter, um gleich noch eine kleine Runde zu drehen. Der Ritt über einen nahe gelegenen Berg - die Strecke habe ich in der neuen GPS Map gefunden - wird leider von der Armee verhindert, welche da oben ihre Radaranlagen hat, was in der Karte verständlicherweise nicht eingezeichnet ist. Trotzdem haben wir einigen Spaß auf der kleinen Runde.

Langsam gewöhnen wir uns an die täglichen Regengüsse und Gewitter. Die Regenkombis halten also Einzug in unsere Motorradkoffer und wir machen uns auf den Weg zum südlichsten Punkt des asiatischen Festlandes - Tanjuhg Piai - im Johor National Park. Wir fahren zuerst bis Kupuk, einem ehemaligen Schlupfwinkel der Piraten (der Tiger von Malaysia lässt grüßen), allerdings ist davon hier nichts mehr zu spüren. Heute ist Kupuk ein Fischerdorf und seine Attraktionen sind die Käfige zur Fischzucht rund um die vorgelagerten und im Wasser stehenden Holzbauten, sowie die vielen Fischrestaurants. Mit einer Fähre kann man auf die nur einen Steinwurf entfernte gleichnamige, aber unbewohnte Insel übersetzten und auf angelegten Holzwegen spazieren gehen. Später fahren wir direkt in den NP. Hier wird eine Eintrittsgebühr von 5,00 RM pro Person fällig. Eigentlich für uns 10,00 RM, da wir Ausländer sind. Es ist nicht die Summe an sich die mich verärgert, sondern die Ungerechtigkeit, schließlich kann jeder nach Europa kommen und sich die für viel Geld restaurierten touristischen Highlights anschauen, ohne als Ausländer extra löhnen zu müssen. Ehe ich meinem Ärger Luft machen kann, hat Cordula mit dem Verweis auf unseren angeblichen Status als “Residentel”, die Sache schon geregelt.
Die Südspitze Malaysias wird von einem einzigartigen Mangroven Wald bedeckt, der vom Wetland bis in die Street of Malacca reicht und reich an exotischen Pflanzen und Tieren ist. Leider machen sich die 63.000 Schiffe (u.a. 50% des Weltrohölhandels) mehr noch als die 32.000 Besucher pro Jahr in Bezug auf die Ökologie nachhaltig negativ bemerkbar. Auf lokalen Fisch werden wir wohl in Anbetracht der Wasserqualität verzichten.

Wir erkunden Batu Pahat, kaufen ein und müssen leider feststellen, dass es zwar einige Internet Cafés hier gibt, aber keine Möglichkeit den eigenen Laptop zu benutzen. Sehr ärgerlich !
Cordula schießt noch einige Fotos vom Camp, seinen Pfadfindern und der Umgebung.

02.11.2007

Unser geplanter Ausflug zum Endor Rompin NP fällt buchstäblich ins Wasser. Es hat wieder einmal die ganze Nacht geregnet und selbst am Morgen tröpfelt es weiter. Wir waren ja schon vor drei Jahren dort, sind aber von der Ostküste in den Park gefahren. Nun haben wir Dank der neuen Karte zwei weitere Zugänge gefunden. Zu Beiden ist es aber von hier aus ein gutes Stück Weg und nach Peta, dem am weitesten im NP gelegenen Zugang, kommt man auch nur über rund 50 Kilometer Gravelroad.
Natürlich haben wir auch bei schlechten Wetter noch genügend Beschäftigungen und langweilen uns deswegen nicht.

Im zweiten Anlauf spielt das Wetter mit und wir starten unseren Ausflug in den NP. Die rund 100 Kilometer auf der Strasse liegen schnell hinter uns. Als wir die Gravelroad in Angriff nehmen, ist sie noch recht staubig, aber dunkle Wolken drohen schon in einiger Entfernung. Die Strecke führt zur Hälfte durch Ölpalmen Plantagen und wird recht stark vom landwirtschaftlichen Verkehr genutzt. Die andere Hälfte führt durch den Regenwald und ist sehr schön ruhig, allerdings ist die gesamte Piste in einem sehr schlechten Zustand.
Am Ende der Strecke liegt rechts das Dorf Peta, überwiegend von Orang Asli, den Uhreinwohnern Malaysias, bewohnt. Auf der anderen Seite befindet sich das Visitor Center und Ressort im Endau Rompin NP. Leider ist alles geschlossen, ob wegen der Mittagspause, fehlenden Besuchern oder der Regensaison bleibt unklar. Auf jeden Fall, sollten sich Besucher, die hier übernachten wollen, vorher anmelden. Die Anlage selbst ist sehr hübsch angelegt und ein längerer Aufenthalt bestimmt lohnenswert. Immerhin sollen im NP sogar  Elefanten, Nashörner, Tiger und Tapir zu Hause sein (die Dorfbewohner bestätigen uns, dass die Elefanten manchmal ins Dorf kommen und die Bananen klauen).
Zu unserem Leidwesen finden wir aber nicht einmal Trinkwasser als Ersatz für die auf der Piste ausgelaufene Wasserflasche. Als wir nach unserem kleinen Rundgang auf eine sehr gut Englisch sprechende Frau treffen, fährt diese auf ihrem Moped voraus in das Dorf Peta und zeigt uns dort den Dorfladen, den wir ohne ihre Hilfe garantiert nicht gefunden hätten. Sie selbst wohnt in der Nachbarschaft und bewirtet uns noch mit Tee auf ihrer Terrasse. Dabei lernen wir noch alle Schwestern, Tanten und Cousinen und sogar den Hausaffen kennen. Dieser wird in Malaysia traditionell zum Kokosnuss pflücken gehalten. Das Haus selber besteht aus einem einzigen großen  unmöbliertem Gemeinschaftsraum.
Leider ist es schon spät geworden und so bleibt es bei einem sehr kurzen Besuch. Als wir uns auf den Rückweg machen, sind auch die dunklen Wolken schon über uns und aus der staubigen Piste mit vielen Löchern wird schnell eine schlammige Seenlandschaft. Meine Maschine fängt zu allem Überfluss auch noch an zu bocken und erst als alle Steckverbindungen im Zündbereich überprüft sind, fährt sie wieder normal. Wo nun genau das Problem liegt, war in dem Regen nicht zu klären. Als wir wieder festen Untergrund, sprich Teer erreicht haben, ist Cordula so geschafft, das sie mit dem Gedanken spielt ihre “ Motorrad Karriere ” zu beenden. Das hält aber nur bis in die nächsten gut ausgebauten Kurven an und da ist schon bald von diesem “ Anfall ” nichts mehr zu spüren. Schlammverkrustet kommen Bikes und Fahrer ins Camp zurück und müssen erst einmal die Kombis und Stiefel putzen. Die Bikes müssen noch warten bis wir einen geeigneteren Waschplatz finden. Wir sind uns einig, es war eine schöne, aber auch anstrengende Tour.

Im Camp geht wieder eine Belegung zu Ende und da es sich diesmal mehr um einen Wettbewerb zwischen verschiedenen Pfadfinder Gruppen gehandelt hat, gibt es natürlich einen Abschlussappell mit vielen Ansprachen und Auszeichnungen.
Auch wir verabschieden uns schon mal von Yaacob, der zu diesem Anlass natürlich auch anwesend ist. Während wir noch seine kleine Ausstellung bewundern - eine tolle Sammlung von Accessoires aller denkbaren in- und ausländischer Scouttreffen - bekommen wir zum Abschied auch noch die obligatorischen Basecaps.
Am Nachmittag packen auch wir dann wieder. Die Schar der kleinen Scouts hat inzwischen das Camp schon verlassen und so haben wir eine sehr ruhige Nacht in mitten der Natur.

05.11.2007

Ab Mitternacht ist von Ruhe keine Rede mehr. Der Regen trommelt mal wieder auf unser Dach und das bis in den späten Vormittag. Um unseren Zug hat sich bereits ein grosser See gebildet. Bei dem Wetter ist es nicht besonders schön durchs Land zu fahren und einen neuen Stellplatz zu suchen und so warten wir ab, wie sich morgen das Wetter gestaltet. Nur gut, dass es uns an Zeit nicht mangelt !

Es wird wieder ein erlebnisreicher Tag. Wir machen unseren Zug startklar, tanken Wasser und Diesel, ersetzen einen Anhängerreifen der es nicht mehr tut und fahren schlussendlich zum Air Tajun - auf gut deutsch “Wasserfall” - im Kota Tinggi Ressort. Dort finden wir auch einen annehmbaren Platz für eine Nacht und gehen natürlich auch am Wasserfall schwimmen. Eine herrlich erfrischende Abkühlung erwartet uns und es ist fast so schön wie im Liechtfield NP in Australien. Da die meisten Besucher hier Chinesen oder aus Singapur sind, kann man auch ungeniert ohne T-Shirt und lange Hose ins Wasser gehen. Nur die Muslims sind wieder bis zum Hals zugeknöpft beim Schwimmen - sehr anstrengend und für meine Begriffe wenig erholsam.

Nach unserem Frühstück fahren wir weiter in Richtung Ostküste, die ja um diese Jahreszeit noch etwas vom Monsun verschont sein soll. Wir fahren bis zum äußersten südöstlichen Punkt, wo dann an einem im Bau befindlichen Fähranleger auch wirklich Schluss ist. Leider ist dieser Zipfel Malaysias nicht so schön, wie wir uns erhofft hatten. So fahren wir weiter entlang der Ostküste bis Desarau. Hinter dem Desarau Golfgelände schließt ein Ressort an das Andere an. Beim Public Beach Ressort finden wir einen Stellplatz direkt am Strand. Am Tag ist dieser kostenlos und Übernacht sind 10,00 RM pro Person zu zahlen. Für diese Gebühr gibt es zwar keinen Stromanschluss, aber eine Dusche und Toiletten und auch etwas Licht wird noch extra für uns verlegt. Das Stromproblem rührt sicher daher, dass ein Verteilerkasten völlig ausgebrannt ist und nur noch ein Provisorium existiert. Ob sich das in nächster Zeit ändert, ist eher unwahrscheinlich, da es hier in Malaysia zwar viele recht schöne Einrichtungen gibt, bei denen es aber leider sehr oft an der nötigen Pflege mangelt, was ausgesprochen schade ist.
Trotzdem sind wir mit unserem Platz recht zufrieden und springen auch gleich mal ins Meer, was leider Pi... warm ist, aber zur Zeit einen ordentlichen Wellengang zu bieten hat. Wir werden von Tag zu Tag entscheiden, wie lange wir hier bleiben. Nur anhaltender Regen oder ein einsetzender Besucheransturm können uns vorzeitig von hier vertreiben.

Am Morgen lacht die Sonne. Wir haben hier in Malaysia ein rechtes Händchen die Feiertage zu erwischen. Heute jedenfalls feiern die Inder - keine Ahnung was - und natürlich haben alle frei. Die Inder selber feiern offensichtlich zu Hause in Familie und sind demnach am Strand kaum vertreten. Dafür sind die Chinesen schon seit 2.00 Uhr !! morgens  recht lautstark angereist und haben erstmal etwas auf den Grill gelegt. Am Vormittag reisen dann noch eine christliche Studentengruppe und ein gleich gesinnter Kindergarten an. Wir haben also kostenloses Entertainment vor unserer Hütte - der Strand ist ja sooo klein - und beschließen noch zu bleiben. Schließlich wollen wir ja am kulturellen Leben der vielen Volksgruppen in Malaysia teilhaben.

In der Nacht bleibt es erstaunlich ruhig. Am Strand sind heute mehr Inder als Chinesen. Wie auch in der westlichen Welt, wird hier so ein Feiertag in Mitten der Woche zu einem langen Wochenende genutzt. Kinder können ohne weiteres auch mal der Schule fernbleiben und die Ferien etwas eher antreten. Das Wetter ist durchwachsen, aber es regnet deutlich weniger als an der Westküste, was ja schon mal von Vorteil ist. Vorbei ziehende Gewitter bilden tolle Farbspiele über dem Meer.

10. - 11.11.2007

Unsere Nächte hier sind schon etwas abwechslungsreich. Von 20.00 bis 24.00 Uhr bleibt es in der Regel recht ruhig, aber dann setzt der lokale Campingbetrieb richtig ein. Gegen 04.00 ist dann wieder an schlafen zu denken. Aber trotzdem lässt sich alles friedlich regeln. Meist handelt es sich bei den “Nachtcampern” um chinesisch stämmige Jugendliche. Da gibt’s dann schon mal so gegen 3.00 Uhr morgens ein ordentliches “ wum wum wum” aus den 500 Watt Stereolautsprechern, der nur noch äußerlich als Auto erkennbaren Musikbox. Aber ein freundlicher Hinweis auf die doch schon etwas vorangeschrittene Stunde bringt umgehend Abhilfe. Mit einem “Sorry” wird die Lautstärke um die Hälfte reduziert und das “ wum wum wum” wiegt dich allmählich in den Schlaf. Oder wenn der “heisse Stein” um 2.00 Uhr in der Früh direkt vor dem Kühler deines Landys errichtet wird und deine Kühlerhaube schon als Ablage dient, musst du nur vorsichtig deine Bedenken anmelden. Dann kommt auch gleich die höfliche, Frage ob du dich eventuell etwas gestört fühlst und wenn du diese Annahme dann bestätigst, verlagert sich das Geschehen problemlos 10 Meter von deinem Stellplatz weg. Also wirklich umgängliche Jugendliche.
Am späten Nachmittag unseres letzten Tages hier, hören wir plötzlich “Grüß Gott, ich bin der Klaus aus München”. Erika & Klaus Därr haben nach ihrer Ankunft in Singapur auch diesen Platz gefunden und wollen sich hier von den Strapazen der Verschiffung etwas erholen. Ein grippaler Infekt und der Stress bei der Entladung in Singapur hat die Beiden ganz schön geschafft und so wird es nur ein kurzer Plausch, ehe die Zwei sich erst einmal ordentlich ausschlafen. Leider haben sich heute ausgerechnet eine Gruppe Inder hier zum Nachtcamping versammelt. Der lautstarke Singsang ihrer Unterhaltung wird nur noch von den Knallfröschen, die sie so gegen 2.00 Uhr loslassen, übertroffen.

Wir packen ganz in Ruhe zusammen und nach dem obligatorischen Büchertausch Langzeitreisender verabschieden wir uns von den beiden Därrs vorerst. Sicher werden wir uns hier in Südost Asien noch einmal über den Weg fahren. Unsere Aufgaben für Heute sind der Einkauf in Mersing, der einzigen größeren Stadt auf unserer Route, und einen Platz für die Nacht am Meer zu finden. Der Einkauf fällt bescheiden aus, es mangelt einfach am Angebot, der Platz am Meer dagegen ist recht schön. Der Ort nennt sich Air Papan und liegt wenige Kilometer nördlich von Mersing. Hier wurde vor kurzem eine neue Strandpromenade errichtet und wir finden einen schönen Platz zwischen den Kokosnuss Palmen. Cordula fängt auch gleich eine Ziege ein, soll das der Ersatz für den missglückten Einkauf werden ?

Dieser Platz am Meer und unter Palmen ist wirklich sehr schön. Nur ein kleiner Makel stört unseren Schönheitsschlaf. Die Dorfjugend macht aus der Promenade eine Moped Rennstrecke. Das Racing beginnt gegen 2.00 Uhr in der Früh und endet mit dem ersten Hahnenschrei. Na gut, schlafen wir halt etwas länger.

Glücklicherweise scheint es diese Rennen nur an bestimmten Wochentagen zu geben, deshalb bleiben wir noch etwas länger. Außerdem müssen wir noch die Kokosnüsse probieren, von denen hier reichlich rumliegen und uns hoffentlich nicht aufs Dach fallen. Wie wir uns von einigen Jugendlichen belehren lassen, sind die, die unten liegen aber nur zum Kochen gut. Um Kokosmilch zu trinken schickt der Malaye seinen Affen auf die Palme und lässt frisch pflücken. Mangels eines Affen beschränken wir uns doch auf Runtergefallene und müssen feststellen, dass wir in Europa offensichtlich nur das “Fallobst” angeboten bekommen, denn wir können keinen Unterschied im Geschmack oder Aussehen erkennen.

Eigentlich wollen wir nur einige Kilometer weiter ziehen, denn laut Karte gibt es hier noch einige schöne Fleckchen. Leider ist der Eine zu teuer und der Andere zu dreckig und so rollen wir Kilometer um Kilometer weiter entlang der Küste Richtung Norden, schauen uns viel an und verbummeln die Zeit. Nach mehr als zweihundert Kilometern müssen wir dann doch ernsthaft einen Platz für die Nacht suchen. Auf ihrer Strassenkarte hat Cordula vor drei Jahren bei dem Ort Tanjong Selangor einen Vermerk angebracht. “In der Woche sehr ruhig !” Also genau was wir suchen. Leider habe ich nicht erst die genauen GPS Daten rausgesucht und so landen wir in einer Sackgasse, ungefähr 500 Meter Luftlinie von dem gesuchten Platz entfernt, wie ich später auf meiner digitalen Karte sehe. Am Ende dieser Gasse ist jedoch wieder einmal ein Camp für Scouts und junge Kadetten. Auf Anfrage und unserer nun schon bestehenden Erfahrung mit diesen Camps dürfen wir hier über Nacht bleiben und haben sogar Strom und eine Dusche. Da die nächste Belegung erst morgen erwartet wird, ist die Nacht auch sehr ruhig.

Bei unserem Freund Jude in Kuala Jemapoh haben wir uns schon telefonisch angemeldet und beziehen so am Nachmittag unseren alten Stellplatz in seinem Garten. Diesmal allerdings ohne den Einsatz unserer Winch, schließlich habe ich ja die “Fallen” noch gut in Erinnerung. Nicht nur bei Jude, sondern auch bei seinen Freunden und Verwandten ist die Wiedersehensfreude groß. Wir werden hier einige Tage bleiben und unser Visum für Thailand vorbereiten. Da wir ja auch dort etwas länger bleiben wollen, müssen wir das Visa bereits vor der Einreise beantragen.

17. - 25.11.2007

War unser erster Aufenthalt bei Jude von sportlichen Aktivitäten geprägt, so werden wir diesmal mit Hochzeiten und Beschneidungen unterhalten. Die doch etwas kühlere Jahreszeit und vor allem die Schulferien machen es möglich. Natürlich ist Cordula hellauf begeistert und wird keine der Hochzeiten versäumen. Unsere erste Einladung erhalten wir jedoch eines Abends so gegen 22.00 Uhr. Ein wohlhabender Farmer (Ölpalmen) ist noch nicht müde und hat deshalb beschlossen, sich noch einwenig bei dem hier so beliebten Karaoke zu verausgaben. Allerdings steht die Anlage dazu auf seiner Plantage und nicht in seiner Stadtwohnung. Er lässt also einige seiner Bediensteten antreten, denn schließlich muss der Generator angeworfen und die Karaokeanlage bedient werden. Ein paar frische Kokosnüsse und eine Kleinigkeit zum Essen müssen auch hergerichtet werden. Mit seiner zweiten Frau (Muslims können in Malaysia offiziell 4 Frauen haben ) holt er uns dann ab und es geht etliche Kilometer auf schmalen Pfaden durch die Plantagen. Einer der Arbeitsräume auf der Farm ist entsprechend eingerichtet und der Hausherr legt auch gleich richtig los. Meist Titel aus den sechziger und siebziger Jahren in englischer Sprache, aber auch malaiische und indonesische Songs. Wir halten uns lieber an die frische Kokosmilch und an geraspeltes Kokosfleisch mit gekochter warmer Banane. Sehr lecker !!
Die erste Hochzeit beginnt an einem Abend in Kuala Pilah. Eine islamische Hochzeit erstreckt sich  hier in der Regel über drei Tage und besteht aus der Trauungszeremonie mit dem Iman, der Feier im Haus der Braut und der Feier im Haus des Bräutigams. An diesem Abend wird bei der Braut gefeiert. Der wichtigste Teil aller Feiern ist natürlich das Festessen und auch Karaoke darf keinesfalls zur Unterhaltung fehlen. Das Beglückwünschen des Brautpaares wird in einem zeremoniellen Ritus vorgenommen und ist gar nicht so einfach, wie Cordula feststellen muss.
Die nächste Einladung erhalten wir zu einer Beschneidungsfeier. Der kleine Junge, unterzieht sich dieser religiösen Prozedur kurz nach seinem elften Geburtstag, was natürlich auch hier zum Anlass eines Festes wird, von welchem er allerdings nicht so sehr viel hat. Drei Tage bei Wasser stehen ihm bevor, ehe er wieder richtig essen und aufstehen darf. Auch mehr eine religiöse Regel, als eine medizinische Notwendigkeit. Wie bei jeder Feier steht das Essen im Mittelpunkt. Das einzige Besteck ist die Kelle zum Füllen der Teller am Buffet, dann müssen die eigenen Finger ran. Natürlich nur die der rechten Hand, weil die Linke ausschließlich auf der Toilette benutzt wird, was offensichtlich auch für Linkshänder gilt, denn obwohl ich hier schon oft jemanden mit Links schreiben gesehen habe, ist mir noch niemand begegnet, der auch mit Links gegessen hätte.
Zwischen den verschiedenen Einladungen bleibt uns auch noch genügend Zeit für einige kleine Reparaturen. Unter Anderem gibt es neue Bezüge für die Sitzbänke unserer Motorräder. Für 60 RM - umgerechnet rund 12 Euro - erhalten die zwei GS 80 sauber gearbeitete neue Bezüge inklusive Material und Arbeitsleistung !
Auch haben wir jede Menge Besuch in Jude’s Garten von großen Leuten und kleinen Tieren. Und Cordula kann sich oft nicht entscheiden in welcher Robe sie zur nächsten Feier geht.

26.11 - 01.12.2007

Ein bisschen Sport gibt es dann doch, da wir zur Einweihung des Midah Futsal Centers eingeladen sind. Nach einem gemeinsamen islamischen Gebet gibt es natürlich ein kleines Essen und im Anschluss einige Futsal Spiele, sowohl für weibliche, als auch für männliche Mannschaften. In die Halle hat eine ortsansässige muslimische Familie investiert und verlangt in der ersten Zeit 30 RM für eine Stunde als Einführungspreis, später wird es dann 70 RM kosten.
Unsere nächste Hochzeit dürfen wir bereits bei den Vorbereitungen erleben. Alle Nachbarn im Kampung, ob groß oder klein, helfen dabei, vom Ausschmücken des Grundstücks bis zu der Vorbereitung der Speisen. Das es dabei teilweise zugeht wie vor einigen hundert Jahren, ist nicht eine Frage des Geldes, sonder mehr der Tradition und der Religion geschuldet. Alles spielt sich im Freien ab, wofür natürlich das Klima verantwortlich ist.
Am Vormittag des ersten Tages findet in diesem Fall die eigentliche Trauung statt. Der Iman gibt die Frau dem Mann zum Weib. Die Frau kniet vor dem Mann und küsst ihm unterwürfig die Hand. Der Mann küsst die Frau auf die Stirn. Es werden auch Eheringe und oft weiterer Goldschmuck getauscht. Noch sehr oft wird ein Brautgeld ausgehandelt, welches die Kosten der Hochzeit decken muss. Das religiöse Ritual dürfte auch ein Grund dafür sein, warum es so wenig Mischehen bei den Moslimen gibt. In solchen Fällen muss ja der nicht moslemische Partner zum Islam übertreten, da ja der Moslem seinen Glauben bei der Geburt erhält und niemals ablegen kann. Nach der Zeremonie gibt es das obligatorische Foto - Shooting. Am Anfang macht ja der frisch gebackene Ehemann noch mit einiger Begeisterung mit, aber später zeigt sich nur noch die Braut in verschiedenen traditionellen Roben, während der Bräutigam zurück nach Malacca fährt. Die Hochzeitsnacht ist hier kein Thema.
Während die Braut noch Modenschau macht, putzen die  Frauen Berge von Gemüse, Gewürzen und Obst. Die Männer sind für die Kokosnüsse, das Schlachten und das Kochen zuständig. Dabei herrscht ein ständiges Kommen und Gehen und es bleibt für uns unklar, wie dabei jeder immer seine Aufgabe findet. Legt einer den Kochlöffel aus der Hand, so kommt der Nächste und rührt weiter.
Das Festessen für morgen wird in der Hauptsache aus Chicken und Beef bestehen. Zu diesem Zweck wurde für 2000 RM, umgerechnet rund 450 Euro, ein junger Bulle gekauft, welcher nun natürlich auch geschlachtet werden muss. Selbstverständlich geschieht auch dies nach moslemischer Tradition und Vorschrift. Die rituelle Tötung nimmt der Iman persönlich vor und dabei muss das Tier nach Mekka blicken. Was in Teilen Europas verboten, ist hier aus der Kultur nicht wegzudenken. (Die Bilder von der “Hinrichtung” sind unter diesem Link zu finden, da es sicher nicht jeder Manns/Frau Geschmack entspricht.)
Nach dem der Bulle zerlegt ist, wird das Fleisch nur von den Männern zu mundgerechten Bissen zugeschnitten und die ganze Nacht werden verschiedene Gerichte in riesigen Kesseln zubereitet. Selbst der Pansen wird mit jungen Bambus und vielen scharfen Gewürzen gekocht. Am späten Abend gibt es dann schon die ersten Kostproben.
Am zweiten Tag kommen am späten Vormittag die Gäste mit Geschenken und werden von den Brauteltern begrüßt. Nach dem die meisten Gäste verköstigt sind, kommt dann endlich der Bräutigam mit seiner Verwandtschaft und die Braut führt ihn zur Feier. Bevor die Beiden jedoch von dem Festessen etwas abbekommen, gibt es erst einmal die rituellen Segenswünsche. Nach dem Essen mischt sich das junge Paar unter seine Gäste.
Am darauf folgenden Tag bringt der Mann nun seine neue Frau nach Hause und es findet eine analoge Veranstaltung bei der Familie des Bräutigams in Malacca statt. 

02. - 04.12.2007

Die letzten Tage bei Jude vergehen wie im Flug. Viele, die wir im Kampung getroffen haben, kommen und wollen sich verabschieden. Es fällt oft schwer die meisten der Abschiedsgeschenke zurück weisen zu müssen, aber wir haben wirklich keinen Platz dafür. Auf den Kauf von Souvenirs verzichten wir ja auch stets. Das begreiflich zu machen, fällt ebenso schwer, aber zum Schluss nimmt es uns niemand übel.
Jude will sein “Garden Camp” künftig auch anderen Overlandern anbieten und hat uns beauftragt, etwas Reklame dafür zu machen. Wer also mit seinem eigenen “Haus” unterwegs ist und ein paar Tage ausspannen möchte, wird hier gern gesehen und erhält Strom und Wasser gegen einen kleinen Obolus. Dazu gehört natürlich auch, das Leben und die Kultur im Kampung richtig kennen zu lernen und da gibt es sicher keinen besseren Führer als Jude. Es ist günstig sich telefonisch über 019 3456158 anzumelden, aber auch wer spontan in Kuala Jemapoh (nahe Kuala Pilah) vor der Tür steht (N2 46 31.1 E102 16 59.6) wird schnell Jude begegnen, denn die Kommunikation im Kampung funktioniert ausgesprochen gut. Eventuell entsteht ja hier mal so etwas wie ein Treffpunkt für Overlander in Malaysia oder ein in diesem Land so seltener Campingplatz.

Nachdem wir uns von Jude verabschiedet haben, fahren wir Richtung Norden den Cameron Highlands entgegen. Allerdings haben wir uns für eine eher ungewöhnliche Route entschieden, da wir die Strecke über Ipoh ja schon kennen. Diesmal wollen wir die Highlands von “hinten” anfahren und nehmen deshalb die Inland Route über Bentung, Raub und Gua Musang. Diese Strecke ist nicht übermäßig befahren und führt abwechslungsreich bergauf und -ab durch Palmenhaine und Regenwald. Kurz nach Kuala Lipis, nahe zum Taman Negara NP, finden wir eine günstige Stelle zur Übernachtung.

Bereits gestern Abend hat es angefangen zu regnen und auch heute bleibt uns der Regen treu. Die Strecke wird kurvenreich und langsam auch entsprechend bergig, so dass unser Landy tüchtig schnauft. Rund 25 Kilometer hinter Gua Musang beginnt dann der Anstieg zu den Highlands und nach weiteren knapp zwanzig Kilometern sind wir schon auf 1400 MN. Den letzten Teil der Strecke haben wir mit Hilfe der Untersetzung bewältigt, da immer wieder große LKW vor uns den Berg hoch kriechen und uns zwingen, bis in den ersten Gang runter zu schalten.
Schlimmer ist aber die Enttäuschung als wir die Highlands erreichen und ringsherum nur graue Folie sehen. Dazu kommt, dass der Tag an sich nur graue Töne zu bieten hat und die Wolken mittlerweile als Nebel jede weitere Sicht verhindern. So hatten wir die Cameron Highlands nicht in Erinnerung ! Offensichtlich hat die neue Strassenverbindung nach Gua Musang noch mehr Obst und Gemüse Züchter hier her gebracht. Es sieht teilweise schlimmer aus als in Spanien, Griechenland und Holland zusammen. Wo man auch hinschaut, alte verrottete oder neue Gewächshausfolie bis an die Strasse heran. Eine riesige Industrieanlage - einfach trostlos.
Ab Brinchang wird es etwas besser und die Highlands so, wie wir sie in Erinnerung haben, kommen wieder zum Vorschein. Es lohnt offensichtlich nicht, aus Richtung Tapah kommend, weiter als Tanah Rata zu fahren, wo wir dann auch bleiben. Von Därr’s haben wir einen Tipp bekommen und so den ruhigen Parkplatz an der Tourist-Info gefunden. Leider regnet es weiter, aber wir geben die Hoffnung auf ein paar schöne Tage nicht auf.
Im Übrigen wer mit einem Landy unterwegs ist Ersatzteile braucht, ist hier richtig. In den Cameron Highlands laufen mindestens 95% aller in Malaysia angemeldeten Landys. Von Serie II bis zum 130er  ist alles vertreten.

Regen, Regen und nochmals Regen, kaum das wir mal trocken bis in die Stadt hinunter kommen. Aber vor uns liegt das Wochenende und der Platz vor der Tourist-Info wird dann wohl noch ruhiger. Nur eine kurze Wanderung zum Robinson Wasserfall schaffen wir, ehe es wieder nass von oben wird.

Es bleibt beim Regen. Als es gegen Mittag aufklart, unternimmt Cordula eine “kleine” Wanderung. Sie will zum Parit Waterfall, Old Smokehouse und zurück über Hill Top wandern. Die Strecke ist mir zu weit, deshalb bleibe ich bei meinem Buch. Bereits nach rund einer Stunde regnet es schon wieder und die Wandersfrau tut mir ein bisschen leid. Nach vier Stunden ist sie wieder da. Nass und geschafft, denn der so genannte “Phat 4” hat es ganz schön in sich. Es ist wirklich nur ein Pfad und teilweise mit Stufen für Riesen. Nachdem sie sich im Old Smokehouse etwas erholt hat, verzichtet sie auf Top Hill und kehrt über die Hauptstrasse zurück.
Am Abend gibt es dann zur Abwechslung mal ein richtiges Schnitzel im deutsch/schweizer Restaurant. Nach dem vielen Curry Chicken ein besonderes Erlebnis, vor allem wenn es noch so gut zubereitet wird wie hier.

09.12.2007

Das feuchte und trübe Wetter bleibt uns auch weiter erhalten und so planen wir unsere Weiterreise in Richtung mehr Sonne und Salzwasser. Vor drei Jahren waren wir kurz mit Steven zu einer Geschäftseröffnung auf Penang und fanden die Insel eigentlich nicht so schön, weil doch sehr zugebaut und überlaufen. Heute jedoch kam eine e-mail von Erika Därr und sie empfahl uns einen Platz am Strand, auf dem sie selbst eine Woche gestanden hatten.  Da wir bei unserem Kurzbesuch nicht die ganze Insel gesehen hatten, beschließen wir die Cameron Highlands zu verlassen und unser Glück auf Penang zu suchen.

Im Nieselregen fahren wir wieder hoch bis zum Abzweig nach Ipoh. Diese Strasse ist ebenfalls noch relativ neu und gut ausgebaut. Wir lassen die Gewächshausfolien hinter uns und erreichen nach rund zwei Stunden Ipoh. In dieser großen Stadt gibt es wieder entsprechende Einkaufsmöglichkeiten und wir füllen unsere Vorräte wieder auf.
Unweit von Ipoh, in Kuala Kangsar, dem Sitz des Sultans von Perak, steht eine besonders schöne Mosque und diese wollen wir uns anschauen. Dort angekommen finden wir einen schönen großen Parkplatz direkt vor der Mosque und beschließen hier auch zu übernachten, zumal die Zugänglichkeit für Besucher am Vormittag besser ist, als am Nachmittag zwischen den Gebetszeiten. Wir drehen noch eine kleine Runde zu Fuß durch den Ort zum neuen Palast des Sultans, aber der einsetzende Regen bringt uns bald wieder zu unserem “Haus”.

Am Vormittag besichtigen wir die Mosque - soweit wir als Nichtgläubige dürfen - und schauen uns auch den alten Palast des Sultans und König’s a.D. an. Darin werden vor allem die vielen Geschenke, die er zu unterschiedlichen Anlässen erhielt und sein umfangreicher Fuhrpark, sowie diverse Garderobe, so zum Beispiel alle seine Roben anlässlich seiner Graduierung und der Verleihung der Ehrendoktorwürde, ausgestellt.
Danach fahren wir meist auf kleinen Nebenstrassen weiter nach Penag. Etwas Ärger gibt es dann an der Mautstelle zur Brücke vom Festland zur Insel. Erst zeigt die elektronische Anzeige 7 RM für uns an, dann sieht die Angestellte unseren Hänger und deshalb sollen wir nun 60 RM bezahlen. Der Grund sei, dass wir zusammen mit dem Anhänger vier Achsen haben. Der Versuch zu erklären, dass es sich dabei jedoch um zwei Fahrzeuge handelt, fruchtet nicht, denn auf der schönen Bildpreistafel an ihrem Kabuff ist auch ein Auto mit einem Bootsanhänger aufgemalt, welches auch mit 60 RM ausgewiesen ist. Trotz allem Hin und Her bleibt es bei 60 RM und wir müssen damit das Gleiche wie ein 40 Tonnen Truck mit ebenfalls vier Achsen bezahlen. Unverständlich, aber was soll die ganze Aufregung, ändern werden wir die Preisliste sicher nicht.
Nach der Brücke fordert der Verkehr auf Penangs Strassen, besonders in George Town, unsere ganze Aufmerksamkeit. Wir erkennen all die vielen Gebäude wieder, die wir vor drei Jahren entlang der Küstenstrasse gesehen haben und sind etwas am Zweifeln, dass es hier noch irgendwo einen schönen freizugänglichen Platz am Strand geben soll. Der Weg zieht sich auf der kurvigen, zugebauten Küstenstrasse und doch kommen wir dem kleinen Punkt auf dem GPS immer näher, aber auch die Hotels und Ressorts oder die Felsen begleiten uns zu unserer Rechten weiterhin. Genau als wir das Pünktchen auf dem GPS erreichen, haben wir einen freien Blick zu unserer Rechten auf das Meer und davor einen mehr oder weniger befestigten Platz. Ein Inder, der hier einen kleinen Kiosk betreibt, bestätigt uns, dass man hier stehen kann und auch gelegentlich ein Overlander hier für einige Tage steht, zu letzt der MAN der Därr’s.
Wir suchen uns einen Plätzchen mit festen Untergrund und richten uns für einige Zeit hier häuslich ein.

12. - 22.12.2007

Mit dem Platz am Taluk Bahang Beach sind wir sehr zufrieden. Wir werden hier bis nach Neujahr bleiben, unsere Visumangelegenheiten für Thailand klären und Badeurlaub machen. Es gibt für diese Jahreszeit viel Sonne und der Regen beschränkt sich  - von Ausnahmen abgesehen - meist auf ein Gewitter am späten Nachmittag. Schnell schließen wir Freundschaft mit einer Strassengang, die uns ihren Schutz anbietet. Im Gegenzug werden gern ein paar Leckereien angenommen. Unsere Vierbeinigen Freunde verbellen fast jeden, der sich unserem Zug nähert und schlafen am Tag im Schatten unter dem Landy bzw. dem Hänger. Zeitweilig wissen wir nicht mehr, auf wie viele Hunde wir gekommen sind und müssen Namen vergeben. Humpelstielzchen, Schneeweißchen, Rosenrot (heißt wirklich Rosi wie wir später erfahren),  Elderly und Sirius werden sie von uns getauft.
Da wir hier völlig autark stehen, müssen wir mit den Ressourcen sparsam sein. So kommt es schon mal vor, dass das Gewitter und der reichliche, aber erfrischende Regen zur Körperpflege genutzt wird. So manche Erinnerung an Goa wird dann wieder lebendig.
Mit unserer Strassengang kommen wir so gut zurecht, dass die stillende Mutter sogar ihren restlichen Nachwuchs, zwei süße kleine Racker, unter dem Hänger deponiert. Nach einigen Tagen klärt sich auch manches auf. Eine amerikanische Tierschutzgruppe finanziert angeblich die Betreuung und Pflege dieser Tiere durch eine einheimische Volontärin. Die Hunde sind so auch offiziell registriert und angemeldet, was sie vor dem Abschuss bewahren soll, schließlich ist Malaysia ein moslemisch geprägtes Land und Hunde bei Moslems nicht erwünscht. Im Dschungel lebt hier eine Dingo Art und es gibt gerade hier auf Penang mit seinen vielen Restaurants und Hotels auch einige verwilderte domestizierte Hunde. Da es gerade Hunde sind, die sich sehr genau merken von wem sie Futter bekommen haben und wer auf sie geschossen hat, fühlt sich die Gang bei uns beschützt und beschützt uns gleichermaßen.

23. - 31.12.2007

Zu einer Weihnachtsfeier sind wir bei Lau Hooi Kheng unserer “Hunde Lady” eingeladen. Neben vielen ihrer Kollegen treffen wir da auch ein Paar aus NZ, welche hier mit ihrem Hund quasi in Quarantäne sind. Die Beiden wollten ihren Ruhestand samt ihrem geliebten Hund in Thailand verbringen, hatten sich dazu eine kleine Insel ausgesucht, wurden aber mit den dort lebenden Moslems nicht so recht warm. Nun wollten sie zurück nach NZ, aber ein Hund der einmal in Thailand gelebt hat, darf nie wieder in NZ eingeführt werden. Einziger Ausweg, der Hund muss sechs Monate in Malaysia leben, dann nimmt ihn auch New Zealand nach einer vierwöchigen Quarantäne wieder auf. Die Beiden tragen es mit Humor. Die Weihnachtsfeier endet mit dem üblichen Karaoke Gesang und alle haben viel Spass.
Unsere Gang, deren Mitgliederzahl zwischen fünf und acht schwankt, haben zur Feier des Tages alle ein rotes Schleifchen von Cordula verpasst bekommen, was je nach Charakter mit mehr oder weniger Stolz getragen wird. Natürlich gibt es am Feiertag auch besondere Leckereien und so lassen es sich alle recht gut gehen.
Langeweile kommt in diesen Tagen bei uns auch nicht auf. Ständig haben wir Besuch von Einheimischen oder Singapurjanern, die hier die Feiertage verbringen. Auch andere Reisende schauen vorbei, so lernen wir Ron aus Australien kennen, der mit seiner Familie in Indonesien lebt und hier bei einem Freund Urlaub macht. Oder ein Paar aus Österreich, die mit ihrem Landy auch schon einige Jährchen und etliche Kilometer auf dem Buckel haben. Da wir von der Strasse aus gut zu sehen sind, halten auch Marc und Tina, die gerade ein neues Visa für Thailand auf Penang einholen, zu einem netten Plausch. Mit ihrem Toyota Hilux, Wohnkabine und Boot sind die Beiden von Deutschland in 15 Tagen nach Vladivostok gefahren und nach einem kleinen Hindernislauf über Südkorea nun in Thailand angekommen, wo sie sich von den Strapazen ihrer bisherigen Reise auf einer Insel nahe Krabi etwas erholen. Auch Rainer aus Neustadt an der Weinstrasse schlägt sein Zelt einige Tage bei uns auf. Er ist mit einer kleinen Truppe von vier Motorrädern in Nepal gestartet und über Tibet, China und Laos hier her gekommen. Jetzt sucht er nach einer günstigen Möglichkeit sein Moped, eine R 100 GS, entweder nach Hamburg oder nach Vancouver zu verschiffen. Er ist schon viel gereist und so haben wir natürlich ausreichend Gesprächsstoff. Gemeinsam gönnen wir uns zu Silvester eine richtige Leckerei. In einem kleinen chinesischen Fisch Restaurant wird Craifish in allen möglichen Varianten angeboten. So probieren wir ihn gegrillt, mit Käse überbacken und einfach nur gekocht. Ein schöner Abschluss des Jahres, wie wir finden.
Als wir uns zum ersten Mal im neuen Jahr zur Ruhe begeben wollen, kommt noch Besuch. Ein Landy fahrender Chinese, der schon vor ein paar Tagen unseren Zug genau untersucht hat, kommt mit seinem Freund und Familie und einer großen Tasche voll Bierflaschen, um uns zum neuen Jahr zu gratulieren und seinem Freund unseren Landy zu zeigen. Also noch eine große Führung zu früher Stunde. Nachdem sich sein Freund mit seiner Familie verabschiedet hat, sitzen wir noch auf ein paar Bier zusammen und erfahren, dass unser Landy begeisterter Chinese, hier auf Penang, für Intel Chip-Sets entwirft.

01. - 04.01.2008

Die Feiertage sind vorbei und so zieht wieder Ruhe ein auf unserem Platz. Auch Rainer verabschiedet sich, um Malaysia weiter zu erkunden. Für zwei Tage haben wir Nachbarn aus CZ. Die Beiden wollen ins Mekong Delta und alte Wracks aus dem letzten Vietnam Krieg fotografieren.
Unsere Gang wurde inzwischen zwangsdeportiert. Lau, die Hunde Lady, hat Angst, dass die Hunde, wenn wir abfahren, uns weit hinterher laufen könnten und dann mit den Moslems Probleme bekommen. Deshalb hat sie organisiert, dass ein großer Teil der Gang vorübergehend in einem Tierheim unterkommt. So bleibt bis zum letzten Tag nur noch “Tiger” und ein Hundebaby bei uns.
An unserem letzten Abend lädt uns Lau mit ihrer Mannschaft zum Dinner in einen chinesischen Wassersport Club ein. Es wird eine sehr schöne Abschiedsfeier mit sehr gutem Essen und vielen guten Gesprächen.

Wie verabredet holt Lau am Morgen auch noch “Tiger” ab. Dann machen wir uns auf den Weg nach Gua Kelam, durch eine wunderschöne Landschaft bestehend aus vielen grünen Reisfeldern und Karstfelsen, unserer letzten Station kurz vor der Grenze zu Thailand. Wir möchten am nächsten Tag bis Krabi durch fahren, da der Süd-Osten Thailands nun schon seit einigen Jahren durch  Auseinandersetzungen mit wiederholten Bombenanschlägen zwischen den Moslems und Thais nicht so sicher ist.
Gua Kelam ist ein sehr schön angelegter NP und jetzt am Wochenende gut besucht. Ein durch eine Höhle fließender kleiner Fluss lädt zum Baden ein und auch wir wandern entlang der schön angelegten Wege und durch diese Höhle, in der einst von Chinesen Zinn abgebaut wurde. Dabei begegnen wir auch noch einigen “Lokals”, die uns mit ihren riesigen Augen interessiert betrachten.  Wir holen uns von der örtlichen Polizei die Erlaubnis auf dem Busparkplatz zu übernachten und haben eine sehr ruhige Nacht. Allerdings hat Cordula in einem lokalen Prospekt einen Hinweis gefunden, nach dem an unserem auserkorenen kleinen Grenzübergang jeweils am Sonntag ein lokaler Markt stattfindet, sowohl auf malaiischer als auch auf thailändischer Seite. Da wir die Größenverhältnisse an dieser Station ja von unserer Einreise vor drei Jahren kennen, sind wir etwas besorgt, wie wir da durch kommen.

Guten Mutes nehmen wir die letzten Kilometer zur Grenze in Angriff. Dazu gehört auch ein nicht unbedeutender Aufstieg mit bis zu 15% Steigung. Der Landy schnauft ganz gewaltig, aber untersetzt steigt die Temperatur nicht einmal aus dem grünen Bereich. Schließlich haben wir ausreichend Zeit und müssen die Maschine nicht unnötig quälen.
Auf malaysischer Seite wird dann die Strasse bald recht eng. Auf beiden Seiten stehen die Verkaufsbuden dicht gedrängt, die Seile von Abspannungen müssen wegen unserer Höhe angehoben werden und im Schritttempo passieren wir so einen Teil des Marktes. Dabei könnten wir Einkäufe während der Fahrt am offenen Fenster tätigen. Auf Grund der geringen Durchfahrtshöhe der Grenzgebäude gibt es noch eine seitliche Umfahrung. Hier stehen glücklicherweise nur einige Mopeds, die schnell beiseite geschoben oder gehoben sind. Der malaysische Zoll ist sehr freundlich und nachdem unsere Carnets und Pässe ausgestempelt sind, geht es ohne weitere Kontrollen zur thailändischen Seite. Auch hier schaut niemand in unsere Kabine oder den Landy. Die Kennzeichen der Motorräder will man sehen und dann werden unsere Carnets gestempelt. Da wir ja vier davon haben, überzeugt der eine Mitarbeiter den Anderen, dass weitere Dokumente, wie Einfuhrpapiere für die Fahrzeuge, nicht mehr notwendig sind. Da wir unser Visum in Thailand  verlängern wollen, hoffen wir dadurch auf weniger Probleme mit den Fahrzeugen, als beim letzten Mal. Aber das werden wir erst noch sehen.
Die Umfahrung um das Grenzgebäude auf thailändischer Seite gestaltet sich dann doch etwas zeitraubender. Hier stehen nicht nur viel mehr Mopeds, sondern sogar Verkaufsstände, die erst einmal beiseite geräumt werden müssen. Mit viel Geduld und gutem Willen geht es dann doch und wir können weiter in Richtung Krabi fahren.
Vor vier Jahren hatten wir nahe bei Krabi, am Nopparat Thara Beach gestanden und dort wollen wir wieder hin. Den “Campground” gibt es sogar noch und wir sind froh, dass der Tsunami von 2004 hier so wenig Schaden angerichtet hat. Nach wie vor ist die von Krabi weiter entfernte Seite des Beach die ruhigere, wenn auch am Wochenende die Lokals hier den Bär toben lassen.
Hier wollen wir noch ein paar Tage verbringen, ehe wir uns ins Inland nach Khorat aufmachen.

07. - 27.01.2008

Auch hier am thailändischen Beach wird es uns nicht langweilig. Gleich am zweiten Abend sehen wir einen stark “expeditionsverdächtigen” Landy auf der Strasse vorbei fahren. Leider hält er nicht und so machen wir uns zum Dinner in diese Richtung auf den Weg, in der Hoffnung, dieses Gefährt doch noch irgendwo zu sehen. Direkt vor dem von uns angestrebten Restaurant steht dann dieser Landy auch zufällig. Wir wir schnell erkennen, kommt er aus Brasilien und wir erinnern uns an eine e-mail von Ken & Carol, in welcher die Beiden uns von einem brasilianischen Pärchen berichteten, welches in Downunder unterwegs sei. In so einem Fall scheuen wir uns nicht auch mal zu klopfen. Die Beiden sind zwar gerade bei der Vorbereitung ihrer Dusche, trotzdem reicht es für eine kurze gegenseitige Vorstellung und wir erklären ihnen, wie sie zu unserem schönen kostenlosen “Campground” mit Dusche für zehn Bath finden.
Als wir von unserem Dinner zurück kommen, stehen die Beiden, Michelle Francine Weiss & Roy Rudnick mit ihrem Landy auch schon neben uns. Bei ein paar Flaschen Bier wird es eine kurze Nacht, denn schließlich fahren die Beiden mal andersherum durch die Welt. In Südbrasilien gestartet, sind sie über NZ und Australien nach Südostasien  gekommen. In insgesamt 1000 Tagen wollen sie auch noch über Europa, Afrika und Nordamerika zurück nach Brasilien reisen.
Als die Beiden zwei Tage später weiter fahren, beginnt hier das Wochenende mit dem nationalen Kindertag und nun tobt hier wirklich der bereits erwähnte Bär. Wir haben ausreichend Entertainment direkt vor der Haustür !
Trotzdem werden aus ein paar Tagen schnell drei Wochen. Wir entwickeln eine Tagesroutine mit spätem Frühstück, lange im Meer planschen, viele Bücher lesen (sind hier in touristischen Zonen im Secondhand shop sehr preiswert) und abwechslungsreich zu Abend essen. Letzteres ist selbst hier schon sehr preiswert, in weniger touristischen Gegenden kommt man dann jedoch mit der Hälfte der Summe sehr gut zurecht.
Langeweile kommt trotz aller Routine aber auch nicht auf. Da wir von der Promenadenstrasse her recht gut zu sehen sind, haben wir auch oft Besuch, nicht nur von Asiaten, die diese Form des Reisens höchstens aus den Medien kennen, sondern auch von europäischen Touristen, die immer als erstes fragen “Wie kommen sie denn mit dem Auto hier her ?”. Mit unserer Landkarte an der Seitenwand des Anhängers lässt sich leicht eine Antwort darauf geben. Die obligatorische zweite Frage “Was kostet denn das Alles ?”, ist dann schon weitaus schwieriger zu beantworten, denn dazu muss erst einmal der Unterschied zwischen drei oder vier Wochen Urlaub (koste es was es wolle, Urlaub habe ich schliesslich nur einmal im Jahr) und unserem bescheidenem Leben als Weltreisende (welches sich fast immer an der lokalen Lebensweise orientiert) erklärt werden.
Natürlich kommt auch der eine oder andere Langzeitreisende vorbei, so unter anderem Lilli Mixich & Thomas Kreutziger mit ihrem Gastgeber David, einem in Thailand lebenden Deutschamerikaner. Lilli & Thomas sind hier auf stopover und wollen weiter nach Australien, wo schon Fahrzeug und sicher viele Abendteuer auf sie warten. Da die Beiden Deutschland erst vor kurzem für diese Reise verlassen haben, können sie uns von vielem Neuem berichten, leider nach unserer Auffassung nicht immer Gutem.
Eines frühen Abends höre ich höchst vertraute Töne. Im typischen Tonfall des “braven Soldaten Schwejk” böhmakelt da ein älterer Herr von seinem Motorroller herunter, ob er uns denn mal stören dürfe, aber da es nun schon etwas spät sei, würde er gern Morgen noch einmal wiederkommen, um ein Interview mit uns zu machen und dazu würde er gern seine Frau mitbringen und ehe Cordula ein einziges Wort verstanden hat, düst er wieder davon. Da ich an der tschechischen Grenze aufgewachsen bin, habe ich mit seinem tschechisch (oder auch böhmisch, daher der Begriff “Böhmakeln”, ursprünglich entstanden im Wien der k.u.k. Monarchie) geprägtem Akzent kein Problem, im Gegenteil, er bereitet mir immer wieder Freude.
Zuzana & Jiřrí Suttner (Journalistin / Fotograf) schreiben unter anderem für ein tschechisches Reisemagazin (Travelfocus) und so haben wir am nächsten Nachmittag unser zweites Interview auf dieser Reise. Eigentlich unterhalten wir uns nur ganz ungezwungen und erzählen dabei auch etwas über unsere Reise und unsere Erfahrungen. Aber auch Jiřrí hat ein bewegtes Leben geführt und nachdem er im “Prager Frühling” die Gelegenheit genutzt hat und über Umwege nach Deutschland ausgewandert ist, keine Möglichkeit versäumt, sich die Welt anzusehen. Bei soviel Gesprächsstoff reicht ein Nachmittag natürlich nicht und so treffen wir uns in den nächsten Tagen noch mehrmals zu sehr netten Gesprächen.

Irgendwann müssen wir aber auch mal weiter, denn unsere Basis für die nächsten Monate soll ja Khorat werden und dort haben wir auch Einiges zu tun.
So lassen wir unseren Landy wieder rollen und fahren in Richtung  Norden. Noch vor Thailands “Nadelöhr” finden wir in Pak Khlong Saphli einen schönen Platz direkt an der Küste. Wir schauen direkt auf den Thung Wua Laen Beach, welcher 2006 immerhin mit viereinhalb “Touristensterne” bedacht und für sehr gut befunden wurde. Es sind aber nur sehr wenige Touristen am Strand zu sehen und insgesamt macht der kleine Ort einen sehr verschlafenen und ruhigen Eindruck, und das zur Hauptsaison!  Auch hier wird, wie überall in Thailand, an der Strasse gebrutzelt und wir probieren die Thaiwürstchen vom Grill. Etwas fettig, aber mit einer Chilischote durchaus essbar.

29.01.2008

Bevor unsere Reise heute morgen weiter geht, holen wir noch das gestern Abend bestellte, frisch gebackene Vollkornbrot aus einem kleinen italienischem Restaurant ab. Hhhmmm  wie das duftet ! Die Fahrt durch Thailands “Nadelöhr” ist wenig ereignisreich und die Strasse vom vielen Verkehr überlastet und dem entsprechend in schlechtem Zustand. Etwas sehnsüchtig schauen wir immer wieder zu einer gut sichtbaren, nur wenige Kilometer entfernten Bergkette im Westen, denn dort ist bereits die Grenze zu Myanmar, leider immer noch  unerreichbar für viele Overlander mit eigenem Fahrzeug. Wir schwelgen in Erinnerungen unserer eigenen “wundersamen”  Burma - Durchquerung. Unseren nächsten Platz für die Nacht finden wir im Sam Roi Yot NP, welchem wir schon vor vier Jahren einen Besuch abgestattet hatten. Da es hier mittlerweile für kleines Geld auch Strom und Dusche gibt, ist dieser Platz, kurz nach besagtem “Nadelöhr”, ein weiterer guter Campingplatz für motorisierte Overlander in Thailand.

Da wir diesen NP mit seinen vielen Sandsteinbergen, Höhlen und der Krabbenzucht beim ersten Besuch bereits recht gründlich erforscht haben, fahren wir weiter zum River Kwai, wo wir uns noch Einiges anschauen wollen. Ganz oben auf unserer Liste steht da der “Tiger Temple”, von welchem uns die beiden Brasilianer berichtet hatten. Da wir dort jedoch bereits am Vormittag sein sollten, um die besten Fotos machen zu können, haben wir heute ausreichend Zeit und meiden deshalb die Highways. Über kleine schmale Landstrassen, nahe der burmesischen Grenze fahren wir dank GPS immer Richtung Kanchanaburi, denn abseits der Touristenpfade sind Strassenschilder für uns nicht mehr lesbar. Sogar an der kleinen Tankstelle schauen wir uns ratlos nach der Dieselzapfsäule um, da aber sonst nicht viel los ist (das Personal vertreibt sich die Zeit mit Handarbeiten), kümmert sich bald sie gesamte Tankstellen-Inhaberfamilie freundlich um uns, vom Baby bis zur Oma. Kurz darauf entdecken wir an einem Seitenarm des River Kwai ein Touristen Ressort ganz anderer Art. Ein Grossteil der Unterkünfte ist in grosse Bäume als Baumhaus oder in den Felsen á la “Hobbithöhle” integriert. Die Inneneinrichtung ist entsprechend angepasst und die Preise pro Nacht ebenfalls. Da aber auch hier wenig los zu sein scheint, freut man sich sehr, uns wenigstens die ganze Anlage zu zeigen
Eigentlich wollen wir Kanchanaburi umfahren, aber der Kwai lässt dies nicht zu, denn es gibt nur wenige Brücken über den Fluss. Diesem Umstand haben wir es auch zu verdanken, dass ich mitten in der Stadt plötzlich die “Tigerente” mit Anette und Kai im Rückspiegel habe. Natürlich ist die Wiedersehensfreude gross, aber ein Plausch mitten im Zentrum der Stadt nicht so richtig angenehm. So verabreden wir uns für den Abend oder den nächsten Tag am “Tiger Temple”.
Dank der GPS Daten, die uns die Brasilianer geschickt haben, finden wir den Tempel auch prompt und richten uns dort auf dem Parkplatz für die Nacht ein.

Das “Wat Pa Luangta Bua Yannasampanno” (benannt nach dem Lehrer des Gründers) bekannt als “Tiger Temple”, wurde 1994 gegründet und bekam umgehend dauerhaften Besuch von Wildschweinen, Peacocks und anderen Wald und Busch Bewohnern. Die Mönche nahmen jedes Tier, welches an die Pforte “klopfte” auf und als 1999 erstmals ein krankes Tigerbaby darunter war, auch dieses.
Das westliche Waldgebiet der Kanchanaburi Provinz mit seiner Grenze zu Burma ist eines der grössten Schutzgebiete für Tiger in Asien und man glaubt hier die grösste Population von Tigern in freier Wildbahn vorzufinden. Trotz aller Schutzmaßnahmen werden aber immer noch Tiger illegal gejagt und ein thailändischer Jäger kann bis zu 5.800 US$ für ein totes Tier bekommen, mehrere Jahreseinkommen eines Farmers. So wurden und werden die aufgefundenen, zurück gelassenen Jungen von Einheimischen oder Grenzpolizisten zum Tiger Tempel gebracht.
Mit dem Heranwachsen der ersten Tigerjungen wächst nun auch die gesamte Anlage und der dazugehörige Tourismus, der dieses Projekt durch seine Eintrittsgelder beachtlich unterstützt. Nachdem auch wir unseren Beitrag dazu mit 300 Baht / Person Eintritt geleistet haben, wollen wir die Tiger nun auch endlich hautnah sehen. Beeindruckt von der tatsächlichen Nähe zu diesen wundervollen Tieren, streicheln wir sie behutsam, führen sie zum Nachmittagsspaziergang in den Canyon und gegen eine Extragebühr legen sie dann sogar den Kopf auf unseren Schoß für Fotos. Hier lassen wir am Besten die Bilder sprechen !
Angemerkt sei vielleicht noch, das ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, das die Tiere nicht mit Drogen behandelt werden, um sie für die vielen Besucher ruhig zu stellen. Allein der gewohnte Umgang mit Menschen von klein auf  und der natürliche Instinkt, während der heissen Nachmittagsstunden zu schlafen, lässt diese grandiose Nähe zu den Tigern zu. Ehrlicherweise müssen wir aber auch zugeben, dass wir beobachten konnten, wie den Tieren vor dem Walk in den Canyon eine weisse Flüssigkeit zu trinken gegeben und Urinproben genommen wurden. Wir können also nur hoffen, dass wenigstens buddhistische Mönche bei der Wahrheit bleiben.
Wir wollen uns noch für heute Nacht einen anderen Schlafplatz suchen und haben dafür den Erawan NP als Ziel erkoren. Kurz vor unserer Abfahrt treffen wir dann noch mal die Tigerente mit Kai und Anette, nehmen ihnen etwas Ballast in Form eines Reifen ab und vereinbaren, dass sie uns in Khorat, auf ihrem Rückweg von Cambodia, besuchen kommen und diesen Reifen dann dort wechseln können.

Da wir gestern Abend beim Eintreffen im Erawan NP wieder den üblichen höheren Eintrittspreis für Ausländer in Höhe von 200 Baht / Person zahlen mussten (Thais bezahlen 40 Baht), beschliessen wir,  wenigstens einen Tag länger zu bleiben und uns den NP in Ruhe anzuschauen. Die Anlage ist grosszügig mit riesigem Parkplatz, Campingplätzen, Bungalows Restaurants, Touristinfo und medizinischer Versorgung ausgestattet. Zweifellos eine touristische Hauptattraktion und beliebtes Reiseziel vieler Thais, wovon uns bald die anrollenden, Karaoke brüllenden Bustourgruppen überzeugen.
Nach einem gemütlichen Frühstück geht es dann auch los. Der Wanderweg entlang des Wasserfalls erstreckt sich über 2,2 km mit sieben verschiedenen Ebenen. Natürlich sind die ersten grossen Wasserfälle und ihre Badebecken besonders bei den Bustouristen mit Zeitlimit am beliebtesten und es geht hier hoch her. Aber schon nach der zweiten Ebene endet die “Ausbaustrecke”, der Weg wird steiler und schwieriger zu laufen und wir kommen ganz schön ins Schwitzen. Cordula hat auch noch einen entzündeten Zeckenbiss am kleinen Zeh und kommt so in ihren Gummibadeschlappen ganz schön ins Schlingern, bis das Material dann auch nachgibt und ein Latsch zerreisst. Barfuss läuft es sich dann doch viel besser und wir finden eine schöne ruhige Badestelle, wo sie sich und ihren Fuss im eiskalten Wasser ausgiebig abkühlt, bis uns eine Gruppe Jungs aufstöbert und es mit Ruhe und Romantik vorbei ist.
Auf dem Rückweg nach Hause werden wir noch zum Kauf eines Souvenirs animiert, denn wir finden unser Konterfeit auf einem Wandteller wieder. Dies ist so schön kitschig und erinnert uns an längst vergangene Zeiten, wo Eltern und Grosseltern derartige Souvenirs sammelten und die gute alte Stube damit schmückten, so dass wir die Teller gegen kleines Endgeld erwerben. Vielleicht eignet es sich irgendwann einmal als Gastgeschenk.

 Über kleine lokale Strassen und mit Hilfe unseres GPS versuchen wir den Grossraum Bangkok zu vermeiden und setzten unsere Reise nach  Ayutthaya, der alten Hauptstadt Siams und heutiges UNESCO Weltkulturerbe fort. Dabei fahren wir durch eine Tiefebene, die oft unterhalb des Meeresspiegels liegt, vorbei an unzähligen Reisfeldern und schwimmenden Gärten und treffen hungrig am frühen Nachmittag mitten im touristischen Zentrum von Ayutthaya ein. Um unseren Hunger zu stillen, interessieren uns zuerst einmal die vielen Foodstalls und ihr Angebot. Gestärkt geht es dann zur Besichtigungtour. Wir wollen eine Pferdekutsche mieten, um die weitläufige Stadt, welche von Flüssen umgeben ist und daher einer Insel ähnelt, mit ihren vielen Tempeln, Ruinen und Parkanlagen zu besichtigen. Leider haben die Kutscher weder Lust noch offensichtlich es nötig, eine derartige Tour zu fahren und lehnen kopfschüttelnd ab, um sich wieder ihrem Nickerchen zu widmen. So bummeln wir zu Fuss durch einige Anlagen (moderate Eintrittspreise, keine Aufschläge für Ausländer!) und stellen überrascht fest, dass gegen 17.00 Uhr alle Händler eifrig zusammenpacken und für heute überall Feierabend zu sein scheint.
In einer hübschen Parkanlage samt Tempelruine haben wir einen öffentlichen Parkplatz gesehen und wir wollen dort übernachten. Einige Lokals nutzen den Park für etwas Bewegung und sportliche Aktivitäten nach Feierabend. Plötzlich hören wir ein ungutes Geräusch. Ein Pickupfahrer übersieht eine grosse ungesicherte Gulliöffnung auf der Fahrspur, welcher wir beim Einparken schon elegant ausgewichen sind und sitzt mit seinem Pickup auf, das Hinterrad total im Loch verschwunden. Natürlich bieten wir sofort unsere Hilfe an und mit einem weiteren Thai Pärchen heben und schieben wir gemeinsam den erstaunlich leichten Pickup aus dem Loch.
So kommen wir mit den anderen Helfern noch ein wenig ins Gespräch und beunruhigen sie, als sie erfahren, das wir auf diesem Parkplatz in diesem Park übernachten wollen. Sie raten uns dringend davon ab, da dieser Park jede Nacht ein beliebter Drogenumschlagplatz ist und sich hier jede Menge kriminelle Energie versammelt. Sie organisieren deshalb mit der Touristenpolizei für uns einen Stellplatz direkt vor dem Toristenbüro mit Nachtwache.

03. - 07.02.2008

Gut bewacht, aber trotzdem unausgeschlafen beginnt der Tag bei strömenden Regen ! Cordula hat vor lauter Schmerzen kaum ein Auge zu bekommen, das eiskalte Wasser im Erawan NP hat ihr wohl eine Nierenbeckenentzündung beschert. Frau wird eben auch nicht jünger und nun heisst es für sie zum Frühstück bitteren Tee statt geliebten Kaffe zu trinken!
Über den Highway 2 führt uns die Fahrt direkt in das uns schon gut bekannte Nakhon Ratchasima oder auch Khorat genannt, welches nur eine Verkürzung des eigentlichen Namens darstellt. Wie schon vor vier Jahren dürfen wir wieder dankbar das Haus von Cordulas thailändischer Tante und ihrem Onkel nutzen, welches leider oft leer steht, während sie in D leben und arbeiten.
Da unsere Rückkehr in der Siedlung schon seit Wochen erwartet wird, werden wir von den Nachbarn herzlich begrüsst, teils mit freudigem Aufschrei und festen Umarmungen. Die nächsten Tage sind wir damit beschäftigt, uns wieder häuslich einzurichten, einzukaufen, Kabine abzusetzen und Fahrzeuge mobil zu machen, denn es hat sich ein lieber Überraschungsbesuch aus D in nur wenigen Tagen angesagt.
Und mal sehen was wir in unserem “Landbaupraktikum” in NZ gelernt haben und ob wir den Rasen wieder grün bekommen ??

Haus, Garten, Auto und wir selber haben uns in den letzten Tagen herausgeputzt.  Aufgeregt und gespannt erwarten wir heute die Ankunft unserer Freunde Vera und Tom, welche uns bei unserem Aufbruch zu unserer persönlichen Abenteuerreise im Frühling 2003 herzlich verabschiedet haben. Fast fünf Jahre hatten wir nur e-mail Kontakt oder ab und zu ein Telefongespräch, da bleibt doch manch Ereignis unerwähnt, das Heranwachsen ihrer Kinder von uns unbemerkt. Wie sehr werden wir uns wohl alle verändert haben? Hat unsere Freundschaft Zeit, Entfernung und die vielen neu gewonnenen Lebenserfahrungen überdauert ?
Endlich ist es soweit, ein Taxi bringt die Beiden von Bangkok Airport zu uns (rund 250 km für ca. 60 Euro) und sie bekommen auf der Fahrt schon mal einen ersten Eindruck von Thailand und unserer Wahlstadt auf Zeit, Khorat.
Nach überschwenglicher Begrüssung stellen wir erleichtert fest, das wir alle vier doch “die Gleichen” geblieben sind und dieser Besuch unsere Freundschaftsbande nur noch weiter festigen wird. Vor lauter Wiedersehensfreude vergessen wir glatt Tom seinen Geburtstag an diesem Tag richtig zu würdigen, aber es gibt bis spät in die Nacht sooooooooo viel zu erzählen.
Ihr wollt noch wissen, was man sich aus D so mitbringen lässt ? (In Zeiten von Internetversandhandel und Globalisierung der Märkte ist für Langzeitreisende dadurch auch vieles einfacher geworden !) Die Gelegenheit nutzend fanden sich auf unserem Wunschzettel Dinge wie, persönliche Arzneimittel, Erkältungstees, die gute alte Penaten Creme, Bohnenkraut, der neuste Harry Potter Roman...........alle Wünsche wurden uns “übererfüllt” und darüber hinaus erfreuten wir uns dann auch noch an gutem deutschen Brot, Pommelbären, Whisky, Schokolade.........Vielen, vielen Dank dafür von uns !!!

“ Wir sparen uns reich !”  unter diesem Motto erstürmen Vera, Tom und Cordula Khorat`s Shopping Center Nr. 1 “ The Mall ” und lernen dort offensichtlich nach mehr als 6 Stunden viele Verkäuferinnen persönlich kennen. Die Drei haben bei ihrem “ Beutezug ” jeden falls viel Spass und erreichen ihr Ziel, die Kinder für die anstehende Sommersaison in D neu einzukleiden, bei der unbeschreiblichen Auswahl und Vielfältigkeit des Angebotes spielend. Sprachliche Barrieren werden einfach weg gelächelt oder per Taschenrechner weg gehandelt.
Da gerade das chinesische Neujahr gefeiert wird, werden auf einer Ausstellungsfläche viele verschiedene chinesische Gerichte und Produkte angeboten, natürlich neben dem immer erhältlichem grossen Angebot aus der Thai Küche. All die fremden Gerüche, Farben und Konstellationen machen neugierig und die Drei bringen eine Auswahl dieser Delikatessen zum Abendessen mit. Es schmeckt alles wunderbar, auch wenn wir nicht immer wissen, wie das Gericht heisst oder gar was es im Einzelnen enthält. Aber selbst vorbeischauende “Locals” können uns da nicht unbedingt weiter helfen.

Etwas thailändische Kultur steht heute auf dem Programm. Dafür haben wir eine der grössten Attraktionen der Umgebung, eine Khmer - Tempelanlage aus dem 12. Jahrhundert und möglicherweise Vorlage für das berühmte Angkor What (Cambodia), im 60 km entfernten Ort Phimai ausgesucht. Wir selber haben diese Anlage schon einmal vor vier Jahren besucht, geniessen aber heute wie damals die relativ ruhige parkähnliche Anlage, mit nur wenigen ausländischen Touristen. Doch auch hier, wie an anderen touristischen Zielen, sind neuerdings viele Studentengruppen unterwegs, um ihre Englischkenntnisse zu verbessern. Ausgerüstet mit Fragebogen und digitaler Kamera bemühen sie sich um ein kleines Gespräch, welches allerdings nicht von den Standardfragen abweichen sollte, welches die Studenten sonst unangenehm zu überfordern scheint. Dennoch unterstützen wir jede Gesprächsanfrage freundlich und hoffen, dass dies der sprachlichen Öffnung und Entwicklung Thailands dient, und Zeiten, in den der Thai sein “Gesicht” verlor und davon lief, weil er die Frage eines Fremden nach dem Weg nicht verstehen konnte, irgendwann der Vergangenheit angehören.
Etwas ausserhalb des Ortes besuchen wir dann noch eine Sehenswürdigkeit besonderer Art: Thailands grössten  Banyan Baum. Wir wandeln unter seiner Krone und zwischen den eigenartigen “Wurzel-Stämmen” und besuchen einen Schrein, der die vielen Geister huldigen soll, die auf diesem heiligen Baum leben. Blass vor Neid kann Frau aber schon werden, wenn Frau sieht, dass die Geister glitzernde “Dolce & Gabbana” T-Shirts tragen, oder ?
Soviel Kultur macht hungrig und wir kehren in einen der vielen Strassenrestaurants zum kulinarischen Abenteuer ein. Um Magenverstimmungen und Ähnliches durch das ungewohnte Essen bei unseren beiden Besuchern zu vermeiden, geben wir unsere Weisheit der “Desinfektion” durch Hochprozentiges nicht nur zum Besten, sondern wenden sie auch gleich an.
Da wir nun schon mal in ausgelassener Stimmung sind, besuchen wir am Abend dann noch  Khorats betriebsamen Nachtbazar. Keiner von uns kann sich aber hinreissen lassen, freiwillig eines von den gebratenen oder gerösteten Insekten zu probieren, die hier angeboten werden. Wir Männer interessieren uns für ein paar neue preiswerte Shorts, rätseln aber, ob sie uns wohl passen werden, denn Umkleidekabinen sind nicht vorhanden. Die resolute Händlerin klärt uns kurzer Hand über die traditionelle thailändische Anprobe auf und gibt uns zu verstehen, wenn wir den Hosenbund um unseren Hals legen können, dann passt das schon ! Zu Hause angekommen, müssen wir die Shorts natürlich sofort richtig anprobieren und während die Mädels kichernd diskutieren, ob diese Anprobemethode wohl auch bei ihnen funktioniert, können wir die Richtigkeit der Methode beweisen. Wieder was dazu gelernt !

Der Nordosten Thailands produziert die berühmtesten Seidenstoffe des Landes und in dem Dorf Pak Thong Chai, nur 30 km südlich von Khorat entfernt, sollen sich etwa 70 Seidenfabriken befinden. Wir beschliessen uns das einmal anzuschauen.
Wir erreichen den kleinen Ort über den Highway schnell und bevor irgend einer von uns etwas von Thai Silk erkennen kann, sind wir auch schon durch. Bei angeblich 70 Fabriken tritt erste Enttäuschung ein. Na vielleicht liegen die Fabriken etwas verstreut ausserhalb des Ortes und so fahren wir wieder dank GPS auf kleinen Nebenstrassen und bestaunen das wahre thailändische Landleben. Ein kleines Schild weist plötzlich auf Thai Seide hin und wir folgen ihm. In einer kleinen Gasse steht ein zweistöckiges Einfamilienhaus mit Verkaufsraum, in welchem sich die Familie gerade aufhält. Wir werden sofort hereingebeten und uns wird auch gleich die kleine Produktionsstätte mit 4 Webstühlen gezeigt, an denen tatsächlich Frauen sitzen und wunderschöne Seidenstoffe herstellen. Welche Frau kann nun noch widerstehen ? Und während wir mit Cola und Gebäck bewirtet werden, stöbern Vera und Cordula durchs Angebot und beginnen mit den Verhandlungen. Wir werden später feststellen, das der gezahlte Preis für die erstandene Seide in diesem kleinen Unternehmen wirklich gut verhandelt war, besser als alle zukünftigen Angebote.
Nur kurz nachdem wir wieder weiterfahren, ruft Cordula Stop. Sie glaubt, zum Trocknen aufgehangenen  Gummirohstoff zu sehen und will dies Tom und Vera gern zeigen und erklären. Als wir jedoch näher kommen, stellen wir fest, das da Seidenfäden trocknen und wir eine kleine Färberei gefunden haben. Auch hier werden wir freundlich begrüsst und wir dürfen uns alles anschauen und fotografieren.
Zurück im Ort Pak Thong Chai sehen wir nun auch die grösseren Seidenfabriken und sind  neugierig, wie es da wohl aussieht.  Unsere Erfahrungen zur Seidenstoff Herstellung sollen nun vervollständigt werden, denn zum ersten Mal können wir dem Prozess der Fadengewinnung aus dem Kokon beiwohnen und sind wirklich begeistert, wie dieser sozusagen  “ ausgebürstet ” wird. Etwas erstaunt sind wir aber auch darüber, dass wir uns so völlig frei und unbehelligt durch die Produktionshallen bewegen können und dies niemanden zu stören scheint !? Im angeschlossenen Verkaufsraum bestaunen wir dann wieder die fertigen Produkte  in ihrer ganzen Farbenpracht.
Bevor wir noch einmal den Nachtbazar aufsuchen, essen wir zu Abend in dem kleinen Restaurant in Khorats Stadtzentrum, in welchem wir vor fast 4 Jahren unseren ersten Reisejahrestag feierten. So können unsere Freunde ein wenig in unsere Reiseerlebnisse hautnah eintauchen.

Noch einmal unternehmen Vera, Cordula und Tom einen Ausflug in die Innenstadt. Die Begeisterung und das Staunen unserer Freunde über die vielen Kleinigkeiten des Alltags in Asien zeigt uns oft, wie sehr wir uns schon an vieles gewöhnt haben und es tut gut, uns von dieser Begeisterung wieder anstecken zu lassen.
Für Shopping kommt heute aber bei den Dreien nicht so richtiger Elan auf. Etwas müde von kurzen Nächten und vielen Eindrücken der letzten Tage schleichen sie durchs Kaufhaus und  tanken endlich neue Energie im besten Eiskaffe der Stadt “Swensen”. Cordula ist absolut begeistert, denn Vergleichbares hatten wir in den letzten fünf Jahren nicht mehr. Sie droht auch gleich mit “ Wiederholungstaten” .

Etwas Ruhe tut uns allen gut und so warten wir auf das Ereignis des Tages hier im Haus - der Telefon- und Internet Anschluss soll heute verlegt werden. Mit Hilfe unserer lieben Nachbarin Chemsai haben wir einen Jahresvertrag mit der TOT Gesellschaft für eine Flatrate in Höhe von 590 Baht pro Monat abgeschlossen. Auch hier in Thailand wird um jeden Internet Anschluss von verschiedenen Gesellschaften hart gerungen und entsprechende Werbeaktionen laufen. Anschlussgebühr und Router sind deshalb kostenlos, aber zusätzliche 700 Meter Kabel müssen noch vom letzten Knotenpunkt  verlegt werden. Dies geht aber einfacher als gedacht, denn mit Bambusleiter und Stöcken wird das Kabel einfach zu den vielen bereits vorhandenen Hochleitungen dazu “geworfen” . (Oh, wie oft haben diese Leitungen schon bei Fotoaufnahmen gestört !)  Aber hurra wir sind wieder mit der ganzen Welt verbunden !
Wir lassen den Tag mit einem ganz besonderem Dinner ausklingen. Dazu fahren wir in ein Restaurant am Hwy, welches auf einem kleinen künstlich angelegtem Teich kleine Pavillions errichtet hat, die eine sehr romantische und private Atmosphäre bieten. Wir sitzen gemütlich auf Kissen zu einem niedrigen Tisch und.......... verstehen kein Wort auf der Speisekarte! Glücklicherweise haben wir Kim, eine weitere Nachbarin der Siedlung, mit dabei, welche uns bei der Bestellung behilflich ist. Besonders gut schmeckt uns hier das getrocknete Rindfleisch und über ein Telefon bestellen wir das gleich noch mal. Wir lernen aber auch, dass die Köpfe der Garnelen auch gegessen, bzw. ausgelutscht werden müssen und nie wieder achtlos wegzuwerfen sind. Es wird ein unvergesslich schöner Abend !

Wenn man schon einmal im buddhistischen Königreich Thailand ist, möchte man auch wenigstens einmal einen der kolossalen Buddha Statuen hautnah sehen, ein verständlicher Wunsch unserer Besucher. Im Reiseführer finden wir eine solche Sehenswürdigkeit im Gebiet von Muang Sema, ca. 40 km westlich von Khorat entfernt. Wir fahren also zum Wat Thamachak Semaran, der den “schlafenden Sandstein - Buddha” , welcher 13,30 m lang und 2,80 m hoch ist, beherbergt und welcher vermutlich aus dem 8. Jahrhundert stammt.
Wir sind weit und breit die einzigen Touristen und so bummeln wir durch die typische Anlage eines Wats (buddhistischer Tempel), mit dem Glockenturm, Zeremonie Gebäuden, Unterkünften für die Mönche und einem kleinen Krematorium, welches in beeindruckenden Bildern die Geburt, das Altern, den Tod und die Wiedergeburt darstellt. Darüber hinaus finden wie in diesem Wat ein kleines Museum, welches Ausgrabungsstücke umliegender alter Städte und Befestigungsanlagen ( ca. 9. / 10. Jh.) zeigt, unter anderem eine Abbildung des buddhistischen “Rad des Dharma”
Wir wollen noch etwas typisch thailändisches Landleben sehen und wählen für die Heimfahrt wieder kleine Nebenstrassen, die bald nur noch Feldwege sind. Aber immerhin wünschen selbst in dieser verlassenen Gegend verrostete Schilder “Bon Voyage” !
Wir essen zu Abend in einem der lokalen Strassenrestaurants in Joho  und freuen uns, dass einer der Inhaber etwas deutsch spricht, da er einige Jahre in Deutschland gearbeitet hat. Wir müssen einmal mehr feststellen, dass wir ausgezeichnet gutes Essen bekommen und das schlichte Ambiente eines Strassenlokals Unwissende  zu Unrecht abschrecken kann. Ein guter Indikator deshalb ist, wie gut ein Restaurant von Einheimischen besucht ist und dieses hier ist voll besetzt !

15. - 21.02.2008

Der letzte Urlaubstag unserer beiden Besucher bricht an und die grosse Frage lautet : Werden die Koffer auch zu gehen ?
Wir bummeln ein letztes Mal  über die bunt geschmückte und beleuchtete Promenade der Chumphon  Road im Zentrum Khorats und besichtigen das Denkmal der Heldin von Khorat, Khunying Mo. An diesem Schrein bezeugen viele Thais ihre Dankbarkeit gegenüber der listigen Dame, welche angeblich gefangen genommene männliche Thais von laotischen Truppen befreite, indem sie die Laoten zu einem Trinkgelage verleitete. Das Denkmal ist jetzt das bekannte Symbol für Khorat und beliebtes Fotomotiv .
Wir lassen Vera und Tom noch durch das Tor von Khorat gehen, von dem man behauptet, wer durch dieses Tor schreitet, kommt nach Khorat wieder zurück. Dabei ist bei uns sicher der vordergründigste Gedanken eher die Beiden möglichst bald wieder zu sehen !
Nach diesen erlebnisreichen Tagen und vor allem kurzen Nächten, brauchen wir einige Tage Erholung.

22. - 25.02.2008

Dazu ist das kleine Häuschen ja auch bestens geeignet. Mittlerweile wird auch der Rasen schon etwas grün, auch wenn die öffentliche Wasserversorgung es nur sporadisch zulässt, selbigen das notwendige Nass zukommen zu lassen.
Die Bäume vor der kleinen Terrasse spenden reichlich Schatten, so dass wir die nun täglich steigenden Temperaturen gut aushalten.

26.02 - 01.03.2008

Wir erkunden die Einkaufsmöglichkeiten in und um Khorat. Vor allem interessieren wir uns für den handwerklichen Bedarf. Grosse Baumärkte sind hier leider selten und die kleinen Läden meist nach Sortiment Strassenweise aufgeteilt. So muss man einige Kilometer in Kauf nehmen, will man verschiedene Waren erstehen. Dazu kommt, dass sich in den kleinen Shops nur selten ein englisch sprechender Mitarbeiter findet. Also möglichst immer mit Zeichnungen oder besser Mustern einkaufen gehen.
Um die Stützen an unserer Kabine zu überholen, müssen wir die Kabine auf geeignete “Unterzüge” setzen. Eigentlich hatte ich an Hohlblocksteine gedacht, aber diese sind hier nirgend in den gewohnten Abmessungen zu finden. Schliesslich gilt hier schon eine 12er Mauer als völlig ausreichend im Wohnungsbau. Glück haben wir bei einem “Home Markt”. Hier liegen im Hof ein paar vergessene Gasbetonsteine (15x20x60) rum. Wie es aussieht, stammen sie aus einer Falschlieferung, denn die Palette ist ziemlich verrottet und einige Steine wurden auch schon zweckentfremdet. Ringsherum stehen auch nur Paletten mit 7,5er Höhe. Wir finden einen englisch sprechenden Mitarbeiter und nachdem wir unser Anliegen vorgetragen haben, kommt der ganze, bis dahin etwas verschlafende “Home Markt” in Bewegung. Die einen suchen nach dem Preis für diese Steine, der offensichtlich nicht im Computer zu finden ist. Andere eine Säge, um die Steine zu teilen, denn eine Länge von 30 Zentimetern reicht für unser Vorhaben völlig aus und wir benötigen nur die Hälfte an Steinen. So ist das gesamte Personal beschäftigt, bis wir die Steine auf dem Landy haben und davon fahren.

Zwischenzeitlich hat sich auch wieder Besuch eingefunden. Die “gelbe Tigerente” hat nach hartem Ringen mit dem GPS doch noch zu uns gefunden. Anette und Kai haben in den letzten Wochen Laos und Cambodia erkundet und stehen nun kurz vor einer Flugreise nach Nepal - natürlich mit ihrer “Tigerente”.
Wir verbrachten einige schöne Tage zusammen und die “Tigerente” bekam auch ein paar Streicheleinheiten. Nun rollt das Gespann neuen Abenteuern entgegen.

03. - 05.03.2008

Auch die sportliche Betätigung kommt hier nicht zu kurz. Und wenn Cordula mal nicht mehr kann, springt die Nachbarin rasch ein. Mit Chamsai oder auch Antie genannt, hatten wir schon vor vier Jahren Freundschaft geschlossen. Sie ist sehr hilfsbereit und beantwortet uns viele Fragen über thailändische Sitten und Gewohnheiten. In den nächsten Wochen wird sie uns fehlen, denn sie ist nach den USA eingeladen. Vor rund vierzig Jahren, während des Vietnam Krieges, war Chamsai nur für einen Tag mit einem hier stationierten Piloten verlobt, denn vom nächsten Einsatz kam er nicht zurück. Zu Weinachten 2007 meldet sich ein ehemaliger Freund dieses Piloten bei ihr, der schon seit Jahren nach ihr gesucht hat. Durch einen mit einer Thai verheirateten Bekannten hat er kurioserweise nun ihre Adresse erfahren und Chamsai spontan zu einem Besuch nach Tuscon Arizona eingeladen. Wir freuen uns mit ihr.
Zwischenzeitlich ist unser 60 Tage Visa abgelaufen und Dank Chamsai finden wir die zuständige Dienststelle der Immigrationsbehoerde ohne Probleme. Auch der Dialog bei der Beantragung der 30 Tage Verlängerung wird mit ihrer Hilfe doch viel einfacher. Mit der Verlängerung im Pass laden wir Chamsai zum Eisbecher bei “Swensen” ein.

Wir halten uns auch anderweitig fit. Erst wässern wir den Rasen jeden Abend und nun werden wir mit langen Halmen belohnt. Also kommt der Rasenmäher zum Einsatz. Fast wie Zuhause !

Aber auch andere Arbeiten warten auf uns. Eine undichte Stelle unterhalb des Alkovens hatte uns in NZ , diesem regenreichen Land, einen Wasserschaden beschert. Dank der Aluminium Aussenhaut und des PVC beschichteten Innendekors, konnte die Feuchtigkeit nicht so recht entweichen und ein anschliessendes warmes Jahr in Australien sorgte für ein entsprechendes Feuchtbiotop, in welches voller Dankbarkeit die Ameisen einzogen. Erst weiche Stellen und Risse im Dekor kündeten von dem Unheil. Auch die Verwerfung der Aussenhaut nach dem etwas unsanften Absetzen des Containers in KL liessen Schlimmes ahnen.
Natürlich sind die lieben Ameisen etwas sauer, als ich damit beginne ihr schönes Heim auseinander zu nehmen. Wozu allerdings nicht viel nötig ist. Sowohl das Sperrholz, als auch die Verstrebungen aus Holz existieren nur noch als Mulch.

08. - 12.03.2008

Nachdem sich das Ausmass der Zerstörung abzeichnet, wird es Zeit aufzurüsten. Dies tun wir mit entsprechenden holzbearbeitenden Werkzeugen, welche hier preiswert in mittelmässiger Qualität - für unsere Zwecke völlig ausreichend - zu haben sind. Holz, einer der beliebtesten Werkstoffe in diesem Land, zu beschaffen ist kein grosses Problem. Sorgen macht uns der Schaum, welcher als Dämmstoff zwischen Alu und Sperrholz fungiert. Wir suchen lange nach Vergleichbarem, werden aber nicht fündig. So weichen wir auf Bauschaum aus. Wie wir den darein bekommen ist zwar noch nicht ganz klar, aber schliesslich sind wir im Kommunismus aufgewachsen und so lernte man dort auch aus nichts etwas zu machen.

13. - 15.03.2008

Nach der tragischen Zwangsräumung einiger Hundert Insekten - die Tierschützer mögen uns verzeihen - liegt die Aluminiumhaut auch von innen frei. Das morsche “Gebälk” ist entfernt und wir machen uns Gedanken, wie wir hier wieder Stabilität rein bekommen.
Da die Temperaturen weiter im Steigen begriffen sind, lassen wir es mit der Arbeit ruhig angehen und ruhen uns auch immer wieder entsprechend aus. Wir haben ja ausreichend Zeit.

16. - 22.03.2008

Zwischenzeitlich haben wir Arbeitsteilung eingerichtet. Zu zweit in der Kabine zu arbeiten ist nicht gerade sehr bequem. Deshalb widmet sich Cordula mehr der Gartenarbeit und den anderen anfallenden Arbeiten beim “House sitting”, während meine Wirkungsstätte weiter im Inneren unserer Kabine bleibt.

23.03- 02.04.2008

Die Arbeiten an der Kabine gehen voran. So kann ich die ersten Stützhölzer und Verstrebungen erneuern. Beim Kleber hätten wir um ein Haar daneben gegriffen. Der hier angebotene Kontaktkleber lässt per chemischer Reaktion den vorhandenen Dämmschaum schmelzen. Also gehen wir wieder auf die Suche nach einem geeigneten Kleber. Aber auch da werden wir fündig. Es dauert halt nur ein paar Stunden oder gar Tage, um in einer Stadt wie Khorat als Fremder die richtigen Adressen zu finden, denn die Schriftzeichen bleiben für uns weiterhin nur unleserliche Hieroglyphen.
Unser Tourist Visa wird in den nächsten Tagen endgültig ablaufen und nach 90 Tagen Aufenthalt muss man Thailand erst einmal verlassen. So machen wir uns mit den Mopeds auf den Weg zur laotischen Grenze im Norden Thailands. Unweit der Grenze befindet sich der Geburtsort von Cordulas Tante und dort wohnt noch ihre Mutter und eine Schwester, welche ebenfalls mit einem Deutschen verheiratet ist. Saman und Horst haben ein schönes Haus in diesem kleinen Dorf, Nahe Nong Wau So, gebaut und Horst erfreut sich jeden Tag an der Ruhe und der Natur dieser Gegend. Horst freut sich aber auch sehr über unseren Besuch, der für ihn einige Abwechslung und Unterhaltung bringt.

Mit Hilfe der Beiden fahren wir heute als Backpacker zur Grenze nach Nong Khai. Zufällig muss auch Horst sein Visa mal wieder verlängern lassen. Er kann dies aber noch auf thailändischer Seite erledigen und so trennen sich unsere Wege für einen Tag.
Vientiane, der laotischen Haupt- und Grenzstadt haben wir vor vier Jahren aus selben Grund einen Besuch abgestattet. Allerdings damals mit den Mopeds und nur, um einen neuen Visa Stempel für 30 Tage in Thailand zu bekommen. Diesmal kommen wir quasi zu Fuss und möchten uns ein neues 60 Tage Tourist Visa bei der thailändischen Botschaft holen. So erleben wir den “Visa-Tourismus” aus nächster Nähe. Die laotischen Taxifahrer kennen nicht nur den Weg zur Botschaft ganz genau, sie wissen auch um die strenge Einhaltung der Geschäftszeiten. Da die Schlange an der Grenze lang war, haben wir Sorge noch bis 12 Uhr in die Botschaft zu kommen. So wird das Taxi etwas teurer, dafür aber schneller und wir kommen noch rechtzeitig an. Hier treffen wir zumindest all diejenigen wieder, die vor uns in der Schlange an der Grenze gestanden haben. Morgen Nachmittag können wir unsere Pässe dann wieder abholen (somit wird eine 24 Stunden Frist eingehalten) und haben so nun einen ganzen Tag, um uns Vientiane richtig anzuschauen. Praktischer Weise befinden sich in der Nähe der Botschaft viele kleine Übernachtungsmöglichkeiten und bis zum Zentrum ist es auch nicht weit.
So begeben wir uns zuerst an das Promenaden Ufer des Mekongs, welcher im Moment allerdings nicht viel Wasser führt. Auf der Suche nach einem Kaffe und einer Kleinigkeit zu Essen, spazieren wir am Präsidenten Palast und vielen schönen Villen mit französischem Einfluss vorbei. Wir landen auf dem La Fontaine Platz und finden gewünschte Stärkung im gleichnamigen Kaffe. Bevor wir den Tag mit einem ausgiebigen Dinner beim Italiener beenden, besuchen wir im goldenen Schein der untergehenden Sonne das Monument Patuxai -  dem Arc de Triomphe in Paris nach empfunden. Vientiane ist eben eine richtige Metropole, wenn sie auch einen etwas verschlafenen Eindruck auf uns macht.

Am Vormittag haben wir reichlich Zeit und besuchen das grösste und wichtigste Monument in Laos. Der Pha That Luang Tempel ist das älteste buddhistische Heiligtum in Laos und wurde der Legende nach bereits um das dritte Jahrhundert vor Christus von indischen Missionaren errichtet, um angeblich an diesem Ort Teile der Brustknochen Buddhas zu hinterlegen.
Natürlich stehen wir am Nachmittag wieder mit den selben Menschen vor der thailändischen Botschaft und warten auf die Ausgabe unsere Pässe. Ein grosser Teil von ihnen steht dann auch wieder mit uns an der Grenze. Insofern wird verständlich warum Thailand, trotz der vielen hier lebenden Ausländer, die Gültigkeitsdauer der Visa nicht grosszügiger handhabt. Es ist halt eine sehr profitable Einnahmequelle, an der  auch die laotischen Nachbarn partizipieren.
Die Rückfahrt zu Saman und Horst wird für uns so ganz allein etwas abenteuerlicher, glücklicherweise haben wir uns ihre Adresse in Thai aufschreiben lassen und die Thailänder sind immer sehr hilfsbereit. So kommen wir per Bus und diversen Sammeltaxen am Abend wieder wohlbehalten bei den Beiden an.

Vor unserer Abreise besuchen wir noch das renovierte Haus von Samans Mutter und einen etwas abgelegenen Tempel auf einem Berg.
Der Baustil des Elternhauses ist typisch für die thailändische Landbevölkerung. Aus Holz und als Pfahlbau ausgeführt, sorgt es für etwas Luftzirkulation und schützt vor wilden Tieren. Heute gibt es Ventilatoren und Klimaanlagen und was die wilden Tiere angeht, scheint es davon hier auch nicht mehr so viele zu geben. Also wird bei der Modernisierung der früher offene untere Teil  zugebaut und die alten Menschen brauchen keine Treppen mehr steigen, sondern können nun auch im Erdgeschoss wohnen.
Der Tempel oder das Wat, wie es hier genannt wird, ist noch im Ausbau befindlich. Viele freiwillige Helfer bauen an der aus Holz gefertigten Innenausstattung.  Insgesamt passt sich dieser Tempel sehr schön in die Natur ein und scheint ein Teil von ihr zu sein.
Auch uns wird eine Audienz bei einem Mönch zuteil und trotz sprachlicher Schwierigkeiten bekommen wir und auch unsere Mopeds glückbringende Bänder für die weitere Reise.
Am Nachmittag verabschieden wir uns von unseren Gastgebern und düsen wieder in Richtung Khorat, aber natürlich nicht auf dem kürzesten, sondern auf dem landschaftlich schönsten Weg. Da dieser zwangsläufig mit Umwegen und Stopps verbunden ist, suchen wir uns in Roi-Et eine Unterkunft für die Nacht. Viele Hotels gibt es hier nicht mehr (unser Reiseführer ist nicht mehr auf dem neuesten Stand) und so landen wir im Roi-Et City Hotel, welches gerade auf Grund des durch die Stadt ausgerufenem “Visit Roi-Et 2008” seine Zimmer zum halben Preis anbietet. So viel Luxus für wenig Geld können wir uns nicht entgehen lassen und checken für zwei Tage ein.

06. - 09.04.2008

Schliesslich ist Roi-Et eine alte historische Khmer - Stadt mit einem idyllischem See in der Mitte und dem höchsten Buddha im Land. Mit 59 Metern und auf einem acht Meter hohem Sockel stehend, überragt die Statue so manchen Bau in der Stadt. Glückskinder wie wir nun einmal sind, wird auch gerade noch ein buddhistisches Fest gefeiert und die Stadt ist bunt und feiert fröhlich. Traurige oder besinnliche Feste gibt es hier ja glücklicherweise nicht, was ja auch schlecht zum asiatischen Lächeln passen würde.

10. - 15.04.2008

Nach einigen schönen Tagen sind wir wieder zurück, in unserem Heim auf Zeit in Khorat. Langweilig ist es hier auch auf keinen Fall. Allein unsere Reparaturen halten uns auf Trapp. Allerdings wird hier die “Arbeitszeit” durch die wenigen kühlen Stunden des Tages begrenzt und ehrlich gesagt, verschlafen wir davon auch noch so einiges. Trotzdem geht es langsam voran, wie man sieht.
Aber nicht nur wir sind am Bauen, nein auch der Nachbar ist sehr fleissig, nur von Bauabständen hält man hier offenbar recht wenig.

16. - 22.04.2008

Auch Nachbarschaftshilfe leisten wir gelegentlich. Bei unserer lieben Nachbarin Chamsai wachsen die Bäume in den Himmel und bedrohen dadurch Dach und Stromkabel. Wie man sieht ist die 68zig Jährige selbst auch noch sehr gut drauf. Überhaupt sorgt Haus Hof und Garten für abwechslungsreiche und ungewohnte Arbeit, aber auch für viele erholsame Stunden.

23.04. - 02.05.2008

Besonders Cordula bemüht sich sehr um den Garten. Sie liebt es, wenn alles grünt und blüht. Die Thais betonieren schon mal lieber ihr Grundstück zu, da dies vor braunen Flächen in der Trockenzeit und zu viel Arbeit in der Regenzeit schützt. Das wird dann mit reichlich Topfpflanzen kaschiert, zumal diese hier recht preiswert sind.
Der Wasserschaden an der Wohnkabine ist auch so gut wie repariert, nur noch ein paar Schönheitskorrekturen und dann bin ich damit fertig. Aber es gibt noch ausreichend Anderes zu tun und wann wird es eine bessere Gelegenheit als hier auf Onkels Grundstück geben ?

 

Zum Reisejahr VI

 

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